Lk 9, 1-9
Aussendung der Zwölf
Auslegung und Andacht
Lk 9, 1-9 im Überblick: Lukas 9, 1 bis 9 Vers für Vers erklärt. Lerne die Hintergründe zur Aussendung der Zwölf kennen und nimm konkrete Impulse für deinen Tag mit.
Inhaltsverzeichnis
Lk 9, 1 Jesus sendet Zwölf
Lk 9,1: Er rief aber seine zwölf Jünger zusammen und gab ihnen Kraft und Vollmacht über alle Dämonen und zur Heilung von Krankheiten.
Sendung zu den Menschen
Die Sendung von Jüngern zu den Menschen, das Weitersagen der Heilsbotschaft, ist ein Herzensanliegen Jesu. Bis in unser Heute hinein setzt sich diese Sendung bei uns fort. Wir sind als Boten des Evangeliums unterwegs.
Bevor wir jedoch Boten sein können, sind wir – wie damals die Apostel – Berufene. Berufene, bei Jesus zu sein, mit ihm zu gehen und von ihm zu lernen. Wer im Namen Jesu Bote des Evangeliums sein möchte, muss zuerst mit Jesus leben, immer wieder auf ihn schauen und von ihm lernen.
Nur so ist es möglich, Gesandter Jesu Christi zu sein, Sprachrohr seiner Botschaft, Bote seiner Liebe und Werkzeug seines Friedens. Wen Gott beruft, den rüstet Gott aus. Die Ausrüstung mag vor Beginn des Dienstes nicht vollständig offensichtlich sein, doch auf dem Weg wird sie sichtbar und erfahrbar werden.
Frage: Wie spürst du in deinem eigenen Leben die Einladung, mit Jesus zu gehen und seine Botschaft in die Welt zu tragen?
Er gab ihnen die Kraft und die Vollmacht
Der Ruf ist immer ein Geschenk Gottes. Jesus ruft die Zwölf zu sich und gibt ihnen Kraft und Vollmacht. Sie haben große Werke im Namen Jesu vollbracht.
Jesus wirkt immer noch in seiner Kirche. Es gibt so viele Wunder und Gnaden, dass man sie nicht zählen kann. Aber man muss glauben und vor allem auf Jesus vertrauen. Er kann alles; er kann auch in uns den Sieg davontragen. Sein Name ist so mächtig!
Wenn wir glauben und auf Jesus vertrauen, ist unser Gebet sehr stark. Der Heilige Geist ist mit uns. Er wirkt unter uns. Wir müssen glauben, um diese Kraft und Vollmacht Jesu auch heutzutage zu sehen.
Br. João Paulo Jäger
Frage: Wie öffnest du dein Herz, um Gottes Kraft und Führung in deinem Leben bewusst wahrzunehmen?
Lk 9, 2 Auftrag: Predigen, heilen
Lk 9,2: Er sandte sie aus, das Reich Gottes zu verkündigen und die Kranken zu heilen.
Wieso das alles?
Wenn Gott wirklich will, dass alle Menschen die frohe Botschaft empfangen, wieso hat er dann nicht besser dafür vorgesorgt? Wieso hat Jesus 30 Jahre im Verborgenen gelebt? Wieso hat er nur drei Jahre gewirkt und nicht 40? Wieso hat er nicht viel mehr Wunder gewirkt? Wieso nur in Israel? Wieso?
Als Sohn Gottes wusste Jesus, was er tat. Und das muss uns zunächst genügen. Unsere Hausaufgabe besteht oft erst einmal darin, die Dinge zu akzeptieren, wie sie sind, auch wenn wir sie nicht verstehen. Denn auch heute noch weiß Gott durchaus, was er tut, und das zum Glück unabhängig davon, ob wir es schon verstehen oder nicht.
Bertalan Egervári
Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du lernen, mehr zu vertrauen, auch wenn du die Absichten und Wege noch nicht vollständig verstehst?
