Leid

Leid – Christliche Andacht

Christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Leid

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1. Das Leid als Prüfung

Ihr wisst ja, dass ihr durch solche Bewährungsproben für euren Glauben Standhaftigkeit erlangt.‭ Jak 1,3

Dein Leid ist eine Prüfung, eine Zeit, in der sich dein Glaube bewähren muss, du kannst es als Herausforderung verstehen, daran zu reifen. Von Christus kannst du lernen, wie du dein Leid überwindest, indem du es trägst. Dies ist gerade im schweren, unveränderbaren Leiden der einzige Weg.

Christliche Wahrheit ist, dass nicht die Flucht vor dem Leiden den Menschen heilt, sondern die Fähigkeit, die Schwierigkeiten anzunehmen und an ihnen zu reifen, indem man in ihnen durch die Vereinigung mit Christus einen Sinn findet. „Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst.“ (Goethe) und dieses Leben ist Christus selbst.

Alles Leid, das mit Jesus Leiden vereinigt wird, hat immer großen Wert. Damit dein Leid Früchte hervorbringen kann, muß es angenommen, erlitten und mit Jesus Leiden vereinigt werden.

Frage: Wo spüre ich in meinem eigenen Leid eine Einladung, mich Christus anzuvertrauen und innerlich zu wachsen?

2. Im Leiden mit Christus vereint

Durch das Leiden erfahren wir am eigenen Leib ständig den Tod von Christus, damit auch sein Leben an unserem Körper sichtbar wird. 2 Kor 4,10

Zur menschlichen Existenz gehört das Leiden. Es folgt aus unserer Endlichkeit. Das Leid können wir zwar versuchen zu begrenzen, zu bekämpfen, aber wir können es nicht aus der Welt schaffen.

Daher: Nicht die Vermeidung des Leidens, nicht die Flucht vor dem Leiden heilt den Menschen, sondern die Fähigkeit, das Leiden anzunehmen und in ihm zu reifen, in ihm Sinn zu finden durch die Vereinigung mit Christus, der mit unendlicher Liebe gelitten hat.

Es kommt immer und überall darauf an, den Herrn aufzunehmen, der uns stets entgegenkommt in den Ereignissen des Lebens, in der Freude und im Schmerz, in der Gesundheit und in der Krankheit. Sein Vorübergehen ist immer eine Quelle des Friedens, und wenn das Leid manchmal unerträglich wird, so gilt mit dem Kommen des Herrn: Leid wird – ohne aufzuhören, Leid zu sein – dennoch zu Lobgesang.

Wenn wir die Nähe des lebendigen Christus spüren, so haben wir das Heilmittel des Leidens, so ist seine Freude gegenwärtig. Benedikt XVI

Frage: Wie verändert sich mein Blick auf eigenes Leid, wenn ich darin die leise Nähe Gottes zu erkennen versuche?

3. Geduldig Leiden tragen

‭Nehmt euch die Propheten, die im Namen des Herrn gesprochen haben, als Beispiel. Wie standhaft haben sie ihre Leiden getragen!‭ Jak 5,10

Der Weg zum inneren Frieden beinhaltet immer auch den Weg des Kreuzes. Du wirst meist an etwas zu leiden haben, ob es dir recht ist oder nicht. Immer wirst du das Kreuz finden. Entweder hast du körperlich zu leiden oder du fühlst dich seelisch bedrängt. Einmal fühlst du dich von Gott verlassen, ein andermal vom Nächsten geplagt und oft bist du dir selber die größte Last.

Unterwerfe dich in allem Leid immer ganz Gott und wachse durch das Leid in der Demut.

Überall aber musst du Geduld und Mut im Leid bewahren, wenn du inneren Frieden möchtest.

In Mühen und Schwierigkeiten sein Herz weiten und seinen Mut vergrößern, denn dazu schickt Gott sie und lässt er sie zu. Franz von Sales

Der Glaube lässt sich nicht entmutigen, sondern harrt in Geduld aus. Er erwartet den versprochenen Segen zu seiner Zeit. Chapman

Frage: Wo in meinem aktuellen Lebensweg lädt mich Gott ein, Leid nicht zu verdrängen, sondern es als Möglichkeit inneren Wachstums zu erkennen?

4. Leiden stärkt

Weil wir Christus gehören und ihm dienen, müssen wir viel leiden, aber in ebenso reichem Maße erfahren wir auch seine Hilfe. 2 Kor 1,5

Leben in der vollkommenen Freude bedeutet nicht, dass das Leben einfach oder schmerzlos ist.
Das Leiden gehört zum Leben dazu und kann es verbittern.
Es anzunehmen ist oft sehr schwer.
Zugleich ist es aber immer auch Chance.

