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Innerer Antreiber: Sei perfekt

Umgang mit dem inneren Antreiber „Sei perfekt“

1. Zum inneren Antreiber: Sei perfekt!

Gott sucht sich nicht den vollkommensten Menschen, um sich mit ihm zu verbinden, sondern er nimmt menschliches Wesen an, wie es ist. Bonhoeffer

Der Antreiber „Sei perfekt“ drängt uns dazu alles noch besser zu machen, in Perfektion. Der Perfektionismus ist eine Geiseln unserer Zeit: perfekt aussehen, perfekt arbeiten, perfekter Ehepartner oder Eltern sein u.a. Es ist oft ein mir selbst auferlegter innerer Druck, alles hundertprozentig zu bewältigen. Das Gefühl permanenter Überforderung ist oft die Folge, ausgelöst durch übertriebene Erwartungen an sich selbst. Dieser Perfektionismus ist auch im geistlichen Leben zu finden: perfektes frommes Leben, perfekt beten, perfekt lieben! Häufig steckt dahinter ein Gefühl, dass man nicht wirklich liebenswert ist und erst alles perfekt tun müsste, um liebenswert zu werden. So lebe ich dann in ständiger Sorge, dass mich Gott in meinem So-Sein nicht liebt.

Kennst du den Gedanken in dir, dass Gott mit Dir unzufrieden ist? Was sind Deine inneren „Ich sollte mehr… ich müsste“-Gedanken? Wie gehst Du mit Deinen Fehlern um?

2. Lernen, nicht perfekt sein zu müssen

Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. 2 Kor 12,9

Welche Freiheit gewinnt ein Mensch, der gelernt hat, sich anzunehmen auch in seinen Grenzen, Schwächen und Fehlern. Der gelernt hat, nicht perfekt sein zu müssen, oder besser: nicht ständig den Schein aufrecht erhalten zu müssen, er sei perfekt. Der zu sich stehen kann, Fehler, Schwächen und Schuld zugeben kann. Perfektionismus ist etwas zutiefst Unmenschliches. Sich dagegen von Gott mitten in persönlicher Dunkelheit gegen alle Versuchung zur Resignation immer wieder auf die Füße stellen zu lassen und das Nicht-Perfekte im eigenen Leben gleichsam als Einfalltrichter der Gnade Gottes anzunehmen: das ist unser geistlicher Weg.

Der Fehler in der heutigen Zeit heißt Perfektionismus. Konrad Adenauer

3. Demut

Ich bin gekommen, um Sünder zur Umkehr zu Gott zu rufen, und nicht solche, die sich sowieso für gut genug halten. Lk 5,32

Im christlichen Glauben geht es nicht um Perfektionismus, das heißt darum, fehlerlos zu sein und das auch noch aus eigener Kraft. Es geht darum, immer wieder demütig umzukehren. Ein Kind, das laufen lernt, wird immer wieder fallen. Aber es steht immer wieder auf, lässt sich von seinen Eltern aufhelfen oder sogar tragen. Auch im geistlichen Leben geht es mehr darum, das eigene Unperfekte anzunehmen. Das ist nicht leicht, weil gleich wieder der innere Antreiber kommt, der sagt: Aber ich will doch perfekt sein, gerade auch im geistlichen Leben vor Gott. Die Demut ist und bleibt die Grundlage für diesen Kampf, der oft in unserem Inneren tobt. Die Demut lässt uns bei Gott Hilfe suchen. Demut ist das Fundament des geistlichen Lebens, weil wir uns dank dieser Tugend eingestehen, dass unsere eigenen Kräfte nicht ausreichen, um das Ziel zu erreichen.

Solange wir hier auf Erden leben, ist Demut unsere Vollkommenheit selbst. Augustinus

4. Umgang mit Fehlern

Wir alle machen oft Fehler. Jak 3,2

Wir möchten uns gerne auf perfekte Weise von allen negativen Emotionen, Leidenschaften und Kräften reinigen, sodass kein einziger dunkler Fleck auf unserer Seele zurückbleibt. Wir möchten am liebsten unsere Fehler und Schwächen aus uns herausreißen. Wir möchten sozusagen rein sein, perfekt, ohne jeden Makel. Es ist aber wichtig, dass wir Fehler machen dürfen. Unser Sein und nicht unser perfektes Tun definiert unseren Wert vor Gott. Sich selbst mit all seinen Macken zu akzeptieren fällt nicht leicht. Oft sind wir selbst unser schärfster Kritiker und verzeihen uns nur wenig. Fehler sind okay! Sie sind menschlich, unvermeidlich und das Wichtigste: Sie machen uns nicht zu einem wertlosen Menschen. Es hilft dabei, mit Fehlern zu rechnen und sie sich selbst zu erlauben. Fehler sind Chancen für Wachstum und neue Möglichkeiten.

Fragen: Wie gehe ich mit eigenem Versagen um? Darf ich Fehler machen? Kann ich Gott glauben, dass ich „in Christus“ vollkommen bin, dass Gott mich liebt?

5. Befreiende Erkenntnis

So sind auch wir an Christus Jesus gläubig geworden, damit wir aus dem Glauben an Christus gerechtfertigt würden und nicht aus Werken des Gesetzes, weil aus Werken des Gesetzes kein Fleisch gerechtfertigt wird. Gal 2,16

Bin ich das, was ich leiste und vorweisen kann? Oder bin ich das, was andere von mir sagen? Oder bin ich etwa das, was ich an Defiziten an mir erkenne und möglichst verberge? Klar, bemühen wir uns ein Leben zu führen, wie es Gott entspricht. Aber das ist nicht das Entscheidende. Das Entscheidende ist, dass Jesus Christus in mir lebt, der Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich dahin gegeben hat. Dies ist eine befreiende Erkenntnis. Ich kann meinen Leistungswahn, meinen Perfektionismus, meinen Konkurrenzkampf u.v.m. kreuzigen. Denn es entsteht ein in Christus gegründetes Selbstbewusstsein. Ich bin geliebt, wertgeschätzt mit allem, trotz allem, in ihm.

Wäre Jesus ein Perfektionist gewesen, hätte er alle Apostel nach Hause schicken müssen, zuallererst den Petrus. Peter Willi

6. Die eigene Unvollkommenheit ertragen

Ihr aber sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Mt 5,48

Wir müssen unsere eigene Unvollkommenheit geduldig ertragen, nicht aber sie lieben. Statt immer krampfhaft perfekt sein zu wollen, konzentrieren wir uns vielmehr darauf, dass wir erkennen und bekennen, dass wir arme Menschen sind. Sollen wir darüber unruhig und betrübt werden? Nein! Unsere Unvollkommenheit muss uns bis zum Grab begleiten. Wir können nicht gehen, ohne die Erde zu berühren. Wir dürfen uns nicht auf die Erde hinlegen oder uns dort wälzen, aber wir dürfen auch nicht ans Fliegen denken. Franz von Sales

Unsere Vollkommenheit besteht darin, zu wissen, dass wir nicht vollkommen sind. Augustinus

Liebe ist die gemeinsame Freude an der wechselseitigen Unvollkommenheit. Ludwig Börne

7. Vollkommen in Christus

Vollkommen in Christo Jesu. Kol 1,28

Fühlst du nicht in deinem Innern, dass in dir keine Vollkommenheit ist? Zeigt dies nicht jeder Tag? Aber mitten in deiner Unvollkommenheit findest du hier Trost: Du bist vollkommen in Christus. In Gottes Augen bist du vollendet in Ihm. Wie dunkel du auch bist, einst wirst du hell strahlen. Wie schmutzig du auch bist, einst wirst du rein dastehen. O, welch eine wunderbare Erlösung! O meine Seele, stehe hier still und staune über diese selige Wahrheit der Vollkommenheit in Christus! Spurgeon

Gott nötig haben ist des Menschen höchste Vollkommenheit. Kierkegaard

Glaube ist: das Bild der Vollkommenheit aufzugeben, um das ich so kämpfe – und seine Gnade anzunehmen. Pamela Reeve