Mt 21, 28-32:
Auslegung und Andacht
Gleichnis von den zwei Söhnen

Mt 21, 28-32 im Überblick: Eine gründliche Auslegung zu Matthäus 21, 28 bis 32. Erfahre, was dieser biblische Abschnitt über das Gleichnis von den zwei Söhnen lehrt und wie du ihn heute umsetzen kannst.

Mt 21, 28 Gleichnis von zwei Söhnen

Mt 21,28: ‭Was meint ihr aber? Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und er ging zu dem ersten und sprach: Sohn, mache dich auf und arbeite heute in meinem Weinberg!

Söhne und Töchter

Auf gewisse Weise dürfen wir uns alle in den beiden Söhnen wiederfinden. Der Mann im Gleichnis bittet nicht irgendwen, sondern seine Kinder, im Weinberg zu arbeiten. Welch ein Geschenk ist es doch, Kind des Allerhöchsten zu sein! Dazu noch sein geliebtes Wunschkind!

Denn es liegt in der Hand des Allmächtigen, die Kinder zu erschaffen, die er gern hätte. Und er wollte uns genau so, wie wir sind. Wenn er irgendwie nicht zufrieden mit uns wäre, hätte er uns ja problemlos etwas klüger, größer, schöner, mitfühlender… machen können, wo er doch im Voraus wusste, wie wir sein und handeln würden.

Aber er wollte uns eben genau so, wie wir sind, mit den Eigenschaften, die wir haben. So liebt er uns und so will er seine Macht und Liebe und Barmherzigkeit an uns erweisen.

Andacht von Bertalan Egervári

Auslegung - Frage: Wie kannst du heute die Einzigartigkeit in dir selbst erkennen und diese göttliche Liebe in deinem Alltag spüren?

Gottes Bitte an uns

Täglich bittet uns Gott um kleine Dinge. Oft fällt es uns schwer, diese kleinen Bitten mit einem strahlenden JA, ohne zu jammern, zu beantworten. Aber selbst die kleinsten Dinge, mit Liebe getan, haben etwas Göttliches.

Welch eine Motivation, um uns dem, was gerade von uns gefragt ist, mit ganzem Herzen zu widmen! Wie viel Erlösung steckt doch in der Annahme des täglichen Kreuzes!

Andacht von Flavia und Tobias Liminski

Auslegung - Frage: In welchen kleinen Momenten des Alltags könnte ich heute bewusst Gottes Bitte mit Liebe und offenem Herzen annehmen?

Arbeit im Weinberg

Im Gleichnis besteht die Aufgabe der Söhne darin, im Weinberg zu arbeiten. Diese Arbeit wird sicher nicht einmal in der Woche, sonntags, für eine Stunde getan. Im Weinberg zu arbeiten erfordert viel mehr: tägliche Mühe von morgens bis abends. Es ist die Hauptbeschäftigung des Tages.

Reue und Umkehr, ein Leben gemäß dem Evangelium zu führen, sollen unser Hauptaugenmerk sein, auch im Alltag, inmitten aller Pflichten, Beschäftigungen und Ablenkungen. Es ist möglich und gar nicht so schwer, den Alltag auf christliche Weise zu leben.

Es ist möglich, am Arbeitsplatz als Christ zu handeln. Es ist möglich, zuhause die Familie mit christlicher Liebe zu behandeln. Es ist auch möglich, dem Herrn täglich eine gewisse Zeit im Gebet zu widmen. Das alles ist sogar ganz natürlich, wenn für uns die Arbeit im Weinberg im Mittelpunkt steht.

Andacht von Bertalan Egervári

Auslegung - Frage: Wie kann ich heute meine alltäglichen Aufgaben bewusst zu einem Dienst im Weinberg Gottes machen?

Bedeutung des Gleichnis für uns

Dieses Gleichnis spricht auch direkt zu uns. In unserem Leben finden wir oft Anteile beider Söhne. Wir beginnen vielleicht mit guten Absichten, scheitern aber an unserer Schwäche. Oder wir reagieren zunächst mit Widerstand, kehren dann aber, gestärkt durch die Gnade, zum Willen Gottes zurück.

Beide Haltungen sind Teil unseres inneren Kampfes, und es ist wichtig, sie zu erkennen, um richtig darauf zu reagieren. Wir können uns noch einen dritten Sohn vorstellen: einen, der nicht nur sagt „Ja, ich gehe“, sondern dessen Taten auch seinen Worten folgen.

Dieser Sohn ist Jesus Christus, der vollkommen treu dem Willen des Vaters lebt und uns einlädt, an seiner Liebe zum Vater teilzuhaben.

Auslegung - Frage: Welche Anteile der beiden Söhne erkenne ich in mir selbst, und wie kann ich mich von der Treue Jesu inspirieren lassen, um meinem eigenen Weg bewusster zu folgen?

Mt 21, 29 Reue und Gehorsam

Mt 21,29: ‭Der aber antwortete und sprach: Ich will nicht! Danach aber reute es ihn, und er ging.

