Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Markus Evangelium Mk Kapitel 10: Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zum Markus Evangelium Mk Kapitel 10

Mk 10,1-12: Über Ehe und Scheidung

Auslegung und Kommentar zu Mk 10,1-12

Parallelstellen: Mt 19,1-12

Mk 10,1: Und er brach auf von dort und kam durch das Land jenseits des Jordan in das Gebiet von Judäa. Und wieder kamen die Volksmengen zu ihm, und er lehrte sie wieder, wie er es gewohnt war.

Mk 10,2: Und die Pharisäer traten herzu und fragten ihn, um ihn zu versuchen: Ist es einem Mann erlaubt, seine Frau zu entlassen?

Mk 10,3: Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten?

Mk 10,4: Sie sprachen: Mose hat erlaubt, einen Scheidebrief zu schreiben und seine Frau zu entlassen.

Mk 10,5: Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wegen der Härte eures Herzens hat er euch dieses Gebot geschrieben.

Mk 10,6: Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau erschaffen.

Worte von Kristell Köhler: Nicht der einzelne Mensch ist Ebenbild Gottes, sondern der Mensch in seiner Hinordnung auf ein Gegenüber. So wie Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist Beziehung ist und nur in dieser Beziehung zu denken ist. So ist auch der einzelne Mensch auf Beziehung auf ein Miteinander geschaffen. Wenn Gott feststellt „es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“ (Genesis 2,18), dann nimmt er im Menschen das wahr, was auch für ihn selbst gilt: Beziehung ist der Anfang des Seins und das Wesen des Daseins. Die Ebenbildlichkeit des Menschen äußert sich in seiner Beziehungsfähigkeit und Beziehungsbedürftigkeit. Wenn wir uns von jeder Form von Bindung und Aufbau von Kommunikation, von Bezug zu anderen lossagen, dann lösen wir uns von unserer Gottebenbildlichkeit.

Mk 10,7: Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen.

Mk 10,8: So sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch.

Ein Fleisch: Das gemeinsame Leben kommt vom rechten Weg ab, wenn wir zwar vor Gott eins sind und nicht mehr zwei, wir aber kaum gemeinsame Zeit verbringen. Zeiten mit Genussfaktor – das festigt das Band der Ehe, neben den vielen täglichen Herausforderungen in Arbeit und Familie. Gemeinsame Erlebnisse, Gespräche, eine längere Umarmung, kurze Streicheleinheiten, einen Kuss zur Begrüßung u.a. sind Ausdrucksformen der Liebe, wo unsere im Körper wohnende Seele spürt, dass sie geliebt ist. Wir kommen nicht allein mit Worten aus….Gemeinsame Zeit und Berührungen sind unverzichtbar wichtig und geben Kraft.

Worte von Tertullian: Welch ein süßer und heiliger Bund ist es, wenn zwei Christen gemeinsam dasselbe Joch tragen (vgl. Mt 11,29), geeint in der gleichen Hoffnung, in der gleichen Sehnsucht, in der gleichen Zucht, im gleichen Dienst! Beide sind Kinder desselben Vaters, Diener desselben Herrn, sind ein Fleisch (vgl. Mt 19,5) und ein Geist. Sie halten gemeinsam Fürbitte und Anbetung, fasten gemeinsam, belehren, ermutigen und ertragen einander. Ihr trefft sie gemeinsam in der Kirche, gemeinsam am Tisch des Herrn. Sie teilen gleicherweise Armut und Überfluss, Verfolgung und Trost miteinander. Zwischen ihnen gibt es keine Geheimnisse, keine Ausflüchte, sondern unverbrüchliches Vertrauen, gegenseitige Hilfsbereitschaft, nichts, was Kummer machen könnte. Wenn sie Kranke besuchen oder Notleidenden helfen, brauchen sie das nicht voreinander zu verheimlichen; sie geben Almosen, ohne sich voreinander rechtfertigen zu müssen; sie opfern ohne schlechtes Gewissen und gehen ungehindert ihren täglichen Pflichten nach. Bei ihnen gibt es keine verstohlenen Kreuzzeichen, kein ängstliches Grüßen, keine stummen Danksagungen. Aus ihren Kehlen, die so frei sind wie ihre Herzen, steigen Hymnen und Lieder empor; sie wetteifern einzig darin miteinander, wer das Lob Gottes am besten singt. Christus freut sich über diese Einheit, und solchen Eheleuten sendet er seinen Frieden. „Wo zwei in seinem Namen versammelt sind“, da ist auch er zugegen (vgl. Mt 18,20). Und wo er ist, da ist kein Platz für den Feind unseres Heiles.

Mk 10,9: Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden!

Worte von Kristell Köhler: Die Verbindung von Mann und Frau in der Ehe bildet die Verwiesenheit der Menschen aufeinander ab. Aber die Notwendigkeit des Menschen, in Beziehung zu treten, zeigt sich auch in Freundschaften, im Paarsein, in Familie – in allen Gemeinschaften, die wir Menschen bilden. Der Hinweis Jesu darauf, dass der Mensch nicht trennen darf, was Gott verbunden hat, gilt nicht allein der Verbindung zwischen Mann und Frau, die im Evangelium im Fokus steht. Sie gilt für die Bedürftigkeit eines Gegenübers. Jesus sagt: Das, wie Gott euch als Menschen geschaffen hat, das löst nicht auf. Trennt euch nicht voneinander ab, seid und lebt Beziehung – weil ich Beziehung bin.

Mk 10,10: Und seine Jünger fragten ihn zu Hause nochmals darüber.

Mk 10,11: Und er sprach zu ihnen: Wer seine Frau entlässt und eine andere heiratet, der bricht die Ehe ihr gegenüber.

Mk 10,12: Und wenn eine Frau ihren Mann entlässt und sich mit einem anderen verheiratet, so bricht sie die Ehe.

Bruch der Ehe: Wir müssen uns damit abfinden, dass die Ehe als Versprechen an Gott, unseren Ehepartner und die Welt ein verbindliches Versprechen ist und nicht nach eigenem Ermessen gebrochen werden kann. Es gibt bestimmte Fälle, in denen Gott zulässt, dass die Verheißung aufgelöst wird, aber es liegt an Gott und nicht an uns.

Mk 10,13-16: Jesus segnet die Kinder

Auslegung und Kommentar zu Mk 10,13-16

Parallelstellen: Mt 19,13-15; Lk 18,15-17

Mk 10,13: ‭Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre; die Jünger aber tadelten die, welche sie brachten.