Die Verkündigung des Reiches Gottes
Jesus ist gekommen, um das Reich Gottes in den Herzen der Menschen aufzubauen, und dazu sandte er auch seine Jünger aus.
Brennt auch in meinem Herzen der Wunsch, dass alle Menschen Jesus kennenlernen und in diesem Reich der Liebe, Hingabe und Fülle leben und erleben dürfen?
Frage: In welchen Momenten spüre ich in meinem eigenen Herzen das Sehnen nach mehr Liebe, Hingabe und innerer Fülle?
Jesus sendet mich aus
So wie Jesus damals seine Jünger ausgesandt hat, so sendet er auch heute Menschen aus.
Jesus lädt mich ein, an seiner Sendung teilzuhaben. Er tut es nicht, weil er mich unbedingt bräuchte. Er könnte auch alles alleine vollbringen. Doch er will mich brauchen und er findet Gefallen daran, dass wir Menschen ihm helfen.
Jesus lädt auch mich ein. Es hängt nun von mir ab, ob ich seine Einladung annehmen will. Bin ich bereit, mich auf seinen Ruf einzulassen? Glaube ich, dass, wenn Gott mir etwas anvertraut, er mich auch stärken und unterstützen wird?
Frage: Wie spüre ich in meinem Alltag die Einladung, Teil von etwas Größerem zu sein, und wo könnte ich mich von Gottes Stärke leiten lassen?
Andacht von Charles de Foucauld
Apostel sein? Wie und durch welche Mittel? Durch die besten, in Anbetracht der Menschen, an die sie sich wenden, nämlich ausnahmslos alle, mit denen sie Umgang haben: durch Güte, Zartgefühl, brüderliche Zuneigung und vorbildliche Tugendhaftigkeit, durch Demut und Sanftheit, Tugenden, die immer anziehend wirken und echt christlich sind. Bei einigen, ohne mit ihnen jemals auch nur ein Wort über Gott oder die Religion zu sprechen, indem man geduldig ist, wie Gott geduldig ist, indem man gütig ist, wie Gott gütig ist, indem man ein liebevoller Bruder ist und betet. Bei anderen, indem man mit ihnen über Gott spricht, soweit sie es ertragen können. Das Wichtigste ist, in jedem Menschen den Bruder zu sehen.
Lk 9, 3 Kein Gepäck mitnehmen
Lk 9,3: Und er sprach zu ihnen: Nehmt nichts auf den Weg, weder Stäbe noch Tasche, weder Brot noch Geld; auch soll einer nicht zwei Hemden haben.
Christen müssen immer leichtes Gepäck haben
Die Jünger sollen nichts mitnehmen außer einem Wanderstock. Die Jünger sollen erfahren, wie es ist, sich ganz auf die Güte der Menschen und letztlich auf die Vorsehung Gottes zu verlassen. Ob Gott wirklich Quelle und tragender Grund des Lebens ist, das soll man ablesen können an denen, die ihn verkündigen.
Übertragen heißt das „Nichts mitnehmen“ auch: Geh zu den Menschen so, wie du bist. Sei du selbst! Gib dich selbst! Sag, was du glaubst! Verstecke dich nicht hinter Rollen oder Scheinidentitäten. Sei innerlich arm und verlasse dich allein auf Gott.
Frage: Wo in meinem Leben könnte ich mehr loslassen, um ganz auf die Führung Gottes zu vertrauen und authentisch zu sein?
Nichts mitnehmen bedeutet, ganz und gar von der Vorsehung Gottes zu leben
Tatsächlich und auf Dauer so zu leben, ist sicher nicht einfach. Es bedeutet, dass man seine Sicherheit nicht auf Geld oder Besitz gründet, sondern ganz auf Gott vertraut.
Konkret bedeutet vertrauen, dass man sich Gott auf Gedeih und Verderb ausliefert. Wenn er nicht wirkt, ist man verloren.
Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du heute schon lernen, dich völlig dem Vertrauen hinzugeben, ohne auf materielle Sicherheit zu bauen?
