Psalm Ps 56: Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt

Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zum Psalm Ps 56

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Zum Psalm Ps 56: Gott vertraue ich

Psalm 56 drückt die tiefe Vertrauensbeziehung eines Gläubigen zu Gott aus, selbst inmitten von Angst, Verfolgung und Bedrängnis. Der Psalmist bittet Gott um Gnade und Vergebung und vertraut darauf, dass Gott seine Feinde besiegen wird. Er erkennt, dass Gott seine Tränen sieht, seine Schritte zählt und ihm beisteht. Letztendlich ruft der Psalm dazu auf, dass wir unser Vertrauen in Gott setzen und uns von Furcht befreien lassen, denn Gott ist unser mächtiger Beistand.

Ps 56,1-5: Bitte um Bewahrung vor Feinden

Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zu Ps 56,1-5

Ps 56:1: ‭Dem Vorsänger. Nach der Melodie: Die stumme Taube unter den Fremden. Ein Miktam Davids; als ihn die Philister in Gat ergriffen.

Ps 56:2: O Gott, sei mir gnädig, denn der Mensch wütet gegen mich. Den ganzen Tag bekriegt und bedrängt er mich!

Ps 56:3: Meine Widersacher wüten gegen mich den ganzen Tag, ja, viele bekriegen mich voller Hochmut.

Ps 56,4: Wenn mir angst ist, vertraue ich auf dich!

Vertrauen in der Angst

Die Erfahrung zeigt, dass erst da wahrhaft die Hoffnung herrscht, wo die Furcht einen Teil des Herzens einnimmt. Die Hoffnung zeigt ihre volle Kraft erst da, wo sie die durch Sorgen niedergeworfene Seele aufrichtet, das durch Bekümmernis beunruhigte beruhigt. Mut ist Angst, die gebetet hat. Wir mögen uns zwar hier und da fürchten, aber die Furcht nimmt nicht den ganzen Raum meiner Seele ein, denn ich hoffe und vertraue auf den Herrn.

In Gott liegt der Grund zum Vertrauen

Der Grund zum Vertrauen liegt ja in ihm, nicht in uns; wenn wir uns auch ändern, er ändert sich nie und ist immer gleich gut und barmherzig mit uns, ob wir schwach und unvollkommen oder stark und vollkommen sind. Ich pflege zu sagen: unsere Armseligkeit ist der Thron der göttlichen Barmherzigkeit. Je größer also unsere Armseligkeit, desto größer unser Vertrauen. Das Vertrauen ist das Leben der Seele, nimmst du ihr das Vertrauen, so jagst du sie in den Tod. Franz von Sales

Angst vor Zukunft

Oft möchten wir in die Zukunft sehen können, wenn wir uns fragen: Was wird uns das nächste Jahr bringen? Wo werde ich in fünf oder zehn Jahren sein? Auf solche Fragen gibt es keine Antwort. Meistens ist es gerade hell genug, um den nächsten Schritt zu tun, das was in der nächsten Stunde, am nächsten Tag getan werden muss. Die Kunst des Lebens zeigt sich darin, dank- bar zu sein und sich darüber zu freuen, was wir sehen können, und nicht darüber zu klagen, was im Dunkeln und Ungewissen liegt.

Wenn es uns gelingt, den nächsten Schritt zu tun und darauf zu vertrauen, dass es dafür hell genug sein wird, werden wir auf dem Weg durch das Leben mit Freude voranschreiten und überrascht sein, wie weit wir kommen. Freuen wir uns über das kleine Licht, das wir in den Händen halten, und verlangen wir nicht nach der großen Helligkeit, die alle Schatten verdrängt. Nouwen

In der Angst auf Gott vertrauen

Die existenzielle Angst, die wesentlich zu uns gehört, konfrontiert den Menschen mit seiner Sterblichkeit und Hinfälligkeit. Er kann krank werden, von Unfällen geschädigt. Er wird letztlich sterben. Letztlich hat jede Angst etwas mit dem Tod zu tun. Der Tod ist der Stachel, der uns bedrängt. Er bohrt sich oft in unser Herz als Schrecken ein, der uns die Freude am Leben verleidet. Der Tod steht immer an der Tür unseres Lebens. Er bedroht alles, was wir tun. Wenn wir aber angesichts dieser Realität auf Gott schauen und ihn ernst nehmen, können wir unser Leben trotzdem in Gelassenheit und Freude leben. Anselm Grün

Ps 56,5: In Gott will ich rühmen sein Wort. Auf Gott vertraue ich und fürchte mich nicht. Was kann ein Mensch mir antun?

Das Wort rühmen und vertrauen

Das Vertrauen auf Gott und das Vertrauen auf sein Wort sind tatsächlich so eng miteinander verflochten, wie diese Aussagen ineinander verflochten sind. Ich kann nicht anders auf Gott vertrauen, als dass ich auf sein Wort vertraue und vertraue ich auf Gottes Wort, dann vertraue ich auf Gott selbst. Darum müssen wir sein Wort kennen. Es gibt kein lebendiges und wahres Vertrauen ohne Kenntnis der Gedanken und Absichten Gottes, wie sie in der Bibel niedergeschrieben sind.

Ps 56,6-12: Bitte um göttliches Gericht über Feinde

Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zu Ps 56,6-12

Ps 56:6: Täglich verdrehen sie meine Worte, auf mein Unglück gehen alle ihre Gedanken.

Ps 56:7: Sie rotten sich zusammen, verbergen sich; sie beobachten meine Tritte, weil sie auf mein Leben lauern.

Ps 56:8: Sollten sie bei ihrer Bosheit entkommen? O Gott, stürze die Völker nieder im Zorn!

