Matthäus Evangelium Mt 10. Kap.: Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt

Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 10. Kap.

➡️ Hier geht’s zu Mt Kap. 9

➡️ Hier geht’s zu Mt Kap. 11

➡️ Inhaltsverzeichnis Matthäus Evangelium

Matthäus Evangelium Mt 10. Kap.

Das 10. Kapitel des Matthäus Evangelium beschreibt eine Reihe von Lehren und Anweisungen, die Jesus seinen Jüngern gab, als er sie aussandte, um das Evangelium zu verkünden. Er spricht über Themen wie den Wert der Treue, die Kosten der Nachfolge und die Belohnungen für diejenigen, die ihm nachfolgen. Jesus warnt auch vor der Verfolgung, die seine Jünger erwarten würde, und fordert sie auf, in schwierigen Zeiten standhaft zu bleiben.

Mt 10,1-15: Aussendung der 12

Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zu Matthäus Evangelium Mt 10,1-15

Parallelstellen: Mk 6,7-13; Lk 9,1-6

Mt 10,1-4: Die zwölf Jünger

Mt 10,1: Da rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister, sie auszutreiben, und jede Krankheit und jedes Gebrechen zu heilen.

Jesu Besitz sein

Wie schön klingt dieses Detail in der Heiligen Schrift, wo es heißt, dass Jesus zu „seinen“ und nicht zu „den“ Aposteln sprach. Hier wird unterstrichen, was die Quelle der Freude eines jeden Christen ist. Wir gehören ihm. Inmitten einer Welt, wo Rebellion und Unabhängigkeit als Schlüssel zum Glück, zur Freiheit verkündet werden, erfahren wir doch immer wieder, dass der wahre Schlüssel zur Freiheit und zum tiefen Glück die Hingabe an Christus und das Vertrauen auf ihn sind. Fabiola Marton

Jesus rief seine zwölf Jünger

Jesus kennt die Seinen und vertraut ihnen. Er ruft sie zusammen, um ihnen einen Auftrag zu geben. Jeder einzelne dieser Jünger hat eine eigene Persönlichkeit. Jeder ist einzigartig in seinem Charakter, in seinem Wesen und in der Beziehung, in der er zu Jesus steht. Wie stehe ich in meiner Beziehung zu Jesus? Habe ich auch schon einmal vernommen, dass er mich gerufen hat? Wie habe ich darauf geantwortet? Auch heute ruft Jesus noch die Menschen in seine Nachfolge und beruft Apostel für die Welt. Bin ich mir dessen bewusst? Svenja Nonnenmacher

Er gab ihnen Vollmacht

Das Wirken kommt von Gott. Diese Stelle aus dem Evangelium vermittelt uns ein paar grundlegende Prinzipien des geistlichen Lebens und des Lebens im Glauben.Das erste Prinzip: Die Kraft kommt von Gott. An sich sind die Apostel einfache Menschen. Fischer, Zöllner, Berufstätige. Sie haben keine Wunderkräfte. Aber Jesus verleiht ihnen diese Vollmachten. Von nun an werden sie Dämonen austreiben, Krankheiten heilen, ja sogar Tote wieder lebendig machen. Diese Kraft und Vollmacht kommt allein von Gott.Das ist eine wichtige Lehre: Wollen wir im Reich Gottes etwas bewirken, werden wir das nie aus eigener Kraft tun, sondern immer nur, wenn Gott uns dazu bevollmächtigt. Klaus Einsle 

Das Geschenk der Gemeinschaft

Um seiner Sendung Breitenwirkung zu geben, beruft Jesus Apostel, das heißt, Botschafter. Dass er genau zwölf Apostel beruft, deutet an, dass er aus ihnen ein neues Volk schaffen will, das ihm gehört, so wie das Volk Israel aus zwölf Stämmen besteht. Dieses neue Volk ist die katholische, also allumfassende, apostolische, das heißt, auf die zwölf Apostel zurückgehende Kirche. Er beruft die Apostel nicht als Einzelkämpfer, sondern er will eine Gemeinschaft. So wie Gott in seiner Dreifaltigkeit in sich Gemeinschaft ist, so schafft er auch den Menschen als Gemeinschaft – Mann und Frau und das gemeinsame Kind, das aus ihrer Liebe entsteht. Und auch der Weg zurück zur himmlischen Heimat beim dreifaltigen Gott wird in Gemeinschaft gegangen, im Gottesvolk der Kirche. Man kann nicht allein glauben. Und wer glaubt, ist nie allein. Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie dankbar bin ich für die kirchliche Gemeinschaft? Dorit Wilke-Lopez

Berufene und Boten

Die Sendung von Jüngern zu den Menschen, das Weitersagen der Heilsbotschaft ist ein Herzensanliegen Jesu. Bis in unser Heute setzt sich diese Sendung bei uns fort. Wir sind als Boten des Evangeliums unterwegs. Bevor wir allerdings Boten sind, sind wir wie damals die Apostel Berufene, berufen bei Jesus zu sein, mit ihm zu gehen und von ihm zu lernen. Wer im Namen Jesu Bote des Evangeliums sein will, der muss zuerst mit Jesus leben, der muss immer wieder auf ihn schauen und von ihm lernen.

Nur so ist es möglich Gesandter Jesu Christi zu sein, Sprachrohr seiner Botschaft, Bote seiner Liebe und Werkzeug seines Friedens. Jesus rief nicht nur die Zwölf. Er gab ihnen auch die Macht , das zu tun, wozu er sie berufen hatte. Dasselbe Prinzip gilt auch heute noch: Wen Gott beruft, den rüstet Gott aus. Die Ausrüstung mag vor Beginn des Dienstes nicht vollständig offensichtlich sein, aber sie wird auf dem Weg offensichtlich sein.

Mt 10,2: ‭Die Namen der zwölf Apostel aber sind diese: der erste Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas; Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes.

Beim Namen gerufen

Gott, ich sehe, dass du die Apostel beim Namen rufst. Ich glaube dir, dass du auch mich beim Namen gerufen hast und mir heute wieder einen Auftrag gibst. Öffne meine Ohren für das, was du mir sagen willst. Ich möchte meinen Alltag so gestalten, dass ich ihn für dich lebe. Dorit Wilke-Lopez (zu Mt 10,2)

Apostel Andreas

Andreas war der Bruder des Simon Petrus, wie dieser von Beruf Fischer. Er war der erste, den Jesus als seinen Jünger berief. Zuvor war er Anhänger Johannes des Täufers. Er starb als Märtyrer auf folgende Weise: In Patras heilte Andreas nach der Überlieferung Maximilla, die Frau des Statthalters Ägeas, und bekehrte sie zum Christentum. Er riet ihr eheliche Enthaltsamkeit; daraufhin dem Statthalter gegenüber gestellt, konnte er diesen in einer ausführlich berichteten Disputation nicht vom Christentum überzeugen. Der Statthalter ließ Andreas geißeln und zu besonderer Pein und langsamem Tod an ein X-förmiges Kreuz binden. Zwei lange Tage hängend, predigte Andreas dem Volk.

