Markus Evangelium Mk 10. Kap.: Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt

Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zum Markus Evangelium Mk 10. Kap.

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Markus Evangelium Mk 10. Kap.

Das Markus Evangelium Kapitel 10 beschäftigt sich mit verschiedenen Themen, darunter Scheidung, Reichtum und dem Reich Gottes. Jesus betont, dass Ehescheidung nicht von Gott beabsichtigt ist und dass Menschen, die reich sind, Schwierigkeiten haben werden, in das Reich Gottes einzutreten. Er fordert die Jünger auf, wie Kinder zu sein, um in das Reich Gottes einzutreten. Das Kapitel zeigt, dass wahre Nachfolge die Hingabe an Gott erfordert und oft mit Herausforderungen und Opfern verbunden ist. Es erinnert uns daran, dass es wichtig ist, unsere Prioritäten richtig zu setzen und unser Vertrauen auf Gott zu setzen, um ein erfülltes Leben zu führen

Mk 10,1-12: Über Ehe und Scheidung

Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zum Markus Evangelium Mk 10,1-12

Parallelstellen: Mt 19,1-12

Mk 10,1: Und er brach auf von dort und kam durch das Land jenseits des Jordan in das Gebiet von Judäa. Und wieder kamen die Volksmengen zu ihm, und er lehrte sie wieder, wie er es gewohnt war.

Jenseits des Jordan

Jesus lehrt „jenseits“ des Jordan. Jenseits des Jordan lag für das in der Wüste wandernde Volk Israel, das gelobte Land, in dem sie vor der Sklaverei Ägyptens in Sicherheit waren und unter Gottes Schutz leben durften. Das soll zeigen, dass das, was Jesus hier lehrt, den Menschen den Weg in das „neue“ Reich weist, jenseits der Sklaverei des Bösen, in die Freiheit der Gotteskinder, in die neue Schöpfung, in eine Welt, die ganz nah am Herzschlag Gottes ist. Und der Herzschlag Gottes ist die Liebe. Dorit Wilke-Lopez

Mk 10,2: Und die Pharisäer traten herzu und fragten ihn, um ihn zu versuchen: Ist es einem Mann erlaubt, seine Frau zu entlassen?

Da kamen die Pharisäer zu ihm und fragten

In den verschiedenen Evangelien sehen wir, wie Menschen zu Jesus kommen, um ihn um ein Wunder zu bitten, ihm zuzuhören und ihm Fragen zu stellen. Der große Unterschied zu den Pharisäern liegt nicht darin, dass sie das überhaupt tun, sondern wie sie es tun. Die Haltung ihrer Herzen ist eine ganz andere, denn sie kommen nicht zu ihm, um zu lernen, sondern um Jesus auf die Probe zu stellen. Auch wir müssen also nicht nur unsere Handlungen, sondern auch die ihnen zugrundeliegenden Beweggründe und Einstellungen prüfen. Daniel Flores Mondragon

Mk 10,3: Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten?

Mk 10,4: Sie sprachen: Mose hat erlaubt, einen Scheidebrief zu schreiben und seine Frau zu entlassen.

Mk 10,5: Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wegen der Härte eures Herzens hat er euch dieses Gebot geschrieben.

Hartherzigkeit

Das gilt nicht nur, aber auch für die Frage der Ehescheidung. Sie war Brauch geworden in Israel. Es gab auch eine Regel dazu, wie sie abzulaufen hatte. Aber hieß das, dass sie Gott gefällt? Dass sie dem ursprünglichen Wesen und der Berufung des Menschen entspricht? Jesus sagt, nein. Es war eine Regel, die mit der Hartherzigkeit des Menschen umzugehen versuchte, nicht ein Ideal. Jesus richtet unsere Augen aber auf das Ideal. Auf die wunderbare Berufung des Menschen. Und lädt uns ein, unsere Hartherzigkeit zu überwinden, nicht nach weniger zu streben als dem großen Plan der Liebe Gottes. Konstantin Ballestrem 

Mk 10,6: Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau erschaffen.

Der Mensch ist auf Beziehung hin geschaffen

Nicht der einzelne Mensch ist Ebenbild Gottes, sondern der Mensch in seiner Hinordnung auf ein Gegenüber. So wie Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist Beziehung ist und nur in dieser Beziehung zu denken ist. So ist auch der einzelne Mensch auf Beziehung auf ein Miteinander geschaffen. Wenn Gott feststellt „es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“ (Genesis 2,18), dann nimmt er im Menschen das wahr, was auch für ihn selbst gilt: Beziehung ist der Anfang des Seins und das Wesen des Daseins. Die Ebenbildlichkeit des Menschen äußert sich in seiner Beziehungsfähigkeit und Beziehungsbedürftigkeit. Wenn wir uns von jeder Form von Bindung und Aufbau von Kommunikation, von Bezug zu anderen lossagen, dann lösen wir uns von unserer Gottebenbildlichkeit. Kristell Köhler

Mk 10,7: Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen.

Mk 10,8: So sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch.

Ein Fleisch

Das gemeinsame Leben kommt vom rechten Weg ab, wenn wir zwar vor Gott eins sind und nicht mehr zwei, wir aber kaum gemeinsame Zeit verbringen. Zeiten mit Genussfaktor – das festigt das Band der Ehe, neben den vielen täglichen Herausforderungen in Arbeit und Familie. Gemeinsame Erlebnisse, Gespräche, eine längere Umarmung, kurze Streicheleinheiten, einen Kuss zur Begrüßung u.a. sind Ausdrucksformen der Liebe, wo unsere im Körper wohnende Seele spürt, dass sie geliebt ist. Wir kommen nicht allein mit Worten aus….Gemeinsame Zeit und Berührungen sind unverzichtbar wichtig und geben Kraft.

Worte von Tertullian

Welch ein süßer und heiliger Bund ist es, wenn zwei Christen gemeinsam dasselbe Joch tragen (vgl. Mt 11,29), geeint in der gleichen Hoffnung, in der gleichen Sehnsucht, in der gleichen Zucht, im gleichen Dienst! Beide sind Kinder desselben Vaters, Diener desselben Herrn, sind ein Fleisch (vgl. Mt 19,5) und ein Geist. Sie halten gemeinsam Fürbitte und Anbetung, fasten gemeinsam, belehren, ermutigen und ertragen einander. Ihr trefft sie gemeinsam in der Kirche, gemeinsam am Tisch des Herrn. Sie teilen gleicherweise Armut und Überfluss, Verfolgung und Trost miteinander. Zwischen ihnen gibt es keine Geheimnisse, keine Ausflüchte, sondern unverbrüchliches Vertrauen, gegenseitige Hilfsbereitschaft, nichts, was Kummer machen könnte.

Wenn sie Kranke besuchen oder Notleidenden helfen, brauchen sie das nicht voreinander zu verheimlichen; sie geben Almosen, ohne sich voreinander rechtfertigen zu müssen; sie opfern ohne schlechtes Gewissen und gehen ungehindert ihren täglichen Pflichten nach. Bei ihnen gibt es keine verstohlenen Kreuzzeichen, kein ängstliches Grüßen, keine stummen Danksagungen. Aus ihren Kehlen, die so frei sind wie ihre Herzen, steigen Hymnen und Lieder empor; sie wetteifern einzig darin miteinander, wer das Lob Gottes am besten singt. Christus freut sich über diese Einheit, und solchen Eheleuten sendet er seinen Frieden. „Wo zwei in seinem Namen versammelt sind“, da ist auch er zugegen (vgl. Mt 18,20). Und wo er ist, da ist kein Platz für den Feind unseres Heiles.

Mk 10,9: Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden!

Lebt Beziehung

Die Verbindung von Mann und Frau in der Ehe bildet die Verwiesenheit der Menschen aufeinander ab. Aber die Notwendigkeit des Menschen, in Beziehung zu treten, zeigt sich auch in Freundschaften, im Paarsein, in Familie – in allen Gemeinschaften, die wir Menschen bilden. Der Hinweis Jesu darauf, dass der Mensch nicht trennen darf, was Gott verbunden hat, gilt nicht allein der Verbindung zwischen Mann und Frau, die im Evangelium im Fokus steht. Sie gilt für die Bedürftigkeit eines Gegenübers. Jesus sagt: Das, wie Gott euch als Menschen geschaffen hat, das löst nicht auf. Trennt euch nicht voneinander ab, seid und lebt Beziehung – weil ich Beziehung bin. Kristell Köhler

Mk 10,10: Und seine Jünger fragten ihn zu Hause nochmals darüber.

Mk 10,11: Und er sprach zu ihnen: Wer seine Frau entlässt und eine andere heiratet, der bricht die Ehe ihr gegenüber.

Mk 10,12: Und wenn eine Frau ihren Mann entlässt und sich mit einem anderen verheiratet, so bricht sie die Ehe.

