Mk 10, 17-31 Reicher Mann und Nachfolge
Inhaltsverzeichnis
Vers 17 Frage nach ewigem Leben
Mk 10,17: Als Jesus weitergehen wollte, lief ein Mann auf ihn zu, warf sich vor ihm auf die Knie und fragte: Guter Lehrer, was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?
Weggeschichte
Die folgende Begegnung wird vom Evangelisten bewusst als eine Weggeschichte beschrieben. Deshalb wird betont, dass Jesus wieder auf dem Weg ist. Obwohl Weggeschichten eigentlich durch den Charme des Zufälligen geprägt sind, wird hier das Zusammentreffen durch den Mann bewusst hergestellt.
Er läuft auf ihn zu, zeigt damit Initiative und drückt durch seine Geste des Kniefalls auch Ehrerbietung gegenüber Jesus aus. Sein Auftritt bringt eine unmittelbare Dynamik in die Erzählung, was sich besonders in der stark dialogischen Ausrichtung zeigt.
Frage: Welche Situationen in deinem eigenen Leben haben dich schon dazu bewegt, bewusst auf jemanden zuzugehen und dabei Vertrauen und Respekt zu zeigen?
Der Mann kommt zu Jesus
Manchmal sehen wir, dass Jesus auf die Menschen zugeht und erkennt, dass sie wie eine Herde ohne Hirte sind. Hier findet die Begegnung auf andere Weise statt.
Wir hören von einem Mann, der zu Jesus kommt. Wir können uns förmlich vorstellen, was er empfindet. Sicher hat er von Jesus gehört und seinen Worten schon oft gelauscht. Vielleicht hat er sogar einige seiner Wundertaten gesehen.
Doch es war nicht Neugierde, die ihn dazu antrieb, Jesus aufzusuchen. Sein Herz war voller neuer Lebensenergie. Es schien, als beginne in ihm etwas wie ein neuer Frühling. Er sehnte sich nach Leben in Fülle und wusste, wo er es finden würde.
Frage: Welche Sehnsucht in deinem eigenen Leben ruft dich dazu, neuen Lebensmut und Fülle zu suchen?
Die wichtige Frage
Mit dieser brennenden Frage trat ein junger Mann an Jesus heran, warf sich vor ihm auf die Knie und eröffnete ein Gespräch. Es ist eine Frage, die – wie Papst Johannes Paul II. bezeugte – „unzählige Generationen von Männern und Frauen, junge und alte, im Laufe der Jahrhunderte an Christus gerichtet haben.
Es ist die grundlegende Frage eines jeden Christen – und letztlich eines jeden Menschen. Dieser junge Mann sehnt sich nach dem, wonach wir alle verlangen: glücklich zu sein – hier auf Erden und später im Himmel.
Frage: Was bedeutet wahres Glück für mich persönlich, und wie kann ich es im Einklang mit meinem inneren Selbst und meinem Glauben finden?
Warf sich vor ihm auf die Knie
Der reiche Jüngling erkannte, dass Christus gut war. Er kniet vor ihm nieder, weil er weiß, dass Christus etwas besitzt, das er nicht hat. Was ist es? Der Geist der bedingungslosen Liebe.
Christus hilft uns, aus uns herauszugehen und ihm mehr zu vertrauen. Und darum ermutigt uns auch Papst Benedikt: Ich sage euch, liebe Jugendliche: Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts weg, er gibt euch alles.
Wenn wir uns ihm schenken, empfangen wir das Hundertfache zurück. Ja, öffnet eure Türen weit für Christus – und ihr werdet das wahre Leben finden.
Frage: Welche Mauern in deinem Leben könntest du öffnen, um mehr von der bedingungslosen Liebe Christi zu erfahren?
Zur Frage des Mannes
Die Frage, die ihn bewegt, zeigt nicht nur seine grundsätzliche Bereitschaft, sich an Gott auszurichten, sondern auch, sich selbst zu hinterfragen. „Was muss ich tun“ deutet die eigene Anstrengung an, das erhoffte Ziel der Gemeinschaft mit Gott zu erreichen.
