Lk 9, 18-22 Petrusbekenntnis und Leidensankündigung
Inhaltsverzeichnis
Vers 18 Wer bin ich?
Lk 9,18: Und es geschah, als er [einmal] für sich allein betete, dass die Jünger in seiner Nähe waren; und er fragte sie und sprach: Für wen halten mich die Leute?
Jesus geht mit seinen Jüngern in die Einsamkeit
Der Mensch ist von Natur aus religiös. Er fühlt die Notwendigkeit, sich mit Gott in Verbindung zu setzen und in die Transzendenz einzutreten.
Jesus hat als Mensch ebenfalls dieses Bedürfnis gespürt. Aber nicht, weil er vom Vater getrennt gewesen wäre, sondern weil er mit ihm reden wollte.
Deshalb hat er mit seinen Jüngern die Einsamkeit gesucht, um dort allein zu beten. Das lehrt er auch uns. Wir sollen in unser Zimmer gehen, die Tür schließen und zu unserem Vater beten, der im Himmel ist und das Verborgene sieht.
João Paulo Jäger
Frage: Wie kannst du heute Momente der Stille finden, um bewusst in die Verbindung mit dem Göttlichen einzutreten?
Jesus betet
Wenn Jesus betet, möchte er allein sein mit dem Vater, und dennoch schickt er seine Jünger nicht weg, sondern er nimmt sie mit hinein in dieses Alleinsein.
Sie dürfen ihn sehen als den, der er ist, als Sohn des Vaters. Sie erleben, wie der Sohn mit dem Vater redet von Angesicht zu Angesicht, von Du zu Du.
Sie dürfen das sehen, was die anderen Menschen nicht sehen, und aus diesem Sehen kommt eben eine Erkenntnis, die über die der anderen Menschen hinausgeht.
Ellen Charlotte Petermann
Frage: Wie offen bin ich dafür, in meinem eigenen Alleinsein mit Gott die Tiefe einer persönlichen Begegnung zu erfahren?
Eine wichtige Frage
Die Frage, die Jesus seinen Jüngern stellt, ist die Frage, die die meisten Menschen tagtäglich umtreibt: Wofür halten die Menschen mich?
Jesus stellt sie im Hinblick auf sein Sein, sein Messias-Sein und somit auf seine Bedeutung für die Menschen im Hinblick auf die Erlösung und das Reich Gottes.
Wir stellen uns die Frage hingegen eher innerweltlich im Sinne von: Bin ich wichtig? Die Frage ist nicht unwichtig.
Die Antwort, die ich auf die Frage gebe, wer Jesus für mich ist, kann die Bedeutung der Frage, wofür ich gehalten werde, in gutem Maße beeinflussen und relativieren. Wenn er mein Erlöser ist, dann wird mein Leben gut enden, wie es auch war und wofür man mich auch gehalten hat.
Frage: Wie verändert sich mein Selbstbild, wenn ich mein Leben aus der Perspektive der Erlösung betrachte und nicht aus der Meinung anderer?
Vers 19 Volk vermutet Propheten
Lk 9,19: Sie antworteten und sprachen: Für Johannes den Täufer; andere aber für Elia; und andere [sagen], einer der alten Propheten sei auferstanden.
Gerüchte und Erwartungen
Wieder einmal hat Jesus sich in die Einsamkeit zurückgezogen, um zu beten. Immer wieder zieht er sich in das Gebet zurück, in das Zwiegespräch mit dem Vater. Jesus geht zur Quelle, die ihm Kraft gibt, denn sein Wirken in Galiläa erfordert viel Energie.
Die Begegnungen mit den vielen Menschen, die ihm folgen, die seine Hilfe einfordern, sein Wort hören wollen, sind anstrengend. Seine Jünger, seine Vertrauten, sind bei ihm. Es kursieren eine Menge Gerüchte über seine Person. Einige glauben, Jesus sei der auferstandene Johannes der Täufer, andere halten ihn für Elija und wieder andere meinen, er sei ein anderer Prophet.
Die Jünger, die sich bisweilen unter das Volk mischen, kennen diese Meinungen. Es handelt sich dabei nicht nur um Spekulationen, sondern auch um Erwartungen, in denen Jesus als Hoffnungsträger, als der Mann gesehen wird, der Israel aus der Not befreien kann.
