Mt 21, 33-46 Gleichnis von den bösen Bauern

Vers 33 Gleichnis von bösen Weingärtnern

Mt 21,33: Es war ein gewisser Hausherr, der pflanzte einen Weinberg, zog einen Zaun darum, grub eine Kelter darin, baute einen Wachtturm, verpachtete ihn an Weingärtner und reiste außer Landes.

Und reiste in ein anderes Land

Nicht indem er an einen anderen Ort ging, denn von keinem Ort kann Gott abwesend sein. Nur scheinbar geht er von dem Weinberg fort, damit den Winzer die Freiheit gegeben wird, so zu handeln, wie sie es wollen. Hieronymus

Und er reiste in die Ferne

Er reiste nicht durch eine örtliche Bewegung ab; denn Gott, der Alles erfüllt, kann nirgends abwesend sein, sondern er schien von dem Weinberge sich zu entfernen, um den Winzern Freiheit in ihrem Geschäfte zu lassen. Goldene Perle

Gabe und Aufgabe

Der Herr hat uns das Leben, unsere Sinne, unsere Fähigkeiten und zahllose Gnaden geschenkt. Deshalb dürfen wir nicht vergessen, dass jeder von uns ein Arbeiter unter vielen anderen ist, und dass der Besitzer uns auf seinem Landgut angestellt hat, damit wir an der Aufgabe mitwirken, andere Menschen mit Nahrung zu versorgen.

Der umzäunte Bereich ist der Ort unseres Wirkens; dort müssen wir arbeiten, Tag für Tag, und so zum Werk der Erlösung beitragen.

Frage: Wie kann ich meine täglichen Aufgaben bewusst als Beitrag zu etwas Größerem und Sinnvollem sehen?

Unser Weinberg

Auch uns hat Gott einen Weinberg anvertraut, den er mit allem Nötigen ausgestattet hat – Zaun, Kelter, Turm –, um darin gut und sicher leben und Früchte bringen zu können.

Wie schön, vielfältig und reich ist Gottes Schöpfung! Wie besonders ist unsere Existenz als Menschen hier auf der Erde: Gott hat uns als sein Abbild geschaffen!

Was für ein Geschenk der Gnade ist unsere Berufung zur Beziehung mit ihm, in der Gemeinschaft seiner Kirche, durch die Sakramente… Ganz zu schweigen von all den persönlichen Geschenken und Gaben, die Gott einem jeden einzelnen Menschen gewährt: Familie, Talente, Temperament, Herkunft, Freunde…

Gott ist ein liebevoller und fürsorglicher Vater, der seinen Kindern gibt, was sie brauchen, sich nicht an Großzügigkeit übertreffen lässt und uns einlädt, reiche Frucht zu bringen.

Mathias Reimer

Frage: Wie kann ich heute die Gaben, die mir Gott anvertraut hat, bewusst wahrnehmen und in meinem Leben Früchte tragen?

Vers 34 Senden der Knechte

Mt 21,34: Als nun die Zeit der Früchte nahte, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, um seine Früchte in Empfang zu nehmen.

Die Früchte

Die erwarteten Früchte bestehen nur zu einem geringen Teil aus vorzeigbaren Leistungen.

Vor Gott können auch leere und gebundene Hände – wie die ans Kreuz genagelten Hände seines Sohnes – erfüllt und fruchtbar sein.

Vor ihm ist auch ein schweres Schicksal, eine unheilbare Krankheit, ja jedes tapfer getragene Leiden eine kostbare Frucht.

So hat jeder und jede von uns seine und ihre Art geistiger Fruchtbarkeit.

Bitten wir Gott, dass er uns erkennen und vollbringen lässt, was er von uns will und erwartet.

Frage: Welche stillen oder verborgenen Formen der Fruchtbarkeit spüre ich in meinem eigenen Leben?

Vers 35-36 Misshandlung der Knechte

Mt 21,35: Aber die Weingärtner ergriffen seine Knechte und schlugen den einen, den anderen töteten sie, den dritten steinigten sie.

Die Propheten

Unter den Dienern , die hier zu den Ackerbauern gesandt wurden, sind zweifellos diese außergewöhnlichen Propheten zu verstehen

Mt 21,36: Da sandte er wieder andere Knechte, mehr als zuvor; und sie behandelten sie ebenso.

Vers 37 Senden des Sohnes

Mt 21,37: Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen und sprach: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen!

Der Sohn

Der Gutsbesitzer, sprich Gott, dem der ganze Weinberg, sprich Israel, gehört, schickt wiederholt Knechte, sprich Propheten, zu den Winzern, damit diese ihm den Ertrag abgeben mögen.

Die Winzer aber antworten nur mit Gewalt und Totschlag. Sie verweigern dem Gutsbesitzer nicht nur seine Früchte, schlimmer noch, sie schlagen, steinigen und töten seine Boten.

Hat nun die Güte des Gutsbesitzers ein Ende? Ist es mit der Gnade Gottes vorbei?

Nein! Der Gutsbesitzer sendet seinen eigenen Sohn mit der Hoffnung, dass sie diesen achten und die Früchte bringen, die er von ihnen erwartet.