Ein Mann hatte zwei Söhne

Wer ist dieser sonst, als Gott, welcher alle Menschen erschuf, welcher, obwohl er von Natur aus der Herr ist, doch mehr als Vater geliebt, denn als Herr gefürchtet werden will? Andacht der Goldenen Perle

Das Sprechen des Vaters

In diesen einfachen Worten des Vaters an den Sohn ist viel zu sehen. Der Vater sprach diesen Sohn individuell an; er sprach nicht mit den Söhnen zusammen. Obwohl beide Söhne dieselbe Einladung erhielten (er kam zum zweiten und sagte dasselbe), war es ein individueller Aufruf zur Arbeit.

Der Vater sprach ihn zuerst als Sohn an. Zu wissen, dass er der Sohn seines Vaters war, hätte ihn bereit machen müssen, seinen Willen zu tun. Der Vater bat den Sohn zu arbeiten, gemeinsam am Familienunternehmen teilhaben. Aber es war Arbeit und kein Spiel.

Der Vater bat den Sohn, heute zu arbeiten, nicht in ferner Zeit. Der Vater bat den Sohn, in „meinem Weinberg“ zu arbeiten. Es gehörte dem Vater, also hätte es dem Sohn etwas ausmachen müssen.

Auslegung - Frage: Wo in meinem Leben ruft mich etwas oder jemand, heute zu handeln, statt zu warten, und wie höre ich die Stimme meines inneren Vaters oder Leiters?

Der erste Sohn

Der erste Sohn hat seinem Vater zwar eher Sorgen bereitet, war aber am Ende derjenige, der wirklich dessen Willen erfüllte.

So ist auch Gott zufrieden mit mir, wenn ich lieber keine große Tugend oder Werke vortäusche, mein Ja ein Ja und mein Nein ein Nein ist, wenn ich also bereit bin, vor ihm meine eigene Schwäche einzugestehen.

Genauso freut er sich, wenn ich ihm im Gebet ehrlich meine Meinung sage und wenn ich anerkenne, wo ich zu schwach oder zu egoistisch bin, aber am Ende mit seiner Gnade dennoch versuche, seinen Willen zu tun.

Andacht von Valentin Schmidts

Auslegung - Frage: Wie offen bin ich bereit, meine eigenen Schwächen anzuerkennen und dennoch im Vertrauen auf Gottes Gnade meinen Weg zu gehen?

Mt 21, 30 Versprechen ohne Tat

Mt 21,30: Er ging zu dem zweiten und sagte dasselbe. Da antwortete dieser und sprach: Ich gehe, Herr! und ging nicht.

Der zweite Sohn

Sie sind wie der Sohn, der meint, ein guter Sohn zu sein, oder zumindest als solcher erscheinen will, aber eigentlich doch nur seinem eigenen Willen lebt.

Kann es sein, dass auch ich mich der Umkehr irgendwo verschließe, indem ich nur äußerlich so tue, als würde ich Gott wirklich lieben, – typisch "katholische" Bräuche lebe, einen liturgischen Dienst übernehme etc., es im Grunde aber nur tue, um die Kontrolle über mein Leben zu behalten, das Maß meiner Hingabe zu bestimmen und mir selbst zu dienen?

Auslegung - Frage: Wo in meinem Leben könnte ich wirklich loslassen und mein Herz tiefer für die Liebe Gottes öffnen?

Das Verhalten der zwei Söhne

Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht. Es kommt uns vor, dass wir, je länger wir Jesus nachgefolgt sind, umso mehr dem zweiten Sohn aus dem Gleichnis gleichen.

Wir haben zu Gott „Ja“ gesagt. Unsere Absicht ist es, ihm zu folgen, doch am Ende sieht es so aus, als ob wir ihm nicht sehr gut folgen. Wir bleiben hinter der Erwartung zurück. Dann erneuern wir unseren Entschluss, ihm besser nachzufolgen, aber schon nach kurzer Zeit müssen wir wieder feststellen, dass wir unsere Zeit für uns selbst genutzt haben und nur sehr wenig für ihn getan haben.

Was stimmt hier nicht? Eigentlich wollen wir nicht wie der zweite Sohn sein, der nur mit seinen Lippen „Ja“ gesagt hat.

In welchen Bereichen meines Lebens sage ich „Ja“, und handle aber nicht entsprechend?
Andacht von James Swanson

Auslegung - Frage: Wo in meinem Leben wünsche ich mir ein aufrichtiges „Ja“ im Herzen, das mein Handeln wirklich widerspiegelt?

Mt 21, 31 Zöllner gehen voran

Mt 21,31: ‭Wer von diesen beiden hat den Willen des Vaters getan? Sie sprachen zu ihm: Der erste. Da spricht Jesus zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und die Huren kommen eher in das Reich Gottes als ihr!‭

Der Sinn dieses Gleichnisses ist klar

Was zählt, ist für Gott zu leben, nicht die richtigen Worte zu sagen. Die religiösen Führer waren gut darin, aufrichtige Worte zu sprechen, aber ihre hartnäckigen, reuelosen Herzen zeigten, dass reuige Sünder vor ihnen in das Königreich eintreten würden.