Apostel Jakobus

Jakobus war der Sohn des Fischers Zebedäus und der Salome sowie der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Beide gehörten zu den erstberufenen Jüngern. Jakobus zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Getsemani dabei waren. Während die Apostelgeschichte vom Wirken Petrus und Johannes ausführlich berichtet, wird von Jakobus nur die Hinrichtung durch König Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahr 43 – verbunden mit einer Verfolgung anderer Christen – erwähnt. Jakobus war somit der erste Märtyrer unter den Aposteln. Attribute: als Pilger

Apostel Johannes

Der Apostel Johannes, nach der Überlieferung Verfasser des vierten Evangeliums und dreier Briefe, war ein Bruder Jakobus’ des Älteren und stammte aus Betsaida, wo sein Vater Zebedäus die Fischerei betrieb. Johannes war kaum jener sanfte Jüngling, den uns die christliche Kunst gemalt hat; er hatte wie sein Bruder ein heftiges Temperament, Jesus nannte die beiden „Donnersöhne“.

Johannes war zuerst Jünger des Täufers gewesen, dann folgte er Jesus. Das besondere Vertrauen, das Jesus zu ihm hatte, zeigte sich darin, dass er ihm sterbend seine Mutter anvertraute (Joh 19, 26–27). Nach dem Zeugnis des Johannes-Evangeliums war er der einzige Jünger unter dem Kreuz, wo Jesus ihn als seinen Lieblingsjünger bezeichnete. Mit Petrus war er auch der erste, der nach der Nachricht der Frauen zum leeren Grab Jesu eilte. In der Frühphase der Urgemeinde in Jerusalem war Johannes zusammen mit Petrus die prägende Gestalt. Paulus zählte Johannes, seinen Bruder Jakobus und Petrus zu den Säulen der Urgemeinde (Galaterbrief 2, 9)

Mt 10,3: ‭Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus der Zöllner; Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Lebbäus, mit dem Beinamen Thaddäus;

Apostel Philippus

Philippus, der zunächst dem Jüngerkreis um Johannes den Täufer angehörte, wurde von Jesus zum Jünger berufen, er führte dann Nathanael als weiteren Jünger in den Kreis um Jesus ein. Vor der Speisung der Fünftausend stellte Jesus ihn auf die Probe (Joh 6, 5 – 7). Griechen, die Jesus sehen wollten, wandten sich an Philippus (Joh 12, 21 – 22). Er nahm am Abendmahl in Jerusalem teil und wurde dabei von Jesus gerügt, weil er dessen Sendung offenbar noch immer nicht verstanden hatte (Joh 14, 8 – 9). Philippus soll am Kreuz gestorben sein. Nach lokaler Tradition wirkte Philippus – nachdem Paulus dort offenbar keine Gemeindegründung gelungen war – seine letzten beiden Lebensjahre in Athen und starb dort als Märtyrer.

Apostel Bartholomäus

Von vielen Bibelinterpreten wird er mit Nathanael identifiziert. Er wurde demnach aus dem Kreise der Jünger Johannes des Täufers am Jordan von Philippus unter seinem israelitischen Namen Nathanael von Kana zu Jesus geführt. Dieser erkannte ihn als Mann in dem kein Trug ist, denn er hatte gesehen, wie du unter dem Feigenbaum warst – d. h. als einen, der schon einen hohen Grad geistlicher Weisheit erreicht hat (Joh 1, 45 – 48).

Als Nathanael wird er noch bei der Erscheinung des Auferstandenen am See Gennesaret bezeichnet (Joh 21, 2), in der Berufung der Apostel aber als Bartholomäus. Bartholomäus soll später in Indien, Mesopotamien und vor allem in Armenien gepredigt haben, wo er auch das Martyrium erlitt. Seine Reliquien wurden nach der Insel Lipara und nach Benevent überführt; Kaiser Otto III. ließ sie nach Rom übertragen und auf der Tiberinsel beisetzen.

Apostel Thomas

Thomas war bis zu seiner Berufung als Jünger Fischer. Berühmt wurde Thomas durch seine Zweifel an der Auferstehung Jesu und sein Verlangen, handgreiflich die Auferstehung zu überprüfen: erst nachdem Jesus ihn aufforderte, seine Wundmale zu berühren, glaubte er das Unfassbare und bekannte: Mein Herr und mein Gott! Damit erkannte er als erster der Jünger die göttliche Natur Christi (Joh 20, 24 – 29). Attribute daher: dem Auferstanden an die Wundmale fassend. Nach der Legende soll er später in Indien missioniert haben und dort als Märtyrer gestorben sein. Im 3. Jahrhundert wurden seine Reliquien nach Edessa überführt. Ephräm der Syrer (vgl. 9. Juni) hat ihn durch Hymnen verherrlicht.

Apostel Matthäus

Er war Zöllner in Kafarnaum, wahrscheinlich im Dienst des Herodes Antipas. In der Berufungsgeschichte bei Markus heißt er „Levi, Sohn des Alphäus“ (Mk 2,14: vgl. Lk 5,27); bei Mt 9,9 und in den Apostellisten heißt er einfach Matthäus. Nach seiner Berufung gab Matthäus für Jesus und seine Begleitung ein Festessen, bei dem Jesus zu den Pharisäern das Wort sagte: „… Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.“ – Später soll Matthäus in Äthiopien, Parthien und Persien das Evangelium gepredigt haben. Seine Reliquien werden in Salerno verehrt.

Apostel Jakobus, der Sohn des Alphäus

Ob er derselbe ist wie der „Bruder des Herrn“ (Gal 1,19) und der Verfasser des Jakobusbriefs, wird von der heutigen Forschung mit guten Gründen bezweifelt. Die römische Liturgie scheint jedoch bei dieser Gleichsetzung zu bleiben. Jakobus, „der Bruder des Herrn“, d. h. ein Verwandter Jesu, hat in der Kirche von Jerusalem eine führende Rolle gespielt und beim sog. Apostelkonzil in Jerusalem ein wichtiges Wort zur Frage der Aufnahme der Heiden gesprochen (Apg 15,13-21). Nach der Überlieferung starb er im Jahr 62 als Märtyrer.

Mt 10,4: ‭Simon der Kananiter, und Judas Ischariot, der ihn auch verriet.

Apostel Simon

Simon mit dem Beinamen „der Eiferer“ gehörte vermutlich zu der kämpferisch nationalistischen Gruppe der Zeloten (Mt 10,4; Mk 3,18; Lk 6,15; Apg 1,14). Im Übrigen wissen wir von ihm nicht mehr, als dass er zum Kreis der Zwölf berufen wurde. Später soll er in Ägypten und Persien gepredigt und in Persien zusammen mit Judas Thaddäus das Martyrium erlitten haben. Dieser Judas Thaddäus wird in Lk 6,16 und Apg 1,13 „Judas des Jakobus“ genannt, was wahrscheinlich als „Sohn (nicht Bruder) des Jakobus“ zu verstehen ist. Welcher Jakobus hier gemeint ist, wissen wir nicht. Auch Judas scheint aus nationalistischen Kreisen zu stammen und in Jesus zunächst einen politischen Messias, einen nationalen Befreier, erwartet zu haben.

Mt 10,5-10: Aussendung der Zwölf

Tägliche christliche Andacht

Mt 10,5: ‭Diese zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Begebt euch nicht auf die Straße der Heiden und betretet keine Stadt der Samariter;

Ein Paradox? 

Ruft Jesus die Apostel zu sich oder sendet er sie zu den Kranken und Bedürftigen? Den gleichen scheinbaren Widerspruch lesen wir in Joh 1,18: „der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht“. Am Herzen des Vaters ruhen und gleichzeitig Kunde bringen? Jesus lehrt uns das Geheimnis des Apostolats. Es gibt eben nur einen APOSTEL: Jesus, und dann viele „Apostel“. Die Nähe zu dem Gesandten und vor allem die Einheit mit ihm geben uns die Kraft in der Sendung und auch die Vollmacht, von der Jesus spricht. Fabiola Marton

Mt 10,6: ‭geht vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.

