
Wachsamkeit
Inhaltsverzeichnis
1. Sei wachsam für Christus
Seid wachsam. Mt 24:42
Werde wachsam für das, worauf es ankommt: das ist der Glaube und die Bindung an Christus.
Wachsam zu sein, bedeutet, dass du dein ganzes Sein, dich selbst als einzigartige Person, hingibst und dich ihm zuwendest – überall, in allen Angelegenheiten und Lebensumständen.
Das ist nicht Mystik für ein paar wenig Abgehobene, sondern alltagsrelevant wie es nur sein kann. Sei es in der Arbeit mit deinen Schülern, in einem Elterngespräch, bei der Pflege von Beziehungen innerhalb der Familie und in noch so vielen weiteren Momenten.
In alledem ist es der Mühe wert, das ganze Leben Christus zu widmen, jeden Tag in der Freundschaft zu ihm zu wachsen und sich gerufen zu fühlen, die Schönheit und Güte seines Lebens allen Menschen zu verkünden.
Frage: Wo in meinem Alltag kann ich heute bewusster mein Leben Christus anvertrauen und seine Gegenwart in kleinen Momenten wahrnehmen?
2. Komm schnell herunter
Seid also zu jeder Zeit bereit, denn der Menschensohn wird gerade dann kommen, wenn ihr am wenigsten damit rechnet! Mt 24:44
Unser Herz ist unruhig auf Gott hin. Aber nicht nur wir Menschen sind unruhig auf Gott hin.
Gottes Herz ist unruhig auf den Menschen hin. Gott wartet auf uns. Er sucht uns. Er spricht zu uns: Komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. (Lk 19,5)
Komm also schnell herunter, werde innerlich arm und lasse los, immer alles kontrollieren zu wollen.
In diesem Herunterkommen, in diesem Geerdet werden, wächst in dir die Wachsamkeit für ihn, machst du Platz für Christus in deinem Herzen. Und darin öffnest und begegnest du ganz neu und in einer tiefen Weise auch deinem Nächsten.
Frage: Wo in deinem Leben spürst du, dass du innerlich loslassen und Platz für Gott schaffen darfst, um offen und achtsam auf andere zuzugehen?
3. Ziehe den Herrn an
Lasst uns ein vorbildliches Leben führen […] Zieht den Herrn Jesus Christus. Röm 13:13-14
Wachsamkeit bedarf es im Umgang mit unserer Seele. Immer wieder sind wir schwach und fallen. Immer wieder kehren wir um und bemühen uns, uns mit den Empfindungen Christi zu bekleiden: mit Güte, Demut, Milde, Großherzigkeit, gegenseitiger Vergebung und vor allem der Liebe.
Gott begleitet uns in diesem Bemühen. Jede unserer Taten, all unser Tun, ist darum eingebettet in diese tiefe Beziehung zu Gott. Gottesbeziehung und Für-ihn-bereit-sein bestehen dann nicht nur aus dem Morgengebet, sondern jede noch so kleinste Tat ist verwoben mit Gott.
Dann ist Christus der Herr deines Lebens.
Zu großen Taten hast du selten Gelegenheit, die kleinen aber begegnen dir zu Hunderten. Verwende Sorgfalt und Liebe auf diese kleinen Dinge. Franz von Sales
Frage: Wie spürst du heute die Gegenwart Gottes in den kleinen Dingen deines Alltags?
4. Lass dich erleuchten vom Licht
Er ist unser Licht! Jes 2:5
Gott ist Liebe. Das bringt seine Tätigkeit Gottes zum Ausdruck.
Gott ist ebenso Licht. Das bringt seine innewohnende absolute Reinheit zum Ausdruck. Nichts kann uns dieses Licht nehmen! Weil Jesus unser Licht ist, gibt es für uns keinen Sonnenuntergang!
Wir dürfen unsere Schattenseiten nicht verdrängen. Das macht uns krank! Wir dürfen sie stattdessen in sein Licht halten und so unser ganzes Sein Jesus und seinem Licht aussetzen.
Durch seine Menschwerdung, Passion und Auferstehung leuchtet er uns und zieht uns in das neue Leben hinein, das alles Dunkel besiegt. Verlieren wir nicht das wachsame Herz, welches allein das Wesentliche zu sehen vermag: das Licht Christi, das in uns und für uns leuchtet.
Die völlige Selbsthingabe Christi am Kreuz sei euch Ursprung, Ansporn und Kraft für einen Glauben, der in der Liebe wirksam wird. Benedikt
Frage: Welche Schattenseiten in meinem Leben darf ich heute ins Licht Jesu halten, um Heilung und neue Lebenskraft zu erfahren?
5. Wachsamkeit fördert den Frieden
Dann schmieden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen. Jes 2:4
Der Friede muss in unserem Herzen den Ursprung nehmen. Dort in unserem Herzen herrscht Christus.
Sind wir nicht wachsam mit ihm verbunden, läuft jegliches Bemühen um Frieden in unseren Gemeinschaften ins Leere.
Durch Christus sind wir Friedensstifter unter den Menschen, gerade eben auch in den Schwierigkeiten, auch in den Augenblicken der Schwäche.
Je mehr diese Liebe, die auf Frieden zielt, unsere Herzen erreicht, umso mehr bleiben wir in Gott, denn wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott.
Bleibe also inmitten der Kämpfe in Frieden und beunruhige dich nicht, denn Gott ist für Dich.
Der Frieden beginnt im eigenen Haus. Karl Jasper
Frage: Welche innere Haltung kannst du heute einnehmen, um den Frieden Gottes tiefer in deinem Herzen spüren zu lassen?
6. Wachsamkeit für die Entscheidung für das Gute
Liebt also eure Mitmenschen, denn ihr wisst doch, dass es an der Zeit ist, aus aller Gleichgültigkeit auf zu wachen. Röm 13:11
Wir sind immer in einem inneren Konflikt: Wir können nicht allen inneren Impulsen gleichermaßen folgen. Wir können zum Beispiel nicht gleichzeitig mitfühlend Anteil nehmen und gleichgültig sein. Ebenso können wir nicht nachttragend und zugleich vergebend sein.
Wir müssen stets entscheiden, welchem Impuls wir folgen wollen, und das gelingt uns nur mit der Hilfe des Heiligen Geistes. Immer wieder kostet diese Hinwendung zum Guten Überwindung. Liebe verlangt oft große Kraft.
Seien wir dennoch beruhigt: Gott wird uns gerade dann helfen, wenn Liebe große Kraft kostet.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich die Kraft der Liebe trotz innerer Widerstände erfahren, und wie kann ich mich noch bewusster darauf einlassen?
7. Betrachte das Leben Jesus
Lasst uns zum Haus des Herrn gehen! Ps 122:1
Wachsamkeit im tiefsten Kern ist die Betrachtung des Lebens Jesus. In der Betrachtung seines Lebens, vor allem seines Leidens, haben wir Gemeinschaft mit ihm und erkennen ihn, so wie wir von ihm erkannt sind.
Betrachte also still sein Handeln, höre aufmerksam seine Worte, blicke in Liebe auf ihn, so wie er in Liebe auf dich blickt.
Die wahre Liebe lebt von dieser Gegenseitigkeit der Blicke, so dass tiefe Begegnung möglich wird. Fehlt diese Dimension, wird alles zu einem oberflächlichen Gestus, ob es nun das Gebet sei, die Kommunion oder sonstige fromme Rituale.
Frage: Wie offen bin ich dafür, Jesus wirklich zu begegnen, jenseits von Gewohnheiten und Ritualen, und mich von dieser tiefen Liebe transformieren zu lassen?
