Lk 9, 28-36 Verklärung

Vers 28 Auf den Berg

Lk 9,28: Etwa acht Tage nachdem er das gesagt hatte, nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit sich und stieg auf einen Berg, um zu beten.

Zeitpunkt der Verklärung

Die Verklärung findet zu einem ganz präzisen Zeitpunkt der Sendung Christi statt, nach der Ankündigung seines Leidens. Jesus weiß, dass sie die Realität des Kreuzes nicht akzeptieren, und so möchte er sie darauf vorbereiten, den Skandal der Passion und des Kreuzestodes zu ertragen, damit sie wissen, dass dies der Weg ist, durch den der himmlische Vater seinen Sohn zur Herrlichkeit führen wird.

Jeder von uns hat nun sein eigenes Kreuz. Der Herr lässt uns das Ende dieses Wegs sehen, das die Auferstehung ist, die Schönheit, indem wir unser eigenes Kreuz tragen.

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die tiefe Schönheit erkennen, die entsteht, wenn ich mein persönliches Kreuz annehme?

Beginn der Verklärung

Beginnen tut die Verklärung damit, dass Jesus die drei Apostel mit auf einen Berg nimmt.

Der Berg steht in der Bibel für Gottesnähe, ein Ort, an dem Gott sich offenbart, an dem der Mensch Gott näher ist als im Tal, im Nebel seines Alltags.

So wichtig der Alltag ist, wir auch dort in und bei Gott sind, wir dort unser Kreuz tragen, so unerlässlich ist es für jeden von uns, dass er einen inneren "Berg" hat, auf dem er Gott begegnet.

Physische Orte wie die Kirche oder eine kleine Gebetsecke sowie bestimmte Zeiten, etwa das Morgengebet, können dabei helfen. Wie dein Berg sich im Einzelnen zeigt, gestaltet sich bei jedem anders.

Benedikt XVI. hat einmal gesagt: Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt.

Frage: Wo ist dein innerer Berg, an dem du Gott besonders nahe bist, und wie kannst du ihn im Alltag bewusster betreten?

Andacht der Goldenen Perle

Er stieg aber auf den Berg, um zu beten, damit er uns lehrte, in der Einsamkeit und in der Erhebung, ohne Versenkung in das Irdische, zu beten.

Daher begibt er sich auf den Berg, um zu beten und verklärt zu werden, um zu zeigen, dass die, welche die Frucht der Auferstehung erwarten, und den König in seiner Herrlichkeit zu sehen wünschen, mit dem Geist Oben wohnen und inständig beten müssen.

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben Momente der Einsamkeit und Erhebung finden, um meinen Geist zu nähren und die Verbindung zum Höheren zu stärken?

Vers 29 Jesu Kleidung strahlt

Lk 9,29: Während Jesus betete, veränderte sich sein Gesicht, und seine Kleider strahlten hell.

Jesus ist im Gebet

Häufig wird davon berichtet, dass Jesus sich zum Gebet zurückzog. Das Besondere hier ist, dass er drei Apostel mitnimmt und somit auch dich.

Auf den Berg mit Jesus zu steigen bedeutet für die Apostel, in das Gebet Jesu hineingezogen zu werden. Er wollte ihnen und dir das innere Licht zeigen, das ihn erfüllt, wenn er betet.

Das Gebet damals und für uns jetzt ist kein Beiwerk, keine „Option“, sondern es ist eine Frage von Leben oder Tod. Nur wer betet, das heißt, wer sich in kindlicher Liebe Gott anvertraut, kann in das ewige Leben eintreten, das Gott selbst ist.

Das Ereignis der Verklärung macht uns die existenzielle Bedeutung des Gebets für unser Leben klar. Mein Gebet ist immer das Gleiche, wenn ich am Morgen bete: Hier bin ich.

Frage: Wie kann ich mich heute bewusst in das Gebet und in die Gegenwart Gottes ziehen lassen, um das innere Licht zu erfahren?

Andacht von Johannes von Damaskus

Er hat nicht erst später das Sein empfangen und die Herrlichkeit dazu erhalten. Aus dem Vater geboren, ist er ohne Anfang und ohne Zeit und besitzt den Glanz seiner Herrlichkeit.

