WA-Einzelchat – Community – Kanal – Instagram

Fürbitten (1)

Fürbitten

1. Was ist die Fürbitte?

Die Fürbitte ist eine Art, den anderen zu lieben. Richard J. Foster

Unter Fürbitte wird das Eintreten vor Gott für jemanden oder für etwas verstanden.
Wenn ich Fürbitte halte, führe ich in meinem allgemeinen Priestertum der Taufe eine Person in die Gegenwart Gottes, nicht in meinem Tun (magisches Ritual), sondern weil ich Gemeinschaft mit dem Herrn eingehe, in diesem geistlichen Tun ziehe ich alles was in meinem Herzen ist zu Gott.

Und Gott hält Andenken, was ich in meinem Herzen habe.
Wir dürfen da vertrauen, dass Gott das ganz ernst nimmt. Jetzt, da Gott gedenkt, geschieht Heil. Gott greift in die Geschichte dieses Menschen heilbringend, vollendend, heilend, führend, schützend ein.

Halten wir also viel und überfließend Fürbitte für uns nahe Menschen, aber auch gerade fernen Menschen in Kriegsgebieten oder sonstwo.

Frage: Wie öffnet sich mein Herz heute für Gottes heilendes Wirken – für mich selbst und für andere?

2. Fürbitte im Alten Testament

Wenn Aaron dann ins Heiligtum geht, trägt er die Steine mit den Namen der Stämme Israels an seinem Herzen. So werde ich immer an mein Volk erinnert. 2. Mose 28:29

Fürbitten sind im alten Testament vielfältig und zahlreich vorhanden. Eine sehr wichtige Stelle ist dabei der heutige Bibelvers. Da steckt viel drin. Fürbitte ist nicht einfach ne kurze Bitte an Gott, so wie ich im Supermarkt mal kurz eine Butter kaufe.

Im Alten Testament hatten die Priester die wichtige Aufgabe, das Volk vor Gott hinzutragen, ihn an sein Volk zu erinnern. Äußerlich sichtbar wurde das durch Steine, auf denen die Namen der Stämme Israels standen und die der Priester am Herzen trug.

Durch deine Berufung zum allgemeinen Priestertum der Taufe darfst und sollst nun auch du Personen bzw. ihre Namen an deinem Herzen tragen, sie zu Gott hintragen, so dass er ihrer gedenkt.

Welche Namen trägst du heute auf deinem Herzen?

Frage: Welche Menschen trägst du heute in deinem Herzen vor Gott – und was bewegt dich dabei innerlich?

3. Fürbitte im neuen Testament

Als während des Festes der Wein ausging, sagte seine Mutter zu ihm: Es ist kein Wein mehr da! Johannes 2:3

Fürbitten im Neuen Testament sind ebenso vielfältig. Eine bekannte und sehr wichtige Fürbitte ist die Mariens, als sie zu Jesus an der Hochzeit von Kanaa sagt, dass der Wein ausgegangen ist. Maria bittet hier für andere – sie hält Fürbitte.

Ein wichtiger Aspekt ist, dass Maria hier keine Lösungsvorschläge gibt, sondern einfach die Not vor den Herrn trägt. Auch wir sollten beim Halten der Fürbitte Gott nicht den Weg aufdrängen (lässt er sowieso nicht mit sich machen), sondern schlicht und einfach die Not.

Dann können wir Gott in kindlichem Vertrauen überlassen, in welcher Art und Weise er dem anderen hilft. Wenn ich wie Maria die Not eines Menschen vor Gott hinstelle, dann trage ich diese Person vor das Angesicht Gottes.

Frage: Wie kann ich heute jemandes Not vor Gott tragen, ohne selbst eine Lösung aufdrängen zu wollen?

4. Fürbitte als Konkretisierung des Doppelgebots der Liebe

Dieser ist der Freund seiner Brüder, der viel für das Volk betet. 2 Makk 15,14

Es wird häufig zwischen Lobgebet und Fürbitt-Gebet unterschieden. Auch wenn für das Verständnis eine systematische Trennung dienlich ist, so gilt es im Wesen für sich bei seinem Gebet zu erkennen, dass diese Gebetsarten meist ineinander überfließen bis hin ins Untrennbare.

Jedes Lob Gottes enthält unweigerlich auch fürbittende Aspekte. Zugleich setzt jede Fürbitte Vertrauen in den liebenden Gott und Dank für die Möglichkeit der Hinwendung voraus.

Nimmt man den einen Aspekt in den Blick, so ist der andere immer mitbeteiligt und wirksam. Damit konkretisiert sich in der Fürbitte das Doppelgebot der Liebe, Gott und den Nächsten zu lieben.

Wenn wir Fürbitte tun, sind wir in Gottes Plan eingeschaltet worden. Es gilt, unser Herz dem Geiste Gottes, der in uns betet, zu öffnen. Corrie ten Boom

Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich Lob und Fürbitte so verbinden, dass sie mein Herz und meine Beziehungen gleichermaßen nähren?

5. In der Fürbitte segne ich

Du sollst ein Segen sein. Gen 12,2

Nur aus dem Unmöglichen kann die Welt erneuert werden. Dieses Unmögliche ist der Segen Gottes. Bonhoeffer

Segen sein: In der Fürbitte werde ich zum Segen für den anderen. Ein Segen sein, das heißt ich bin jemand, der segnet. Segnen kann jeder, der glaubt. Ziemlich egal, wo und wie uns Gott hingestellt hat, dort wo er uns unseren Platz zugewiesen hat, sind wir Gesandte Gottes und so im innersten durch ihn und in seiner Kraft dazu berufen, zum Segen für den anderen zu werden.

Segnen als Tun: Ein Segensgebet ist ein Gebet, das den Segen Gottes auf uns herab ruft. Von ihm geht aller Segen aus. “Der Herr segne dich” ist der kürzteste Segenswunsch und gleichzeitig ein Fürbitt-Gebet. Fürbitte ist der kostbarste Dienst, den ich tun darf:. Wer selbst gesegnet wurde, der kann nicht anders, als diesen Segen weitergeben, ja, er muss dort, wo er ist, ein Segen sein.  

6. Fürbittend liebend zugewandt

Betet füreinander. Jak 5:16

Beten wir nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere. So lösen wir uns vom Kreisen um uns selbst.

In der Fürbitte stellen wir einen anderen Menschen unter den Schutz Gottes, der seine Engel sendet. Dieses Fürbitten ist ein ganz entscheidender Aspekt unseres Glaubens.

Irgendwo habe ich gelesen: Findet ein Gottesdienst im schönsten Dom statt, fehlt aber das Fürbitten, so ist dieser Gottesdienst nur eine Kloake. Feiert man die Messe dagegen im stinkenden Schweinestall und betet dabei innig für seine Mitmenschen, so ist es der schönste Gottesdienst.

Fürbittend liebend zugewandt …. fürbitte heute ganz konkret für eine bestimmte Person in einem bestimmten Anliegen. Glaube an die Macht des fürbittenden Gebets, dass Gott seine Engel senden wird

Frage: Wie könnte ich mein eigenes Gebetsleben so gestalten, dass es nicht nur mich, sondern auch andere in Liebe und Licht einbezieht?

7. Abschließende Gedanken

Dieser hat in den Tagen seines Flei­sches sowohl Bitten als auch Flehen mit lautem Rufen und Tränen dem dargebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte, und ist auch erhört worden um seiner Gottesfurcht willen. Heb 5:7

Wir können für den anderen einfach durch unser Da-Sein helfen, durch tatkräftige Unterstützung oder drittens durch unser Gebet für ihn. Wie in allen anderen Dingen auch, ist Jesus hier das große Vorbild. Wir, die wir in seiner Nachfolge stehen, folgen ihm auch im Fürbitten nach.

In der Fürbitte verlasse ich meine so häufig egozentrische Sichtweise und öffne mich nach außen, lebe im wahrsten Sinne des Wortes den Leib Christi. Hin und wieder ertappe ich mich beim Fürbitten im Morgengebet bei der unbewussten Frage: „Hört nun Gott mein kleines, unbedeutendes Gebet, das sonst keiner sieht und hört?“

Ja, Zweifel können quälen, aber sie können nicht schaden, außer wir geben ihnen nach (John Henry Newman), denn ich weiß, unser Vater sieht das Verborgene (Mt 6,6).

Gott segne dich und dein fürbittendes Dasein für andere!

Zum Bittgebet gehört beides: die Gewissheit der Erhörung und der restlose Verzicht, nach eigenem Plan erhört zu werden. Karl Rahner

Frage: Wie kann ich heute mein Herz öffnen, um für andere wirklich präsent und im Gebet verbunden zu sein?