
Maria
Bedeutung der Jungfrau Maria
Inhaltsverzeichnis
Auszüge aus Mater populi fidelis
Der Vatikan hat kürzlich eine neue „Lehrmäßige Note“ veröffentlicht, die die Bedeutung der Jungfrau Maria für die katholische Kirche klärt. Dieses Dokument mit dem Titel „Mater populi fidelis“ (Mutter des getreuen Volkes) enthält wichtige theologische Klärungen und Diskussionen über Marias Rolle im Heilswerk Jesu.
Zur Mutter Maria
Christen betrachten die Mutter des gläubigen Volkes Gottes mit tiefer Zuneigung und Bewunderung. Da die Gnade uns Christus ähnlicher macht, ist Maria der vollkommenste Ausdruck dieses Wirkens, das unsere Menschlichkeit verwandelt. Sie verkörpert auf einzigartige Weise all das, was die Gnade Christi im Leben eines Menschen bewirken kann.
Angesichts dieser Schönheit haben sich viele Gläubige aus Liebe stets bemüht, sich mit den schönsten Worten an die Mutter zu wenden und den besonderen Platz hervorzuheben, den sie gemeinsam mit Christus einnimmt. Maria wird dabei nicht neben Christus verehrt; vielmehr ist sie durch die Menschwerdung Teil des Geheimnisses Christi.
Erste der von Christus Erlösten
Das Dogma der Unbefleckten Empfängnis unterstreicht den Vorrang und die Einzigartigkeit Christi bei der Erlösung. Noch vor jeder Möglichkeit ihres eigenen Handelns wird die erste Erlöste ebenfalls von Christus erlöst und durch den Heiligen Geist verwandelt.
Aus diesem besonderen Zustand heraus – die „Erste der von Christus Erlösten“ und die „Erste vom Heiligen Geist Verwandelte“ zu sein – kann Maria intensiver und tiefer mit Christus und dem Geist zusammenwirken. So wird sie zum Prototyp, Modell und Beispiel dessen, was Gott in jedem erlösten Menschen bewirken will.
Mitwirken Marias am Heilswerk
Das Mitwirken Marias am Heilswerk hat eine trinitarische Grundstruktur, denn es ist die Frucht einer Initiative des Vaters, der auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut hat (vgl. Lk 1,48).
Es entspringt der Kenōsis des Sohnes, der sich selbst erniedrigte und die Gestalt eines Knechts angenommen hat (vgl. Phil 2,7-8).
Und es ist eine Wirkung der Gnade des Heiligen Geistes (vgl. Lk 1,28.30), der das Herz der jungen Frau von Nazaret für ihre Antwort bei der Verkündigung und während ihres ganzen Lebens in Gemeinschaft mit ihrem Sohn bereitet hat.
Aber: Maria ist nicht Miterlöserin
Die Formel Miterlöserin entfernt sich zu weit von der Sprache der Schrift und der Väter und ruft daher Mißverständnisse hervor. Alles kommt von ihm, wie es besonders der Epheser- und der Kolosserbrief sagen; auch Maria ist alles, was sie ist, durch ihn. Das Wort Miterlöserin würde diesen Ursprung verdunkeln. Joseph Ratzinger
Der Erlöser ist einer allein, und dieser Titel verdoppelt sich nicht. Christus ist der einzige Erlöser: Es gibt keine Mit-Erlöser neben Christus. Franziskus
Aber: Maria ist nicht Mittlerin
1 Tim 2:5: Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus.
Das biblische Urteil über die ausschließliche Mittlerschaft Christi ist in sich eindeutig. Christus ist der einzige Mittler, denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus, der sich als Lösegeld hingegeben hat für alle (1 Tim 2,5-6).
Der Begriff der Mittlerschaft in den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils bezieht sich vor allem auf Christus und, manchmal, auch auf Maria, jedoch in deutlich untergeordneter Weise. In der Tat hat man es vorgezogen, für sie eine andere Begrifflichkeit zu verwenden, die sich auf das Mitwirken oder den mütterlichen Beistand konzentriert.