Bruch der Ehe

Wir müssen uns damit abfinden, dass die Ehe als Versprechen an Gott, unseren Ehepartner und die Welt ein verbindliches Versprechen ist und nicht nach eigenem Ermessen gebrochen werden kann. Es gibt bestimmte Fälle, in denen Gott zulässt, dass die Verheißung aufgelöst wird, aber es liegt an Gott und nicht an uns.

Mk 10,13-16: Jesus segnet die Kinder

Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zum Markus Evangelium Mk 10,13-16

Parallelstellen: Mt 19,13-15; Lk 18,15-17

Tägliche christliche Andacht

Mk 10,13: ‭Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre; die Jünger aber tadelten die, welche sie brachten.

Bild für die Fürbitte

In der Fürbitte bringen wir Menschen zu Jesus, damit er sie segnet. In der Fürbitte stelle ich den anderen Menschen unter die besondere Aufmerksamkeit Gottes. Gemeinschaft lebt aus dieser Fürbitte füreinander. Machen wir viel von ihr Gebrauch. Die Fürbitte verändert auch mich. Sie führt mich aus der Egozentrik meiner eigenen Probleme in den befreienden Raum des Dienstes und verändert meine Einstellung zum anderen. Ich finde Zugang zu den Herzen derer, für die ich bete.

Die Fürbitte ist eine Art, den anderen zu lieben. Richard J. Foster

Die Jünger wiesen die Leute ab

Im Evangelium steht nicht, warum die Jünger das Volk ablehnten, es wird uns nur ein Szenario gezeigt, in dem sie nicht gut dastehen. Wie oft ist das bei uns doch auch der Fall? Wie oft, vielleicht nicht aus Bosheit, sondern aus Müdigkeit, Routine oder schlichter Faulheit, sind wir unseren Brüdern und Schwestern ein schlechtes Beispiel, und statt Brücken zu sein, die sie Christus näher bringen, werden wir zu einem Hindernis für sie? Daniel Flores Mondragon

Deus semper magis – Gott ist immer größer 

Warum weisen die Jünger die Mütter mit ihren Kindern ab? Sie haben Angst, dass Jesus durch sie gestört werden könnte. Sie schließen von sich selbst – in ihren Augen sind die Frauen und Kinder lästig – auf Jesus. Gibt es Menschen, von denen ich Abstand halte, mit denen ich nichts zu tun haben will, die mir lästig sind? Jesus ist so anders als wir selbst. Seine Liebe und Großzügigkeit ist immer wieder unerwartet. Sie gilt jedem Menschen, auch wenn wir Jesus das vielleicht unterschwellig gar nicht zutrauen. Wir dürfen sie getrost immer noch größer einschätzen als wir uns das vorstellen können. Gott ist die Liebe, sagt der Evangelist Johannes, und diese Liebe ist eben immer größer als gedacht. Ich darf bei ihm Kind sein. Ohne Vorleistung werde ich geliebt und gesegnet. Und die anderen auch. Alle! Dorit Wilke-Lopez

Mk 10,14: ‭Als das Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes!

Mk 10,14: Lasst die Kinder zu mir kommen und haltet sie nicht zurück, denn Menschen wie ihnen gehört Gottes Reich.

Jesus wird unwillig

Diese Art von Gemutsäußerung Jesu ist im Evangelium einmalig. Sie tritt gerade dort auf, wo Menschen anderen Menschen den Zugang zu Jesus verwehren wollen. Kein Mensch darf anderen Menschen den Zugang zu Gott versperren. Vielmehr dürfen wir geführt durch Gottes Geist den Zugang öffnen und Hindernisse beiseite räumen. 

Jesus sieht

Das ist immer wieder reinstes Evangelium. Jesus sieht die Kinder. Jesus sieht mich. Er sieht, wenn ich traurig bin, er sieht meine Not. Corrie ten Boom sagt: Gott sieht dich und mich. Er liebt uns so sehr, dass er uns helfen und das, worum wir ihn bitten, tun will.

Lasst die Kinder zu mir kommen

Die Kinder haben einen besonderen Zugang zu Jesus. Ihre scheue, aber neugierige Art berührt sein Herz. Er hat sie besonders lieb. Sie sind schwach, verletzlich, auf Hilfe angewiesen. Das gewinnt ihn für sie. Sie nehmen sich nicht wichtig, spielen sich nicht auf, halten sich nicht für etwas Besonderes. Mit dieser Einstellung kann Jesus viel anfangen. Sein Wort trifft da auf ein offenes Ohr, sein Segen auf ein offenes Herz. Er nimmt sie in die Arme und segnet sie. Konstantin Ballestrem

Kinder nicht wegschicken

Im Geschäft und in der Logik unserer Welt werden Kinder und Menschen wie sie leicht an den Rand gedrängt. Oder – noch schlimmer – sie werden weltlich-wirtschaftlichen Zwecken geopfert, verkauft, missbraucht, „entsorgt“. Sie sind lästig. Wenn wir das Herz Jesu im Evangelium betrachten, muss das für Gott ein besonderer Schmerz sein. Jesus wurde darüber unwillig, dass man die Kinder weggeschickt hat. Mehr noch: Für die schutzlosen Menschen stehen in der Schrift oft die Armen, Witwen und Waisen. Sie zu unterdrücken, ist eine der „himmelschreienden Sünden“, die den „Zorn Gottes“ wecken. Konstantin Ballestrem

Vorzug der Kinder

Der Vorzug der Kinder besteht darin, dass sie völlig aufs Beschenktwerden angewiesen sind. Das Kind ist in erster Linie Empfangender. Glaube ist wie eine leere, zum Empfangen geöffnete Kinderhand. Gott nötig haben in allem. Kindlich Abba sagen können. Immer wieder mit leeren Händen staunend vor Gott kommen und von ihm lernen wollen. Ein Kind kann sich nicht vorstellen, daß Vater und Mutter etwas nicht können. Das soll die Haltung des Glaubens sein unserem Gott gegenüber.

Christ, so du kannst ein Kind von ganzem Herzen werden, so ist das Himmelreich schon deine hier auf Erden. Angelus Silesius

Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich

Die Seligpreisungen sind für Menschen geschrieben, die ein kindliches Herz haben. Kinder sind „arm“ – sie empfangen alles von ihren Eltern. Die gleiche Einstellung haben Menschen, die mit einem kindlichen Herzen vor Gott leben. Sie erwarten letztendlich alles von Gott, besonders das, was wirklich zählt. Und so stimmt die erste Seligpreisung: „Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich“ mit dem Wort Jesu über die Kinder überein: „Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich“. Hören wir ehrfürchtig auch den Nachsatz aus Jesu Mund, der uns tief treffen sollte: „Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ Karl Maurer

Die Kindertaufe

Jesu Aufforderung, die Kinder zu ihm kommen zu lassen, zusammen mit dem Hinweis auf die Taufe ganzer Haushalte (in Apg 16,15.33; 18,8) bildete die Grundlage für die Praxis der Kindertaufe in der Frühen Kirche. Kirchenväter wie Origenes (ca. 185-254) und der heilige Augustinus (354-430) betrachteten die Kindertaufe als eine Tradition, die von den Aposteln übernommen worden war. Der heilige Irenäus (ca. 135-200) hielt es für selbstverständlich, dass die Taufe Babys und Kinder einschloss. Andere Kirchenväter sahen im Aufschieben der Taufe eine elterliche Nachlässigkeit und baten die Eltern eindringlich, dieses Sakrament nicht hinauszuschieben. Anton Vogelsang

Mk 10,15: Ich versichere euch: Wer sich Gottes Reich nicht wie ein Kind schenken lässt, der wird ganz sicher nicht hineinkommen.

Kindern gehört das Reich Gottes

Jesus sagt, nicht auch, sondern nur Kindern gehört die Gottesherrschaft. Im Kind gibt es etwas, das einem, der in das Himmelreich kommen will, nie fehlen darf. Der Himmel ist allen zugesagt, die einfältig sind wie die Kinder, allen, die wie sie von vertrauensvoller Hingabe erfüllt, die rein und reich an Güte sind. Sie allein können in Gott einen Vater finden und durch Jesus zu Kindern Gottes werden.

Schlimm wäre es, das Wort des Heilands zu vergessen: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so einfach, demütig und fügsam wie sie, werdet ihr in das Himmelreich nicht eingehen. Franz von Sales

Mk 10,16: Dann nahm er die Kinder in seine Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie.

