Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Matthäus Kap. 9: Auslegung

Hier findet ihr einen Kommentar und eine Auslegung zum Matthäus Evangelium Kapitel 9

Mt 9,1-8: Heilung eines Gelähmten

Mk 2,1-12; Lk 5,17-26

Mt 9,1: Und er trat in das Schiff, fuhr hinüber und kam in seine Stadt.

Menschheit Christi: Er fuhr aber auf einem Schifflein hinüber, der mit dem Fuß über das Meer gehen konnte; denn er wollte nicht immer Wunder wirken, um dem Wesen seiner Menschheit nicht zu schaden. Goldene Perle

Seine  Stadt nennt hier der Evangelist: Kapharnaum. Jesu Geburtsstadt war nämlich Bethlehem; die Stadt, in der er aufwuchs, war Nazareth; diejenige, in der er sich meistens aufzuhalten pflegte, war Kapharnaum.

Mt 9,2: Und siehe, man brachte einen Gelähmten auf seinem Bett zu ihm. Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Hab Vertrauen, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!

Als Jesus ihren Glauben sah. Jesus heilt immer da, wo Glauben ist. In der Begebenheit dieses Evangeliums haben die anderen den Glauben, nicht der Kranke, und aufgrund dessen wird der Kranke geheilt. Das bedeutet doch, dass mein Glaube relevant ist für die Heilung der anderen. Wenn ich meinen Glauben vernachlässige, kann das die Heilung von anderen Menschen behindern. Dorit Wilke-Lopez

Vergebung der Sünden: Anders als damals am See Gennesaret kennen auch wir heute Menschen, die gelähmt sind, blockiert bis ins Mark. Da gibt es viel Lahmgelegtes im Menschen, viel, was nicht mehr auf eigenen Füßen stehen, geschweige denn Schritte setzen kann. Vielleicht gehöre ich sogar selbst dazu. Was kann dann helfen, die Erstarrung zu lösen und neue Beweglichkeit zu schenken? Jesu Heilung des Gelähmten ist ein Beispiel. Er sieht den Gelähmten an und die andern, die ihn bringen, und knüpft an ihr Vertrauen an. Er spricht dem Unbeweglichen die Vergebung seiner Sünden zu, setzt ihn instand neu zu werden, sich neu zu bewegen. Das ist echt ein Wunder, wie innere Blockaden bis in den Leib hinein sich lösen können, wenn einer das Wort der Heilung annimmt und sich aufrichtet. Das ist eine Art Auferstehung mitten im Leben. Vertrauen hilft weiter. Nicht in dem Sinn, dass wir die Wirklichkeit, unsere Befindlichkeit, unsere Grenzen ignorieren, sondern in dem Sinn, dass wir auf das Wort Jesu hin zu glauben wagen, annehmen, was er schenkt, und tun, was Jesus sagt.

Das einzige Problem ist die Sünde. Der Gelähmte und seine Begleiter machen sich nur über das körperliche Gelähmtsein Sorgen. Das steht bei Christus aber nicht an erster Stelle. Was zuerst zählt, ist der Zustand der Seele des Menschen. Für Gott stehen nicht die Probleme im Vordergrund. Manchmal lässt er Probleme zu, um uns zu heilen und uns in Beziehung zu ihm treten zu lassen: Deine Sünden sind dir vergeben. Im Leben geht es vor allem um die Heiligkeit und um die Überwindung des größten Hindernisses auf dem Weg zur Heiligkeit: die Sünde. Was uns am tiefsten verletzen kann, sind die Hindernisse der Sünde und ein egoistischer Lebensstil. Jeffrey Bowker

Mt 9,3: Und siehe, etliche der Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert!

Gelähmte Seelen: Für den heiligen Hiernoymus ist körperliches Gelähmtsein ein Bild für die Unfähigkeit des Menschen, aus eigener Kraft zu Gott zurückzukehren. Es bedeutet, dass der Mensch sich nicht selbst retten kann, dass er sich nicht aus sich heraus mit Gott versöhnen kann. Das Gelähmtsein bezieht sich hier mehr auf den Zustand der Seelen der Pharisäer als auf den Zustand des Mannes auf der Bahre. Jeffrey Bowker

Das Handeln Gottes: Die Schriftgelehrten haben richtig verstanden, dass Jesus behauptete, etwas zu tun, was nur Gott tun kann. Aber sie lagen falsch in der Annahme, dass Jesus nicht Gott selbst war und dass Jesus lästerte, indem er sich selbst als Gott betrachtete. Um so vorzüglicher die Seele als der Leib ist, um so viel mehr ist es, die Sünden zu vergeben, als den Leib zu heilen. Weil aber jenes nicht offenbar, dieses aber offenbar ist, so tut er das Geringere, was aber offenbarer ist, um das Größere, das aber nicht offenbar ist, zu zeigen.

