Lk 5, 33-39 Über das Fasten: Auslegung und Andacht

Lk 5, 33-39 im Überblick: Eine Vers-für-Vers-Betrachtung der Aussagen über das Fasten in Lukas 5, 33 bis 39. Entdecke die Bedeutung des Abschnitts und seine Relevanz für dein persönliches Leben.

Vers 33 Frage nach dem Fasten

Lk 5,33: Sie aber sprachen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes so oft und verrichten Gebete, ebenso auch die der Pharisäer; die Deinigen aber essen und trinken?

Fasten ist kein Selbstzweck

Was die Pharisäer und Schriftgelehrten sagen, das kennen wir auch nur zu gut. Es geht darum, wer mehr oder besser fastet.

Gerade in der heutigen Zeit sprechen viele gern vom Fasten. Die einen verzichten auf Zucker, andere auf Flugreisen, wieder andere auf Social Media.

Und während Fasten an sich gar nicht verkehrt ist, wird es doch oft von seinem ursprünglichen Sinn losgelöst. Auch daher ist ein Vergleich mit anderen völlig unsinnig.

Mariano Ballestrem

Frage: Wie könntest du das Fasten oder Verzichten in deinem Leben nutzen, um innerlich mehr Klarheit oder Frieden zu finden, statt dich mit anderen zu vergleichen?

Bereit für den Bräutigam? 

Gerade wenn unser Herz und unsere Seele aufrichtig nach Einheit mit Jesus suchen, wird uns diese Schriftstelle ermutigen können!

Die Schriftgelehrten und Pharisäer sind verstört über das Verhalten der Jünger Jesu, wohl mehr noch: sie sind empört. Es passt nicht in ihr kleinkariertes Denken und ihr Schema von der Gesetzestreue.

Das nur heuchlerisch zu nennen, wäre vorschnell. Denn die Pharisäer suchten in den Schriften und im Gesetz danach, wie man gottgefällig lebt, aber für sie blieb Gott ein Richter. Die Erfüllung des Gesetzes wurde so mehr und mehr zu einem sich verselbständigenden Kriterium, bis es letztlich nur noch um die eigene Leistung ging.

Denn wichtiger als die Frage „Wer ist Gott für mich?“ wurde die Frage: „Wer bin ich durch meine Leistung?“ – Jemand, der die Kriterien, die rechtfertigen, erfüllt, oder eben jemand, der sie nicht erfüllt.

Schnell geht dabei das wichtigste Kriterium verloren: in einer wirklichen Beziehung zu Gott zu leben – und nicht nur nach einem selbstgemachten Schema, das mir auch nur eine selbstgemachte Sicherheit geben kann.

Angelika Knauf

Frage: Wo in meinem Leben richte ich mich eher nach Leistung als nach der innigen Beziehung zu Gott, und wie kann ich diese Balance wiederfinden?

Gegen das Vergleichen

Ein Spiel zum Verlieren.

Es gibt ein Spiel, das man nur verlieren kann. Wir spielen es gern – und die Pharisäer auch.

Wenn wir uns mit anderen vergleichen, wollen wir einerseits besser aussehen und deswegen sind wir stolz, andererseits sind wir in etwas schlechter als die anderen, und das enttäuscht und verärgert uns.

Es ist ein Spiel, bei dem man immer nur verlieren kann, sich immer nur selbst verletzt.

Wie oft spielst du es am Tag? Mit welchem Ergebnis?

Br. Sebastian Jasiorkowski

Frage: Was würde sich in deinem Herzen verändern, wenn du aufhören würdest, dich zu vergleichen – und stattdessen beginnen würdest, dich so anzunehmen, wie Gott dich sieht?

Vers 34 Gäste fasten nicht beim Bräutigam

Lk 5,34: Könnt ihr die Hochzeitsgäste etwa fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist?

Messianische Zeit der Freude

Mit Jesus ist die Freude gekommen. Die messianische Zeit ist eine hochzeitliche Zeit, in der wir mit dem Bräutigam feiern dürfen. Das Schauen auf Christus, den Bräutigam, erfüllt uns mit Freude.

Jesus bringt Neues. Sein Kommen und seine Gegenwart eröffnen uns eine neue Zeit. So muss auch unser Fasten anders sein als das der Pharisäer. Wir wissen um Jesu Gegenwart in der Welt. Wir wissen, dass wir Gottes Kinder sind, und doch handeln wir nicht immer danach.

Immer wieder sind wir eingeladen, neu umzukehren – in die liebenden Arme des Vaters.

Frage: Wie kann ich heute die Freude der Gegenwart Jesu bewusst in meinem Leben wahrnehmen?

Jesus will sagen

Die gegenwärtige Zeit ist eine Zeit der Freude und der Fröhlichkeit; man darf also nichts Trauriges dazu mischen. Denn die Erscheinung unseres Erlösers auf dieser Welt war nichts Anderes, als ein Fest, wodurch er sich mit unserer Natur wie mit einer Braut auf geistige Weise verband, damit die einst unfruchtbare fruchtbar würde.

Andacht von Br. Sebastian Jasiorkowski

Also, wir beschweren uns gern und machen gern Kommentare über andere. Aber Jesus will, dass wir froh sind! Mehr sogar! Tatsächlich glücklich will er uns, im tiefsten Sinne von Glück.

Er bezeichnet sich selbst als den Bräutigam. Soll man auf der Hochzeit traurig sein?

Und es gibt hier einen besonderen Moment, an dem wir ganz oft teilnehmen, nämlich die Eucharistiefeier. Jesus gibt sich selbst jedem von uns. Es ist dann nicht die Zeit, um sich zu beschweren, sondern um mit Gott fröhlich zu sein.

Schau einmal und frage dich: Wie kommst du zur heiligen Messe und wie gehst du weg? Mit Freude? Glaubst du, dass Gott dich wirklich froh machen will, oder meinst du, Gott will dich nur fasten sehen?

Frage: Wie kannst du heute bewusst die Freude Gottes in deinem Herzen spüren und weitergeben?

Andacht von Bernhard von Clairvaux

Die Liebe des Bräutigams, oder vielmehr der Bräutigam, der die Liebe ist, verlangt nur gegenseitige Liebe und Treue. Es muss also der Braut möglich sein, die Liebe zu erwidern.

Wie sollte sie auch nicht lieben, da sie doch Braut ist und zwar die Braut der Liebe? Wie sollte die Liebe nicht geliebt werden?

Die Braut hat also recht, wenn sie auf jede andere Zuneigung verzichtet, um sich ganz der einen Liebe hinzugeben, da es doch ihre Bestimmung ist, die Liebe mit Gegenliebe zu erwidern.

Das ist die reine und selbstlose Liebe, die zarteste Liebe, ebenso friedlich wie aufrichtig, gegenseitig, innig, stark; eine Liebe, die die beiden Liebenden nicht in einem Fleisch, sondern in einem Geist vereinigt, so dass sie nicht mehr zwei, sondern eins sind, gemäß dem Pauluswort: „Wer sich […] an den Herrn bindet, ist ein Geist mit ihm“ (1 Kor 6,17).

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die reine und selbstlose Liebe kultivieren, die Herz und Geist gleichermaßen verbindet?

Vers 35 Tage des Fastens kommen noch

Lk 5,35: Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen sein wird; dann werden sie fasten in jenen Tagen.

Hinweis auf die Kreuzigung

Jesu Anwesenheit gab zu ebenso großer Freude Anlass wie ein Hochzeitsfest. Aber die Freude würde nicht von Dauer sein, denn es würde die Zeit kommen, dass der Bräutigam (Jesus) von ihnen genommen würde. An jenem Tage (seiner Kreuzigung) würden die Jünger fasten, im metaphorischen Sinn von Trauern statt Fröhlich sein.

Vers 36 Gleichnis vom neuen Flickstoff

Lk 5,36: Er sagte aber auch ein Gleichnis zu ihnen: Niemand setzt einen Lappen von einem neuen Kleid auf ein altes Kleid; denn sonst zerreißt er auch das neue, und der Lappen vom neuen passt nicht zu dem alten.

Das neue und das alte Kleid

Wie einfach Jesus doch spricht: Niemand schneidet von einem neuen Kleid (einer neuen Jeans oder einem neuen Top) etwas heraus, um es auf die alte Kleidung zu nähen. Klar, macht keiner. Das wäre dumm.

Aber was möchte Jesus mit diesem Gleichnis sagen? Er erklärt den Pharisäern (das alte Kleid im Gleichnis), dass jetzt etwas Neues beginnt, und dass man das nicht einfach auf das Alte aufnähen kann.

Er sagt voraus, dass sich das alte Judentum, in dem die Pharisäer großgeworden sind, für viele ihr Zuhause bleiben wird; und viele werden es besser finden als das, was Jesus an Neuem bringt.

Und diejenigen, die Jesus in seiner Neuheit kennenlernen, die werden nicht mehr zum Alten zurückkehren wollen.

Klaus Einsle

Frage: Wo in meinem Leben halte ich vielleicht noch an Altem fest, obwohl etwas Neues auf mich wartet?

Vers 37 Neuer Wein in alte Schläuche?

Lk 5,37: ‭Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; denn sonst wird der neue Wein die Schläuche zerreißen, und er wird verschüttet, und die Schläuche verderben;

Niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche

Diese Aussage Jesu ist ein Gleichnis für das Neue, das er bringt: das Evangelium der Gnade. Die alten Schläuche stehen für das jüdische Gesetz und die religiösen Traditionen, die sich verhärtet haben. Neuer Wein symbolisiert das lebendige Wirken des Heiligen Geistes und das Reich Gottes.

Jesu Botschaft passt nicht in überholte Strukturen. Wer an alten Traditionen festhält, ohne sich für das Neue zu öffnen, riskiert Verlust und Zerstörung. Stattdessen sind neue Schläuche – ein erneuertes Herz und eine lebendige Beziehung zu Gott – nötig, um die Fülle des neuen Lebens in Christus aufzunehmen.

Frage: Welche alten Strukturen in meinem Leben hindern mich daran, die Fülle des Neuen und Lebendigen zu empfangen?

Vers 38-39 Neuer Wein in neue Schläuche!

Lk 5,38: ‭sondern neuer Wein soll in neue Schläuche gefüllt werden, so bleiben beide miteinander erhalten.

Lk 5,39: Und niemand, der alten trinkt, will sogleich neuen; denn er spricht: Der alte ist besser!

Neues und Altes

Jesus kam, um etwas Neues einzuführen, nicht um etwas Altes zu reparieren 

Das ist es, worum es bei der Errettung geht. Dabei zerstört Jesus nicht das Alte (das Gesetz), sondern erfüllt es, so wie eine Eichel erfüllt wird, wenn sie zu einer Eiche heranwächst. In gewisser Weise ist die Eichel verschwunden, aber ihr Zweck ist in Größe erfüllt.