
Hans Peter Royer
Inhaltsverzeichnis
1. Wie ist Gott nun?
Niemand hat Gott je gesehen. Der einzige Sohn hat ihn uns offenbart, er, der selbst Gott ist und an der Seite des Vaters sitzt. Joh 1,18
Auf unserer Suche nach Antworten ist es von größter Wichtigkeit, dass wir unser Gottesbild nicht von unserem persönlichen Wunschdenken oder momentanen Erleben abhängig machen.
Es ist bedeutend, dass wir unsere Gottesvorstellung nicht von zufälligen Vorgaben anderer Menschen oder von menschlich erdachten Philosophien her ableiten, sondern von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.
Er ist nämlich der Einzige, der vom Himmel auf die Erde kam und uns vorlebte und auslegte, wie Gott der Vater wirklich ist. Auf die Frage: »Wie ist Gott?«, gibt es vom Evangelium her nur eine klare Antwort: »So wie Jesus Christus!«
Nun, wie ist Jesus? Und wie hat Jesus seinen Vater offenbart? Jesus offenbart seinen Vater als den Gott, der in seiner Liebe alles gibt, um das Verlorene wiederzugewinnen.
Hans Peter Royer
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die Liebe Gottes widerspiegeln, so wie Jesus sie gezeigt hat?
2. Wie ist der Mensch nun?
Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich. Gen 1,27
Gott ist ja ein dreieiniger Gott, und bereits dieser eine Gott pflegt in sich selbst Beziehung. Der Vater liebt den Sohn, der Sohn liebt und ehrt den Vater im Heiligen Geist. Bereits der dreieinige Gott in sich selbst ist also ein Beziehungswesen.
Wenn der Mensch zum Ebenbild Gottes geschaffen ist, dann ist er dementsprechend auch ein Beziehungswesen. Andernfalls wäre er nicht Ebenbild Gottes.
Die Bibel spricht eigentlich von der ersten bis zur letzten Seite über Beziehung. Der Mensch ist nämlich nicht geschaffen – man kann das im Deutschen so sagen – »an sich« oder »für sich«, sondern der Mensch ist geschaffen, um in Beziehungen mit anderen zu sein.
Hans Peter Royer
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens darf ich bewusster die Beziehung zu anderen und zu Gott pflegen, um meinem Ebenbild-Gottes-Sein näher zu kommen?
3. Gottes Liebe zum Menschen
Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Joh 3,16
Wahre Liebe wird an der Intensität und Hingabebereitschaft erkennbar. Wenn wir uns im Alltag grüßen, ist das auch schon eine Form von Zuwendung, das kann aber auch noch unverbindlich sein.
Wenn wir einander Zeit schenken, miteinander Kaffee trinken und einander aufmerksam zuhören, ist das durchaus schon ein größerer Beweis der Wertschätzung.
Wenn uns jemand sogar das Versprechen gibt, für uns einzustehen oder sogar sein Leben mit uns zu teilen, dann ist das eine außergewöhnliche und hingebende Liebe.
Aber wenn jemand bereit ist, sein Leben für uns einzusetzen, dann ist das die größte und äußerste Form der Liebe. Und genau das hat Gott getan, indem er das ihm Wertvollste zu uns sandte!
Das hat auch sein Sohn, Jesus Christus, bewiesen, indem er sein eigenes Leben für uns einsetzte und opferte. Diese Erkenntnis der unbedingten Liebe hat auch mein eigenes Leben stark beeinflusst!
Dummerweise vergesse ich es immer wieder. Ich vergesse die Wahrheit, die ich selbst anderen dauernd predige und zuspreche. Ich habe das Wissen, und das, was ich weiß, würde für tausend Jahre reichen. Aber ich kann es mir persönlich keine zwei Wochen merken.
So oft finde ich mich in dem alten System wieder und rutsche in das alte Denken zurück. Darum predige ich auch so gerne, weil ich in den Predigten zugleich selbst angesprochen und erinnert werde.
Hans Peter Royer
Frage: Wie kannst du die Erfahrung unbedingter Liebe in deinem Alltag bewusster wahrnehmen und leben?