Jesus nahm die Kinder in seine Arme

Was für ein wunderbarer Mensch Jesus doch war! Er war den Menschen seiner Zeit, er war den Kindern so nahe. Er umarmte sie. Aber das, was für die damaligen Menschen galt, das gilt auch heute für mich. Jesus, der Auferstandene, lebt und ist auch mir ganz nahe. Ich brauche mich ihm nur in echtem, tiefem, lebendigem Glauben zu nähern und dann nimmt auch er mich in seine liebenden Arme. Das ist keine Metapher, sondern eine zutiefst erlebbare Wirklichkeit. Karl Maurer

Geschichtlicher Hintergrund

Kinder haben damals weder die Wertschätzung noch die Aufmerksamkeit wie heute. Kinder sind in der sozialen Hierarchie der Antike ganz unten und führen deshalb oft nur dienende Tätigkeiten aus. Jesus geht es hier nicht um das große Gefühl, sondern um den spezifischen Blick Gottes, der die Menschen ganz unten in den Fokus rückt. Genau solchen Menschen gehört das Himmelreich! Jesus umarmt die Kinder am Schluß. Er nimmt die Kinder in den Arm. Er drückt sie an sein Herz. Ins Zentrum seiner Liebe. Er legt ihnen die Hände auf. Er betet und segnet sie.

Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, lass Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen. Paul Gerhardt

Mk 10,17-31: Jesus spricht mit reichen Mann

Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zum Markus Evangelium Mk 10,17-31

Parallelstellen: Mt 19,16-30; Lk 18,18-30

Mk 10,17-22: Ewiges Leben erben

Tägliche christliche Andacht

Mk 10,17: Als Jesus weitergehen wollte, lief ein Mann auf ihn zu, warf sich vor ihm auf die Knie und fragte: Guter Lehrer, was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?

Weggeschichte

Die folgende Begegnung wird vom Evangelisten bewusst als eine Weggeschichte beschrieben, deshalb wird betont, dass Jesus wieder auf dem Weg.ist. Obwohl Weggeschichten eigentlich durch den Charme des Zufälligen geprägt sind, wird hier das Zusammentreffen durch den Mann bewusst hergestellt. Er läuft auf ihn zu, zeigt damit Initiative und durch seine Geste des Kniefalls auch Ehrerbietung gegenüber Jesus. Sein Auftritt bringt eine unmittelbare Dynamik in die Erzählung, was sich in der stark dialogischen Ausrichtung zeigt.

Worte von Todd Belardi

Der reiche Jüngling erkannte, dass Christus gut war. Er kniet vor ihm nieder, weil er weiß, dass Christus etwas besitzt, das er nicht hat. Was ist es? Der Geist der bedingungslosen Liebe. Christus hilft uns, aus uns herauszugehen und ihm mehr zu vertrauen. Und darum ermutigt uns auch Papst Benedikt: Ich sage euch, liebe Jugendliche: Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts weg, er gibt euch alles. Wenn wir uns ihm schenken, empfangen wir das Hundertfache zurück. Ja, öffnet eure Türen weit für Christus – und ihr werdet das wahre Leben finden.

Worte von Kristell Köhler

Die Frage, die ihn bewegt, zeigt nicht nur seine grundsätzliche Bereitschaft, sich an Gott auszurichten, sondern auch, sich selbst zu hinterfragen. „Was muss ich tun“ deutet die eigene Anstrengung an, das erhoffte Ziel der Gemeinschaft mit Gott zu erreichen. Wenn er am Ende dennoch traurig von der Begegnung weggeht, wird sich in den Anmerkungen Jesu zeigen, dass es nicht nur das eigene Vermögen ist, was einen Menschen diesem Ziel näher bringt.

Mk 10,18: Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein!

Nur einer ist gut

Niemand ist gut, außer Gott, dem einen. Der junge Mann scheint instinktiv zu ahnen, dass Jesus Gott ist, als er sich an ihn als den „guten Meister“ wendet. Auch ich wende mich gerade an diesen guten Meister. Ich kann mit ihm besprechen, was in meinem Leben gut ist, und welche guten Menschen ich kenne, und dafür danken. Aber all das Gute ist nur ein schwacher Widerschein des wahren Guten, nur ein Abglanz Gottes. Gott ist noch besser als das Beste, das mir je begegnet ist! Ich versuche, das innerlich nachzuvollziehen. Vielleicht kommen dabei Freude und Staunen auf. Oder andere Gefühle. Ich schaue mir auch das mit Jesus an. Dorit Wilke-Lopez

Allein Gott ist gut

Unter dem allein guten Gott ist aber nicht der Vater allein zu verstehen, sondern auch der Sohn, der sagt: Ich bin der gute Hirt, wie auch der Heilige Geist, weil es heißt: Der Vater vom Himmel wird den guten Geist denen geben, welche ihn darum bitten. Denn die Eine und ungeteilte Dreieinigkeit, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, ist der alleinige und einzige gute Gott. Der Herr sagt also nicht, daß er nicht gut sei, sondern bezeichnet sich als Gott; er bezeugt nicht, daß er kein guter Lehrer sei, sondern daß es ohne Gott keinen guten Lehrer gebe. Goldene Kette

Mk 10,19: Du kennst die Gebote: »Du sollst nicht ehebrechen! Du sollst nicht töten! Du sollst nicht stehlen! Du sollst nicht falsches Zeugnis reden! Du sollst nicht rauben! Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!

Mk 10,20: Er aber antwortete und sprach zu ihm: Meister, das alles habe ich gehalten von meiner Jugend an.

Mk 10,21: Da blickte ihn Jesus an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir! Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm, nimm das Kreuz auf dich und folge mir nach!

Mk 10,21: Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! 

Der Blick Jesus

Jesus blickt ihn an, und der Mann darf die Erfahrung der Liebe Gottes machen. Er spürt in sich den Drang nach mehr, bringt ihn zum Ausdruck und Jesus fordert ihn zu einer vollkommeneren Hingabe auf. Doch da geht der Mann traurig weg. Er ist jetzt nicht fähig, diesem Ruf zu folgen, sich ganz und gar auf Jesus einzulassen. Der Blick Jesu trifft auch mich, jeden Tag, jede Sekunde meines Lebens.

Er will mir jetzt persönlich begegnen. Er blickt mich an, voller Liebe. Wie reagiere ich auf seinen Blick? Bin ich bereit, mein ganzes Wesen dem Blick Gottes auszusetzen? Wie ist mein Blick auf ihn? Voller Hoffnung, voller Vertrauen? Lasse ich – wie Petrus bei seiner Berufung – alles stehen und liegen und folge ihm nach? Oder bin ich jetzt nicht fähig, ihm zu folgen, lasse mich aber von seinem Blick begleiten, um zu lernen, was ich um seinetwillen loslassen muss? Marita Grötsch

Und weil er ihn liebte

„Geh, verkaufe, was du hast, […] und folge mir nach!“ Diese Aufforderung Jesu mutet mir immer etwas extrem und fordernd an. Wieso muss der Mann (muss ich) auch noch allen Besitz weggeben, wenn ich schon die Gebote halte? Doch der kleine Satz zuvor stellt alles in ein neues Licht. Jesus rät dem Mann, alles zu verkaufen, weil er ihn liebte! Jesus meint es gut mit mir. Er möchte mich von der Last und Anhänglichkeit an den Besitz befreien und ins Glück führen. Nicht jeder von uns ist gerufen, die evangelischen Räte in aller Strenge zu leben, doch eine Loslösung von den irdischen Besitztümern führt uns alle in eine größere Freiheit. Wie steht es um meine Anhänglichkeiten? Darf Jesus mir den Rat der Loslösung aufs Neue geben? Michael Roidl

Sein Kreuz annehmen

Es steht dir nicht zu, dein eigenes Kreuz zu zimmern; obwohl es der Unglaube gerade darin zur höchsten Meisterschaft bringt, Kreuze zu zimmern. Dir ist auch nicht gestattet, dein Kreuz selber auszuwählen, obwohl der Eigenwille gern Herr und Meister wäre. Dein Kreuz wird dir von der göttlichen Liebe bestimmt und bereitet.

Du musst es dankbar aus ihrer Hand annehmen. Du musst das Kreuz auf dich nehmen als deine dir zugeteilte Würde und Bürde. Nimm es auf dich als ein wahrhafter Nachfolger Christi. Der Herr Jesus war ein Kreuzträger. Wenn er uns Freuden schenkt, nehmen wir sie dankbar an. Wenn er uns Kreuze schickt, küssen wir sie. Jedes Kreuz, ob groß oder klein, und sogar jeder Ärger ist ein Ruf des Geliebten. Spurgeon

Mk 10,22: Als er das hörte, war der Mann tief betroffen. Traurig ging er weg, denn er besaß ein großes Vermögen.

