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Worte von Karl Rahner

1. Die Unbegreiflichkeit Gottes

Siehe, Gott ist groß und unbegreiflich. Hiob 36,26

Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten. Karl Rahner

Wenn ich Gott begreifen oder beschreiben könnte, wäre er einfach nur eine Sache wie jede andere auf der Welt. Aber er ist Gott, der ganz Andere, jenseits meiner Vorstellungskraft. Ich werde immer auf der Suche nach ihm sein müssen, auf einer Suche im Ungewissen. Trotzdem möchte ich daran festhalten. Ich möchte dranbleiben, ihn nicht loslassen. Diese Suche ist Ausdruck meiner großen Sehnsucht nach Gott. Glauben ist also nicht ein Mehr-Wissen oder ein Fürwahrhalten von Märchen, sondern eine Haltung. Eine Haltung, die mir durchs Leben hilft, die mir aber auch etwas abverlangt: eben dieses Aushalten der Unbegreiflichkeit Gottes.

2. Fallen in seine Unbegreiflichkeit

Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Röm 11,33

Ich möchte ein Theologe sein, der sagt, dass Gott das Wichtigste ist, dass wir dazu da sind, in einer uns vergessenden Weise ihn zu lieben, ihn anzubeten, für ihn da zu sein, aus unserem eigenen Daseinsbereich in den Abgrund der Unbegreiflichkeit Gottes zu springen. Wie lange dauert es noch, bis es für immer Abend ist? Ich weiß es nicht. So macht man weiter, solange noch Tag ist. Am Ende geht man mit leeren Händen fort, ich weiß es; aber so ist es gut. Dann schaut man auf den Gekreuzigten und geht. Was kommt, ist die ewige Unbegreiflichkeit Gottes. Karl Rahner

3. In Christus ist uns Gott nahe

Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst fern wart, nahe geworden durch das Blut Christi. Eph 2:13

In die Welt und unser Leben ist ein Ereignis eingebrochen, das alles verwandelt hat, das aus dem Grauen unserer kalten öden Nacht der Verzweiflung, die Heilige Nacht gemacht hat. Der Herr ist da, der Herr der Schöpfung und meines Lebens. Gott ist in Christus Mensch geworden. Jetzt geht ihn diese Welt und ihr Schicksal selber an. Jetzt sieht er uns nicht mehr aus der Unendlichkeit seines Himmels zu. Jetzt ist er selbst auf der Erde, auf der es ihm nicht besser geht als uns. Er teilt mit uns Hunger, Müdigkeit, Feindschaft, Todesangst und elendes Sterben. Zeigt, dass manches einfach erlitten werden muss. Freiwillig ist er in allem bei uns, steht uns bei, hilft uns durch, gibt uns Antwort durch sein „Dasein“, sein bedingungsloses „Ja“ zu uns, sein: „Ich liebe Dich. Karl Rahner

4. Zum Wesen des Christentums

Gottes Erbarmen ist unbegreiflich groß! Eph 2,4

Mein Christentum ist der Akt eines Sich – Loslassens in das unbegreifliche Geheimnis hinein. Mein Christentum ist darum alles andere als eine Erklärung der Welt und meiner Existenz. Der Christ hat weniger als jeder andere letzte Antworten. Seinen Gott kann der Christ nicht als einen durchschauten Posten in die Rechnung seines Lebens einsetzen, sondern nur als das unbegreifliche Geheimnis annehmen. Die Kirche sagt eigentlich ganz wenig: nämlich, dass es ein unüberholbares Geheimnis realster Art in unserem Dasein gibt: Gott. Und dass dieser Gott uns nahe ist und sich in Jesus gezeigt hat. In diesem eigentlich ganz Einfachen haben Sie im Grunde schon das ganze Christentum. Karl Rahner

In Wirklichkeit sagt das Christentum das Selbstverständlichste, das gleichzeitig unbegreiflich ist: In deinem Leben ist immer schweigend, umfassend bergend, liebend das namenlose Geheimnis am Werk, ein Christentum, das eigentlich sehr einfach ist.

5. Zur Nächstenliebe

Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan! Mt 25,40

Überall dort, wo der Mensch in wirklicher personaler Frei­heit sich dem Nächsten öffnet, hat er immer schon, weil das alles schon umfangen ist von der Gnade Gottes, mehr getan als bloß gerade diesen Nächsten geliebt. Er hat den Nächsten geliebt, und er hat im Nächsten schon Gott geliebt. Nach der Lehre des Christentums ist die Nächstenliebe nicht bloß ein Gebot, das erfüllt werden muss, sie ist nicht bloß eine der vielen Verpflichtungen des Menschen und des Christen, sondern der Vollzug des Christentums schlechthin. Karl Rahner

6. Was ist ein frommer Christ?

Er tut unbegreiflich große Dinge. Hiob 37,5

Wenn einer es heute fertig bringt, mit diesem unbegreiflichen, schweigenden Gott zu leben, den Mut immer wieder neu findet, ihn anzureden, in seine Finsternis glaubend, vertrauend und gelassen hineinzureden, obwohl scheinbar keine Antwort kommt als das hohle Echo der eigenen Stimme, wenn einer immer wieder den Ausgang seines Daseins frei räumt in die Unbegreiflichkeit Gottes hinein, obwohl er immer wieder zugeschüttet zu werden scheint durch die unmittelbar erfahrbare Wirklichkeit der Welt, ihrer aktiv zu meisternden Aufgabe und Not und ihrer immer noch sich weitenden Schönheit und Herrlichkeit, wenn er dies fertig bringt ohne die Stütze der „öffentlichen Meinung“ und Sitte, wenn er diese Aufgabe als Verantwortung seines Lebens in immer erneuter Tat annimmt und nicht als gelegentlich religiöse Anwandlung, dann ist er heute ein Frommer, ein Christ. Karl Rahner

7. Erfahrung Gottes

Lass mich schon früh am Morgen deine Gnade erfahren. Ps 143,8

Der Fromme von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein. Karl Rahner

Anselm Grün meint zu diesem Zitat: Rahner meint mit diesem oft zitierten Wort, dass es nicht genügt, an Gott zu glauben. Der Christ der Zukunft, der für seinen Glauben Rechenschaft ablegen will, braucht die Erfahrung des Glaubens, er braucht die Erfahrung Gottes. Denn ohne Gotteserfahrung können wir in dieser säkularisierten Welt nicht von Gott sprechen. Dann würden unsere Worte über Gott hohl klingen.

Auszuhalten, diesem Gott nahe zu sein, zu ihm Du zu sagen, sich hineinzuwagen in seine schweigende Finsternis, nicht sich zu ängstigen, man könne ihn gerade dadurch verlieren, indem man ihn beim Namen nennt. Karl Rahner