
Hiob 7. Kap.: Andacht, Auslegung und Kommentar zur Bibel
Inhalt
Andacht, Auslegung, Predigt und Kommentar zur Bibel zum Buch Hiob 7. Kap.
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Andacht zu Hiob 7. Kap.
Hiob Kapitel 7 handelt von Hiobs tiefem Leid und seiner Klage gegenüber Gott. Er beschreibt die menschliche Existenz als kurz und voller Mühsal, vergleicht sie mit einem Tagelöhner, dessen Arbeit sinnlos erscheint. Hiob fühlt sich wie ein Sklave, der sehnsüchtig auf das Ende seines Leidens wartet. Seine Nächte sind schlaflos und seine Tage endlos. Er spricht direkt zu Gott, fragt, warum er so geprüft wird und wünscht sich den Tod, um seinem Schmerz zu entkommen. Hiob kämpft mit dem Gefühl der Bedeutungslosigkeit seines Lebens und drückt seine Verzweiflung aus. Seine Worte zeigen seine tiefe Ehrlichkeit und das Ringen mit dem Sinn des Leidens.
Hiob 7,1-6: Das mühsame Menschendasein
Christliche Bibel – Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zu Hiob 7,1-6
Hiob 7:1: Hat der Mensch nicht harten Frondienst auf Erden; sind seine Tage nicht wie die eines Tagelöhners?
Allmählich ändert sich der Tonfall in Hiobs Antwortrede
Hat er bisher vor allem seinen Freunden Vorhaltungen gemacht, so beklagt er nun ganz allgemein die Mühsal, mit der sich ein jeder Mensch durchs Leben quält. Dafür gibt’s ohnehin nur einen geringen Lohn. So sieht es jedenfalls Hiob in seiner gegenwärtigen Lage. Und er jammert, dass ihm sogar der geringe Lohn eines Tagelöhners vorenthalten werde.
Harter Dienst
Hiob sagt: Ist nicht das Leben des Menschen auf Erden ein harter Dienst? Er beschreibt das Gefühl, eingespannt zu sein in Aufgaben, Pflichten und Erwartungen, die kaum Luft zum Atmen lassen. Viele kennen das: Tage voller Mühe, Nächte voller Gedanken, und die Hoffnung auf Ruhe scheint fern. Hiob beschönigt nichts. Er bringt seine Erschöpfung vor Gott und verschweigt nicht, wie schwer sich das Leben anfühlen kann.
Gerade darin liegt eine stille Kraft. Gott hält unsere Klage aus. Wir müssen nicht stark wirken oder dankbar klingen, wenn uns danach nicht ist. Wer Gott sein müdes Herz zeigt, bleibt im Gespräch mit ihm, selbst im Dunkeln.
Frage: Wo erlebe ich mein Leben gerade als mühevollen Dienst, und wie könnte ich Gott diese Last ehrlich hinlegen?
Parallelstellen zum Vers 7,1: Tagelöhn. 14,6
Hiob 7:2: Wie einem Knecht, der sich nach dem Schatten sehnt, und wie einem Tagelöhner, der auf seinen Lohn harrt,
Hiob 7:3: so wurden auch mir Monate voller Enttäuschung beschert und Nächte voller Qual zugeteilt.
Hiob 7:4: Wenn ich mich niederlege, so spreche ich: Wann werde ich aufstehen? Aber der Abend zieht sich hin, und ich bin gesättigt mit Unrast bis zur Morgendämmerung.
Schlaflose Nächte
Hiob beschreibt Nächte, die kein Ende nehmen. Er liegt wach, zählt Stunden, wälzt Gedanken und Schmerzen. Viele kennen das: Wenn Sorgen lauter werden, sobald es still wird. Der Körper ruht, doch das Herz findet keinen Frieden. Die Dunkelheit scheint ehrlicher als der Tag, weil sie nichts überdeckt.
In solchen Nächten ist Gott nicht fern. Auch wenn Hiob klagt, spricht er mit Gott und nicht über ihn. Die schlaflosen Stunden werden so zu einem Ort der Begegnung. Gott hält die Zeit aus, in der wir nichts leisten, nichts lösen, nur ausharren. Vielleicht ist genau das der Trost: Wir müssen die Nacht nicht schönreden, aber wir dürfen sie Gott hinhalten.
Frage: Welche unruhigen Nächte in meinem Leben möchte ich Gott heute ehrlich hinlegen und ihm darin vertrauen?
Parallelstellen zum Vers 7,4: 7,13.14; Dtn 28,67
Hiob 7:5: Mein Fleisch ist bekleidet mit Maden und Schorf; meine Haut verkrustet und eitert.
Parallelstellen zum Vers 7,5: 13,28; 30,30
Hiob 7:6: Meine Tage gleiten schneller dahin als ein Weberschiffchen; sie entschwinden ohne Hoffnung.
Parallelstellen zum Vers 7,6: 9,25.26; Ps 102,12; hoffnungsl. 6,11; 14,7.19; 17,11
Hiob 7,7-10: Die Kürze des Lebens
Christliche Bibel – Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zu Hiob 7,7-10
Hiob 7:7: Bedenke doch, dass mein Leben nur ein Hauch ist, dass mein Auge nichts Gutes mehr sehen wird!
Mein Leben nur ein Hauch
Hiob schaut seinem Leid ins Gesicht und sagt nüchtern: Mein Leben ist ein Hauch. Kein Drama, keine Verklärung. Nur Ehrlichkeit. Wer schon einmal erschöpft war, enttäuscht oder innerlich leer, erkennt sich darin wieder. Manchmal fühlt sich das Leben zerbrechlich an, als würde es uns zwischen den Fingern zerrinnen.
Doch gerade diese Erkenntnis kann den Blick schärfen. Wenn das Leben ein Hauch ist, wird jeder Atemzug kostbar. Dann zählt nicht, was wir festhalten, sondern wem wir uns anvertrauen. Gott hält auch das Flüchtige aus. Er erschrickt nicht vor unserer Klage, sondern hört sie als Gebet.
Frage: Wo erlebst du gerade die Zerbrechlichkeit deines Lebens und wie könnte es aussehen, Gott diesen Hauch heute bewusst anzuvertrauen?
Parallelstellen zum Vers 7,7: 7,16; Jak 4,14
Hiob 7:8: Das Auge dessen, der mich jetzt erblickt, wird mich nicht mehr sehen; wenn deine Augen nach mir sehen, so bin ich nicht mehr!
Parallelstellen zum Vers 7,8: 20,9; Ps 90,9
Hiob 7:9: Wie die Wolke vergeht und verschwindet, so kommt, wer ins Totenreich fährt, nicht mehr herauf;
Parallelstellen zum Vers 7,9: 10,21; 14,12; 16,22; Jes 26,14
Hiob 7:10: er kehrt nicht mehr in sein Haus zurück, und seine Stätte kennt ihn nicht mehr.
Parallelstellen zum Vers 7,10: 14,12; Ps 103,15.16
Hiob 7,11-16: Klage über Gottes Überwachung
Christliche Bibel – Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zu Hiob 7,11-16
Hio 7:11: Darum will auch ich meinen Mund nicht zurückhalten; ich will reden in der Bedrängnis meines Geistes, in der Verbitterung meiner Seele will ich klagen:
Hiob 7,11: Der Schmerz wühlt in meinem Innern. Ich lasse meinen Worten freien Lauf, ich rede aus bitterem Herzen.
Den Schmerz ausdrücken
Hiob scheut sich nicht, seine tiefe Qual, Bitterkeit und Frustration vor Gott hinauszulassen. Das ist so wichtig! Gefühle zu ignorieren und den inneren Dialog abzubrechen ist ein sicherer Weg in das eigene Aus. Es wird uns den Schlaf rauben.
Wir dürfen unseren Schmerz nicht in uns hinein fressen, sondern müssen ihn ausdrücken, sonst wirkt er zerstörerisch. Seien wir also im Schmerz stets in achtsamer Weise in Kontakt mit uns selbst. Suchen wir weiter Menschen, denen wir unser Herz ausschütten können.
Am wichtigsten aber: Bringen wir unsere Gefühle stets offen vor Gott. Wenn du leidest, dann gehe ins Gebet!
Frage: Welche Gefühle trägst du momentan in dir, die du noch nicht vor Gott oder einem vertrauten Menschen ausgesprochen hast?
Parallelstellen zum Vers 7,11: 10,1
Hiob 7:12: Bin ich denn das Meer oder ein Ungeheuer, dass du eine Wache gegen mich aufstellst?
Parallelstellen zum Vers 7,12: 38,10.11
Hiob 7:13: Wenn ich denke: Mein Bett wird mich trösten, mein Lager wird meine Klage erleichtern!,
Hiob 7:14: so erschreckst du mich mit Träumen und ängstigst mich durch Gesichte,
Parallelstellen zum Vers 7,14: 7,4
Hiob 7:15: sodass meine Seele lieber ersticken möchte und ich lieber tot wäre, als ein Gerippe zu sein.
Parallelstellen zum Vers 7,15: 6,8.9; 17,13.14
Hiob 7:16: Ich habe genug! Ich will nicht ewig leben; lass ab von mir; meine Tage sind nur ein Hauch!
Lass mich!
Welche furchtbare Bitte! Ließe Gott von uns ab und würde er uns dann uns selbst überlassen, wären wir verloren. Wir sänken in die Hölle und blieben ewig dort.
Wie froh müssen wir sein, dass Gott uns nicht immer gibt, was wir begehren! Wie froh müssen wir sein, dass er uns unserem eigenen Willen nicht überlässt.
Nein, nach seinem Willen enthält er uns manches vor, was wir begehren, und nach seinem Willen gibt er uns manches, was wir nie begehrt haben. Und dieser Wille ist für uns das ewige Leben.
Benedikt Peters
Frage: Wo in meinem Leben kann ich erkennen, dass Gottes Wille – auch wenn er meinem Wunsch widerspricht – mir zum Leben dient?
Parallelstellen zum Vers 7,16: 10,1; 1Kön 19,4; Hauch 7,7; Ps 39,6
Hiob 7,17-21: Warum prüft Gott uns?
Christliche Bibel – Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zu Hiob 7,17-21
Hiob 7:17: Was ist der Mensch, dass du ihn so hochhältst und dass du auf ihn achtest?
Andacht zu Hiob 7,17-21
Hiob fragt, warum Gott den Menschen so ernst nimmt und ihn zugleich so schwer prüft. Seine Worte sind kein frommes Ideal, sondern ein ehrlicher Ruf aus Erschöpfung und Schmerz. Hiob fühlt sich beobachtet, bedrängt, nicht losgelassen. Und doch redet er mit Gott, nicht über ihn. Das macht diesen Text so lebensnah. Glaube zeigt sich hier nicht im Durchhalten mit zusammengebissenen Zähnen, sondern im mutigen Aussprechen dessen, was weh tut.
Auch wir kennen Zeiten, in denen Gottes Nähe eher Last als Trost zu sein scheint. Dann dürfen Klage, Zweifel und Sehnsucht nach Erleichterung Platz haben. Gott hält unsere unbequemen Fragen aus und bleibt dennoch zugewandt. Gerade darin liegt Hoffnung.
Frage: Wo halte ich meine Fragen und meinen Schmerz zurück, obwohl ich sie Gott ehrlich hinhalten dürfte?
Parallelstellen zum Vers 7,17: Ps 8,5; 144,3; Hebr 2,6
Hiob 7:18: Du suchst ihn Morgen für Morgen heim; alle Augenblicke prüfst du ihn.
Parallelstellen zum Vers 7,18: 14,3
Hiob 7:19: Warum schaust du immer noch nicht von mir weg und lässt mir nicht einmal so viel Ruhe, dass ich meinen Speichel herunterschlucken kann?
Parallelstellen zum Vers 7,19: 9,18; 10,20
Hiob 7:20: Habe ich gesündigt? Was tue ich dir an, du Menschenhüter? Warum hast du mich zu deiner Zielscheibe gemacht, sodass ich mir selbst zur Last bin?
Parallelstellen zum Vers 7,20: 22,2–4; 35,6; Hüter Ps 121,4.5; Angriffsziele 6,4; 10,2; Klgl 3,12
Hiob 7:21: Warum vergibst du meine Übertretung nicht und erlässt mir nicht meine Schuld? Denn jetzt muss ich mich in den Staub legen, und wenn du nach mir suchst, so bin ich nicht mehr!
Parallelstellen zum Vers 7,21: 10,14; Staub 34,14.15; Ps 22,16; 104,29; suchst 7,8
Hier geht’s zu einer Auslegung von G. de Koning zum Buch Hiob
Das war eine Christliche Bibel – Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt aus dem Buch Hiob 7. Kapitel