Denn wenn wir akzeptieren, dass das Leben ist, wie es ist, und nicht, wie es unserer Ansicht nach sein sollte, festigt das unseren Glauben an den auferstandenen Herrn, der unser tiefster Freudensgrund ist.
Ich bin mir bewusst, dass das eine wirklich harte Nuss ist, aber wir kommen nicht daran vorbei, hier einen Weg zu finden. Denn das Leid ist da.
Bitten wir den Herrn um Kraft und Weisheit!

Frage: Wie kann ich mitten im Leiden die leise Gegenwart Gottes in meinem Leben wahrnehmen und mich von ihr führen lassen?

5. Mit Christus leiden

Freut euch vielmehr darüber, dass ihr so Anteil an den Leiden des Messias habt. Denn wenn er dann in seiner Herrlichkeit erscheint, werdet ihr mit Jubel und Freude erfüllt sein. 1 Petr 4,13

In unserem Leid sind wir nicht allein, sondern wir leiden mit Christus und er mit uns. Und wir leiden mit unserem Nächsten. Nicht die Flucht vor dem Leiden heilt den Menschen, sondern die Fähigkeit, das Leiden anzunehmen und in ihm zu reifen, in ihm Sinn zu finden durch die Vereinigung mit Christus, der mit unendlicher Liebe gelitten hat.

Das Annehmen des anderen, der leidet, bedeutet, dass ich mir sein Leid selbst zueigne, dass es auch mein Leiden wird. Dadurch, dass es nun geteiltes Leid geworden ist, dringt das Licht der Liebe in dieses Leiden ein. Und eben das ist Grund zur Freude und Jubel.

Alles, aber wirklich alles, was dir an einem Tag an „kleinen“ Leiden (Streß, Beleidigungen, Unwohlsein etc.) widerfährt oder wo du in einem großen Leiden steckst, kannst, darfst und sollst du ihm übergeben. Herr, du siehst wie ich an diesem oder jenem leide. Ich erbitte deinen Trost und übergebe mich demütig deinem Willen, auch wenn ich vieles nicht verstehe.

Frage: Wo berührt dich dieser Gedanke heute persönlich – und wo öffnet er vielleicht einen Raum, Gott in deinem eigenen Leiden neu zu begegnen?

6. Trost im Leiden erfahren

Ihr werdet zwar leiden müssen wie wir, aber genauso werdet ihr auch Gottes Trost und Ermutigung erfahren. 2 Kor 1,7

So paradox es klingt: Glück kannst du auch im Ertragen von Leid erfahren. Glückselig ist, wer sich auf Leiden und Schmerzen einzulassen bereit ist. Das Leid zu ertragen, dazu kann man sich entscheiden.
Lasst uns aktiv und bewusst Leiden ertragen.

Vorsicht! Das bedeutet nicht eine Glorifizierung des Leides. Veränderbares Leiden, das beseitigt werden kann, sollte beseitigt werden.

Auch Jesus bat in der Nacht vor seinem Tod, dass der Kelch an ihm vorüber ginge, überließ sich dann aber dem Willen Gottes. Ganz bewusst trat er in Freiheit und Gehorsam diesen schweren Weg an, der unabänderlich war, der aber am Ende mit einer erlösten Menschheit und einem Jesus in Herrlichkeit endete.

Welch unaussprechliche Frucht erwuchs aus seinem Leiden! Sein Leiden war der Weg zum Glück der ganzen Menschheit.

Frage: Wo zeigt sich in meinem eigenen Leben ein Leid, das mich – im Vertrauen auf Gott – in eine tiefere Form von Freiheit oder innerem Glück führen könnte?

7. Leidende Schöpfung

Wir wissen ja, dass die gesamte Schöpfung jetzt noch leidet und stöhnt wie eine Frau in den Geburtswehen. Röm 8,22

Typisch für uns ist, dass wir Nöte als Hindernisse betrachten, die uns davon abhalten, so zu sein, wie wir eigentlich sein sollten, nämlich gesund, schön und ohne Sorgen.

Wir betrachten Leid bestenfalls als ärgerlich, schlimmstenfalls als völlig sinnlos und eine Zumutung. Wir sind bestrebt, unsere Schmerzen loszuwerden, egal wie.