Wenn er am Ende dennoch traurig von der Begegnung weggeht, wird sich in den Anmerkungen Jesu zeigen, dass es nicht nur das eigene Vermögen ist, was einen Menschen diesem Ziel näher bringt.
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens verlasse ich mich zu sehr auf meine eigenen Kräfte, statt auf Gottes Führung zu vertrauen?
Vers 18 Nur Gott ist gut
Mk 10,18: Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein!
Niemand ist gut als Gott allein
Niemand ist gut, außer Gott, dem einen. Der junge Mann scheint instinktiv zu ahnen, dass Jesus Gott ist, als er sich an ihn als den „guten Meister“ wendet.
Auch ich wende mich gerade an diesen guten Meister. Ich kann mit ihm besprechen, was in meinem Leben gut ist, und welche guten Menschen ich kenne, und dafür danken. Aber all das Gute ist nur ein schwacher Widerschein des wahren Guten, nur ein Abglanz Gottes.
Gott ist noch besser als das Beste, das mir je begegnet ist! Ich versuche, das innerlich nachzuvollziehen. Vielleicht kommen dabei Freude und Staunen auf. Oder andere Gefühle. Ich schaue mir auch das mit Jesus an.
Dorit Wilke-Lopez
Frage: Welche kleinen Momente des Guten in meinem Leben lassen mich das große, unermessliche Gute Gottes besonders spüren?
Der gute Gott
Unter dem allein guten Gott ist aber nicht der Vater allein zu verstehen, sondern auch der Sohn, der sagt: Ich bin der gute Hirt, wie auch der Heilige Geist, weil es heißt: Der Vater vom Himmel wird den guten Geist denen geben, welche ihn darum bitten.
Denn die Eine und ungeteilte Dreieinigkeit, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, ist der alleinige und einzige gute Gott. Der Herr sagt also nicht, daß er nicht gut sei, sondern bezeichnet sich als Gott; er bezeugt nicht, daß er kein guter Lehrer sei, sondern daß es ohne Gott keinen guten Lehrer gebe.
Frage: Wie erlebst du in deinem eigenen Leben die Gegenwart dieser guten Dreieinigkeit, und auf welche Weise lässt sie dich als Lehrer oder Führer wirken?
Vers 19 Gebote halten
Mk 10,19: Du kennst die Gebote: »Du sollst nicht ehebrechen! Du sollst nicht töten! Du sollst nicht stehlen! Du sollst nicht falsches Zeugnis reden! Du sollst nicht rauben! Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!
Du kennst die Gebote
Hier verweist Jesus auf die Zehn Gebote als Maßstab für ein gottgefälliges Leben. Doch im weiteren Verlauf macht er deutlich, dass äußere Gesetzestreue nicht ausreicht, sondern eine tiefere Hingabe an Gott erforderlich ist.
Vers 20 Von Jugend auf getan
Mk 10,20: Er aber antwortete und sprach zu ihm: Meister, das alles habe ich gehalten von meiner Jugend an.
Vers 21 Reichtum verkaufen, Nachfolge
Mk 10,21: Da blickte ihn Jesus an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir! Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm, nimm das Kreuz auf dich und folge mir nach!
Mk 10,21: Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!
Auslegung von Marita Grötsch
Jesus blickt ihn an, und der Mann darf die Erfahrung der Liebe Gottes machen. Er spürt in sich den Drang nach mehr, bringt ihn zum Ausdruck und Jesus fordert ihn zu einer vollkommeneren Hingabe auf. Doch da geht der Mann traurig weg. Er ist jetzt nicht fähig, diesem Ruf zu folgen, sich ganz und gar auf Jesus einzulassen.
Der Blick Jesu trifft auch mich, jeden Tag, jede Sekunde meines Lebens. Er will mir jetzt persönlich begegnen. Er blickt mich an, voller Liebe. Wie reagiere ich auf seinen Blick? Bin ich bereit, mein ganzes Wesen dem Blick Gottes auszusetzen? Wie ist mein Blick auf ihn? Voller Hoffnung, voller Vertrauen?
