Lk 9, 23-27 Nachfolge und Kreuztragen

Vers 23 Täglich Kreuz tragen

Lk 9,23: Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.

Wenn jemand will

Weil aber der Erlöser gütig ist, will er keinen unfreien oder gezwungenen Diener, sondern Freiwillige, die ihm für die Nachfolge danken. Daher zieht er Niemanden durch Gewalt oder Notwendigkeit, sondern Alle durch die Überzeugung und durch Wohltun an sich, indem er sagt: Wenn Jemand will.

Selbstverleugnung

Verleugne dich selbst. Bemühe dich frei zu machen von dir selbst, deinen ganz individuellen Egoismus, von deinem Ich, wenn es sich wieder mal mächtig in den Vordergrund schieben möchte.

Mir geschieht das täglich. Täglich sollen wir unser Kreuz nehmen, im Alltag. An Gelegenheiten mangelt es nie, z.B. dem Nächsten freundlich begegnen, auch wenn dieser gerade schlechte Laune hat, dem anderen nicht jede Kleinigkeit nachzutragen, die er in seiner Schwäche begangen hat.

Die Selbstverleugnung und das Kreuztragen mündet dann in die Nachfolge Christi. Diese Nachfolge geschieht, indem ich die Anstrengung auf mich nehme, hinter Jesus herzugehen.

Christ sein heißt, sich selbst zurücknehmen, das Kreuz auf sich nehmen und mit Christus tragen. Es gibt keinen anderen Weg. Papst Franziskus

Frage: Wo erlebe ich in meinem Alltag die Einladung, mein Ich zurückzustellen, um Christus nachzufolgen?

Nachfolge fordert uns heraus

Die Nachfolge Jesu im Tun des Vaters Willen fordert uns gerade in seiner Alltäglichkeit heraus.

Da geht es um Ausdauer, Beharrlichkeit, Treue, Geduld und vor allem um das Vertrauen darauf, dass dieser Gott alles lenkt und zum Guten führen wird.

Diese umkehrende Nachfolge beginnt täglich neu. Bleibe beharrlich dabei, dich tapfer zu überwinden bei diesen kleinen täglichen Ärgerlichkeiten, die dir zustoßen.

Franz von Sales sagt dazu: Wir müssen daran denken, dass wir jeden Tag mit unserem Fortschritt oder unserer Vervollkommnung wieder zu beginnen haben. Man wird niemals fertig damit; man muss immer wieder beginnen und zwar gerne wieder beginnen.

Frage: Wo lade ich Gott heute neu ein, meinen Alltag zu verwandeln und in Geduld und Vertrauen zu wachsen?

Andacht von Bertalan Egervari

So wertvoll ist dieses Leben, das Jesus Christus selbst ist und das er uns schenken möchte, dass es sich lohnt, sogar das eigene Leben dafür zu geben.

Dazu haben wir täglich Gelegenheit, indem wir für andere da sind, helfen, trösten, Mut machen, zuhören, Zeit schenken, dienen, manchmal andere geduldig ertragen oder auf irgendeine andere Weise die Liebe leben.

Sie beginnt schon in Gedanken, wo wir aktiv das Gute im Nächsten sehen und suchen können, ihnen nichts Böses unterstellen und, wenn nötig, bereit sind zu vergeben.

So gibt es zahllose Anlässe, uns selbst zu verleugnen um Christi und des Evangeliums willen.
Bertalan Egervári

Frage: Wo lade ich Jesus bewusst ein, dass seine Liebe in meinen Gedanken, Worten und Taten sichtbar wird?

Fokus auf Jesus

Es geht nicht um das Kreuz und auch nicht um das Verleugnen. Es geht darum, bei Christus zu sein.

Dir, Jesus, folge ich, weil ich da sein will, wo du bist. Ich kann nicht irgendeinen Weg gehen, weil ich so nicht zu dir gelange.

Du bist das Ziel meines Lebens! Die Beziehung zu dir soll immer besser und immer tiefer werden. Ich will in das nächste Level der Intimität mit dir kommen! Ich will deine Gefühle und deine Sehnsüchte zu den meinen machen.

Leonhard Maier

Frage: Wo lade ich Jesus heute konkret ein, tiefer in mein Herz und meine Sehnsucht einzutreten?

Der nehme sein Kreuz auf sich

Du überwindest das unabwendbare Leid nicht, indem du es negierst, es verdrängst, ihm angstvoll aus dem Weg gehst, resignierst oder wütend dagegen ankämpfst. Du überwindest es, indem du darin eine Herausforderung für Dich erkennst und hineingehst.

Kein Leid dieser Welt und nicht einmal der Tod hat das letzte Wort. Jedes Leid hat nicht nur einen Anfang, es hat auch ein Ende. Es ist ein Durchgangsstadium, das keinem Menschen erspart bleibt.

Es geht also nicht darum, dass wir jedem Leid aus dem Weg gehen, sondern dass wir die Kraft haben, ihm zu begegnen und uns ihm zu stellen. Sich zu stellen ist das Gegenteil von Verdrängen und beginnt mit Wahrnehmen, mit einem achtsamen Anschauen und Hinspüren.