Mir wurde klar, dass Heilung beginnt, wenn wir unseren Schmerz aus seiner teuflischen Isolation herausholen und erkennen, dass wir gemeinsam mit der ganzen Menschheit, ja sogar mit der gesamten Schöpfung leiden.

Der Weg durchs Leid besteht nicht darin, es zu leugnen, sondern ganz und gar mitten darin zu leben. Unser angestrengtes Bemühen, uns von unserem eigenen Leiden abzukoppeln, führt dazu, dass wir uns auch von dem Leiden Gottes für uns abkoppeln.

Frage: Wo in deinem eigenen Leben spürst du, dass angenommenes Leid zu einer tieferen Verbindung mit dir selbst und dem Göttlichen führen könnte?

8. Das finstere Tal

Und muss ich auch durchs finstere Tal – ich fürchte kein Unheil! Du, HERR, bist ja bei mir; du schützt mich und du führst mich, das macht mir Mut. Ps 23:4

Manchmal werde ich auf ein Wochenthema gleich mehrgleisig hingelenkt: Meine Mutter leidet an ihrem Bewegungsapparat und wird morgen operiert. Meine Schulwoche war eine Katastrophe. Und jetzt steht Ostern vor der Tür, wo Leid und Liebe aufs Engste miteinander verbunden sind.

So soll es in dieser Woche um das Thema “Leid” gehen, Grunderfahrung und Sammelbegriff für alles, was dich körperlich und seelisch belastet. Leid kann häufig nicht genommen werden, wir erfahren Ohnmächtigkeit. Das schmerzt.

Der Trost ist: wir sind nicht allein. Jesus ist da mit seiner Liebe, er gibt uns Kraft voranzugehen. Hört sich einfach an, ist es aber häufig nicht. Ich bete, dass uns der Glaube an den mitleidenden und auferstandenen Christus gerade in den finsteren Tälern von Gott immer neu geschenkt wird, denn ansonsten bliebe nur Verzweiflung. Herr, schenke uns die Gnade des Glaubens.

Frage: Wo berührt mein eigenes Leid gerade meinen Glauben – und wo könnte darin eine leise Einladung Gottes liegen?

9. Liebe und Leiden

Wo viel Gefühl ist , ist auch viel Leid. Leonardo da Vinci

Der Mensch, der über allem steht, non-stop gelassen ist, kann nicht unser Ziel sein. Wenn wir ein Leib sind in Christus, dann hat das weitreichende Konsequenzen.

Wenn du dich innerlich mit einem Mitmenschen in Liebe verbindest, dann ist sein Schmerz dein Schmerz. Wenn wir auf Jesus schauen, dann ist das Ziel spiritueller Praxis diese Liebe, die mitleidet und ein Zeichen unserer Verbundenheit darstellt, aus der heraus wir handeln.

Nur und allein aus Liebe zu uns nahm Jesus das Kreuz entgegen. Doch in dem Kreuz und Mitleiden keimt immer schon die Hoffnung: “Wenn wir am Abend noch weinen und traurig sind, so können wir am Morgen doch wieder vor Freude jubeln.” (Psalm 30:6).
In jedem Leid steckt der Keim der Hoffnung, dass am Ende alles gut wird, diese Verheißung hat uns Gott in der hl. Schrift gegeben.

Frage: Wo spüre ich heute die Verbundenheit mit anderen – und wo lädt Gott mich ein, Hoffnung wachsen zu lassen?

10. Kraft im Leiden

Gott nimmt uns die Last des Lebens nicht ab, aber er gibt die Kraft zum Tragen. John Henry Newman

Dein Leben ist nicht nur Sonnenschein, sondern es hat immer wieder auch mit Leiden zu tun: Krankheiten, Todesfälle, mühsame Arbeit, Streit, Leiden an der eigenen Person u.v.m.

Gott hilft uns nicht immer am Leiden vorbei, aber er hilft uns hindurch, indem er da ist in seiner Kraft.

DAS ist Vertrauen. DAS ist Glaube.

Wie hat es Kardinal Faulhaber so treffend formuliert:
Wir haben nicht die Wahl zwischen einem Leben mit oder ohne Kreuzweg. Wir haben nur die Wahl zwischen einem Lebenskreuzweg mit oder ohne Jesus Christus!

Das bringt es auf den Punkt!

Danke Herr, dass du mir Kraft gibst.

Frage: Wo spüre ich heute die Einladung, mein persönliches Kreuz im Vertrauen auf Gottes Nähe zu tragen?

11. Im Leiden nicht verzweifeln

Zwar bleiben auch dem, der treu zu Gott steht, Schmerz und Leid nicht erspart; doch aus allem befreit ihn der Herr! Psalm 34:20

Es sind die unbequemen Momente, die unseren Glauben an Gott auf den Prüfstand stellen.

Das Aushalten, wenn das Leben unerwartete Wendungen nimmt.

Das Dranbleiben, auch wenn Gott fern scheint.

Das Festhalten an seinen Verheissungen, wenn die Finsternis der Nacht noch über den Tag herrscht.

Hier mag der breite Weg verlockend sein, doch der schmale Weg führt zum Leben. Vielleicht ist er steinig, doch Gott hat seinen Engeln befohlen, dass wir unseren Fuss an keinen Stein stossen werden (Psalm 91,12).

Glaube ist der Vogel, der singt, wenn die Nacht noch dunkel ist. (Rabindranath Tagore)

Frage: In welchen Momenten habe ich bisher den schmalen, manchmal steinigen Weg gewählt, und wie hat mich das innerlich gestärkt?

12. Mit anderen leiden

Wer seinem Nächsten zu Hilfe kommt in seinem Leid, sei es geistlich oder weltlich, dieser Mensch hat mehr getan als derjenige, der von Köln bis Rom bei jedem Meilenstein ein Münster errichtet. Albert der Große

Gerade bei meiner Arbeit mit körperbehinderten Menschen erlebe ich immer wieder auch leidensvolle Situationen. Da klappt es hier mit der Ernährung nicht, woanders ist ein Schüler emotional völlig durch den Wind, und wieder ein anderer wird nun zum x-ten Mal operiert.

Bedenke: in jedem Menschen begegnet dir Christus, vor allem aber im leidenden Menschen.

Mich hat ein Zitat von Mutter Teresa tief geprägt und beeindruckt.

“Ich bin nie das Gefühl losgeworden, dass sich unaufhörlich und überall das Leiden Christi wiederholt. Sind wir bereit, an diesem Leiden teilzuhaben?” (Hl. Mutter Teresa)

Frage: Wie kann ich die Gegenwart Christi im Leid anderer Menschen in meinem eigenen Leben bewusster wahrnehmen?

13. Worte Benedikt XVI über das Leiden

Eine Gesellschaft, die die Leidenden nicht annehmen und nicht im Mit-leiden helfen kann, Leid auch von innen zu teilen und zu tragen, ist eine grausame und inhumane Gesellschaft. Benedikt XVI

In seinem Sohn überlässt uns Gott nicht unseren Ängsten und Leiden, sondern er ist uns nahe, er hilft uns, sie zu tragen, und er möchte unser Herz in der Tiefe heilen.

Er ist gekommen, um Hoffnung zu geben auch im tiefsten Dunkel des Leidens. Die Zeit des Leidens, in der die Versuchung aufkommen könnte, der Entmutigung und der Verzweiflung nachzugeben, kann sich so in eine Zeit der Gnade verwandeln, um in sich zu gehen.

Die Leidenden möchte ich ermutigen, im Glauben, der vom Hören des Wortes Gottes, vom persönlichen Gebet und von den Sakramenten genährt wird, stets einen sicheren Halt zu finden. In alles menschliche Leiden ist ein Mitleidender, Mittragender hineingetreten.

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leiden die Nähe und heilende Kraft Gottes spüren und annehmen?

14. Frieden hinterlasse ich euch

Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht. Joh 14,27

Der Friede, den die Welt gibt, ist ein Friede ohne Drangsal, ein Friede, der mehr Ruhe schenkt als echten inneren Frieden.

Der Friede Gottes hingegen ist ein realer Friede, der mit der Wirklichkeit des Lebens vereinbar ist, der das Leben nicht verleugnet. Denn das Leben ist so: Es gibt Leid und Drangsal. Und dennoch verlieren wir nicht jenen Frieden, der von innen kommt, der ein Geschenk ist. Wir machen weiter, tragen das Kreuz und das Leid.

Ein Friede ohne Kreuz ist nicht der Friede Jesu. Im Umgang mit dem Herrn finden wir den Seelenfrieden, den wir für uns selbst und für die anderen benötigen. Nur er hält den Schlüssel dazu. Alles Glück erfüllt sich in Christus.

Auch wir sehnen uns nach diesem Frieden, weil er uns die Welt realistisch sehen lässt: mit den Augen Gottes.

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben den inneren Frieden finden, der nicht von äußeren Umständen abhängt, sondern von meiner Verbindung zu Gott?

Das war eine christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Leid