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Matthäus Evangelium Mt 27. Kap.: Auslegung, Kommentar und Andacht zur Bibel

Auslegung, Kommentar, Andacht bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 27. Kap.

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Matthäus Evangelium Mt 27. Kap.

Das 27. Kapitel des Matthäusevangeliums beschreibt die dramatische Kreuzigung von Jesus Christus, der von den jüdischen Führern an die römischen Behörden ausgeliefert wird. Es beinhaltet auch den Verrat von Judas, die Verurteilung durch Pilatus und die Ausführung des Todesurteils. Das Kapitel endet mit der Beerdigung von Jesus und der Bewachung seines Grabes.

Mt 27,1-2: Hoher Rat verurteilt Jesus

Christliche Bibel – Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 27,1-2

Parallelstellen: Mk 15,1; Lk 22,66-71

Mt 27,1: Als es aber Morgen geworden war, hielten alle obersten Priester und die Ältesten des Volkes einen Rat gegen Jesus, um ihn zu töten.

Offizielle Versammlung

Dies war die offizielle Versammlung des Sanhedrin nach der informellen (und illegalen) Nachtsitzung, die auch in Lukas 22:66-71 beschrieben wird . 

Historischer Hintergrund

Die dritte Phase des religiösen Prozesses fand am Morgen vor dem Hohen Rat statt. Kein Fall durfte am gleichen Tag abgeschlossen werden, an dem er begonnen worden war, es sei denn, der Angeklagte wurde freigesprochen. Ehe das Urteil verkündet wurde, sollte eine Nacht vergehen, damit sich in der Zwischenzeit Gefühle der Gnade regen konnten. In diesem Fall scheint es so, als ob die religiösen Führer jede Regung der Barmherzigkeit ausschließen wollten. Immerhin kamen sie zu einer morgendlichen Sitzung zusammen, um ihrem Urteil auch Gültigkeit zu verleihen, denn nächtliche Prozesse waren verboten.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,1: 27,1–2: Mk 15,1; Lk 22,66; 23,1; Joh 18,28; – Ps 2,2; 12,14

‭Mt 27,2: Und sie banden ihn, führten ihn ab und lieferten ihn dem Statthalter Pontius Pilatus aus.‭

Übergabe an Pilatus

Die jüdischen Führer hatten Grund, ein günstiges Ergebnis zu erwarten, als sie zu Pilatus gingen. Die säkulare Geschichte zeigt uns, dass er ein grausamer, rücksichtsloser Mann war, der fast völlig unempfindlich gegenüber den moralischen Gefühlen anderer war. Sicherlich, dachten sie, wird Pilatus diesen Jesus töten.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,2: 20,19; Apg 3,13

Mt 27,3-10: Judas erhängt sich

Christliche Bibel – Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 27,3-10

Mt 27,3: ‭Als nun Judas, der ihn verraten hatte, sah, dass er verurteilt war, reute es ihn; und er brachte die 30 Silberlinge den obersten Priestern und den Ältesten zurück

Reute es ihn

Matthäus 27,3 berichtet, dass Judas Iskariot, als er sah, dass Jesus verurteilt wurde, Reue empfand und die 30 Silberlinge zurückbrachte. Diese Reue ist jedoch nicht gleichbedeutend mit echter Buße. Während wahre Umkehr eine Veränderung des Herzens und die Hinwendung zu Gott beinhaltet, blieb Judas in seiner Verzweiflung gefangen und suchte keinen Trost bei Gott. 

Sein Versuch, das Geld zurückzugeben, zeigt seine Schuldgefühle, aber nicht den Glauben an Gottes Vergebung. Die Hohenpriester wiesen ihn ab, was verdeutlicht, dass menschliche Institutionen keine echte Vergebung bieten können. Judas’ anschließender Selbstmord (Mt 27,5) verdeutlicht die zerstörerische Kraft von Schuld ohne Hoffnung. 

Diese Passage mahnt, dass Reue ohne Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit in Verzweiflung führen kann. Sie hebt auch den Unterschied zwischen Judas und Petrus hervor: Während Petrus nach seiner Verleugnung zu Jesus zurückkehrte, verlor Judas jede Hoffnung.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,3: 27,3–10: Apg 1,16–19; reute 2Kor 7,10; Silber. 26,15

Mt 27,4: ‭und sprach: Ich habe gesündigt, dass ich unschuldiges Blut verraten habe! Sie aber sprachen: Was geht das uns an? Da sieh du zu!

Motiv des Judas

Vielleicht erwartete Judas, dass Jesus sich auf wundersame Weise von seinen Häschern befreien würde; und als er sah, dass er verurteilt wurde, ergriff ihn Reue, und er trug seinen Mitverbrechern den Lohn seiner Schande zurück.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,4: 27,24; Dtn 27,25; Ps 94,21

Mt 27,5: Dann lief er fort und erhängte sich.

Judas bringt sich um

Jesus wird von Judas verraten. Nur kurz später erkennt Judas seine Sünde. Das Licht Jesus in ihm war noch nicht ganz erloschen. Aber seine zweite Tragödie nach dem Verrat ist es, dass er nicht mehr an Vergebung zu glauben vermag. Seine Reue wird zur Verzweiflung. Er sieht nur noch sich und seine Finsternis, nicht mehr das Licht Jesu, das auch die Finsternis erhellen und überwinden kann. Er bringt sich um. Reue, die nicht mehr hoffen kann, sondern nur noch das eigene Dunkel sieht, ist zerstörerisch und ist keine rechte Reue. Zur rechten Reue gehört die Hoffnungsgewissheit, die aus dem Glauben an die größere Macht des Lichtes kommt, das in Jesus Fleisch geworden ist.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,5: Ps 55,24; 2Sam 17,23; Apg 1,18

Mt 27,6: ‭Die obersten Priester aber nahmen die Silberlinge und sprachen: Wir dürfen sie nicht in den Opferkasten legen, weil es Blutgeld ist!‭

Heuchelei der Hohenpriester

In diesem Vers wird die Heuchelei der Hohenpriester deutlich. Obwohl sie selbst das Geld genutzt hatten, um Jesus zu verraten, weigern sie sich nun, es in den Tempelschatz zu legen, weil es „Blutgeld“ sei. Dies zeigt ihre äußerliche Gesetzestreue, während sie innerlich ungerecht handeln.