Frage: In welchen Momenten suchst du heute die Stille, um deine eigene Quelle der Kraft zu finden?
Vers 20 Petrus: Der Christus!
Lk 9,20: Da sprach er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Da antwortete Petrus und sprach: Für den Christus Gottes!
Diese Frage stellt sich allen
Diese Frage stellt sich allen, die von Jesus hören; und wir, nicht er, werden nach unserer Antwort beurteilt. Tatsächlich beantworten wir diese Frage jeden Tag mit dem, was wir glauben und tun. Wenn wir wirklich glauben, dass Jesus der ist, für den er sich ausgibt, wird das unsere Lebensweise beeinflussen.
Andacht von Papst Franziskus
Es ist die entscheidende Frage, die Jesus heute auch an uns richtet: Wer bin ich für dich?
Wer bin ich für dich, der du den Glauben angenommen hast, aber immer noch Angst hast, auf mein Wort hin aufzubrechen?
Wer bin ich für dich, der du schon so lange Christ bist, aber, von der Gewohnheit ermattet, deine erste Liebe verloren hast?
Wer bin ich für dich, wenn du eine schwierige Zeit durchmachst und dich aufrütteln musst, um neu anzufangen?
Das ist es, was den Herrn interessiert: im Zentrum unserer Gedanken zu stehen, der Bezugspunkt unserer Zuneigung zu werden; kurz gesagt, die Liebe unseres Lebens zu sein.
Papst Franziskus
Frage: Wo in meinem Leben könnte ich Jesus mehr Raum geben, damit er wirklich zum Mittelpunkt meines Denkens und Fühlens wird?
Andacht von Benedikt XVI
Der Glaube liefert nicht nur irgendeine Information über die Identität Christi, sondern er setzt eine persönliche Beziehung zu ihm voraus, die Zustimmung der ganzen Person mit ihrem Verstand, ihrem Willen und ihren Gefühlen zur Selbstoffenbarung Gottes.
So spornt die Frage Jesu: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ die Jünger eigentlich dazu an, hinsichtlich der Beziehung zu ihm eine persönliche Entscheidung zu treffen. Glaube und Nachfolge Christi hängen eng zusammen.
Und da der Glaube voraussetzt, dass man dem Meister nachfolgt, muss er gefestigt werden und wachsen, tiefer und reifer werden in dem Maße, in dem die Beziehung zu Jesus, die Vertrautheit mit ihm, intensiver und stärker wird.
Auch wir wollen heute mit tiefer Überzeugung ausrufen: Ja, Jesus, du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Wir tun dies in dem Bewusstsein, dass Christus der wahre „Schatz“ ist, für den es sich lohnt, alles zu opfern; er ist der Freund, der uns nie verlässt, da er die tiefsten Sehnsüchte unseres Herzens kennt.
Jesus ist der „Sohn des lebendigen Gottes“, der verheißene Messias, der in die Welt gekommen ist, um der Menschheit das Heil anzubieten und den Durst nach Leben und Liebe zu stillen, den jeder Mensch in sich trägt. Welch großen Nutzen würde die Menschheit daraus ziehen, nähme sie diese Botschaft auf, die Freude und Frieden mit sich bringt!
Frage: Wie offen bin ich wirklich dafür, meine Beziehung zu Jesus täglich zu vertiefen und ihm mein ganzes Herz anzuvertrauen?
Andacht von Paul VI
Er ist der Lehrer der Menschheit und ihr Erlöser. Er wurde geboren, er starb und er ist auferstanden für uns.
Er ist der Mittelpunkt der Geschichte und der Welt; er ist es, der uns kennt und der uns liebt; er ist der Gefährte und Freund unseres Lebens.
Er ist der „Mann voller Schmerzen“ (Jes 53,3) und der Hoffnung. Er ist es, der kommen und eines Tages unser Richter sein wird und – darauf vertrauen wir – die unendliche Erfüllung unseres Seins und unsere Seligkeit.
Ich könnte ohne Ende von ihm sprechen: Er ist das Licht und die Wahrheit, ja, er ist „der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Er ist das Brot und die Quelle lebendigen Wassers, um unseren Hunger und Durst zu stillen.
