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Franz von Sales: Über das Gebet

Franz von Sales: Über das Gebet

1. Gebet als Gespräch mit Gott

Dein Angesicht, o Herr, will ich suchen. Ps 27:8

Das Gebet ist ein Gespräch der Seele mit Gott, eine Erhebung des Geistes zum Allmächtigen.

Wenn das Gebet eine vertrauliche Unterredung mit Gott ist, so sprechen wir durch dasselbe mit Gott und Gott spricht zu uns. Wir verlangen sehnsüchtig nach ihm, atmen zu ihm auf und er hinwieder haucht uns seinen Geist ein und gießt ihn über uns aus.

Mystisch nennt man das Gespräch, da es ganz im Geheimen vor sich geht. Es wird zwischen Gott und der Seele nicht anders als von Herz zu Herz gesprochen, durch eine für andere als die Sprechenden gar nicht mitteilbare Mitteilung. Franz von Sales

Frage: In welchen Momenten deines Lebens fühlst du dich am tiefsten mit deinem inneren Selbst und dem Göttlichen verbunden?

2. Die Betrachtung

Daher, ihr heiligen Brüder, die ihr Anteil habt an der himmlischen ¬Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Christus Jesus Heb 3:1

Die Betrachtung ist ein aufmerksames, wiederholtes Nachdenken, um den Willen zu heiligen und zu heilsamen Affekten und Entschlüssen anzuregen. Die Seele geht von einem Geheimnis zum anderen, aber nicht nur, um die Schönheit der göttlichen Dinge zu sehen und an ihr Freude zu haben, sondern mit der Absicht, Beweggründe zur Liebe zu finden.

Brennend vor Liebe, spricht sie mit Gott, stellt ihm Fragen, hört ihm zu, seufzt, sehnt sich nach ihm, bewundert ihn. Gott seinerseits überhäuft sie mit Freude, regt sie an, rührt und öffnet ihr Herz und teilt demselben klare Erkenntnisse, Erleuchtungen und Wonnen ohne Ende mit.

Das Verlangen nach der göttlichen Liebe lässt uns betrachten. So wie die Bienen da und dort Honig sammeln, um sich an seiner Süße zu erfreuen, so pflegen auch wir die Betrachtung, um die Liebe zu Gott zu gewinnen.

Franz von Sales

Frage: In welchen Momenten spürst du in deinem Herzen die Sehnsucht nach etwas, das größer ist als du selbst, und wie kannst du dieser Sehnsucht bewusst Raum geben?

3. Das Gebet der Ruhe

Ich werde euch Ruhe geben. Mt 11:28

Die liebenswerte Ruhe der Seele nennt Theresia von Jesus das Gebet der Ruhe.

Liebende begnügen sich zuweilen damit, bei der Person zu sein, die sie lieben, auch wenn sie nicht mit ihr sprechen. Sie scheinen zufrieden und froh zu sein, diese geliebte Gegenwart einfach auszukosten. Ihr Gemüt findet darin Ruhe und Frieden.

Wenn du daher in diesem einfachen, reinen, kindlichen Vertrauen bei unserem Herrn bist, so verweile da und rühre dich nicht, um fühlbare Akte des Verstandes oder des Willens zu erwecken. Diese einfache Liebe des Vertrauens und das liebevolle Schlafen deines Geistes in den Armen deines Erlösers schließen alles in sich, wonach immer dein Herz sich sehnt.

Es ist besser, an dieser heiligen Brust zu schlafen, als irgendwo anders wach zu sein, egal wo. Eine Seele, die in Ruhe und Schweigen vor Gott verweilt, nimmt die Wonne dieser Gegenwart in sich auf.

Franz von Sales

Frage: Wie könntest du heute einen Moment der stillen Gegenwart mit deinem inneren Selbst oder Gott bewusst wahrnehmen?

4. Zusammensein mit Gott

Ich bin eine Blume auf den Wiesen des Scharon, eine Lilie der Täler. Hdl 2,1

Wenn wir uns von Gott angeschaut wissen, erkennen und gewahren wir uns in unserer gottgeschenkten Schönheit.

Du bist nicht nur einer unter vielen. Du bist etwas ganz Besonderes in meinen Augen. Dich liebe ich mit einzigartiger Liebe.

Mit dem Geliebten zusammen zu sein, ist ein Duft, eine Wohltat und ein Wohlgeschmack.

Die Zeit, die wir mit Gott im Gebet verbringen, bewirkt in uns, was keine andere Begegnung zu bewirken vermag. Durch seinen Heiligen Geist schenkt Gott unserem Herzen in der Unrast Ruhe, haucht in der Hitze Kühlung zu und lässt uns die Süße seiner barmherzigen Liebe verkosten.

Wenn wir doch mit solcher Sehnsucht und Vorfreude jeden Tag zum Gebet hineilten.

Franz von Sales

Frage: Wie kann ich die göttliche Gegenwart heute bewusst in meinem Alltag wahrnehmen und erfahren?

5. Die Beschauung

Ich habe den gefunden, den meine Seele liebt. Ich habe ihn gefunden und lasse ihn nicht!. Hld 3,4

Die gewonnene Liebe aber läßt uns beschauen. Die Liebe drängt dazu, die geliebte Schönheit immer noch aufmerksamer anzuschauen, und das Schauen zwingt das Herz, sie immer noch brennender zu lieben.

Die Beschauung ist ein liebevolles, einfaches, ständiges Aufmerken des Geistes auf göttliche Dinge. Um zum beschaulichen Gebet zu gelangen, müssen wir für gewöhnlich das Wort Gottes hören, mit anderen geistliche Gespräche pflegen, fromme Bücher lesen, beten, betrachten, geistliche Lieder singen, gute Gedanken hegen.

Die Beschauung hängt nicht von unserer Bemühung ab, sondern Gott bewirkt sie in uns durch seine heilige Gnade, wenn es ihm gefällt.

Frage: Wie könnte ich heute Momente der stillen Beschauung in meinem Alltag bewusst wahrnehmen und die Gegenwart Gottes entdecken?

6. Vereinigung mit Gott im Gebet

Oh Gott wo irrte ich umher, dich unendliche Schönheit zu suchen! Ich suchte dich draußen, und du warst mitten in meinem Herzen. Augustinus

So zieht der Herr die gottliebende Seele ganz an sich, wenn er ihr seine göttliche Liebe offenbart. Er rafft all ihre Fähigkeiten zusammen und birgt sie förmlich im Schoß seiner mütterlichen Zärtlichkeit.

Brennend vor Liebe ergreift er die Seele, vereinigt sich mit ihr, drückt sie an seine Lippen. Die gelockte Seele gibt sich nicht nur hin, sondern wirkt mit aller Kraft mit, eine immer innigere Verbundenheit mit Gott zu gewinnen.

Sie ist sich aber dessen voll bewusst, dass ihr Eins-und Verbundensein mit dieser über alles erhabenen Güte ganz vom göttlichen Wirken abhängt, ohne das sie nicht den geringsten Versuch wagen könnte, sich mit ihr zu vereinigen.

Wie glücklich ist doch eine Seele, die in der Stille ihres Herzens das heilige Empfinden der göttlichen Gegenwart liebend bewahrt!

Frage: In welchen Momenten spürst du die göttliche Nähe am intensivsten und wie lässt du diese Erfahrung in dein tägliches Leben einfließen?

7. Fruchtbare Gemeinschaft im Gebet

Solange der König an der Tafel ruht, gibt meine Narde ihren Duft. Hdl 1,12

Der König ist anwesend. Gemeinsam zu Tisch liegen ist ein Bild für vertraute Gemeinschaft. Der König schenkt seine Gegenwart, und die Braut verströmt ihren Duft.

Das ist ein Bild für das Gebet. Christus schenkt seine Gegenwart, und die Seele antwortet mit ihrer Hingabe, mit ihrer Sehnsucht, Gott zu gefallen und heilig zu sein. Dabei ist sie ganz und gar abhängig von der Gegenwart des Königs. Nur solange er da ist, kann sie ihren Duft verströmen.

Nur durch die Gegenwart Christi können wir wahrhaft beten. Ohne ihn können wir nichts tun, nicht einmal beten. Ohne ihn wären wir zu keiner Regung der Liebe fähig, die ja das Wesen des Gebets ausmacht. Alles ist Gnade.

Franz von Sales

Frage: Wie bewusst erlebst du die Gegenwart Christi in deinem eigenen Leben und wie beeinflusst sie dein Beten und deine Hingabe?

8. Gott umfängt mich

Seine Linke liegt unter meinem Kopf, seine Rechte umfängt mich. Hdl 2,6

Im Gebet umfängt der göttliche Liebende unser ganzes Menschsein. Der Kopf steht für unser Denken und Verstehen.

Im Gebet ordnet, reinigt und erleuchtet Gott unseren Verstand. Er gibt uns Licht für die aktuellen Fragen unseres alltäglichen Lebens. Er lässt uns die Welt im Licht seiner Weisheit sehen und führt uns tiefer in die göttliche Wahrheit ein.

Der Liebende umfängt seine Geliebte mit der Rechten, das heißt, er zieht sie an sich, so dass Herz an Herz liegt. Im Gebet dürfen wir ruhen am Herzen Jesu. Es ist schön, bei ihm zu verweilen und von der unendlichen Liebe seines Herzens berührt zu werden.

Liebende sehnen sich nach ungestörtem Zusammensein, und immer ist die Zeit dafür zu kurz. So wünscht sich auch die Seele, wenn sie in der Umarmung der göttlichen Liebe ruht, Ungestörtheit, ja Ewigkeit.

Franz von Sales

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben Momente der ungestörten göttlichen Gegenwart erkennen und bewusst darin verweilen?

9. Wachet und Betet

Wichtig ist allein Gott, der für das Wachstum sorgt. 1. Kor 3:7

Nachdem wir gepflanzt und begossen haben, müssen wir wissen, dass es an Gott ist, den Bäumen unserer guten Neigungen und Haltungen das Wachstum zu geben. Die Sorge um die Größe von Gewinn und Ernte müssen wir unserem Herrn überlassen.

Der Herr sagt: Wachet und betet. Würde der Herr nur sagen Wachet, so würden wir meinen, allein auskommen zu können. Da er aber hinzufügt Betet, zeigt er uns, dass das Wachen derjenigen, die unsere Seele behüten, umsonst ist, wenn er sie nicht behütet.

Franz von Sales

Frage: Welche Bereiche deines Lebens könntest du dem göttlichen Wachstum anvertrauen, anstatt alles allein kontrollieren zu wollen?

10. Herzenserhebungen

Empfehlt euch am Morgen Gott, beteuert, dass ihr ihn nicht beleidigen wollt. Dann geht an euer Tagewerk mit dem Entschluss, gleichwohl häufig euren Geist zu Gott zu erheben, selbst in Gesellschaft.

Wer kann euch daran hindern, auf dem Grund eures Herzens mit ihm zu sprechen? Es ist ja nicht nötig, dass ihr geistigerweise oder mündlich mit ihm sprecht. Sagt kurze, aber feurige Worte.

Der hl. Franziskus sagte oft „mein Alles“, der hl. Bruno oft „O Güte!“.

Franz von Sales

Frage: Wie könntest du heute in deinem Alltag kleine Momente finden, um deinen Geist mit Gott zu verbinden?

11. Sich im Gebet Gott nahen

Und sie warfen sich anbetend vor ihm nieder. Lk 24:52

Die christliche Sache lebt und stirbt mit dem Gebet.

Beten ist nicht nur bitten und auch nicht nur danken. Beten heißt erst einmal so stille werden, dass wir Gottes Wort an uns vernehmen, heißt dann aber, diesem Wort Antwort geben, sei es in Worten oder in Taten.

Beten heißt Gott nahe kommen und nahe bleiben wollen, weil er uns nahegekommen ist. Beten können wir nur, weil Christus da ist, in ihm hat unser Gebet seinen Grund, denn durch ihn haben wir Gott zum Vater.

Christus ist die Kraft unseres Betens und nur aus dieser Kraft können wir ohne Unterlass beten. Aber eben weil Christus unsere Kraft ist, die uns zum Vater führt, darum macht das Gebet uns fröhlich und stark, darum kann ein Mensch, der betet, nicht mehr Angst haben und nicht mehr traurig sein.

Im Gebet ist Christus, ist Gott uns nahe. Nahet euch zu Gott, so naht er sich zu euch.
Bonhoeffer

Frage: Wie kann ich im Alltag bewusst Raum schaffen, um Gottes Nähe im Gebet zu erfahren und darauf zu antworten?

12. Vertrauen

Vertraue auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand. Spr 3:5

Das Wort Vertrauen bedeutet fest werden. Vertrauen hat mit Festigkeit zu tun und mit Treue.

Vertrauen will jeden Tag neu gewagt werden. Beende dein Gebet stets immer mit Gottvertrauen.

Laut Bonhoeffer ist das Gebet nicht eine fromme Handlung oder Übung, sondern es ist die vertrauende Bitte des Kindes zum Herzen des Vaters.

Darum ist das Gebet niemals demonstrativ, weder vor Gott, noch vor uns selbst, noch vor anderen, sondern schlicht das vertrauende Hineinwerfen meiner Selbst in seine Güte, das Loslassen meiner Selbst, um mich in ihm neu zu finden.

Frage: Wo in meinem Leben darf ich heute bewusst loslassen und mein Vertrauen erneuern?

13. Gebetshaltung

Man fragte einen Alten: »Ist es gut, sich auf die Knie zu werfen? Der Alte sagte: Jesus Nave sah, als er sich auf die Knie warf, Gott. Apophthegmata

Die Gebetshaltung kann uns öffnen für Gott. Wenn ich niederknie oder mich verbeuge, mache ich mich klein. Und ich spüre, dass ich vor etwas niederknie, das größer ist als ich selbst.

Mein Gebet wird dadurch innerlicher und ich gebe mich bewusster in die Haltung des Hörens hinein. Und eben darauf kommt es ja an, auf seine Wegweisung und Instruktionen zu hören, mit einem Herzen, das zugewandt ist.

Beten heißt nicht: sich selbst reden hören. Beten heißt: stille werden und stille sein und hören, bis der Betende Gott hört.

Sie werfen sich vor ihm nieder und achten auf seine Worte. 5. Mose 33:3

Frage: Welche Haltung in meinem Alltag könnte mich ebenso offen machen für das, was größer ist als ich selbst?

14. Gebet als Schild und Schwert

Das Gebet ist das Schild und das Schwert. Apophthegmata

Das Gebet ist dein Schild. Es schützt dich vor äußeren und inneren Bedrängnissen, vor dem Trübsal der Seele und vielem mehr.

Das Gebet ist dein Schwert. Es hilft dir im Kampf gegen Versuchungen und innere Leidenschaften. Diese werden immer wieder auftauchen, doch Gott schenkt dir die notwendige Kraft, ihnen zu begegnen.

Geistliches Leben ist stets auch ein geistlicher Kampf. Deshalb: Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an. Eph 6:11

Frage: Wie kannst du heute dein Gebet als Schutz und Stärke in deinem Leben bewusst einsetzen?