Dies ist ein wunderbares Bild für die Fürbitte. In der Fürbitte bringen wir Menschen zu Jesus, damit er sie segnet. In der Fürbitte stelle ich den anderen Menschen unter die besondere Aufmerksamkeit Gottes. Gemeinschaft lebt aus dieser Fürbitte füreinander. Machen wir viel von ihr Gebrauch. Die Fürbitte verändert auch mich. Sie führt mich aus der Egozentrik meiner eigenen Probleme in den befreienden Raum des Dienstes und verändert meine Einstellung zum anderen. Ich finde Zugang zu den Herzen derer, für die ich bete.

Die Fürbitte ist eine Art, den anderen zu lieben. Richard J. Foster

Mk 10,14: ‭Als das Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes!

Aspekt eins: Jesus wird unwillig: Diese Art von Gemutsäußerung Jesu ist im Evangelium einmalig. Sie tritt gerade dort auf, wo Menschen anderen Menschen den Zugang zu Jesus verwehren wollen. Kein Mensch darf anderen Menschen den Zugang zu Gott versperren. Vielmehr dürfen wir geführt durch Gottes Geist den Zugang öffnen und Hindernisse beiseite räumen. 

Aspekt zwei: Jesus sieht. Das ist immer wieder reinstes Evangelium. Jesus sieht die Kinder. Jesus sieht mich. Er sieht, wenn ich traurig bin, er sieht meine Not. Corrie ten Boom sagt: Gott sieht dich und mich. Er liebt uns so sehr, dass er uns helfen und das, worum wir ihn bitten, tun will.

Mk 10,14: Lasst die Kinder zu mir kommen und haltet sie nicht zurück, denn Menschen wie ihnen gehört Gottes Reich.

Vorzug der Kinder: Der Vorzug der Kinder besteht darin, dass sie völlig aufs Beschenktwerden angewiesen sind. Das Kind ist in erster Linie Empfangender. Glaube ist wie eine leere, zum Empfangen geöffnete Kinderhand. Gott nötig haben in allem. Kindlich Abba sagen können. Immer wieder mit leeren Händen staunend vor Gott kommen und von ihm lernen wollen. Ein Kind kann sich nicht vorstellen, daß Vater und Mutter etwas nicht können. Das soll die Haltung des Glaubens sein unserem Gott gegenüber.

Christ, so du kannst ein Kind von ganzem Herzen werden, so ist das Himmelreich schon deine hier auf Erden. Angelus Silesius

Mk 10,15: Ich versichere euch: Wer sich Gottes Reich nicht wie ein Kind schenken lässt, der wird ganz sicher nicht hineinkommen.

Kindern gehört das Reich Gottes: Jesus sagt, nicht auch, sondern nur Kindern gehört die Gottesherrschaft. Im Kind gibt es etwas, das einem, der in das Himmelreich kommen will, nie fehlen darf. Der Himmel ist allen zugesagt, die einfältig sind wie die Kinder, allen, die wie sie von vertrauensvoller Hingabe erfüllt, die rein und reich an Güte sind. Sie allein können in Gott einen Vater finden und durch Jesus zu Kindern Gottes werden.

Schlimm wäre es, das Wort des Heilands zu vergessen: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so einfach, demütig und fügsam wie sie, werdet ihr in das Himmelreich nicht eingehen. Franz von Sales

Mk 10,16: Dann nahm er die Kinder in seine Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie.

Geschichtlicher Hintergrund: Kinder haben damals weder die Wertschätzung noch die Aufmerksamkeit wie heute. Kinder sind in der sozialen Hierarchie der Antike ganz unten und führen deshalb oft nur dienende Tätigkeiten aus. Jesus geht es hier nicht um das große Gefühl, sondern um den spezifischen Blick Gottes, der die Menschen ganz unten in den Fokus rückt. Genau solchen Menschen gehört das Himmelreich! Jesus umarmt die Kinder am Schluß. Er nimmt die Kinder in den Arm. Er drückt sie an sein Herz. Ins Zentrum seiner Liebe. Er legt ihnen die Hände auf. Er betet und segnet sie.

Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, lass Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen. Paul Gerhardt

Mk 10,17-31: Jesus spricht mit reichen Mann

Auslegung und Kommentar zu Mk 10,17-31

Parallelstellen: Mt 19,16-30; Lk 18,18-30

Mk 10,17: Als Jesus weitergehen wollte, lief ein Mann auf ihn zu, warf sich vor ihm auf die Knie und fragte: Guter Lehrer, was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?

Eine Weggeschichte: Die folgende Begegnung wird vom Evangelisten bewusst als eine Weggeschichte beschrieben, deshalb wird betont, dass Jesus wieder auf dem Weg.ist. Obwohl Weggeschichten eigentlich durch den Charme des Zufälligen geprägt sind, wird hier das Zusammentreffen durch den Mann bewusst hergestellt. Er läuft auf ihn zu, zeigt damit Initiative und durch seine Geste des Kniefalls auch Ehrerbietung gegenüber Jesus. Sein Auftritt bringt eine unmittelbare Dynamik in die Erzählung, was sich in der stark dialogischen Ausrichtung zeigt.

Worte von Todd Belardi: Der reiche Jüngling erkannte, dass Christus gut war. Er kniet vor ihm nieder, weil er weiß, dass Christus etwas besitzt, das er nicht hat. Was ist es? Der Geist der bedingungslosen Liebe. Christus hilft uns, aus uns herauszugehen und ihm mehr zu vertrauen. Und darum ermutigt uns auch Papst Benedikt: Ich sage euch, liebe Jugendliche: Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts weg, er gibt euch alles. Wenn wir uns ihm schenken, empfangen wir das Hundertfache zurück. Ja, öffnet eure Türen weit für Christus – und ihr werdet das wahre Leben finden.

Worte von Kristell Köhler: Die Frage, die ihn bewegt, zeigt nicht nur seine grundsätzliche Bereitschaft, sich an Gott auszurichten, sondern auch, sich selbst zu hinterfragen. „Was muss ich tun“ deutet die eigene Anstrengung an, das erhoffte Ziel der Gemeinschaft mit Gott zu erreichen. Wenn er am Ende dennoch traurig von der Begegnung weggeht, wird sich in den Anmerkungen Jesu zeigen, dass es nicht nur das eigene Vermögen ist, was einen Menschen diesem Ziel näher bringt.

Der Fokus der Frage des Mannes ist, was soll ich tun? Er dachte, das ewige Leben sei eine Frage des Verdienens und Verdienens, nicht der Beziehung. Als er sich vor Jesus auf die Knie beugte, brachte ihn die bloße Nähe dieser Beziehung der Errettung näher als alles, was er tun konnte.

Mk 10,18: Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein!