4. Bedingungslose Liebe
Um des Guten willen wagt er vielleicht sein Leben. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Röm 5,7-8
Nun kommt die heikle Frage: Wann hat Gott mich mehr geliebt, als ich vor dreißig Jahren – wie der verlorene Sohn – fern vom Vater lebte und Blödsinn machte, obwohl ich Christus kannte, oder heute, wo ich Menschen täglich von Jesus erzähle?
Die Antwort ist: Er hat mich damals genauso geliebt wie heute! Und er liebt mich heute kein Stück mehr als damals vor dreißig Jahren.
Und wenn ich einmal im Himmel vor ihm stehe, wird er mich kein bisschen mehr lieben als heute – nämlich vollkommen.
Das ist Gottes Agape! Es gibt nichts, was ich tun könnte, dass Gott mich noch mehr liebt. Und es gibt nichts, was ich tun könnte, dass Gott mich weniger liebt.
Frage: Wie erfährst du diese unveränderliche Liebe Gottes in deinem Alltag und in deinen inneren Momenten der Stille?
5. Nächsten- und Selbstliebe
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Mt 22,39
Ich habe durch dieses Begreifen der Liebe Gottes gelernt, die Menschen neben mir, die auch nicht als liebenswürdig erscheinen, mehr zu lieben. Ich kann jemanden anschauen und denken: Ja, sympathisch ist er mir nicht, aber den hat Gott genauso lieb wie mich. Den hat Gott nicht weniger gern als mich. Und das gibt mir eine Freiheit, ihn anzunehmen und zu respektieren, wie er ist.
Und schließlich habe ich auch noch gelernt, mich selbst mit den Augen dieser Liebe Gottes zu sehen und mich selbst anzunehmen. Ich lerne zunehmend, mich selbst anzuerkennen. Ich lerne, meine Schwächen einzugestehen, ohne mich schämen zu müssen, und zu bekennen, was mir eigentlich peinlich ist. Denn das bin ich – mit meinen Stärken und Schwächen.
Hans Peter Royer
Frage: Wie würde sich mein Leben verändern, wenn ich mich selbst und andere täglich mit den Augen der göttlichen Liebe betrachten würde?
6. Buße tun – was ist das?
Tut Buße. Mt 3,2
Die Bibel verwendet für diesen Ausdruck das griechische Wort metanoia. Metanoia bedeutet wörtlich: »Umdenken«, »Sinnesänderung«.
Buße tun heißt also, unser Denken über eine gewisse Sache zu ändern. Gott fordert uns auf, Buße zu tun und umzudenken im Hinblick auf ihn selbst.
Ein Mensch, der Buße tut, sagt: »Ich bin bereit, Gott recht zu geben in dem, was er ist und was er sagt, und bekenne ihm mein falsches Denken. Ich bekenne Gott, dass ich bis heute ohne ihn gelebt habe und dass ich ab heute bewusst mit ihm leben will. Ich entschließe mich, ehrlich zu sein, und benenne mein falsches, eigensüchtiges Handeln, ohne es zu beschönigen (die Bibel nennt das »Sünde bekennen«). Ich ändere mein Denken über meinen Nächsten. Ich soll meinen Nächsten nicht ausbeuten und übervorteilen, sondern ich soll ihn lieben und achten und ihm helfen.«
Hans Peter Royer
Übrigens: Buße zu tun und zu Gott umzukehren, ist nur die erste Hälfte der Geschichte. Denn nicht die Umkehr ist das Ziel, sondern die Gemeinschaft mit Gott selbst.
Frage: In welchen Bereichen deines Lebens spürst du, dass ein bewusstes Umdenken und eine Hinwendung zu Gott dir neue Perspektiven schenken könnte?
7. Lebendige Hoffnung
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. 1 Petr 1,3
Was ist nun lebendige Hoffnung?
Ich bin so dankbar, dass ich den Rest meines Lebens nicht damit verbringen muss, alle Wünsche auszulöschen. Ich bin so dankbar, dass ich eine andere Option habe. Und ich bin auch dankbar dafür, dass christliche Hoffnung nicht ein billiger Optimismus ist.
