Mk 5, 25-34 Die blutflüssige Frau

Mk 5,25: Unter den Leuten war auch eine Frau, die seit zwölf Jahren an starken Blutungen litt.

Diagnose

Der Wunderbericht beginnt schlicht mit der Diagnose: die Frau litt seit zwölf Jahren an starken Blutungen. Die Blutungen stehen für alles, worunter wir leiden.

Nach außen wollen wir immer stark erscheinen. Aber wir wissen alle, dass jeder seine Blutungen hat.

Die Blutungen können vielfältig sein: gestörte Beziehungen zu den Eltern, Schwierigkeiten mit der eigenen Persönlichkeit, ein nicht verarbeiteter Schicksalsschlag, Versuchungen jeglicher Art und vieles mehr.

Was sind deine Blutungen?

Frage: Welche unerlösten Wunden tragen Sie in sich, die nach Heilung rufen, und wie könnte diese Heilung aussehen?

Diese Frau war in einem verzweifelten Zustand

Ihr Zustand machte sie zeremoniell und sozial unrein, und dies war eine erhebliche Belastung, unter der sie zwölf Jahre lang leben musste. Durch das Gesetz ihres Volkes wurde sie von ihrem Ehemann geschieden und konnte nicht in ihrem eigenen Haus verweilen. Sie wurde von der ganzen Gesellschaft geächtet und durfte keinen Kontakt zu ihren alten Freunden pflegen. Von den Gottesdiensten der Synagoge ausgeschlossen, war sie auch von den Frauengerichten im Tempel getrennt.

Frage: Wie würdest du in einer Situation, in der du gesellschaftlich oder spirituell ausgeschlossen bist, deinen inneren Frieden bewahren?

Mk 5,26: Sie hatte sich schon von vielen Ärzten behandeln lassen, dabei sehr gelitten und ihr ganzes Vermögen ausgegeben. Aber niemand hatte ihr helfen können. Ihr Leiden war nur noch schlimmer geworden.

Zu welchen Ärzten gehen wir?

Wenn eine Seele heute krank ist, geht sie oft zu verschiedenen Ärzten und wendet viel Zeit und Geld auf, nur um viele Dinge von vielen Ärzten zu erleiden. Eine kranke Seele kann zu „Doctor Entertainment“ gehen, findet aber keine Heilung. Sie kann „Doctor Success“ einen Besuch abstatten, doch auf Dauer ist er keine Hilfe. „Doctor Pleasure“, „Doctor Self-Help“ oder „Doctor Religion“ können keine wirkliche Heilung bringen. Das kann nur „Doktor Jesus“.

Frage: Worin spürst du in deinem eigenen Leben die Sehnsucht nach einer Heilung, die über äußere Mittel hinausgeht?

Vielerlei Ärzte

In einem Psalm steht, dass Gott mein ganzes(!) Glück ist, und Theresa von Avila sagt, dass Gott allein genügt. Auch wenn wir beim Lesen dieser Aussagen als Christen zustimmen, so suchen wir unser Glück doch immer wieder auch woanders, ich auch!

Dafür stehen in der Heilungsgeschichte die Ärzte. Die Ärzte stehen für vielerlei: Glück durch Karriere, die so gut wie perfekte Liebe zum Partner, Vermögen und Besitz, ein Hobby u.v.m.

Nichts, weder mein Partner, noch der Beruf, noch ein großes Vermögen oder was auch immer, kann diese tiefe Sehnsucht in uns füllen, die nur Gott auszufüllen vermag. Wer das erkennt, der glaubt!

Was sind deine Ärzte und Reichtürmer, die immer wieder versuchen, Gott von Stelle 1 zu verdrängen?

Ich sorge mich um nichts anderes, als Tag für Tag den Willen des Herrn zu tun. Glaubt mir, das ist das Schönste im Leben. Johannes XXIII.

Frage: Wo in deinem Leben spürst du diese Sehnsucht nach etwas, das nur Gott erfüllen kann?

Mk 5,27: Dann hatte sie von Jesus gehört. Deshalb drängte sie sich durch die Menge von hinten an ihn heran und berührte heimlich sein Gewand.