Gleichzeitig erfüllt sich eine Prophetie aus Sacharja 11,12-13, wo von 30 Silberlingen die Rede ist, die dem Töpfer gegeben werden. Das „Blutgeld“ symbolisiert den Wert, den die Hohenpriester Jesus beimaßen – den eines Sklaven (vgl. Ex 21,32).

Dieser Vers mahnt zur inneren Aufrichtigkeit: Es reicht nicht, sich an religiöse Regeln zu halten, wenn das Herz unrein ist. Wahre Gerechtigkeit erfordert nicht nur äußere Gesetzestreue, sondern ein reines Gewissen und ehrliches Handeln.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,6: Dtn 23,19

Mt 27,7: ‭Nachdem sie aber Rat gehalten hatten, kauften sie dafür den Acker des Töpfers als Begräbnisstätte für die Fremdlinge.‭

Mt 27,8: ‭Daher wird jener Acker »Blutacker« genannt bis zum heutigen Tag.‭

Parallelstellen zum Vers Mt 27,8: Apg 1,19

Mt 27,9: ‭Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremia gesagt ist, der spricht: Und sie nahmen die 30 Silberlinge, den Wert dessen, der geschätzt wurde, den die Kinder Israels geschätzt hatten,

Mt 27,10: ‭und gaben sie für den Acker des Töpfers, wie der Herr mir befohlen hatte.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,10: Sach 11,12.13; Jer 32,6–9

Mt 27,11-14: Jesus vor Pilatus vor Gericht

Christliche Bibel – Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 27,11-14

Parallelstellen: Mk 15,2-5; Lk 23,1-5; Joh 18,28-38

Mt 27,11: Jesus aber stand vor dem Statthalter; und der Statthalter fragte ihn und sprach: Bist du der König der Juden? Jesus sprach zu ihm: Du sagst es!

Ironische Frage

Jesus sah nicht besonders königlich oder majestätisch aus, als er vor Pilatus stand, also war der römische Statthalter wahrscheinlich sarkastisch oder ironisch, als er fragte: Bist du der König der Juden?

Worte von Joachim Richter

Wie ohnmächtig stehst du, mein Jesus, vor Pilatus, dem römischen Statthalter von Jerusalem! In diesem Moment ist deine göttliche Natur ganz verborgen. So wird sichtbar, dass dein Königtum „nicht von dieser Welt“ ist, also nicht in weltlicher Macht besteht. Du willst vielmehr König in meinem Herzen sein. Dies fordert mich heraus, an dich zu glauben und dir zu dienen. Joachim Richter

Wie übst du, Jesus, deine Herrschaft aus? Wo ist dein Herrschersitz? Du selbst hast gesagt: „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ (Mt 20,28). Diese Lebenshingabe hast du zur Vollendung gebracht, als du deinen Thron bestiegen hast: das Kreuz. Joachim Richter

Parallelstellen zum Vers Mt 27,11: 27,11–14: Mk 15,2–5; Lk 23,2–5; Joh 18,29–38; – Mt 26,64; 1Tim 6,13; König 27,29; 27,37; 27,42

Mt 27,12: Und als er von den obersten Priestern und den Ältesten verklagt wurde, antwortete er nichts.

Anklagepunkte der Juden

Die wirklichen Anklagen der Juden gegen Jesus waren religiöser Natur, und die Verhandlung geschah auf dieser Basis. Aber religiöse Anklagen hatten vor der römischen Gerichtsbarkeit kein Gewicht. Das wussten sie, deshalb brachten sie drei politische  Anklagen gegen ihn vor, als sie ihn vor Pilatus führten

  1. Er war ein Revolutionär, der eine Gefahr für das Römische Reich darstellte.
  2. Er brachte Menschen dazu, keine Steuern zu zahlen, und gefährdete damit die Einnahmen des Reiches
  3. Er behauptete von sich, ein König zu sein, und bedrohte damit die Macht sowie die Stellung des Kaisers.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,12: 26,62.63

Mt 27,13: ‭Da sprach Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, was sie alles gegen dich aussagen?‭

Hörst du nicht?

Theologisch weist die Szene auf Jesu Rolle als leidender Gottesknecht hin. Sein Schweigen ist nicht Schwäche, sondern Ausdruck seiner Souveränität und seines Gehorsams gegenüber dem Vater. Es lädt uns ein, über das Vertrauen in Gottes Plan nachzudenken – selbst in Zeiten ungerechter Anklage.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,13: Joh 19,10

Mt 27,14: ‭Und er antwortete ihm auch nicht auf ein einziges Wort, sodass der Statthalter sich sehr verwunderte.‭

Sanftmut, Demut und Würde

Er hatte in gefangenen Juden den wilden Mut des Fanatismus gesehen; aber es gab keinen Fanatismus in Christus. Er hatte auch bei vielen Gefangenen die Gemeinheit gesehen, die alles tut oder sagt, um dem Tod zu entgehen; aber er sah nichts davon an unserem Herrn. Er sah in ihm ungewöhnliche Sanftheit und Demut, verbunden mit majestätischer Würde. Er sah, wie sich Unterwerfung mit Unschuld vermischte. Spurgeon

Parallelstellen zum Vers Mt 27,14: Lk 23,9

Mt 27,15-26: Übergabe zur Kreuzigung

Christliche Bibel – Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 27,15-26

Parallelstellen: Mk 15,6-15; Lk 23,13-25; Joh 18,39-19,16

Mt 27,15: ‭Aber anlässlich des Festes pflegte der Statthalter der Volksmenge einen Gefangenen freizugeben, welchen sie wollten.‭

Einen Gefangenen freizugeben

Matthäus 27,15 beschreibt eine Sitte zur Zeit des Passahfestes, bei der der römische Statthalter einen Gefangenen freiließ, den das Volk wählte. Diese Praxis symbolisierte eine Geste der Gnade seitens der römischen Besatzungsmacht. 