Mt 9,4: Und da Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denkt ihr Böses in euren Herzen?

Wort der Wüstenväter: Der Alte sagte: Die schlechten Gedanken gleichen den Mäusen, die in ein Haus kommen: Wenn man sie nach und nach tötet, eine nach der anderen der Reihe nach, wie sie eintreten, hat man kein Übel. Wenn man im Gegenteil das Haus sich mit ihnen füllen lässt, wird man viel Mühe haben, sie zu verjagen. Ob man dies dann kann oder ob man es aufgibt, man lässt sich das Haus verwüsten.

Der Kampf gegen dekonstruktive eigene Gedanken wird ein Leben lang dauern. Diese sind vielfältig: Sorgen, Angst, Neid, Traurigkeit u.vm. Was uns der Spruch der Wüstenväter sagen will, ist, dass wir sofort jeden dieser Gedanken angehen, damit sie sich erst gar nicht langfristig bei uns einnisten.

Mt 9,5: Was ist denn leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf und geh umher?

Mt 9,6-7: Steh auf, nimm deine Liegematte und geh heim! Und er stand auf und ging heim.

Auf Gottes Antworten warten. Die Pause zwischen den Worten: Hab Vertrauen, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben und der Heilung des Gelähmtseins riefen anfangs vielleicht bei denen, die mit dem Wirken Christi noch nicht vertraut waren, Enttäuschung hervor. Aus diesem Warten heraus kommt aber unsere Antwort zu Gott, und hier sollen wir unseren Teil im Erlösungsplan erfüllen. Wenn wir die Wünsche unserer Kinder immer sofort stillen, berauben wir die liebende Stütze elterlichen Handelns seiner wahren Bedeutung. Um zu christlicher Reife zu gelangen, müssen wir die Tugenden des Glaubens und Vertrauens bilden. Heilung zu suchen muss mehr innerhalb von Gottes Plan und nach seinem Willen geschehen, als aus unserem selbstsüchtigen Wunsch nach Erleichterung. Das braucht Zeit. Selbst in dieser Pause, in der dunklen Nacht des Glaubens, geschieht etwas. Wir werden gewandelt, noch während das Wunder dabei ist, zu geschehen. Der Befehl, aufzustehen, bestätigt oder macht etwas sichtbar, was schon in der Seele des Gelähmten geschehen ist: durch Glauben und Vertrauen herrscht nun Christus in seiner Seele. Jeffrey Bowker

Mt 9,8: Als aber die Volksmenge das sah, verwunderte sie sich und pries Gott, der solche Vollmacht den Menschen gegeben hatte.

Mt 9,9-13: Jesus isst mit Sündern

Mk 2,13-17; Lk 5,27-32

Mt 9,9: Als Jesus weiterging, sah er einen Mann am Zoll sitzen. Er hieß Matthäus. Jesus forderte ihn auf: Komm, folge mir nach! Sofort stand Matthäus auf und ging mit ihm.

Zöllner als Außenseiter: Das jüdische Volk betrachtete sie zu Recht als Verräter , weil sie für die römische Regierung arbeiteten und die Macht römischer Soldaten hinter sich hatten, um die Menschen dazu zu bringen, Steuern zu zahlen. Sie waren die sichtbarsten jüdischen Kollaborateure mit Rom. Wenn ein Jude in den Zolldienst eintrat, galt er als Ausgestoßener aus der Gesellschaft: Er wurde als Richter oder Zeuge in einer Gerichtsverhandlung disqualifiziert, aus der Synagoge exkommuniziert, und in den Augen der Gemeinde erstreckte sich seine Schande auf seine Familie.

Es genügt der Blick Jesu: ein Sehen, das nicht am Äußeren hängen bleibt, sondern tiefer geht, ein Sehen, das das Verwundete, Verschüttete, Sehnsüchtige wahrnimmt, ein Sehen, das Ansehen schenkt dem Unansehnlichen. Zöllner galten berufsmäßig als Sünder. Ausgerechnet einen Zöllner beruft Jesus in seine Nachfolge. Dieser steht sofort auf und folgt Jesus. Kein Zögern, kein Nachfragen, kein Erst noch, kein Wenn und kein Aber. Auf der Stelle ist er bereit, alles zu verlassen und seine Leben zu ändern. Eine Bekehrung von 0 auf 100. Eine Sehnsucht ist in ihm geweckt worden, eine Sehnsucht nach mehr, nach erfüllterem, nach heilem und befreitem Leben. Bitten wir Gott jeden Tag neu um die Gnade, das Angebot zur Umkehr und Nachfolge ohne viel Fragerei anzunehmen, ganz einfach, mit grenzenlosem Vertrauen.