Lasse ich – wie Petrus bei seiner Berufung – alles stehen und liegen und folge ihm nach? Oder bin ich jetzt nicht fähig, ihm zu folgen, lasse mich aber von seinem Blick begleiten, um zu lernen, was ich um seinetwillen loslassen muss?
Frage: Welche Sehnsucht in mir möchte Jesus mit seinem Blick berühren, und was könnte ich bereit sein loszulassen, um ihm nachzufolgen?
Kommentar von Michael Roidl
"Geh, verkaufe, was du hast, […] und folge mir nach!"
Diese Aufforderung Jesu mutet mir immer etwas extrem und fordernd an. Wieso muss der Mann – und muss ich – auch noch allen Besitz weggeben, wenn ich schon die Gebote halte?
Doch der kleine Satz zuvor stellt alles in ein neues Licht. Jesus rät dem Mann, alles zu verkaufen, weil er ihn liebte! Jesus meint es gut mit mir. Er möchte mich von der Last und Anhänglichkeit an den Besitz befreien und ins Glück führen.
Nicht jeder von uns ist gerufen, die evangelischen Räte in aller Strenge zu leben, doch eine Loslösung von den irdischen Besitztümern führt uns alle in eine größere Freiheit.
Wie steht es um meine Anhänglichkeiten? Darf Jesus mir den Rat der Loslösung aufs Neue geben?
Frage: Welche inneren Besitztümer könnte ich loslassen, um mehr Leichtigkeit und Freiheit in meinem Leben zu erfahren?
Andacht von Spurgeon
Es steht dir nicht zu, dein eigenes Kreuz zu zimmern; obwohl es der Unglaube gerade darin zur höchsten Meisterschaft bringt, Kreuze zu zimmern.
Dir ist auch nicht gestattet, dein Kreuz selber auszuwählen, obwohl der Eigenwille gern Herr und Meister wäre.
Dein Kreuz wird dir von der göttlichen Liebe bestimmt und bereitet. Du musst es dankbar aus ihrer Hand annehmen.
Du musst das Kreuz auf dich nehmen als deine dir zugeteilte Würde und Bürde. Nimm es auf dich als ein wahrhafter Nachfolger Christi.
Der Herr Jesus war ein Kreuzträger. Wenn er uns Freuden schenkt, nehmen wir sie dankbar an. Wenn er uns Kreuze schickt, küssen wir sie.
Jedes Kreuz, ob groß oder klein, und sogar jeder Ärger ist ein Ruf des Geliebten.
Frage: Wie offen bist du dafür, die Wege deines Lebens als von göttlicher Liebe bestimmt anzunehmen, auch wenn sie schwer erscheinen?
Vers 22 Betrübtes Weggehen
Mk 10,22: Als er das hörte, war der Mann tief betroffen. Traurig ging er weg, denn er besaß ein großes Vermögen.
Traurig ging er weg
Der reiche junge Mann nahm die Einladung Jesu nicht an. Voller Traurigkeit wandte er sich ab und kehrte in sein gewohntes Leben zurück.
Die Evangelisten sind sich über den Grund seiner Weigerung einig: Er hatte ein großes Vermögen (Mk 10,22; vgl. Mt 19,22 und Lk 18,23). Seine Anhänglichkeit an seinen Besitz hinderte ihn daran, den Schritt der Liebe zu wagen.
Er war nicht frei genug, um seine Güter loszulassen und ein viel größeres Gut zu erwerben.
Frage: Welche Dinge in meinem Leben halten mich davon ab, mich ganz auf das Wesentliche und Wahre einzulassen?
Andacht von Ellen Charlotte Petermann
Das heutige Evangelium lädt uns ein, im Gebet zu prüfen, wo unser Herz steht, woran unser Herz hängt. Ist es der Wohlstand, der Luxus oder die Bequemlichkeit? Wie gehen wir mit Entbehrungen um? Werden wir missgelaunt oder bedrückt, wenn wir etwas entbehren oder loslassen müssen? Welchen Stellenwert hat der Konsum und welchen die Großzügigkeit im Almosengeben?
