Mk 10, 13-16 Jesus segnet die Kinder
Inhaltsverzeichnis
Vers 13 Kinder werden gebracht
Mk 10,13: Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre; die Jünger aber tadelten die, welche sie brachten.
Zur Fürbitte
In der Fürbitte bringen wir Menschen zu Jesus, damit er sie segnet.
In der Fürbitte stelle ich den anderen Menschen unter die besondere Aufmerksamkeit Gottes. Gemeinschaft lebt aus dieser Fürbitte füreinander. Machen wir viel von ihr Gebrauch.
Die Fürbitte verändert auch mich. Sie führt mich aus der Egozentrik meiner eigenen Probleme in den befreienden Raum des Dienstes und verändert meine Einstellung zum anderen. Ich finde Zugang zu den Herzen derer, für die ich bete.
Die Fürbitte ist eine Art, den anderen zu lieben. Richard J. Foster
Frage: Wie öffnet sich mein Herz, wenn ich im Gebet andere Menschen in die Gegenwart Gottes bringe?
Andacht von Daniel Flores Mondragon
Im Evangelium steht nicht, warum die Jünger das Volk ablehnten, es wird uns nur ein Szenario gezeigt, in dem sie nicht gut dastehen.
Wie oft ist das bei uns doch auch der Fall? Wie oft, vielleicht nicht aus Bosheit, sondern aus Müdigkeit, Routine oder schlichter Faulheit, sind wir unseren Brüdern und Schwestern ein schlechtes Beispiel, und statt Brücken zu sein, die sie Christus näher bringen, werden wir zu einem Hindernis für sie?
Frage: In welchen Momenten meines Alltags könnte ich bewusster Brücken bauen, statt unabsichtlich Hindernisse zu sein?
Andacht von Dorit Wilke-Lopez
Warum weisen die Jünger die Mütter mit ihren Kindern ab? Sie haben Angst, dass Jesus durch sie gestört werden könnte. Sie schließen von sich selbst – in ihren Augen sind die Frauen und Kinder lästig – auf Jesus.
Gibt es Menschen, von denen ich Abstand halte, mit denen ich nichts zu tun haben will, die mir lästig sind?
Jesus ist so anders als wir selbst. Seine Liebe und Großzügigkeit ist immer wieder unerwartet. Sie gilt jedem Menschen, auch wenn wir Jesus das vielleicht unterschwellig gar nicht zutrauen. Wir dürfen sie getrost immer noch größer einschätzen, als wir uns das vorstellen können.
Gott ist die Liebe, sagt der Evangelist Johannes, und diese Liebe ist eben immer größer als gedacht. Ich darf bei ihm Kind sein. Ohne Vorleistung werde ich geliebt und gesegnet. Und die anderen auch. Alle!
Frage: Welche Menschen in meinem Leben darf ich mit der unverdienten Liebe Jesu betrachten, auch wenn mir das zunächst schwerfällt?
Vers 14 Lasset die Kinder kommen
Mk 10,14: Als das Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes!
Mk 10,14: Lasst die Kinder zu mir kommen und haltet sie nicht zurück, denn Menschen wie ihnen gehört Gottes Reich.
Wurde er unwillig
Diese Art von Gemutsäußerung Jesu ist im Evangelium einmalig. Sie tritt gerade dort auf, wo Menschen anderen Menschen den Zugang zu Jesus verwehren wollen. Kein Mensch darf anderen Menschen den Zugang zu Gott versperren. Vielmehr dürfen wir geführt durch Gottes Geist den Zugang öffnen und Hindernisse beiseite räumen.
Das ist immer wieder reinstes Evangelium. Jesus sieht die Kinder. Jesus sieht mich. Er sieht, wenn ich traurig bin, er sieht meine Not. Corrie ten Boom sagt: Gott sieht dich und mich. Er liebt uns so sehr, dass er uns helfen und das, worum wir ihn bitten, tun will.
Zu den Kindern
Die Kinder haben einen besonderen Zugang zu Jesus. Ihre scheue, aber neugierige Art berührt sein Herz. Er hat sie besonders lieb.
Sie sind schwach, verletzlich, auf Hilfe angewiesen. Das gewinnt ihn für sie.
Sie nehmen sich nicht wichtig, spielen sich nicht auf, halten sich nicht für etwas Besonderes. Mit dieser Einstellung kann Jesus viel anfangen.
Sein Wort trifft da auf ein offenes Ohr, sein Segen auf ein offenes Herz. Er nimmt sie in die Arme und segnet sie.
Frage: In welchen Momenten lasse ich selbst mein Herz so offen sein, dass ich Gottes Segen wirklich empfangen kann?
Menschen wie ihnen
Im Geschäft und in der Logik unserer Welt werden Kinder und Menschen wie sie leicht an den Rand gedrängt. Oder – noch schlimmer – sie werden weltlich-wirtschaftlichen Zwecken geopfert, verkauft, missbraucht, "entsorgt". Sie sind lästig.
Wenn wir das Herz Jesu im Evangelium betrachten, muss das für Gott ein besonderer Schmerz sein. Jesus wurde darüber unwillig, dass man die Kinder weggeschickt hat. Mehr noch: Für die schutzlosen Menschen stehen in der Schrift oft die Armen, Witwen und Waisen. Sie zu unterdrücken, ist eine der "himmelschreienden Sünden", die den "Zorn Gottes" wecken.