Der Schritt des Annehmens ist kein resignierendes Ja-und-Amen-Sagen, sondern meint die Annahme einer Herausforderung. Daraus folgt: zu lindern, was gelindert werden kann, zum Besseren ändern, was geändert werden kann und zu akzeptieren, wenn etwas unausweichlich ist.

Wir müssen am Leid nicht zerbrechen, wir können vielmehr daran wachsen und reifen. Das beste Übungsfeld dazu ist der Alltag. Mit seinen kleinen und größeren leidvollen Erlebnissen und Problemen bietet er viele Gelegenheiten an jedem Tag.

Jan Sedivy

Wer einen hohen Berg erklimmen will, tut das nicht in Sprüngen, sondern schrittweise und langsam. Gregor der Große

Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Alltag die kleinen und großen Herausforderungen des Leids als Möglichkeit zum Wachsen und Reifen annehmen?

Vers 24 Lebensrettung bringt Verlust

Lk 9,24: Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es retten.

Wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren

D.h. wer nach diesem gegenwärtigen Leben wandeln und sein Leben in dem Sinnlichen erhalten will, der verliert es, indem er es nicht zum Endziel der Glückseligkeit führt.

Im Gegenteil aber sagt er: Denn wer sein Leben meinetwegen verliert, wird es retten, d.h. wer mit Verachtung des Irdischen im Hinblick auf die Wahrheit sich dem Tode aussetzt, der wird, gleichsam sein Leben für Christus verlierend, es vielmehr retten.

Goldene Perle

Frage: Wo in meinem Leben halte ich noch am Irdischen fest, anstatt mich im Vertrauen ganz Christus zu überlassen?

Vers 25 Besitz ohne Seele nutzlos

Lk 9,25: Denn was hilft es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber sich selbst verliert oder schädigt?

Über den Dingen stehen

Glaube, Hoffnung, Liebe.
Wir sind uns alle darin einig, dass sie im Leben die höchsten Werte darstellen; dass sie die Seele aufatmen lassen und sie beleben.

Dennoch fallen wir sehr häufig in eine rein natürliche Betrachtungsweise der Dinge zurück, wo dann irdische Werte und kurzlebige Vorteile höher eingeschätzt werden. Wir brauchen also immer wieder Erhebung zu den höchsten Werten, gerade weil wir im Diesseits oft regelrecht gefangen sind.

Dieses Erhebet die Herzen, das wir bei der Messfeier zu Beginn des Hoch-Gebets hören, ist also keine leere Phrase. Es ist die Einladung, besonders in diesen Momenten, nach dem Allerhöchsten zu streben, was der Mensch überhaupt erstreben kann: die Vereinigung mit Gott.

Thomas Fox

Frage: Wo brauche ich in meinem Leben gerade die Erhebung des Herzens, um mich tiefer auf die Liebe Gottes einzulassen?

Vers 26 Wer sich schämt, verliert

Lk 9,26: Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich auch der Sohn des Menschen schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel.

Wer sich meiner und meiner Worte schämt

Diese Worte Jesu warnen davor, aus Furcht oder Scham davor zurückzuschrecken, ihn öffentlich zu bekennen. Wer sich aus Angst oder dem Drang zur Anpassung von Christus distanziert, wird bei seiner Wiederkunft zurückgewiesen.

Das Gericht wird anhand der Treue zum Glauben erfolgen. In einer Welt, die christliche Werte oft ablehnt, ermutigt dieser Vers dazu, standhaft im Glauben zu bleiben.

Er zeigt die enge Verbindung zwischen unserem Bekenntnis und der Anerkennung durch Jesus am Ende der Zeiten. Die Aufforderung ist eindeutig: Zeige Mut zum Glauben, auch wenn Widerstand oder Ablehnung drohen.

Frage: Wo in meinem Leben halte ich mich vielleicht zurück, Christus offen zu bekennen, und wie könnte ich mutiger handeln?

Vers 27 Reich Gottes nahe

Lk 9,27: Ich sage euch aber in Wahrheit: Es sind etliche unter denen, die hier stehen, welche den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes sehen.

Bis sie das Reich Gottes sehen

Diese Worte Jesu weisen auf eine kommende Offenbarung des Reiches Gottes hin. Viele Ausleger sehen darin die Verheißung der Verklärung Jesu (Lk 9,28-36), die unmittelbar danach geschieht. Drei Jünger – Petrus, Jakobus und Johannes – erleben, wie Jesus in göttlicher Herrlichkeit erscheint.

Andere deuten es auf die Auferstehung, Pfingsten oder die Zerstörung Jerusalems (70 n. Chr.), Ereignisse, in denen Gottes Reich sichtbar wurde. Die Aussage betont, dass das Reich Gottes nicht nur eine ferne Zukunft ist, sondern bereits im Wirken Jesu und in seiner Verklärung erfahrbar wird. Die Jünger sind Zeugen dieser Realität.

Frage: Wo in meinem Leben kann ich bereits heute Momente der göttlichen Gegenwart erkennen und wie kann ich sie bewusster wahrnehmen?