
Selbstliebe
Inhaltsverzeichnis
1. Sich selbst annehmen
Die Unterweisung in der Lehre unseres Glaubens hat nur das eine Ziel: die Liebe! 1. Tim 1:5
Gott möchte, dass wir uns selbst lieben. Wer sich selbst nicht liebt, wer sich selbst nicht annimmt in all seinen Facetten, der ist auch nicht in der Lage, den anderen zu lieben und ihn in all seinen Facetten anzunehmen.
Die Selbstliebe ist geradezu die Voraussetzung für die Nächstenliebe. Gott möchte, dass wir uns selbst lieben, weil wir von ihm geliebt sind. Dass diese Selbstliebe keine egozentrische Selbstsucht meint, ist dabei denke ich klar.
Selbstliebe und Nächstenliebe, Selbstfürsorge und Fürsorge für andere, sie sind wie Geschwister, untrennbar miteinander verbunden. Wir sind ein Leib in Christus. Lieben wir uns nicht selbst, so lieben wir den Leib Christi nicht.
Frage: Wie kann ich heute in kleinen Schritten die Liebe zu mir selbst spüren und dadurch auch die Liebe für andere vertiefen?
2. Genießen lernen
Gott gibt uns alles reichlich, was wir brauchen, und wir dürfen es genießen. 1. Tim 6:17
Vieles kann Stress verursachen: spirituelle Arbeit an sich selbst, Leistungsdruck, der Umgang mit den Erwartungen der anderen und vieles mehr. Das ganze Leben färbt sich dann in ein ständiges „Muss“ und „Soll“.
Lasst uns das Genießen nicht verlernen: Zweisamkeit, Spaziergänge, Lesen, anregende Gespräche, ein Vollbad, Mittagsschlaf und vieles mehr. Wir wissen es: Wer nicht genießt, wird ungenießbar.
Und auch wenn es etwas altbacken klingt und aus einer anderen Zeit kommt, geht folgendes Goethe-Zitat genau in diese Richtung: „Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich wäre, einige vernünftige Worte sprechen.“
In diesem Sinne: Genieße das Leben, so gut du eben kannst, trotz der Schattenseiten, die das Leben auch mit sich bringt.
Frage: Welche kleinen Momente des Genießens könntest du heute bewusst wahrnehmen, um deine innere Balance zu stärken?
3. Der Herr macht mich stark
Der Herr macht mich stark. Er beflügelt meine Schritte, wie ein Hirsch kann ich über die Berge springen. Hab 3:19
Der Hirsch kann schlecht laufen, wenn er zu mager ist. So können auch wir nur schwer den täglichen Lebensweg gehen, wenn wir geschwächt sind. Dann sind wir auch schwächer in der Liebe, nachgiebiger bei Versuchungen, gedankenloser beim Gebet.
Der Herr macht mich stark, wenn ich auch meinen Teil dazu beitrage. Daher achte auf deine Gesundheit. Sorge für genügend Schlaf. Nimm dir regelmäßig Auszeiten. Ernähre dich bewusst und gesund. Mache all das, damit du tagsüber mit frischer Kraft deine Arbeit tun kannst.
Frage: Wo spüre ich in meinem Leben, dass ich gestärkt werden möchte, und wie kann ich mich dabei vom Herrn begleiten lassen?
4. Seine Stärken wahrnehmen
Glücklich sind alle, die ihre Stärke in dir suchen. Ps 84:6
Sicher ist es gut, an seinen Fehlern zu arbeiten, so entwickeln wir uns weiter, auch wenn wir nie fehlerfrei werden. Ich tappe häufig in die gleichen Fehler.
Es ist jedoch ebenso wichtig, sich seiner Stärken bewusst zu werden und sie für das Reich Gottes einzusetzen, im Bewusstsein, dass alle Stärke vom Herrn kommt. Schätze deine geschenkten Stärken.
