Gott, Welt und Mensch

Gott – Welt – Mensch – Christliche Andacht

Christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Gott, Welt, Mensch

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1. Bürger des Himmels

Sie gehören ebenso wenig zur Welt wie ich. […] Wie du mich in die Welt gesandt hast, so sende ich sie in die Welt. Joh 17, 16;18

Auch wenn wir alle von uns sagen können, dass Gott an erster Stelle unseres Lebens steht, dass wir “Bürger des Himmels” (Chrysostomus) sind, stehen wir stets in der Gefahr des irdischen Denkens.

Wir machen uns zu viel Gedanken, wie andere uns sehen. Oder wir entwickeln dunkel gefärbte Sichtweisen, die am anderen nur das sieht, was nicht gefällt, was nervt.

Oder wie starte ich am Morgen? Zuversichtlich, dankbar, dass ich lebe und Gott bei mir ist – oder genervt, verängstigt oder gelangweilt von dem, was mich heute erwartet?

Wir sind nicht von dieser Welt, unsere Heimat ist bei Gott. Und dennoch sind wir in die Welt gesandt zu den Menschen. Dieses “Nicht-von-der-Welt-sein” und das “Gesandt-sein-in-die-Welt” birgt häufig eine spannungsvolle Ambivalenz.

Um diese Ambivalenz “Gott-Mensch-Welt” soll es in dieser Woche gehen.

Frage: Wo erlebe ich persönlich die Spannung zwischen meinem Sein vor Gott und meinem Sein in der Welt – und wie lädt Gott mich ein, gerade darin zu wachsen?

2. Was hat Gewicht in deinem Leben?

Gebt dem Herrn , was ihm gebührt; ihr Völker, erkennt seine Ehre und Macht! Ps 96:7

Das Wort Ehre kann von seiner Wortherkunft mit Gewicht übersetzt werden. Wenn ich bete “Ehre sei Gott” meine ich damit, dass ich Gott Gewicht und Bedeutung in meinem Leben gebe.

Andersherum: Wenn es in den Psalmen heißt, dass Gott meine Ehre wieder herstellt (Ps 3,4), bedeutet das, dass mein Gewicht, meine Wichtigkeit, von ihm allein kommt und nicht durch die Anerkennung der Mitmenschen, seien es nun durch Eltern, Partner oder Freunde.

Anerkennung von anderen tut gut. Dennoch: Suche Rettung vor deiner Neigung, dich darum zu sorgen, wie du den anderen erscheinst. Sorge dich nur darum, wie du Gott erscheinst. Und glaube mir, Menschen, die immer daran denken, was andere von ihnen halten, wären sehr überrascht, wenn sie wüßten, wie wenig die anderen über sie nachdenken.

Laßt uns Gott zu Ehren leben, dann ist Sterben uns Gewinn. Laßt uns in den fallen, der in uns ist!

Frage: Was würde sich in deinem Herzen verändern, wenn du dein “Gewicht” radikal in Gottes Hände legst und ihm zutraust, deine Würde neu zu bestimmen?

3. Der große und der kleine Mensch

Alles Menschenlob bringt dich nicht in den Himmel hinein, alle Lästerungen der Menschen bringen dich nicht aus ihm heraus. Augustinus

Hin und wieder sind die Menschen unserem Leben zu groß und Gott zu klein!
Bedenke: Das Reich Gottes ist in dir. (Lk 17,21). Gott herrscht in dir.
Auch wenn das ein hohes Ideal ist: wir sind im letzten Grund nicht abhängig von menschlicher Anerkennung oder Ablehnung, Bestätigung oder Kritik, sondern haben eine innere Freiheit, die in der Gottesherrschaft in mir begründet ist.

“Darin ist die Größe unseres Christseins begründet, dass Gott uns berufen hat, vor ihm zu knien, um ihn anzubeten.”
[Kardinal Meisner]

Wenn du darauf achtest, so wirst du nicht mehr sorgen, was die Leute über dich reden.
Jesus selbst warnt uns davor, nur die Anerkennung der Menschen zu suchen und nicht die Anerkennung bei Gott. Suche und gebe dich Gott hin. Er wird dir die Anerkennung schenken, die wichtiger ist als jede andere Anerkennung.

Frage: Wie kannst du heute bewusst Raum in deinem Inneren schaffen, damit Gottes Gegenwart größer wird als die Stimmen der Menschen?

4. Der rohe und der geschliffene Mensch

Eisen wird mit Eisen geschärft, und ein Mensch bekommt seinen Schliff durch Umgang mit anderen. Spr 27:17

Solange wir hier leben, verändern wir uns. Wir sind ständig auf dem Weg. Wer stehen bleibt, steht in der Gefahr, innerlich zu sterben.

Auf diesem Weg sind es vor allem unsere Mitmenschen, die in uns Bewegung anstoßen. Das sind sowohl Menschen, die uns sehr nahe stehen, von denen wir uns etwas sagen lassen, aber häufig noch viel mehr Menschen, an denen wir uns reiben.

Danken wir Gott auch für die Menschen, die uns Schwierigkeiten bereiten. Wir wachsen durch diese Begegnungen. Überlasse dich ganz einfach dem Leben des Heiligen Geistes, welchen Menschen er dich auch immer begegnen lässt.

“Das ganze Leben besteht aus Gelegenheiten, Jesus zu begegnen” [Guardini] und wir begegnen in jedem Menschen Christus!

Frage: Wo spüre ich heute die leise Einladung des Heiligen Geistes, mich in einer Begegnung innerlich bewegen zu lassen?

5. Der vorurteilende und der sich öffnende Mensch

Seine Gegner beobachteten ihn (Jesus) ganz genau. Mk 3,2

Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken, und verleihe mir, o Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen. Teresa von Ávila

Menschen achten häufig auf schlechte Eigenschaften eines anderen Menschen. Wir fokussieren schnell die Negativ-Liste. Schnell sind wir im Kritisieren, langsam dagegen in der Wahrnehmung des Guten beim Anderen.

Vorurteile schleichen sich ein, wo ich bei jeder Begegnung meine Wahrnehmung darauf richte, dass mein schlechtes Bild bestätigt wird. Selbsterfüllende Prophezeiung heißt das in der Psychologie. Der andere hat keine Chance. Das ist nicht gut.

Dagegen: der sich öffnende Mensch versucht immer wieder neu hinzuschauen. Ich habe die Gewohnheit, mir für mich schwierige Menschen gedanklich herzunehmen und aufzuzählen, welche guten Eigenschaften dieser Mensch hat. Meine Seele beruhigt sich dann und die Negativ-Liste des anderen ist auf einmal gar nicht mehr so groß und mächtig und ich erkenne den anderen in seiner Menschlichkeit.

Sei kritisch mit deiner eigenen Wahrnehmung oder um es mit Heinz Erhardt zu sagen: Sie dürfen nicht alles glauben was Sie denken!

Frage: Welche Einladung erkennst du heute darin, dein Herz neu auszurichten und deinen Blick liebevoller werden zu lassen?

6. Der freie und der gefangene Mensch

Jetzt kommt es darauf an, selbstgemachten Stützen loszulassen und darauf zu vertrauen, dass Gott für dich genug ist. Du musst aufhören, andern gefallen zu wollen, und deine Identität als ein freies Selbst in Anspruch nehmen. Henri J. M. Nouwen

Viele Menschen machen sich völlig abhängig von den Urteilen und Maßstäben ihrer Umgebung.
Heute gilt nicht die Frage, wie bekomme ich einen gnädigen Gott, sondern wie bekomme ich einen gnädigen Mitmenschen.

Wir sind darauf aus, die Erwartungen der anderen zu erfüllen, bei allen beliebt zu sein.
Aber das führt uns nicht in die Freiheit, nicht zum Mitmenschen und nicht zu unserer Würde.

Im Gegenteil: Ständig kreisen wir dann um das, was die anderen über uns denken, was sie erwarten, was sie möchten.
Unser ganzes Lebenskonzept baut dann darauf auf, bei anderen beliebt zu sein.
Das aber ist gegen unsere Würde.
Anselm Grün

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich den Ruf, mich innerlich zu befreien und mich tiefer auf Gottes Blick statt auf menschliche Erwartungen auszurichten?

7. Der auf Jesus blickende Mensch

Blicke auf Jesus. Heb 12,2

In unserem Leben werden wir vielfach angegriffen: Beleidigungen, üble Nachrede, Ängste, Gemurre, Streit, Verleumdungen: das alles richtet sich gegen dich. Wenn du aber dem entkommen willst, dann schaue auf Jesus. Er wohnt in deinem Herzen. Blicke auf Jesus …..

• wenn man deine Ehre angreift. Auch ihm ist um deinetwillen die Ehre abgeschnitten worden (vgl. Joh 8,48)
• wenn du, weil man dir wichtige Dienste überträgt, von einem eitlen Gedanken gebissen wirst, so erinnere dich an Jesu Worte: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Knechte“ (Lk 17,10).
• wenn in dir die Mißachtung für einen anderen aufsteigt, denn Jesus hat für Sünder, Zöllner und Dirnen größere liebende Fürsorge aufgebracht als für Gerechte, die der Umkehr nicht bedurften (Lk 5,30‒32).
• u.v.m.

Frage: Wohin richtet sich dein Blick in Momenten innerer Anfechtung – und wie könntest du dein Herz noch tiefer für die Gegenwart Jesu öffnen?

Das war eine christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Gott, Welt, Mensch