Der junge Mann, der Jesus verlässt, ist nicht eine erfundene Gestalt, sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut. Das könnte jeder von uns sein. Er ging traurig weg, denn er wollte sich nicht verschenken. Der Drang des Sich-Selbstbewahrens war stärker. Es heißt, Jesus liebte ihn. Das muss der junge Mann gespürt haben. Dieser liebende Blick wird den jungen Mann wohl sein Leben lang begleitet haben. Vielleicht hat er es sich irgendwann noch einmal überlegt?
Und auch uns begleitet dieser liebende Blick des Herrn, jeden Tag, jede Sekunde. Wir können uns jederzeit neu entscheiden!
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich den Ruf, loszulassen und mich dem liebenden Blick Gottes anzuvertrauen?
Nichts soll über Christus gehen
Der heilige Paulus sagt, dass nichts über Christus gehen sollte. Im Fall des jungen Mannes hatte dieser aber etwas anderes Christus vorgezogen. Der Komfort, die Sicherheit und die materiellen Dinge waren ihm wichtiger als die persönliche Einladung Christi zur Vollkommenheit.
Abhängigkeit führt zur Traurigkeit; in einem Herzen, das mit den Dingen dieser Welt ganz erfüllt ist, gibt es keinen Platz für Gott. Nur das Loslassen führt zu wahrer Freude.
Gott gibt sich dem, der ihn ohne Bedingungen sucht.
Frage: Welche Dinge in meinem Leben hindern mich möglicherweise daran, Gottes Gegenwart ganz zu empfangen?
Selbsterkenntnis des Mannes
Das Bemerkenswerte des Evangeliumstextes ist – und das wird allzu leicht übersehen – der Mann sieht das selbst ein. Er scheitert nicht auf halber Strecke, nachdem er alles verkauft hat und dann bitterlich über „das Verlorene“ weint. Er entscheidet sich nicht erst für die Nachfolge und dann wieder um, nachdem er die Radikalität dieses Lebens am eigenen Leib gespürt hat.
Der Mann sieht auf sich, auf den Ruf Jesu, und er erkennt: Das bekomme ich nicht hin. Diese Selbsterkenntnis aber ist der erste Weg hin zu der Verheißung, die Jesus im Nachgang ausspricht: Woran du selbst zu scheitern scheinst, das kann Gott doch noch möglich machen.
Wenn Gott das Kamel durchs Nadelöhr holt, dann meint dies nichts anderes als: Gott ruft so beharrlich, er ermutigt die Zögernden, er lässt nicht locker mit seinem Angebot.
Und so wird der Mann, der heute noch weggeht, vielleicht irgendwann die innere Stärke und Klarheit haben: Ich brauche meinen Besitz nicht. Ich muss mich nicht an etwas festhalten. Denn ich weiß: Wenn ich das Meine loslasse, wird mir Gottes Reich geschenkt. Hier auf Erden in der sichtbaren und spürbaren Gemeinschaft mit den anderen Christen. Und auf ewig in der Nähe Gottes.
Frage: Welche Dinge in meinem Leben halte ich so fest, dass ich Gottes Reich vielleicht noch nicht vollständig empfangen kann?
Vers 23 Gefahr des Reichtums
Mk 10,23: Da schaute Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es doch für Menschen, die viel besitzen, in Gottes Reich zu kommen!
Wie schwer ist es
Der Schatz des jungen Mannes ist sein Reichtum. Dort hat er sein Herz verankert, und diesen Anker kann er nicht lösen. Er ist gebunden.
Wie ist das bei mir? Wo habe ich Anker geworfen? In meinen liebsten Menschen, im Besitz, in der Arbeit, im Sport, in meiner Leistung? Welche Bindungen habe ich? Kommt Gott dabei vor?
Ich bespreche das mit dem guten Meister.