Allein Gott: Unter dem allein guten Gott ist aber nicht der Vater allein zu verstehen, sondern auch der Sohn, der sagt: Ich bin der gute Hirt, wie auch der Heilige Geist, weil es heißt: Der Vater vom Himmel wird den guten Geist denen geben, welche ihn darum bitten. Denn die Eine und ungeteilte Dreieinigkeit, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, ist der alleinige und einzige gute Gott. Der Herr sagt also nicht, daß er nicht gut sei, sondern bezeichnet sich als Gott; er bezeugt nicht, daß er kein guter Lehrer sei, sondern daß es ohne Gott keinen guten Lehrer gebe. Goldene Kette

Mk 10,19: Du kennst die Gebote: »Du sollst nicht ehebrechen! Du sollst nicht töten! Du sollst nicht stehlen! Du sollst nicht falsches Zeugnis reden! Du sollst nicht rauben! Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!

Mk 10,20: Er aber antwortete und sprach zu ihm: Meister, das alles habe ich gehalten von meiner Jugend an.

Mk 10,21: Jesus sah ihn voller Liebe an: Etwas fehlt dir noch: Geh, verkaufe alles, was du hast, und gib das Geld den Armen. Damit wirst du im Himmel einen Reichtum gewinnen, der niemals verloren geht. Und dann komm und folge mir nach!

Der Blick Jesus: Jesus blickt ihn an, und der Mann darf die Erfahrung der Liebe Gottes machen. Er spürt in sich den Drang nach mehr, bringt ihn zum Ausdruck und Jesus fordert ihn zu einer vollkommeneren Hingabe auf. Doch da geht der Mann traurig weg. Er ist jetzt nicht fähig, diesem Ruf zu folgen, sich ganz und gar auf Jesus einzulassen. Der Blick Jesu trifft auch mich, jeden Tag, jede Sekunde meines Lebens. Er will mir jetzt persönlich begegnen. Er blickt mich an, voller Liebe. Wie reagiere ich auf seinen Blick? Bin ich bereit, mein ganzes Wesen dem Blick Gottes auszusetzen? Wie ist mein Blick auf ihn? Voller Hoffnung, voller Vertrauen? Lasse ich – wie Petrus bei seiner Berufung – alles stehen und liegen und folge ihm nach? Oder bin ich jetzt nicht fähig, ihm zu folgen, lasse mich aber von seinem Blick begleiten, um zu lernen, was ich um seinetwillen loslassen muss? Marita Grötsch

Mk 10,22: Als er das hörte, war der Mann tief betroffen. Traurig ging er weg, denn er besaß ein großes Vermögen.

Loslassen. Der heilige Paulus sagt, dass nichts über Christus gehen sollte. Im Fall des jungen Mannes hatte dieser aber etwas anderes Christus vorgezogen. Der Komfort, die Sicherheit und die materiellen Dinge waren ihm wichtiger als die persönliche Einladung Christi zur Vollkommenheit. Abhängigkeit führt zur Traurigkeit; in einem Herzen, das mit den Dingen dieser Welt ganz erfüllt ist, gibt es keinen Platz für Gott. Nur das Loslassen führt zu wahrer Freude. Gott gibt sich dem, der ihn ohne Bedingungen sucht. Todd Belardi

Worte von Kristell Köhler: Das Bemerkenswerte des Evangeliumstextes ist –und das wird allzu leicht übersehen – der Mann sieht das selbst ein. Er scheitert nicht auf halber Strecke, nachdem er alles verkauft hat und dann bitterlich über „das Verlorene“ weint. Er entscheidet sich nicht erst für die Nachfolge und dann wieder um, nachdem er die Radikalität dieses Lebens am eigenen Leib gespürt hat. Der Mann sieht auf sich, auf den Ruf Jesu und er erkennt: Das bekomme ich nicht hin. Diese Selbsterkenntnis aber ist der erste Weg hin zu der Verheißung, die Jesus im Nachgang ausspricht: Woran du selbst zu scheitern scheinst, das kann Gott doch noch möglich machen. Wenn Gott das Kamel durchs Nadelöhr holt, dann meint dies nichts anderes als: Gott ruft so beharrlich, er ermutigt die Zögernden, er lässt nicht locker mit seinem Angebot. Und so wird der Mann, der heute noch weggeht, vielleicht irgendwann die innere Stärke und Klarheit haben: Ich brauche meinen Besitz nicht. Ich muss mich nicht an etwas festhalten. Denn ich weiß: Wenn ich das Meine loslasse, wird mir Gottes Reich geschenkt. Hier auf Erden in der sichtbaren und spürbaren Gemeinschaft mit den anderen Christen. Und auf ewig in der Nähe Gottes.

Mk 10,23: Da schaute Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es doch für Menschen, die viel besitzen, in Gottes Reich zu kommen!

Wo dein Schatz ist, ist auch dein Herz. Der Schatz des jungen Mannes ist sein Reichtum. Dort hat er sein Herz verankert, und diesen Anker kann er nicht lösen. Er ist gebunden. Wie ist das bei mir? Wo habe ich Anker geworfen? In meinen liebsten Menschen, im Besitz, in der Arbeit, im Sport, in meiner Leistung? Welche Bindungen habe ich? Kommt Gott dabei vor? Ich bespreche das mit dem guten Meister. Dorit Wilke-Lopez

Mk 10,24: Die Jünger aber erstaunten über seine Worte. Da begann Jesus wiederum und sprach zu ihnen: Kinder, wie schwer ist es für die, welche ihr Vertrauen auf Reichtum setzen, in das Reich Gottes hineinzukommen!

Erstaunte Jünger: Die Worte Jesu erstaunten die Jünger, weil sie davon ausgingen, dass Reichtum immer ein Zeichen von Gottes Segen und Gunst sei. Sie dachten, dass die Reichen besonders gerettet würden.

Mk 10,25: Es ist leichter, dass ein Kamel durch das Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt.

Mk 10,26: Sie aber entsetzten sich sehr und sprachen untereinander: Wer kann dann überhaupt errettet werden?

Mk 10,27: Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist es unmöglich, aber nicht für Gott. Für ihn ist alles möglich!

Worte von Dorit Wilke-Lopez: Weil er mich liebt, will er mir – sozusagen dem „Kamel“ in dem Bild, das er benutzt – auch durch das Nadelöhr (ein Bild für eines der kleinsten Stadttore in Jerusalem) ins ewige Leben helfen. Wenn das Kamel aber misstrauisch und bissig ist, wird das nicht gelingen. Nur wenn es seinem Führer vertraut, wird es die Enge und die Schmerzen in Kauf nehmen, die die Passage durch das Nadelöhr verursachen wird. Ich spreche mit Jesus über mein Vertrauen.