Geht zu den verlorenen Schafen

Das verlorene Schaf… Jesus sendet seine Jünger zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Wie oft sind wir selbst auch verlorene Schafe. Und der Herr lässt uns nicht im Stich. Es gibt ein sehr schönes Bild, das ein Schaf zeigt, das über eine Klippe gestürzt ist, und Jesus, den guten Hirten, der fast fällt, um das Schaf zu retten, das sich in ein paar Dornen im Felsen verfangen hat. So handelt Jesus mit uns. So groß ist seine Liebe zu uns. Er scheut keine Mühe, um uns aus den Klauen des Feindes unserer Seelen zu ziehen, uns vor dem zu retten, der will, dass wir zugrunde gehen. Heute gibt es viele verlorene Schafe, die Gott dort suchen, wo er nicht ist, die sich vom Hirten abwenden und deshalb leichte Beute für die Wölfe sind, die ihnen ihr Leben rauben und sie verschlingen wollen. João Paulo Jäger (zu Mt 10,6)

Mt 10,7: ‭Geht aber hin, verkündigt und sprecht: Das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen!

Geht aber hin

Steh auf und geh! Wir sind gesandt, gerade in diese Zeiten hinein. Keine Angst, wir sind nicht allein. Lassen wir uns motivieren und begreifen wir, Teil der Sendung Jesu zu sein. Seine Jünger. Gesandt, um das Reich Gottes zu verkünden. Christsein bedeutet: gesandt zu sein!

Von Gott zu den Menschen, die ihn noch nicht kennen oder erfahren haben. Gott will zu den Menschen. Gott will zu den Menschen und wir dürfen, ja, sollen seine Vollmacht in Anspruch nehmen. Beginnen wir im Kleinen. Fangen wir dort an, wo Gott uns hingestellt hat. Leben wir die Ordnung, die Normalität Gottes: ein fester Wille zur Versöhnung, ein heilsamer Moment echter Aufmerksamkeit, ein Wort des Trostes oder ein Lächeln. Das ist Sendung. Ellen Charlotte Petermann (zu Mt 10,7)

Gespräch mit Christus: Herr, ich möchte gerne das Meine tun, damit du durch mich wirken kannst. Denn die Sendung ist aktuell und vollzieht sich heute wie damals.

Macht euch auf den Weg

Die Apostel sollen sich auf den Weg machen. Das Reich Gottes kann nicht aus dem bequemen Sessel heraus verbreitet werden. Wir dürfen nicht warten, weil die Welt Christus braucht. Wir dürfen die sich bietenden Gelegenheiten nicht auslassen und hoffen, dass jemand anderes die Initiative ergreift. „Geht” bedeutet, unser Herz und unsere Augen denen zu öffnen, die hungrig sind nach Christus, gerade auch unseren Familienmitgliedern und Arbeitskollegen, die nach seiner Macht und Gnade hungern. „Geht” heißt in unserer Zeit, zu denen zu gehen, die Christus noch nicht kennen, damit sein Reich sich ausbreitet. Wir dürfen nicht den bequemen Weg gehen, wir müssen auch in jene Bereiche hineinwirken, die den Sinn für die Würde der menschlichen Person verloren haben ‐ besonders in der Medizin, dem Rechtswesen, der Politik und der Bildung. Um all das bittet uns der König. Welche Antwort gebe ich meinem König? Jeffrey Bowker

Das Himmelreich ist nahe 

Das Reich Gottes ist nahe. Das ist die Botschaft, die Jesus verkündet hat. Das Reich Gottes ist uns näher als wir denken. Gott verbirgt sich zum Beispiel in unserem Mitmenschen. Und jedes Mal, wenn wir unseren Nächsten lieben, lieben wir auch Gott in ihm. Auch der Advent erinnert uns daran, wie nahe Gott uns ist und dass er uns nie verlässt. Das Reich Gottes ist uns aber letztlich nahe, weil Jesus uns nahe ist. Während viele andere Religionen und Lehren Gottesvorstellungen haben, die ihn weit weg von uns Menschen wähnen, ist unser Gott ein Gott, der uns nahe ist. So ist also das Reich Gottes uns nahe. Und das Reich Gottes ist auch in uns – jedes Mal, wenn wir uns bemühen, in der Gnade des Herrn zu sein. João Paulo Jäger (zu Mt 10,7)

Das Himmelreich ist nahe

Die Jünger sollen den Menschen die Frohe Botschaft vom Reich Gottes bringen. Es ist keine Theorie oder Vertröstung auf ein Jenseits, sondern schon im Diesseits erfahrbare Wirklichkeit. Die Wunder und Heilungen sollten dies unterstreichen, aber waren nicht das Ziel. Das Reich Gottes wird sich auch in einer finsteren Welt durchsetzen, durch mutige Jünger.

Jesus ist das Himmelreich! 

An dieser Bibelstelle erkennen wir, was Jesus mit dem Himmelreich meint. Jesus tritt der Sünde und dem Bösen und allen seinen Folgen entgegen und gibt seinen Jüngern den gleichen Auftrag. Er ist der Erste und der Letzte, der diese Aufgabe erfüllt. Ja, er ist die Erfüllung überhaupt. Dort, wo er ist und wirkt, ist Jesus selber das Himmelreich. Wenn er also sagt, dass das Himmelreich nahe ist (an anderer Stelle wird er sagen „Das Himmelreich ist mitten unter euch“), dann meint er damit, dass er nahe ist und wirkt. Wo in deinem Leben ist Jesus nahe und wo wirkt er? Dort breitet sich sein Reich gerade aus. Klaus Einsle

Mt 10,8: Heilt Kranke, reinigt Aussätzige, weckt Tote auf, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebt es!

Heilt Kranke

Neben dem Auftrag zur Verkündigung werden die Jünger auch beauftragt, zu heilen. Es geht darum, die Menschen heil zu machen, sie zu befreien, von dem, was sie bedrückt, fesselt, krank und kaputt macht. Die bösen Geistern haben auch heute viele Gesichter. Gelebter Glaube beinhaltet nicht nur Askese, sondern immer auch eine befreiende und heilende Seelsorge! Jesus gibt ihnen diese Vollmacht. Nicht nur ein Wort, nicht nur eine Lehre, sondern wirksame Macht empfangen die Apostel.

Umsonst habt ihr es empfangen

Christus folgt einer ganz anderen Logik als wir. Wir finden unsere Erfüllung nicht, indem wir uns selbst Gnaden oder Freuden verschaffen, sondern indem wir uns verschenken. Im Weggeben werden wir selbst glücklich. Wenn wir Gottes Gnade in unserem Leben empfangen, ist es unsere Aufgabe, sie weiterzugeben. Darin besteht die Logik des Geschenks. Oft fällt es uns schwer, weil es eine immer neue Aufgabe beinhaltet, die wir weder kontrollieren noch planen können. Gottes Gnade ist Geschenk, Aufgabe und Hingabe. Wir sind nie die Besitzer. So wie wir sie empfangen, sind wir eingeladen, sie auch weiterzugeben.

Verkündigung durch Taten

Verkünden, dass Gott nahe ist. Aber wie soll man das tun? Im Evangelium empfiehlt Jesus, nicht viele Worte zu machen, sondern viele Gesten der Liebe und der Hoffnung im Namen des Herrn zu vollbringen. Nicht viele Worte, sondern Gesten: „Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10,8). Das ist der Kern der Verkündigung: das unentgeltliche Zeugnis, der Dienst.

