Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Weisheit (Weish) Kapitel 1 bis 19: Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch Weisheit (Weish) Kapitel 1 bis 19

Zum Inhalt: Das Buch der Weisheit, das letzte der biblischen Weisheitsbücher, wurde etwa zwischen 100 und 50 v. Chr. geschrieben, also kurz vor der Zeit des Neuen Testaments. Der Verfasser lebte wahrscheinlich in Alexandrien, wo sich ein Zentrum des griechisch sprechenden Judentums gebildet hatte. Das Buch ist griechisch abgefasst worden; es zeigt vielfache Berührungen mit der griechischen Philosophie, steht aber aufs Ganze gesehen, in der Überlieferung der alten hebräischen Weisheit. Erzabtei Beuron

Weish Kap. 1

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 1

Weish 1,1: Denkt in Frömmigkeit an den Herrn, sucht ihn mit reinem Herzen!

Gott suchen: Wann werden wir endlich nur Gott suchen? O wie glücklich werden wir sein, wenn wir an diesem Punkt angelangt sind, denn dann werden wir überall haben, was wir suchen, und überall suchen, was wir haben. Man darf indes nur Gott sehen, nur ihn suchen, nur ihn lieben, dann werden wir glücklich sein. Wenn wir nur das suchen, wie glücklich werden wir sein, denn wir werden ihn immer finden, wenn wir ihn suchen, und wir werden immer nach ihm trachten, wenn wir ihn gefunden haben. Wir werden von Stunde zu Stunde zunehmen im Wunsch, ihn zu finden, und wir werden ihn finden in der Beharrlichkeit, uns nach ihm zu sehnen. Franz von Sales

Weish 1,2: Denn er lässt sich finden von denen, die ihn nicht versuchen,  und zeigt sich denen, die ihm nicht misstrauen

Gott vertrauen: Je mehr wir unsere Armseligkeit anerkennen, desto mehr Grund haben wir, unser Vertrauen auf Gott zu setzen, da wir in uns selbst nichts haben, worauf wir bauen könnten. Das Mißtrauen gegen uns selbst entspringt der Erkenntnis unserer Fehlerhaftigkeit. Es ist sehr gut, sich selber nicht zu trauen, aber was würde das nützen, wenn man nicht zugleich sein ganzes Vertrauen Gott schenkte und sich seinen Erbarmungen überließe? Ihr sagt, daß ihr ein solches Vertrauen nicht fühlt. Trotzdem dürft ihr diese Akte nicht unterlassen, ihr sollt vielmehr zum Herrn sagen: Obgleich ich gar kein Vertrauen zu Dir fühle, so weiß ich doch, daß Du mein Gott bist und daß ich Dir ganz zu eigen bin, weiß, daß ich allein auf Deine Güte vertraue, und so überlasse ich mich gänzlich Deinen Händen! Das Erwecken solcher Akte liegt stets in unserer Macht; fallen sie auch schwer, unmöglich sind sie nicht; gerade bei solchen Gelegenheiten, in solchen Schwierigkeiten müssen wir dem Herrn un- sere Treue beweisen. Wenn wir solche Gebete auch ohne Lust und Befriedigung verrichten, so soll uns das nicht kümmern, sind sie doch dem Herrn nur umso wohlgefälliger. Franz von Sales

Weish 1,3: Verkehrte Gedanken trennen von Gott;  wird seine Macht herausgefordert, dann weist sie die Toren zurück.

Zu unseren Gedanken: Martin Luther wird sinngemäß folgender Satz zugeschrieben: Schlechte Gedanken sind wie Vögel. Wir können nicht verhindern, dass sie um unseren Kopf kreisen. Aber wir können verhindern, dass sie auf unserem Kopf nisten. Ein negativer Gedanke ist also noch nicht an sich zwangsläufig falsch in Gottes Augen. Erst, wenn wir ihm nachgehen und ihm Nahrung geben, ihn zum Bleiben einladen, kann daraus ein schuldhaftes Verhalten werden. Es bringt übrigens nichts, wenn man versucht, die unerwünschten Gedanken zu verdrängen oder zu unterdrücken. Um sie loszuwerden, muss man ihnen ins Gesicht sehen: Warum ärgere ich mich ständig über diesen Menschen und wünsche ihm nichts Gutes? Oder: In welcher Stimmung und Tagessituation bin ich besonders anfällig dafür, gewisse Bilder vor meinem inneren Auge zu sehen? Wenn Sie wissen, was der tiefere Grund oder der Auslöser für Ihre Gedanken ist, dann können Sie ihre Gedanken und Ihr Verhalten auch leichter entsprechend ändern.

Weish 1,4: In eine Seele, die auf Böses sinnt,  kehrt die Weisheit nicht ein, noch wohnt sie in einem Leib, der sich der Sünde hingibt.

Weish 1,5: Denn der heilige Geist, der Lehrmeister, flieht vor der Falschheit, er entfernt sich von unverständigen Gedanken und wird verscheucht, wenn Unrecht naht.

Warnung vor Falschheit: Gewöhne dich daran, niemals bewußt zu lügen, weder um dich zu entschuldigen, noch aus einem anderen Grund. Bedenke immer, daß Gott der Gott der Wahrheit ist. Hast du aus Unachtsamkeit gelogen, dann stelle womöglich sofort durch eine Erklärung oder Zurücknahme deine Behauptung richtig. Eine aufrichtige Entschuldigung wirkt immer besser als eine noch so schöne Lüge. Wenn man auch zuweilen taktvoll und klug die Wahrheit durch geschickt gewählte Worte verschleiern und verbergen darf, so soll das doch nur in ganz wichtigen Dingen geschehen, soweit es die Ehre und der Dienst Gottes offenkundig erfordern; sonst sind solche Kunstgriffe gefährlich, denn wie die Schrift sagt, wohnt der Heilige Geist nicht in einer listigen und doppelzüngigen Seele. Franz von Sales 

Gegen Lüge und Falschheit: Es gibt keine bessere und erstrebenswertere Klugheit als die Einfalt. Menschliche Schlauheit und irdische List sind das Erbteil der Kinder dieser Welt; die Kinder Gottes gehen den geraden Weg, ihr Herz hat keine verborgenen Falten. Wer einfach wandelt, sagt der Weise, wandelt sicher (Spr 10,9). Lüge, Doppelzüngigkeit und Verstellung lassen immer auf ein schwachen und gemeinen Charakter schließen. Denn ohne Zweifel ist eine gerade, klare und offene Sprache die Zierde des christlichen Lebens. Franz von Sales

Weish 1,7: Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis und er, der alles zusammenhält, kennt jeden Laut.

Weish 1,11: Hütet euch also vor unnützem Murren und verwehrt eurer Zunge das Verleumden! Denn euer heimliches Reden verhallt nicht ungehört  und ein Mund, der lügt, tötet die Seele.

Gegen das Murren: Glauben wir nicht, wir müßten schon in diesem Leben selig und von allen Beschwerden frei sein und deshalb bei zeitlichen Trübsalen mit lästerndem Munde gegen Gott murren, als gebe er uns nicht, was er versprochen hat. Er hat uns ja auch das Notwendige für dieses Leben versprochen, aber man muß wohl unterscheiden zwischen einem Trost für Mühselige und den Freuden der Seligen. Murren wir also nicht bei Mühseligkeiten, damit wir nicht jenen durch die Breite des Kreuzes angedeuteten Frohsinn verlieren, von dem gesagt ist: Freuet euch in Hoffnung! Seid geduldsam in Trübsalen. Das neue Leben beginnt jetzt im Glauben und vollzieht sich in Hoffnung. Vollkommen aber wird es dann sein, wenn der Tod in den Sieg verschlungen sein wird, wenn wir umgewandelt und den Engeln gleich geworden sein werden. Augustinus

Weish 1,12: Jagt nicht dem Tod nach in den Irrungen eures Lebens und zieht nicht durch euer Handeln das Verderben herbei!

Weish 1,13: Denn Gott hat den Tod nicht gemacht und hat keine Freude am Untergang der Lebenden.

Weish Kap. 2

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 2

Weish 2,1: Sie sprachen miteinander nicht richtig denkend.

Frevler und Gerechte: Die Menschen damals stehen vor der gleichen Bandbreite der Entscheidung wie die Menschen heute. Auf der einen Seite: Sie schauen nur auf die Kürze, Unverfügbarkeit und Flüchtigkeit des Lebens und sehen im Tod das letztgültig und einzig Sichere. Dann gilt es, möglichst viel und intensiv und ungehemmt zu genießen. Aus dieser Haltung wächst Machtanspruch und Gewaltbereitschaft. Auf der anderen Seite: Der Gerechte in seiner Entscheidung für Gerechtigkeit. Er sieht sich als Kind Gottes und ist bereit in Sanftmut und Geduld die verbalen, psychischen und physischen Angriffe der Frevler auszuhalten. Und er nimmt auch in Kauf, dass Gottes Hilfe und damit Gottes Bestätigung für sein richtiges Leben bis zu seinem Tod nicht sichtbar und beweisbar wird. 

Weish 2,19: Roh und grausam wollen wir mit ihm verfahren, um seine Sanftmut kennen zu lernen, seine Geduld zu erproben.

Weish 2,20: Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen. Er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt.

Weish 2,21: Ihre Schlechtigkeit macht sie blind.

Weish Kap. 3

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 3

Weish 3,1: Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand  und keine Qual kann sie berühren.

Worte von Benedikt XVI: Der Vers spricht von Gerechten, die verfolgt und zu Unrecht getötet werden. Aber auch wenn sie unter demütigenden und schmerzhaften Umständen sterben und ihr Heimgang als Unglück gilt, ist das für den, der Glauben hat, nicht der Fall, wie der biblische Autor unterstreicht: Sie aber sind in Frieden. Und auch wenn sie in den Augen der Menschen gestraft wurden, ist ihre Hoffnung voll Unsterblichkeit.

Weish 3,2: In den Augen der Toren sind sie gestorben,  ihr Heimgang gilt als Unglück.

Deutung von Leid: Gottes Gerechtigkeit wird damals und heute kritisch hinterfragt, wo Menschen Leid trifft. Manche sehen unerklärliches, unverdientes Leidensschicksal von Menschen als Erweis von Willkür und Ungerechtigkeit Gottes an, oder andersherum: als gerechte Strafe für irgendwelche Vergehen, die aber oft die Betroffenen selbst nicht zu erkennen vermögen. So ist es nicht! Irdisches Leiden ist Erziehung (gezüchtigt) und Prüfung bzw. Erprobung Gottes. So erweisen sich Leidende als würdig. Ein wenig ist das Schmerzliche nur im Vergleich zu dem Frieden, den wir bei Gott dafür erhalten. 

Weish 3,3: Ihr Scheiden von uns als Vernichtung; sie aber sind in Frieden.

Worte der Erzabtei Beuron: Die Gerechten „aber sind in Frieden: in dem Frieden, den allein Gott geben kann und den nur die Menschen empfangen können, die sich für Gott geöffnet haben: die Menschen des Glaubens und der Hoffnung. Ihre Hoffnung war wie ein Gefäß, das Gott mit Unsterblichkeit gefüllt hat (3,4), mit einem Leben, das nicht einfach die Verlängerung des irdischen Lebens ist; es ist ein neu geschaffenes Leben, dem gegenüber alles Bisherige wie nichts erscheint. Leiden und Tod sind darauf die Vorbereitung, sie dienen zur Prüfung und Läuterung. Auf den Glauben und die Treue des Menschen antwortet Gott mit Gnade und Erbarmen (3,9), die in Wirklichkeit ja allem menschlichen Tun schon vorausgehen und dieses erst möglich machen. 

Weish 3,4: In den Augen der Menschen wurden sie gestraft; doch ihre Hoffnung ist voll Unsterblichkeit.

Worte von Benedikt XVI: Die Trennung von den Lieben ist schmerzhaft, das Ereignis des Todes ist ein besorgniserregendes Rätsel, aber für die Gläubigen ist es, wie auch immer es geschieht, stets von der Hoffnung der Unsterblichkeit erleuchtet. Der Glaube stützt uns in jenen Momenten, die menschlich gesehen voll Traurigkeit und Kummer sind.  Denn deinen Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen. Und wenn die Herberge der irdischen Pilgerschaft zerfällt, ist uns im Himmel eine ewige Wohnung bereitet.

Weish 3,5: Ein wenig nur werden sie gezüchtigt. Doch sie empfangen große Wohltat. Denn Gott hat sie geprüft und fand sie seiner würdig.

Weish 3,6: Wie Gold im Schmelzofen hat er sie erprobt  und sie angenommen als ein vollgültiges Opfer.

Worte von Benedikt XVI: Wir wissen es sehr gut und erfahren es selbst auf unserem Weg: in diesem Leben fehlt es nicht an Schwierigkeiten und Problemen, es gibt Situationen des Leids und des Schmerzes, Augenblicke, die schwer zu verstehen und anzunehmen sind. Alles jedoch erhält Wert und Bedeutung, wenn es unter der Perspektive der Ewigkeit gesehen wird. Denn jede Prüfung, die mit ausdauernder Geduld angenommen und für das Reich Gottes aufgeopfert wird, ist schon hier auf der Erde von geistlichem Nutzen und vor allem für das zukünftige Leben im Himmel. Wir sind nur vorübergehend auf dieser Welt und werden wie Gold im Schmelzofen erprobt. In geheimnisvoller Weise in das Leiden Jesu mit hineingenommen, können wir aus unserem Leben ein Gott wohlgefälliges Opfer machen, ein freiwilliges Opfer der Liebe.

Weish 3,9: Alle, die auf ihn vertrauen, werden die Wahrheit erkennen und die Treuen werden bei ihm bleiben in Liebe. Denn Gnade und Erbarmen werden seinen Heiligen zuteil und Rettung seinen Erwählten.

Dies ist ein Glaubensbekenntnis: Keiner fällt aus Gottes Hand, im Leiden erst recht nicht. Auch Gerechten bleibt Leiden nicht erspart. Und es ist nicht sinnlos. Am Schluss steht eine Vision vom Leben der Gerechten bei Gott, vom Anteilbekommen an seiner Herrschaft, seinem Wirken. In Vers 9 sind es lauter Beziehungswörter, die das Sein bei Gott kennzeichnen als Zugewandtheit: vertrauen, Treue, Liebe, Gnade, Erbarmen (wörtlich: mutterschößige Liebe), Rettung, Erwählte. Und dann können Menschen erkennen, was wahr ist, wie Gott wirklich zu ihnen steht. 

Weish Kap. 4

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 4

Weish 4:8: ‭Denn die Würde des Alters entsteht nicht durch ein langes Leben und wird nicht nach der Zahl der Jahre gemessen;

Weish 4:12: ‭Denn der Reiz des Bösen verdunkelt das Gute, und die lockende Begierde verkehrt den arglosen Sinn.

Weish Kap. 5

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 5

Weish 5:7: ‭Auf unrechten und verderblichen Wegen sind wir gestrauchelt, unwegsame Wüsten haben wir durchwandert, den Weg des Herrn aber nicht erkannt.

Weish 5:8: ‭Was hat uns nun der Hochmut genutzt? Was hat uns der Reichtum eingebracht samt seiner Prahlerei?

Weish 5:9: ‭Es ist alles dahingefahren wie ein Schatten und wie ein Gerücht, das vorübergeht,

Weish 5:15: ‭Aber die Gerechten werden ewig leben, und beim Herrn ist ihr Lohn, und der Höchste sorgt für sie.

Weish 5:16: ‭Darum werden sie ein herrliches Reich empfangen und eine schöne Krone aus der Hand des Herrn. Denn er wird sie mit seiner Rechten beschirmen und mit seinem Arm beschützen.

Weish Kap. 6

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 6

Weish 6,11: Verlangt also nach meinen Worten; sehnt euch danach und ihr werdet gute Belehrung empfangen.

Weish 6,12: Strahlend und unvergänglich ist die Weisheit. Wer sie liebt, erblickt sie schnell, und wer sie sucht, findet sie.

Suche nach Weisheit: Die Weisheit wird wie eine begehrenswerte Frau dargestellt, die geliebt und gesucht werden soll. Salomo zeichnet diese Suche als müheloses und erfolgsversprechendes Unternehmen. Nicht zuletzt stellt er als Lohn der Suche ein sorgenfreies Leben in Aussicht. Nicht Ermahnung und Verpflichtung, sondern Verlockung und Einladung sind seine Strategie. Die Schönheit und Freundlichkeit der Weisheit, die Leichtigkeit der Suche nach ihr und die positiven Folgen soll es allen unmöglich machen, ihr zu widerstehen. 

Weish 6,14-15: Wer sie am frühen Morgen sucht, braucht keine Mühe, er findet sie vor seiner Türe sitzen. Wer ihretwegen wacht, wird schnell von Sorge frei.

Weish 6,25: Lasst euch also durch meine Worte unterweisen;  es wird euch von Nutzen sein.

Weish Kap. 7

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 7

Weish 7,7: Ich betete, und es wurde mir Klugheit gegeben. Ich flehte, und der Geist der Weisheit kam zu mir.

Gebet um Weisheit: Wer Gott um die richtige und gute Bewältigung der Gegenwart bittet, also um Weisheit und Klugheit für die anstehenden Aufgaben, der bekommt von Gott dieses Geschenk und noch viele andere wertvolle Geschenke dazu. Weisheit, die aus dem Glauben an Gott erwächst, macht den Menschen, also jeden von uns so zum glücklichsten Menschen. Wer aus dem Glauben an Gott heraus richtig sehen, unterscheiden, urteilen und handeln kann, der besitzt eine Geisteshaltung, die ihn innerlich so frei, glücklich und zufrieden werden lässt, dass alle anderen Werte relativ gering sind, auf die die Welt so viel Wert legt. Er besitzt das Wichtigste im Leben. E. Kusterer

Weish 7,8: Ich zog sie Zeptern und Thronen vor, Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr.

Weish 7,10: Ich liebte sie mehr als Gesundheit und Schönheit und zog ihren Besitz dem Lichte vor, denn niemals erlischt der Glanz, der von ihr ausstrahlt.

Worte von Benedikt XVI: Die Weisheit ist kostbarer als Silber und Gold, ja als Schönheit, Gesundheit und selbst das Licht, denn niemals erlischt der Glanz, der von ihr ausstrahlt. Natürlich läßt sich diese Weisheit nicht allein auf die intellektuelle Dimension verkürzen. Sie ist weit mehr; sie ist die Weisheit des Herzens. Sie ist ein Geschenk von oben, von Gott, und man erhält sie durch das Gebet. Sie ist nämlich nicht weit weg vom Menschen, sie ist seinem Herzen ganz nahe gekommen.

Weish 7,11: Zugleich mit ihr kam alles Gute zu mir, unzählbare Reichtümer waren in ihren Händen.

Reichtum der Weisheit: Ist aber die Seele zugleich mit ihrem Leib eine Welt im Kleinen, so ist die Liebe die Sonne, die alles schmückt, alles erwärmt und alles belebt. So ist also die göttliche Liebe, die Caritas, eine Liebe der Freundschaft, eine Freundschaft ganz besonderer Vorliebe, eine Vorliebe unvergleichlicher, über alles erhabener und übernatürlicher Bevorzugung. Sie gleicht einer Sonne, die die ganze Seele mit ihren Strahlen verschönt, die in allen geistigen Fähigkeiten gegenwärtig ist, um sie vollkommen zu machen, in allen Kräften, um sie zu ordnen. Ihr Thron aber ist im Willen, um dort zu herrschen und ihn zu bestimmen, ihren Gott über alles zu lieben.O wie glückselig ist die Seele, in welche diese heilige Liebe sich ergossen hat: Alle Güter erhält sie zugleich mit ihr (Weish 7,11).

Weish 7,27: Sie ist nur eine und vermag doch alles; ohne sich zu ändern, erneuert sie alles. Von Geschlecht zu Geschlecht tritt sie in heilige Seelen ein und schafft Freunde Gottes und Propheten.

Die Weisheit schafft Freunde Gottes: eine wunderschöne Formulierung, die einerseits den gestaltenden Aspekt hervorhebt, daß nämlich die Weisheit die Persönlichkeit formt und sie in innerem Wachstum zur Vollendung ihrer Reife gelangen läßt, und die zugleich besagt, daß diese Fülle des Lebens in der Freundschaft mit Gott besteht, in der innigen Übereinstimmung mit seinem Sein und seinem Wollen. Benedikt XVI

Weish Kap. 8

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 8

Weish Kap. 9

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 9

Weish 9,13-14: Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen oder wer begreift, was der Herr will? Unsicher sind die Überlegungen der Sterblichen und einfältig unsere Gedanken.

Rettung durch Gottes Weisheit: Gott ist und bleibt Geheimnis und unbegreiflich, insofern wir seine Gedanken nicht denken können. Es geht um unsere Erdgebundenheit. Unser Denken ist begrenzt. Nicht einmal das sich vor den Augen abspielende, sozusagen auf der Hand liegende, versteht wir nicht vollends. Aber wir dürfen Gott um Weisheit bitten. Die Sendung der Weisheit bedeutet Umkehr, Sündenvergebung, Erkennen des Willen Gottes und Erlösung.

Weish 9,17-18: Wer hat je deinen Plan erkannt, wenn du ihm nicht Weisheit gegeben und deinen heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast? So wurden die Pfade der Erdenbewohner gerade gemacht und die Menschen lernten, was dir gefällt.

Weish 9,19: Durch die Weisheit wurden sie gerettet.

Weish Kap. 10

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 10

Weish 10,10: Sie machte ihn reich bei seiner harten Arbeit und vermehrte den Ertrag seiner Mühen.

Allein Gottes Gnade vertrauen: Du magst wohl die Pflanzen begießen, es wird dir aber nichts nützen, wenn Gott nicht deiner Arbeit seinen Segen gibt. So verdankst du die Ernte nicht deinem Schweiß, sondern seiner Güte. Von ihr mußt du dich also ganz abhängig fühlen. Unsere Pflicht ist es freilich, gut zu arbeiten, der Erfolg unserer Arbeit aber steht bei Gott. Ohne die Gnade können wir nichts. Nur keine aufgeregte Hast bei unserer Arbeit! Sie wird gut ausfallen, wenn wir uns bemühen, sie in aller Ruhe eifrig und gewissenhaft zu tun, nicht von ihr den Erfolg erwarten, sondern von Gott und seiner Gnade.

Weish Kap. 11

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 11

Weish 11,23: Du liebst alles, was ist und verabscheust nichts von dem, was du gemacht hast. Denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen.

Gott als Freund des Lebens: Gottes Langmut und Barmherzigkeit wurzeln in seiner Existenz als Schöpfer: Er hat alles, was er erschaffen hat, aus Liebe erschaffen und handelt dementsprechend. Daraus ergibt sich, dass Gott nichts, was existiert, hasst. Im Hintergrund steht die wiederkehrende Aussage im ersten Schöpfungsbericht, dass Gott sah, dass seine Schöpfung sehr gut war. Dr. Till Magnus Steiner

Weish 11,25: Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre?

Weish 11,26: Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens.

Weish Kap. 12

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 12

Weish 12,1: In allem ist dein unvergänglicher Geist.

Weish 12,2: Darum bestrafst du die Sünder nur nach und nach. Du mahnst sie und erinnerst sie an ihre Sünden, damit sie sich von der Schlechtigkeit abwenden und an dich glauben, Herr.

Handlungsprinzip Liebe: Doch als sein Handlungsprinzip wird die Liebe genannt. Aus Liebe hat er alles geschaffen und aus Liebe hält er alles am Leben. So ist auch sein Strafen zuvorderst eine Pädagogik der Züchtigung, die zu dieser Liebe zurückführen soll. Somit wird Gottes Handeln und auch sein Strafen sozusagen durch seine Liebe eingeklammert. Dieser Gedanke ist die Grundlage für das Verstehen des Kreuzestodes Jesu Christi. Die Allmacht Gottes hätte diesen qualvollen Tod verhindern und die Verantwortlichen bestrafen können. Aber in seiner Liebe geht Gott bis zum Tod am Kreuz. Dr. Till Magnus Steiner

Weish 12,13: Es gibt keinen Gott, Herr, außer dir, der für alles Sorge trägt.

Der sich sorgende, milde Gott: Gott sorgt sich liebend um alle, ist gerecht und handelt trotz seiner Allmacht niemals willkürlich. Gott setzt seine Stärke und Macht nicht willkürlich und rücksichtslos ein, sondern unparteiisch, mit Milde und Schonung.

Weish 12,18: Weil du über Stärke verfügst, richtest du in Milde und behandelst uns mit großer Schonung.

Weish 12,19: Durch solches Handeln hast du dein Volk gelehrt, dass der Gerechte  menschenfreundlich sein muss.

Weish Kap. 13

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 13

Weish 13,5: Denn von der Größe und Schönheit der Geschöpfe lässt sich auf ihren Schöpfer schließen.

Von der Natur auf Gott schließen: Die Bibel spricht von der Schöpfung als der ersten Sprache, durch die Gott, der höchste Vernünftigkeit ist, der Logos ist, uns etwas von sich offenbart. Das Buch der Weisheit zum Beispiel sagt, daß die mit Schönheit und Größe ausgestatteten Naturphänomene wie die Werke eines Künstlers sind, durch die wir auf den Schöpfer schließen können. Benedikt XVI

Weish Kap. 14

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 14

Weish 14,3: Deine Vorsehung, Vater, steuert es.

Gottes Vorsehung: Diese Vorsehung dehnt sich also auf alles aus, herrscht über alles und führt alles zu ihrer Verherrlichung. Es gibt zwar unvorhergesehene und unvermutete Ereignisse, jedoch sind sie nur für uns unvorhergesehen und unvermutet, nicht aber für Gott, der sie vorhergesehen und zum Wohl der Allgemeinheit bestimmt hat. Alles, was Gott gewirkt hat, ist für das Heil der Engel und Menschen bestimmt. Das ist nun in dieser Hinsicht die Ordnung seiner Vorsehung, soweit wir sie an der Hand der Heiligen Schrift und aus den Lehren der Väter zu erkennen und mit unseren beschränkten Fähigkeiten zu beschreiben vermögen. Franz von Sales 

Sprung ins Leere: Viele glauben nicht an die göttliche Vorsehung, weil sie niemals eine Erfahrung mit ihr gemacht haben, aber sie machen keine Erfahrung von ihr, weil sie niemals den Sprung ins Leere wagen, diesen Schritt des Glaubens, sie lassen der Vorsehung niemals die Möglichkeit des Eingreifens: sie berechnen alles, treffen Vorsorge für alles, suchen alle Probleme allein zu lösen, wobei sie nur auf sich selbst zählen statt auf Gott. So lange ein Mensch, der mit einem Fallschirm springen soll, sich nicht ins Leere gestürzt hat, kann er nicht fühlen, ob die Stricke des Fallschirms ihn halten, denn dieser hatte ja noch nicht die Möglichkeit zu öffnen. Zuerst muss man springen, und erst dann kann man sich gehalten fühlen. Jacques Philippe  

Franz von Sales: Das Maß der göttlichen Vorsehung für uns ist das Vertrauen, das wir in sie haben.

Weish Kap. 15

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 15

Weish Kap. 16

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 16

Weish Kap. 17

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 17

Weish Kap. 18

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 18

Weish 18,14-15: Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war, da stieg dein allmächtiges Wort, o Herr, vom Himmel herab, vom königlichen Thron.

In der Stille in mir geboren: Ich weiß, dass Gott nur in der Stille in mir geboren werden kann. Gott wird nur dann in mein Herz hinabsteigen, wenn es still geworden ist. Die Gottesgeburt geschieht im innersten Raum des Schweigens. Ich kann durch mein Schweigen Gott nicht zu mir herabzwingen. Aber das Schweigen ist die Voraussetzung, dass ich Gott in mir wahrnehme. Im Schweigen steige ich selbst hinab in meine eigene Tiefe. Und der Weg in diese Tiefe geht hindurch durch die Nacht meiner Dunkelheit, durch die Nacht meiner Angst und meiner Einsamkeit. Da verlasse ich meinen königlichen Thron, auf dem ich sicher throne und von dem aus ich das Leben lenke und bestimme. Da neige ich mich hinab bis zum Grund meiner Seele. Denn nur dort kann Gott in mir geboren werden. Nur in der Tiefe meines Herzens, zu der der Lärm der Oberfläche nicht mehr durchdringt, will Gott in mir Mensch werden. Anselm Grün 

Weish 18,7: So erwartete dein Volk die Rettung der Gerechten und den Untergang der Feinde.

Rückblick auf den Exodus: Der große Abschlussteil des Buches (Kapitel 11-19) reflektiert die Befreiungstat Gottes für Israel schlechthin, nämlich den Exodus. Diese Reflexion ist von der Grundüberzeugung getragen, dass Gott auch jetzt angesichts erneuter Erfahrungen von Unterdrückung und Fremdbestimmtheit die Gerechten retten, die Ungerechten, Gottlosen und Unterdrücker jedoch bestrafen wird. Implizit stellt dies eine Mahnung an seine aktuelle Leserschaft dar, es den Vätern gleich zu tun und sich darauf einzustellen, dass Gottes Heilshandeln an ihnen unmittelbar bevorsteht. 

Weish Kap. 19

Auslegung und Kommentar zum Buch Weisheit (Weish) Kap. 19

Weish 19,22: In allem hast du, Herr, dein Volk groß gemacht und verherrlicht. Du hast es nicht im Stich gelassen, sondern bist ihm immer und überall beigestanden.


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch Weisheit (Weish) Kapitel 1 bis 19.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste