Klagelieder Klgl 2. Kap.: Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt

Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch Klagelieder Klgl 2. Kap

➡️ Hier geht’s zu Klgl 1. Kap.

➡️ Hier geht’s zu Klgl 3. Kap.

➡️ Inhaltsverzeichnis Altes Testament

Klgl 2,1-22: Zweites Klagelied – Trauer über Gottes Gericht

Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zum Buch Klagelieder Klgl 2. Kap.

Klgl 2:1: ‭Ach! Wie hat doch der Herr in seinem Zorn die Tochter Zion in Wolkendunkel gehüllt! Er hat die Zierde Israels vom Himmel zur Erde geschleudert und an den Schemel seiner Füße nicht gedacht am Tag seines Zorns.

In Wolkendunkel gehüllt

In Klgl 2,1 beschreibt der Autor vermutlich die dunklen Zeiten, in denen das Volk Israel durchging. Diese Wolkendunkel könnten metaphorisch für die Schwierigkeiten und Herausforderungen stehen, die das Volk erlebte. Es könnte auch darauf hinweisen, dass Gott für sie unzugänglich oder unklar schien, ähnlich wie eine dunkle Wolke den Himmel verdeckt. Auf persönlicher Ebene könnte dies bedeuten, dass wir alle durch dunkle Zeiten gehen, in denen es schwierig ist, Gottes Präsenz oder Führung zu erkennen. Dennoch können wir Hoffnung in der Tatsache finden, dass selbst in den dunkelsten Momenten Gottes Licht durchscheinen kann, wenn wir uns an ihn wenden und auf ihn vertrauen.

Klgl 2:2: ‭Der Herr hat vertilgt und nicht verschont alle Wohnungen Jakobs; in seinem Grimm hat er niedergerissen die Festungen der Tochter Juda; zu Boden geworfen und entweiht hat er ihr Königreich samt ihren Fürsten.

Klgl 2:3: ‭In seinem grimmigen Zorn schlug er ab jedes Horn von Israel; er zog seine rechte Hand zurück vor dem Feind und hat Jakob in Brand gesteckt wie ein flammendes Feuer, das ringsum alles verzehrt.

Klgl 2:4: ‭Er spannte seinen Bogen wie ein Feind, er stellte sich mit seiner Rechten wie ein Widersacher hin und machte alles nieder, was lieblich anzusehen war; ins Zelt der Tochter Zion goss er seinen Grimm aus wie Feuer.

Klgl 2:5: ‭Der Herr ist wie ein Feind geworden ; er hat Israel vertilgt, alle seine Paläste vernichtet; er hat seine Festungen zerstört und hat der Tochter Juda viel Seufzen und Wehklage bereitet.

Der Herr ist wie ein Feind geworden

In Klgl 2,5 drückt der Schreiber die traurige Realität aus, dass der Herr für sie wie ein Feind geworden ist. Diese Beschreibung mag zunächst verstörend wirken, aber sie reflektiert die Zerstörung und das Leiden, die das Volk Gottes erlebt hat. Es ist eine Darstellung von Entfremdung und Verlassenheit, die die Tiefe des Schmerzes betont, den sie empfinden. Doch selbst in dieser Dunkelheit liegt die Hoffnung auf Umkehr und Versöhnung mit Gott. Diese Verse laden uns ein, über die Konsequenzen unserer Taten nachzudenken und uns an Gottes Gnade zu erinnern, die uns immer wieder auf den rechten Weg führen kann.

Klgl 2:6: ‭Er hat seine Hütte verwüstet wie einen Garten, den Ort seiner Festversammlungen hat er zerstört; der Herr hat in Zion die Festtage und Sabbate in Vergessenheit gebracht und König und Priester verworfen in seinem grimmigen Zorn.

Klgl 2,6: Der Herr hat seinen Tempel niedergerissen.

Anbetung mit dem Herzen

Der Tempel Salomos war ein Bild für Gottes Gegenwart unter seinem Volk und war der zentrale Ort, wo Gott angebetet wurde. Seine Zerstörung veranschaulichte Gottes Verwerfung dieses Volkes. Er wohnte nicht mehr bei ihm. Wir nun beten Gott in Geist und Wahrheit an. Ein Kirchengebäude mag noch so schön sein, wenn die Menschen, die dort in den Gottesdienst gehen, Gott nicht von Herzen folgen, wird die Kirche von innen her verfallen. Wie ist das bei uns? Drücken wir in unseren Gebeten Dinge aus, die wir gar nicht so meinen? Erbitten wir Gottes Hilfe, obwohl wir nicht an sie glauben? Suchen Sie Gott und entdecken Sie seine Liebe neu, und dann beten Sie ihn von ganzem Herzen an.

Klgl 2:7: ‭Der Herr hat seinen Altar verabscheut, sein Heiligtum verworfen; er hat der Hand des Feindes preisgegeben die Mauern ihrer Paläste; sie haben im Haus des Herrn Lärm erschallen lassen wie an einem Festtag.