Worte von Marita Grötsch: Wir haben alle schon die Erfahrung gemacht, dass es nicht einfach ist, die Botschaft Jesu umzusetzen, sich ganz zurückzunehmen, Gott in den Mittelpunkt zu stellen und den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Haben wir überhaupt eine Chance? Ja, denn für Gott ist nichts unmöglich. Er schenkt uns seine Gnaden, er befreit uns von unserer Schuld, er tritt für uns ein. Wir haben alle Chancen. Denn er hat uns erlöst! Er hat uns zuerst geliebt und seine Liebe mit seinem Blut bezeugt. Unsere Rettung wirken wir nicht aus eigener Kraft, Gott ist unser Retter.

Mk 10,28: Da begann Petrus und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt!

Bindung an Gott: Wir sind Bindungswesen, wir brauchen die Bindung an andere Menschen, aber letztendlich brauchen wir die Bindung an Gott. Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, Herr, hat Augustinus gesagt. Jesus will uns beibringen, wie erfüllend und lohnend es ist, wenn wir uns an ihn binden statt an die Menschen. Wenn wir uns nämlich an die Menschen binden, plagen wir uns herum mit Menschenfurcht, Eifersucht, Ehrgeiz, Eitelkeit und Abhängigkeit. Nur, wenn wir uns an Gott binden, aus ihm unsere Sicherheit schöpfen und von ihm unser Liebesbedürfnis befriedigen lassen, können wir die anderen in Freiheit lieben und nicht, weil wir zurückgeliebt werden wollen. Dorit Wilke-Lopez

Mk 10,29: ‭Jesus aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Frau oder Kinder oder Äcker verlassen hat um meinetwillen und um des Evangeliums willen,

Mk 10,30: ‭der nicht hundertfältig empfängt, jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker unter Verfolgungen, und in der zukünftigen Weltzeit ewiges Leben.

Das Versprechen Jesus: Jesus verspricht den Jüngern für ihre Nachfolge das Hundertfache von dem, was sie verlassen haben. Und tatsächlich, am Ende ihres Lebens hatten die Jünger durch die Ausbreitung des Leibes Christi, der Kirche, „hunderte“ von Häusern, „hunderte“ von Äckern und „hunderte“ von geistlichen Kindern. Aber war das alles? Der junge Mann im Evangelium wollte das ewige Leben gewinnen. Darum geht es letztendlich und das verspricht Jesus seinen Jüngern obendrein („und in der kommenden Welt das ewige Leben“). Gott will seine Herrlichkeit und seine Gottheit mit uns teilen! Aber Voraussetzung für das Hundertfache und das ewige Leben ist unsere Entscheidung für die Nachfolge und unser Vertrauen in Gott und seine Verheißung. Die Jünger haben eine Entscheidung getroffen, sie sind Jesus nachgefolgt. Der junge Mann konnte das nicht, er ging traurig weg. Was wollte der Mann wirklich? Was will ich wirklich? Marita Grötsch

Allein die Ehre Gottes: Mit diesen Worten deutet er aber nicht an, daß wir die Väter verlassen und sie nicht unterstützen sollen, noch auch, daß wir uns von den Frauen trennen sollen, sondern er belehrt uns, die Ehre Gottes den weltlichen Dingen vorzuziehen. Goldene Kette

Mk 10,31: Aber viele von den Ersten werden Letzte sein und die Letzten Erste.

Mk 10,32-34: Dritte Leidensankündigung

Auslegung und Kommentar zu Mk 10,32-34

Parallelstellen: Mt 20,17-19, Lk 18,31-34

Mk 10,32: Sie waren aber auf dem Weg und zogen hinauf nach Jerusalem, und Jesus ging ihnen voran, und sie entsetzten sich und folgten ihm mit Bangen. Da nahm er die Zwölf nochmals beiseite und fing an, ihnen zu sagen, was mit ihm geschehen werde:

Nach Jerusalem: Als sie sich Jerusalem näherten, ahnten die Jünger die Gefahr ihrer Mission. Jesus war ein gesuchter Mann und doch ging Jesus ihnen voraus. Daher staunten die Jünger über den Mut Jesu und fürchteten das Schicksal, das sie alle in Jerusalem erwartete. Gleichzeitig sollen die Jünger dafür gelobt werden, dass sie Jesus weiterhin nachfolgen. Sie hatten zwar Angst, aber es ist auch wahr, dass sie gefolgt sind.

Mk 10,33: Siehe, wir ziehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird den obersten Priestern und den Schriftgelehrten ausgeliefert werden; und sie werden ihn zum Tode verurteilen und ihn den Heiden ausliefern.

Der Mut Jesus: Wir denken manchmal nicht genug über den Mut Jesu nach. Es bedurfte einer enormen Menge an Tapferkeit für Ihn, direkt auf Sein Schicksal auf Golgatha zuzugehen und vor den Jüngern zu gehen. 

Ausgeliefert sein & Sich ausliefern. Jesus spricht mit seinen Jüngern sehr offen darüber, was mit ihm in Jerusalem passieren wird. Und das ist keine Option; er sagt nicht: „Es kann sein, dass …“, er sagt, „Dort wird …“ Jesus ist Gott, er könnte diesem Ausgeliefertsein ausweichen, aber er wird es nicht tun. Letztlich liefert er sich selbst aus; nimmt seinen Auftrag an. Gibt es Themen, denen ich ausweichen möchte? Gibt es Dinge, die von mir (zu Recht) erwartet werden, die ich lieber abgebe, aussitze, hoffe, dass sie an mir vorübergehen? Bin ich dann in der Lage, selbst Verantwortung zu übernehmen und zu sagen: Ich nehme das auf mich, weil es richtig ist?Felix Honekamp

Mk 10,34: Sie werden ihn verspotten und geißeln und anspucken und ihn töten; und am dritten Tag wird er wiederauferstehen.

Jerusalem kommt immer näher. Die Jünger spüren die innere Angespanntheit Jesu. Etwas ist anders als sonst. Jesus weiß, was ihn erwartet. Das Wissen um das bevorstehende Leiden verändert Jesus. Die Jünger und Menschen um ihn herum, die davon nichts wissen, wundern sich. Seine Jünger weist Jesus nochmals auf das hin, was ihm bevorsteht, aber sie verstehen ihn nicht.

