Hiob 32. Kap.: Auslegung, Kommentar, Andacht und Predigt

Auslegung, Kommentar, Andacht und Predigt zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch Hiob 32. Kap.

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Zu Hiob 32. Kap.

Hiob 32 handelt von Elihus erstem Reden. Elihu, der jüngste der Freunde, ist verärgert über die älteren Männer, weil sie keine befriedigende Antwort auf Hiobs Leiden gefunden haben. Er ist auch verärgert über Hiob, weil er sich selbst für gerecht hält und Gott für ungerecht erklärt. Elihu glaubt, dass Weisheit nicht nur mit Alter kommt, sondern dass der Geist Gottes die wahre Weisheit gibt. Er fühlt sich vom Geist getrieben, um zu sprechen und Hiob und die anderen zu korrigieren. Elihu stellt sich als demütig dar, jedoch überzeugt, dass er die Wahrheit sprechen muss, um Klarheit in die Situation zu bringen und Hiob zu helfen.

Hiob 32,1-22: Elihu – Jetzt rede ich

Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zu Hiob 32,1-22

Hiob 32:1: ‭Und jene drei Männer hörten auf, Hiob zu antworten, weil er in seinen Augen gerecht war.

Wendepunkt

Hiob 32,1 markiert einen Wendepunkt in der Erzählung, als die drei Freunde Hiobs aufhören, ihn zu belehren, weil er sich in ihren Augen für gerecht hält. Diese Szene hebt Hiobs Unerschütterlichkeit und seine Überzeugung von seiner eigenen Unschuld hervor. Es zeigt auch, dass die Freunde keine überzeugenden Argumente mehr haben. Ihre Stille kann als Eingeständnis ihrer Ratlosigkeit gesehen werden. Hiobs Beharrlichkeit inspiriert dazu, in Zeiten des Leidens standhaft zu bleiben und an der eigenen Integrität festzuhalten, selbst wenn andere uns nicht verstehen oder unterstützen. Dieser Abschnitt lädt uns ein, über die Grenzen menschlicher Weisheit und das Geheimnis des göttlichen Plans nachzudenken.

Hiob 32:2: ‭Da entbrannte der Zorn Elihus, des Sohnes Baracheels, des Busiters, aus dem Geschlecht Ram; über Hiob entbrannte sein Zorn, weil er meinte, er sei Gott gegenüber im Recht;

Das Auftreten und der Zorn Elihus

In Hiob 32,2 tritt Elihu, der Sohn Barachels, auf, um Hiob zu kritisieren. Er ist zornig, weil Hiob sich selbst als gerecht bezeichnet und Gott als ungerecht dargestellt hat. Elihu meint, dass Hiob durch seine Klagen und Selbstrechtfertigungen Gottes Weisheit und Gerechtigkeit infrage stellt. Für Elihu ist es unvorstellbar, dass Gott Fehler macht oder ungerecht ist. Er sieht es als seine Aufgabe, Hiob zurechtzuweisen und die Ehre Gottes zu verteidigen. Elihus Zorn zeigt, wie stark seine Überzeugung ist, dass Gottes Wege stets gerecht sind, selbst wenn der Mensch sie nicht immer versteht.

Hiob 32:3: ‭über seine drei Freunde aber entbrannte sein Zorn, weil sie keine Antwort fanden und Hiob doch verurteilten.

Hiob 32:4: ‭Elihu aber hatte mit seiner Rede an Hiob gewartet; denn jene waren älter als er.

Hiob 32:5: ‭Als aber Elihu sah, dass im Mund jener drei Männer keine Antwort mehr war, da entbrannte sein Zorn.

Hiob 32:6: ‭Und Elihu, der Sohn Baracheels, der Busiter, ergriff das Wort und sprach: Jung bin ich an Jahren, ihr aber seid grau; darum scheute und fürchtete ich mich, euch mein Wissen zu verkünden.

Weisheit hängt nicht vom Alter ab

In Hiob 32,6 tritt Elihu, der jüngste der Freunde Hiobs, erstmals auf. Er beginnt damit, seine Zurückhaltung zu erklären: Er hatte aufgrund seines Alters gezögert, zu sprechen. Nun fühlt er sich jedoch von Gott inspiriert, seine Meinung zu äußern. Elihu betont, dass Weisheit nicht zwangsläufig mit dem Alter kommt, sondern dass Gottes Geist in jedem Menschen wirkt. Seine Worte zeugen von dem Wunsch, eine neue Perspektive in die Diskussion zu bringen, und er hofft, durch Gottes Führung sowohl Hiob als auch den anderen Freunden Klarheit zu verschaffen. Elihus Demut und Offenheit bieten einen frischen Ansatz in der festgefahrenen Debatte.

Hiob 32:7: ‭Ich dachte: Die Betagten sollen reden und die Bejahrten Weisheit lehren!

Hiob 32:8: ‭Aber der Geist ist es im Menschen, und der Odem des Allmächtigen, der sie verständig macht.