Mt 10,9: ‭Nehmt weder Gold noch Silber noch Kupfer in eure Gürtel,

Gott ist unsere Sicherheit

Wenn Jesus jemanden beruft, für sein Reich zu arbeiten, dann muss diese Person ihr ganzes Vertrauen auf ihn setzen; sich an keine anderen Sicherheiten klammern: kein Gold, keine Vorratstasche, keine Schuhe, kein Wanderstab, kein Bauen auf die eigenen Stärken, keine Suche nach Anerkennung oder Macht. Er will unsere ganze Sicherheit sein. Den Blick auf ihn gerichtet, indem wir ihn zum Zentrum unseres Lebens machen, sollen wir ihm folgen, in Einfachheit. Annika Bauer

Mt 10,10: ‭keine Tasche auf den Weg, auch nicht zwei Hemden, weder Schuhe noch Stab; denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert.

Vertrauen auf die göttliche Vorsehung

Unser Erlöser wollte ihnen die Vorsehung Gottes nahe bringen und sie lehren, darauf zu vertrauen. Christen müssen immer leichtes Gepäck haben. Die Jünger sollen nichts mitnehmen außer einem Wanderstock. Die Jünger sollen erfahren, wie es ist, sich ganz auf die Güte der Menschen und letztlich auf die Vorsehung Gottes zu verlassen. Ob Gott wirklich Quelle und tragender Grund des Lebens ist, das soll man ablesen können an denen, die ihn verkündigen. Übertragen heißt das „Nichts mitnehmen“ auch: Geh zu den Menschen so wie du bist. Sei du selbst! Gib dich selbst! Sag, was du glaubst! Verstecke dich nicht hinter Rollen oder Scheinidentitäten. Sei innerlich arm und verlasse dich allein auf Gott.

Keinen Wanderstab

Es geht nicht darum, für die Reise vollständig ausgerüstet zu sein. Wir werden niemals vollständig dafür vorbereitet sein, das Königreich Christi weiter zu verbreiten. Wir müssen unser Bestes tun und uns auf seine Vorsehung und sein Wirken in den Seelen verlassen. Wir verlassen uns auf ihn, nicht auf uns selbst. Das wird ihn noch mächtiger wirken lassen. Wie der heilige Paulus sagt: „Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ (2 Kor 12,10). Unser Wanderstab ist das Kreuz und die Auferstehung Christi.

Mt 10,11-15: Das Arbeitsgebiet der Jünger

Mt 10,11: ‭Wo ihr aber in eine Stadt oder in ein Dorf hineingeht, da erkundigt euch, wer es darin wert ist, und bleibt dort, bis ihr weiterzieht.‭

Mt 10,12: Wenn ihr aber in das Haus eintretet, so grüßt es mit dem Friedensgruß.

Verkündigung im Alltag

Jesus schickt die Jünger nicht in Synagogen oder auf den Marktplatz, sondern in die Häuser. Die Familien waren die Keimzelle für die Ausbreitung des Evangeliums. Das hat sich bis heute nicht geändert. Die wenigsten von uns sind berufen, sonntags in der Kirche zu predigen, aber jeder von uns hat die Möglichkeit, in seinem Alltag in den kleinen Begegnungen Zeugnis für seinen Glauben zu geben. Wir können zu Menschen vordringen, die nie auf die Idee kämen, in die Kirche zu gehen oder mit einem Priester zu sprechen!

Mt 10,13: Und wenn das Haus es wert ist, so komme euer Friede über dasselbe. Ist es aber dessen nicht wert, so soll euer Friede wieder zu euch zurückkehren.

Wünscht Frieden

Gott ist ein Gott des Friedens. Innerer Friede ist eines der ersten und klarsten Anzeichen dafür, dass etwas von Gott kommt. Der Böse kann uns zwar auf alle möglichen Weisen versuchen und täuschen, er kann sogar in Engelsgestalt in überirdischem Licht erscheinen. Aber er kann unserer Seele keinen Frieden schenken. Wenn wir uns unsicher sind, ob ein Gedanke, eine Eingebung, von Gott kommt oder nicht, dann achten wir einmal auf den Zustand unserer Seele. Bringt der Gedanke Frieden oder Verwirrung mit sich? Gottes Gaben hinterlassen keine Verwirrung. Auch geht es nicht um fühlbaren Frieden. Dieser stellt sich in der Regel ein, wenn wir gerade keine Probleme oder Sorgen haben und alles nach unseren Plänen verläuft. Doch Gott schenkt einen Frieden, der auch inmitten von widrigen Umständen in der Seele herrschen kann. Bertalan Egervári

Unfrieden, Zwietracht, Streit, Feindschaft

Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wünscht ihm Frieden. Vielleicht kommen uns die Worte des Auferstandenen in den Sinn, der oft wiederholt: „Der Friede sei mit euch“, oder der Friedensgruß des Priesters bei der heiligen Messe. Jesus hat alles vollbracht: Sünde und Tod sind besiegt. Wir sind mit Gott versöhnt. Unser Erlöser lebt. Fabiola Marton

Mt 10,14: ‭Und wenn euch jemand nicht aufnehmen noch auf eure Worte hören wird, so geht fort aus diesem Haus oder dieser Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen!‭

Schüttelt den Staub von euren Füßen.

Dieser Ausdruck klingt für mich im ersten Moment hart. Also es kann ja sein, dass die Menschen sie nicht sofort aufnehmen und ihre Worte vom Evangelium nicht hören wollen, aber deshalb sollen sie direkt den Staub abschütteln und weiter gehen? Ja, genau das möchte er von ihnen! Nicht zu viel Zeit an dem Ort verbringen, wo man weder die Apostel, noch deren Werke, noch Gottes Wort hören will. Es gibt noch so viele Menschen, die das Wort mit Freuden aufnehmen werden. Jeder bekommt die gleiche Chance. Der eine ergreift sie, der andere nicht. Und dieser muss dann auch mit den Konsequenzen leben. Jesus ist direkt, aber gerecht. Nutze deine Chance und mach die Augen auf! Svenja Nonnenmacher (zu Mt 10,14)

Mt 10,15: Wahrlich, ich sage euch: Es wird dem Land Sodom und Gomorra erträglicher gehen am Tag des Gerichts als dieser Stadt.

Mt 10,16-42: Vorbereitung auf Verfolgung

Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zu Matthäus Evangelium Mt 10,16-42

Mt 10,16-20: Überliefert, um Zeugnis zu geben

Tägliche christliche Andacht

Mt 10,16: Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben!

Mt 10,16: Siehe, ich sende euch wie Schafe inmitten von Wölfen; so seid nun klug wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben.

In Einfachheit lieben

Lernt von den Tauben Gott in aller Einfachheit lieben, d. h. das Wachsen in der Gottesliebe in aller Einfalt des Herzens fördern und bei allem, was ihr tut, nur ein Motiv, nur ein Ziel haben.

Und nicht nur diese Einfalt in der Liebe lernt von der Taube, denn sie hat nur einen Tauber, für den sie alles tut, sie will nichts, als ihm gefallen, sie fürchtet nichts, als ihm missfallen, lernt auch von ihr, eure Liebe ganz einfach auszudrücken und zu zeigen, denn sie tut nicht weiß Gott was alles, ist nicht überschwänglich in ihren Zärtlichkeiten, sie gurrt nur leise dem Tauber zu, fühlt sich in seiner Liebe geborgen und ist zufrieden, bei ihm sein zu dürfen. Franz von Sales (zu Mt 10,16)

Einfache Seele

Eine Seele, die einfach ist, läuft nicht jedem Wort und jeder Handlung nach, sie überlässt den Ausgang der göttlichen Vorsehung, der sie sich mit ganzer Seele hingegeben hat; sie wendet sich nicht nach rechts und nicht nach links, sie geht einfach geradeaus.

