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Verantwortung

Verantwortung

1. Verantwortung & Menschsein 

Mensch sein heißt verantwortlich sein. Antoine de Saint-Exupéry

Verantwortung ist die Pflicht, dafür zu sorgen, dass das Notwendige und Richtige getan wird. Viel zu häufig flüchte auch ich mich in Ausreden und Rechtfertigungen – keine Zeit, keine Mitschuld, Resignation – warum ich etwas nicht tue.

Und doch kommen jeden Tag Situationen, die dieses „Ich soll heute dein Gast sein“ (Lk 19:5) beinhalten, mich ungefragt zur Verantwortung rufen. Wahres Menschsein heißt, diese Verantwortung zu fühlen für dich und den anderen, ihr nachzugehen, seinen Stein beizutragen im Bewusstsein, am Bau der Welt mitzuwirken.

Sei dir heute ganz bewusst: du bist verantwortlich für dich und den anderen.

Frage: In welchen Momenten spürst du, dass deine Verantwortung über dich hinausgeht, und wie reagierst du darauf?

2. Verantwortung als unterstützendes Mitgehen

Wenn du mit anderen Menschen umgehst, denk an diese drei Vs: Du hast ihre Probleme nicht verursacht, du kannst nicht darüber verfügen, und du kannst sie nicht verhindern. Lorna P.

Wir alle leben in Beziehungsgeflechten – sei es in der Familie, bei der Arbeit oder in der Kirche. Dort begegnen uns Menschen, die mit Problemen zu kämpfen haben, uns eingeschlossen.

Menschliches Verantwortungsgefühl bedeutet jedoch nicht, durch die Welt zu laufen und jedes einzelne Problem für den anderen lösen zu wollen. Damit überfordern wir uns nur. „Denn jeder ist für sein eigenes Tun vor Gott verantwortlich.“ (Gal 6,5)

Den anderen in seiner göttlichen Menschenwürde anzunehmen heißt für mich, anzuerkennen, dass wir die Probleme anderer meist nicht verursacht haben, sie nicht kontrollieren können und schon gar nicht in der Lage sind, ihre Schmerzen zu verhindern.

Unsere Verantwortung liegt vielmehr im unterstützenden Mitgehen und Mitleiden. Ich frage mich dabei: Wo übernehme ich in meinem Leben Verantwortung? Wo gehe ich mitfühlend, mitleidend, unterstützend, beratend und mit dem Herzen mit?

Frage: Wie kann ich in meinen Beziehungen gleichzeitig präsent, mitfühlend und zugleich frei von der Last fremder Probleme sein?

3. Verantwortliches Tun verändert die Gemeinschaft 

Wenn in der Gemeinschaft jemand aufsteht, etwas ändert, seine Konzeption, seine Muster, seine Programme, seine Ängste ändert, dann beginnt die Energie der Gemeinschaft sich zu ändern. Robert Betz

In einer Gemeinschaft (Ehe, Beruf, Team, Familie, Gemeinde) verlässt man sich gerne darauf, dass andere etwas tun oder dass Gott es schon richten wird, weil angesichts der großen Probleme sowieso jegliches eigenes Tun nutzlos ist.

Aber: “Kein Problem wird gelöst, wenn wir träge darauf warten, dass Gott allein sich darum kümmert” (Martin Luther King).

Gott wirkt durch Menschen. Wir sind ein Leib in Christus. Es ist eben nicht so, dass der Einzelne nichts tun kann. Das ist eine Parole der Angst und Resignation!

Immer wird es auf den einzelnen Menschen ankommen – auf seinen Mut, seine Verständnisbereitschaft, seine Liebe und Güte, die über konkrete Taten hinaus auch die Gemeinschaft verändern. Ein Ich kann viele Du’s ändern. Und dieses Ich bist DU!

Frage: Wie kann ich heute bewusst meine Liebe, mein Verständnis und meinen Mut einsetzen, um die Gemeinschaft um mich herum zu stärken?

4. Verantwortung Zeugnis zu geben 

Wir reden in aller Aufrichtigkeit und in Gottes Auftrag, weil wir mit Christus eng verbunden sind und uns Gott verantwortlich wissen. 2. Kor 2:17

Schuld durch Schweigen: Wer das Wasser in der Wüste kennt und es verschweigt, der ist schuld, wenn Sterbende es übersehen. Wer im Moor die festen Wege kennt und sie nicht zeigt, der trägt Verantwortung dafür, wenn andere untergehen.