Warum kündigt Jesus das an: Er tat dieses, um die Herzen seiner Jünger zu bekräftigen, damit sie, wenn sie dieses zuvor hörten, es nachher leichter ertrügen und sich nicht über etwas Unerwartetes entsetzten, sowie auch, um zu zeigen, daß er freiwillig leide. Goldene Kette

Mk 10,35-45: Jesus lehrt zu dienen

Auslegung und Kommentar zu Mk 10,35-45

Parallelstellen: Mt 20,20-28

Mk 10,35: ‭Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sprachen: Meister, wir wünschen, dass du uns gewährst, um was wir bitten!

Mk 10,36: ‭Und er sprach zu ihnen: Was wünscht ihr, dass ich euch tun soll?

Was wollt ihr? Jesus lädt mich ein, zu bitten. Im Gebet wartet er auf mich und er hört jede meiner Bitten. Welch Gnade! Die Bitte von Jakobus und Johannes ist dabei verständlich. Sie wollen in der Ewigkeit ganz nah bei ihm sein. Sehne ich mich ebenso nach dieser Nähe zu Jesu? Das Motiv der beiden Jünger ist allerdings zweifelhaft. Die Jünger streben nach oben (Macht, Ehre etc.). Mit ihrer Bitte offenbaren sie, dass sie den Kern der Sendung Jesus noch nicht verstanden haben. Denn Gott geht den Weg nach unten. Im alten Testament sucht er sich ein kleines schwaches Volk aus. Dieser Weg Gottes nach unten verwirklicht sich dann in einmaliger Weise, indem er Mensch wird in Jesus Christus.

Jesus hat die schenkende Aufmerksamkeit nach  unten. Paul Deitenbeck

Mk 10,37: ‭Sie sprachen zu ihm: Gewähre uns, dass wir einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen dürfen in deiner Herrlichkeit!

Mk 10,38: ‭Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet! Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, womit ich getauft werde?

Mk 10,39: ‭Und sie sprachen zu ihm: Wir können es! Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, womit ich getauft werde;

Unklarheit im Bitten: Jesus macht mir bewusst, dass mir manchmal nicht bis zuletzt klar ist, um was ich eigentlich bitte. Ich sehe nur eine Seite der Wirklichkeit, meine Bedürfnisse. Er kennt die andere Seite, den Willen des Vaters, der das wünscht, was wirklich gut für mich ist. Glaube ich daran, dass er am besten weiß, was für mich gut ist? Im Bild des Kelchs weist Jesus nun auf sein Todesschicksal hin. Im Brustton der Überzeugung beteuern Jakobus und Johannes, dass sie ebenso diesen Kelch trinken können. Aber verstanden haben sie nichts! Nicht mit Ehrenplätzen müssen diejenigen rechnen, die sich in die Nachfolge Jesu begeben, sondern mit hinein genommen zu werden in die Passion. Ich weiß nicht, was mein Kelch von Erfahrungen sein wird, den ich in diesem Leben trinken werde. Im eifrigen Gebet bitte ich Jesus, dass ich mit Liebe alles annehmen kann, was er jeden Tag für mich vorbereitet.

Seinen Kelch trinken: Dieser große Arzt ist gekommen, um unser Krebsgeschwür zu heilen. Er ist gekommen um selber unseren Stolz durch sein Beispiel zu heilen. Das ist es, worauf wir beim Herrn achten müssen: Schauen wir auf seine Demut, trinken wir den Kelch seiner Demut, ergreifen wir ihn, betrachten wir ihn. Es ist leicht, edle Gedanken zu haben; leicht, sich an Ehrungen zu erfreuen; leicht, das Ohr Schmeichlern zu leihen und denen, die uns loben. Aber Beleidigungen zu ertragen, Demütigungen geduldig auf sich zu nehmen, für den zu beten, der uns beleidigt: das ist der Kelch des Herrn, das ist das Festmahl des Herrn. Josemaria

Mk 10,39: Ihr werdet tatsächlich so wie ich leiden und euer Leben hingeben müssen.

Bonhoeffer: Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern, des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus Deiner guten und geliebten Hand.

Das Leiden Jesus erwägen: Wer aufrichtige Demut lernen will, sollte Jesu Leiden erwägen. Wenn ich Jesu Leiden betrachte, wird mir vieles klarer, was ich vorher nicht begreifen konnte. Ich will dir ähnlich sein, Jesus, dir, dem Gekreuzigten, dem Geschundenen, dem Gedemütigten. Jesus, bilde mein Herz nach deinem Herzen, verwandle es in dein eigenes Herz, damit ich die Nöte anderer Herzen spüre, besonders der Leidenden und Traurigen. Mögen die Strahlen der Barmherzigkeit in meinem Herzen ruhen, Taten der Barmherzigkeit, die aus seiner Liebe zu mir hervorgehen. Barmherzigkeit erweise immer und überall deinem Nächsten. Faustyna

Mk 10,40: Aber das Sitzen zu meiner Rechten und zu meiner Linken zu verleihen, steht nicht mir zu, sondern es wird denen zuteil, denen es bereitet ist.

Mk 10,41: Die anderen zehn Jünger hatten das Gespräch mit angehört und waren empört über Jakobus und Johannes.

Empörung über Mitmenschen: Geltungsdrang und Machtstreben einerseits, Neid und Eifersucht andererseits. Wie menschlich es doch schon bei denen zuging, die zum engsten Kreis Jesus gehörten. Diese Bibelstelle ist uns zur Mahnung gegeben, nicht der Mode dieser Welt nachzugeben, die darin besteht, sich über andere zu erhöhen. Ich schaue auf mein Verhalten bei Begegnungen mit Nahestehenden und während den täglichen Beschäftigungen. Was überwiegt bei mir: die Haltung der Herzlichkeit und des Dienstes oder der Rivalisierung und des Drehens um sich selbst?

Wie kann ich eine goldene Krone tragen, wenn der Herr eine Dornenkrone trägt? Elisabeth von Thüringen

Mk 10,42: Aber Jesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass diejenigen, welche als Herrscher der Heidenvölker gelten, sie unterdrücken, und dass ihre Großen Gewalt über sie ausüben.

Mk 10,43: Unter euch aber soll es nicht so sein, sondern wer unter euch groß werden will, der sei euer Diener.