Klgl 2:8: ‭Der Herr hatte sich vorgenommen, die Mauern der Tochter Zion zu zerstören; er spannte die Messschnur aus, er zog seine Hand nicht zurück, bis er sie vertilgt hatte; Bollwerk und Mauer versetzte er in Trauer; kläglich liegen sie miteinander da.

Klgl 2:9: ‭Ihre Tore sind in den Erdboden versunken, ihre Riegel hat er zerstört und zerbrochen; ihr König und ihre Fürsten sind unter den Heiden; es ist kein Gesetz mehr da, auch bekommen ihre Propheten keine Offenbarung mehr vom Herrn.

Klgl 2:10: ‭Die Ältesten der Tochter Zion, sie sitzen schweigend auf der Erde; sie haben Staub auf ihr Haupt gestreut und sich mit Sacktuch umgürtet; die Jungfrauen von Jerusalem, sie senken ihr Haupt zur Erde.

Staub auf ihr Haupt

In Bibel Klgl 2,10 wird die Verzweiflung Jerusalems beschrieben, indem es heißt, dass die Ältesten von Zion Staub auf ihre Köpfe streuen. Dies ist eine symbolische Geste der Trauer und Reue, die auf die Demütigung und Zerstörung der Stadt hinweist. Die Bewohner Jerusalems, insbesondere die Führer und diejenigen, die für die Stadt verantwortlich sind, drücken ihre tiefe Trauer über die tragischen Ereignisse aus. Indem sie sich mit Staub bestreuen, zeigen sie ihre Schuld und ihre Verzweiflung über die Situation. Es ist ein Ausdruck der Hoffnungslosigkeit und des Bedauerns über die Zerstörung ihrer Stadt und ihrer Gemeinschaft.

Tägliche christliche Andacht

Klgl 2:11: ‭Meine Augen sind ausgeweint, mein Inneres kocht; mein Herz schmilzt in mir wegen des Zusammenbruchs der Tochter meines Volkes, weil Kind und Säugling verschmachten auf den Straßen der Stadt!

Klgl 2,11: Ich weine mir fast die Augen aus, der Schmerz überwältigt mich, und es bricht mir das Herz, den Untergang meines Volkes mitzuerleben.

Meine Augen sind ausgeweint

Diese Worte drücken tiefe Trauer und Verzweiflung aus. Sie vermitteln das Gefühl, dass alle Tränen geweint wurden, dass kein Trost mehr zu finden ist. Es ist eine poetische Beschreibung von einem Zustand der Erschöpfung und des Schmerzes. Es zeigt die Intensität des Leidens, das die Person durchgemacht hat. Diese Worte können auch eine Bitte um Erleichterung und Erlösung sein, eine Hoffnung auf Heilung und Trost inmitten des Schmerzes.

Das Leiden mit dem Nächsten

Jeremias Tränen sind echt und voller Mitleid. Trauern ist nicht dasselbe wie schwach oder ohne Glauben sein. Tränen der Trauer waren auch Jesus nicht unbekannt. Wie reagieren wir heute auf Leid? Leiden wir mit? Jegliches Leid sollte uns zu Herzen gehen. Aus diesem Mitleiden geht der Wille hervor, zu helfen, manchmal tatkräftig, manchmal auch schlicht, dass man einfach da ist und das Leiden des Nächsten mitträgt. 

Leid betrifft dich und mich, uns alle, das gilt es erst einmal fest zu halten: Krankheiten, Einsamkeit, Naturkatastrophen, Misshandlungen, Mitleid, Terror, Armut u.v.m….besonders der Tod, der eigene und der von uns Nahestehenden. Es gibt selbst veursachtes Leid, das aus Egoismus, Rücksichtlosigkeit u.a. entspringt und nicht selbst verursachtes Leid (z.B. Unfälle). Im AT ist Hiob „das“ Sinnbild des unschuldig Leidenden schlechthin.

Der Vielfältigkeit des Leides sind keine Grenzen gesetzt. Die Art und Weise wie wir damit umgehen, ist unterschiedlich, der eine erträgt es leichter, für den anderen ist es schwerer. Diese Universalität der Leidfrage birgt die Chance, dass ich von Hiob bis hin zu Johannes Paul II vielfältige Beispiele habe, wie andere Menschen mit persönlichen Leid umgegangen sind. Das ist häufig eindrücklicher und wirksamer als die beste Antwort auf theoretisch-abstrakter Ebene.

Klgl 2:12: ‭Sie fragten ihre Mütter: »Wo ist Brot und Wein?«, als sie wie tödlich Verwundete dahinschmachteten auf den Straßen der Stadt, als sie den Geist aufgaben im Schoß ihrer Mütter.

Klgl 2:13: ‭Was soll ich dir zusprechen, was dir vergleichen, du Tochter Jerusalem? Was setze ich dir gleich, damit ich dich trösten kann, du Jungfrau, Tochter Zion? Dein Schaden ist ja so groß wie das Meer! Wer kann dich heilen?

Wer kann dich heilen?

Die Frage „Wer kann dich heilen?“ drückt die Hilflosigkeit des Menschen angesichts seiner eigenen Begrenztheit und Vergänglichkeit aus. Sie führt uns dazu, über unser Leben und unsere Beziehung zu Gott nachzudenken. Letztendlich ist es Gott allein, der uns heilen und erneuern kann, sowohl körperlich als auch geistig.