Dorit Wilke-Lopez
Frage: Welche inneren Anker halten mich fest, und wie könnte ich sie behutsam öffnen, um mehr Raum für das Spirituelle in meinem Leben zu schaffen?
Der notwendige Schritt
Jesus kann also wirklich ein glückliches Dasein und das ewige Leben garantieren, allerdings auf eine andere Weise, als der reiche Jüngling es sich vorstellte: nämlich nicht durch ein gutes Werk, eine Gesetzeserfüllung, sondern in der Entscheidung für das Reich Gottes als „kostbare Perle“, für die es sich lohnt, alles zu verkaufen, was man besitzt (vgl. Mt 13,45–46).
Dem reichen Jüngling gelingt es nicht, diesen Schritt zu tun. Obwohl ihn der liebevolle Blick Jesu getroffen hatte (vgl. Mk 10,21), gelang es ihm nicht, sich in seinem Herzen von den vielen Gütern, die er besaß, zu trennen.
Das ist nun die Lehre für die Jünger: „Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!“ (Mk 10,23). Die irdischen Reichtümer nehmen Geist und Herz in Beschlag und versetzen sie in Unruhe.
Jesus sagt nicht, dass sie schlecht seien, aber dass sie von Gott wegführen, wenn sie nicht sozusagen „investiert“ werden für das Himmelreich, das heißt also verwandt werden, um dem zu Hilfe zu kommen, der in Armut lebt.
Frage: Welche Schätze in deinem Leben könnten dich daran hindern, innerlich frei und offen für das Reich Gottes zu sein?
Vers 24 Erstaunen der Jünger
Mk 10,24: Die Jünger aber erstaunten über seine Worte. Da begann Jesus wiederum und sprach zu ihnen: Kinder, wie schwer ist es für die, welche ihr Vertrauen auf Reichtum setzen, in das Reich Gottes hineinzukommen!
Die Jünger aber erstaunten
Die Worte Jesu erstaunten die Jünger, weil sie davon ausgingen, dass Reichtum immer ein Zeichen von Gottes Segen und Gunst sei. Sie dachten, dass die Reichen besonders gerettet würden.
Vers 25 Kamel und Nadelöhr
Mk 10,25: Es ist leichter, dass ein Kamel durch das Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt.
Zum Reichtum
Reichtum kann dazu führen, dass wir selbstgenügsam werden und uns von weltlichen Gütern abhängig machen, anstatt unser Vertrauen auf Gott zu setzen. Das Bild des „Nadelöhrs“ verdeutlicht eine fast unmögliche Herausforderung – und doch wird klar: Mit Gott ist alles möglich (Mk 10,27).
Jesus lädt uns ein, unser Herz nicht an Reichtum zu hängen. Stattdessen sollen wir demütig leben und unser Vertrauen auf Gott setzen. Es geht dabei nicht um eine generelle Ablehnung von materiellem Besitz, sondern um die Warnung, dass materielle Sicherheit unseren Glauben an Gottes Führung verdrängen kann.
Frage: Wo in meinem Leben lasse ich materielle Sicherheit stärker wirken als mein Vertrauen auf Gott?
Vers 26 Wer kann gerettet werden?
Mk 10,26: Sie aber entsetzten sich sehr und sprachen untereinander: Wer kann dann überhaupt errettet werden?
Vers 27 Bei Gott alles möglich
Mk 10,27: Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist es unmöglich, aber nicht für Gott. Für ihn ist alles möglich!
Kommentar von Dorit Wilke-Lopez
Weil er mich liebt, will er mir – sozusagen dem „Kamel“ in dem Bild, das er benutzt – auch durch das Nadelöhr (ein Bild für eines der kleinsten Stadttore in Jerusalem) ins ewige Leben helfen.
Wenn das Kamel aber misstrauisch und bissig ist, wird das nicht gelingen. Nur wenn es seinem Führer vertraut, wird es die Enge und die Schmerzen in Kauf nehmen, die die Passage durch das Nadelöhr verursachen wird.
Ich spreche mit Jesus über mein Vertrauen.