Es geht nicht um ein paar gute Hoffnungen, es geht um die eine Hoffnung, die lebendige Hoffnung. Es geht um die tiefe Überzeugung, dass trotz allen Scheiterns oder allen Erfolgs jemand da ist, der mein Herz füllen kann.
Weshalb ist nun christliche Hoffnung eine lebendige und begründete Hoffnung?
Weil ich den kenne, in den ich mein Vertrauen setze!
Hans Peter Royer
Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich diese lebendige Hoffnung bereits gespürt, und wie könnte sie mich heute leiten?
8. Gott die Ehre geben
Gebt dem Herrn die Ehre. Ps 29,2
Ich gebe Gott die Ehre, indem ich sage:
So steh ich jetzt da, ja, ich habe meine Träume und Wünsche, Herr, aber ich will mich nicht daran festklammern. Festklammern will ich mich nur an dir.
Du magst mir die Träume geben oder nehmen; bei dir will ich für immer bleiben, und ich will dir danken für das, was ich jetzt bin und habe.
Ob ich nun groß oder klein bin, dünn oder dick, intelligent oder einfach gestrickt, erfolgreich oder mittelmäßig, verheiratet oder Single – die Frage ist: Wie kann ich Gott jetzt die Ehre geben, wie kann ich ihn verherrlichen?
Anstatt all meine Energie damit zu verschwenden, etwas zu sein, was ich vielleicht nie sein werde, will ich heute mit Freude das leben, was ich bin. Unter Umständen werde ich dann sehr überrascht sein, was Gott noch alles aus mir machen kann.
Hans Peter Royer
Frage: Welche Aspekte meines jetzigen Lebens könnte ich heute bewusst nutzen, um Gott zu ehren und Freude zu erleben?
9. Jesus Wirken in mir
Getrennt von mir könnt ihr nichts tun. Joh 15,5
Es ist mir ein Rätsel, warum ich jemals glauben konnte, dass ich aus eigener Kraft versuchen müsste, das zu tun, was er getan hat.
Darum hat es mein Christenleben revolutioniert, als ich erkannte, dass es Christus in mir ist, der meine Kraft zum Leben ist. Er gibt nicht nur Kraft von außen, er ist die Kraft von innen!
Jesus Christus selbst ist durch die Gegenwart des Heiligen Geistes die Kraftquelle im Leben eines jeden Christen. Dieses Lebensgeheimnis hat Jesus zusammengefasst mit den Worten: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun (Joh 15,5).
Diesen Vers kenne ich seit meiner Konfirmation auswendig – aber seine befreiende Wahrheit habe ich erst viel später kennengelernt.
Hans Peter Royer
Frage: Wo spüre ich in meinem Leben, dass ich mich von der inneren Kraft Christi tragen lassen darf, statt alles allein zu versuchen?
10. Geheimnis des Christus
Das ist das Geheimnis: Christus lebt in euch! Darin liegt eure Hoffnung: Ihr werdet an seiner Herrlichkeit teilhaben. Kol 1,27
Das Geheimnis des Christus ist die Wahrheit, dass er in uns lebt. Gott wohnt nicht weit entfernt im Himmel, sondern ist uns näher, als wir uns selbst sind – er lebt in uns.
Darum: Wer mit Jesus lebt, hat nicht etwas Besonderes an sich, sondern etwas Wunderbares in sich, ein Geheimnis, das den Namen Christus trägt.
Insofern sind wir nicht nur Christus-gläubig, sondern auch Christusträger – also jeder ein Christophorus –, weil wir Christus in uns tragen und durch uns wirken lassen wollen.
Die Tatsache, dass Christus in uns wohnt und wir in Christus sind, ist einzigartig und ohne Parallele. Sie hat mein Leben wahrscheinlich mehr geprägt als alle anderen Erfahrungen.
Hans Peter Royer
Frage: Wie kann ich das Christus-Geheimnis in mir erkennen und bewusst in meinem Alltag wirken lassen?
11. Liebesbeziehung
Liebst du mich. Joh 21,15
Christsein besteht nicht aus Werken und Bemühungen, sondern aus der Liebesbeziehung zu einer Person – es geht darum, zum Herrn Jesus zu kommen und in ihm zu bleiben.