Die Lehre des Konzils formuliert klar die Perspektive der mütterlichen Fürsprache Mariens, mit Ausdrücken wie vielfache Fürsprache und mütterlicher Schutz.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die vermittelnde und schützende Präsenz Christi und Mariens bewusst wahrnehmen und darauf reagieren?
Teilnahme Marias am Werk Christi
Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater. Joh 14,12
Die Teilnahme Marias am Werk Christi wird deutlich, wenn wir von der Überzeugung ausgehen, dass der auferstandene Herr die Gläubigen fördert, verwandelt und befähigt, mit ihm an seinem Werk mitzuwirken. Dies geschieht nicht aufgrund einer Schwäche, eines Unvermögens oder einer Notwendigkeit Christi selbst, sondern gerade aufgrund seiner herrlichen Macht, die in der Lage ist, uns großzügig und frei als Mitarbeiter an seinem Werk zu beteiligen.
Besonders erhellend ist der Text: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater (Joh 14,12). Die Gläubigen, die mit dem auferstandenen und in den Schoß des Vaters zurückgekehrten Christus verbunden sind, können Werke vollbringen, die die Wunder des irdischen Jesus übertreffen, aber immer dank ihrer Verbindung mit dem glorreichen Christus durch den Glauben.
Das hat sich zum Beispiel in der erstaunlichen Ausbreitung der Urkirche gezeigt, weil der Auferstandene seine Kirche an seinem Werk teilhaben ließ (vgl. Mk 16,15). Auf diese Weise wurde seine Herrlichkeit nicht geschmälert, sondern kam noch mehr zum Vorschein, indem sie sich als eine Kraft erwies, die fähig ist, die Gläubigen zu verwandeln und sie mit ihm fruchtbar werden zu lassen.
Unter denen, die zusammen mit Christus auserwählt und verherrlicht wurden, steht seine Mutter an erster Stelle. Deshalb können wir behaupten, dass es eine einzigartige Mitwirkung Marias am Heilswerk, das Christus in seiner Kirche vollbringt, gibt. Es handelt sich um eine Fürsprache, die sie zu einem mütterlichen Zeichen der Barmherzigkeit des Herrn macht. Auf diese Weise gibt der Herr, weil er es frei gewollt hat, seinem eigenen Handeln an uns ein mütterliches Angesicht.
Mutter der Glaubenden
Im Hinblick auf Maria vollzieht sich diese Mittlerschaft in mütterlicher Form, so wie sie es in Kana tat und wie es am Kreuz bestätigt wurde. Papst Franziskus hat es so erklärt: Sie ist die Mutter. Und das ist der Titel, den sie von Jesus erhalten hat, genau dort, im Augenblick des Kreuzes (vgl. Joh 19,25-27). Deine Kinder, Du bist Mutter.
Sie hat die Gabe erhalten, eure Mutter zu sein, und die Pflicht, uns als Mutter zu begleiten, unsere Mutter zu sein. Diese geistliche Mutterschaft Mariens ergibt sich aus ihrer leiblichen Mutterschaft gegenüber dem Gottessohn. Indem sie Christus leiblich das Leben schenkte, hat die Gottesmutter durch ihre freie und gläubige Annahme dieser Sendung im Glauben alle Christen, die Glieder des mystischen Leibes Christi sind, hervorgebracht; das heißt, sie hat den ganzen Christus geboren, Haupt und Glieder.
Maria als Fürsprecherin
Maria ist aufgrund ihrer Mutterschaft und ihres Seins voll der Gnade auf einzigartige Weise mit Christus vereint. Dies wird im Gruß des Engels angedeutet (vgl. Lk 1,28), wenn er die in der ganzen Heiligen Schrift einzigartige und exklusive Vokabel kecharitōmenē gebraucht.
Sie, die in ihrem Schoß die Kraft des Heiligen Geistes empfing und zur Mutter Gottes wurde, wird durch denselben Geist zur Mutter der Kirche.
Aufgrund dieser besonderen Verbindung in der Mutterschaft und in der Gnade hat ihr Gebet für uns einen Wert und eine Wirksamkeit, die mit keiner anderen Fürsprache verglichen werden können.