Jesus berühren

Bei Matthäus heißt es, dass sie den Saum seines Gewandes berührte. Das ist kein unwesentlicher Bestandteil dieses Wunders. Die Frau klopfte nicht einfach mal Jesus von hinten auf die Schulter.

Der Saum ist ganz unten am Gewand, gewissermaßen kurz über dem Boden an den Füßen. Um ihn zu berühren, musste sich die Frau bücken, vielleicht sogar auf die Knie gehen. Diese Haltung drückt Demut aus. Jesus in Demut zu nahen, bedeutet eine bewusste innere Haltung.

Was bedeutet das? Es entspringt einem großen Geheimnis. Einerseits ist uns Jesus ganz nah, in unserem Herzen, nennt uns seine Freunde und steht in einem intimen Verhältnis zu uns. Andererseits ist er Herr und Gott, Alpha und Omega, dem alle Macht auf Erden gegeben ist.

Durch dieses Beidseitige dürfen und sollen wir uns Jesus nahen, aber immer in Demut und im Bewusstsein, wem wir da nahen.

Frage: Wie kannst du Jesus in deinem Alltag mit dieser Haltung der Demut begegnen, ohne die Nähe zu verlieren?

Mk 5,28: ‭Denn sie sagte sich: Wenn ich nur sein Gewand anrühre, so werde ich geheilt!

Beten im Glauben

Das Evangelium gibt uns in der Person der Frau, die an Blutungen litt, ein schönes Beispiel für den Glauben, den wir haben sollten, wenn wir beten. Sie sagte sich: „Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt“ (Mt 9,21).

Ihr seht, wie fest sie daran glaubte, dass Jesus Christus sie heilen kann; sie erwartete mit großer Zuversicht diese Heilung, die sie so sehnlichst wünschte.

Und tatsächlich, als der Heiland nahe an ihr vorbeiging, warf sie sich Jesus Christus zu Füßen, berührte sein Gewand und war sogleich geheilt.

Als Jesus Christus ihren Glauben sah, schaute er sie voll Güte an und sagte: „Hab keine Angst, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen“ (Mt 9,22).

Ja, meine Brüder, solchem Glauben und Vertrauen ist alles verheißen.
Pfarrer von Ars

Frage: Wie stark ist dein eigenes Vertrauen in die Heilung und Führung, die dir durch den Glauben zuteilwerden kann?

Mk 5,29: ‭Und sogleich vertrocknete der Quell ihres Blutes, und sie merkte es am Leib, dass sie von der Plage geheilt war.

Der Glaube der Frau

Die Frau lebte aus der Hoffnung, dass sie allein aus der Berührung geheilt wird. Was für ein Glaube.

Jesus selbst war ihre Hoffnung. Christus hat in seinem Kreuz und in seiner Auferstehung alles Leid und Unheil der Welt überwunden und ist dadurch für uns alle zum Zeichen der Hoffnung geworden.

Die Quelle der Hoffnung liegt in Gott, der nur lieben kann und uns unermüdlich sucht. Uns erfüllt diese lebendige Hoffnung, tagtäglich, immer wieder neu. Hoffe auf den Herrn.

Diese Frau hatte einen sehr großen Glauben, weil sie von dem Kleidersaum Heilung hoffte. Darum erlangte sie die Heilung. Daher folgt: Und sogleich war der Blutfluss gestillt u.s.w.

Es werden aber denen, welche Christus mit dem Glauben berühren, seine Kräfte mit seinem guten Willen gegeben.

Frage: Wie offen bin ich für die lebendige Hoffnung Gottes in meinem eigenen Leben und wo darf ich ihr heute bewusst Raum geben?

Mk 5,30: Im selben Augenblick merkte auch Jesus, dass heilende Kraft von ihm ausgegangen war. Deshalb drehte er sich um und fragte: Wer hat mein Gewand angefasst?

Von Jesus geht heilende Kraft aus

Wenn du in Beziehung zu ihm trittst, wird sich immer etwas ändern. Es ist das wirkende Wort Gottes, das nie spurlos zurückbleibt.

Wo erfährst du konkret diese heilende Kraft? Das können bestimmte Orte und Situationen sein, wie zum Beispiel im Gottesdienst oder in der Natur, vor allem aber im intimen Gebetsgespräch mit ihm.