Und findet sie eine Gelegenheit, eine Tugend zu üben, so greift sie diese sorgsam auf und sieht in ihr ein geeignetes Mittel, sich ihrem Ziel, der Gottesliebe, zu nähern, doch tut sie das in aller Ruhe; sie schätzt keine Gelegenheit gering und lässt auch keine vorübergehen, aber sie schaut nicht ängstlich danach aus und überstürzt sich nicht, sie zu suchen. Sie verhält sich ganz still, sie ruht im festen Vertrauen, daß Gott um ihre Sehnsucht, ihm zu gefallen, weiß, und das genügt ihr. Franz von Sales (zu Mt 10,16)

Einfach sprechen

Unser Herr Jesus Christus fordert von uns die Einfachheit der Taube, die darin besteht, Dinge ganz einfach zu sagen, so wie man sie denkt, ohne unnütze Überlegungen, und sich wahrhaftig zu benehmen, ohne Verstellung und Künstelei, und nur auf Gott allein zu schauen;

Aus diesem Grund wird jeder von uns bestrebt sein, alle seine Handlungen in diesem Geist der Einfachheit zu tun, und sich vor Augen zu halten, dass Gott sich gerne den Einfachen mitteilt und ihnen seine Geheimnisse offenbart, die er vor den Weisen und Klugen verbirgt (Mt 11,25). Aber zur gleichen Zeit, in der Jesus Christus die Einfachheit der Taube empfiehlt, befiehlt er uns, die Klugheit der Schlange zu nutzen, was eine Tugend ist, die uns mit Umsicht sprechen und handeln lässt. Vinzenz von Paul (zu Mt 10,16)

Schafe unter Wölfen

Der Herr sendet und ist bei uns: Der Herr schickt uns nicht nur als „Schafe unter die Wölfe“, sondern in unserer Zeit auch als Wächter mitten unter die Leute, die nicht aus ihrer weltlichen Trägheit geweckt werden wollen, die die Worte der Wahrheit des Evangeliums ignorieren und sich ihre eigenen flüchtigen Wahrheiten zusammenbauen. Und wenn wir in diese Umfelder gehen oder in ihnen leben und die Worte des Evangeliums sagen, dann stört das und sie werden uns nicht mit Wohlwollen anschauen.

Doch bei all dem fährt der Herr fort, uns zuzurufen, was er bereits den Jüngern seiner Zeit gesagt hat: „Fürchtet euch nicht!“ Dieses Wort dürfen wir nicht vergessen: immer, wenn wir vor Bedrängnissen, vor einer Verfolgung, vor etwas stehen, das uns leiden lässt, wollen wir die Stimme Jesu im Herzen hören: „Fürchtet euch nicht! Hab keine Angst, geh weiter! Ich bin bei dir. Papst Franziskus (zu Mt 10,16)

Mt 10,17: Hütet euch aber vor den Menschen! Denn sie werden euch den Gerichten ausliefern, und in ihren Synagogen werden sie euch geißeln.

Sie werden euch in ihren Synagogen auspeitschen

In Deutschland werden wir als Christen nicht ausgepeitscht. Aber es gibt ja viele Länder, wo man an Leib und Leben gefährdet ist, wenn man Christ ist. Noch nie wurden so viele Christen verfolgt und getötet wie heutzutage. Ich halte einen Moment inne, um für diese Brüder und Schwestern jetzt zu beten. Dorit Wilke-Lopez (zu Mt 10,17)

Mt 10,18: Auch vor Fürsten und Könige wird man euch führen um meinetwillen, ihnen und den Heiden zum Zeugnis.

So behandelt wie Jesus

Einfach gesagt, die Jünger sollten nicht erwarten, besser behandelt zu werden , als Jesus behandelt wurde. Wenn sie Jesus selbst Satan ( Beelzebub ) nannten, wie viel Schlimmeres sollten die Jünger Jesu erwarten!

Vorbereitung auf Verfolgung

Weil der Herr oben die Apostel vor Kummer warnte und mit Wundergaben waffnete, so sagte er ihnen entsprechend die Nebel vorher, die ihnen bevorstehen; zuerst, dass sie die Macht seines Vorherwissens kennen lernten; sodann, dass niemand glaubte, wegen der Schwachheit des Meisters träfen sie diese Nebel; drittens, dass sie, wenn sie dieselben träfen, nicht zurückschreckten, da sie nicht unvermutet und unerwartet kämen; viertens, dass sie dieses hörend zur Zeit des Kreuzes nicht in Verwirrung gerieten. Goldene Perle (zu Mt 10,18)

Um meinetwillen

Wenn wir um Jesu Willen Schmerz erfahren müssen, kann uns folgendes Zitat von der heiligen Mutter Teresa helfen: Der Schmerz an sich ist nichts; aber der Schmerz, der an der Passion Christi teilnimmt, ist ein wunderbares, ja das schönste Geschenk: ein Geschenk und ein Beweis der Liebe, weil der Vater gezeigt hat, dass er die Welt liebt, als er seinen Sohn hingab. Fabiola Marton (zu Mt 10,18)

Mt 10,19: Wenn sie euch aber ausliefern, so sorgt euch nicht darum, wie oder was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt.

Macht euch keine Sorgen

Wenn ich Ablehnung spüre, ist das natürlich schmerzhaft. Dann ist es wichtig, wie Petrus bei seinem Gang auf dem Wasser auf Jesus zu schauen, damit ich in den aufgewühlten Gefühlen nicht versinke. Aber der Heilige Geist wird mich dazu befähigen, ich brauche nicht im Voraus zu grübeln und mich abzusichern, was ich wie bekennen und sagen soll. Ich halte einen Moment inne, um dem himmlischen Vater alle Angst vor Ablehnung zu übergeben und dem Heiligen Geist mein Vertrauen auszusprechen. Dorit Wilke-Lopez (zu Mt 10,19)

Hab keine Angst! 

Bedrängnis? Verfolgung? Spott? Nachteil? Leid? Wegen Jesus? Ja, wir folgen Jesu Schritt, der am Kreuz starb. Manchmal sind wir wie Schafe, die inmitten eines Rudels von Wölfen Zeugnis geben. Habt keine Angst, ich bin der ich bin da, sagt uns Gott am Berge Sinai. Vertrauen wir dem guten Hirten, inmitten der Bedrängnis. Fabiola Marton (zu Mt 10,19)

Mt 10,20: Denn nicht ihr seid es, die reden, sondern der Geist eures Vaters ist’s, der durch euch redet.

