
Abgrenzung
Inhaltsverzeichnis
1. Zur Abgrenzung
Besuche deinen Nachbarn nicht zu oft, sonst wirst du ihm lästig, und er beginnt dich abzulehnen! Spr 25,17
Abgrenzung ist kein Verschließen, sondern ein achtsames Maß an Nähe und Distanz. Wer gelernt hat, sich zu schützen, bleibt in Begegnungen bei sich selbst und verliert seine Eigenständigkeit nicht.
Grenzen zu setzen heißt nicht, den anderen auszuschließen, sondern einen sicheren Rahmen für Beziehung zu schaffen. Erst durch klare Linien können wir wirklich miteinander kommunizieren, Freundschaft leben und ein harmonisches Miteinander ermöglichen.
Wie bei einem gut gepflegten Gartenzaun: Er trennt, ohne zu trennen, schafft Ordnung und Geborgenheit zugleich. So entstehen stabile soziale Beziehungen, in denen Nähe und Respekt Hand in Hand gehen.
Grenzen schenken Freiheit – für uns selbst und für andere.
Frage: Welche Grenzen könnte ich in meinem Leben liebevoll setzen, um mehr innere Freiheit und harmonische Beziehungen zu erfahren?
2. Grenzverletzungen sich selbst gegenüber
Besser eine Handvoll Ruhe, als beide Fäuste voll Mühsal und Haschen nach Wind. Koh 4,6
Manchmal übersehen wir nicht die Grenzen anderer, sondern unsere eigenen. Wir treiben uns an, wollen immer mehr leisten – und merken erst spät, dass wir uns selbst überfordern.
Unser Blick richtet sich oft auf das, was „sein sollte“, statt auf das, was ist. Dabei übersehen wir, wie viel wir eigentlich schon geschafft haben, und wie wertvoll kleine Schritte sein können.
Wenn wir ständig nur höher, schneller, weiter denken, verlieren wir den Frieden in uns. Doch wer innehält, spürt: Ich darf begrenzt sein. Ich darf Pausen machen. Ich muss nicht perfekt sein.
Selbstfürsorge ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck von Weisheit. Frieden beginnt dort, wo wir uns selbst freundlich begegnen.
Frage: Welche kleinen Momente der Ruhe oder Selbstfürsorge könnte ich mir heute gönnen, um meinem inneren Frieden Raum zu geben?
3. Zentrierung: Der erste Schritt zur Abgrenzung
Du bewahrst den, dessen Herz dir vertraut, in vollkommener Ruhe, weil er auf dich vertraut. Jes 26,3
Zentriert zu sein heißt, in der eigenen Mitte anzukommen – wie ein Baum, dessen Wurzeln tief in die Erde reichen und dessen Krone frei in den Himmel wächst. Wer zentriert ist, lässt sich weniger leicht von den Stürmen des Alltags aus der Balance bringen.
Es bedeutet, sich selbst wahrzunehmen: den Atem, den Körper, die eigenen Gedanken. Zentriert handeln heißt, aus der eigenen Kraft zu agieren, statt ständig auf äußere Erwartungen zu reagieren. Schon ein kurzer Moment kann helfen: bewusst stillstehen, tief einatmen und innerlich fragen: „Wie geht es mir gerade?“
Zentriertheit ist ein stiller Ort in uns, an dem wir Klarheit, Halt und die Freiheit finden, gesunde Grenzen zu setzen. Zentriertheit beginnt mit dem Spüren: die Füße auf dem Boden, den Atem im Brustkorb, die Wärme in den Händen. Diese einfachen Wahrnehmungen holen uns ins Jetzt.
Unser Körper erinnert uns daran, dass wir begrenzt sind – und das ist kein Mangel, sondern Schutz. In einer Welt, die ständige Leistungsbereitschaft verlangt, ist es ein Akt der Selbstfürsorge, die eigenen Grenzen zu achten. Nur wer weiß, wo er steht, kann anderen wirklich begegnen – aufrecht, geerdet und echt.
Frage: Welche kleinen Momente im Alltag laden dich dazu ein, bewusst zu deiner eigenen Mitte zurückzukehren?
4. Gedankliche Abgrenzung
Achte auf deine Gedanken, denn sie entscheiden über dein Leben! Spr 4,23
Gedankliche Abgrenzung beginnt damit, die eigenen Gedanken bewusst wahrzunehmen. Oft tragen wir Sorgen, Vorwürfe oder Erwartungen mit uns, die gar nicht unsere eigenen sind, und verlieren so den Blick für das, was wirklich wichtig ist.