Der heilige Johannes Paul II. hat den Titel „Mittlerin“ auf diese Funktion der mütterlichen Fürsprache bezogen, denn sie stellt sich „dazwischen“, das heißt, sie macht die Mittlerin, nicht wie eine Fremde, sondern in ihrer Stellung als Mutter, und ist sich bewusst, dass sie als solche dem Sohn die Nöte der Menschen vortragen kann, ja sogar das Recht dazu hat.
Mutter der Gnade
Keine menschliche Person, nicht einmal die Apostel oder die Gottesmutter, kann als universaler Spender der Gnade handeln. Nur Gott kann Gnade gewähren und er tut dies durch die Menschheit Christi, denn die Fülle der Gnade in Christus, in Gestalt des Menschen, ist ihm zueigen als eingeborener Sohn des Vaters. In die vollkommene Unmittelbarkeit zwischen dem Menschen und Gott in der Mitteilung der Gnade kann nicht einmal Maria eingreifen. Weder die Freundschaft mit Jesus Christus noch das Innewohnen der Heiligsten Dreifaltigkeit können als etwas verstanden werden, das uns durch Maria oder die Heiligen zukommt.
Das Zweite Vatikanische Konzil hat betont, dass
jeglicher heilsame Einfluß der seligen Jungfrau auf die Menschen nämlich nicht aus irgend einer sachlichen Notwendigkeit, sondern aus dem Wohlgefallen Gottes kommt. Dieser Einfluss kann nur von der freien Entscheidung Gottes her gedacht werden, der, obwohl sein eigenes Handeln überfließend und überreichlich ist, Maria frei und ungeschuldet in sein Werk miteinbeziehen will. Deshalb ist es nicht zulässig, das Handeln Marias so darzustellen, als ob er dessen für sein Heilwirken bedürfe.
Maria übt also eine einzigartige Tätigkeit aus, um uns zu helfen, unsere Herzen für Christus und seine heiligmachende Gnade zu öffnen, die aufrichtet und heilt. Wenn sie sich mitteilt, indem sie verschiedene Regungen weckt, müssen diese immer als Anregungen verstanden werden, unser Leben für den Einzigen zu öffnen, der in unserem Innersten wirkt.
Maria ist für jeden Christen die Erste, die geglaubt hat, und genau mit diesem Glauben als Jungfrau und Mutter will sie auf alle jene einwirken, die sich ihr als Kinder anvertrauen. Und das tut sie mit einer Zuneigung in vielen Zeichen der Nähe, die ihnen helfen, im geistlichen Leben zu wachsen, indem sie sie lehrt, die Gnade Christi mehr und mehr wirken zu lassen. In dieser Beziehung der Zuneigung und des Vertrauens lehrt sie, die „voll der Gnade“ ist, alle Christen, die Gnade zu empfangen, die empfangene Gnade zu bewahren und über das Werk nachzudenken, das Gott in ihrem Leben wirkt (vgl. Lk 2,19).
Maria als die erste Jüngerin
Sie ist die erste Jüngerin, die die Dinge Jesu am besten gelernt hat. Maria ist die erste unter denen, die das Wort Gottes hören und es tun (Lk 11,28).
Sie ist die erste, die sich unter die Niedrigen und Armen des Herrn begibt, damit wir lernen, das Heil, das nur von Gott kommt, vertrauensvoll zu erhoffen und zu empfangen.
So wurde Maria in gewissem Sinn die erste Jüngerin ihres Sohnes, die erste, der er zu sagen schien: „Folge mir nach“, noch bevor er diesen Ruf an die Apostel oder an jemand anderen richtete (vgl. Joh 1,43).
Sie ist ein Vorbild des Glaubens und der Liebe für die Kirche durch ihren Gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters, durch ihr Mitwirken am Erlösungswerk ihres Sohnes und durch ihre Offenheit für das Wirken des Heiligen Geistes.
Deshalb sagte der heilige Augustinus, dass es für Maria mehr war, Jüngerin Christi zu sein, als die Mutter Christi gewesen zu sein. Und Papst Franziskus betonte, dass sie mehr Jüngerin als Mutter ist.