Folge Jesus nach: Folge dem nach, der zwar der König der Könige, der Herr der Herrschenden, in welchem sich alle Schätze der Weisheit finden, und der doch am Kreuze da hängt: entblößt, verspottet, angespuckt, geschlagen, mit Dornen gekrönt, mit Essig und Galle getränkt, gestorben. Hänge dich daher nicht an Kleiderpracht und Reichtum, weil sie seine Kleider unter sich verteilt, nicht an Ehren, da er Spott und Schläge erfahren, nicht an Würden, da sie eine Dornenkrone aufs Haupt ihm setzten, nicht an Lüste, da in seinem Durste sie ihn tränkten mit Essig.

Macht des Rufenden und Gehorsam des Gerufenen: Wie du die Macht des Rufenden gesehen hast, so lerne auch den Gehorsam des Gerufenen kennen. Denn er widerstand nicht, er bat nicht nach Hause zu gehen und es den Seinigen mitzuteilen. Denn wenn der Magnet diese Kraft besitzt, das Eisen anzuziehen, um wie viel mehr konnte der Herr aller Kreaturen die, welche er wollte an sich ziehen? Goldene Kette

Mt 9,10: Später war Jesus mit seinen Jüngern bei Matthäus zu Gast. Matthäus hatte auch viele Zolleinnehmer und andere Leute mit schlechtem Ruf zum Essen eingeladen. Mt 9:10

Solidarität mit den Sündern: Zöllner und Sünder essen mit Jesus und den Seinen. Jesus nimmt die Einladung an. Er erweist sich solidarisch. Tischgemeinschaft als Ausdruck von Wertschätzung, Zuwendung, ja beginnender Freundschaft. Er ist ja gekommen, um Heil und Erlösung zu bringen für alle. Gerade den Gestrauchelten, Gestrandeten, den Verlorenen und Heillosen gilt seine Liebe. Die Armen und Kranken liegen ihm besonders am Herzen. Ihnen wendet er sich vor allem zu. Dadurch bezeugt er das vorbehaltlose Ja Gottes zu jedem Menschen, auch den Sündern.

Mt 9,11: Als die Pharisäer das sahen, fragten sie seine Jünger: Weshalb gibt sich euer Lehrer mit solchen Sündern und Betrügern ab?

Gefahr der Selbstgerechtigkeit: Menschen, die sich besonders intensiv bemühen, gerecht zu leben, halten sich schnell für besser als andere. Ich bin schon viel zu oft in diese Versuchung getappt! Was an und für sich gut ist, wird unangenehm, wenn man es den anderen unter die Nase reibt und damit die eigene moralische Überlegenheit hervorhebt. In unserem Bemühen um Gerechtigkeit fixieren wir uns so sehr, dass das Wesentliche gar nicht mehr wahrgenommen wird: dass es Gott in allen Geboten um die Liebe zu ihm und den Menschen geht. Alle Tugenden aber, die von der Liebe getrennt sind, sind sehr unvollkommen. Mische daher deine Worte der Gerechtigkeit stets mit Barmherzigkeit und Milde!

Der Pharisäer in mir. Die Pharisäer müssen sehr empört gewesen sein, als sie Jesus und seine Jünger beim Festmahl mit Menschen sahen, die ganz offensichtlich Sünder, Zöllner oder Betrüger waren. An ihrer Reaktion erkenne ich auch den kleinen Pharisäer in mir, der sich schnell über andere erhebt, neidisch wird und über andere urteilt. Der polnische Primas Kardinal Wyszyński sagte einmal: Achte jeden Menschen, denn Christus lebt in ihm. Denke gut über jeden. Bemühe dich, selbst im Schlimmsten etwas Gutes zu finden. Betti Duda

Zweifaches Unrecht: Sie begingen aber ein zweifaches Unrecht, weil sie sich selbst für gerecht hielten, da sie sich doch durch ihren Stolz weit von der Gerechtigkeit entfernt hatten, und weil sie die als ungerecht anschuldigten, welche sich von ihren Sünden bekehrten und der Gerechtigkeit näherten. Goldene Kette

Mt 9,12: Jesus hörte das und antwortete: Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken!