Nicht ihr werdet dann reden

Die Begleitung des Heiligen Geistes in schwierigen Situationen ist uns gewiss. Rein menschlich scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Die Jünger folgen Jesus nach, halten sich an seine Gebote und versuchen, die Frohe Botschaft zu verkünden. Als „Lohn” dafür stehen sie vor Gericht, werden ausgepeitscht und sogar mit dem Tod bestraft. Haben sie etwas falsch gemacht? Hat Gott sie verlassen? Nein, gerade weil sie treu waren, widerfährt ihnen das. Der Kampf ist vor allem innerlich. „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, euch aber sonst nichts tun können.” In den Schwierigkeiten geht es vor allem darum, den Glauben an die Nähe Gottes zu wahren, ohne Sorge, voller Hoffnung und Zuversicht zu bleiben und den Frieden zu bewahren. Ganz besonders in solchen Situationen ist Gott uns nahe. Bertalan Egervári (zu Mt 10,20)

Tröstende Worte

Dieses aber tröstete sie, nicht weil sie die Strafe Anderen wünschten, sondern daß sie Zuversicht hätten, weil sie überall den Allgegenwärtigen und Allwissenden hätten. Der Sinn ist der: Ihr geht in den Kampf, aber ich bin es, der kämpft. Ihr sprecht die Worte aus, aber ich bin es, der sie euch eingibt. Goldene Perle (zu Mt 10,20)

Mt 10,21-23: Ausharren bis zum Ende

Mt 10,21: Es wird aber ein Bruder den anderen zum Tode ausliefern und ein Vater sein Kind; und Kinder werden sich gegen die Eltern erheben und werden sie töten helfen.

Mt 10,22: Und ihr werdet von jedermann gehasst sein um meines Namens willen. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.

Wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet

Die Apostel brauchen keine Angst zu haben. Auch nicht vor einem möglichen Ende. Jesus sagt ihnen, dass sie gerettet werden aus aller Drangsal, den Anfeindungen, Verleumdungen, wenn sie nur treu und standhaft bleiben. Das klingt so schön, aber ist das auch so einfach? Das geht nur im großen Vertrauen auf Gott, auf seine Hilfe und Unterstützung. Alleine können wir nichts vollbringen, sondern nur mit seiner Hilfe und dem Vertrauen, dass er immer bei uns ist und das Beste für uns will. Gott will, dass wir gerettet werden. Jeder von uns. Schauen wir so in die Zukunft und glauben daran, dass nichts uns schaden kann, wenn wir ihm allein vertrauen? Ich denke, das tun die wenigsten von uns, aber man kann es lernen. Jeden Tag ein wenig mehr und am Ende steht die Rettung. Svenja Nonnenmacher (zu Mt 10,22)

Wer bis zum Ende standhaft bleibt, wird gerettet. Diese Aussage betont noch einmal, worauf es wirklich ankommt. Wir sollen standhaft bleiben, auch wenn sich scheinbar die ganze Welt gegen uns wendet und das Ende kurz bevor steht. Es ist zwar im Moment schwer vorstellbar, dass uns jemand im zivilisierten Westen auspeitscht oder mit dem Tod bestraft, doch wissen wir, dass die Verfolgung durchaus real ist. Ein christlicher Wert nach dem anderen wird untergraben und die Gesellschaft wird immer weltlicher und sogar feindselig. Spott, Verachtung und Benachteiligung, Gelächter, Ausgrenzung und üble Nachrede sind immer häufiger das Los derer, die dem Glauben treu bleiben. Lassen wir uns nicht davon beeindrucken oder gar entmutigen. Wir dürfen die Gewissheit haben, dass Christus uns gerade deswegen besonders nahe ist und unsere Seele mit reichen Gnaden beschenkt. Bertalan Egervári (zu Mt 10,22)

Mt 10,23: Wenn sie euch aber in der einen Stadt verfolgen, so flieht in eine andere. Denn wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet mit den Städten Israels nicht fertig sein, bis der Sohn des Menschen kommt.

Aufforderung zur Flucht

Jedoch lässt der Erlöser seine Jünger nicht darum fliehen, und gab zuerst ein Beispiel hierin, weil er seine Jünger nicht beschützen konnte, sondern er lehrte die Gebrechlichkeit des Menschen, damit er Gott nicht zu versuchen wage, wenn er dem, was er vermeiden soll, entgehen kann. Goldene Perle (zu Mt 10,23)

Mt 10,24-25: Jünger-Meister; Sklave-Herr

Mt 10,24: Der Jünger ist nicht über dem Meister, noch der Knecht über seinem Herrn.

Mt 10,25: Es ist für den Jünger genug, dass er sei wie sein Meister und der Knecht wie sein Herr. Haben sie den Hausherrn Beelzebub genannt, wie viel mehr seine Hausgenossen!

Eine Klarstellung

Die Jünger folgten Jesus gerne. Doch sie hatten auch ihre eigenen Vorstellungen von Nachfolge. Sie träumten von einem neuen Reich Israel, in dem jeder eine wichtige Rolle spielen würde. Doch die Nachfolge Jesu ist anders. Jesus versuchte ihnen bewusst zu machen, dass, wenn man schon ihn verfolgte, es ihnen nicht anders ergehen würde. Darum muss man von Jesus lernen, was richtige Jüngerschaft bedeutet. Sonst könnte man enttäuscht oder frustriert werden. Anton Stehmer (zu Mt 10,25)

Hausgenossen

Er sagte nicht Knechte, sondern Hausgenossen, um die große Freundschaft zu ihnen hervorzuheben. So sagte er auch an einer anderen Stelle: Ich will euch nicht Knechte nennen, sondern meine Freunde. — Gleich als wollte er sagen. Ihr sollt also zeitliche Ehren und menschlichen Ruhm nicht suchen, da ihr seht, dass ich durch Verspottung und Verhöhnung das menschliche Geschlecht erlöse. Goldene Perle (zu Mt 10,25)

Mt 10,26-31: Ermutigungen

Mt 10,26: So fürchtet euch nun nicht vor ihnen! Denn es ist nichts verdeckt, das nicht aufgedeckt werden wird, und nichts verborgen, das man nicht erfahren wird.

Fürchtet euch nicht!

Es gehört zur Strategie des Feindes, Furcht zu verbreiten. Angst ist häufig der Ursprung für unsere Unfreiheit und für viele unserer Entscheidungen gegen Gott. Sie stiftet Verwirrung; lässt uns im Dunkeln. Welche Strategie verfolgt der Feind in meinem Leben? Annika Bauer (zu Mt 10,26)

Wir brauchen uns nicht zu fürchten, denn der Vater ist an unserer Seite und möchte uns bei sich im Himmel haben. Ja, die Menschen können uns nichts anhaben. Auch Jesus ist immer an unserer Seite, es geht immer wieder darum, auf ihn zu vertrauen, auf seine Gegenwart in unserem Herzen zu bauen. Er ist dort zu Hause, solange wir ihn nicht hinauswerfen. Und dort vollbringt er sein Werk. Mit ihm in unserem Herzen brauchen wir wirklich nichts zu fürchten. Jonathan Fuhr (zu Mt 10,26)

Mt 10,27: ‭Was ich euch im Finstern sage, das redet im Licht, und was ihr ins Ohr hört, das verkündigt auf den Dächern!‭

Reden im Licht

Es gibt nicht eine Botschaft für den inneren Kreis und eine andere für die Außenstehenden. Die Außenstehenden verstehen die Botschaft vielleicht nicht, aber sie können sie hören und sie darf ihnen nicht verborgen bleiben.

Tägliche christliche Andacht

Mt 10,28: Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet vielmehr den, der Seele und Leib verderben kann in der Hölle!

Mt 10,29: Verkauft man nicht zwei Sperlinge um einen Groschen? Und doch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater.

Mt 10,30: Bei euch aber sind selbst die Haare des Hauptes alle gezählt.