Gott dienen: Wie schön ist es und wie groß, Gott zu kennen und ihm zu dienen! Wir haben nichts weiter als dies zu tun auf der Welt. Alles, was wir sonst noch machen, ist verlorene Zeit. Mögt ihr suchen, in jeglichem Wohlstand und Vergnügen, ihr werdet euer Glück nicht finden. Die ganze Erde kann eine unsterbliche Seele ebenso wenig zufriedenstellen, wie ein Fingerhut voll Mehl einen Hungernden sättigen kann. Der liebe Gott hat uns auf die Erde gestellt, um zu sehen, wie wir uns hier bewähren. Wenn wir das bedenken, wenden wir stets unseren Blick dem Himmel zu, unserer wirklichen Heimat. Wodurch wird das religiöse Leben so verdienstvoll ? Durch den fortwährenden Verzicht, diesen Tod des eigenen Ich. Jean Marie Vianney

Christus hat den letzten Platz in der Welt eingenommen: das Kreuz und gerade mit dieser radikalen Demut hat er uns erlöst und hilft uns fortwährend. Darin folgen wir ihm. Das rechte Dienen macht den Helfer demütig. Er setzt sich nicht in eine höhere Position dem anderen gegenüber. Wer in der Lage ist zu helfen, erkennt, dass gerade so auch ihm selber geholfen wird und dass es nicht sein Verdienst und seine Größe ist, helfen zu können. Dieser Auftrag ist Gnade. Je mehr einer für die anderen wirkt, desto mehr wird er das Wort Christi verstehen. Denn er erkennt, dass er nicht aufgrund eigener Größe oder Leistung handelt, sondern weil der Herr es ihm gibt. Er wird in Demut das tun, was ihm möglich ist und in Demut das andere dem Herrn überlassen. Gott regiert die Welt, nicht wir. Wir dienen ihm nur, soweit wir können und er uns die Kraft dazu gibt.

Mk 10,44: Wer unter euch der Erste sein will, soll zum Dienst an allen bereit sein.

Jesus zeigt mir den Weg des Evangeliums, der in den Himmel führt. Es ist der Weg des Dienens, frei von ungesunder Rivalisierung und Selbsterhöhung. Der Christ ist dazu berufen, wie ein Knecht zu werden, indem er den Spuren Jesu folgt, das heißt sein Leben freigebig und absichtslos für die anderen hin zu geben. Nicht die Suche nach Macht und Erfolg, sondern die demütige Selbsthingabe muß jede unserer Handlungen und jedes unserer Worte kennzeichnen. Die wahre christliche Größe, das Profil des Christen zeigt sich in dienender Liebe und liebender Hingabe. Man kommt Gott nicht näher, indem man dem Menschen fernrückt. Wofür hat er uns die Liebe geschenkt!

In einem Spruch der Wüstenväter heißt es: „Wenn du einen Jüngling siehst, der mit seinem eigenen Willen zum Himmel hinaufsteigt, dann halte seinen Fuß und ziehe ihn auf die Erde, denn das andere nützt ihm nichts.“ Als demütige Menschen bleiben wir geerdet. Das was wir sind, sind wir doch nur Dank seiner Güte und Gnade und häufig auch durch Menschen, die er uns auf unseren Lebensweg schickt. Der Wunsch, alles durch sich selbst sein zu wollen, ist ein falscher Stolz.

Bonhoeffer: Nicht unsere ausgereckte Bettlerhand, sondern das, womit Gott sie füllt, darauf kommt’s an. Und das heißt eben, zunächst nicht wir und unser Tun, sondern zunächst Gott und Gottes Tun.

Diener sein & Sich zum Diener machen. „Dienen“ hat keinen guten Ruf, klingt nach Unterordnung, nach Tätigkeiten, die ein anderer nicht machen möchte. Und genau das ist es auch – und es ist genau das, was Jesus selbst tut. Er wird beim Abendmahl den Jüngern die Füße waschen…, und er wird sich für meine Erlösung dem Spott, der Folter und dem Tod übergeben. Er müsste nicht, aber er tut es. Und ich: Kann ich Diener sein, einfach weil es richtig ist? Versuche ich, Diensten aus dem Weg zu gehen, weil sie „unter meiner Würde“ sein könnten? Gerade (aber nicht nur) als Mann: Versuche ich zu herrschen, oder ertrage ich es, zu dienen (meiner Familie, meiner Gemeinde, meinen Kollegen…)?

Mk 10,45: Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen. Er kam, um zu dienen.

Dienen und darin sich selbst geben. Sein nicht für sich, sondern für die anderen von Gott her und auf Gott hin: Das ist der tiefste Kern der Sendung Jesu Christi. Auf seine Sendung und sein Beispiel verweisend verkündet Jesus diese seine Worte als göttlichen Willen. Er hat uns ein Beispiel gegeben. Er ist uns den Weg vorausgegangen. Obwohl er Gott ist, ja gerade weil er von seiner Gottheit dazu gedrängt wird, hat er Knechtsgestalt angenommen. Sein Priestertum ist nicht Herrschaft, sondern Dienst. Er ruft uns, ihm zu folgen.

Mk 10,46-52: Jesus heilt blinden Bartimäus

Auslegung und Kommentar zu Mk 10,46-52

Parallelstellen: Mt 20,29-34; Lk 18,35-43

Mk 10,46: An der Straße saß ein Blinder und bettelte. Es war Bartimäus, der Sohn von Timäus.

Dieser Bartimäus ist der Mensch, du und ich. Aus eigener Kraft blind, Gott und seinen Willen zu erkennen. Arm und bettelnd, weil wir nichts aus uns selbst haben und sind. Das Eingeständnis meiner Blindheit und meiner Armut ist der erste Schritt hin zu Gott. Du nun, der du an der Straße stehst, am Rande dieses so kurzen Lebensweges, du nun, dem Licht fehlt; du nun, der du Gnade benötigst, gerade wenn du wie Bartimäus in einer elenden Lage bist oder kommen wirst: Vertraue in allem Gott. Wenn du nur auf dich selbst vertraust, dann wirst du nie etwas ausrichten. Vertraust du dagegen auf Gott, so vermagst du alles.

Peter Strauch: Das Eingeständnis meiner Blindheit und die Bitte um geöffnete Augen waren ein erster und wichtiger Punkt der Therapie Gottes in meinem Leben.

Die Geschichte von Bartimäus und was diese mit uns zu tun hat: Bartimäus saß am Straßenrand, er war alleine ausgegrenzt und niemand beachtete ihn. Er war arm, er hatte kein Geld. Er musste betteln. Er war auch seelisch arm. Er saß in der Dunkelheit, war verzweifelt, konnte nicht sehen. Finsternis umgab ihn, er hatte keine Hoffnung. Sicher war er traurig und hatte Angst in seiner Situation. Er hatte keine Perspektive. Er sehnt sich danach, dass wieder Licht und Hoffnung in sein Leben kommt. Ulrike Puintner

Vielleicht betrifft dich diese Geschichte an irgendeinem Punkt in deinem Leben, vielleicht hast du schon ähnliche Situationen erlebt: Fühlst du dich vielleicht gerade einsam, alleine oder ausgegrenzt? Wirst du von anderen übersehen, nicht beachtet? Hast du eine finanzielle Not? Befindest du dich in einer seelischen Not? Ist es dunkel um dich herum? Bist du verzweifelt? Kannst du keine Perspektive, keinen Ausweg sehen? Bist du hoffnungslos? Bist du traurig? Hast du Angst? Sehnst du dich nach Licht und Hoffnung für dein Leben? Ulrike Puintner

Mk 10,47: Als er hörte, dass es Jesus aus Nazareth war, der vorbeikam, begann er laut zu rufen: Jesus, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!