Unsere eigene Bedürftigkeit: Wie aber die Gesunden des Arztes nicht bedürfen, solange sie gesund sind, dagegen die Kranken die ärztliche Kunst nötig haben, so haben auch wir den Heiland nötig, da wir in unserem Leben an den schmählichen Begierden und den tadelnswerten Zügellosigkeiten und den übrigen Entzündungen der Leidenschaften krank sind. Begreiflicherweise bedürfen also wir Kranke des Heilbringers, wir Verirrte des Führers und wir Blinde des Erleuchters und wir Durstige der lebendigen Quelle (vgl. Joh 4,14), deren Wasser die von ihr Trinkenden nie mehr dürsten lässt; und die Toten haben das Leben nötig und den Hirten die Schafe und die Kinder den Erzieher, aber auch die ganze Menschheit Jesus. Clemens von Alexandrien

Arzt und Kranker: Er nennt sich selbst Arzt, der nach einer wunderbaren Heilweise wegen unserer Sünden verwundet wurde (Jes. 53), um die Wunde unserer Sünden zu heilen. Gesund nennt er nur Jene, welche ihren Willen als Gerechtigkeit ausstellen wollen, und daher der wahren Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen sind (Röm. 10); krank nennt er Jene, welche von ihrer Gebrechlichkeit überzeugt sind, keine Rechtfertigung durch das Gesetz kennen und daher durch Buße sich der Gnade Gottes unterwerfen. Goldene Kette

Jesus als Arzt: Wir sind eingeladen, bei Jesus Heilung zu erfahren. Jesus sieht sich als Arzt, als Therapeut. Er sieht sich gesandt für die Kranken, die Heillosen, für alle, die in der Sünde an sich selbst vorbei leben. Ich bin gekommen, sagt Jesus einmal, um zu suchen, was verloren war und zu heilen, was verwundet ist. Das ist seine Sendung. Das ist der Wille des Vaters. Wir sind eingeladen, mit unseren Verwundungen, Verletzungen und Enttäuschungen zu ihm zu kommen, der gekommen ist, um die Verlorenen zu suchen und die Verwundeten zu heilen.

Nicht die Gesunden brauchen den Arzt. Seien Sie froh, dass Sie Sünder sind, sonst wäre Christus ja gar nicht für sie zuständig!“, habe ich vor Jahren in einer Predigt gehört und nie vergessen. In der Osternacht singt der Diakon: „O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden!“ Ist es nicht großartig, wie Gott aus den schlimmsten Dingen – hier der Sünde – etwas Wunderbares schafft? Unsere Schuld verwandelt er in eine Liebeserklärung! Jesus sagt mir jetzt und hier: Ich liebe dich! Ich liebe dich mehr als mein Leben! Ja, genau dich!

Mt 9,13: Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer.

Bedeutung der Barmherzigkeit: Jesus greift hier ein Wort des Propheten Hosea (6,6) auf und spitzt es zu: Nicht auf äußere Werke des Gesetzes kommt es an, sondern auf Liebe und Barmherzigkeit. Diese Barmherzigkeit drückt das Wesen Gottes aus. Es ist das Wesentliche im Wirken Jesu. Es ist das Kennzeichen des Reiches Gottes, das in Jesus beginnt. Herzliches Erbarmen und helfende Liebe ist der Dienst, den Gott eigentlich will. Ohne Barmherzigkeit, ohne Liebe, die dem anderen Gutes will und Gutes tut, ist alles Beten, Fasten und Opfern frommes Getue und unser ganzer Gottesdienst nicht viel wert. Für uns kann das heißen: Versuchen sich einzufühlen, möglichst alles Urteilen zu lassen und schon gar nicht verurteilen, niemanden abschreiben, sondern Not sehen, Verständnis aufbringen, sich einfühlen, mitfühlen, liebende Zuwendung und herzliches Erbarmen schenken.

Mt 9,13: Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu berufen, sondern Sünder.

Berufung der Sünder: Dies ist der Inhalt der Sendung Jesu. Die Sünder, die ihr Leben verfehlt haben, die gescheitert sind, die an sich selbst vorbei gelebt haben, verstehen am ehesten seine Worte. Sie, die um ihre Armut, Begrenztheit und Heillosigkeit wissen, sind offen für seine Botschaft. Sie nehmen Gottes Zuwendung an. Sie sehnen sich nach Erlösung und Heil. Spüre ich, wie bedürftig ich bin, bedürftig des Heiles, der Vergebung, des Erbarmens und einer Liebe, die sich auch mir vorbehaltlos zuwendet und mich bedingungslos annimmt? Fliehen wir nicht vor dem Herrn, sondern wenden uns ihm zu, gedenkend, was er alles für uns tat und tut!