Frage: Wo in meinem Leben habe ich vielleicht Gottes Botschaft oder Zeichen übersehen, und wie kann ich offener für seine Führung werden?

Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben

Bemerke ich, wenn Jesus in mein Leben tritt?

In dem Gleichnis sendet der Winzer zuletzt seinen Sohn zu den Pächtern, nachdem die Knechte nichts ausrichten konnten. Der Weinberg liegt ihm so am Herzen, dass sein Sohn diese Aufgabe erhält. Dieser wird von den bösen Pächtern getötet, gerade weil er der Sohn und Erbe ist. Sie erkennen ihn sehr wohl, sind ihm aber nicht wohlgesonnen.

Wie gehe ich mit Jesus um? Bemerke ich seine Gegenwart in meinem Leben, bemerke ich, wenn er kommt, um nach mir, nach dem Weinberg seines Vaters zu schauen? Bemerke ich, wie er mir gut will und keine Gefahr scheut? Durfte ich das schon einmal in meinem Leben persönlich erfahren?

Melanie Zoll

Frage: Wo in meinem Leben könnte ich heute bewusst wahrnehmen, dass Jesus zu mir tritt, um nach mir und meinem „Weinberg“ zu sehen?

Vers 38 Plan der Erben-Tötung

Mt 21,38: Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Das ist der Erbe! Kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbgut in Besitz nehmen!‭

Lasst uns ihn töten

Dies symbolisiert, wie die religiösen Führer zur Zeit Jesu ihn als Bedrohung sahen und planten, ihn zu beseitigen.

Theologisch steht der Sohn für Jesus Christus, den Gott gesandt hat.

Die Pächter repräsentieren jene, die Gottes Reich für sich beanspruchen, aber seine wahre Herrschaft ablehnen.

Die Tötung des Sohnes weist auf Jesu Kreuzigung hin.

Das Gleichnis warnt davor, Gottes Angebot der Gnade abzulehnen, denn letztlich wird Gott Gericht halten und sein Reich treuen Nachfolgern anvertrauen.

Frage: Wie offen bin ich selbst dafür, Gottes Führung in meinem Leben zu erkennen und anzunehmen?

Vers 39-41 Mord außerhalb des Weinbergs

Mt 21,39: ‭Und sie ergriffen ihn, stießen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn.‭

Tötung des Sohnes

Es folgt: Sie ergriffen ihn, warfen ihn von dem Weinberge hinaus und töteten ihn; denn Christus wurde aus Jerusalem gleichsam aus dem Weinberge nach dem Urteil der Verdammung hinausgeworfen. Goldene Perle

Mt 21,40: ‭Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er mit diesen Weingärtnern tun?‭

Mt 21,41: ‭Sie sprachen zu ihm: Er wird die Übeltäter auf üble Weise umbringen und den Weinberg anderen Weingärtnern verpachten, welche ihm die Früchte zu ihrer Zeit abliefern werden.‭

Vers 42 Der verworfene Eckstein

Mt 21,42: Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr noch nie in den Schriften gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen, und es ist wunderbar in unseren Augen?

Christus – Eckstein meines Lebens

Christus selber ist der Stein, der verworfen wurde in seinem Tod. Doch seine Liebe, die keine Grenzen kennt, siegt in der Liebe seiner Auferstehung.

Der verworfene Stein wird zum Eckstein. Ein Eckstein war im alten Bauwesen der wichtigste Stein eines Gebäudes. Er gab dem Bau Stabilität und Ausrichtung. Bildlich bedeutet er: Christus ist das tragende Fundament des Glaubens.

Am Kreuz ist der Verworfene für uns alle zum Eckstein geworden – unser sicherer Grund. Der Tod des Sohnes, der endgültig und unbegreiflich erscheint, wird zum Weg der Auferstehung.

Frage: Wo in meinem Leben könnte Christus der Eckstein sein, der mir Halt und Orientierung schenkt?

Gebet: Jesus, ich sehne mich nach dir und brauche dich, auch wenn es manchmal nicht so aussieht. Werde zum Eckstein in meinem Leben. Hilf mir, immer tiefer zu erfassen, wie sehr du mich liebst.

Jesus der wunderbare Eckstein

Gott hört nicht auf, Gutes zu tun. Er macht seinen Sohn Jesus, der von uns Menschen getötet wurde ‐ auch von mir und meinen Sünden ‐ zu meinem Retter.

Diese Güte Gottes wird im Evangelium als „Wunder” bezeichnet. Tatsächlich ist Gottes Heilsplan wunderbar. Das sollte in mir den Wunsch wecken, Früchte für sein Reich zu bringen, und Dankbarkeit, die mich beflügelt, mich vorbehaltlos dieser Aufgabe zu widmen.

Darum bete ich: Jesus, du bist der Eckstein der Kirche, das Fundament unseres Heils. Du rufst mich, auch als lebendiger Stein in deiner Kirche meinen Beitrag zu leisten. Ich möchte mein Leben für diese Aufgabe hingeben, denn du hast das zuerst getan ‐ für mich!