Odem des Allmächtigen

In persönlichen Worten bedeutet dies, dass wahre Weisheit und Verständnis nicht nur aus eigener Anstrengung oder Erfahrung kommen, sondern durch die Inspiration und den Atem Gottes. Der „Odem des Allmächtigen“ ist ein poetischer Ausdruck für Gottes lebensspendende Kraft und Weisheit, die in uns wirkt. Es erinnert uns daran, dass wir für tiefere Einsicht und Klugheit auf Gottes Beistand angewiesen sind, und dass seine Gegenwart in uns jene erleuchtenden Momente schafft, in denen wir wahre Weisheit erkennen.

Hiob 32:9: ‭Angesehene sind nicht weise, und Alte verstehen sich nicht aufs Recht.

Hiob 32:10: ‭Darum sage ich: Höre auf mich, so will ich mein Wissen verkünden, ja, auch ich!

Hiob 32:11: ‭Siehe, ich habe eure Reden abgewartet, auf eure Einsichten gehört, bis ihr die rechten Worte finden würdet;

Hiob 32:12: ‭und ich gab aufmerksam auf euch acht — aber siehe, da war keiner, der Hiob widerlegt hätte, der seine Reden beantwortet hätte!

Hiob 32:13: ‭Sagt nur ja nicht: »Wir haben die Weisheit gefunden: Gott wird ihn wegfegen, nicht ein Mensch!«

Hiob 32:14: ‭Er hat seine Worte nicht an mich gerichtet, so will ich ihm auch nicht mit euren Worten antworten.

Hiob 32:15: ‭Sie sind bestürzt, sie geben keine Antwort mehr, die Worte sind ihnen ausgegangen!

Die Worte sind ihnen ausgegangen

Diese Stelle beschreibt den Moment, in dem die Freunde Hiobs, die ihn bisher kritisiert und ihre Sichtweise auf sein Leiden dargelegt haben, keine Worte mehr finden. Sie sind sprachlos und wissen nicht, wie sie weiter argumentieren sollen. Dies zeigt, dass ihre Weisheit und ihr Verständnis erschöpft sind. Elihu, ein jüngerer Zuhörer, erkennt diese Situation und sieht es als seine Gelegenheit, sich einzubringen. Er glaubt, dass die ältere Generation versagt hat und dass nun seine Zeit gekommen ist, um Weisheit und Einsicht in die Diskussion einzubringen.

Hiob 32:16: ‭Und ich sollte warten, weil sie nichts sagen, weil sie dastehen und nicht mehr antworten?

Hiob 32:17: ‭So will auch ich nun meinen Teil erwidern und mein Wissen verkünden, ja, auch ich!

Hiob 32:18: ‭Denn ich bin voll von Worten, und der Geist, der in mir ist, drängt mich dazu.

Ich bin voll von Worten

Er drückt seine innere Dringlichkeit aus, sich zu äußern. Elihu hat geduldig den Dialog zwischen Hiob und seinen Freunden verfolgt und ist nun bereit, seine eigene Meinung zu teilen. Seine Worte spiegeln ein Gefühl von innerem Druck wider, das durch seine Überzeugungen und die Notwendigkeit, die seiner Meinung nach wahre Weisheit zu teilen, entsteht. Elihu sieht sich als ein Sprachrohr der göttlichen Weisheit und fühlt sich verpflichtet, das Schweigen zu brechen und seine Gedanken auszudrücken, um zur Klärung und Wahrheit beizutragen.

Hiob 32:19: ‭Siehe, mein Inneres ist wie Wein, der keine Öffnung hat; wie Wein, der aus neuen Schläuchen hervorbricht.

Hiob 32:20: ‭Ich will reden, damit ich Luft bekomme; ich will meine Lippen auftun und antworten.

Hiob 32:21: ‭Ich will aber für niemand Partei ergreifen und keinem Menschen schmeicheln;

Ich will keinem Menschen schmeicheln

Dieser Vers stammt aus dem Reden des Elihu. Er betont hier seine Aufrichtigkeit und Unparteilichkeit. Elihu möchte nicht durch Schmeichelei oder die Ehrung von Menschen beeinflusst werden, sondern aufrichtig und ehrlich seine Ansichten vertreten. Er stellt sich selbst als jemand dar, der die Wahrheit über die Beliebtheit oder den gesellschaftlichen Status anderer stellt. Diese Haltung kann uns daran erinnern, in unseren eigenen Interaktionen und Urteilen aufrichtig zu bleiben und uns nicht durch den Wunsch nach Anerkennung oder die Angst vor Ablehnung beeinflussen zu lassen. Ehrlichkeit und Integrität sollten immer Vorrang haben.

Hiob 32:22: ‭denn ich kann nicht schmeicheln — leicht könnte mein Schöpfer mich sonst wegraffen!

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Das war eine Auslegung und ein Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch Hiob 32. Kap.


Hiob 32