Mt 9,14-17: Fasten und Feiern

Mk 2,18-22; Lk 5,33-39

Mt 9,14: An einem anderen Tag kamen die Jünger des Johannes zu Jesus und erkundigten sich: Wir und auch die Pharisäer fasten regelmäßig. Warum tun deine Jünger das eigentlich nicht?

Gegen das Vergleichen: Es gibt ein Spiel, das man nur verlieren kann. Wir spielen es gern – und die Pharisäer auch. Wenn wir uns mit anderen vergleichen, wollen wir einerseits besser aussehen und deswegen sind wir stolz, andererseits sind wir in etwas schlechter als die anderen, und das enttäuscht und verärgert uns. Es ist ein Spiel, bei dem man immer nur verlieren kann, sich immer nur selbst verletzt. Wie oft spielst du es am Tag? Mit welchem Ergebnis? Sebastian Jasiorkowski

Mt 9,15: Können die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen sein wird, und dann werden sie fasten.

Bräutigam Jesus:  Also, wir beschweren uns gern und machen gern Kommentare über andere. Aber Jesus will, dass wir froh sind! Mehr sogar! Tatsächlich glücklich will er uns, im tiefsten Sinne von Glück. Er bezeichnet sich selbst als den Bräutigam. Soll man auf der Hochzeit traurig sein? Und es gibt hier einen besonderen Moment, an dem wir ganz oft teilnehmen, nämlich die Eucharistiefeier. Jesus gibt sich selbst jedem von uns. Es ist dann nicht die Zeit, um sich zu beschweren, sondern um mit Gott fröhlich zu sein. Schau einmal und frage dich: Wie kommst du zur heiligen Messe und wie gehst du weg? Mit Freude? Glaubst du, dass Gott dich wirklich froh machen will, oder meinst du, Gott will dich nur fasten sehen? Mit Jesus ist die Freude gekommen, die messianische Zeit ist eine hochzeitliche Zeit, in der wir mit dem Bräutigam feiern dürfen. Das Schauen auf Christus, den Bräutigam, erfüllt uns mit Freude. Jesus bringt Neues, Jesu Kommen und Jesu Gegenwart bringt uns eine neue Zeit. So muss auch unser Fasten anders sein als das der Pharisäer. Wir wissen um Jesu Gegenwart in der Welt. Wir wissen, dass wir Gottes Kinder sind und doch handeln wir nicht immer danach. Wir müssen immer wieder neu umkehren in die liebenden Arme des Vaters.

Tage des Fastens: Jesu Anwesenheit gab zu ebenso großer Freude Anlass wie ein Hochzeitsfest. Aber die Freude würde nicht von Dauer sein, denn es würde die Zeit kommen, dass der Bräutigam (Jesus) von ihnen genommen würde. An jenem Tage (seiner Kreuzigung) würden die Jünger fasten, im metaphorischen Sinn von Trauern statt Fröhlich sein.

Mt 9,16: Niemand aber setzt einen Lappen von neuem Tuch auf ein altes Kleid, denn der Flicken reißt von dem Kleid, und der Riss wird schlimmer.

Mt 9,17: Man füllt auch nicht neuen Wein in alte Schläuche, sonst zerreißen die Schläuche, und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche verderben; sondern man füllt neuen Wein in neue Schläuche, so bleiben beide miteinander erhalten.

Erfüllung des Alten im Neuen: Jesus kam, um etwas Neues einzuführen, nicht um etwas Altes zu reparieren. Das ist es, worum es bei der Errettung geht. Dabei zerstört Jesus nicht das Alte (das Gesetz), sondern erfüllt es, so wie eine Eichel erfüllt wird, wenn sie zu einer Eiche heranwächst. In gewisser Weise ist die Eichel verschwunden, aber ihr Zweck ist in Größe erfüllt.