Patrick Butler

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag bewusst ein lebendiger Stein in Gottes Werk sein und seine Güte weitertragen?

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden

Dies ist ein sehr geheimnisvolles Wort. Es beschreibt das Gleichnis, in dem die Pächter den Sohn des Winzers verwerfen und ihn töten.

Es beschreibt uns Menschen, die wir Jesus nicht erkannt und gekreuzigt haben. Und genau dieser Jesus am Kreuz – verworfen, verwundet und gebrochen – wird uns zum Heil. Durch seine Wunden sind wir geheilt (Jes 53,5).

Er ist uns durch seine Liebe zum Eckstein geworden, sein Tod und seine Auferstehung führen uns zum Leben in Fülle. Wie ein Lied sagt: "Dort am Kreuz hast du an mich gedacht, als du sprachst, es ist vollbracht. Du hattest mich vor Augen. Dort am Kreuz, da dachtest du an mich. Was für ein 'Ich liebe dich'! Du hast alles getan, damit ich dein sein kann." ("Dort am Kreuz" 2019, Sebastian Bartram)

So öffnet uns Jesus den Weg zum Leben in Fülle, die Tür zum Vater. Auf ihn schauend (den sie durchbohrt haben – Joh 19,37) können wir Früchte des Reiches Gottes bringen.

Melanie Zoll

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die Liebe und Heilung spüren, die Jesus durch sein Leiden und seine Auferstehung schenkt?

Andacht von Benedikt XVI

Jesus umschreibt diesen Tod mit einem neuen Bild aus dem Psalm: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. (Mt 21,42; Ps 118,22)

Aus dem Tod des Sohnes sprießt das Leben hervor, entsteht ein neuer Bau, ein neuer Weinberg. Er, der in Kana das Wasser in Wein verwandelte, hat sein Blut in den Wein der wahren Liebe verwandelt und verwandelt so den Wein in sein Blut.

Im Abendmahlssaal hat er seinen Tod vorweggenommen und ihn in die Selbsthingabe, in einen Akt radikaler Liebe, verwandelt. Sein Blut ist Hingabe, ist Liebe und darum der wahre Wein, den der Schöpfer erwartete.

Auf diese Weise ist Christus selbst zum Weinstock geworden, und dieser Weinstock trägt immer gute Frucht: die Gegenwart seiner Liebe zu uns, die unzerstörbar ist.
Benedikt XVI

Frage: Wie kann ich in meinem Leben die Liebe und Hingabe erkennen und weitergeben, die Christus im Wein seines Blutes symbolisiert?

Vers 43 Entzug des Reiches Gottes

Mt 21,43: ‭Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das dessen Früchte bringt.‭

Wird von euch genommen

Dies deutet auf die Öffnung des Heils für die Heiden hin. Die entscheidende Bedingung für den Empfang des Reiches Gottes ist das Fruchtbringen, also ein Leben nach Gottes Willen. Diese Warnung bleibt auch heute relevant: Nur wer Gottes Wort lebt, bleibt Teil seines Reiches.

Vers 44-45 Fall am Stein zerschmettert

Mt 21,44: ‭Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschmettert werden; auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen.‭

Warnung vor dem Gericht

Der „Stein“ ist ein Bild für Christus selbst (vgl. Psalm 118,22). Wer über ihn „stolpert“, indem er ihn ablehnt, wird Schaden erleiden.

Noch ernster ist das Gericht für diejenigen, auf die der Stein fällt – ein Bild für das endgültige Gericht Gottes. Diese Aussage verdeutlicht die Konsequenzen der Entscheidung für oder gegen Christus. Wer sich ihm widersetzt, wird scheitern. Wer ihn jedoch annimmt, erfährt Rettung.

Die Verse rufen zur Umkehr auf, damit man nicht unter das kommende Gericht fällt, sondern in Christus das ewige Leben findet.

Frage: Wo in meinem Leben könnte ich Christus noch offener begegnen, um Frieden und Rettung wirklich zu erfahren?

Mt 21,45: ‭Und als die obersten Priester und die Pharisäer seine Gleichnisse hörten, erkannten sie, dass er von ihnen redete.‭

Vers 46 Angst vor Verhaftung

Mt 21,46: ‭Und sie suchten ihn zu ergreifen, fürchteten aber die Volksmenge, weil sie ihn für einen Propheten hielt.‭

Folge der Zurechtweisung durch Jesus

Ein guter Mensch, welcher wegen einer Sünde zurechtgewiesen wird, seufzt, weil er sündigte. Der Böse aber knirscht, nicht weil er sündigte, sondern weil er auf der Sünde ertappt wurde. Er wirkt nicht nur keine Buße, sondern zürnt noch heftiger gegen den Zurechtweiser.

Daher wurden auch diese nach der Zurechtweisung noch mehr zur Sünde angereizt.

Goldene Perle

Frage: Wie reagierst du innerlich auf eigene Fehler und auf die Hinweise anderer – eher mit Einsicht oder mit Widerstand?

Hier geht's zu einer Auslegung von G. de Koning zu Mt 21. Kap.

Das war eine Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 21. Kap

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