Frage: Wo in meinem Leben fällt es mir schwer, Jesus wirklich zu vertrauen, und welche kleine Handlung könnte mir helfen, dieses Vertrauen Schritt für Schritt zu vertiefen?
Vers 28 Wir haben alles verlassen
Mk 10,28: Da begann Petrus und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt!
Andacht von Dorit Wilke-Lopez
Wir sind Bindungswesen. Wir brauchen die Bindung an andere Menschen, doch letztendlich brauchen wir die Bindung an Gott. Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, Herr, hat Augustinus gesagt.
Jesus möchte uns zeigen, wie erfüllend und lohnend es ist, wenn wir uns an ihn binden, statt nur an Menschen. Denn wenn wir uns an Menschen binden, plagen wir uns oft mit Furcht, Eifersucht, Ehrgeiz, Eitelkeit und Abhängigkeit.
Nur wenn wir uns an Gott binden, aus ihm unsere Sicherheit schöpfen und von ihm unser Liebesbedürfnis stillen lassen, können wir die anderen in Freiheit lieben – nicht, weil wir zurückgeliebt werden wollen, sondern aus echter Hingabe.
Frage: Wo spüre ich in meinem eigenen Leben die Sehnsucht nach echter Bindung zu Gott, und wie könnte diese Bindung meine Beziehungen zu anderen verändern?
Wir haben alles verlassen
Christus fordert seine Jünger auf, alles zu verlassen. Es gibt keine wirkliche Nachfolge Christi ohne innere Loslösung von Dingen und Menschen, die uns lieb sind.
Warum lädt uns Christus ein, uns sogar von guten Dingen oder Menschen zu trennen? Wenn Christus, der uns bis zum Kreuz geliebt hat, auffordert, etwas für ihn zurückzulassen, ist es sicherlich, weil er es uns in bessere Weise zurückgeben will.
Dieses Loslassen bedeutet, die Augen nicht in erster Linie auf diese Dinge gerichtet zu haben, sondern auf ihn allein und auf den Weg, den er mich führt.
Welche Sicherheiten, welche Beziehungen in meinem Leben oder Lebensprojekte lädt mich Jesus ein, loszulassen? Welchen Weg möchte er mich führen?
Frage: Wo spüre ich in meinem Leben den Ruf, etwas loszulassen, um Christus näher zu folgen, und wie könnte ich ihm vertrauensvoll begegnen?
Alles verlassen
Alles zu verlassen, bedeutet, die Einladung Jesu anzunehmen, unsere Herzen mit seinem göttlichen Leben anzufüllen. Dazu ist jeder Christ berufen. Alles zu verlassen, bedeutet eine Neuausrichtung des eigenen Inneren: der Gedanken, der Wünsche, des Willens, der Pläne. Das ist es, was zählt und was die wahre Leichtigkeit herbeiführt, um den Weg mit Gott zu gehen; und das ist es, was die ersten Jünger taten.
Wer noch an sich selbst gebunden ist, hat noch nicht alles verlassen. Es nützt nichts, alles andere loszulassen – außer sich selbst. Denn die schwerste Last, die ein Mensch tragen kann, ist sein eigenes Ich. Petrus Damiani
Vers 29 Verheißung für Nachfolger
Mk 10,29: Jesus aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Frau oder Kinder oder Äcker verlassen hat um meinetwillen und um des Evangeliums willen,
Vers 30 Hundertfacher Lohn
Mk 10,30: der nicht hundertfältig empfängt, jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker unter Verfolgungen, und in der zukünftigen Weltzeit ewiges Leben.
Der nicht hundertfältig empfängt
Jesus verspricht den Jüngern für ihre Nachfolge das Hundertfache von dem, was sie verlassen haben. Und tatsächlich, am Ende ihres Lebens hatten die Jünger durch die Ausbreitung des Leibes Christi, der Kirche, „hunderte“ von Häusern, „hunderte“ von Äckern und „hunderte“ von geistlichen Kindern.