In der Passionsgeschichte spielt diese Tradition eine zentrale Rolle, da Pilatus das Volk vor die Wahl zwischen Jesus und Barabbas stellt. Barabbas war ein Aufrührer, während Jesus unschuldig war. Die Szene zeigt die Manipulierbarkeit der Menge und die politische Taktik Pilatus’, der eigentlich Jesu Freilassung anstrebte. Theologisch betrachtet verweist die Wahl auf das stellvertretende Leiden Jesu: Der Schuldige wird freigelassen, während der Unschuldige zum Tod verurteilt wird – ein Bild für das Heilshandeln Gottes im Kreuzestod Jesu.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,15: 27,15–23: Mk 15,6–14; Lk 23,17–23; Joh 18,39.40; 19,1; 19,16; wollten 26,39

Mt 27,16: ‭Sie hatten aber damals einen berüchtigten Gefangenen namens Barabbas.‭

Mt 27,17: ‭Als sie nun versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Welchen wollt ihr, dass ich euch freilasse, Barabbas oder Jesus, den man Christus nennt?‭

Mt 27,18: ‭Denn er wusste, dass sie ihn aus Neid ausgeliefert hatten.‭

Aus Neid ausgeliefert hatten

Diese Aussage bezieht sich auf Pontius Pilatus, der erkannte, dass die jüdischen Führer Jesus nicht aus Gerechtigkeitsgründen, sondern aus Eifersucht verurteilen wollten. Jesus’ Popularität bei den Menschen, seine Lehren und seine Autorität bedrohten ihre Stellung. Pilatus sah durch ihre Motive hindurch, doch aus Angst vor einem Aufruhr ließ er sich dennoch auf ihre Forderung ein.

Theologisch zeigt dieser Vers, dass Jesus nicht wegen eigener Schuld, sondern aus menschlicher Bosheit und Neid ans Kreuz ging. Gleichzeitig erfüllt sich dadurch Gottes Plan der Erlösung. Die Passage erinnert daran, wie destruktiv Neid sein kann und fordert zu einer Haltung der Gerechtigkeit und Demut auf.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,18: Joh 11,48; 12,19; Apg 5,17

Mt 27,19: ‭Als er aber auf dem Richterstuhl saß, sandte seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; denn ich habe heute im Traum seinetwegen viel gelitten!‭

Parallelstellen zum Vers Mt 27,19: Gerechten 27,24; Jes 53,11; Apg 3,14; Traum Hi 33,15–17

Mt 27,20: Aber die obersten Priester und die Ältesten überredeten die Volksmenge, den Barabbas zu erbitten, Jesus aber umbringen zu lassen.

Für Barabbas

Gerade die Männer, die eben noch Jesus wegen Verrates gegen den Kaiser angeklagt hatten, erbaten nun die Freilassung eines Mannes, der sich dieses Verbrechens wirklich schuldig gemacht hatte! Die Haltung der Hohenpriester war irrational und haarsträubend, aber so ist die Sünde nun einmal. MacDonald

Parallelstellen zum Vers Mt 27,20: Apg 3,14.15

Mt 27,21: ‭Der Statthalter aber antwortete und sprach zu ihnen: Welchen von diesen beiden wollt ihr, dass ich euch freilasse? Sie sprachen: Den Barabbas!‭

Unser Barabbas

Die Menschen heute lehnen Jesus immer noch ab und wählen einen anderen. Ihr Barabbas könnte Lust sein, es könnte ein Rausch sein, es könnte das Selbst und die Annehmlichkeiten des Lebens sein. Diese verrückte Wahl wird jeden Tag getroffen, während die Menschen die Begierden ihres Fleisches dem Leben ihrer Seele vorziehen.

Mt 27,22: ‭Pilatus spricht zu ihnen: Was soll ich denn mit Jesus tun, den man Christus nennt? Sie sprachen alle zu ihm: Kreuzige ihn!‭

Parallelstellen zum Vers Mt 27,22: Apg 13,28

Mt 27,23: ‭Da sagte der Statthalter: Was hat er denn Böses getan? Sie aber schrien noch viel mehr und sprachen: Kreuzige ihn!‭

Parallelstellen zum Vers Mt 27,23: Übles Lk 23,4; 23,41; Joh 8,46; Jes 53,9

Mt 27,24: ‭Als nun Pilatus sah, dass er nichts ausrichtete, sondern dass vielmehr ein Aufruhr entstand, nahm er Wasser und wusch sich vor der Volksmenge die Hände und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten; seht ihr zu!‭

Pilatus Entscheidung

Es war untypisch für Pilatus, sich so vor den religiösen Führern und der Menge zu beugen. Er hätte anders wählen können. Hier ist ein Mann, der das Richtige zu tun weiß und es auf viele überzeugende Weisen weiß. Dennoch wird er im Gehorsam gegenüber der Menge das Falsche tun, etwas Schreckliches.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,24: 27,24–26: Mk 15,15; Lk 23,24.25; – Dtn 21,6–8; Ps 26,6; Ex 23,2

Mt 27,25: ‭Und das ganze Volk antwortete und sprach: Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!‭

Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!‭

Theologisch kann die Stelle als Ausdruck kollektiver Verantwortung für Jesu Tod gesehen werden, wobei das Christentum betont, dass letztlich alle Menschen durch ihre Sünden Anteil daran haben. Historisch wurde sie jedoch missbraucht, um Antijudaismus zu rechtfertigen.

Viele Ausleger betonen, dass Matthäus hier eine prophetische Dimension sieht: Das Blut Christi bringt nicht Verdammnis, sondern Erlösung. Im christlichen Glauben wird sein Opfer als heilbringend für alle Menschen verstanden, einschließlich derer, die ihn verurteilt haben.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,25: 23,35.36; Dtn 19,10; Apg 5,28

Mt 27,26: ‭Da gab er ihnen den Barabbas frei; Jesus aber ließ er geißeln und übergab ihn zur Kreuzigung.‭

Geiselung

Die Schläge kamen von einer Peitsche mit vielen Ledersträngen, die jeweils scharfe Knochen- oder Metallstücke an den Enden hatten. Es reduzierte den Rücken auf rohes Fleisch, und es war nicht ungewöhnlich, dass ein Verbrecher sogar vor der Kreuzigung an einer Geißelung starb: Sieh, der Herr wird zum Schlagen hingestellt; sieh, er wird schon geschlagen. Es zerreißt sein heiliges Fleisch die Gewalt der Geißelhiebe; mit wiederholten Schlägen zerfleischen die grausamen Streiche Rücken und Schultern. O des Schmerzes! Hingestreckt vor den Menschen liegt Gott und erduldet die Strafe eines Schuldigen, in dem nie eine Spur von einer Sünde gefunden werden konnte.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,26: 27,22; Joh 19,16

Mt 27,27-31: Soldaten verspotten Jesus

Christliche Bibel – Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 27,27-31

Parallelstellen: Mk 15,16-20

Mt 27,27: ‭Da nahmen die Kriegsknechte des Statthalters Jesus in das Prätorium und versammelten die ganze Schar um ihn.‭

Parallelstellen zum Vers Mt 27,27: 27,27–31: Mk 15,16–20; Joh 19,2.3

Mt 27,28: Sie zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel um.

Sie entkleideten ihn

Wenn ein Gefangener gekreuzigt wurde, wurden sie oft nackt ans Kreuz genagelt, einfach um ihre Demütigung zu vergrößern. Jesus wurde noch nicht gekreuzigt, aber seine Demütigung hatte begonnen, und er wurde öffentlich entkleidet .

Purpurmantel

Der Schöpfer und Erhalter des Universums wurde auf unerhörte Weise von den grausamen, gemeinen Soldaten entehrt, von seinen unwürdigen, sündigen Geschöpfen. Sie zogen ihn aus und legten ihm einen scharlachroten Mantel um. Damit wollten sie einen Königsmantel nachahmen. Aber dieser Mantel hat eine Botschaft für uns. Weil Scharlach mit der Sünde in Verbindung steht (Jes 1,18), liebe ich den Gedanken, dass der Mantel für meine Sünden steht, die auf Jesus gelegt wurden, damit mir Gottes Mantel der Gerechtigkeit angetan werden kann. MacDonald

Parallelstellen zum Vers Mt 27,28: Lk 23,11

Mt 27,29: Sie flochten eine Krone aus Dornen, setzten sie auf sein Haupt, gaben ihm ein Rohr in die rechte Hand und beugten vor ihm die Knie, verspotteten ihn und sprachen: Sei gegrüßt, König der Juden!

Dornenkrone

Sie flochten eine Krone aus Dornen und drückten sie ihm auf das Haupt. Aber wir blicken hinter ihre rohe Verspottung und verstehen, dass er die Krone aus Dornen trug, damit wir die Krone der Gerechtigkeit  tragen dürfen. Sie verspotteten ihn als König der Sünde, wir verehren ihn als Retter der Sünder. Sie gaben ihm auch ein Rohr als Königszepter.

Sie wussten nicht, dass die Hand, die dieses Rohr hielt, jene Hand ist, die die Welt regiert. Die nageldurchgrabene Hand Jesu hält jetzt das Zepter der unumschränkten Herrschaft. Sie fielen vor ihm auf die Knie und redeten ihn als König der Juden an. Damit nicht zufrieden, spuckten sie dem einzigen vollkommenen Menschen, der je gelebt hat, ins Gesicht, nahmen das Rohr und schlugen ihn auf das Haupt. Alles ertrug Jesus geduldig, er sagte kein Wort. MacDonald

Parallelstellen zum Vers Mt 27,29: Ps 22,8; 69,20.21; Jes 53,3

Mt 27,30: Dann spuckten sie ihn an und nahmen das Rohr und schlugen ihn auf das Haupt.

Dann spuckten sie ihn an

Diese Szene zeigt die tiefe Erniedrigung und das Leid Jesu. Das Anspucken war ein Zeichen extremer Verachtung, während das Schlagen mit dem Rohr auf seinen Kopf seine Dornenkrone noch schmerzhafter machte. Die Soldaten verspotteten ihn als „König der Juden“ und misshandelten ihn brutal.

Theologisch verdeutlicht diese Passage Jesu freiwilliges Leiden für die Menschheit. Er nimmt Spott, Schläge und Schmerzen auf sich, um die prophetischen Schriften zu erfüllen (Jesaja 53,3–5). Diese Demütigung ist Teil seines Sühnewerks, durch das er die Sünden der Welt trägt. Es zeigt seine Liebe und Gehorsam bis zum Tod am Kreuz.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,30: 26,67; Jes 50,6

‭Mt 27,31: Und nachdem sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und legten ihm seine Kleider an. Und sie führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen.‭

Marsch zum Kreuzigungsort

Der Marsch zum Kreuzigungsort war eine nützliche Reklame für Rom. Es warnte potenzielle Unruhestifter, dass dies ihr Schicksal sei, sollten sie Rom herausfordern. Normalerweise führte ein berittener Zenturio die Prozession an, und ein Herold rief die Verbrechen der Verurteilten an.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,31: Jes 53,7

Mt 27,32-44: Jesus wird gekreuzigt

Christliche Bibel – Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 27,32-44

Parallelstellen: Mk 15,25-32; Lk 23,32-43; Joh 19,18-27

Mt 27,32: Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte begegnete ihnen ein Mann aus Kyrene, der Simon hieß. Ihn zwangen sie, das Kreuz zu tragen, an das Jesus gehängt werden sollte.

Simon von Kyrene

Nach der Geißelung wurde das Opfer gezwungen, den schweren Querbalken seines eigenen Kreuzes zur Hinrichtungsstätte zu tragen. Dieser Balken wog ca. 50kg. Was Simon von Kyrene hier tun musste, wird zum Vorbild für uns. Im Tragen unseres oft schweren Kreuzes haben wir Anteil am Kreuz Jesus. Dieses Kreuztragen ist nicht abgehobenes spirituelles Gefassel, sondern wird von uns allen in seinem Schmerz im ganz konkreten Leben gelebt. Zum Beispiel muss ich heute auf einer Beerdigung von einem ehemaligen Schüler Abschied nehmen, den ich sehr lieb hatte. Ich spüre den schweren Balken auf der Schulter seiner Mutter.

Schaut, alle kommen und wollen von ihrem Kreuz befreit werden. So wenige kommen und bitten um Kraft, es zu tragen! Pater Pio

Bete nicht um leichtere Last, sondern um einen stärkeren Rücken. Theresia von Avila

Parallelstellen zum Vers Mt 27,32: 27,32–37: Mk 15,21–26; Lk 23,26–34; Joh 19,17–27; hinausging. 21,39

Mt 27,33: ‭Und als sie an den Platz kamen, den man Golgatha nennt, das heißt Schädelstätte,

Golgatha

Dies ist der Ort seiner Kreuzigung. Der Name kann symbolisch auf den Tod und die Vergänglichkeit hinweisen. Golgatha liegt außerhalb Jerusalems, was die Verbindung zu den alttestamentlichen Opferritualen verstärkt, bei denen Opfer außerhalb des Lagers gebracht wurden (Hebräer 13,12).

Theologisch betrachtet erfüllt sich hier die Prophetie über den leidenden Gottesknecht (Jesaja 53). Jesus nimmt den Platz des Sünders ein und trägt die Strafe der Menschheit. Der Vers zeigt zudem die Grausamkeit der römischen Hinrichtungsmethoden und das Leid Jesu, das er für die Erlösung der Welt auf sich nimmt. Golgatha wird so zum Zentrum des christlichen Heilsverständnisses.

Mt 27,34: ‭gaben sie ihm Essig mit Galle vermischt zu trinken; und als er es gekostet hatte, wollte er nicht trinken.

Er wollte nicht trinken

Es war üblich, denen, die gekreuzigt werden sollten, ein schmerz- und geistbetäubendes Getränk zu geben, um ihr Bewusstsein für die Qual, die sie erwartete, zu verringern. Aber Jesus lehnte jede betäubende Droge ab. Er entschied sich, dem geistlichen und körperlichen Schrecken mit wachen Sinnen entgegenzutreten.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,34: 27,48; Ps 69,22

Mt 27,35: ‭Nachdem sie ihn nun gekreuzigt hatten, teilten sie seine Kleider unter sich und warfen das Los, damit erfüllt würde, was durch den Propheten gesagt ist: »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt, und das Los über mein Gewand geworfen«.‭

Loslassen der Kleidung

Jesus kam den ganzen Weg die Leiter hinunter, um unsere Errettung zu vollbringen. Er ließ absolut alles los – sogar Seine Kleidung – und wurde für uns völlig arm, damit wir in Ihm vollkommen reich werden konnten.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,35: Ps 22,19

Mt 27,36: ‭Und sie saßen dort und bewachten ihn.‭

Mt 27,37: ‭Und sie befestigten über seinem Haupt die Inschrift seiner Schuld: Dies ist Jesus, der König der Juden.‭

König der Juden

Durch göttliche Fügung wurde ein solcher Titel über sein Haupt gesetzt, daß dadurch die Juden erkennen sollten, daß sie selbst nicht durch den Tod bewirken konnten, ihn nicht zum Könige zu habenden» durch den Kreuzestod verlor er nicht die Herrschaft, sondern befestigte sie vielmehr. Goldene Perle

Worte von Franz von Sales

Euer König bleibt derselbe, es ist der gekreuzigte Herr Jesus Christus, unter dessen Herrschaft ihr überall wohl geborgen seid. Er bleibt euer König, solange ihr ihn haben wollt. Seid also unbesorgt, nichts wird euch fehlen. Sorgt nur dafür, daß ihr in der Liebe und Treue wachset. Haltet euch dicht an seiner Seite, dann wird alles recht werden. Laßt euch alles von ihm lehren, laßt euch in  allem von ihm beraten. Er ist der treue Freund, der mit euch gehen wird, der euch lenken wird, der sich um euch annehmen wird. Von ganzem Herzen bitte ich ihn um diese Gnade. Franz von Sales

Parallelstellen zum Vers Mt 27,37: 27,11; Kol 2,14

Mt 27,38: ‭Dann wurden mit ihm zwei Räuber gekreuzigt, einer zur Rechten, der andere zur Linken.‭

Mit ihm zwei Räuber gekreuzigt

Dies erfüllt Jesaja 53,12, wo der Messias unter die Übeltäter gezählt wird. Die Szene betont Jesu Erniedrigung und seine Identifikation mit Sündern. Während die Menschen ihn verhöhnten, bietet Jesus selbst am Kreuz Gnade an (vgl. Lk 23,39–43). Die zwei Räuber symbolisieren zudem die zwei möglichen Reaktionen auf Jesus: Annahme oder Ablehnung. Ihre Platzierung neben ihm verdeutlicht, dass er inmitten von Sündern starb, um sie zu erlösen. Diese Stelle offenbart sowohl Jesu Leiden als auch seine rettende Mission, die trotz seiner Schmach weiterhin wirksam bleibt.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,38: 27,38–43: Mk 15,27–32; Lk 23,35–38; Joh 19,16–27; – Jes 53,12

Mt 27,39: Aber die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten den Kopf.

Unglaube der Vorübergehenden

Wenn das Kreuz die Liebe Gottes offenbart, so offenbart es auch die Verdorbenheit des Menschen. Die Vorübergehenden nahmen sich die Zeit, den Hirten zu verspotten, als er für die Schafe starb: Wenn du Gottes Sohn bist, so steige her ab vom Kreuz. Das ist die Sprache rationalistischen Unglaubens. Wir glauben nur, was wir sehen. Steige herab vom Kreuz, mit anderen Worten: Nimm den Anstoß des Kreuzes weg, und wir werden glauben. Sie behaupteten, sie würden glauben, wenn er vom Kreuz herunterkäme, aber wir glauben, weil er oben blieb. MacDonald

Parallelstellen zum Vers Mt 27,39: Ps 22,7.8; 109,25

Mt 27,40: Wenn du Gottes Sohn bist, so steige vom Kreuz herab!

Versuchung

In allem und über sein Leben hinweg wurde Jesus versucht bis hin zu seiner letzten Stunde am Kreuz.  Am Ende auf Golgotha am Kreuz hätte er vom Kreuz steigen können. Dem Teufel ging es um nicht weniger, als Jesus von seinem Weg als Sohn Gottes abbringen. Jesus tat es allein deshalb nicht, weil er uns zutiefst liebt und zutiefst unser Heil möchte. Ja: Für mich und aus Liebe zu mir, blieb er am Kreuz hängen, stieg nicht hinunter, sondern war gehorsam bis in den Tod. Für mich! Wenn Jesus vom Kreuze gestiegen wäre, dann gäbe es keine Vergebung der Sünden. Dann gäbe es keinen Frieden mit Gott. Oh Herr und Heiland, geliebter Jesus!

Der, zu dem wir beten, Kennt unsere Gefühle. Er weiß, was Versuchung ist. Max Lucado

Parallelstellen zum Vers Mt 27,40: abbrichst 26,61; bist 4,3

Mt 27,41: ‭Gleicherweise spotteten aber auch die obersten Priester samt den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen:

Mt 27,42: ‭Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten! Ist er der König Israels, so steige er nun vom Kreuz herab, und wir wollen ihm glauben!

Im Mittelpunkt des Königtums Jesu Christi steht das Geheimnis seines Todes und seiner Auferstehung

Am Kreuz wird er als König verspottet. Paradoxerweise ist das Kreuz, dem sich Jesus frei auslieferte, das Zeichen seines Königtums. Weil er sich zum Sühneopfer hingab, wird Jesus zum König für alle Menschen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Dieses paradoxe Königtum bezeugen und verkündigen wir, indem wir seinem Weg folgen, seine Logik annehmen, die Logik der Demut und des Dienstes, des Weizenkorns, das stirbt, um Frucht zu bringen. Ahme seine Demut und seinen Dienst nach!

Gott tritt nicht im Stil einer königlichen Repräsentation auf, sondern im Stil von Bethlehem und Golgatha. Paul Deitenbeck

Parallelstellen zum Vers Mt 27,42: Lk 4,23; König Joh 1,49

Mt 27,43: ‭Er hat auf Gott vertraut; der befreie ihn jetzt, wenn er Lust an ihm hat; denn er hat ja gesagt: Ich bin Gottes Sohn!‭

Weiterer Spott

Inmitten Seiner überwältigenden Zurschaustellung von Liebe wurde Jesus nicht geehrt. Stattdessen wurde Er gelästert und Seine Feinde spotteten. Bezeichnenderweise verspotteten sie Jesus dafür, wer er wirklich war und ist. Sie verspotteten ihn als Retter. Sie verspotteten ihn als König. Sie verspotteten ihn als einen Gläubigen, der auf Gott vertraute. Sie verspotteten ihn als den Sohn Gottes.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,43: Ps 22,9

Mt 27,44: ‭Ebenso schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren.‭

Parallelstellen zum Vers Mt 27,44: Mk 15,32; Lk 23,39–43

Mt 27,45-56: Jesus stirbt am Kreuz

Christliche Bibel – Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 27,45-56

Parallelstellen: Mk 15,33-41; Lk 23,44-49; Joh 19,28-37

Mt 27,45: ‭Aber von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.‭

Finsternis

Diese dreistündige Dunkelheit symbolisiert das göttliche Gericht und den Ernst von Jesu Kreuzigung. Die sechste bis neunte Stunde (12–15 Uhr) war normalerweise die hellste Zeit des Tages, doch hier wird sie zur tiefsten Finsternis – ein Zeichen für das Leid und die Trennung Jesu von Gott.

Theologisch deutet diese Dunkelheit auf alttestamentliche Gerichtsmotive hin (Amos 8,9) und verweist auf das große eschatologische Ereignis. Sie verdeutlicht die Tragweite des Sühneopfers Jesu für die Sünden der Welt. Zudem spiegelt sie den Schmerz der Schöpfung wider, die auf den Tod des Messias reagiert. In diesem Moment trägt Jesus die Sünde der Welt und erlebt die Gottverlassenheit.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,45: 27,45–54: Mk 15,33–39; Lk 23,44–48; Joh 19,28–30; – Am 8,9

Mt 27,46: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Psalm 22

Jesus betet hier den großen Psalm 22, der mit diesem Vers beginnt. So nimmt er alle an der Verborgenheit Gottes leidenden Menschen dieser Welt in sich hinein. Er trägt den Notschrei der Welt vor das Herz Gottes selber hin. Die ganze Passion ist in dem Psalm gleichsam vorab geschildert: die öffentliche Demütigung, der Hohn und das Kopfschütteln der Spötter, die Schmerzen, der entsetzliche Durst, das Durchbohren der Hände und Füße und das Verlosen der Kleider.

Aber nicht nur die Passion, sondern auch die Gewissheit der Erhörung, die sich zeigen wird in der Auferstehung, ist im Psalm enthalten. Der Ruf in der äußersten Not ist zugleich Gewissheit der göttlichen Antwort, Gewissheit des Heils – nicht nur für Jesus selbst, sondern für viele.

Worte von Papst Franziskus

In der tragischsten Stunde erlebt Jesus das Gefühl von Gott verlassen zu sein. Nie zuvor hatte er den Vater mit dem allgemeinen Namen Gott angerufen. Um uns die Wucht dieses Ereignisses zu vermitteln, gibt das Evangelium den Satz auch auf Aramäisch wieder: Dieser ist der einzige von den Sätzen, die Jesus am Kreuz gesagt hat, der uns in der Originalsprache überliefert ist.

Das reale Ereignis ist die extreme Erniedrigung, also die Verlassenheit durch seinen Vater, die Verlassenheit durch Gott. Der Herr leidet aus Liebe zu uns so sehr, dass es für uns schwierig ist, es überhaupt zu begreifen. Er sieht den Himmel verschlossen, er erlebt die bittere Grenze des Lebens, den Schiffbruch der Existenz, den Zusammenbruch jeder Gewissheit: er schreit dieses „Warum“ schlechthin. „Du, Gott, warum?“

Parallelstellen zum Vers Mt 27,46: Ps 22,2; 69,27; 88,17; Jes 53,10

Mt 27,47: Etliche der Anwesenden sprachen, als sie es hörten: Der ruft den Elia!‭

Der missverstandene Jesus

Eines der ersten Dinge, die wir über Jesus wissen, war, dass er missverstanden wurde. Als Joseph und Maria ihn in Jerusalem zurückließen, verstanden sie nicht, dass er sich um die Geschäfte seines Vaters kümmern musste. Jetzt, am Ende seines irdischen Wirkens, wird er auch am Kreuz missverstanden. Jesus wusste, was es bedeutete, wenn seine Beweggründe missverstanden wurden. Er heilte Menschen, und andere sagten, er habe es durch den Teufel getan. Er streckte die Hand nach Sündern aus, und die Leute nannten ihn ein betrunkenes Schwein. Auch die Motive der Nachfolger Jesu werden manchmal missverstanden.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,47: 17,10–13

Mt 27,48: ‭Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken.‭

Parallelstellen zum Vers Mt 27,48: Wein 27,34; Ps 69,22

Mt 27,49: ‭Die Übrigen aber sprachen: Halt, lasst uns sehen, ob Elia kommt, um ihn zu retten!‭

Lasst uns sehen, ob Elia kommt

Die Erwartung, dass Elija kommt, wurzelt in der jüdischen Tradition (Mal 3,23). Doch die Menge verkennt Jesu wahre Identität und sein Werk der Erlösung. Diese Szene verdeutlicht das Unverständnis der Menschen für Gottes Heilsplan: Statt göttliches Eingreifen zu erwarten, verhöhnen sie Jesus. Doch gerade durch sein Leiden und Sterben wird die Erlösung vollbracht. Der Vers lädt zur Reflexion ein: Erkennen wir Jesus als den verheißenen Retter oder begegnen wir ihm mit Zweifel?