Das können Beichte und Eucharistie sein. Es kann aber auch ein Gespräch mit einem Mitmenschen sein, der von Gott dazu auserwählt ist, uns heilend zur Seite zu stehen.

Ich denke, es ist unvorstellbar, auf welch unterschiedlichste Weise Gott heilend in unser Leben eingreift.

Frage: Wo spürst du heute die heilende Gegenwart Gottes in deinem eigenen Leben?

Mk 5,32: Seine Jünger antworteten: Du siehst doch, dass die Leute dich von allen Seiten bedrängen, und da fragst du, wer dich angefasst hat?

Gedränge um Jesus

In unserem Leben herrscht oft ein reges Gedränge. Es ist viel los. Ich habe viel um die Ohren. Viele Leute wollen etwas von mir. In meinem Kopf herrscht evtl. gedankliches Chaos.

Zeit unseres Lebens stehen wir in der Gefahr, durch dieses innere und äußere Gedränge die wesentliche und allein notwendige Beziehung zu Jesus zu vernachlässigen. Unsere Blutungen oder sonstige Wunden können und werden nur heilen in der Kraft Jesu Christi, wenn er der Mittelpunkt unseres Lebens ist.

Wo stehst du in Gefahr, das Erste zum Zweitrangigen zu machen, dich vom wichtig erscheinenden Alltag wegziehen zu lassen von der Beziehungspflege mit Jesus?

Frage: Welche kleinen Schritte könntest du heute unternehmen, um deine Verbindung zu Jesus bewusst zu stärken?

Mk 5,32: Und er sah sich um nach der, die das getan hatte.

Jesus sieht

Der Herr blickte aber umher, um die zu sehen, welche dieses getan hatte, weil er Alle, welche erlöst zu werden verdienen, für würdig seines Anblickes und seiner Barmherzigkeit erklärt.

Mk 5,33: Aber die Frau kam mit Furcht und Zittern, weil sie wusste, was an ihr geschehen war, und warf sich vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.

Wir müssen ihm die ganze Wahrheit über all unsere Leiden sagen

Er möchte wissen, wo es wehtut, also sag es Ihm. Wir müssen ihm die ganze Wahrheit über die anderen Ärzte und Heilmittel erzählen, die wir ausprobiert haben. Wir müssen ihm die ganze Wahrheit über all unsere Hoffnungen sagen , denn er möchte wissen, was er für uns tun kann.

Mk 5,34: Jesus sagte zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dich geheilt. Geh in Frieden. Du bist gesund.

Meine Tochter

Jesus sagte: Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht, zeigte dies der Frau, dass es wirklich nicht die Berührung der Kleidung Jesu war, die sie heilte. Stattdessen war es ihr Glaube an Jesus und was er für sie tun konnte. Er nennt sie aber Tochter, weil sie durch den Glauben geheilt wurde; denn der Glaube Christi bewirkt die Kindschaft Gottes.

Er sagt aber zu ihr: Gehe im Glauben, d.h. in der Ruhe, als wollte er sagen: Gehe, ruhe, weil du bisher in Angst und Kreuz dich befandest.

Frage: Welche Ängste oder Lasten könntest du heute im Glauben loslassen, um Ruhe und Heilung zu erfahren?

Allein bei Jesus Heil suchen

Sie konnte von mehreren Ärzten, nämlich von den Weisen dieser Welt, und auch von dem Gesetz und den Propheten nicht geheilt werden; wurde aber, sowie sie den Saum Christi, d.h. sein Fleisch, berührte, gesund.

Denn der, welcher an den Mensch gewordenen Sohn Gottes glaubt, ist es, welcher den Saum des Kleides berührt.

Ist etwas kaputt, versuchen wir es zu reparieren. Ist unsere Seele im schlechten Zustand, so lasst uns zu dem unsere Zuflucht nehmen, der sie geschaffen hat und es unfehlbar versteht, sie wieder in Ordnung zu bringen.

Was unsere seelischen Gebrechen betrifft, so kann nichts sie heilen, als dass Christi Hand sie berührt. Er selbst ist es, der uns mit Freude umgürtet.

Rühren wir nur seines Kleides Saum an, so werden wir gesund, während alles andere nicht in der Lage ist, uns zu helfen.

Frage: Welcher Teil meines Lebens sehnt sich danach, die heilende Berührung Christi zu erfahren?