Klgl 2:14: ‭Deine Propheten, sie haben dir erlogenes und fades Zeug geweissagt; sie deckten deine Schuld nicht auf, um dadurch deine Gefangenschaft abzuwenden, sondern sie weissagten dir Aussprüche voll Trug und Verführung.

Klgl 2:15: ‭Alle, die auf dem Weg vorübergehen, schlagen die Hände zusammen über dich; sie zischen und schütteln den Kopf Über die Tochter Jerusalem: »Ist das die Stadt, von der man sagte, sie sei der Schönheit Vollendung, die Wonne der ganzen Erde?«

Klgl 2:16: ‭Alle deine Feinde sperren ihr Maul gegen dich auf, sie zischen und knirschen mit den Zähnen; sie sagen: »Jetzt haben wir sie vertilgt! Das ist der Tag, auf den wir hofften; jetzt haben wir ihn erreicht und gesehen!«

Klgl 2:17: ‭Der Herr hat vollbracht, was er sich vorgenommen hatte; er hat sein Wort genau erfüllt, das er von alters her hat verkündigen lassen; er hat schonungslos zerstört; er hat den Feind über dich frohlocken lassen und das Horn deiner Widersacher erhöht.

Klgl 2:18: ‭Ihr Herz schreit zum Herrn! Du Mauer der Tochter Zion, lass Tränenströme fließen bei Tag und Nacht, gönne dir keine Ruhe, dein Augapfel raste nicht!

Ihr Herz schreit zum Herrn

In diesem Vers wird die emotionale Tiefe der Verzweiflung des Volkes Israel ausgedrückt, das inmitten von Leid und Zerstörung zu Gott schreit. Es ist eine Aufforderung, sich in Momenten der Not an Gott zu wenden, um Trost, Hoffnung und Errettung zu finden. Das Bild von „Staub“ kann darauf hinweisen, dass das Herz des Volkes demütig und demütig vor Gott ist, bereit, sich ihm in seiner Schwäche und Verletzlichkeit zu öffnen. Es erinnert uns daran, dass selbst in den dunkelsten Zeiten des Lebens unser Schrei zu Gott gehört wird und dass wir in seiner Gnade und Barmherzigkeit Zuflucht finden können.

Tägliche christliche Andacht

Klgl 2,19: Steh auf und klage in der Nacht, beim Beginn der Wachen! Schütte dein Herz wie Wasser aus vor dem Angesicht des Herrn! Hebe deine Hände zu ihm empor für die Seele deiner Kinder, die vor Hunger verschmachten an allen Straßenecken!

Aufruf zum leidenschaftlichen Gebet

Dies ist Aufruf an Gottes Volk, sein Herz vor Gott auszuschütten. Es ist ein Aufruf zum Gebet, das uns reinigt. Damit das Gebet diese reinigende Kraft entfaltet, muß es ganz persönlich sein, Konfrontation meines Ich mit Gott, dem lebendigen Gott. So können wir mit Gott reden, so redet Gott zu uns. Jedes Gebet ist ein Zeichen, dass wir wachen. Und nicht nur das. Es ist zugleich ein Licht, das uns wach und frisch hält für die Gegenwart Gottes.  

Schütte dein Herz wie Wasser

Das Bild des Herzens, das wie Wasser ausgeschüttet wird, veranschaulicht die Intensität des Schmerzes und der Emotionen. Es ermutigt dazu, sich nicht zurückzuhalten, sondern die innersten Gefühle und Gedanken frei fließen zu lassen, ohne Angst vor Urteil oder Zurückweisung. Es ist eine Aufforderung, ehrlich mit sich selbst und anderen zu sein, um Heilung und Trost zu finden. Es erinnert daran, dass es in Ordnung ist, verletzlich zu sein und Hilfe anzunehmen, während man durch schwere Zeiten geht.

Klgl 2:20: ‭Herr, schau her und sieh: An wem hast du so gehandelt? Sollten denn Frauen ihre eigene Leibesfrucht essen, die Kinder ihrer liebevollen Pflege? Sollten wirklich Priester und Propheten erschlagen werden im Heiligtum des Herrn?

Klgl 2:21: ‭Auf den Straßen liegen am Boden hingestreckt Knaben und Greise; meine Jungfrauen und meine jungen Männer, sie sind durchs Schwert gefallen; du hast sie erwürgt am Tag deines Zornes, du hast sie schonungslos niedergemacht!

Klgl 2:22: ‭Wie zu einem Festtag hast du zusammengerufen alles, was ich fürchtete, von allen Seiten, und nicht einer ist entkommen oder übrig geblieben am Tag des Zornes des Herrn. Die ich liebevoll gepflegt und großgezogen hatte, die hat mein Feind vertilgt!

Hier geht’s zu einer Auslegung von G. de Koning zu den Klageliedern Jeremias Klgl


Das war eine Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch der Klagelieder Klgl 2. Kap.  


Klgl 2