Maria ist letztendlich die erste und vollkommenste Jüngerin Christi.
Marienfeste
Mariä Empfängnis
Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und – Gottesmutter Maria
Die Glaubenslehre, dass Maria vom ersten Augenblick ihres Lebens an von aller Erbschuld frei war, hat sich erst im Lauf der Jahrhunderte allmählich geklärt. Sie wird ausdrücklich in der Heiligen Schrift nicht ausgesprochen, doch wurden einige Aussagen der Schrift schon früh in dem Sinn verstanden, dass Maria das reinste Geschöpf Gottes war, die neue Eva, die ohne Sünde blieb und so zur „Mutter aller Lebenden“ werden konnte.
Dabei muss klar bleiben, dass Maria auf dem natürlichen Weg als Kind ihrer Eltern geboren wurde und dass auch sie alle Gnade durch Jesus Christus, durch seinen Kreuzestod, empfangen hat. – Die liturgische Feier der Empfängnis Mariä kam im 9. Jahrhundert von Konstantinopel nach Süditalien und Sizilien; aber durchgesetzt hat sich das Fest von England her, wo der hl. Anselm von Canterbury es in seiner Diözese einführte. 1476 wurde es durch den Franziskanerpapst Sixtus IV. von der römischen Kirche übernommen.
Am 8. Dezember 1854 hat Pius IX. die Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Mariä verbindlich definiert und als Glaubenssatz erklärt. Das Dogma der »ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria«, das Papst Pius IX. 1854 verkündet hat, bezieht sich also auf eine Grundaussage unseres Glaubens: Gott setzt in Maria einen radikalen Neuanfang in seiner Geschichte mit den Menschen und unterbricht durch seine Menschwerdung den Kreislauf des Bösen.
Mit »Erbsünde« ist kein persönliches falsches Verhalten vor Gott gemeint, sondern ein Hang zum Bösen und zum Tod, der seit der Sünde Adams auf der Menschheit lastet. Indem Gott Maria zur Mutter seines Sohnes erwählt, bewahrt er sie vor diesem Makel. Sie entspricht dieser Berufung durch ihr »Ja«, das sie durchträgt bis unter das Kreuz Jesu. Deshalb feiert die Kirche sie als Ersterlöste und Urbild der Menschheit. An ihr wird deutlich, wie Gott den Menschen von seinem Ursprung her gemeint hat; sie ist das unverdorbene Konzept Gottes vom Menschen.
Frage: Wo spüre ich in meinem eigenen Leben einen solchen Neuanfang Gottes – und wie öffne ich mich ihm mit meinem eigenen „Ja“?
Worte von Benedikt XVI
Auf dem Weg des Advents leuchtet der Stern Mariens, der unbefleckt Empfangenen, »Zeichen der sicheren Hoffnung und des Trostes« (Dogmatische Konstitution Lument Gentium, 68).
Um zu Jesus zu gelangen, dem wahren Licht, der Sonne, die über alle Finsternisse der Geschichte aufgegangen ist, brauchen wir Lichter, die uns nahe sind, Menschen, die Abglanz des Lichtes Christi sind und so den zu gehenden Weg erhellen. Und welcher Mensch wäre leuchtender als Maria? Wer könnte uns mehr als sie Stern der Hoffnung sein, Morgenröte, die den Tag des Heils angekündigt hat? (vgl. Spe salvi, 49).
Deshalb läßt uns die Liturgie heute, kurz vor dem Weihnachtsfest, das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria feiern: das Geheimnis der Gnade Gottes, die vom ersten Augenblick seines Daseins jenes Geschöpf umhüllte, das dazu bestimmt war, die Mutter des Erlösers zu werden, und es deshalb vor der Ansteckung der Erbsünde bewahrte.
Im Blick auf sie erkennen wir die Größe und die Schönheit des Planes Gottes für jeden Eph 1,4), als Ebenbild unseres Schöpfers.
Frage: Wo spüre ich in meinem Leben das leise, hoffnungsvolle Licht Gottes, das mich zu einem tieferen Vertrauen einlädt?