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag auf die Menschen achten, die leicht übersehen oder vergessen werden, und so ein Stück vom Herzen Jesu sichtbar machen?
Vorzug der Kinder
Der Vorzug der Kinder besteht darin, dass sie völlig aufs Beschenktwerden angewiesen sind. Das Kind ist in erster Linie Empfangender.
Glaube ist wie eine leere, zum Empfangen geöffnete Kinderhand. Gott nötig haben in allem. Kindlich Abba sagen können. Immer wieder mit leeren Händen staunend vor Gott kommen und von ihm lernen wollen.
Ein Kind kann sich nicht vorstellen, dass Vater und Mutter etwas nicht können. Das soll die Haltung des Glaubens sein unserem Gott gegenüber.
Christ, so du kannst ein Kind von ganzem Herzen werden, so ist das Himmelreich schon deine hier auf Erden. Angelus Silesius
Frage: Wie kann ich heute in meiner Beziehung zu Gott wieder mit der Offenheit und Staunensfreude eines Kindes begegnen?
Andacht von Karl Maurer
Die Seligpreisungen sind für Menschen geschrieben, die ein kindliches Herz haben. Kinder sind arm – sie empfangen alles von ihren Eltern. Die gleiche Einstellung haben Menschen, die mit einem kindlichen Herzen vor Gott leben. Sie erwarten letztendlich alles von Gott, besonders das, was wirklich zählt.
Und so stimmt die erste Seligpreisung: "Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich" mit dem Wort Jesu über die Kinder überein: "Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich". Hören wir ehrfürchtig auch den Nachsatz aus Jesu Mund, der uns tief treffen sollte: "Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen."
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens kann ich lernen, Gott mit der Offenheit und dem Vertrauen eines Kindes zu begegnen?
Kommentar von Anton Vogelsang
Jesu Aufforderung, die Kinder zu ihm kommen zu lassen, zusammen mit dem Hinweis auf die Taufe ganzer Haushalte (in Apg 16,15.33; 18,8), bildete die Grundlage für die Praxis der Kindertaufe in der Frühen Kirche.
Kirchenväter wie Origenes (ca. 185–254) und der heilige Augustinus (354–430) betrachteten die Kindertaufe als eine Tradition, die von den Aposteln übernommen worden war. Der heilige Irenäus (ca. 135–200) hielt es für selbstverständlich, dass die Taufe Babys und Kinder einschloss.
Andere Kirchenväter sahen im Aufschieben der Taufe eine elterliche Nachlässigkeit und baten die Eltern eindringlich, dieses Sakrament nicht hinauszuschieben.
Frage: Wie kann die Bereitschaft, spirituelle Wege früh im Leben zu begleiten, heute in deinem Umfeld lebendig werden?
Vers 15 Reich Gottes wie Kinder
Mk 10,15: Ich versichere euch: Wer sich Gottes Reich nicht wie ein Kind schenken lässt, der wird ganz sicher nicht hineinkommen.
Wie ein Kind
Jesus sagt, nicht auch, sondern nur Kindern gehört die Gottesherrschaft. Im Kind gibt es etwas, das einem, der in das Himmelreich kommen will, nie fehlen darf. Der Himmel ist allen zugesagt, die einfältig sind wie die Kinder, allen, die wie sie von vertrauensvoller Hingabe erfüllt, die rein und reich an Güte sind. Sie allein können in Gott einen Vater finden und durch Jesus zu Kindern Gottes werden.
Schlimm wäre es, das Wort des Heilands zu vergessen: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so einfach, demütig und fügsam wie sie, werdet ihr in das Himmelreich nicht eingehen. Franz von Sales
Vers 16 Segnung der Kinder
Mk 10,16: Dann nahm er die Kinder in seine Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie.
Segnete sie
Was für ein wunderbarer Mensch Jesus doch war! Er war den Menschen seiner Zeit, er war den Kindern so nahe. Er umarmte sie.
Aber das, was für die damaligen Menschen galt, das gilt auch heute für mich. Jesus, der Auferstandene, lebt und ist auch mir ganz nahe. Ich brauche mich ihm nur in echtem, tiefem, lebendigem Glauben zu nähern und dann nimmt auch er mich in seine liebenden Arme.
Das ist keine Metapher, sondern eine zutiefst erlebbare Wirklichkeit.
Karl Maurer
Frage: Wie spüre ich heute die Nähe Jesu in meinem eigenen Leben und in meinem Herzen?
Nahm sie in die Arme
Kinder haben damals weder die Wertschätzung noch die Aufmerksamkeit wie heute. Kinder sind in der sozialen Hierarchie der Antike ganz unten und führen deshalb oft nur dienende Tätigkeiten aus.
Jesus geht es hier nicht um das große Gefühl, sondern um den spezifischen Blick Gottes, der die Menschen ganz unten in den Fokus rückt. Genau solchen Menschen gehört das Himmelreich!
Jesus umarmt die Kinder am Schluss. Er nimmt die Kinder in den Arm. Er drückt sie an sein Herz. Ins Zentrum seiner Liebe. Er legt ihnen die Hände auf. Er betet und segnet sie.
Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, lass Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen. Paul Gerhardt
Frage: Wie kannst du in deinem Leben Menschen, die übersehen oder übergangen werden, in den Mittelpunkt deiner Aufmerksamkeit und Fürsorge stellen?