Lk 6, 1-5 Jünger pflücken am Sabbat
Inhaltsverzeichnis
Vers 1 Ährenraufen am Sabbat
Lk 6,1: Es geschah aber, dass er am zweiten Sabbat nach dem ersten durch die Kornfelder ging; und seine Jünger streiften Ähren ab, zerrieben sie mit den Händen und aßen sie.
Die Freiheit dessen, der mit Jesus geht
Es ist interessant zu sehen, dass sich die Jünger nicht an die strengen, von der religiösen Autorität verordneten Vorschriften halten, obwohl sie bekennende und überzeugte Juden sind.
Sie machen sich gar keine weiteren Gedanken darüber, denn sie sind bei Jesus. Alles andere scheint irgendwie zweitrangig zu werden. Ihnen kommt nicht in den Sinn, ihr Tun anzuzweifeln, da Jesus ihnen eine unglaubliche Freiheit schenkt.
Ihr Herz verlangt vor allem danach, Jesus zu gefallen, und nicht, Gesetze um ihrer selbst willen zu erfüllen oder bei den Menschen gut anzukommen.
Peter Hemm
Frage: Wann habe ich zuletzt gespürt, dass die Nähe zu Jesus mich frei macht von dem, was andere von mir erwarten?
Mit Jesus gehen
Es ist Sabbat und Jesus geht mit seinen Jüngern durch die Kornfelder. Vielleicht ziehen sie in ein anderes Dorf, vielleicht ist es auch einfach ein Sonntagsspaziergang (oder Sabbat-Spaziergang). Die Jünger und Jesus genießen es aber: An der frischen Luft, unter sich zu sein und die Natur zu erleben.
Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an seine Kindheit, wenn er mit den Eltern durch die Felder spazieren ging. Wo alles gut war und keine Sorgen sie bedrückte – weil die Eltern ja da waren. So wie jetzt Jesus. Alles ist gut.
Mariano Ballestrem
Frage: Wann hast du das letzte Mal gespürt, dass „alles gut“ ist – und wo erfährst du dieses Vertrauen heute?
Vers 2 Kritik der Pharisäer
Lk 6,2: Da sagten etliche von den Pharisäern zu ihnen: Warum tut ihr, was am Sabbat nicht zu tun erlaubt ist?
Routine und das Wesentliche
Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Das ist gut und gleichzeitig gefährlich.
Auch im Glauben sind wir schnell in einer gewissen Routine gefangen. Die brauchen wir zwar, sie kann aber auch den Kern ersticken.
Der Kern der Botschaft des Alten Testaments ist klar: Gott über alles und den Nächsten wie sich selbst zu lieben.
Aber durch die Routine, durch das Erfüllen von Formeln und vieler Gesetze ist den Pharisäern das Wichtigste abhandengekommen. Sie lieben nicht mehr, sondern sie verachten, sind überheblich und kritisieren. Und das alles im Namen des Glaubens.
Jesus lenkt den Blick auf das Wesentliche. Und wie sieht es bei dir aus?
Klaus Einsle
Frage: Wo ist in meinem Glauben Routine erstarrt – und wie kann daraus wieder lebendige Liebe werden?
Echter Glaube und tote Formeln
Wir glaubende und praktizierende Christen müssen auf der Hut sein. Es ist so leicht, auch zu „Formelvollziehern” zu werden.
Ein ganzer Gottesdienst kann zur Formel verkommen. Ein Gebet kann leere Formel werden. Unsere schönen Riten und Volksfrömmigkeiten können toter Vollzug sein oder werden.
Überlege nur einmal, was es für dich überhaupt bedeutet, ein Kreuzzeichen zu machen? Ist das lebendig oder Formel? Oder die Kniebeuge? Oder wenn du in der Messe antwortest „und mit deinem Geiste!” und „wir haben sie beim Herrn”?
Klaus Einsle
Frage: Wann wird für mich mein äußeres religiöses Tun zu einem lebendigen Ausdruck meiner inneren Beziehung zu Gott – und wann bleibt es bloß Form?
Vers 3 Hinweis auf David
Lk 6,3: Und Jesus antwortete ihnen und sprach: Habt ihr nicht einmal gelesen, was David tat, als er und seine Gefährten hungrig waren?
Bezug auf 1 Samuel
In diesem Vers verweist Jesus auf 1. Samuel 21,1–6, wo David und seine Gefährten vom Priester Ahimelech die Schaubrote erhielten, die eigentlich nur den Priestern vorbehalten waren.
Jesus benutzt dieses Beispiel, um den Pharisäern zu zeigen, dass das Gesetz barmherzig ausgelegt werden muss. Die strikte Sabbatvorschrift wird durch die Notwendigkeit des Lebens untergeordnet.
Diese Stelle betont, dass der Mensch wichtiger ist als rigide Gesetzestreue. Jesus stellt sich damit gegen eine enge, gesetzliche Interpretation und zeigt, dass es Gottes Wille ist, dem Menschen zu dienen – nicht ihn durch das Gesetz zu belasten.
Frage: Wo in meinem Leben neige ich dazu, Regeln über Menschen zu stellen – und wie könnte Barmherzigkeit dort Raum gewinnen?
Vers 4-5 Essen der Schaubrote
Lk 6,4: Wie er in das Haus Gottes hineinging und die Schaubrote nahm und aß und auch seinen Gefährten davon gab, welche doch niemand essen darf als nur die Priester?
Beachtung der Not
Der Hinweis auf Davids Verwendung des heiligen Brotes ( Schaubrot oder Brot der Gegenwart ) in 1 Samuel 21:1-6 zeigte das erste Prinzip: Menschliche Not ist wichtiger als religiöses Ritual .
Lk 6,5: Und er sprach zu ihnen: Der Sohn des Menschen ist Herr auch über den Sabbat.