Alte und neue Schläuche: Alte Schläuche nennt er seine Jünger, welche noch nicht vollkommen erneuert waren. Neuen Wein nennt er die Fülle des Heiligen Geistes, und die Tiefen der himmlischen Geheimnisse, welche damals die Jünger nicht ertragen konnten. Aber nach der Auferstehung wurden sie neue Schläuche und empfingen neuen Wein, als der Heilige Geist ihre Herzen erfüllte. Daher sagten Einige: Alle diese sind voller süßen Weines. Goldene Perle

Mt 9,18-26: Heilung der blutflüssigen Frau

Mk 5,21-43; Lk 8,40-56

Mt 9,18: Und als er dies mit ihnen redete, siehe, da kam ein Vorsteher, fiel vor ihm nieder und sprach: Meine Tochter ist eben gestorben; aber komm und lege deine Hand auf sie, so wird sie leben! Mt 9:18

Mt 9,19: Und Jesus stand auf und folgte ihm mit seinen Jüngern.

Das Vorbild Jesu: Die Demut und Sanftmut Christi ist aber auf gleiche Weise zu bewundern und nachzuahmen. Denn sogleich, als er gebeten wurde, fing er an, dem Bittenden zu folgen. Daher heißt es: Und er stand auf und folgte ihm. Dadurch belehrte er die Untergebenen und Vorsteher zugleich. Den Untergebenen hinterließ er ein Beispiel des Gehorsams; den Vorstehern aber schärfte er die Sorgfalt der Unterweisung ein, dass sie sogleich, wie sie vernähmen, dass Jemand geistig tot sei, zu ihm gehen sollten. Goldene Perle

Mt 9,20: Unterwegs berührte eine Frau, die seit zwölf Jahren an starken Blutungen litt, von hinten heimlich ein Stück seines Gewandes.

Unsere eigenen Blutungen: Der Wunderbericht beginnt schlicht mit der Diagnose: die Frau litt seit zwölf Jahren an starken Blutungen. Die Blutungen stehen für alles, worunter wir leiden. Nach außen wollen wir immer stark erscheinen. Aber wir wissen alle, dass jeder seine Blutungen hat. Die Blutungen können vielfältig sein: gestörte Beziehungen zu den Eltern, Schwierigkeiten mit der eigenen Persönlichkeit, ein nicht verarbeiteter Schicksalsschlag, Versuchungen jeglicher Art und vielem mehr. Was sind deine Blutungen?

Demut der Frau: Darin ist ihre Demut zu loben, weil sie nicht vorne, sondern hinten hinzutrat und sich für unwürdig hielt, die Füße des Herrn zu berühren, und nicht sein ganzes Kleid, sondern nur den Saum berühren wollte. Goldene Perle

Mt 9,21: Denn sie dachte: Wenn ich wenigstens seine Kleider berühren kann, werde ich bestimmt gesund.

Hoffnung der Frau: Die Frau lebte aus der Hoffnung, dass sie allein aus der Berührung geheilt wird. Was für ein Glaube. Jesus selbst war ihre Hoffnung. Christus hat in seinem Kreuz und in seiner Auferstehung alles Leid und Unheil der Welt überwunden ist dadurch für uns alle zum Zeichen der Hoffnung geworden. Die Quelle der Hoffnung liegt in Gott, der nur lieben kann und uns unermüdlich sucht. Uns erfüllt diese lebendige Hoffnung. Tagtäglich, immer wieder neu. Hoffe auf den Herrn.

Mt 9,22: Jesus drehte sich um, sah sie an und sagte: Du kannst unbesorgt sein, meine Tochter! Dein Glaube hat dich geheilt. Im selben Augenblick war die Frau gesund.

Nur Jesus kann heilen: Ist etwas kaputt, versuchen wir es zu reparieren. Ist unsere Seele im schlechtem Zustand, so lasst uns zu dem unsere Zuflucht nehmen, der sie geschaffen hat und es unfehlbar versteht, sie wieder in Ordnung zu bringen. Was unsere seelischen Gebrechen betrifft, so kann nichts sie heilen, als dass Christi Hand sie berührt. Er selbst ist es, der uns mit Freude umgürtet (Ps 30,12). Rühren wir nur seines Kleides Saum an, so werden wir gesund, während alles andere nicht in der Lage ist, uns zu helfen.

Mt 9,23-24: Als nun Jesus in das Haus des Vorstehers kam und die Pfeifer und das Getümmel sah, spricht er zu ihnen: Entfernt euch! Denn das Mädchen ist nicht gestorben, sondern es schläft. Und sie lachten ihn aus.

Mt 9,25: Als aber die Menge hinausgetrieben war, ging er hinein und ergriff ihre Hand; und das Mädchen stand auf.