Das ist vereinbar mit einer demütigen Haltung und ist keine Eitelkeit, denn Gott selbst hat uns ja diese Stärken geschenkt. So rühmen wir uns nicht selbst, sondern Gott.
Zu sich kommen heißt: die Wahrheit verstehen. Und die Wahrheit ist, dass wir viele gute Talente von Gott geschenkt bekommen haben, und es ist sein Wille, dass wir sie auch einsetzen.
Frage: Wie kann ich meine Gaben bewusst einsetzen, um sowohl meine eigene Entwicklung als auch das Wirken Gottes zu fördern?
5. Liebe ist mehr als Gefühl
Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. Ich bin Jahwe! 3. Mose 19:18
Selbstliebe funktioniert nicht auf Knopfdruck. Gefühle lassen sich nicht gebieten.
Das Nächstenliebe-Gebot im Alten Testament steht im hebräischen Urtext im Dativ. Es heißt dort nicht, man solle jemanden lieben, sondern man solle jemandem lieben. Durch den Dativ ist der Schwerpunkt auf das Tun gelegt.
Das heißt, das Gebot der Nächstenliebe und Selbstliebe zielt nicht zuerst auf Gefühl, sondern auf Handeln. In der Tat lässt sich Liebe zu mir selbst und zum Nächsten als Gefühl nicht vorschreiben oder erzwingen, und es gibt wohl kaum einen Menschen, der nonstop in bedingungsloser und emotionaler Liebe zu sich selbst und seinen Nächsten steht.
Aber Liebe als liebevolles Zugehen auf den Nächsten, als liebevoller Umgang mit mir selbst im Handeln und konkretem Tun, das lässt sich recht wohl umsetzen.
Frage: In welchen alltäglichen Momenten könntest du heute bewusst Liebe durch dein Handeln zeigen, ohne auf das Gefühl zu warten?
6. Demut und Selbstliebe
Sucht den Herrn, alle ihr Demütigen. Zeph 2,3
Im tiefen Kern bedeutet die Selbstliebe, sich selbst anzunehmen. Dazu ist Demut notwendig.
Denn wir alle machen Fehler und sind weit davon entfernt, perfekt zu sein, wir haben Schwächen. Es gibt viele Arten von Fehlschlägen – im Umgang mit meinen Mitmenschen, mit mir selbst und mit Gott.
Diese notwendige Demut üben wir ein, indem wir Gott möglichst häufig loben, preisen und rühmen. Das erzeugt in uns ein Bewusstsein für seine Größe und lässt in uns die Demut wachsen.
Gepriesen sei der Herr, der mich von mir selbst erlöst hat! Teresa von Avila
Frage: Wo in meinem Leben darf ich heute meine eigene Demut erkennen und meine Selbstliebe wachsen lassen?
7. Aushalten der gesunden Spannung
Damit das Miteinander gelingen kann, braucht es das Aushalten der gesunden Spannung zwischen Nähe und Distanz, zwischen Alleinsein und Gemeinschaft, zwischen Liebe und Aggression, zwischen Streiten und Sichversöhnen, zwischen Konfrontieren und Ertragen, zwischen Reden und Schweigen, zwischen Trennung und Einssein.
Ich erlebe oft, wie Menschen heute die beiden Pole nicht aushalten können. Sie möchten am liebsten immer nur Nähe, immer nur Liebe, immer nur Gemeinschaft. Aber damit verhindern sie die Erfahrung einer Einheit, die auf Dauer trägt.
Wer immer eins sein will, wird es nie sein. Wer die Spannung von Einheit und Trennung annimmt, der wird immer wieder Augenblicke des Einssein erleben dürfen. Wer aber mit seinem Partner ununterbrochene Einheit spüren möchte, der wird sie immer weniger erfahren.
Anselm Grün
Frage: Welche Spannungen in meinem Leben lehne ich ab, obwohl sie mich zu tieferem Einssein führen könnten?