Gott kennt uns besser als jeder andere

Gott kennt uns besser als unsere Freunde uns kennen; besser als unser Mann oder unsere Frau uns kennt; Er kennt uns besser, als wir uns selbst kennen. Wir wissen nicht, wie viele Haare auf unserem Kopf gezählt sind. Der Gott, der uns so gut kennt, wird für uns sorgen. Wenn er aber sagt: Aber alle eure Haupthaare sind gezählt, so zeigt er die unendliche Vorsehung Gottes gegen die Menschen, und drückt den unaussprechlichen Willen aus, dass nichts von uns Gott verborgen sein soll. Goldene Perle (zu Mt 10,30)

Mt 10,31: Darum fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Sperlinge.

Menschenfurcht oder Gottesfurcht.

In allen Zeiten litten Jünger Jesu unter schweren Bedrängnissen. Sie hätten sich leicht minderwertig fühlen können, weil sie in der Gesellschaft keine Anerkennung fanden („bin nur zwei Pfennig wert“). Aber nicht darauf kommt es an, sondern darauf, wie Gott den Jünger sieht. Für Gott ist jeder Jünger absolut wertvoll. Gott kennt sogar die Anzahl der Haare auf dem Kopf eines Jüngers. Keinem Jünger kann etwas geschehen, was Gott nicht zulässt, und was er zulässt, dient der Ausbreitung des Reiches Gottes. Der Jünger steht unter dem Schutz Gottes. Der Lohn für das furchtlose Zeugnis wird schließlich das Himmelreich sein. Wer sich aber vor den Menschen fürchtet und geneigt ist, sich ihrem Willen anzupassen, den warnt Jesus mit großem Ernst. Anton Stehmer (zu Mt 10,31)

Göttliche Vorsehung

Der Sinn ist der: Wenn die kleinen Tiere ohne den Willen Gottes nicht zu Grunde gehen, und wenn überall die Vorsehung waltet, und das, was darin vergänglich ist, ohne den Willen Gottes nicht vergebt: so dürft ihr, die ihr ewig seid, nicht fürchten, dass ihr ohne göttliche Vorsehung lebt. Goldene Perle (zu Mt 10,30)

Mt 10,32-33: Bekennen oder verleugnen

Mt 10,32: Jeder nun, der sich zu mir bekennt vor den Menschen, zu dem werde auch ich mich bekennen vor meinem Vater im Himmel.

Mt 10,33: Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater im Himmel.

Aufruf zum Bekenntnis zu Christus

Was Christus für euch auf Erden ist, das werdet ihr für Christus im Himmel sein. Ich werde diese Wahrheit wiederholen. Was immer Jesus Christus für Sie auf Erden ist, das werden Sie am Tag des Gerichts für ihn sein. Wenn er dir lieb und teuer ist, wirst du ihm lieb und teuer sein. Wenn du alles von ihm gedacht hast, wird er alles von dir denken. Spurgeon (zu Mt 10,33)

Herz und Mund

Darum aber fordert er nicht nur den Glauben des Herzens, sondern auch das Bekenntnis des Mundes, um uns zur unerschrockenen Verkündung und zur größeren Liebe zu erheben und emporzurichten. Goldene Perle

Mt 10,34-39: Nicht Friede, sondern das Schwert

Mt 10,34: Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert!

Jesus bringt das Schwert

Worauf bezieht sich der Herr, wenn er in der Version des Lukas sagt, daß er gekommen ist, um die Spaltung zu bringen, oder laut Matthäus das Schwert? Diese Wendung Christi bedeutet, daß der Friede, den zu bringen er gekommen ist, nicht gleichbedeutend mit einfacher Abwesenheit von Konflikten ist. Im Gegenteil, der Friede Jesu Christi ist Ergebnis eines ständigen Kampfes gegen das Böse. Der Kampf, den durchzustehen Jesus entschlossen ist, ist nicht ein Kampf gegen Menschen oder menschliche Mächte, sondern gegen den Feind Gottes und des Menschen, Satan.

Wer diesem Feind widerstehen will und dabei Gott und dem Guten treu bleibt, muß notwendigerweise Verständnislosigkeiten und manchmal richtiggehenden Verfolgungen entgegentreten. All diejenigen, die beabsichtigen, Jesus nachzufolgen und sich kompromißlos für die Wahrheit einzusetzen, müssen deshalb wissen, daß sie Widerständen begegnen werden und gegen ihren Willen Zeichen der Spaltung unter den Menschen, sogar innerhalb ihrer Familien, sein werden.

Mt 10,35: ‭Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter;

Furchtloses Bekenntnis

Jünger Jesu müssen mit übler Nachrede rechnen und manchem mehr. Jesus sagte nicht, dass er seine Jünger davor bewahren würde. Jedoch sollten sie sich nicht dadurch entmutigen lassen und furchtsam werden, stattdessen aber weiter mutig das Evangelium verkünden. Dieses furchtlose Bekenntnis war der Grund für die Ausbreitung des Evangeliums im ganzen römischen Reich. Und es ist es auch heute noch. Anton Stehmer (zu Mt 10,35)

Mt 10,36: ‭und die Feinde des Menschen werden seine eigenen Hausgenossen sein.

Die Botschaft Christi trennt

Die Botschaft Jesu – wie sie sich in der Bergpredigt widerspiegelt – ist in der Tat eine Friedensbotschaft. Da sie jedoch den Einzelnen zu einer radikalen Hingabe an Jesus selbst aufruft, ist sie eine Botschaft des Friedens, die zwischen denen, die sie wählen, und denen, die sie ablehnen, trennt.

Mt 10,37: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.

Jesus mehr lieben als alles andere

Im Gegensatz zum Lukasevangelium 14,26 formuliert Matthäus hier nicht, dass die Familienangehörigen „geringzuachten“ sind. Vielmehr fasst er es positiv: Jesus ist mehr zu lieben als Vater, Mutter, Sohn und Tochter. Wer nicht in der Lage ist, sich in einem möglichen Konfliktfall gegen die Familie und für Jesus Christus und seine Botschaft zu entscheiden, der verwirkt seinen Status als Erwählter und Gesendeter („ist meiner nicht wert“). Der Evangelist Matthäus formuliert hier offenbar auch mit Blick auf die reale Situation seiner Gemeinde die Aufforderung zu einer klaren Prioritätensetzung. Das Verkünden der Botschaft und damit das Festhalten an Jesus und seinem Wirken muss in Situationen der Bedrängnis und Auseinandersetzung immer den Vorrang bekommen. Kristrell Köhler (zu Mt 10,37)

Prioritäten ordnen

„Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig.“ – Wenn Christus nur ein weiser Mensch und nicht Gott wäre, würde diese Aussage ein Zeichen von narzisstischem Größenwahnsinn sein. Doch weil Christus Gott und damit die Quelle echten Lebens und der authentischen Freude ist, kann er mit Recht den ersten Platz in unserem Lebens einfordern. Wenn jemand von außen objektiv auf mein Leben schauen würde, könnte er erkennen, dass Christus diese absolute Priorität für mich hat? Oder gibt es versteckte Bereiche in meinem Alltag, die mir so heilig sind, dass selbst Christus sie nicht berühren darf? Nils Benedikt Schäfer (zu Mt 10,37)

Mt 10,38: Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, der ist meiner nicht wert.

Tägliche Kreuze

Diese täglichen Kreuze sind die täglichen kleinen und auch großen Sorgen und Unannehmlichkeiten, das ganz normale Alltagsleben eben. Da gibt es Aufgaben, die erledigt werden müssen, obwohl wir gar keine Lust dazu haben. Da gibt es Menschen, denen wir begegnen müssen, obwohl wir sie gerade jetzt eigentlich am liebsten gar nicht sehen möchten.