Vertrauen auf Gottes Vorsehung
Jesus sendet seine Jünger aus, ohne ihnen menschliche Sicherheiten zu geben – kein Brot, kein Geld, kein zweites Hemd. Wie sollen die Jünger wissen, ob sie ohne Absicherungen gegenüber allen Herausforderungen gewappnet sein werden?
Das Einzige, was sie wissen, ist, dass Jesus ihnen geboten hat, sich nicht um Zweitwichtiges zu kümmern. Das Wort Jesu ist das Einzige, an dem sie sich festhalten können.
Jesus lädt sie ein, ganz auf Gottes Vorsehung zu vertrauen. Und sie stellen fest, dass Gott sie nicht enttäuscht.
Frage: Wie stark ist mein Vertrauen in Gottes Fürsorge und wie offen bin ich bereit, mich von seiner Führung tragen zu lassen?
Interessanter Hintergrund
Es gab eine Regel unter den damaligen Rabbinern, dass man den Tempelbereich nicht mit einem Stab, Schuhen oder einem Geldsack betreten durfte, weil man auch nur den Anschein vermeiden wollte, mit anderen Geschäften als dem Dienst für den Herrn beschäftigt zu sein.
Die Jünger waren mit solch heiligem Werk beschäftigt, das Evangelium zu predigen und Gottes Heilung zu bringen, dass sie nicht den Eindruck erwecken konnten, irgendein anderes Motiv zu haben.
Frage: Welche Bereiche meines Lebens könnten davon profitieren, dass ich mich ganz auf das Wesentliche ausrichte und keine äußeren Ablenkungen zulasse?
Andacht von Augustinus
Das Gebot, nichts auf den Weg mitzunehmen, ist eine Arznei gegen die Habgier und die Sorge um die Welt. Der Herr wollte, dass die Apostel ganz ohne irdische Lasten laufen, damit ihr Schritt leicht sei auf dem Weg des Evangeliums. Der Wanderstab steht für die stützende Macht der Welt, die Tasche für das Vorratshalten aus Mangel an Vertrauen. Wer das Reich Gottes verkündet, darf den Tisch von denen empfangen, denen er das geistliche Brot bringt; denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert. Es ist eine heilige Ausgewogenheit: Die Boten schenken das Himmlische, die Hörer sorgen für das Irdische. Wer sich aber an die materiellen Dinge klammert, verliert die innere Freiheit des Geistes. Auslegung von Augustinus
Lk 9, 4 In Häusern bleiben
Lk 9,4: Und wo immer ihr in ein Haus eintretet, da bleibt, und von da zieht weiter.
Geht in die Häuser
Jesus schickt die Jünger nicht in Synagogen oder auf den Marktplatz, sondern in die Häuser. Die Familien waren die Keimzelle für die Ausbreitung des Evangeliums. Das hat sich bis heute nicht geändert.
Die wenigsten von uns sind berufen, sonntags in der Kirche zu predigen, aber jeder von uns hat die Möglichkeit, in seinem Alltag in den kleinen Begegnungen Zeugnis für seinen Glauben zu geben.
Wir können zu Menschen vordringen, die nie auf die Idee kämen, in die Kirche zu gehen oder mit einem Priester zu sprechen!
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag Räume schaffen, in denen Glaube und Hoffnung auf sanfte Weise weitergegeben werden können?
Lk 9, 5 Staub von Füßen
Lk 9,5: Und wo man euch nicht aufnehmen wird, da geht fort aus jener Stadt und schüttelt auch den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie.
Den Staub von den Füßen abschütteln
Wenn Juden dieser Zeit in oder durch eine nichtjüdische Stadt gehen mussten, schüttelten sie beim Verlassen oft den Staub von ihren Füßen, als eine Geste, die sagte: Wir wollen nichts aus dieser nichtjüdischen Stadt mitnehmen.
