Leben mit Gott

Leben mit Gott – Christliche Andacht

Christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Leben mit Gott

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1. Seine Hände öffnen

    Betend breite ich meine Hände zu dir aus, meine Seele verlangt nach dir wie ein ausgetrocknetes Land. Ps 143,6

    Die Hände öffnen: Diese Geste sagt so viel aus. Ständig tun wir etwas, packen etwas an und nehmen etwas konkret oder sprichwörtlich in die Hände. Die Hände zu öffnen, mit offenen Händen vor Gott zu sein, bedeutet los zu lassen. Öffne die Hände. Wir haben nichts in die Welt mitgebracht und werden nichts aus ihr mitnehmen. Wir haben unser Leben nicht wirklich in der Hand. Es liegt allein in Gottes Händen. Ich muss die Gewißheit haben können, in Gottes Hand und nicht in Menschenhänden zu sein. Und mit unseren offenen Händen lassen wir uns von Gott beschenken.

    Gott versucht immer, uns gute Dinge zu geben, aber unsere Hände sind zu voll, um sie zu empfangen. Augustinus

    2. Gott wahrnehmen

    Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden. Ja, wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt will ich mich von euch finden lassen. Jer 29,13-14

    Ich bin fest davon überzeugt: Wir können Gott wahrnehmen. An uns liegt es allerdings, ob wir uns um Offenheit bemühen, wie er sich uns ganz persönlich offenbart. Die Frage ist also nicht, ob Gott sich wirklich bemerkbar macht, ob er sich wirklich zeigt, denn das tut er! Die Frage ist vielmehr, inwieweit wir uns öffnen. Wenn wir unsere Seele gestimmt halten durch Gebet, Achtsamkeit, Erhebungen des Herzens zu Gott und dergleichen, dann werden wir erkennen, wie er sich uns offenbart, mal in einem Bibelwort, mal in einem Wort durch einen anderen Menschen, mal durch eine innere Eingebung. Gottes Offenbarungen an uns sind vielfältig.

    In jeder Seele verborgen oder offen ist das Warten auf Gott da, die Fähigkeit, ihm zu begegnen. Um diese Wachheit, dieses Erwachen für das Eigentliche wollen wir beten, für uns selbst und für die anderen. Benedikt XVI

    3. Leben mit Gott

    Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. Lk 23,43

    Der Glaube sagt uns, daß die wahre Unsterblichkeit, die wir erhoffen, nicht eine Idee, eine Vorstellung ist, sondern eine Beziehung der vollkommenen Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott: es ist das Bleiben in seinen Händen, in seiner Liebe, es ist das in ihm Einswerden mit allen Brüdern und Schwestern, die er geschaffen und erlöst hat, mit der ganzen Schöpfung. Unsere Hoffnung ist gegründet auf die Liebe Gottes, die im Kreuz Christi erstrahlt und im Herzen die Worte des guten Schächers erklingen läßt: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. Das ist das Leben, das zu seiner Fülle gelangt ist: es ist das Leben in Gott; ein Leben, das wir jetzt nur erahnen können, wie man den klaren Himmel durch den Nebel erahnt. Benedikt XVI

    4. Wahrnehmung der Gegenwart Gottes

    Bleibt in meiner Liebe! Joh 15,9

    Die nötigste Übung im geistlichen Leben ist die Wahrnehmung der Gegenwart Gottes: dass man an ihr seine Lust hat und sich an die Gemeinschaft mit Gott gewöhnt; dass man demütig zu ihm spricht und sich mit liebevoller Zuneigung des Herzens mit ihm unterhält. Wir brauchen nicht laut zu schreien; er ist uns näher, als wir meinen. Wir können aus unserem Herzen eine Gebetszelle machen, in die wir uns von Zeit zu Zeit zurückziehen, um uns dort zart, demütig und liebevoll mit ihm zu unterhalten. Alle Menschen können solche vertraulichen Gespräche mit Gott führen.

    Für mich persönlich extrem hilfreich: Situationsgebete: ein Heilig-Geist-Gebet während ich die Treppe hochlaufe, ein Jesus-Gebet während ich zur Schule lauf u.v.m.

    5. Der innere Garten

    Ich komme in meinen Garten. Hld 5,1

    Die christlichen Mystiker vergleichen das Insichgehen, um dort Gott zu begegnen, mit einem inneren Garten, einem Garten, in dem Gott wohnen will, in dem er uns begegnen will, in dem er mit uns einfach zusammen sein will. Im Alltagstrubel vernachlässigen wir diesen „inneren Garten“ oft. Wildwuchs aus Sorgen und Termindruck macht sich breit. Doch Spiritualität bedeutet, ein Mensch der Innerlichkeit zu werden und diesen Garten zu pflegen. Durch Achtsamkeit schaffen wir Platz für Gottes Gegenwart. Nimm dir heute einen Moment Zeit: Atme durch, blicke nach innen und räume das Chaos ein Stück beiseite. Gott wartet bereits an der Pforte deines Herzens.

    6. Jesus sieht mich

      Jesus sah sie an. Mt 19,26

      Jesus sieht uns. Das ist nicht einfach eine Floskel. Stell dir das ganz konkret vor, dass er vor dir steht. Er sieht dein Äußeres und vielmehr dein Inneres, deine Nöte und Sorgen, die dich umtreiben, deine Stärken und Schwächen, deine Wunden. Jesus sieht uns und er nimmt sich Zeit für uns, spricht uns an und möchte uns trösten in dem, was wir häufig zu erleiden haben. Wir können mit ihm reden wie mit einem guten Freund, alles, wirklich alles können wir ihm erzählen. Jesus ist der Herr, der dich sieht. Er sieht über das Äußere hinweg mitten in dein Herz. Er sieht dich mit deiner Schuld und den Tränen in dir. Und er ist bereit, an dir zu wirken.

      Du bist ein Gott, der mich sieht. Gen 16,13

      7. Sich unter den Blick Gottes stellen

        Geht es mir denn um die Zustimmung der Menschen, oder geht es mir um Gott? Suche ich etwa Menschen zu gefallen? Gal 1,10

        So ganz können wir es nicht abstellen, dass wir darauf schauen, wie andere auf uns schauen, wie wir vor anderen dastehen. Wenn wir dem aber nicht immer wieder entgegen steuern, dann macht uns das unfrei und versklavt uns, weil wir dann nur in Bezug auf die Anerkennung durch andere handeln. Unser Ziel sollte es nicht sein, von Menschen gelobt zu werden! Unser Ziel sollte es sein, dass wir uns in unserem Handeln unter den Blick Gottes stellen. Gott sieht dich ja nicht nur in deiner Gebetszeit, sondern in jedem Moment des Tages. Johannes Hartl schreibt: Wer das verstanden hat, für den ist kein Alltag mehr geistlos und kein Job der Welt mehr stumpfes Schuften.

        Ich bin nicht darauf aus, von Menschen Anerkennung zu bekommen. Joh 5,41