Überprüfung des Herzens

Das heutige Evangelium lädt uns ein, im Gebet zu prüfen, wo unser Herz steht, woran unser Herz hängt. Ist es der Wohlstand, der Luxus oder die Bequemlichkeit? Wie gehen wir mit Entbehrungen um? Werden wir missgelaunt oder bedrückt, wenn wir etwas entbehren oder loslassen müssen? Welchen Stellenwert hat der Konsum und welchen die Großzügigkeit im Almosengeben? Der junge Mann, der Jesus verlässt, ist nicht eine erfundene Gestalt, sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut. Das könnte jeder von uns sein. Er ging traurig weg, denn er wollte sich nicht verschenken. Der Drang des Sich-Selbstbewahrens war stärker. Es heißt, Jesus liebte ihn. Das muss der junge Mann gespürt haben. Dieser liebende Blick wird den jungen Mann wohl sein Leben lang begleitet haben. Vielleicht hat er es sich irgendwann noch einmal überlegt? Und auch uns begleitet dieser liebende Blick des Herrn, jeden Tag, jede Sekunde. Wir können uns jeder Zeit neu entscheiden! Ellen Charlotte Petermann

Loslassen

Der heilige Paulus sagt, dass nichts über Christus gehen sollte. Im Fall des jungen Mannes hatte dieser aber etwas anderes Christus vorgezogen. Der Komfort, die Sicherheit und die materiellen Dinge waren ihm wichtiger als die persönliche Einladung Christi zur Vollkommenheit. Abhängigkeit führt zur Traurigkeit; in einem Herzen, das mit den Dingen dieser Welt ganz erfüllt ist, gibt es keinen Platz für Gott. Nur das Loslassen führt zu wahrer Freude. Gott gibt sich dem, der ihn ohne Bedingungen sucht. Todd Belardi

Worte von Kristell Köhler

Das Bemerkenswerte des Evangeliumstextes ist –und das wird allzu leicht übersehen – der Mann sieht das selbst ein. Er scheitert nicht auf halber Strecke, nachdem er alles verkauft hat und dann bitterlich über „das Verlorene“ weint. Er entscheidet sich nicht erst für die Nachfolge und dann wieder um, nachdem er die Radikalität dieses Lebens am eigenen Leib gespürt hat. Der Mann sieht auf sich, auf den Ruf Jesu und er erkennt: Das bekomme ich nicht hin.

Diese Selbsterkenntnis aber ist der erste Weg hin zu der Verheißung, die Jesus im Nachgang ausspricht: Woran du selbst zu scheitern scheinst, das kann Gott doch noch möglich machen. Wenn Gott das Kamel durchs Nadelöhr holt, dann meint dies nichts anderes als: Gott ruft so beharrlich, er ermutigt die Zögernden, er lässt nicht locker mit seinem Angebot.

Und so wird der Mann, der heute noch weggeht, vielleicht irgendwann die innere Stärke und Klarheit haben: Ich brauche meinen Besitz nicht. Ich muss mich nicht an etwas festhalten. Denn ich weiß: Wenn ich das Meine loslasse, wird mir Gottes Reich geschenkt. Hier auf Erden in der sichtbaren und spürbaren Gemeinschaft mit den anderen Christen. Und auf ewig in der Nähe Gottes.

Mk 10,23-27: Bei Gott sind alle Dinge möglich

Mk 10,23: Da schaute Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es doch für Menschen, die viel besitzen, in Gottes Reich zu kommen!

Wo dein Schatz ist, ist auch dein Herz

Der Schatz des jungen Mannes ist sein Reichtum. Dort hat er sein Herz verankert, und diesen Anker kann er nicht lösen. Er ist gebunden. Wie ist das bei mir? Wo habe ich Anker geworfen? In meinen liebsten Menschen, im Besitz, in der Arbeit, im Sport, in meiner Leistung? Welche Bindungen habe ich? Kommt Gott dabei vor? Ich bespreche das mit dem guten Meister. Dorit Wilke-Lopez

Mk 10,24: Die Jünger aber erstaunten über seine Worte. Da begann Jesus wiederum und sprach zu ihnen: Kinder, wie schwer ist es für die, welche ihr Vertrauen auf Reichtum setzen, in das Reich Gottes hineinzukommen!

Erstaunte Jünger

Die Worte Jesu erstaunten die Jünger, weil sie davon ausgingen, dass Reichtum immer ein Zeichen von Gottes Segen und Gunst sei. Sie dachten, dass die Reichen besonders gerettet würden.

Mk 10,25: Es ist leichter, dass ein Kamel durch das Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt.

Mk 10,26: Sie aber entsetzten sich sehr und sprachen untereinander: Wer kann dann überhaupt errettet werden?

Mk 10,27: Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist es unmöglich, aber nicht für Gott. Für ihn ist alles möglich!

Bild vom Kamel und Nadelöhr

Weil er mich liebt, will er mir – sozusagen dem „Kamel“ in dem Bild, das er benutzt – auch durch das Nadelöhr (ein Bild für eines der kleinsten Stadttore in Jerusalem) ins ewige Leben helfen. Wenn das Kamel aber misstrauisch und bissig ist, wird das nicht gelingen. Nur wenn es seinem Führer vertraut, wird es die Enge und die Schmerzen in Kauf nehmen, die die Passage durch das Nadelöhr verursachen wird. Ich spreche mit Jesus über mein Vertrauen. Dorit Wilke-Lopez

Mk 28-31: Das Teil der Jünger

Mk 10,28: Da begann Petrus und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt!

Wir sind dir nachgefolgt

Wir sind Bindungswesen, wir brauchen die Bindung an andere Menschen, aber letztendlich brauchen wir die Bindung an Gott. Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, Herr, hat Augustinus gesagt. Jesus will uns beibringen, wie erfüllend und lohnend es ist, wenn wir uns an ihn binden statt an die Menschen. Wenn wir uns nämlich an die Menschen binden, plagen wir uns herum mit Menschenfurcht, Eifersucht, Ehrgeiz, Eitelkeit und Abhängigkeit. Nur, wenn wir uns an Gott binden, aus ihm unsere Sicherheit schöpfen und von ihm unser Liebesbedürfnis befriedigen lassen, können wir die anderen in Freiheit lieben und nicht, weil wir zurückgeliebt werden wollen. Dorit Wilke-Lopez

Alles verlassen

Christus fordert seine Jünger auf, alles zu verlassen. Es gibt keine wirkliche Nachfolge Christi ohne innere Loslösung von Dingen und Menschen, die uns lieb sind. Warum lädt uns Christus ein, uns sogar von guten Dingen oder Menschen zu trennen? Wenn Christus, der uns bis zum Kreuz geliebt hat, auffordert, etwas für ihn zurückzulassen, ist es sicherlich, weil er es uns in bessere Weise zurückgeben will. Dieses Loslassen bedeutet, die Augen nicht in erster Linie auf diese Dinge gerichtet zu haben, sondern auf ihn allein und auf den Weg, den er mich führt. Welche Sicherheiten, welche Beziehungen in meinem Leben oder Lebensprojekte lädt mich Jesus ein, loszulassen? Welchen Weg möchte er mich führen? Sarah Briemle

Mk 10,29: ‭Jesus aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Frau oder Kinder oder Äcker verlassen hat um meinetwillen und um des Evangeliums willen,

Mk 10,30: ‭der nicht hundertfältig empfängt, jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker unter Verfolgungen, und in der zukünftigen Weltzeit ewiges Leben.

Das Versprechen Jesus

Jesus verspricht den Jüngern für ihre Nachfolge das Hundertfache von dem, was sie verlassen haben. Und tatsächlich, am Ende ihres Lebens hatten die Jünger durch die Ausbreitung des Leibes Christi, der Kirche, „hunderte“ von Häusern, „hunderte“ von Äckern und „hunderte“ von geistlichen Kindern. Aber war das alles? Der junge Mann im Evangelium wollte das ewige Leben gewinnen. Darum geht es letztendlich und das verspricht Jesus seinen Jüngern obendrein („und in der kommenden Welt das ewige Leben“).

Gott will seine Herrlichkeit und seine Gottheit mit uns teilen! Aber Voraussetzung für das Hundertfache und das ewige Leben ist unsere Entscheidung für die Nachfolge und unser Vertrauen in Gott und seine Verheißung. Die Jünger haben eine Entscheidung getroffen, sie sind Jesus nachgefolgt. Der junge Mann konnte das nicht, er ging traurig weg. Was wollte der Mann wirklich? Was will ich wirklich? Marita Grötsch

Der Lohn

Was nun ist der Lohn für unser christliches Leben? Jesus nennt den ultimativen Preis: das ewige Leben. Natürlich ist damit die ewige Glückseligkeit im Himmel gemeint. Aber gleichzeitig hat der Weg, die Wahrheit und das Leben auch noch einen anderen Namen: Jesus Christus. Er selbst ist der Lohn – die Beziehung und die Zweisamkeit mit ihm. Sooft wir wollen, können wir unseren Lohn in der heiligen Messe abholen – oder besser: uns von ihm abholen lassen. Michael Roidl

Der hundertfache Lohn

Wenn man diese Evangeliumsstelle liest, könnte man meinen, einer, der alles verlässt, erhalte schon jetzt, in dieser Zeit, den hundertfachen Lohn an irdischen Gütern. Hundertfach meint nicht unbedingt hundertfache Menge an irdischen Gütern, sondern zunächst die hundertfach wertvolleren geistlichen oder himmlischen Güter, genauer gesagt die Gottesgemeinschaft. Bei der Erwähnung des irdischen Lohnes gibt es einen kleinen, aber wichtigen Zusatz: Jesus sagt „…unter Verfolgung.“ Was ist damit gemeint? Das können so vielfältige Dinge sein, wie eine reale, gesellschaftliche Verfolgung der Kirche, gerade auch in unserer Zeit, aber auch unsere ganz persönlichen Erfahrungen von „Verfolgung“, wie eine Verleumdung, eine Benachteiligung und vieles mehr. Wer Jesus nachfolgen will, muss immer mit diesen Dingen rechnen, das wussten die Jünger und das wissen wir. In jedem Fall wird aber demjenigen, der Jesus treu nachfolgt, der Himmel versprochen. Ellen Charlotte Petermann

Mk 10,31: Aber viele von den Ersten werden Letzte sein und die Letzten Erste.