Erweckung der toten Seele: Im moralischen Sinne ist aber das im Hause gestorbene Mädchen die im Gewissen tote Seele. Er sagt aber, dass das Mädchen schläft, weil der Sünder dieser Welt noch durch Buße auferweckt werden kann. Die Flötenspieler sind die Schmeichler, welche die tote Seele pflegen. Die Menge aber wird hinausgeschafft, damit das Mädchen aufgeweckt werde, weil, wenn nicht zuvor von dem Innern des Herzens die Menge der weltlichen Sorgen hinausgeschafft wird, die Seele, welche im Innern tot liegt, nicht aufersteht. Goldene Perle

Mt 9,26: Und die Nachricht hiervon verbreitete sich in jener ganzen Gegend.

Zwei verschränkte Geschichten: Es handelt sich um zwei ineinander verschränkte Geschichten mit einem einzigen Mittelpunkt: dem Glauben. Und sie zeigen Jesus als Quelle des Lebens, als denjenigen, der jenen Leben zurückgibt, die ihm voll und ganz vertrauen. Die beiden Protagonisten, der Vater des Mädchens und die kranke Frau, sind keine Jünger Jesu, und dennoch finden sie aufgrund ihres Glaubens Erhörung. Sie haben Glauben an jenen Mann. Daraus verstehen wir, dass auf dem Weg des Herrn alle zugelassen sind: niemand darf sich als Eindringling, Unbefugter oder Unberechtigter empfinden. Für den Zugang zu seinem Herzen, zum Herzen Jesu, gibt es nur eine Voraussetzung: zu spüren, dass man der Heilung bedarf, und sich ihm anzuvertrauen. Papst Franziskus

Mt 9,27-31: Heilung zweier Blinder

Mt 9,27: Und als Jesus von dort weiterging, folgten ihm zwei Blinde nach, die schrien und sprachen: Du Sohn Davids, erbarme dich über uns!

Sehnsucht der zwei Blinden: Ihr einziger Appell war Gnade. Es wurde nicht über Verdienste gesprochen, kein Plädoyer für ihre vergangenen Leiden oder ihre beharrlichen Bemühungen oder ihre Entschlüsse für die Zukunft; sondern: Erbarme dich unser. Er wird niemals einen Segen von Gott gewinnen, der ihn verlangt, als hätte er ein Recht darauf. Betrachte aber auch ihre Sehnsucht; denn sie traten nicht einfach zu ihm hinzu, sondern mit Geschrei, und verlangten nichts Anderes als Barmherzigkeit.

Mt 9,28: Als er nun ins Haus kam, traten die Blinden zu ihm. Und Jesus fragte sie: Glaubt ihr, dass ich dies tun kann? Sie sprachen zu ihm: Ja, Herr!

Zuerst glauben, dann sehen: Indem sie Jesus als Sohn Davids anredeten, erkannten sie ihn als den lange erwarteten Messias und rechtmäßigen König Israels an. Der Mensch sagt: Erst sehen, dann glauben. Aber Gott sagt: Erst glauben, dann sehen. Gott ist über Glauben, der erst ein Wunder fordert, nicht erfreut. Er will, dass wir ihm allein deshalb glauben, weil er Gott ist. MacDonald

Mt 9,29: Da rührte er ihre Augen an und sprach: Euch geschehe nach eurem Glauben!

Mt 9,30: ‭Und ihre Augen wurden geöffnet. Und Jesus ermahnte sie ernstlich und sprach: Seht zu, dass es niemand erfährt!‭

Bemerkenswerter Glaube der Blinden: Der Glaube dieser beiden Blinden ist bemerkenswert. Sie hatten den Glauben, Jesus nachzufolgen; das bedeutete, andere Wege, andere Richtungen aufzugeben und sich zu entscheiden, ihm zu folgen. Sie hatten den Glauben zu schreien und waren bereit, ihrem Verlangen Worte zu geben. Sie hatten den Mut, Lärm zu machen, und hatten keine Angst vor Verlegenheit. Sie hatten den Glauben, Jesus als den Sohn Davids zu identifizieren und Ihn als den Messias anzuerkennen. Sie hatten den Glauben, Jesus um Gnade zu bitten , obwohl sie wussten, dass sie keine Heilung verdient hatten. Sie hatten den Glauben, dass Jesus sie heilen konnte. Sie hatten den Glauben zu sagen: Ja, Herr

Mt 9,31: ‭Sie aber gingen hinaus und machten ihn in jener ganzen Gegend bekannt.‭

Mt 9,32-34: Heilung eines Stummen

Mt 9,32-33: Als sie aber hinausgingen, siehe, da brachte man einen Menschen zu ihm, der stumm und besessen war. Und nachdem der Dämon ausgetrieben war, redete der Stumme. 