Bartimäus hat die Hoffnung nicht verloren. Er sucht Kontakt zu Jesus. Bartimäus steht für den Menschen, der das eigene Übel erkennt und im Vertrauen, geheilt zu werden, den Herrn anruft. Seine einfache und ehrliche Bitte ist beispielhaft. Der Ruf des blinden Bartimäus Kyrieleison (Hab Erbarmen mit mir) hat Eingang gefunden in die Liturgie der Kirche. Dieser Bittruf ist ein Bekenntnis zu Jesus, unseren Erlöser und Heiland. Auch wir können uns dieses Gebet zu eigen machen. Es ist ein Gebet für uns alle. Es kann uns helfen, immer und überall in der Gegenwart Gottes zu leben. Es kann helfen, immer wieder neu von der Blindheit des Herzens befreit zu werden und die heilende Kraft des Glaubens zu erfahren.

Augustinus: Es ist schon ein Teil des Findens, wenn du weißt, was du zu suchen hast.

Worte von Ulrike Puintner: Was mich an dieser Geschichte besonders fasziniert ist der Glaube und die Überzeugung von Bartimäus. Obwohl er blind war und Jesus nie gesehen hatte, hat er sich im Herzen für Jesus entschieden und setzte sein ganzes Vertrauen auf ihn. Viele Menschen, die Jesus sahen, seine Wunder und Taten miterlebten, hatten nicht einen so großen Glauben. Viele glaubten trotz der Wunder, die sie mit eigenen Augen sahen, nicht an ihn. Ich denke ihre Herzen waren verschlossen für die Liebe und das Wirken Gottes. Sie konnten zwar sehen und waren doch blind. Die Augen des Herzens sehen weiter. Vertraust du Jesus von ganzem Herzen? Kannst du seine Liebe mit den Augen des Herzens sehen? Hast du eine Herzensentscheidung getroffen?

Mk 10,48: ‭Und es geboten ihm viele, er solle schweigen; er aber rief noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich über mich!

Mk 10,49: ‭Und Jesus stand still und ließ ihn zu sich rufen. Da riefen sie den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost, steh auf; er ruft dich!

Mk 10,49: Nur Mut! Steh auf, Jesus ruft dich!

Jesus bleibt stehen. Ihm geht es um den einzelnen Menschen. Diesem Menschen schenkt er seine ganze Zuwendung. Jesus ruft Bartimäus und er ruft auch uns, dich und mich ganz konkret. Der Herr sucht und ruft uns in jedem Augenblick. Das ist christliche Berufung! Jesus ist nicht eine Gestalt der Vergangenheit. Er lebt und als Lebender geht er uns voraus und ruft uns, ihm, dem Lebenden nachzugehen und so selber den Weg des Lebens zu finden. Mache dir bewusst, dass Jesus täglich auf deinen Wegen daherkommt, um dich zum Leben zu führen.

Der Ruf Gottes ist wie der Ruf des Meeres: Man kann nicht eindeutig sagen, wozu Gott uns ruft; es ist der Ruf in eine Beziehung mit ihm selbst. Oswald Chambers 

Mut – ein großes Thema: 365 mal in der Bibel heißt es „Fürchte dich nicht“ und noch häufiger wird zum Mut aufgerufen. Das ist also echt ein großes biblisches Thema. Wir sind immer wieder in Situationen gestellt, die unseren Mut erfordern: ein unangenehmes Gespräch, eine Prüfung, Treffen wichtiger Entscheidungen u.v.m. Es gibt viele Situationen, denen wir eigentlich lieber aus dem Weg gehen, als uns ihnen zu stellen. Mut bedeutet, sich diesen Situationen des Lebens zu stellen, nicht alleine, sondern mit ihm und aus der Gewissheit heraus, dass er, der König in Ewigkeit ist, uns trägt, ruft und uns mit seinem Frieden segnet alle Tage unseres Lebens.  

Worte von Cyrill von Jerusalem: Jeder Mensch, der die Finsternis kennt, die aus ihm einen Blinden macht, soll aus ganzer Seele schreien: Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir. Aber hören wir auch das, was auf die Schreie des Blinden folgt: Die Leute, die vorausgingen, wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Was sind das für Leute? Sie stellen die Begierden unseres irdischen Daseins dar, die Unruhestifter, die menschlichen Laster und ihr Getümmel, die, weil sie das Kommen Jesu in uns verhindern wollen, unser Denken durcheinanderbringen, indem sie Versuchung säen und die Stimme unseres Herzens beim Gebet übertönen. Es geschieht nämlich oft, dass unser Vorsatz, uns Gott wieder neu zuzuwenden […], unser Bemühen, unsere Sünden durch Gebet abzuweisen, durch Bild und Eindruck der Begierden verhindert wird: Im Kontakt mit ihnen lässt die Wachsamkeit unseres Geistes nach. Sie stiften Verwirrung in unserem Herzen und ersticken den Schrei unseres Gebets. Was hat dieser Blinde also getan, um trotz der Hindernisse sein Augenlicht wiederzuerlangen?  Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Ja, je mehr der Tumult unserer Begierden uns bedrängt, umso inständiger müssen wir beten. Je lauter die Stimme unseres Herzens übertönt wird, umso energischer muss diese dagegenhalten, bis sie den Lärm der auf sie einstürmenden Gedanken übertönt und an das treue Ohr des Herrn dringt. Jeder, so meine ich, wird sich in folgender Situation wiedererkennen: In dem Augenblick, da wir uns bemühen, unser Herz von dieser Welt abzuwenden, um es zu Gott zurückzubringen, belästigen uns bereits viele Eindringlinge, die wir bekämpfen müssen. Ein ganzer Schwarm ist es, den die Sehnsucht nach Gott nur schwer aus den Augen unseres Herzens verscheuchen kann. Beten wir aber energisch weiter, dann halten wir mit unserem Geist den vorübergehenden Jesus an. Das Evangelium berichtet ja: Jesus blieb stehen und ließ ihn zu sich herführen.

Wir sind immer wieder in Situationen gestellt, die unseren Mut erfordern: ein unangenehmes Gespräch, eine Prüfung, Treffen wichtiger Entscheidungen u.v.m. Es gibt viele Situationen, denen wir eigentlich lieber aus dem Weg gehen, als uns ihnen zu stellen. Mut bedeutet, sich diesen Situationen des Lebens zu stellen, nicht alleine, sondern mit ihm und aus der Gewissheit heraus, dass er, der König in Ewigkeit ist, uns trägt, ruft und uns mit seinem Frieden segnet alle Tage unseres Lebens. Die Tugend des Mutes ist wichtig, weil du ohne Mut nichts erreichen kannst. Nur durch Mut wirst du fähig, das Gute, das du willst, auch zu tun. „Wer den Mut zum Leben verloren hat, ist zu nichts mehr in der Lage.“ (Spr 18:14)

Mk 10,50: ‭Er aber warf seinen Mantel ab, stand auf und kam zu Jesus.

Mk 10,51: ‭Und Jesus begann und sprach zu ihm: Was willst du, dass ich dir tun soll? Der Blinde sprach zu ihm: Rabbuni, dass ich sehend werde!

Den Mantel zur Seite werfen: Der Mantel verstanden als angezogene Hülle kann für denn durchaus sinnvollen Schutz stehen, den wir uns aneignen, um in der Welt leben zu können: sich abgrenzen können, nicht jedem sich komplett öffnen u.a. Ist es im zwischenmenschlichen Bereich durchaus oft sinnvoll, bildhaft gesprochen einen Mantel zu tragen, so müssen wir, um in eine echte, authentische Beziehung zu Jesus zu treten, diesen Mantel zur Seite werfen. Um Christus zu begegnen, müssen wir Dinge, die uns binden, loslassen. Sind wir nun ich einer unverhüllten Beziehung zu Jesus, dann sprechen wir mit ihm, unserem Herrn, wie mit einem Freund, zu dem wir mit allem kommen dürfen. Hier mischen sich Anbetung und das Herz-zu-Herz Gespräch im Gebet. Dem Herrn geht es doch nicht um viele Worte, sondern um unser Herz. So stellt auch Jesus täglich mir die Frage: Was willst du, was ich für dich tun soll? Was möchte ich Ihm jetzt sagen? Versuche einfach, diese Frage zu beantworten.

Worte von Josemaria: Tritt jeden Tag vor den Herrn hin und sage Ihm langsam und mit der ganzen Inbrunst deines Herzens die Worte, die – wie das Evangelium uns berichtet – der arme Blinde zu Ihm sprach: „Domine, ut videam!“ – Herr, ich möchte wieder sehen können! Laß mich sehen, was Du von mir erwartest, und dann alles daransetzen, Dir treu zu sein!

Mk 10,51: Rabbi, flehte ihn der Blinde an, ich möchte sehen können!

Letzte Heilung durch Jesus: Diese Heilung ist die letzte Wunderheilung, die Jesus vor seinem Leiden vollzieht. Nicht zufällig ist es die eines Blinden. Nur im tiefen Sehen und Betrachten seiner Passion, können wir das Erlösungswerk erahnen, das Christus für uns vollbracht hat. Das ist der erste Aspekt. Der zweite Aspekt: oft kann es finster in unserer Seele werden und wir sehen keinen Weg mehr, wie es weiter gehen kann. Jesus ist derjenige, der uns die Hände auf die Augen legt, die Angst aus unserer Seele nimmt und der es möglich macht, daß wir den Himmel offen sehen. Er ist ja das Licht der Welt. Wenn es Nacht in deiner Seele ist, dann schrei wie der blinde Bartimäus nach dem Licht: Herr, laß mich sehen sowohl den Weg, den du für mich gegangen bist, wie auch den Weg, den ich in deiner Vorsehung gehen soll.

Mk 10,52: Darauf antwortete Jesus: Geh! Dein Glaube hat dich geheilt. Im selben Augenblick konnte der Blinde sehen.

Zum heilenden Glaube: Glaube ist ein Ergriffenwerden von der göttlichen Kraft, die wir Liebe nennen. Allein aus dieser Liebe lebt der Mensch und alle Sakramente und Gebete, alle Riten und Formeln der Kirche hatten und haben nur den Sinn, dich des Vertrauens zu versichern, daß diese Liebe dich niemals verlassen werde. Jesus macht mir bewusst, welch große Kraft in meinem Glauben an dieses Licht verborgen ist. Von meinem Glauben hängt die Wirkung Seiner heilenden Macht ab. Im herzlichen Gespräch mit Jesus bitte ich Ihn um das Geschenk eines starken Glaubens.

Corrie ten Boom: Der beste Weg, das Leben eines anderen zu erreichen, ist, ihm so einfach wie möglich zu sagen: Ich war blind, nun kann ich sehen.

Besonderer Glaube: Der Glaube des Blinden hat ihn gerettet, weil es ein besonderer Glaube war. Es war der Glaube, der entschlossen war, Jesus zu erreichen (schrie er um so mehr). Es war der Glaube, der wusste, wer Jesus war (Sohn Davids). Es war der Glaube, der demütig zu Jesus kam (erbarme dich meiner). Es war der Glaube, der sich Jesus (Rabboni) demütig unterwarf. Es war der Glaube, der Jesus sagen konnte, was er wollte (dass ich sehend werde).

Mk 10,52: Er ging mit Jesus.

Sehend für Jesus: Bartimäus hat nicht nur sein Augenlicht wieder erlangt. Es gehen ihm auch die Augen auf für Jesus. Er wird sehend für Jesus und seinen Weg. Bartimäus schließt sich Jesus an. Aus dem Blinden wird ein Sehender und Nachfolger Christi. Während die anderen Jünger noch weithin blind sind für Jesus und seine Sendung, nichts verstehen und nichts begreifen, ja Jesus abbringen wollen von seinem Weg, sich unterwegs streiten, wer von ihnen der Größte ist, die ersten Plätze im Reich Gottes reklamieren, folgt Bartimäus von sich aus Jesus auf seinem Weg. Es ist der Weg hinauf nach Jerusalem, dem Leiden und Kreuz entgegen. Es ist die Straße nach Jerusalem, wo sich das Pascha erfüllen wird, sein Pascha-Opfer, in dem sich der Messias für uns hingibt.

Nachfolge: Der nun geheilte und gerettete blinde Bartimäus folgte Jesus nach. Der Weg Jesu wurde zu seinem Weg. Dies war besonders bedeutsam, wenn wir bedenken, wohin Jesus zu dieser Zeit ging: nach Jerusalem, wo ein Kreuz auf ihn wartete.


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zum Markus Evangelium Mk Kapitel 10.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste