
Neid und Gier
Inhaltsverzeichnis
1. Die Gier und der Neid
Wenn sie (deine Augen) aber durch Neid oder Habgier getrübt sind, ist es dunkel in dir. Mt 6:23
Schaust du manchmal neidisch oder gierig auf andere? Wenn nicht, dann freue ich mich mit dir. Ich gehöre nicht dazu.
Bei mir sind es gar nicht materielle Dinge, bei denen ich in diese Versuchung tappe, sondern meist betrifft es die Charaktereigenschaften des anderen: wau, kann der reden, mann ist der witzig … so wäre ich gerne auch.
Ertappe ich mich dabei, kann ich das mit Gottes Kraft schnell wieder gerade rücken. Denn diese neidischen Vergleiche sind nicht gut. Ich will mehr und werde im Anhaften an dieses Begehren unfrei.
Gott möchte keine Kopien, er möchte das Original: dich!
Frage: Welche einzigartigen Eigenschaften in dir darfst du heute bewusst wertschätzen, ohne dich mit anderen zu vergleichen?
2. Die Versuchung des Vergleichens
Alles Böse erwächst aus der Habgier. 1. Tim 6:10
Ein Spruch der Wüstenväter lautet: “Was muss ich tun, Vater? Schweige, und vergleiche dich nicht mit den anderen.”
Neid entsteht dadurch, dass wir uns mit anderen vergleichen, und das kann sich auf alles beziehen: Geld, Auto, Haus, Kleidung, Freunde, Gesundheit, Glück, Aussehen, Intelligenz, Erfolg, Persönlichkeit usw.
Im Neid sind wir nicht bei uns selbst und wohnen nicht in der Ruhe Gottes, sondern richten den Blick auf die anderen. Darin liegt das Leid und die innere Not.
Wenn die Versuchung des Vergleichens in dir aufsteigt, widerstehe ihr, denn “selbstsüchtige Wünsche, die Gier […] all dies kommt nicht von Gott, unserem Vater, sondern gehört zur Welt.” (1. Joh 2:16)
Vielmehr:
Suche nichts außer Ihn. Er genügt dir! Du magst habgierig sein, soviel du willst: Gott ist genug. (Augustinus)
Frage: Welche inneren Quellen der Zufriedenheit kannst du in dir entdecken, unabhängig von dem, was andere haben oder sind?
3. Gegengift: Zufriedenheit
Seid zufrieden mit dem, was ihr habt. Heb 13:5
Habgier ist ein Loch ohne Boden, das Menschen durch endlose Anstrengung erschöpft, das Bedürfnis zu befriedigen, ohne jemals Zufriedenheit zu erreichen. Ein wichtiges Gegengift ist das Zufriedensein mit dem, was du hast. Das ist eine Entscheidung, die du bewusst fällen kannst.
Ja, auch wenn nicht alles immer so ist, wie wir es uns wünschen, gehe heute in dich und zähle innerlich auf, worin dich Gott schon überreich beschenkt hat. Konzentriere dich auf das halbvolle Glas, nicht auf das halbleere. Konzentriere dich auf das, was du hast, und nicht auf das, was du nicht hast.
Es ist für mich erstaunlich, wie lang auf einmal meine Liste wurde. Ich bin mir sicher, das wird sie bei dir auch!
Frage: Wofür in meinem Leben darf ich heute bewusst Dankbarkeit empfinden und wie verändert das meine Sicht auf die Dinge?
4. Gegengift: Memento Mori
Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen. Ps 90,12
Memento mori, gedenke, dass du sterben wirst. Das, wonach wir uns gierig-neidisch im materiellen, psychischen und spirituellen Bereich sehnen, wird vergehen. Wir gehen irgendwann alle gleich von dieser Welt. Das im Tiefsten zu erkennen und zu fühlen, verändert unser Leben, wie wir jeden Tag begehen. Darum: Memento Mori! So mahnt uns auch Teresa von Avila:
“Gedenke, dass du nur eine Seele hast und nur einmal sterben wirst; dass du nur ein Leben, und zwar ein kurzes, dir selbst eigenes Leben hast, dass es nur eine, und zwar ewige Glorie gibt! Auf diese Weise wirst du von vielen Dingen lassen.“
5. Gegengift: Geben
Die Frau schaute den Baum an. Er sah schön aus! Es wäre bestimmt gut, von ihm zu essen, dachte sie. Seine Früchte wirkten verlockend, und klug würde sie davon werden! 1. Mose 3:6
Die Gier steht am Beginn unserer Geschichte. Bei Eva im Paradies erwacht ein Begehren nach etwas, das sie nicht braucht und dennoch haben will. Die Lebensbedingungen im Paradies waren vollkommen, und dennoch war alles, was Gott den beiden gegeben hatte, nicht genug.
Wirke dem entgegen: Du wirst in deiner Gottverbundenheit wachsen, wenn du das, was du besitzt, nicht als dein Eigentum betrachtest, sondern als Geschenk Gottes, das du mit anderen teilen willst und kannst. Die Großzügigkeit bricht die Macht von Gier im Herzen, denn “nicht der ist reich, der viel hat, sondern der, der viel gibt.” (E. Fromm)
Frage: Wie könntest du in deinem Alltag mehr erleben, dass das Teilen und Geben deine Verbindung zu Gott und zu anderen stärkt?
6. Gegengift: Dankbarkeit
Seid immer voller Dankbarkeit! Kol 2:7
Das beste Heilmittel gegen den Neid ist der dankbare Blick auf das, was einem selbst geschenkt wurde. Wenn wir mit unseren eigenen Gaben Frieden schließen, werden wir uns nicht ärgern. In dem Herzen, das stets Dankbarkeit erweist, verbleibt die Gnade. Isaak der Syrer
Dankbarkeit besänftigt die Gier nach Neuem und verringert Konsumbedürfnis und Reizhunger. Sie lässt einen für einen Moment innehalten und mit dem Erreichten zufrieden sein. Das bedeutet Entspannung.
Frage: Welche kleinen Dinge in deinem Leben verdienen heute deine aufrichtige Dankbarkeit und wie könntest du sie bewusst wahrnehmen?
7. Gegengift Liebe
Jeder soll auch auf das Wohl der anderen bedacht sein, nicht nur auf das eigene Wohl. Phil 2, 4-5
Neid ist die Sünde des Unbehagens über das Glück des Nächsten. Wenn wir unser Leben voll danach ausrichten, selbst gut da zu stehen, machen wir uns selbst zur Nummer Eins.
Gott dagegen möchte, dass wir in Liebe uns selbst wie auch den Anderen im Blick haben.
„Wie die Wurzel allen Übels die Ichsucht ist, so ist auch die Wurzel alles Guten die Liebe. Ohne sie ist der Reiche arm, mit ihr ist der Arme reich.“ (Augustinus)
Jeden Tag gilt es neu zu erkennen und zu glauben: Mit Gott ist überall gut sein. Ohne Ihn nirgends, denn Gott IST die Liebe.
Frage: Wie könnte sich mein Leben verändern, wenn ich Liebe als den wahren Reichtum in jedem Moment erkenne?