Bedeutung von Stummheit: Nach jüdischem Verständnis von Dämonenbesessenheit war diesem Mann nicht zu helfen. Das lag daran, dass die meisten Rabbiner jener Zeit dachten, dass der wesentliche erste Schritt beim Exorzismus darin bestand, den Dämon zu zwingen oder auszutricksen, damit er dir seinen Namen sagt. Der Name wurde dann als Griff gedacht, mit dem der Dämon dann entfernt werden konnte. Aus diesen Gründen war dieses Wunder für die Menge besonders erstaunlich. Es zeigte nicht nur die vollständige Autorität Jesu über das dämonische Reich, sondern auch die Schwäche der Traditionen der Rabbiner.

Geistige Stummheit: Die Gefahr, stumm zu werden, hat viele Varianten in Form und Gründen, wo Menschen viel nicht mehr aus- oder anzusprechen wagen aus Angst oder Resignation, weil sie keine Form zu sprechen finden oder aufgegeben haben, eine zu suchen. In der Zuwendung Jesu wird dem Stummen die Last der Verstummung genommen und der eigene Mund und die eigene Sprache wiedergegeben. Auch ich kann Jesus bitten, wo ich mich oder Nahestehende verstummt sehe, auch uns zu helfen, wieder sprechen zu lernen.

Mt 9,34: ‭Die Pharisäer aber sagten: Durch den Obersten der Dämonen treibt er die Dämonen aus!‭

Mt 9,35-38: Große Ernte und wenige Arbeiter

Mt 9,35: ‭Und Jesus durchzog alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündigte das Evangelium von dem Reich und heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen im Volk.‭

Mt 9,36: Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen, denn sie waren erschöpft und hilflos wie Schafe, die keinen Hirten haben.

Jesu Mitleid: Wenn die Bibel von Jesu Mitleid spricht, dann verwendet sie das Wort: splanchnizomai. Es meint: In den Eingeweiden ergriffen werden. Die Eingeweide sind für die Griechen der Ort der verwundbaren Gefühle. Jesus öffnet sich dem Leid des Menschen. Er ist verwundbar. Daher spürt er die vielfältigen Leiden der Menschen, auch deine! In dieser Einfühlung ist Jesus das große, vollkommene Vorbild. Einfühlung in andere ist eine wichtige menschliche Fähigkeit und die Voraussetzung von Mitleid. Es meint die Solidarität mit dem Leid des anderen, nicht nur oberflächlich, sondern tief – eine Solidarität, die auch tätig wird, aktiv dem anderen hilft. Allerdings heißt es nicht, im Mitleid zu zerfließen. Denn dann helfe ich dem anderen nicht wirklich! Gott segne dich und diese Woche, der Allmächtige mache dein Herz einfühlend, damit du die Werke tun kannst, welche die Weisheit für dich vorbereitet hat.

Gott hat Mitleid mit uns: Wie schaut Gott, der Schöpfer aller Dinge, auf mich? Wie schaut er auf mich, besonders in meiner Unvollkommenheit, meinem Scheitern und meiner Zerbrechlichkeit? Wir haben uns vielleicht schon so an Jesus gewöhnt, dass uns die Antwort gar nicht mehr überrascht. Gott hat Mitleid mit uns. Wir sind ihm nicht gleichgültig. Er hat Mitleid mit unserer Müdigkeit, unserer Erschöpfung und Verlorenheit, die wir oft im Alltag oder im Gebet erfahren. Christus will uns nahe sein. Er versteht uns zutiefst und fordert nicht andauernd mehr und immer mehr, sondern macht sich selbst auf die Suche nach uns. Was halte ich von Gott? Glaube ich, dass er Mitleid mit mir hat, oder sehe ich ihn oft als gleichgültigen, fernen Gesetzgeber?

Mt 9,37: ‭Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es sind wenige Arbeiter.‭

Mt 9,38: ‭Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte aussende!‭

Diese Bitte Jesu gilt immer. Wir müssen immer zum „Herrn der Ernte“ beten, das heißt zu Gott, dem Vater, dass er Arbeiter auf seinen Acker sende, der die Welt ist. Und ein jeder von uns muss dies mit einem offenen Herzen und einer missionarischen Haltung tun; unser Gebet darf sich nicht nur auf unsere Bedürfnisse, auf unsere Notwendigkeiten beschränken: ein Gebet ist wirklich christlich, wenn es auch eine universale Dimension hat. Papst Franziskus

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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste