
Abschied nehmen
Inhaltsverzeichnis
1. Abschied fällt schwer
Jeder Abschied fällt schwer. Bleibt doch jeweils ein Stück des eigenen Herzens zurück. Mauerhofer
Diese Woche feiern wir Allerheiligen und Allerseelen, eine Woche, in der wir besonders der Verstorbenen gedenken, die wir verabschieden mussten.
Indem ich Abschied nehme von diesem Menschen, wird mir meine Beziehung zu ihm bewusst.
Diese Woche werde ich die Impulse unter dem Thema “Abschied nehmen” fassen.
Abschied nehmen müssen wir nicht nur von Menschen, sondern auch von anderen: zerplatzte Lebensträume, überhöhte Selbstbilder, die Durchschnittlichkeit meiner selbst u.v.m. Immer wieder muss ich Abschied nehmen und damit etwas Liebgewonnenes loslassen.
Abschiede sind anstrengend und trotzdem nötig, vor allem der Abschied von Menschen und der eigene Abschied aus dieser Welt: unser Tod.
Frage: Was darf in mir losgelassen werden, damit Neues entstehen kann?
2. Vielfältigkeit der Abschiede
Sie küssten und umarmten Paulus zum Abschied; viele weinten laut, vor allem deshalb, weil er ihnen gesagt hatte, sie würden ihn nicht wiedersehen. Apg 20:37
Abschied gehört existentiell zu deinem Leben. Es gibt keinen Abschied, der nicht auch traurig ist. Denn Abschied hat mit Trennung und Veränderung zu tun, und das fällt uns Menschen nicht immer leicht.
Die Art der Abschiede ist vielfältig: Banale Verabschiedungen im Alltag, schöne Abschiede, wenn man weiß, dass man sich wieder treffen wird, schmerzende Abschiede, wenn man weiß, dass man einen lieb gewonnenen Menschen nie wieder sehen wird, euphorische Abschiede, wenn man zu neuen Ufern aufbricht und vieles mehr.
Denke heute bewusst über deine vergangenen Abschiede nach, die dich geprägt haben. Sie sind ein Teil von dir.
Gottes reicher Segen begleite dich durch diesen Tag.
Frage: Welcher Abschied in deinem Leben hat dich am tiefsten berührt und welche Weisheit trägst du seitdem in dir?
3. Abschied – Das, was war, umarmen
Jesus selbst blieb zurück, denn er wollte erst noch die Leute verabschieden. Mt 14:22
Wenn wir einen Besuch verabschieden, umarmen wir uns oder geben einander fest die Hand und schauen uns an. Meine Frau bekommt zum Abschied einen Kuss. Das ist wichtig: Man will einander noch einmal spüren, noch einmal nahe sein.
Auch mit den Verstorbenen machen wir das. Wir streicheln sie noch einmal, spüren die Nähe, erzählen von ihrem Leben.
Wo immer möglich, sollten Abschiede – sei es bei Todesfällen, Arbeitswechseln, Krankheit, Auszug aus dem Elternhaus oder vielem anderen – langfristig so gestaltet sein, dass wir das, was war, umarmen, unabhängig davon, inwiefern es emotional gefärbt ist. Das ist eine lebensbejahende, lebensannehmende Haltung.
Auch in den Evangelien ist Abschied ein großes Thema, bis hin zum Abschied beim Passahmahl.
Frage: Wie kannst du in deinem Leben Abschiede bewusst gestalten, um Nähe und Wertschätzung für das Vergangene spürbar zu machen?
4. Abschied: Für das was war, danken
Wir danken dir, o Gott – ja, dir allein gilt unser Dank! Denn du bist uns nahe! Von deinen Wundern erzählen wir. Ps 75:2
Im Alltag sagen wir häufig danke, mal floskelhaft, mal echt gemeint. Abschied und Dank gehören zusammen. Als Jesus von seinen Jüngern Abschied nimmt, dankt er seinem Vater für sie.
Wenn wir von etwas oder von jemandem Abschied nehmen, ist es wichtig, zurückzudenken, was gut war, und bewusst Danke zu sagen für Gottes Wunder, die sich hier ereigneten. Um wie viel leichter fällt es, weiterzuziehen, wenn man es versöhnt und dankbar tun kann.
Im Gottesdienst beten und danken wir ganz bewusst für das Leben der Verstorbenen. Wenn wir der Dankbarkeit richtig Raum geben, dann leuchtet der Abschied wie ein See in der Abendsonne.
Und wie ist das, wenn wir einmal Abschied nehmen müssen von dieser Welt – werden wir es dankbar tun können?
Frage: Wie könnte ich lernen, jeden Abschied im Leben mit Dankbarkeit zu begegnen, sodass er inneren Frieden schenkt?
5. Abschiede – Neues Land erobern
Ich lasse das, was hinter mir liegt, bewusst zurück, konzentriere mich völlig auf das, was vor mir liegt. Phil 3:13
Das Leben erfordert immer wieder, Bekanntes loszulassen und weiterzugehen. Wer am Alten emotional haften bleibt und nicht bewusst loslässt, kann auch nur schwer neues Land erobern.
Es braucht innere Freiheit, um sich wieder mit ganzem Herzen auf neue Gegebenheiten einzulassen. Paulus bringt das in diesem Vers auf den Punkt: sich bewusst auf das vor einem Liegende zu konzentrieren.
In der Phase des Loslassens fällt das schwer – und das ist auch in Ordnung. In dieser Zeit darf ich nachsichtig mit mir selbst sein und mir auch Zeit für den Abschied geben.
Denn nur wenn ich Altes bewusst loslasse, bin ich offen für ein Neues.
Frage: Welche Dinge oder Gewohnheiten in deinem Leben halten dich noch zurück, und wie könntest du sie liebevoll loslassen, um Raum für Neues zu schaffen?
6. Jeder Abschied eine Chance
Befiehl dem Herrn dein Leben an und vertraue auf ihn, er wird es richtig machen. Ps 37:5
Der Abschied ist nicht nur wichtig, um neues Land zu erobern. Jeder Abschied ist eine Chance, in der ich Halt in Gott erfahren kann und meine Gottesbeziehung wächst.
Für mich bedeutet es, dass Jesus sich in Umbruchszeiten von mir wünscht, dass ich ihm meine Ängste und Sorgen vor dem Ungewissen, aber auch die Trauer um den Verlust des Alten abgeben soll und wissen darf, dass er einen guten Weg für mich hat.
Gerade wenn der Boden unter den Füßen wackelt, darf ich mich auf Gott fokussieren und wissen: Er ist in der Umbruchszeit bei mir und er geht auch weiterhin mit mir. Dieser Gedanke tröstet mich und lässt mich wieder lächeln.
Auch wenn ich Abschiede immer noch nicht mag, weiß ich: Es geht weiter und es wird gut.
Frage: Welche alten Gewohnheiten oder Vorstellungen darf ich loslassen, um Gottes Führung noch klarer in meinem Leben zu spüren?
7. Der große Abschied: der Tod
Weinend kommen wir auf die Welt, während alle um uns herum lächeln. Wir sollten so leben, dass wir lächelnd aus dieser Welt scheiden, während alle um uns herum weinen. Persisches Sprichwort
Es liegt nicht in unserer Hand, wann, wo, unter welchen Umständen, ob alleine oder im Beisein von Menschen, friedlich oder schmerzvoll wir von dieser Welt geben. Voll Vertrauen legen wir die Gnade einer guten Sterbensstunde in Gottes Hand. Die Hoffnung, lächelnd aus der Welt zu scheiden, voll Dankbarkeit für das gelebte Leben, friedlich und ohne Angst, lebt in mir. Dennoch: nicht mein Wille geschehe, sondern deiner Herr!
Und wenn ich spüre, dass es mit mir zu Ende geht, dass ich alt und müde werde, verwandelt Er den Schmerz des Abschieds in die Freude des Heimkommens. Thielicke
Für Liebende gibt es im Grunde keinen Abschied – sie begleiten einander immer. Josefmaria