Er wurde also verklärt. Das heißt nicht, dass er etwas wurde, was er vorher nicht war, sondern es bedeutet, dass er seinen Jüngern sichtbar machte, was er war. Er öffnete ihnen die Augen und machte aus Blinden Sehende.

Johannes von Damaskus

Frage: Welche verborgene Herrlichkeit in dir selbst könntest du heute bewusst wahrnehmen, wenn du deine inneren Augen öffnest?

Vers 30 Mose, Elia erscheinen

Lk 9,30: Plötzlich standen zwei Männer da und redeten mit ihm: Mose und Elia.

Moses und Elia

In der geistigen Vorstellung, die viele von diesem Ereignis haben, stellen sie sich Jesus vor, der mit Moses und Elia in der Luft schwebt. Stattdessen sagt der Text deutlich, dass sie standen .

Vers 31 Gespräch über Abschied

Lk 9,31: Auch sie waren von einem herrlichen Glanz umgeben und sprachen mit Jesus über seinen Tod, den er nach Gottes Plan in Jerusalem erleiden sollte.

Das Thema des Gesprächs gibt Lukas an

Jesu Tod. Das Evangelium ist nicht eine Aneinanderreihung von Erzählungen, sondern eine abgestimmte Komposition. Vor der Verklärung spricht Jesus über seinen bevorstehenden Tod und richtet an uns die Worte, dass auch wir in der Jüngerschaft unser Kreuz auf uns nehmen sollen. In der Verklärung wird dieses Thema erneut aufgegriffen.

Jesus flieht nicht vor der Sendung, für die er in die Welt gekommen ist. So zeigt er uns, dass das wahre Gebet darin besteht, unseren Willen mit dem Willen Gottes zu vereinen. Für uns bedeutet Beten also nicht, vor der Wirklichkeit und deren Verantwortung zu fliehen, sondern sie im Vertrauen auf die treue und unerschöpfliche Liebe des Herrn vollends auf sich zu nehmen.

Frage: In welchen Momenten deines Lebens könntest du lernen, deinen eigenen Willen mehr mit dem Willen Gottes in Einklang zu bringen?

Gespräch über sein Ende

Jesus redete mit Moses und Elija über sein Ende: die Befreiung der Menschheit aus der Sklaverei der Sünde.

Er redete nicht über die Wunder, die er vollbringen wollte, über die Schönheit dieser Welt oder über seine Ambitionen.

Er machte sich keine Gedanken darüber, wie er seine Talente am besten nutzen könnte, wie er Großes erreichen könnte, wie er die Wertschätzung der Leute gewinnen könnte, wie er sich einen Namen machen könnte, oder wie er sich ein bequemes Leben machen könnte.

Jesus redete über keines dieser Dinge. Er dachte einzig und allein an sein Ende, sein Leiden, seinen Tod und seinen Fortgang aus dieser Welt, um seinen Vater zu verherrlichen, indem er seinen Willen, die Menschheit zu retten, erfüllte.

Patrick Murphy

Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben Momente finden, in denen du dein Handeln weniger an Anerkennung und mehr an tieferem Sinn orientierst?

Vers 32 Jünger sehen Herrlichkeit

Lk 9,32: Petrus aber und seine Gefährten waren vom Schlaf übermannt. Als sie aber erwachten, sahen sie seine Herrlichkeit und die zwei Männer, die bei ihm standen.

Das Verhalten der Jünger

Zweimal hören wir in der Heiligen Schrift, dass Jesus drei seiner Jünger in seiner unmittelbaren Nähe haben wollte. Beim Gebet auf dem Berg Tabor und bei seinem Gebet auf dem Ölberg. Bei seiner Verklärung und in seiner Todesangst.

Und was machen die Jünger? Sie werden müde und schlafen ein!

Jesus, wecke mich aus meiner geistigen Schläfrigkeit auf. Alltägliche Sorgen und Routine können mich oberflächlich und gleichgültig machen. Komm, Heiliger Geist, und lass mich wachsam sein!

Edeltrud Fuhr

Frage: Wo in meinem Leben schlafe ich geistig ein, und wie kann ich wieder bewusst wacher und achtsamer werden?

Vers 33 Petrus will Hütten

Lk 9,33: Schließlich wollten die zwei Männer gehen. Da rief Petrus: Herr, wie gut, dass wir hier sind! Wir wollen drei Hütten bauen, für dich eine, für Mose eine und für Elia eine! Petrus wusste aber gar nicht, was er da sagte. Lk 9:33

Es war einfach gut, da zu sein

Auch wenn wir es nicht so erfahren wie die drei, gibt es nichts Größeres, als bei Gott zu sein. Dazu können wir uns die Allgegenwart Gottes bewusst machen.

Wir können im Gebet bei ihm sein, der durch die Taufe im Tempel unseres Leibes in uns Wohnung genommen hat. Oder wir können seine leibhaftige Gegenwart in der Eucharistie suchen und in der Kirche vor ihm verweilen.

In keinem dieser Fälle sehen wir Christus verklärt, doch es bleibt jedes Mal seine göttliche Gegenwart.

Bertalan Egervári

Frage: Wie kann ich im Alltag die bewusste Gegenwart Gottes spüren und mich ihm ganz öffnen?

Petrus möchte die Gotteserfahrung festhalten

Du hast sicher schon Momente tiefer Gotteserfahrung gemacht. Bei dem einen haben sie zur Bekehrung geführt, bei dem anderen sie haben ihn auf seinem Glaubensweg gestärkt.

Dennoch sind diese Momente tiefer Gotteserfahrung eher selten. Sie sind ein besonderes Geschenk, lassen sich weder durch Askese noch durch Meditation erzwingen und lassen sich auch nicht festhalten.

Aber du kannst dich an sie erinnern. Sie wirken in uns nach und verändern uns. Erinnere dich heute an einen Moment tiefer Gotteserfahrung in deinem Leben.

Vergesst in eurem Leben nicht den Berg der Verklärung. Es gibt ihn – diesen Berg der Verklärung – für jeden von uns an einem anderen Ort.

Frage: Welcher Moment tiefer Gotteserfahrung in deinem Leben hat dich nachhaltig verändert, und wie spürst du seine Wirkung heute noch?

Den Moment festhalten

Das Gefühl, dem Himmel so nahe zu sein, wie nie zuvor, weckt den Wunsch zu bleiben, den Moment festzuhalten und dort zu verweilen.

Doch um endgültig in der himmlischen Wirklichkeit bleiben zu können, müssen sie, muss Jesus, noch einen Weg gehen. Und dieser Weg führt über Leiden und Anfeindung hin zum Tod und dem Auferwecktwerden zu neuem Leben.

Ohne den Weg nach Jerusalem ist der Weg Jesu nicht vollständig. Und ohne diesen Weg Jesu bleibt die himmlische Welt für die Jünger und für uns weiter ein Sehnsuchtsort.

Das Weitergehen und bis zum Ende Gehen des Weges ist notwendig, um am Ende dort bleiben zu können, wo Petrus jetzt schon Hütten bauen will.

Frage: Welche inneren Wege oder Herausforderungen könnte ich annehmen, um die Nähe zu meiner eigenen Sehnsucht nach dem „himmlischen Moment“ wirklich zu leben?

Vers 34 Wolke überschattet sie

Lk 9,34: ‭Während er aber dies redete, kam eine Wolke und überschattete sie. Sie fürchteten sich aber, als jene in die Wolke hineinkamen.

Kam eine Wolke und überschattete sie

Dies erinnert an Gottes Gegenwart in der Wolke bei Mose auf dem Sinai (2. Mose 24,15–18). Die Wolke symbolisiert die göttliche Herrlichkeit und bestätigt Jesu göttliche Natur.

Die Jünger fürchteten sich, denn sie erlebten Gottes unmittelbare Nähe. Dies zeigt, dass die Offenbarung Gottes Ehrfurcht erweckt.

Gott spricht aus der Wolke: „Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!“ (Lk 9,35). Damit bestätigt er Jesus als den Messias und fordert Gehorsam gegenüber ihm.

Diese Szene verbindet das Alte und Neue Testament und ruft dazu auf, Jesus als Gottes Sohn anzuerkennen und seinen Worten zu folgen.

Frage: In welchen Momenten in deinem Leben hast du die Nähe Gottes gespürt, und wie hat sie dich verändert?

Vers 35 Stimme: Mein Sohn!

Lk 9,35: ‭Und eine Stimme kam aus der Wolke, die sprach: Dies ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören!

Eine bewegende Analogie

Eine Analogie, die mich sehr bewegt hat:

Hier der Berg der Verklärung, dort der Berg Golgatha.

Hier strahlt Jesu Angesicht wie die Sonne, dort war sein Aussehen entstellt.

Hier wurden seine Kleider weiß wie das Licht, dort wurde er seiner Kleider beraubt.

Hier umgaben ihn zwei große Gottesmänner, dort hingen zwei Verbrecher neben ihm.

Hier war die Wolke der Gegenwart Gottes, dort Finsternis und Gottverlassenheit.

Das Kreuz und die Herrlichkeit Christi gehören unzertrennlich zusammen. Auch dein Kreuz und das Wachsen in der Erkenntnis der Liebe Gottes sind unzertrennlich verbunden.

Frage: Wie spürst du in deinem eigenen Leben die Verbindung zwischen den Herausforderungen, die du trägst, und der Liebe, die dich stärkt?

Lk 9,35: Dies ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören!

Auf den Sohn hören

Die Einladung des Vaters, auf Jesus zu hören, den die Jünger nach dem Verschwinden der Vision „allein“ antreffen, unterstreicht den Vorrang des Hörens vor dem Sehen.

Der Glaube wird oft in der Dunkelheit gelebt: Lasst uns das Licht aufnehmen, wenn es uns gegeben wird, aber lasst uns mit dem zufrieden sein, was uns zu hören gegeben wird.

Gebet: Gott, du hast uns geboten, auf deinen geliebten Sohn zu hören. Nähre uns mit deinem Wort und reinige die Augen unseres Geistes, damit wir fähig werden, deine Herrlichkeit zu erkennen.

Frage: Welche inneren Stimmen oder leisen Impulse laden mich heute ein, auf Gottes Führung zu hören, auch wenn ich sie nicht sehen kann?

Sein geliebter Sohn

Bedeutsam an der Begegnung auf dem Berg ist nicht nur das Einbrechen der himmlischen Welt in die irdische, sondern auch das, was auf diese Weise offenbar wird.

Die Leser haben bereits durch die Ankündigung der Geburt an Maria Hinweise auf die Frage, wer Jesus ist. Er wird Sohn des Höchsten und Sohn Gottes genannt werden.

In der Tauferzählung wird diese Identität Jesu durch die himmlische Stimme bestätigt: Du bist mein geliebter Sohn. Bislang haben die Jünger nur ihr eigenes Erleben der Taten und Worte Jesu; sie verstehen mal besser und mal schlechter, wem sie folgen.

Erstmalig auf dem Verklärungsberg sind sie Zeugen einer eindeutigen Bestätigung dessen, wer Jesus ist: Dieser ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich göttliche Bestätigung oder tiefe Gewissheit gespürt, und wie kann ich diese Offenbarungen bewusster wahrnehmen?

Vers 36 Jesus allein, Schweigen

Lk 9,36: Und während die Stimme kam, fand es sich, dass Jesus allein war. Und sie schwiegen und sagten in jenen Tagen niemand etwas von dem, was sie gesehen hatten.

Außergewöhnliche Erlebnisse und ihre Wirkung

Wäre es nicht von unschätzbarem Wert für den Glauben, wenn alle Menschen den verklärten, göttlichen Christus sehen könnten? Wir könnten meinen: Wenn ich ihn so sehen könnte, würde ich ganz anders glauben und leben.

Die Evangelien zeigen uns aber, dass es Petrus im entscheidenden Moment der Kreuzigung keine Hilfe war. Feste Glaubensüberzeugungen entstehen anders. Außergewöhnliche Erfahrungen oder Erlebnisse können eine Hilfe sein, der Glaube wird aber vor allem in den vielen kleinen Prüfungen des Alltags geschmiedet.

Es liegt an uns, ob wir den Alltag einfach an uns geschehen lassen oder ob wir ihn bewusst mit den Augen des Glaubens sehen und leben.

Bertalan Egervári

Frage: Wie kann ich heute bewusst die kleinen Momente meines Alltags nutzen, um meinen Glauben zu vertiefen und innerlich zu wachsen?