Zeugnis geben: Ich bin davon überzeugt, dass wir Christen mehr denn je dazu aufgefordert sind, über unseren Glauben Zeugnis zu geben. Das heutige Fronleichnahmsfest ist eine sicherlich sehr eindrückliche Möglichkeit, doch noch viel wichtiger ist es, im Alltag unseren Glauben nicht zu verschweigen und Auskunft zu geben über die Hoffnung, die uns beseelt. „Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen.“ (Augustinus)

Frage: In welchen Momenten schweige ich aus Bequemlichkeit, und wie könnte mein mutiges Zeugnis Licht in das Leben anderer bringen?

5. Verantwortung für eigene Fehler übernehmen

Edith Bunker: Ich musste gerade über etwas nachdenken. In all den Jahren unserer Ehe hast du kein einziges Mal gesagt, dass dir etwas leid tut.

Archie Bunker: Ich bin selbstverständlich jederzeit bereit zu sagen, dass es mir leid tut, wenn ich jemals etwas falsch machen sollte … ..(Norman Lear)

Hier und da erkennen wir uns in Archie wieder, wenn wir nicht immer, aber sicherlich manchmal blind für unsere Schwächen sind oder einfach aus Stolz und Eitelkeit einen Fehler nicht zugeben wollen. Um dieses Verhalten zu ändern, brauchen wir Zeit und Willenskraft.

Wir machen Fortschritte, wenn wir uns nicht mehr auf Schwächen anderer Menschen konzentrieren, sondern anfangen, eigenverantwortlich zu werden. Fehler einzugestehen beweist Größe: Ein Gefühl der Selbstachtung steigt in uns auf, wenn wir sagen können: „Ich habe einen Fehler gemacht.“ Diese Äußerung beinhaltet gleichzeitig, dass wir stark genug sind, Verantwortung zu tragen und Fehler wieder gut zu machen.

Heute will ich die Verantwortung für mein Handeln übernehmen und meine Fehler zugeben.

Frage: Welche Fehler in meinem Leben könnte ich heute liebevoll anerkennen, um innerlich stärker und freier zu werden?

6. Verantwortung erfordert Mut 

Gott trägt uns, er ist unsre Hilfe. Ps 68,20

 

“Freie Verantwortung beruht auf einem Gott, der das freie Glaubenswagnis verantwortlicher Tat fordert und der dem, der darüber zum Sünder wird, Vergebung und Trost zuspricht.” (Bonhoeffer)

Glauben erfordert Mut, ein Risiko einzugehen, die Bereitschaft, Schmerz und Enttäuschung hinzunehmen.
“Wer Gefahrlosigkeit und Sicherheit als das Wichtigste im Leben ansieht, kann keinen Glauben haben.” (Erich Fromm)

Angst, Rückzug, möglichst wenig machen, um möglichst wenig falsch zu machen, ist eine große Gefahr. Ich war früher ein sehr ängstlicher Mensch. Wird alles gut gehen? Was werden die anderen denken? Heute, wenn dieses Gefühl wieder in mir aufsteigt, fasse ich allen Mut zusammen, springe ins Wasser des Ungewissen und sage mir: hey Joachim, auch wenn’s schief geht: “Gott trägt uns, er ist unsre Hilfe.” (Ps 68,20)

Frage: Wie kannst du mutiger dem vertrauen, was dich geistlich trägt, selbst wenn du Unsicherheit spürst?

7. Abschließende Worte

Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen. Kolosser 3,23

Verantwortung bedeutet, dass unser Handeln Auswirkungen hat – auf uns selbst, auf andere und vor Gott. In der Bibel heißt es: „Jedem von uns wird Gott Rechenschaft geben müssen“ (Römer 14,12).

Das klingt ernst, ist aber auch eine große Einladung. Gott vertraut uns Menschen Aufgaben an: füreinander da zu sein, die Schöpfung zu bewahren und mit unseren Gaben Gutes zu bewirken.

Verantwortung heißt nicht, alles alleine schaffen zu müssen. Jesus trägt unsere Schuld und gibt uns Kraft, neu anzufangen, wenn wir versagen. So dürfen wir Verantwortung in Liebe leben – nicht aus Angst vor Fehlern, sondern aus Dankbarkeit für Gottes Vertrauen.

Heute kannst du fragen: Wo hat Gott mir Möglichkeiten gegeben, Verantwortung zu übernehmen?

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens spüre ich, dass ich bewusst Verantwortung für andere oder die Schöpfung übernehmen kann, und wie fühle ich mich dabei vor Gott?