Mk 10,31: Viele aber, die jetzt die Ersten sind, werden dann die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein.

Wahre Dienstbereitschaft

Jesus erinnert uns an den Weg: „Viele, die jetzt die Ersten sind, werden dann die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein.“ Es geht um das Wesentliche, die Worte Jesu sind klar und sein Vorbild erhebt an uns allerhöchste Ansprüche, denn es handelt sich um einen Weg der Entäußerung. Ja, vom rein menschlichen Standpunkt aus ist die Nachfolge Jesu anspruchsvoll: Sie lädt uns zur Dienstbereitschaft ein. Und das ist genau das, worin Christus uns ein Beispiel gegeben hat. Wenn wir nun beim Herr die Ersten sein wollen, dann müssen wir uns verhalten, wie der Letzte, das heißt: dienen. Und wenn der Herr uns Güter anvertraut, dann müssen wir die Haltung des Gebens einnehmen, das heißt: teilen und für die anderen da sein. Michaela Weimann

Mk 10,32-34: Dritte Leidensankündigung

Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zum Markus Evangelium Mk 10,32-34

Parallelstellen: Mt 20,17-19, Lk 18,31-34

Mk 10,32: Sie waren aber auf dem Weg und zogen hinauf nach Jerusalem, und Jesus ging ihnen voran, und sie entsetzten sich und folgten ihm mit Bangen. Da nahm er die Zwölf nochmals beiseite und fing an, ihnen zu sagen, was mit ihm geschehen werde:

Auf dem Weg nach Jerusalem

Als sie sich Jerusalem näherten, ahnten die Jünger die Gefahr ihrer Mission. Jesus war ein gesuchter Mann und doch ging Jesus ihnen voraus. Daher staunten die Jünger über den Mut Jesu und fürchteten das Schicksal, das sie alle in Jerusalem erwartete. Gleichzeitig sollen die Jünger dafür gelobt werden, dass sie Jesus weiterhin nachfolgen. Sie hatten zwar Angst, aber es ist auch wahr, dass sie gefolgt sind.

Er geht voran

Die Jünger sind mit Jesus gemeinsam auf dem Weg nach Jerusalem. In einem kleinen Nebensatz wird erwähnt, dass Jesus ihnen vorausgeht. Er geht voran und die Jünger folgen ihm. In jeder Lebenskrise, in jeder Krankheit, in allen Schwierigkeiten können wir uns sicher sein, dass Jesus voran geht und wir ihm nur hinterhergehen müssen. Bin ich mir bewusst, dass Jesus in allen Situationen bei mir ist? Michael Roidl

Tägliche christliche Andacht

Mk 10,33: Siehe, wir ziehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird den obersten Priestern und den Schriftgelehrten ausgeliefert werden; und sie werden ihn zum Tode verurteilen und ihn den Heiden ausliefern.

Der Mut Jesus

Wir denken manchmal nicht genug über den Mut Jesu nach. Es bedurfte einer enormen Menge an Tapferkeit für Ihn, direkt auf Sein Schicksal auf Golgatha zuzugehen und vor den Jüngern zu gehen. 

Ausgeliefert sein & Sich ausliefern.

Jesus spricht mit seinen Jüngern sehr offen darüber, was mit ihm in Jerusalem passieren wird. Und das ist keine Option; er sagt nicht: „Es kann sein, dass …“, er sagt, „Dort wird …“ Jesus ist Gott, er könnte diesem Ausgeliefertsein ausweichen, aber er wird es nicht tun. Letztlich liefert er sich selbst aus; nimmt seinen Auftrag an. Gibt es Themen, denen ich ausweichen möchte? Gibt es Dinge, die von mir (zu Recht) erwartet werden, die ich lieber abgebe, aussitze, hoffe, dass sie an mir vorübergehen? Bin ich dann in der Lage, selbst Verantwortung zu übernehmen und zu sagen: Ich nehme das auf mich, weil es richtig ist?Felix Honekamp

Mk 10,34: Sie werden ihn verspotten und geißeln und anspucken und ihn töten; und am dritten Tag wird er wiederauferstehen.

Warum kündigt Jesus das an

Er tat dieses, um die Herzen seiner Jünger zu bekräftigen, damit sie, wenn sie dieses zuvor hörten, es nachher leichter ertrügen und sich nicht über etwas Unerwartetes entsetzten, sowie auch, um zu zeigen, daß er freiwillig leide. Goldene Kette

Souveränität

Jesus kündigt vor seiner Kreuzigung mehrmals seinen kommenden Leidensweg an, unter anderem auch an der obigen Stelle. Das führt mir immer wieder vor Augen, wie souverän Jesus seiner Erlösungstat entgegen geht. Er ist nicht einfach unwissend in eine Falle geraten. Er hatte zu jeder Zeit die volle Kontrolle über die Geschehnisse. Das ist kein schwacher Gott, der in die Hände seiner Geschöpfe gerät, es ist ein starker Gott, der sich freiwillig in die Hände seiner Geschöpfe begibt. Michael Roidl

Mk 10,35-45: Jesus lehrt zu dienen

Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zum Markus Evangelium Mk 10,35-45

Parallelstellen: Mt 20,20-28

Mk 10,35-37: Ein Platz im Reich

Mk 10,35: ‭Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sprachen: Meister, wir wünschen, dass du uns gewährst, um was wir bitten!

Mk 10,36: ‭Und er sprach zu ihnen: Was wünscht ihr, dass ich euch tun soll?

Was wünscht ihr?

Jesus lädt mich ein, zu bitten. Im Gebet wartet er auf mich und er hört jede meiner Bitten. Welch Gnade! Die Bitte von Jakobus und Johannes ist dabei verständlich. Sie wollen in der Ewigkeit ganz nah bei ihm sein. Sehne ich mich ebenso nach dieser Nähe zu Jesu? Das Motiv der beiden Jünger ist allerdings zweifelhaft. Die Jünger streben nach oben (Macht, Ehre etc.). Mit ihrer Bitte offenbaren sie, dass sie den Kern der Sendung Jesus noch nicht verstanden haben. Denn Gott geht den Weg nach unten. Im alten Testament sucht er sich ein kleines schwaches Volk aus. Dieser Weg Gottes nach unten verwirklicht sich dann in einmaliger Weise, indem er Mensch wird in Jesus Christus.

Jesus hat die schenkende Aufmerksamkeit nach  unten. Paul Deitenbeck

Mk 10,37: ‭Sie sprachen zu ihm: Gewähre uns, dass wir einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen dürfen in deiner Herrlichkeit!

Bei Jesus sein wollen

Die Bitte der beiden Jünger deutet auf die Beziehung hin, die sie zu Jesus hatten. Sie hegten den Wunsch, für immer bei ihm zu sein. Sie bitten nicht um Reichtümer. Sie wollen nur einen Platz neben ihm gesichert haben. Sie haben auch verstanden, dass er König ist und wollen Teil seines Königreichs sein. Wenn ich Jesus um etwas bitten würde, würde ich ihn auch darum bitten, für immer bei ihm zu sein? Wer ist Jesus für mich? Und was sind die tiefsten Sehnsüchte in mir, was ist diese eine Sache, um die ich bitten würde? Sarah Briemle

Mk 10,38-40: Der Teil der Brüdern

Mk 10,38: ‭Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet! Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, womit ich getauft werde?

Mk 10,39: ‭Und sie sprachen zu ihm: Wir können es! Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, womit ich getauft werde;

Unklarheit im Bitten

Jesus macht mir bewusst, dass mir manchmal nicht bis zuletzt klar ist, um was ich eigentlich bitte. Ich sehe nur eine Seite der Wirklichkeit, meine Bedürfnisse. Er kennt die andere Seite, den Willen des Vaters, der das wünscht, was wirklich gut für mich ist. Glaube ich daran, dass er am besten weiß, was für mich gut ist? Im Bild des Kelchs weist Jesus nun auf sein Todesschicksal hin. Im Brustton der Überzeugung beteuern Jakobus und Johannes, dass sie ebenso diesen Kelch trinken können.