Im Wesentlichen forderte Jesus seine Jünger auf, eine jüdische Stadt, die ihre Botschaft ablehnte, als wäre es eine nichtjüdische Stadt zu betrachten.
Frage: Welche Orte oder Situationen in meinem Leben könnte ich heute bewusst „loslassen“, um mich auf das Wesentliche zu konzentrieren?
Lk 9, 6 Sie heilen überall
Lk 9,6: Und sie gingen aus und durchzogen die Dörfer, verkündigten das Evangelium und heilten überall.
Auftrag zur Heilung
Neben dem Auftrag zur Verkündigung werden die Jünger auch beauftragt, zu heilen. Es geht darum, die Menschen heil zu machen, sie zu befreien von dem, was sie bedrückt, fesselt, krank und kaputt macht. Die bösen Geister haben auch heute viele Gesichter.
Gelebter Glaube beinhaltet nicht nur Askese, sondern immer auch eine befreiende und heilende Seelsorge. Jesus gibt ihnen diese Vollmacht. Nicht nur ein Wort, nicht nur eine Lehre, sondern wirksame Macht empfangen die Apostel.
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich die Notwendigkeit für Heilung und Befreiung, und wie kann ich diese Kraft heute bewusst annehmen?
Lk 9, 7-8 Gerüchte über Propheten
Lk 9,7: Aber der Vierfürst Herodes hörte alles, was durch ihn geschah; und er geriet in Verlegenheit, weil von etlichen gesagt wurde, Johannes sei aus den Toten auferstanden,
Lk 9,8: von etlichen aber, Elia sei erschienen, und von anderen, einer der alten Propheten sei auferstanden.
Andacht von Michael Hemm
Sie hielten ihn nicht nur für Johannes den Täufer, diesen großen Rufer in der Wüste, der Scharen von Menschen anzog, das Volk zur Umkehr bewegte und nicht einmal davor zurückschreckte, den König zu korrigieren.
Sie glaubten sogar, dass er, Johannes, in ihm auferstanden sei.
Andere hielten ihn für den großen Propheten Elija, auf dessen Gebet hin der Himmel für drei Jahre verschlossen blieb, ohne dass ein Tropfen Regen fiel, der Tote erweckte, Feuer vom Himmel fallen ließ und am Ende seines Lebens mit einem Feuerwagen in den Himmel entrückt wurde.
Die Menschen müssen also von Jesus fasziniert gewesen sein. Sie erkannten, dass sie es hier mit jemand Besonderem zu tun hatten.
Frage: Welche besondere Präsenz oder Inspiration spüre ich in meinem eigenen Leben, die mich dazu bewegt, innezuhalten und bewusst zu reflektieren?
Andacht von Chrysostomus
Achte auf das unruhige Gewissen des Herodes. Wer ein böses Werk getan hat, lebt in beständiger Furcht und Verwirrung. Herodes hatte den heiligen Johannes den Täufer hinrichten lassen, um sein Verbrechen zu verdecken, doch die Schuld ließ ihn nicht los. Kaum hört er von den Wundern Christi, steigt die Angst in ihm auf, der Getötete sei wieder auferstanden. Das ist die Strafe der Sünde: Sie raubt der Seele den Frieden und lässt den Menschen vor jedem Schatten erschrecken. Er wollte Jesus sehen – aber nicht aus echtem Glauben oder Reue, sondern aus Neugier und Angst vor dem Urteil über seine Tat.
Lk 9, 9 Herodes sucht Jesus
Lk 9,9: Herodes sprach: Johannes habe ich enthauptet; wer ist aber der, von welchem ich dies höre? Und er wünschte ihn zu sehen.
Lk 9,9: Darum wollte er Jesus unbedingt kennen lernen.