Da gibt es Fehler, die man an sich feststellt, gegen die man immer wieder ankämpft, die einen aber trotzdem immer wieder einholen. Da gibt es Gebrechen an Körper und Seele, die einen piesacken und ärgern, die zwar nicht lebensbedrohlich, aber doch unangenehm sind. Alles kleine Kreuze. Für mich ein sehr hilfreicher Gedanke hierbei ist von Bonhoeffer: Man soll Gott in dem finden und lieben, was er uns gerade gibt.

Bitte um Kraft, das Kreuz zu tragen

Schaut, alle kommen und wollen von ihrem Kreuz befreit werden. So wenige kommen und bitten um Kraft, es zu tragen! Das Kreuz wird euch nicht zermalmen. Wenn es auch lastet, so gibt es Kraft und hält aufrecht. Denken wir an das Leiden und den Tod Unseres Herrn und an sein Blut, das er für uns vergossen hat. Dann werden wir uns nicht mehr über unser Leiden beklagen. Behüte meine Sinne und halte sie fest in der Betrachtung des leidenden Jesus, damit sie sich nicht von ihm entfernen. O mein Jesus, möge mein Herz an Deinem durchbohrten Herzen ruhen in den Prüfungen und Schmerzen des Lebens. Pater Pio (zu Mt 10,38)

Mein Kreuz gehört mir! 

„Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig“. –Jesus tut offenbar alles, um die Zahl seiner Nachfolger in Grenzen zu halten… Aber seien wir ehrlich: In jedem Leben gibt es ein Kreuz. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der keines hatte – selbst wenn nach außen hin alles noch so perfekt aussah. Wer das Kreuz ignoriert, tut sich keinen Gefallen. Nur wenn ich mein Kreuz annehme und damit so umgehe wie Jesus mit dem seinen, wird das Kreuz mein Leben „genießbar“ machen (vgl. Ex 15,23-25)! Wie ich mittlerweile weiß, aber vielleicht lange nicht wahrhaben wollte, ist mein persönliches Kreuz ein handgemachtes, maßgeschneidertes Angebot Gottes für meine Heiligung. Tauschen wollen ist keine gute Idee. Jesus geht sogar so weit zu sagen, dass ich ihn nicht verdient habe, wenn ich mein Kreuz ablehne! An keiner anderen Stelle der Evangelien nennt Jesus so deutlich die Kriterien für die Gemeinschaft mit ihm: 1. das eigene Kreuz nehmen und ihm nachfolgen, – 2. ihn an die erste Stelle in meinem Leben setzen. Beate Scheilen (zu Mt 10,38)

Mt 10,39: Wer sein Leben findet, der wird es verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden!

Massive Worte

Jesus wählt die Worte derart massiv und absolut, weil er weiß, dass sich unser menschliches Ego viel zu häufig auf Rollen und ausgetüftelte Selbstbilder fixiert. Er möchte uns unmissverständlich klar machen, dass all dies vergängliche Konstrukte sind. Das Wesen dieser Welt vergeht. Diese Fixierungen müssen sterben und ja, sie sterben nicht leicht, weil wir sie zu oft für unser wahres Selbst halten. Wenn diese Fixierungen sterben, bevor wir leiblich sterben, dann begegnen wir dem Einssein mit Gott, dann treten wir schon jetzt ein in das ewige Leben in Jesus Christus, dann können wir bekennen:

Der Jünger lebt in einem Paradoxon

Er kann das Leben nur finden, indem er es verliert, und er kann nur leben, indem er stirbt. Das Auferstehungsleben kann nur kommen, nachdem wir unser Kreuz auf uns genommen haben, um Jesus nachzufolgen. Warum willst du deine Seele nicht verachten? Weil du sie liebst? Gerade darum verachte sie und du wirst ihr am meisten nützen.

Und wer seine Seele um meinetwegen verliert, findet sie

Das heißt: Wer dieses zeitliche Licht und seine Liebe und Vergnügungen zur Zeit der Verfolgung wegen des Bekenntnisses meines Namens verachtet, wird das ewige Heil seiner Seele finden. Wenn also der Gewinn der Seele zum Tode, und ihr Verlust zum Heile gereicht, so wird durch den Verlust des kurzen Lebens der Reichtum der Unsterblichkeit gewonnen. Goldene Perle (zu Mt 10,39)

Radikal frei

Letztlich will uns Christus nichts von dem nehmen, was unser Leben wirklich lebenswert macht. Oft hängen vielmehr wir unser Herz an Dinge, welche sie innerlich leer machen. Genau davon will Christus uns frei machen. Ignatius von Loyola erkannte dies, als er schrieb, dass wir die Dinge dieser Welt insoweit lieben sollen, wie sie uns helfen, Gott näher zu kommen.

Alles, was wir in unserem Leben anstreben und suchen, was letztlich nicht auf Gott ausgerichtet ist, wird uns vom echten Leben in Christus entfernen. Daher meint Jesus also nicht, dass wir unsere Eltern oder unsere Kinder nicht lieben sollen. Ja, wir sollen sie lieben, sogar mit ganzem Herzen, aber gleichzeitig sollen sie kein Hindernis für unsere Beziehung zu Gott sein. Unsere Beziehungen sollten letztlich auf Gott, das heißt die Fülle der Liebe, ausgerichtet sein und nicht nur auf unsere Selbstgenügsamkeit abzielen. Nils Benedikt Schäfer (zu Mt 10,39)

Mt 10,40-42: Belohnung für die Nachfolge

‭Mt 10,40: Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.‭

‭Mt 10,41: Wer einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet ist, der wird den Lohn eines Propheten empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt, weil er ein Gerechter ist, der wird den Lohn eines Gerechten empfangen;‭

Mt 10,42: ‭Wer einem dieser Geringen auch nur einen Becher mit kaltem Wasser zu trinken gibt, weil er ein Jünger ist, wahrlich, ich sage euch, der wird seinen Lohn nicht verlieren!‭

Wert eines Becher Wassers

Was könnte unbedeutender erscheinen, als einer Person eine Tasse kaltes Wasser zu geben ? In kurzer Zeit werden sie wieder durstig sein. Doch selbst eine so kleine Geste wird immer in Erinnerung bleiben und von Gott belohnt werden. Sie werden auf keinen Fall ihre verlieren Lohn verlieren.

Sind Christen Altruisten? 

Was ist schon ein Becher kaltes Wasser? Eine Bagatelle, zumindest für uns. Und trotzdem sagt Jesus, dass derjenige belohnt werden wird, der dem unbedeutendsten seiner Jünger einen Schluck Wasser zu trinken gibt. Das entspricht wohl kaum den üblichen Gepflogenheiten im Geschäftsleben, wo für Lohn auch hart gearbeitet werden muss. Jesus stellt hier eines ganz klar heraus: Wir müssen als Christen nicht in dem Sinne altruistisch eingestellt sein, dass wir vollkommen absichtslos handeln! Hier kommt das Wort „Sammelt euch Schätze im Himmel“ zum Tragen Selbst Gott verlangt von uns nicht, dass wir gut sind um eines abstrakten Prinzips des Gutseins willen, so als ob es keine Gerechtigkeit mehr gäbe, also ohne irgendetwas dafür zu erwarten! Ja, den Jünger Jesu erwarten Schwert und Kreuz – aber auch ein Lohn, der alles übertrifft, was wir uns in dieser Welt vorstellen können! Beate Scheilen (zu Mt 10,42)

Hier geht’s zu einer Auslegung von G. de Koning zu Mt 10. Kap.


Das war eine Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 10. Kap.


Mt 10