Aber verstanden haben sie nichts! Nicht mit Ehrenplätzen müssen diejenigen rechnen, die sich in die Nachfolge Jesu begeben, sondern mit hinein genommen zu werden in die Passion. Ich weiß nicht, was mein Kelch von Erfahrungen sein wird, den ich in diesem Leben trinken werde. Im eifrigen Gebet bitte ich Jesus, dass ich mit Liebe alles annehmen kann, was er jeden Tag für mich vorbereitet.

Seinen Kelch trinken

Dieser große Arzt ist gekommen, um unser Krebsgeschwür zu heilen. Er ist gekommen um selber unseren Stolz durch sein Beispiel zu heilen. Das ist es, worauf wir beim Herrn achten müssen: Schauen wir auf seine Demut, trinken wir den Kelch seiner Demut, ergreifen wir ihn, betrachten wir ihn. Es ist leicht, edle Gedanken zu haben; leicht, sich an Ehrungen zu erfreuen; leicht, das Ohr Schmeichlern zu leihen und denen, die uns loben. Aber Beleidigungen zu ertragen, Demütigungen geduldig auf sich zu nehmen, für den zu beten, der uns beleidigt: das ist der Kelch des Herrn, das ist das Festmahl des Herrn. Josemaria

Mk 10,39: Ihr werdet tatsächlich so wie ich leiden und euer Leben hingeben müssen.

Das Leiden Jesus erwägen

Wer aufrichtige Demut lernen will, sollte Jesu Leiden erwägen. Wenn ich Jesu Leiden betrachte, wird mir vieles klarer, was ich vorher nicht begreifen konnte. Ich will dir ähnlich sein, Jesus, dir, dem Gekreuzigten, dem Geschundenen, dem Gedemütigten. Jesus, bilde mein Herz nach deinem Herzen, verwandle es in dein eigenes Herz, damit ich die Nöte anderer Herzen spüre, besonders der Leidenden und Traurigen. Mögen die Strahlen der Barmherzigkeit in meinem Herzen ruhen, Taten der Barmherzigkeit, die aus seiner Liebe zu mir hervorgehen. Barmherzigkeit erweise immer und überall deinem Nächsten. Faustyna

Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern, des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus Deiner guten und geliebten Hand. Bonhoeffer

Mk 10,40: Aber das Sitzen zu meiner Rechten und zu meiner Linken zu verleihen, steht nicht mir zu, sondern es wird denen zuteil, denen es bereitet ist.

Mk 10,41-45: Gekommen um zu dienen

Mk 10,41: Die anderen zehn Jünger hatten das Gespräch mit angehört und waren empört über Jakobus und Johannes.

Empörung über Mitmenschen

Geltungsdrang und Machtstreben einerseits, Neid und Eifersucht andererseits. Wie menschlich es doch schon bei denen zuging, die zum engsten Kreis Jesus gehörten. Diese Bibelstelle ist uns zur Mahnung gegeben, nicht der Mode dieser Welt nachzugeben, die darin besteht, sich über andere zu erhöhen. Ich schaue auf mein Verhalten bei Begegnungen mit Nahestehenden und während den täglichen Beschäftigungen. Was überwiegt bei mir: die Haltung der Herzlichkeit und des Dienstes oder der Rivalisierung und des Drehens um sich selbst?

Wie kann ich eine goldene Krone tragen, wenn der Herr eine Dornenkrone trägt? Elisabeth von Thüringen

Mk 10,42: Aber Jesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass diejenigen, welche als Herrscher der Heidenvölker gelten, sie unterdrücken, und dass ihre Großen Gewalt über sie ausüben.

Mk 10,43: Unter euch aber soll es nicht so sein, sondern wer unter euch groß werden will, der sei euer Diener.

Bei euch soll es nicht so sein

Jesus möchte dieses weltliche Denken seiner Jünger durchbrechen. Er möchte ihnen zeigen, dass wahre Größe nicht durch Macht, sondern durch Dienst zu erreichen ist. Diese Worte setzt Jesus einige Tage später in die Tat um: Als er seinen Jüngern beim letzten Abendmahl die Füße wäscht, tut er einen Dienst, den zu dieser Zeit nur Sklaven tun mussten

Diener sein

Wie schön ist es und wie groß, Gott zu kennen und ihm zu dienen! Wir haben nichts weiter als dies zu tun auf der Welt. Alles, was wir sonst noch machen, ist verlorene Zeit. Mögt ihr suchen, in jeglichem Wohlstand und Vergnügen, ihr werdet euer Glück nicht finden. Die ganze Erde kann eine unsterbliche Seele ebenso wenig zufriedenstellen, wie ein Fingerhut voll Mehl einen Hungernden sättigen kann. Der liebe Gott hat uns auf die Erde gestellt, um zu sehen, wie wir uns hier bewähren. Wenn wir das bedenken, wenden wir stets unseren Blick dem Himmel zu, unserer wirklichen Heimat. Wodurch wird das religiöse Leben so verdienstvoll ? Durch den fortwährenden Verzicht, diesen Tod des eigenen Ich. Jean Marie Vianney

Christus hat den letzten Platz in der Welt eingenommen

Das Kreuz und gerade mit dieser radikalen Demut hat er uns erlöst und hilft uns fortwährend. Darin folgen wir ihm. Das rechte Dienen macht den Helfer demütig. Er setzt sich nicht in eine höhere Position dem anderen gegenüber. Wer in der Lage ist zu helfen, erkennt, dass gerade so auch ihm selber geholfen wird und dass es nicht sein Verdienst und seine Größe ist, helfen zu können. Dieser Auftrag ist Gnade.

Je mehr einer für die anderen wirkt, desto mehr wird er das Wort Christi verstehen. Denn er erkennt, dass er nicht aufgrund eigener Größe oder Leistung handelt, sondern weil der Herr es ihm gibt. Er wird in Demut das tun, was ihm möglich ist und in Demut das andere dem Herrn überlassen. Gott regiert die Welt, nicht wir. Wir dienen ihm nur, soweit wir können und er uns die Kraft dazu gibt.

Mk 10,44: Wer unter euch der Erste sein will, soll zum Dienst an allen bereit sein.

Jesus zeigt mir den Weg des Evangeliums, der in den Himmel führt

Es ist der Weg des Dienens, frei von ungesunder Rivalisierung und Selbsterhöhung. Der Christ ist dazu berufen, wie ein Knecht zu werden, indem er den Spuren Jesu folgt, das heißt sein Leben freigebig und absichtslos für die anderen hin zu geben. Nicht die Suche nach Macht und Erfolg, sondern die demütige Selbsthingabe muß jede unserer Handlungen und jedes unserer Worte kennzeichnen. Die wahre christliche Größe, das Profil des Christen zeigt sich in dienender Liebe und liebender Hingabe. Man kommt Gott nicht näher, indem man dem Menschen fernrückt. Wofür hat er uns die Liebe geschenkt!

In einem Spruch der Wüstenväter heißt es

Wenn du einen Jüngling siehst, der mit seinem eigenen Willen zum Himmel hinaufsteigt, dann halte seinen Fuß und ziehe ihn auf die Erde, denn das andere nützt ihm nichts. Als demütige Menschen bleiben wir geerdet. Das was wir sind, sind wir doch nur Dank seiner Güte und Gnade und häufig auch durch Menschen, die er uns auf unseren Lebensweg schickt. Der Wunsch, alles durch sich selbst sein zu wollen, ist ein falscher Stolz.

Nicht unsere ausgereckte Bettlerhand, sondern das, womit Gott sie füllt, darauf kommt’s an. Und das heißt eben, zunächst nicht wir und unser Tun, sondern zunächst Gott und Gottes Tun. Bonhoeffer

Diener sein & Sich zum Diener machen. 

„Dienen“ hat keinen guten Ruf, klingt nach Unterordnung, nach Tätigkeiten, die ein anderer nicht machen möchte. Und genau das ist es auch – und es ist genau das, was Jesus selbst tut. Er wird beim Abendmahl den Jüngern die Füße waschen…, und er wird sich für meine Erlösung dem Spott, der Folter und dem Tod übergeben. Er müsste nicht, aber er tut es. Und ich: Kann ich Diener sein, einfach weil es richtig ist? Versuche ich, Diensten aus dem Weg zu gehen, weil sie „unter meiner Würde“ sein könnten? Gerade (aber nicht nur) als Mann: Versuche ich zu herrschen, oder ertrage ich es, zu dienen (meiner Familie, meiner Gemeinde, meinen Kollegen…)?

Mk 10,45: Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen. Er kam, um zu dienen.

Dienen und darin sich selbst geben

Sein nicht für sich, sondern für die anderen von Gott her und auf Gott hin: Das ist der tiefste Kern der Sendung Jesu Christi. Auf seine Sendung und sein Beispiel verweisend verkündet Jesus diese seine Worte als göttlichen Willen. Er hat uns ein Beispiel gegeben. Er ist uns den Weg vorausgegangen. Obwohl er Gott ist, ja gerade weil er von seiner Gottheit dazu gedrängt wird, hat er Knechtsgestalt angenommen. Sein Priestertum ist nicht Herrschaft, sondern Dienst. Er ruft uns, ihm zu folgen.