Zur Person des Herodes
Herodes' Wunsch, Jesus zu sehen, ist nicht auf Glauben oder Motive der Bekehrung begründet. Während seines gesamten Gefängnisaufenthaltes hat Johannes der Täufer Herodes immer wieder zur Bekehrung eingeladen. „Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Sooft er mit ihm sprach, wurde er unruhig und ratlos, und doch hörte er ihm gern zu.“ (Mk 6,20)
Aber Herodes verschob seine Bekehrung immer wieder. Wir müssen uns täglich bekehren. Es ist nicht genug, nur zu sagen, dass wir Jesus als unseren persönlichen Herrn und Retter angenommen haben und „wiedergeboren“ sind. Wir müssen beginnen, das neue Leben zu leben und unsere Entscheidung für Christus jeden Tag zu erneuern.
Heute will ich mich von meinen Schwächen und Unzulänglichkeiten abwenden. Ich möchte dir näher kommen, Herr.
Barry O’Toole
Frage: Welche kleinen Entscheidungen kann ich heute treffen, um meinem Glauben tiefer zu vertrauen und meinem inneren Licht näher zu kommen?
Wer ist dieser?
Herodes fragt: Wer ist dieser? Das ist im Kern die entscheidende Glaubensfrage. Doch Herodes stellt sie aus der Haltung der Kontrolle und der Absicherung. Er möchte Jesus 'sehen', aber er möchte sich nicht von ihm berühren oder infrage stellen lassen. Die Stelle lädt uns ein, uns ehrlich der Frage zu stellen, wer Jesus für uns persönlich ist – nicht als Distanzierte, sondern als Menschen, die bereit sind, ihr Leben von ihm verwandeln zu lassen
Die Sehnsucht, Jesus zu sehen
Die Pharisäer reagierten mit Ablehnung auf den Anspruch Jesu. Herodes verspürte eine oberflächliche Neugier danach, die Wunder Jesu zu sehen und sich dadurch unterhalten zu lassen. Doch die angemessene Reaktion ist eine tiefe Sehnsucht danach, Jesus zu sehen.
Manchmal fällt es schwer, zu beten und Jesus zu begegnen. Manchmal ist das Gebet trocken oder langweilig. Wir können Jesus einfach nicht wie eine Ware ergreifen, kontrollieren und konsumieren! Aber gerade diese Unfähigkeit kann uns dazu anleiten, unser Herz voller Sehnsucht für ihn zu öffnen und zu weiten.
Wir dürfen zu ihm kommen und ihm sagen, wie schwer es uns manchmal fällt, ihn zu suchen, dass wir ihn aber so gerne finden würden. Die Sehnsucht Jesu nach uns ist noch viel größer. Wenn er uns in unserer Suche nach ihm manchmal warten und „zappeln“ lässt, dann nur, um uns danach umso reicher zu beschenken.
Frage: Wie kann ich heute mein Herz bewusst für Jesus öffnen und meine Sehnsucht nach ihm vertiefen?
Jesus kennen lernen
Man kann Jesus nicht kennenlernen, ohne Probleme zu haben. Und ich gehe so weit zu sagen: Wenn du ein Problem haben willst, dann mache dich auf den Weg, der dich dazu führt, Jesus kennenzulernen. Dann gibt es sehr viele Probleme. Doch das ist der Weg.
Man kann Jesus nicht in der ersten Klasse kennenlernen. Jesus lernt man nur auf dem Weg des alltäglichen Lebens kennen. Man kann ihn nicht in der Ruhe kennenlernen, noch weniger in der Bibliothek. Man lernt ihn im Katechismus kennen, aber es reicht nicht, ihn nur mit dem Verstand zu kennen.
Man muss Jesus im Dialog mit ihm kennenlernen, indem man mit ihm spricht, im Gebet, auf den Knien. Wenn du nicht betest, wenn du nicht mit Jesus sprichst, dann kennst du ihn nicht. Du kennst Dinge über Jesus, aber dir fehlt die Kenntnis, die vom Herzen im Gebet kommt.
Jesus mit dem Verstand kennen, durch den Katechismus, ihn mit dem Herzen kennen, im Gebet, im Dialog mit ihm: Das alles hilft uns, aber es reicht nicht.
Es gibt einen dritten Weg, um Jesus zu folgen: Das ist die Nachfolge, mit ihm gehen, seine Wege gehen. Man kann Jesus nicht kennen, ohne sich selbst mit einbeziehen zu lassen, ohne sein Leben auf ihn zu setzen.
Wenn viele – auch wir – fragen: „Wer ist dieser Mann?“, antwortet das Wort Gottes: „Möchtest du wirklich wissen, wer er ist? Dann lies, was die Kirche über ihn sagt, sprich mit ihm im Gebet und geh mit ihm auf seinem Weg. So wirst du diesen Mann kennenlernen. Das ist der Weg und jeder muss seine Wahl treffen.“
Papst Franziskus
Frage: Wie kann ich heute einen Schritt tun, um Jesus nicht nur mit dem Verstand, sondern mit meinem Herzen und meinem Leben zu begegnen?
Andacht von Augustinus
Bedenke den Unterschied zwischen dem Suchen des Herodes und dem Suchen der Apostel. Herodes suchte Jesus zu sehen, wie man ein Schauspiel sucht oder um seine eigene Unruhe zu besänftigen. Sein Herz war voll von Blutsschuld und Weltlust; deshalb blieb ihm das Geheimnis Christi verborgen. Wer Gott nur aus Neugier oder aus dem Wunsch nach Zeichen sucht, wird ihn nicht finden. Gott offenbart sich nicht dem neugierigen Verstand des Stolzen, sondern dem demütigen Herzen, das nach Heilung verlangt. Herodes sah Jesus später während seines Leidens – aber er erkannte ihn nicht, sondern trieb nur seinen Spott mit ihm
Häufige Fragen zu Lk 9, 1-9
Was bedeutet Lk 9, 1-9?
Die Erzählung berichtet von der Aussendung der zwölf Apostel durch Jesus und der darauf folgenden Verunsicherung des Landesherrn Herodes Antipas. Das Geschehen verdeutlicht, dass die Jünger aktiv an der Vollmacht Jesu teilhaben, um das Reich Gottes zu verkünden, und dass sein Wirken eine gewaltige Wirkung auf die politische und religiöse Obrigkeit ausübt.
Warum schärft Jesus den Jüngern ein, nichts für den Weg mitzunehmen?
Jesus weist die Apostel an, weder Stab, Tasche, Brot noch Geld mitzunehmen, um ganz auf die Fürsorge Gottes und die Gastfreundschaft der Menschen zu vertrauen. Diese Radikalität unterstreicht, dass der Auftrag im Mittelpunkt steht und nicht die materielle Absicherung.
Welche Bedeutung hat das Schütteln des Staubes von den Füßen?
Wenn eine Stadt die Boten und ihre Botschaft ablehnt, sollen sie beim Verlassen den Staub als Zeichen gegen sie abschütteln. Diese symbolische Handlung drückt aus, dass die Jünger die Verantwortung für die Ablehnung den Verweigerern überlassen und rein weiterziehen.
Warum ist Herodes Antipas wegen Jesus so beunruhigt?
Herodes hört von den Taten Jesu und den Gerüchten, dass Johannes der Täufer oder ein alter Prophet auferstanden sei. Da er Johannes selbst hinrichten ließ, wecken die Berichte über das Wirken Jesu sein schlechtes Gewissen und das Verlangen, ihn persönlich zu sehen.
Was ist die zentrale Botschaft von Lk 9, 1-9?
Die Begebenheit zeigt, dass die Botschaft vom Reich Gottes durch die Nachfolger Jesu weitergetragen wird und konkrete Vollmacht zur Befreiung und Heilung besitzt. Sie fordert dazu auf, den Auftrag Gottes mit Vertrauen und ohne Angst vor mächtigen Personen oder materiellen Sorgen zu leben.
Lk 8, 40-56 Auferweckung Tochter des Jaïrus und Heilung blutflüssige Frau
Lk 9, 10-17 Fünftausend Menschen werden satt