Gott wartet auf unser Ja

Im Evangelium macht der erste Bruder eine bessere Figur, und zwar nicht deshalb, weil er zu seinem Vater „Nein“ gesagt hat, sondern weil er sich nach dem „Nein“ zum „Ja“ bekehrt hat, weil er bereut hat.

Gott hat Geduld mit jedem von uns: Er wird es nicht müde, er gibt nach unserem „Nein“ nicht auf. Er lässt uns auch die Freiheit, uns von ihm zu entfernen und Fehler zu machen.

Es ist wunderbar, an Gottes Geduld zu denken! Daran, dass der Herr immer auf uns wartet, immer an unserer Seite ist, um uns zu helfen, aber unsere Freiheit respektiert. Und er wartet sehnsüchtig auf unser „Ja“, um uns wieder in seine väterlichen Arme zu schließen und uns mit seiner grenzenlosen Barmherzigkeit zu erfüllen.
Andacht von Papst Franziskus

Auslegung - Frage: Wie offen bin ich in meinem Leben für das „Ja“, das Gott mir immer wieder anbietet, und wo halte ich vielleicht noch an meinem „Nein“ fest?

Mt 21, 32 Johannes nicht geglaubt

Mt 21,32: Denn Johannes ist zu euch gekommen mit dem Weg der Gerechtigkeit, und ihr habt ihm nicht geglaubt. Die Zöllner und die Huren aber glaubten ihm; und obwohl ihr es gesehen habt, reute es euch nicht nachträglich, sodass ihr ihm geglaubt hättet.

Zöllner und Hohepriester

Einigen seiner Kinder, nämlich den Hohepriestern und den Ältesten, wirft Jesus jedoch vor, Johannes dem Täufer nicht geglaubt zu haben. Sie hätten auf seine Worte hören, bereuen und umkehren sollen.

Diese Botschaft der Reue und Umkehr richtet sich ebenso an uns alle. Jeder von uns hat Dreck am Stecken und braucht diese Änderung und Erneuerung seines Lebens. Reue und Umkehr sind immer wieder nötig, um in das Reich Gottes zu gelangen.

Sie bereiten uns vor auf die Begegnung mit Jesus Christus, mit seiner Liebe und Barmherzigkeit. Genau das war die Aufgabe von Johannes: dem Herrn den Weg zu bereiten. Darin liegt auch der Sinn von Reue und Umkehr. Sie ermöglichen uns eine Erfahrung der Liebe Jesu in der Tiefe unseres Herzens, und das Reich Gottes beginnt so, in unserem Inneren Gestalt anzunehmen.

Andacht von Bertalan Egervári

Auslegung - Frage: Welche Bereiche meines Lebens brauchen heute echte Umkehr, damit ich die Liebe und Barmherzigkeit Gottes tiefer erfahren kann?

Andacht Fragen zu Mt 21, 28-32

Was bedeutet Mt 21, 28-32?

Das Gleichnis von den zwei Söhnen berichtet davon, wie ein Vater seine beiden Söhne zur Arbeit in den Weinberg schickt, woraufhin einer erst ablehnt, dann aber bereut und geht, während der andere zusetzt, aber nicht handelt. Das Geschehen verdeutlicht, dass vor Gott nicht geschönte Worte oder formale Zugehörigkeit zählen, sondern die tatsächliche Reue und das Ausführen des göttlichen Willens.

Warum handelt der erste Sohn trotz seiner anfänglichen Weigerung richtig?

Der erste Sohn sagt dem Vater direkt ab, reut seine Haltung jedoch später und geht schließlich doch in den Weinberg. Sein Handeln zeigt, dass eine anfängliche Fehleinschätzung oder Sünde durch Umkehr und Gehorsam überwunden werden kann, weshalb er den Willen des Vaters erfüllt.

Welche Kritik übt Jesus an dem zweiten Sohn?

Der zweite Sohn verspricht höflich und bereitwillig, in den Weinberg zu gehen, tut es aber letztlich nicht. Jesus entlarvt damit eine Lippenfrömmigkeit, die nach außen hin gehorsam wirkt, im entscheidenden Moment jedoch den konkreten Gehorsam verweigert.

Warum kommen Zöllner und Dirnen eher in das Reich Gottes als die religiösen Führer?

Die gesellschaftlich Ausgestoßenen erkannten ihre Schuld, hörten auf die Predigt Johannes des Täufers und kehrten um – ähnlich wie der erste Sohn. Die Hohenpriester und Ältesten hingegen blieben trotz ihrer religiösen Stellung uneinsichtig und verschlossen sich der Botschaft der Gerechtigkeit.

Was ist die zentrale Botschaft von Mt 21, 28-32?

Die Begebenheit stellt klar, dass der Zugang zum Reich Gottes nicht durch äußeren Schein oder traditionelle Privilegien erlangt wird, sondern durch ehrliche Einsicht, Reue und ein verändertes Handeln. Sie ruft dazu auf, den Worten des Glaubens auch die entsprechenden Taten folgen zu lassen.

Andacht zu Mt 21, 23-27 Jesus wird infrage gestellt
Andacht zu Mt 21, 33-46 Gleichnis von den bösen Bauern