Ein erster Schritt ist zu fragen: „Gehört dieser Gedanke zu mir? Dient er mir?“ Wenn nicht, dürfen wir ihn loslassen, wie Wolken, die am Himmel vorüberziehen.
Stattdessen können wir uns an das erinnern, was uns Halt gibt – unseren Glauben, unsere Werte, unsere Stärken. Gott lädt uns ein, belastende Gedanken bei ihm abzugeben. So entsteht innerer Raum für Frieden, Hoffnung und Dankbarkeit, und wir können klar, liebevoll und frei handeln.
Frage: Welche Gedanken darf ich heute loslassen, um Raum für mehr Frieden und Leichtigkeit in meinem Leben zu schaffen?
5. Kommunikative Abgrenzung
Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein. Mt 5,37
Kommunikative Abgrenzung bedeutet, in Gesprächen ehrlich zu zeigen, wo meine Grenzen liegen. Jesus sagt: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein“ (Mt 5,37).
Klarheit heißt nicht Härte, sondern Wahrheit in Liebe. Wer immer nur zustimmt, um Konflikte zu vermeiden, verliert sich selbst. Ein respektvolles „Nein“ schafft hingegen Raum für echtes Miteinander.
Ich kann lernen, Ich-Botschaften zu nutzen: „Ich brauche eine Pause“ statt alles still zu ertragen. So ehre ich die Würde, die Gott mir geschenkt hat, und stärke gleichzeitig die Begegnung mit anderen.
Kommunikative Abgrenzung ist gelebte Selbstfürsorge – und ein Geschenk, das Beziehungen auf Dauer trägt.
Frage: In welchen Situationen fällt es mir schwer, meine Grenzen ehrlich zu zeigen, und wie könnte ich dies liebevoll tun, ohne mich selbst zu verlieren?
Gebet: Herr, schenke mir den Mut, ehrlich und liebevoll zu sprechen. Hilf mir, mein Ja klar zu sagen und mein Nein ohne Schuldgefühle. Lass mich in Respekt Grenzen setzen – zu mir selbst und zu anderen. Bewahre mein Herz davor, mich in Erwartungen zu verlieren. Führe mich zu Worten, die Frieden bringen und zugleich meine Würde schützen. Amen.
6. Körperliche Abgrenzung
Körperliche Abgrenzung beginnt mit dem Hinhören auf unseren Körper. Wenn der Rücken sich spannt, der Atem stockt oder Unruhe aufkommt, sind das Zeichen: Wir sind zu nah an einer Grenze.
Gott hat uns unseren Körper als Kompass geschenkt, um zu spüren, wann wir Raum brauchen. Bewusst aufzustehen, Abstand zu halten, klarer zu stehen oder eine Pause zu machen, hilft uns, wieder zu uns selbst zu finden. Schon ein tiefer Atemzug kann uns zentrieren und Kraft zurückgeben.
So schützen wir nicht nur unsere Energie, sondern achten auch das Geschenk unseres Körpers. Wie es in 1. Korinther 6,19 heißt: „Euer Leib ist ein Tempel des Heiligen Geistes.“ Wer ihn ernst nimmt, bewahrt Würde und inneren Frieden.
Frage: Wie kannst du heute achtsam auf die Signale deines Körpers hören und ihm den Raum geben, den er braucht?
7. Energetische Abgrenzung
So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde. Apg 20,28
Manchmal merken wir sofort, wenn uns jemand Energie entzieht: Wir fühlen uns müde, unruhig oder ausgelaugt.
Energetische Abgrenzung bedeutet, unsere Lebenskraft zu schützen, ohne uns von der Welt abzuschotten. Ein erster Schritt ist das bewusste Wahrnehmen: „Was gehört zu mir – und was nicht?“ Atme tief ein und spüre, wie du in deiner Mitte ankommst. Beim Ausatmen lässt du alles Fremde los.
Stelle dir ein schützendes Licht oder einen klaren Raum um dich vor, der dich bewahrt, aber offen für Begegnungen bleibt. So bleibst du verbunden, ohne dich zu verlieren.
Energetische Abgrenzung ist kein Egoismus, sondern Selbstfürsorge – sie hilft uns, anderen Kraft zu schenken, ohne selbst leer zu werden.
Frage: Wo spüre ich in meinem Alltag, dass meine Energie unbewusst an andere abfließt, und wie könnte ich liebevoll Grenzen setzen, ohne mich abzugrenzen?
