Lk 8, 40-56 Auferweckung der Tochter des Jaïrus und Heilung der blutflüssigen Frau
Inhaltsverzeichnis
Vers 40-42 Jairus bittet den Herrn
Lk 8,40: Als Jesus zurückkam, geschah es, dass ihn die Volksmenge freudig empfing; denn sie warteten alle auf ihn.
Lk 8,41: Und siehe, es kam ein Mann namens Jairus, der war ein Oberster der Synagoge; und er warf sich Jesus zu Füßen und bat ihn, in sein Haus zu kommen.
Er warf sich Jesus zu Füßen
Dies zeigt seinen tiefen Glauben und seine Demut. Als Synagogenvorsteher gehörte er zur religiösen Elite, doch er erkannte in Jesus die einzige Hoffnung für sein Kind.
Sein Verhalten verdeutlicht, dass Glaube keine gesellschaftlichen Grenzen kennt. Der Text lehrt, dass echte Not Menschen unabhängig von Status oder Herkunft zu Jesus führt.
Zudem zeigt er Jesu Barmherzigkeit, denn er nimmt sich der Bitte an und macht sich auf den Weg. Die Geschichte ermutigt dazu, im Vertrauen auf Christus Hilfe zu suchen und auf Gottes Eingreifen zu hoffen, auch in scheinbar ausweglosen Situationen.
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens fällt es mir schwer, mein Vertrauen ganz auf Gott zu setzen, und wie könnte ich mutiger im Glauben handeln?
Lk 8,42: Denn er hatte eine einzige Tochter von etwa zwölf Jahren, und diese lag im Sterben. Als er aber hinging, bedrängte ihn die Volksmenge.
Vers 43 Frau mit Blutfluss
Lk 8,43: Unter den Leuten war auch eine Frau, die seit zwölf Jahren an starken Blutungen litt.
Blutungen
Der Wunderbericht beginnt schlicht mit der Diagnose: die Frau litt seit zwölf Jahren an starken Blutungen.
Die Blutungen stehen für alles, worunter wir leiden. Nach außen wollen wir immer stark erscheinen. Aber wir wissen alle, dass jeder seine Blutungen hat.
Die Blutungen können vielfältig sein: gestörte Beziehungen zu den Eltern, Schwierigkeiten mit der eigenen Persönlichkeit, ein nicht verarbeiteter Schicksalsschlag, Versuchungen jeglicher Art und vieles mehr.
Was sind deine Blutungen?
Frage: Welche inneren Wunden trägst du mit dir, die dich daran hindern, dich vollständig lebendig zu fühlen?
Lk 8,43: Niemand hatte ihr helfen können, obwohl sie schon von vielen Ärzten behandelt worden war und dafür ihr ganzes Geld ausgegeben hatte.
Ärzte
In einem Psalm steht, dass Gott mein ganzes(!) Glück ist, und Theresa von Avila sagt, dass Gott allein genügt. Auch wenn wir beim Lesen dieser Aussagen als Christen zustimmen, so suchen wir unser Glück doch immer wieder auch woanders – ich eingeschlossen!
Dafür stehen in der Heilungsgeschichte die Ärzte. Die Ärzte stehen für vielerlei: Glück durch Karriere, die so gut wie perfekte Liebe zum Partner, Vermögen und Besitz, ein Hobby und vieles mehr. Nichts – weder mein Partner, noch der Beruf, noch ein großes Vermögen oder was auch immer – kann diese tiefe Sehnsucht in uns füllen, die nur Gott auszufüllen vermag.
Wer das erkennt, der glaubt.
Ich sorge mich um nichts anderes, als Tag für Tag den Willen des Herrn zu tun. Glaubt mir, das ist das Schönste im Leben. Johannes XXIII.
Frage: Welche "Ärzte" und "Reichtümer" versuche ich immer wieder an die erste Stelle zu setzen, obwohl nur Gott meine Sehnsucht wirklich erfüllen kann?
Vers 44 Berührung des Gewandsaums
Lk 8,44: Diese Frau zwängte sich durch die vielen Menschen hindurch und berührte heimlich von hinten ein Stück seines Gewandes. Im selben Augenblick hörten die Blutungen auf.
Die Frau berührt Jesus
Bei Matthäus heißt es, dass sie den Saum seines Gewandes berührte. Das ist kein unwesentlicher Bestandteil dieses Wunders. Die Frau klopfte nicht einfach mal Jesus von hinten auf die Schulter.
Der Saum ist ganz unten am Gewand, gewissermaßen kurz über dem Boden an den Füßen. Um ihn zu berühren, musste sich die Frau bücken, möglicherweise sogar kniend auf den Boden gehen. Das ist eine Körperhaltung der Demut. Jesus in Demut zu nahen – was bedeutet das?
Es entspringt einem großen Geheimnis. Einerseits ist uns Jesus ganz nahe, in unserem Herzen, nennt uns seine Freunde, steht in einem intimen Verhältnis zu uns. Andererseits ist er Herr und Gott, Alpha und Omega, dem alle Macht auf Erden gegeben ist.
Durch dieses Beidseitige dürfen und sollen wir uns Jesus nahen, aber immer in Demut im Bewusstsein, wem wir uns da nahen.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben Momente der Demut finden, um der Gegenwart des Göttlichen bewusst zu begegnen?
Glaube und Hoffnung der Frau
Die Frau lebte aus der Hoffnung, dass sie allein aus der Berührung geheilt wird. Was für ein Glaube. Jesus selbst war ihre Hoffnung.
Christus hat in seinem Kreuz und in seiner Auferstehung alles Leid und Unheil der Welt überwunden und ist dadurch für uns alle zum Zeichen der Hoffnung geworden.
Die Quelle der Hoffnung liegt in Gott, der nur lieben kann und uns unermüdlich sucht. Uns erfüllt diese lebendige Hoffnung. Tagtäglich, immer wieder neu. Hoffe auf den Herrn.
Frage: Wie offen bin ich dafür, die Quelle meiner Hoffnung in Gott zu entdecken und täglich von ihr getragen zu werden?
Vers 45 Wer hat mich berührt?
Lk 8,45: Wer hat mich angefasst? fragte Jesus. Petrus meinte: Herr, die Leute drücken und bedrängen dich von allen Seiten, und da fragst du, wer dich angefasst hat ?
Reges Gedränge
Das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt. In unserem Leben herrscht oft ein reges Gedränge. Es ist viel los. Ich habe viel um die Ohren. Viele Leute wollen etwas von mir. In meinem Kopf herrscht vielleicht gedankliches Chaos.
Zeit unseres Lebens stehen wir in der Gefahr, durch dieses innere und äußere Gedränge die wesentliche und allein notwendige Beziehung zu Jesus zu vernachlässigen. Unsere Blutungen oder sonstige Wunden können und werden nur in der Kraft Jesu Christi heilen, wenn er der Mittelpunkt unseres Lebens ist.
Wo stehst du in Gefahr, das Erste zum Zweitrangigen zu machen und dich vom wichtig erscheinenden Alltag wegziehen zu lassen von der Beziehungspflege mit Jesus?
Petrus und die Jünger verstanden den Unterschied zwischen einem zufälligen Kontakt mit Jesus und dem Ausstrecken, um ihn im Glauben zu berühren, nicht.
Frage: Wie kann ich heute bewusst Raum schaffen, um meine Beziehung zu Jesus zu nähren und inmitten des Alltags lebendig zu halten?
Vers 46 Kraft ist ausgegangen
Lk 8,46: Jesus erwiderte: Jemand hat mich ganz bewusst berührt. Ich habe gespürt, wie heilende Kraft von mir ausgegangen ist!
Von Jesus geht heilende Kraft aus
Wenn du in Beziehung zu ihm trittst, wird sich immer etwas ändern. Es ist das wirkende Wort Gottes, das nie spurlos zurückbleibt.
Wo erfährst du konkret diese heilende Kraft? Das können bestimmte Orte und Situationen sein, wie zum Beispiel im Gottesdienst oder in der Natur, vor allem aber im intimen Gebetsgespräch mit ihm.
Das können Beichte und Eucharistie sein. Es kann aber auch ein Gespräch mit einem Mitmenschen sein, der von Gott dazu auserwählt ist, uns heilend zur Seite zu stehen.
Ich denke, es ist unvorstellbar, auf welch unterschiedlichste Weise Gott heilend in unser Leben eingreift.
Frage: In welchem Moment hast du zuletzt die heilende Gegenwart Gottes besonders gespürt, und wie hat sie dich verändert?
Vers 47 Frau bekennt Heilung zitternd
Lk 8,47: Als nun die Frau sah, dass sie nicht unbemerkt geblieben war, kam sie zitternd, fiel vor ihm nieder und erzählte ihm vor dem ganzen Volk, aus welchem Grund sie ihn angerührt hatte und wie sie auf der Stelle gesund geworden war.
Fiel vor ihm nieder
Diese Szene zeigt einerseits die Ehrfurcht der Frau vor Jesus und andererseits ihren Glauben. Ihre Furcht entspringt sowohl der Heiligkeit Jesu als auch der gesellschaftlichen Norm, nach der sie als unrein galt.
Doch sie erkennt Jesus als Retter an und bekennt mutig ihr Wunder. Jesus antwortet ihr nicht mit Tadel, sondern bestätigt ihren Glauben: „Dein Glaube hat dich gerettet.“
Dies verdeutlicht, dass Heilung nicht nur physisch, sondern auch geistlich wirkt. Der Vers ermutigt dazu, mit Vertrauen zu Christus zu kommen, selbst wenn Angst oder gesellschaftliche Schranken bestehen.
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich mutig meinen Glauben zeigen, auch wenn Angst oder gesellschaftliche Erwartungen mich zurückhalten?
Vers 48 Dein Glaube hat gerettet
Lk 8,48: Meine Tochter sagte Jesus zu ihr, dein Glaube hat dich geheilt. Geh in Frieden!
Dein Glaube hat dir geholfen
Er sagt nicht: Ich habe dir geholfen. Oder: Gott hat dir geholfen, obwohl das zweifellos richtig gewesen wäre. Er sagt: Dein Glaube hat dir geholfen.
Jesus würdigt das Vertrauen. Dein Vertrauen hat dir geholfen, so kann man den Satz Jesu auch übersetzen. Glaube und Vertrauen sind in der Sprache der Bibel dasselbe Wort.
Ich kenne viele, denen dieses Vertrauen geholfen hat. Sie nehmen ihr Leben selbst in die Hand und tun, was in ihrer Macht steht. Sie organisieren sich die Hilfe, die sie bekommen können. Und was nicht in ihrer Macht steht, vertrauen sie Gott an.
Zugleich wissen sie, dass man dieses Vertrauen – gerade wenn es einem schlecht geht – nicht machen kann. Es ist ein Geschenk. Aber auch darum kann man bitten.
Jean-Otto Domanski
Frage: Wo in meinem Leben könnte ich lernen, Vertrauen mehr als Geschenk anzunehmen, statt es erzwingen zu wollen?
Heilender Glaube
Ist etwas kaputt, versuchen wir es zu reparieren. Ist unsere Seele im schlechten Zustand, so lasst uns zu dem unsere Zuflucht nehmen, der sie geschaffen hat und es unfehlbar versteht, sie wieder in Ordnung zu bringen.
Was unsere seelischen Gebrechen betrifft, so kann nichts sie heilen, als dass Christi Hand sie berührt. Er selbst ist es, der uns mit Freude umgürtet (Ps 30,12). Rühren wir nur seines Kleides Saum an, so werden wir gesund, während alles andere nicht in der Lage ist, uns zu helfen.
Frage: In welchen Momenten habe ich gespürt, dass mein Herz Heilung braucht, und wie könnte ich mich öffnen, um diese Berührung zuzulassen?
Vers 49-50 Tochter des Jairus gestorben
Lk 8,49: Während er noch redet, kommt jemand vom Synagogenvorsteher und spricht zu ihm: Deine Tochter ist gestorben; bemühe den Meister nicht!
Lk 8,50: Da es aber Jesus hörte, antwortete er ihm und sprach: Fürchte dich nicht; glaube nur, so wird sie gerettet werden!
Fürchte dich nicht
Es klingt fast grausam, wenn Jesus das zu einem Mann sagt, der gerade seine Tochter verloren hat, aber Jesus wusste, dass Angst und Glaube nicht zusammenpassen. Bevor Jairus Jesus wirklich vertrauen konnte, musste er sich entscheiden , die Angst abzulegen.
Vers 51-52 Zutritt nur für wenige
Lk 8,51: Und als er in das Haus kam, ließ er niemand hineingehen als Petrus und Jakobus und Johannes sowie den Vater und die Mutter des Kindes.
Niemand hineingehen als
Er reduziert die Anzahl der Anwesenden, um eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen und Zweifel sowie Spott zu vermeiden (vgl. V. 53). Die drei Jünger erleben später auch die Verklärung (Lk 9,28), was ihre besondere Stellung unterstreicht.
Lk 8,52: Sie weinten aber alle und beklagten sie. Er aber sprach: Weint nicht! Sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft.
Vers 53 Menge verlacht Jesus
Lk 8,53: Und sie lachten ihn aus, weil sie wussten, dass sie gestorben war.
Jesus wurde oft verspottet und verspottet
Männer machten sich über seine Herkunft lustig. Die Menschen machten sich über seine Taten lustig. Die Menschen machten sich über seinen Anspruch lustig, der Messias zu sein. Nicht in der ganzen Geschichte wurde die Grausamkeit und Bestialität des Spotts so deutlich wie beim Spott und Spott am Kreuz.
Vers 54-55 Mädchen, steh auf!
Lk 8,54: Er aber trieb sie alle hinaus und ergriff ihre Hand und rief: Kind, steh auf!
Die geistliche Auswirkung des Spotts
Es war keine Laune, dass Jesus Christus, als er verspottet wurde, die Spötter aus der Wunderkammer vertrieben hat. Das tut der Allmächtige immer, wenn Männer und Frauen sich verspotten. Er verschließt ihnen die Tür, damit sie die Wunder nicht sehen können, von denen das Universum wimmelt, und sie verpassen das Beste, weil sie in ihrer blinden Torheit den Geber des Besten verspottet haben.
Lk 8,55: Und ihr Geist kehrte zurück, und sie stand augenblicklich auf; und er befahl, ihr zu essen zu geben.
Vers 56 Staunen und Schweigegebot
Lk 8,56: Und ihre Eltern gerieten außer sich; er aber gebot ihnen, niemand zu sagen, was geschehen war.
Unterschiede der zwei Wunder zwischen der blutflüssigen Frau und der Tochter des Jairus
In all dem sehen wir, wie unterschiedlich das Werk Jesu ist und doch bei jedem Einzelnen gleich ist. Wenn Jesus jedes Bedürfnis persönlich berühren kann, kann er unsere Bedürfnisse auf die gleiche Weise berühren.
Jairus war ein bedeutender Mann, der Vorsteher der Synagoge. Die Frau war ein Niemand. Wir kennen nicht einmal ihren Namen. Jairus war wahrscheinlich wohlhabend, weil er ein wichtiger Mann war. Die Frau war arm, weil sie ihr ganzes Geld für Ärzte ausgab.
Jairus kam öffentlich. Die Frau kam heimlich. Jairus dachte, dass Jesus viel tun musste, um seine Tochter zu heilen. Die Frau dachte, sie brauche nur Jesu Gewand zu berühren.
Jesus reagierte sofort auf die Frau. Jesus antwortete Jairus mit einer Verzögerung. Die Tochter des Jairus wurde heimlich geheilt. Die Frau wurde öffentlich geheilt.
Frage: Wie könnte Jesus auf deine versteckten oder offenen Bedürfnisse reagieren, wenn du ihm vertrauensvoll begegnest?
Hier geht's zu einer Auslegung von G. de Koning zu Lk 8. Kap.
Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Lukas Evangelium Lk 8. Kap.