Mk 10,46-52: Jesus heilt blinden Bartimäus

Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zum Markus Evangelium Mk 10,46-52

Parallelstellen: Mt 20,29-34; Lk 18,35-43

Mk 10,46: An der Straße saß ein Blinder und bettelte. Es war Bartimäus, der Sohn von Timäus.

Dieser Bartimäus ist der Mensch, du und ich.

Aus eigener Kraft blind, Gott und seinen Willen zu erkennen. Arm und bettelnd, weil wir nichts aus uns selbst haben und sind. Das Eingeständnis meiner Blindheit und meiner Armut ist der erste Schritt hin zu Gott. Du nun, der du an der Straße stehst, am Rande dieses so kurzen Lebensweges, du nun, dem Licht fehlt; du nun, der du Gnade benötigst, gerade wenn du wie Bartimäus in einer elenden Lage bist oder kommen wirst: Vertraue in allem Gott. Wenn du nur auf dich selbst vertraust, dann wirst du nie etwas ausrichten. Vertraust du dagegen auf Gott, so vermagst du alles.

Peter Strauch: Das Eingeständnis meiner Blindheit und die Bitte um geöffnete Augen waren ein erster und wichtiger Punkt der Therapie Gottes in meinem Leben.

Die Geschichte von Bartimäus und was diese mit uns zu tun hat

Bartimäus saß am Straßenrand, er war alleine ausgegrenzt und niemand beachtete ihn. Er war arm, er hatte kein Geld. Er musste betteln. Er war auch seelisch arm. Er saß in der Dunkelheit, war verzweifelt, konnte nicht sehen. Finsternis umgab ihn, er hatte keine Hoffnung. Sicher war er traurig und hatte Angst in seiner Situation. Er hatte keine Perspektive. Er sehnt sich danach, dass wieder Licht und Hoffnung in sein Leben kommt. Ulrike Puintner

Vielleicht betrifft dich diese Geschichte an irgendeinem Punkt in deinem Leben, vielleicht hast du schon ähnliche Situationen erlebt: Fühlst du dich vielleicht gerade einsam, alleine oder ausgegrenzt? Wirst du von anderen übersehen, nicht beachtet? Hast du eine finanzielle Not? Befindest du dich in einer seelischen Not? Ist es dunkel um dich herum? Bist du verzweifelt? Kannst du keine Perspektive, keinen Ausweg sehen? Bist du hoffnungslos? Bist du traurig? Hast du Angst? Sehnst du dich nach Licht und Hoffnung für dein Leben? Ulrike Puintner

Mk 10,47: Als er hörte, dass es Jesus aus Nazareth war, der vorbeikam, begann er laut zu rufen: Jesus, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!

Bartimäus hat die Hoffnung nicht verloren.

Er sucht Kontakt zu Jesus. Bartimäus steht für den Menschen, der das eigene Übel erkennt und im Vertrauen, geheilt zu werden, den Herrn anruft. Seine einfache und ehrliche Bitte ist beispielhaft. Der Ruf des blinden Bartimäus Kyrieleison (Hab Erbarmen mit mir) hat Eingang gefunden in die Liturgie der Kirche. Dieser Bittruf ist ein Bekenntnis zu Jesus, unseren Erlöser und Heiland. Auch wir können uns dieses Gebet zu eigen machen. Es ist ein Gebet für uns alle. Es kann uns helfen, immer und überall in der Gegenwart Gottes zu leben. Es kann helfen, immer wieder neu von der Blindheit des Herzens befreit zu werden und die heilende Kraft des Glaubens zu erfahren.

Augustinus: Es ist schon ein Teil des Findens, wenn du weißt, was du zu suchen hast.

Worte von Ulrike Puintner

Was mich an dieser Geschichte besonders fasziniert ist der Glaube und die Überzeugung von Bartimäus. Obwohl er blind war und Jesus nie gesehen hatte, hat er sich im Herzen für Jesus entschieden und setzte sein ganzes Vertrauen auf ihn. Viele Menschen, die Jesus sahen, seine Wunder und Taten miterlebten, hatten nicht einen so großen Glauben. Viele glaubten trotz der Wunder, die sie mit eigenen Augen sahen, nicht an ihn. Ich denke ihre Herzen waren verschlossen für die Liebe und das Wirken Gottes. Sie konnten zwar sehen und waren doch blind. Die Augen des Herzens sehen weiter. Vertraust du Jesus von ganzem Herzen? Kannst du seine Liebe mit den Augen des Herzens sehen? Hast du eine Herzensentscheidung getroffen?

Mk 10,48: ‭Und es geboten ihm viele, er solle schweigen; er aber rief noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich über mich!

Mk 10,49: ‭Und Jesus stand still und ließ ihn zu sich rufen. Da riefen sie den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost, steh auf; er ruft dich!

Mk 10,49: Nur Mut! Steh auf, Jesus ruft dich!

Jesus bleibt stehen

Ihm geht es um den einzelnen Menschen. Diesem Menschen schenkt er seine ganze Zuwendung. Jesus ruft Bartimäus und er ruft auch uns, dich und mich ganz konkret. Der Herr sucht und ruft uns in jedem Augenblick. Das ist christliche Berufung! Jesus ist nicht eine Gestalt der Vergangenheit. Er lebt und als Lebender geht er uns voraus und ruft uns, ihm, dem Lebenden nachzugehen und so selber den Weg des Lebens zu finden. Mache dir bewusst, dass Jesus täglich auf deinen Wegen daherkommt, um dich zum Leben zu führen.

Der Ruf Gottes ist wie der Ruf des Meeres: Man kann nicht eindeutig sagen, wozu Gott uns ruft; es ist der Ruf in eine Beziehung mit ihm selbst. Oswald Chambers 

Nur Mut!

Mut – ein großes Thema: 365 mal in der Bibel heißt es „Fürchte dich nicht“ und noch häufiger wird zum Mut aufgerufen. Das ist also echt ein großes biblisches Thema. Wir sind immer wieder in Situationen gestellt, die unseren Mut erfordern: ein unangenehmes Gespräch, eine Prüfung, Treffen wichtiger Entscheidungen u.v.m. Es gibt viele Situationen, denen wir eigentlich lieber aus dem Weg gehen, als uns ihnen zu stellen. Mut bedeutet, sich diesen Situationen des Lebens zu stellen, nicht alleine, sondern mit ihm und aus der Gewissheit heraus, dass er, der König in Ewigkeit ist, uns trägt, ruft und uns mit seinem Frieden segnet alle Tage unseres Lebens.  

Wir sind immer wieder in Situationen gestellt, die unseren Mut erfordern:

Ein unangenehmes Gespräch, eine Prüfung, Treffen wichtiger Entscheidungen u.v.m. Es gibt viele Situationen, denen wir eigentlich lieber aus dem Weg gehen, als uns ihnen zu stellen. Mut bedeutet, sich diesen Situationen des Lebens zu stellen, nicht alleine, sondern mit ihm und aus der Gewissheit heraus, dass er, der König in Ewigkeit ist, uns trägt, ruft und uns mit seinem Frieden segnet alle Tage unseres Lebens. Die Tugend des Mutes ist wichtig, weil du ohne Mut nichts erreichen kannst. Nur durch Mut wirst du fähig, das Gute, das du willst, auch zu tun. „Wer den Mut zum Leben verloren hat, ist zu nichts mehr in der Lage.“ (Spr 18:14)

Worte von Cyrill von Jerusalem

Jeder Mensch, der die Finsternis kennt, die aus ihm einen Blinden macht, soll aus ganzer Seele schreien: Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir. Aber hören wir auch das, was auf die Schreie des Blinden folgt: Die Leute, die vorausgingen, wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Was sind das für Leute? Sie stellen die Begierden unseres irdischen Daseins dar, die Unruhestifter, die menschlichen Laster und ihr Getümmel, die, weil sie das Kommen Jesu in uns verhindern wollen, unser Denken durcheinanderbringen, indem sie Versuchung säen und die Stimme unseres Herzens beim Gebet übertönen.

Es geschieht nämlich oft, dass unser Vorsatz, uns Gott wieder neu zuzuwenden, unser Bemühen, unsere Sünden durch Gebet abzuweisen, durch Bild und Eindruck der Begierden verhindert wird: Im Kontakt mit ihnen lässt die Wachsamkeit unseres Geistes nach. Sie stiften Verwirrung in unserem Herzen und ersticken den Schrei unseres Gebets. Was hat dieser Blinde also getan, um trotz der Hindernisse sein Augenlicht wiederzuerlangen? 

Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Ja, je mehr der Tumult unserer Begierden uns bedrängt, umso inständiger müssen wir beten. Je lauter die Stimme unseres Herzens übertönt wird, umso energischer muss diese dagegenhalten, bis sie den Lärm der auf sie einstürmenden Gedanken übertönt und an das treue Ohr des Herrn dringt. Jeder, so meine ich, wird sich in folgender Situation wiedererkennen:

In dem Augenblick, da wir uns bemühen, unser Herz von dieser Welt abzuwenden, um es zu Gott zurückzubringen, belästigen uns bereits viele Eindringlinge, die wir bekämpfen müssen. Ein ganzer Schwarm ist es, den die Sehnsucht nach Gott nur schwer aus den Augen unseres Herzens verscheuchen kann. Beten wir aber energisch weiter, dann halten wir mit unserem Geist den vorübergehenden Jesus an. Das Evangelium berichtet ja: Jesus blieb stehen und ließ ihn zu sich herführen.

Mk 10,50: ‭Er aber warf seinen Mantel ab, stand auf und kam zu Jesus.

Mk 10,51: ‭Und Jesus begann und sprach zu ihm: Was willst du, dass ich dir tun soll? Der Blinde sprach zu ihm: Rabbuni, dass ich sehend werde!

Den Mantel zur Seite werfen

Der Mantel verstanden als angezogene Hülle kann für denn durchaus sinnvollen Schutz stehen, den wir uns aneignen, um in der Welt leben zu können: sich abgrenzen können, nicht jedem sich komplett öffnen u.a. Ist es im zwischenmenschlichen Bereich durchaus oft sinnvoll, bildhaft gesprochen einen Mantel zu tragen, so müssen wir, um in eine echte, authentische Beziehung zu Jesus zu treten, diesen Mantel zur Seite werfen.

Um Christus zu begegnen, müssen wir Dinge, die uns binden, loslassen. Sind wir nun ich einer unverhüllten Beziehung zu Jesus, dann sprechen wir mit ihm, unserem Herrn, wie mit einem Freund, zu dem wir mit allem kommen dürfen. Hier mischen sich Anbetung und das Herz-zu-Herz Gespräch im Gebet. Dem Herrn geht es doch nicht um viele Worte, sondern um unser Herz. So stellt auch Jesus täglich mir die Frage: Was willst du, was ich für dich tun soll? Was möchte ich Ihm jetzt sagen? Versuche einfach, diese Frage zu beantworten.

Worte von Josemaria

Tritt jeden Tag vor den Herrn hin und sage Ihm langsam und mit der ganzen Inbrunst deines Herzens die Worte, die – wie das Evangelium uns berichtet – der arme Blinde zu Ihm sprach: „Domine, ut videam!“ – Herr, ich möchte wieder sehen können! Laß mich sehen, was Du von mir erwartest, und dann alles daransetzen, Dir treu zu sein!

Letzte Heilung durch Jesus

Diese Heilung ist die letzte Wunderheilung, die Jesus vor seinem Leiden vollzieht. Nicht zufällig ist es die eines Blinden. Nur im tiefen Sehen und Betrachten seiner Passion, können wir das Erlösungswerk erahnen, das Christus für uns vollbracht hat. Das ist der erste Aspekt. Der zweite Aspekt: oft kann es finster in unserer Seele werden und wir sehen keinen Weg mehr, wie es weiter gehen kann.

Jesus ist derjenige, der uns die Hände auf die Augen legt, die Angst aus unserer Seele nimmt und der es möglich macht, daß wir den Himmel offen sehen. Er ist ja das Licht der Welt. Wenn es Nacht in deiner Seele ist, dann schrei wie der blinde Bartimäus nach dem Licht: Herr, laß mich sehen sowohl den Weg, den du für mich gegangen bist, wie auch den Weg, den ich in deiner Vorsehung gehen soll.

Mk 10,52: Darauf antwortete Jesus: Geh! Dein Glaube hat dich geheilt. Im selben Augenblick konnte der Blinde sehen.

Mk 10:52: Und Jesus sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dir geholfen. Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach auf dem Wege.

Zum heilenden Glaube

Glaube ist ein Ergriffenwerden von der göttlichen Kraft, die wir Liebe nennen. Allein aus dieser Liebe lebt der Mensch und alle Sakramente und Gebete, alle Riten und Formeln der Kirche hatten und haben nur den Sinn, dich des Vertrauens zu versichern, daß diese Liebe dich niemals verlassen werde. Jesus macht mir bewusst, welch große Kraft in meinem Glauben an dieses Licht verborgen ist. Von meinem Glauben hängt die Wirkung Seiner heilenden Macht ab. Im herzlichen Gespräch mit Jesus bitte ich Ihn um das Geschenk eines starken Glaubens.

Der Glaube des Blinden hat ihn gerettet, weil es ein besonderer Glaube war. Es war der Glaube, der entschlossen war, Jesus zu erreichen (schrie er um so mehr). Es war der Glaube, der wusste, wer Jesus war (Sohn Davids). Es war der Glaube, der demütig zu Jesus kam (erbarme dich meiner). Es war der Glaube, der sich Jesus (Rabboni) demütig unterwarf. Es war der Glaube, der Jesus sagen konnte, was er wollte (dass ich sehend werde).

Corrie ten Boom: Der beste Weg, das Leben eines anderen zu erreichen, ist, ihm so einfach wie möglich zu sagen: Ich war blind, nun kann ich sehen.

Dein Glaube hat dir geholfen

Er sagt nicht: Ich habe dir geholfen. Oder: Gott hat dir geholfen, obwohl das zweifellos richtig gewesen wäre. Er sagt: Dein Glaube hat dir geholfen. Jesus würdigt das Vertrauen. Dein Vertrauen hat dir geholfen, so kann man den Satz Jesu auch übersetzen. Glaube und Vertrauen sind in der Sprache der Bibel dasselbe Wort.

Ich kenne viele, denen dieses Vertrauen geholfen hat. Sie nehmen ihr Leben selbst in die Hand und tun, was in ihrer Macht steht. Sie organisieren sich die Hilfe, die sie bekommen können. Und was nicht in ihrer Macht steht, vertrauen sie Gott an. Zugleich wissen sie, dass man dieses Vertrauen – gerade wenn es einem schlecht geht – nicht machen kann. Es ist ein Geschenk. Aber auch darum kann man bitten. Jean-Otto Domanski

Wie steht es um mein Gebet?

Gott hört immer auf den Schrei der Armen und ist nicht im Geringsten gestört durch die Stimme des Bartimäus, ja er merkt, dass sie voller Glauben ist, einem Glauben, der sich nicht scheut, zu insistieren, an das Herz Gottes zu klopfen, trotz des Unverständnisses und der Vorwürfe. Und hier liegt die Wurzel des Wunders. Tatsächlich sagt Jesus zu ihm: Dein Glaube hat dich gerettet. Jeder von uns stelle sich die Frage: Wie steht es um mein Gebet?

Ist es mutig, hat es die gute Eindringlichkeit des Gebets des Bartimäus, versteht es, den Herrn, wenn er vorübergeht, am Arm zu packen, oder begnügt es sich damit, ihm ab und zu einen förmlichen Gruß zu entbieten, wenn ich mich daran erinnere? Diese lauen Gebete helfen überhaupt nicht. Und dann: hat mein Gebet „Substanz“, entblößt es mein Herz vor dem Herrn? Bringe ich ihm die Geschichte und die Gesichter meines Lebens? Oder ist es blutarm, oberflächlich und besteht aus Ritualen, die der Zuneigung und des Herzens ermangeln? Papst Franziskus

Mk 10,52: Er ging mit Jesus.

Sehend für Jesus

Bartimäus hat nicht nur sein Augenlicht wieder erlangt. Es gehen ihm auch die Augen auf für Jesus. Er wird sehend für Jesus und seinen Weg. Bartimäus schließt sich Jesus an. Aus dem Blinden wird ein Sehender und Nachfolger Christi.

Während die anderen Jünger noch weithin blind sind für Jesus und seine Sendung, nichts verstehen und nichts begreifen, ja Jesus abbringen wollen von seinem Weg, sich unterwegs streiten, wer von ihnen der Größte ist, die ersten Plätze im Reich Gottes reklamieren, folgt Bartimäus von sich aus Jesus auf seinem Weg. Es ist der Weg hinauf nach Jerusalem, dem Leiden und Kreuz entgegen. Es ist die Straße nach Jerusalem, wo sich das Pascha erfüllen wird, sein Pascha-Opfer, in dem sich der Messias für uns hingibt.

Nachfolge

Der nun geheilte und gerettete blinde Bartimäus folgte Jesus nach. Der Weg Jesu wurde zu seinem Weg. Dies war besonders bedeutsam, wenn wir bedenken, wohin Jesus zu dieser Zeit ging: nach Jerusalem, wo ein Kreuz auf ihn wartete.

Hier geht’s zu einer Auslegung von G. de Koning zu Mk 10. Kap


Das war eine Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zum Markus Evangelium Mk 10. Kap.