Aber war das alles? Der junge Mann im Evangelium wollte das ewige Leben gewinnen. Darum geht es letztendlich und das verspricht Jesus seinen Jüngern obendrein („und in der kommenden Welt das ewige Leben“). Gott will seine Herrlichkeit und seine Gottheit mit uns teilen!
Aber Voraussetzung für das Hundertfache und das ewige Leben ist unsere Entscheidung für die Nachfolge und unser Vertrauen in Gott und seine Verheißung. Die Jünger haben eine Entscheidung getroffen, sie sind Jesus nachgefolgt. Der junge Mann konnte das nicht, er ging traurig weg.
Was wollte der Mann wirklich? Was will ich wirklich?
Frage: Bin ich bereit, mein Herz und mein Leben so zu öffnen, dass Gottes Herrlichkeit in mir und durch mich sichtbar wird?
Andacht von Michael Roidl
Was nun ist der Lohn für unser christliches Leben? Jesus nennt den ultimativen Preis: das ewige Leben. Natürlich ist damit die ewige Glückseligkeit im Himmel gemeint. Aber gleichzeitig hat der Weg, die Wahrheit und das Leben auch noch einen anderen Namen: Jesus Christus.
Er selbst ist der Lohn – die Beziehung und die Zweisamkeit mit ihm. Sooft wir wollen, können wir unseren Lohn in der heiligen Messe abholen – oder besser: uns von ihm abholen lassen.
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag die Gegenwart Jesu bewusster wahrnehmen und mich von ihm führen lassen?
Kommentar von Ellen Charlotte Petermann
Wenn man diese Evangeliumsstelle liest, könnte man meinen, einer, der alles verlässt, erhalte schon jetzt, in dieser Zeit, den hundertfachen Lohn an irdischen Gütern. Hundertfach meint nicht unbedingt hundertfache Menge an irdischen Gütern, sondern zunächst die hundertfach wertvolleren geistlichen oder himmlischen Güter, genauer gesagt die Gottesgemeinschaft.
Bei der Erwähnung des irdischen Lohnes gibt es einen kleinen, aber wichtigen Zusatz: Jesus sagt „…unter Verfolgung.“ Was ist damit gemeint? Das können so vielfältige Dinge sein, wie eine reale, gesellschaftliche Verfolgung der Kirche, gerade auch in unserer Zeit, aber auch unsere ganz persönlichen Erfahrungen von „Verfolgung“, wie eine Verleumdung, eine Benachteiligung und vieles mehr.
Wer Jesus nachfolgen will, muss immer mit diesen Dingen rechnen. Das wussten die Jünger und das wissen wir. In jedem Fall wird aber demjenigen, der Jesus treu nachfolgt, der Himmel versprochen.
Frage: Welche Form der „Verfolgung“ oder Prüfung könnte in deinem Leben dich dazu führen, deine geistlichen Werte noch bewusster zu leben?
Vers 31 Erste und Letzte
Mk 10,31: Aber viele von den Ersten werden Letzte sein und die Letzten Erste.
Mk 10,31: Viele aber, die jetzt die Ersten sind, werden dann die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein.
Auslegung von Michaela Weimann
Jesus erinnert uns an den Weg: "Viele, die jetzt die Ersten sind, werden dann die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein."
Es geht um das Wesentliche, die Worte Jesu sind klar und sein Vorbild erhebt an uns allerhöchste Ansprüche, denn es handelt sich um einen Weg der Entäußerung.
Ja, vom rein menschlichen Standpunkt aus ist die Nachfolge Jesu anspruchsvoll: Sie lädt uns zur Dienstbereitschaft ein. Und das ist genau das, worin Christus uns ein Beispiel gegeben hat.
Wenn wir nun beim Herrn die Ersten sein wollen, dann müssen wir uns verhalten, wie der Letzte, das heißt: dienen.
Und wenn der Herr uns Güter anvertraut, dann müssen wir die Haltung des Gebens einnehmen, das heißt: teilen und für die anderen da sein.
Michaela Weimann
Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du heute bewusster den Weg des Dienens und Teilens gehen?