Glaube ist nicht vorrangig Tun und Bemühen, sondern Beziehung und Vertrauen. Christsein ist die Beziehung zu einer lebenden Person, zu dem auferstandenen Jesus Christus.
Um eine Beziehung aufrechtzuerhalten, genügen nicht Werke, Mühe und Ausharren. Man braucht Glaube, Hoffnung und Liebe. Das ist es, was eine Beziehung ausmacht, und Christsein ist eine Beziehung.
In einer Liebesbeziehung geht es nicht vorrangig um das, was der andere kann oder leistet, sondern um ihn selbst und die vorbehaltlose Gemeinschaft von ganzem Herzen und ganzer Seele und mit dem ganzen Verstand.
Hans Peter Royer
Frage: Wie lebe ich heute meine Beziehung zu Jesus bewusst, jenseits von Pflichten und Leistungen?
12. Gott ist Liebe
Ich bin arm und elend, aber der Herr denkt an mich – in diesem Moment! Ps 40,18
Gott ist Liebe. Liebe ist nicht nur eine von unzähligen Eigenschaften Gottes, die Liebe ist die Essenz seines Wesens.
Gott stellt sich uns als die Liebe selbst vor. Das ist es, was Gott mit seinem ganzen Wesen ist. Darum kann und will Gott gar nicht anders, als uns – und jeden Einzelnen von uns persönlich – zu lieben. Weil Liebe das ist, was er ist. Es ist sein ganzes Wesen.
Und in dieser menschenfreundlichen Liebe sucht Gott immer und ausnahmslos nur das Beste für uns. Es gibt keine einzige Ausnahme, wo Gott nicht das Beste für mich will.
Hans Peter Royer
Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich die Liebe Gottes am deutlichsten gespürt, und wie könnte ich sie noch bewusster wahrnehmen?
13. Erste und zweite Liebe
Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. Offb 2,4
Wenn wir Gottes Liebe immer wieder neu erkennen und annehmen, wenn wir Jesus kennenlernen und ihn so unwillkürlich lieben lernen, dann lernen wir auch, ihm zu vertrauen und zu glauben.
Dann wollen wir immer wieder neu an ihn denken und ihn erkennen, zu ihm umkehren und von seiner Liebe neu ergriffen sein.
Machen wir uns kein schlechtes Gewissen, wenn wir meinen, die »erste Liebe« verloren zu haben, sondern kehren wir um zu seiner unvergänglichen ewigen Liebe.
Gewinnen wir unsere »zweite« oder »dritte« oder weitere Liebe zu ihm, denn er vergibt uns gern und fängt immer wieder neu mit uns an.
Er liebt uns ja nicht, weil und wenn wir ihn lieben, sondern wir lieben ihn immer wieder neu, weil er uns zuerst geliebt hat und in Ewigkeit lieben will.
Hans Peter Royer
Frage: Wie offen bin ich dafür, Gottes Liebe in meinem Leben immer wieder neu zu entdecken und mich von ihr leiten zu lassen?
14. Zum Gebet
Mein Herz hält dir vor dein Wort: Sucht mein Angesicht! Dein Angesicht, o Herr, will ich suchen. Ps 27,8
Das Gebet ist ein Gespräch der Seele mit Gott. Es ist die Erhebung unseres Geistes zum Allmächtigen, ein vertrauliches Gespräch mit Gott.
Wir sprechen mit Gott, und Gott spricht zu uns. Indem ich nun mit Gott rede, praktiziere ich die erhabenste Tat, die einem Menschen möglich ist: Ich kommuniziere mit dem Gott des Universums, ich bin auf Du mit dem Schöpfer aller Dinge.
Mystisch nennt man dieses Gespräch, da es ganz im Geheimen vor sich geht. Es wird zwischen Gott und der Seele nicht anders als von Herz zu Herz gesprochen.
Unter Kommunikation mit Gott ist schlicht und einfach das Denken an Gott sowie das Reden und das Hören auf ihn zu verstehen. Dazu sagt man üblicherweise beten.
Hans Peter Royer
Frage: Wann habe ich zuletzt in meinem Alltag wirklich von Herz zu Herz mit Gott gesprochen und gespürt, dass er mir zuhört?