Ps 56,9: Du zählst, wie oft ich fliehen muss. Sammle meine Tränen in deinen Schlauch! Stehen sie nicht in deinem Buch?

Sammle meine Tränen

Tränen gehören zur Wirklichkeit des individuellen und gemeinsamen Lebens. Starke innere Gefühle finden durch sie ihren Weg nach außen. Sie begleiten die langen Wege der Trauer und können doch nicht ungeschehen machen, was geschehen ist. Sie brechen hervor, wenn Worte fehlen. Keiner sollte seine Tränen unterdrücken. Sie können zu einer Brücke zu Gott und zum Nächsten werden. Wo unser Herz in der Tiefe angerührt und verletzt wird, wo wir in der Tiefe unserer Seele erschüttert werden und Trauer uns überfällt, können wir manchmal nicht anders als weinen.

Wir dürfen es dann auch und sollten unsere Tränen nicht zurückhalten. Wir sollten sie ruhig fließen lassen in der Geborgenheit, dass Gott alle unsere Weg kennt, unsere Tränen zählt und alles seine Zeit und Stunde hat. Als Christ weiß ich zwar, dass Gott eines Tages alle Tränen abwischen wird, kein Leid und Kummer mehr sein wird

Ps 56,10: An dem Tag, da ich rufe, weichen meine Feinde zurück. Das weiß ich, dass Gott für mich ist.

Gott ist für mich

Der Herr treibt uns durch seinen Geist zum Beten, wir schreien zu ihm in der Angst unseres Herzens, er hört, und er greift ein. Ja, das wissen wir, dass Gott für uns ist, und darum auch, dass niemand wider uns sein kann. Warum sollten wir uns denn auch nach anderen Helfern umsehen, wo doch Gott auf unserer Seite ist. Er spricht: Das weiß ich. Der Glaube fußt auf Felsengrund; er ist nicht ein der Fehlbarkeit unterworfenes Vermuten, sondern ein sicheres Wissen. Wir dürfen wissen, dass Gott für uns ist. Gott ist für mich. Das ist der Siegesruf des Glaubenden.

Ps 56,11: In Gott will ich rühmen das Wort, im Herrn will ich rühmen das Wort.

Ps 56,12: Auf Gott vertraue ich und fürchte mich nicht. Was kann ein Mensch mir antun?

Gott vertrauen

Dieser Vers spricht von unerschütterlichem Vertrauen auf Gott. Er ermutigt dazu, sich auf Gottes Wort zu verlassen und keine Angst vor den Bedrohungen anderer zu haben. In schwierigen Zeiten oder wenn man sich bedroht fühlt, erinnert dieser Vers daran, dass das Vertrauen auf Gott einen über alle menschlichen Ängste und Bedrohungen erheben kann. Es geht darum, sich auf die Stärke und die Zusagen Gottes zu fokussieren, anstatt von Furcht beherrscht zu werden.

Ps 56,13-14: David dankt Gott für seine Hilfe

Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zu Ps 56,13-14

Ps 56:13: Die Gelübde, die ich dir, o Gott, gelobte, liegen auf mir. Ich will dir Dankopfer entrichten!

Ich will dir Dankopfer entrichten!

Diese Worte drücken eine tiefe Hingabe und Dankbarkeit gegenüber Gott aus. Der Psalmist bekräftigt seine Verpflichtung, Gott treu zu dienen und ihn zu ehren. Er erkennt an, dass er in seiner Beziehung zu Gott eine Verpflichtung hat und verspricht, seine Dankbarkeit durch Opfer und Lobpreis auszudrücken. Diese Verse erinnern daran, wie wichtig es ist, Gott als Quelle von Segen und Hilfe anzuerkennen und ihm dafür dankbar zu sein. Es geht darum, eine tiefe Verbindung zu Gott aufrechtzuerhalten und diese durch Opfer und Lobpreis zu stärken.

Ps 56:14: Denn du hast meine Seele vom Tod gerettet, meine Füße vom Gleiten, damit ich wandle vor dem Angesicht Gottes im Licht des Lebens.

Gott führt uns

Unser Problem kann sein, daß wir die Hand Gottes in unserem Leben zu wenig beachten. Ich habe festgestellt, daß ich für die Führungen Gottes in meinem Leben viel sensibler geworden bin, als ich konkret über mein Leben nachdachte, wofür ich dankbar sein kann. Beim Danken erkenne ich an, daß jemand etwas Gutes für mich getan hat. Wofür können wir Gott danken? Für seine große Liebe, für die Erlösung, die Vergebung, Fürsorge, viele praktische Dinge usw.

Vor seinem Angesicht wandeln

Wir sollen vor seinem Angesicht wandeln. Er hat keinen von uns befreit, damit wir unsere eigenen Wege gehen. Was wäre denn das für eine Freiheit? Die Freiheit, das Eigene zu tun, ist Knechtschaft, Knechtschaft an den Eigenwillen, Knechtschaft an unsere eigenen Lüste, Knechtschaft der Sünde. Freiheit heißt, dass wir von unserem Eigenwillen befreit sind und an Gottes Willen zuerst die Lust finden und dann dazu die Kraft, ihn zu tun. Freigemacht von der Sünde, sind wir Sklaven der Gerechtigkeit geworden.

Das sei unser Streben

In der Freiheit der Erlösten zu wandeln, in heiligem Dienst vor Gott und in glückseliger Gemeinschaft mit ihm, in stetigem Fortschreiten in der Heiligung und in dem Licht des freundlich leuchtenden Angesichts unseres Gottes!

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Das war eine Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zum Psalm Ps 56


Ps 56