Er ist unser Hirte, unser Führer, unser Vorbild, unser Trost, unser Bruder. Wie wir, und mehr noch als wir, war er klein, arm, gedemütigt; er war ein Arbeiter; er hat Unglück erfahren und war geduldig.
Paul VI
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die Liebe, Geduld und Demut widerspiegeln, die er uns vorgelebt hat?
Vers 21 Strenges Redeverbot
Lk 9,21: Er aber ermahnte sie ernstlich und gebot ihnen, dies niemand zu sagen.
Warum dieses Verbot?
Bei seiner Himmelfahrt sendet Jesus seine Jünger in alle Welt, damit sie ihn den Menschen bekannt machen.
Warum aber verbietet er in der heutigen Evangelienstelle seinen Aposteln, jemand zu erzählen, dass er der Messias ist?
Der Grund ist wahrscheinlich, dass damals unter den Juden die Meinung vorherrschte, dass ein weltlicher Messias kommen würde, der Wohlstand bringt und die Römer vertreibt, um das Königreich Israel als mächtiges Reich wiederherzustellen.
Jesus wollte nicht als ein solcher Messias angesehen werden. Er ist kein Messias, der alle Probleme löst, der uns ins Schlaraffenland führt und all unsere Wünsche erfüllt.
Er ist anders. Das ist nicht leicht anzunehmen und im konkreten Leben manchmal auch schmerzhaft: "Das ist mein Schmerz, dass die Rechte des Höchsten so anders handelt". Michael Hemm
Frage: Wo erlebe ich in meinem Leben, dass Gottes Wege anders sind, als ich sie mir wünsche – und wie kann ich darin Vertrauen wachsen lassen?
Sprachverbot
Es kann uns vollkommen unverständlich erscheinen, dass Jesus seinen Jüngern verbietet, über das zu sprechen, was sie von ihm erkannt haben.
Warum nicht mehr Leute davon überzeugen? Warum nicht so viel mehr Nachfolger gewinnen? Noch mehr Argumente können einem dazu einfallen.
Eines ist jedoch sicherlich klar: Jesus weist die Jünger darauf hin, dass überzeugende Worte nicht die entscheidende Sache sind, wenn es darum geht, Menschen das Heil Gottes zu bringen. Viel mehr Kraft als unsere Worte hat unser Lebenszeugnis.
Denn die Menschen werden in erster Linie sehen, wie die Jünger Jesu leben, wie sie verändert wurden. Darin liegt die wahre Überzeugungskraft. Unsere Worte sollten immer nur eine Bestätigung oder Erläuterung dessen sein, wie wir leben.
Als Christen brauchen wir nicht dringend Worte, die evangelisieren, sondern unser Leben sollte ein lebendiges Evangelium sein.
Sarah Briemle
Frage: Wo wird mein Leben bereits zu einem lebendigen Evangelium – und wo darf ich mich von Gottes Geist noch tiefer verwandeln lassen?
Vers 22 Todes- und Auferstehungsankündigung
Lk 9,22: Der Sohn des Menschen muß viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und den obersten Priestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tag auferweckt werden.
Passionsgeschichten mit Einleitung
Die Evangelien sind letztlich Passionsgeschichten mit ausführlicher Einleitung. Christi Passionszeit beginnt nicht erst in der Leidenswoche, sondern mit dem ersten Tage seiner Predigt.
Die eigentliche Passion dauert dann eine Woche. Wollten die Evangelisten mit dem Schema der einen Woche eine zweite Schöpfungsgeschichte andeuten?
So wie Gott die Welt in sieben Tagen erschuf, so bewirkte Jesus mit seinem Leiden, Sterben und Auferstehen in einer Woche unsere Erlösung. Er ist diesen Weg für mich gegangen.
Ich betrachtete alle Leiden, die es je gegeben hat oder geben wird, und ich verstand, dass die Passion Christi das größte, das schmerzhafteste aller Leiden war und sie alle übertraf. Juliana von Norwich
Frage: Wo erkenne ich in meinem eigenen Leben Spuren einer neuen Schöpfung durch das Leiden und die Auferstehung Christi?