Mt 27,50: ‭Jesus aber schrie nochmals mit lauter Stimme und gab den Geist auf.‭

Jesus am Kreuz

Ich überlege vor allem, wer der ist, der so hangend erhöht ist, und sehe durch die Inschrift, dass es Jesus von Nazaret, der König der Juden, ist. Ist das also, sage ich, der große Jesus, der so viele Wunder gewirkt, sein ganzes Leben gepredigt und Akte der Tugend gemacht hat? Ist das der Sohn des ewigen Gottes, der der Herr des Himmels und der Erde ist? Und wieso hängt er nun am Kreuz? Konnte er nicht auf tausend ehrenhaftere Arten sterben, die sanfter und erträglicher sind, wenn er schon sterben wollte?

Man muss wohl sagen, dass dieser Tod eine bestimmte verborgene Schönheit besitzt, da er vom Sohn Gottes selbst gewählt wurde. Welcher Bewunderung wird oder kann dieses Wunder würdig sein? Ich betrachte die Haltung des Erlösers, an der ich höchste Güte und Sanftmut sehe. Seine Augen sind durch die Schmerzen keineswegs getrübt und durch die Kränkungen nicht erzürnt. O wie gütig ist dieses Lamm! Wer wird mir die Gnade geben, dass ich inmitten von Mühen und Kränkungen ebenso sein kann? Franz von Sales

Er gab sein Leben auf, weil er es wollte, wann er es wollte und wie er es wollte. Augustinus

Parallelstellen zum Vers Mt 27,50: Joh 10,18

Mt 27,51: ‭Und siehe, der Vorhang im Tempel riss von oben bis unten entzwei, und die Erde erbebte, und die Felsen spalteten sich.‭

Zerreißen des Vorhangs

Der Schleier trennte den heiligen Ort vom Allerheiligsten im Tempel. Es war eine anschauliche Demonstration der Trennung zwischen Gott und Mensch. Bemerkenswerterweise wurde der Schleier von oben bis unten zerrissen und es war Gott, der das Zerreißen bewirkte. Es war kein geringes Wunder, dass der schwere und dicke Vorhang zerriss. Aber dieses Wunder sollte nicht nur ein bloßes Zeugnis der Macht Gottes sein, sondern es wird uns in demselben mancherlei geoffenbart. Das alte Gesetz der Opfergottesdienste wurde abgetan und wie ein abgetragenes Kleid zerrissen und beiseite gelegt. Als der Herr Jesus starb, wurden alle Opfer vollendet, weil in Ihm alles Seine Erfüllung fand. Deshalb wurde die Stätte ihrer Darbringung mit einem sichtbaren Zeugnis des Verfalls bezeichnet.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,51: Ex 26,31–33; 40,21; 2Chr 3,14; Hebr 9,3; 9,8; 10,19.20; erschütt. 28,2

Mt 27,52: ‭Und die Gräber öffneten sich, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt

Die Gräber öffneten sich

Diese Stelle wird unterschiedlich ausgelegt. Manche sehen sie als wörtliches Wunder, das Jesu Sieg über den Tod zeigt. Andere deuten sie symbolisch als Hinweis auf die kommende Auferstehung. Die Auferstandenen erscheinen erst nach Jesu eigener Auferstehung (Vers 53), was seine Vorrangstellung betont. Theologisch unterstreicht die Passage, dass Jesu Tod eine Zeitenwende markiert: Die Macht des Todes wird gebrochen, das neue Leben beginnt. Die Erwähnung „Heiliger“ betont, dass es um die Gläubigen geht, die auf das Heil warteten. So zeigt die Stelle die Verbindung von Jesu Sterben mit der Hoffnung auf die endgültige Auferstehung.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,52: 2Kön 13,21

Mt 27,53: ‭und gingen aus den Gräbern hervor nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen.

Geöffnete Gräber

Wie aber der tote Lazarus wiederum auflebte, so standen auch viele Leiber der Heiligen auf, um die Auferstehung des Herrn zu zeigen, und doch standen sie, als sich die Gräber öffneten, nicht eher auf, als der Herr ausstand, damit er der Erstgeborne der Auferstehung von den Toten wäre. Goldene Perle

Parallelstellen zum Vers Mt 27,53: Heiligen4,5

Mt 27,54: ‭Als aber der Hauptmann und die, welche mit ihm Jesus bewachten, das Erdbeben sahen und was da geschah, fürchteten sie sich sehr und sprachen: Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn!‭

Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn!‭

Dies ist ein Höhepunkt der Passionserzählung, da gerade ein heidnischer Offizier, nicht ein Jünger oder Pharisäer, diese Erkenntnis gewinnt.

Theologisch zeigt dies, dass Jesu Tod nicht Niederlage, sondern Offenbarung ist. Der Glaube weitet sich über Israel hinaus. Der Hauptmann steht stellvertretend für die Heiden, die später das Evangelium annehmen. Die Naturgewalten unterstreichen Gottes Macht und bestätigen Jesu Identität als Sohn Gottes. So markiert Matthäus 27,54 einen Wendepunkt: Jesu Kreuzestod offenbart seine wahre Herrlichkeit.

Mt 27,55: ‭Es waren aber dort viele Frauen, die von ferne zusahen, welche Jesus von Galiläa her gefolgt waren und ihm gedient hatten;

Es waren aber dort viele Frauen

Ihre Anwesenheit zeigt ihre Treue und Hingabe, auch in Jesu schwerster Stunde. Während viele Jünger geflohen waren, blieben sie standhaft. Ihre Rolle betont die Bedeutung der Frauen im Jüngerkreis und in der frühen Kirche.

Theologisch weist die Szene auf Jesu Leiden hin, das er für alle Menschen ertrug. Die Frauen sind stille Zeuginnen der Heilsgeschichte und werden später die ersten Zeuginnen der Auferstehung sein (Mt 28,1-10). Ihre Treue wird belohnt.

Mt 27,56: ‭unter ihnen waren Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus und Joses, und die Mutter der Söhne des Zebedäus.

Mut der Frauen

Zu ihrer ewigen Ehre bewiesen diese Frauen mehr Mut und liebevollere Zuneigung zu ihrem Herrn und Meister als die Jünger, die versprochen hatten, mit ihm zu sterben , anstatt ihn zu verlassen.

Diese Frauen betrachteten aber das, was geschah, weil sie sehr mitleidig waren. Und betrachte ihre Standhaftigkeit. Sie folgten, um ihm zu dienen, und waren bis zu den Gefahren bei ihm, so daß sie den größten Mut zeigten, weil sie, während die Jünger flohen, bei ihm waren. Goldene Perle

Parallelstellen zum Vers Mt 27,56: 27,55.56: Mk 15,40.41; Lk 23,49; Joh 19,24–27; – Lk 8,2.3; 23,55

Mt 27,57-61: Jesus wird ins Grab gelegt

Christliche Bibel – Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 27,57-61

Parallelstellen: Mk 15,42-47; Lk 23,50-56; Joh 19,38-42

Mt 27,57: ‭Als es nun Abend geworden war, kam ein reicher Mann von Arimathia namens Joseph, der auch ein Jünger Jesu geworden war.‭

Parallelstellen zum Vers Mt 27,57: 27,57–61: Mk 15,42–47; Lk 23,50–56; Joh 19,38–42; – Dtn 21,22.23

‭Mt 27,58: Dieser ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, dass ihm der Leib gegeben werde.‭

Mt 27,59: ‭Und Joseph nahm den Leib, wickelte ihn in reine Leinwand

Joseph nahm den Leib

Jesus wird ehrenvoll bestattet, trotz seiner Verurteilung. Josef, zuvor eher im Verborgenen, tritt nun öffentlich auf – ein Zeichen seines wachsenden Glaubens. Seine Reichtumserwähnung erfüllt zudem Jesaja 53,9, wonach der Messias bei Reichen begraben wird. Der Vers betont auch Gottes Vorsehung: Selbst im Tod sorgt Er für Jesus. Dies ermutigt Christen, in schweren Zeiten Glauben zu zeigen und für das Richtige einzutreten, auch wenn es Mut erfordert.

Mt 27,60: ‭und legte ihn in sein neues Grab, das er im Felsen hatte aushauen lassen; und er wälzte einen großen Stein vor den Eingang des Grabes und ging davon.

Jesus im Grab

Eingehüllt in das Leinentuch, das Grabtuch, gleitet der gekreuzigte und gequälte Leib Jesu langsam aus den barmherzigen und liebevollen Händen Josefs von Arimathäa in das Felsengrab. In den Stunden der Stille, die nun folgen, wird Christus wirklich wie alle anderen Menschen sein, die in den dunklen Schoß des Todes, der Leichenstarre, des Endes vordringen.

Fremdes Grab

Der Erlöser wird aber in ein fremdes Grab gelegt, weil er als Heiland für unser Heil starb. Wozu ihm ein eigenes Grabmal auf der Erde errichten, dessen Thron doch im Himmel ist?

Neues Grab

Er kam aus dem Schoß einer Jungfrau in die Welt. Er kam wieder hervor aus einem jungfräulichen Grab. In dieses Grab war noch nie ein Leichnam gelegt worden, so dass, wenn ein Leichnam herauskam und das Grab leer war, keine Verwirrung darüber bestand, welcher Leichnam herauskam.

Worte der goldenen Perle

Und er legte ihn in ein neues Grab, das er in den Felsen hatte aushauen lassen. Der Erlöser wird aber darum in ein fremdes Grab gelegt, weil er für das Heil Anderer starb; wozu sollte er in sein eigenes Grab gelegt werden, der da an sich keinen eigenen Tod hatte? Wozu ihm ein Grabmal auf der Erde errichten, dessen Thron im Himmel blieb? Wozu ihm ein eigenes Grab, welcher nur drei Tage nicht so fast tot lag, als wie in einem Bette ruhte? Das Grab ist aber die Wohnung des Todes. Es bedurfte also Christus, welcher das Leben ist, nicht der Wohnung des Todes, und der immer Lebende bedurfte nicht der Wohnung der Verstorbenen. Goldene Perle

Mt 27,61: ‭Es waren aber dort Maria Magdalena und die andere Maria, die saßen dem Grab gegenüber.‭

Parallelstellen zum Vers Mt 27,61: 27,56

Mt 27,62-66: Wachen werden aufgestellt

Christliche Bibel – Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 27,62-66

Mt 27,62: ‭Am anderen Tag nun, der auf den Rüsttag folgt, versammelten sich die obersten Priester und die Pharisäer bei Pilatus

Mt 27,63: ‭und sprachen: Herr, wir erinnern uns, dass dieser Verführer sprach, als er noch lebte: Nach drei Tagen werde ich auferstehen.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,63: Joh 7,12; 7,47; 2Kor 6,8; erweckt 16,21; Joh 2,19

Mt 27, 64: ‭So befiehl nun, dass das Grab sicher bewacht wird bis zum dritten Tag, damit nicht etwa seine Jünger in der Nacht kommen, ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist aus den Toten auferstanden!, und der letzte Betrug schlimmer wird als der erste.‭

Befiehl nun, dass das Grab sicher bewacht wird

Matthäus 27,64 bezieht sich auf die Bitte der Hohenpriester und Pharisäer an Pilatus, das Grab Jesu zu sichern. Sie fürchten, dass die Jünger seinen Leichnam stehlen und behaupten könnten, er sei auferstanden. Diese Sorge zeigt ihren Unglauben, aber auch, dass sie Jesu Auferstehungsankündigung kannten. 

Ironischerweise trägt ihre Maßnahme zur Bestätigung der Auferstehung bei: Die römische Bewachung macht einen Diebstahl unmöglich, sodass das leere Grab ein starkes Zeugnis für das Wunder ist. Ihre Furcht offenbart ihre Schuld und die Macht Jesu, selbst nach dem Tod. So zeigt der Vers, dass menschliche Absicherungen Gottes Plan nicht aufhalten können. Gottes Wahrheit triumphiert über jede menschliche List.

Parallelstellen zum Vers Mt 27,64: 28,13

Mt 27,65: Pilatus aber sprach zu ihnen: Ihr sollt eine Wache haben! Geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt!

Bewachung des Grabs

Lag nicht Ironie in der Stimme des Pilatus, als er sagte: Sichert es, so gut ihr könnt? Sie taten ihr Bestes. Sie versiegelten den Stein und stellten die Wache auf, aber ihre besten Sicherheitsvorkehrungen reichten eben doch nicht aus. Unger sagt: Die Vorsichtsmaßnahmen, die seine Feinde trafen (Versiegelung des Grabes, Aufstellen einer Wache) mussten am Ende dazu dienen, dass Gott die Pläne der Gottlosen zunichte machte, und brachten den unwiderlegbaren Beweis für die Auferstehung des Königs.

Mt 27,66: ‭Da gingen sie hin, versiegelten den Stein und bewachten das Grab mit der Wache.‭

Parallelstellen zum Vers Mt 27,66: 28,4; 28,11–15; versiegelt. Dan 6,18

Hier geht’s zu einer Auslegung von G. de Koning zu Mt 27. Kap.

Das war eine Christliche Bibel – Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 27. Kap.

Mt 27