Lk 5, 27-32 Jesus isst mit Sündern

Vers 27 Berufung des Zöllners Levi

Lk 5,27: Darnach ging er aus und sah einen Zöllner namens Levi beim Zollhaus sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach!‭

Für dein Leben

  • Veränderung annehmen: Jesus fordert dich auf, alte Gewohnheiten hinter dir zu lassen und neuen Wegen zu folgen. Sei bereit, Veränderungen in deinem Leben anzunehmen und aufzubrechen.
  • Glaube und Vertrauen: Der Ruf Jesu erfordert Vertrauen. Du musst glauben, dass er dir einen neuen Weg zeigt, der besser ist, als du es dir je hättest vorstellen können.

Es genügt der Blick Jesu

Ein Sehen, das nicht am Äußeren hängen bleibt, sondern tiefer geht, ein Sehen, das das Verwundete, Verschüttete, Sehnsüchtige wahrnimmt, ein Sehen, das Ansehen schenkt dem Unansehnlichen.

Zöllner galten berufsmäßig als Sünder. Ausgerechnet einen Zöllner beruft Jesus in seine Nachfolge. Dieser steht sofort auf und folgt Jesus. Kein Zögern, kein Nachfragen, kein Erst noch, kein Wenn und kein Aber. Auf der Stelle ist er bereit, alles zu verlassen und sein Leben zu ändern.

Eine Bekehrung von 0 auf 100. Eine Sehnsucht ist in ihm geweckt worden, eine Sehnsucht nach mehr, nach erfüllterem, nach heilem und befreitem Leben.

Bitten wir Gott jeden Tag neu um die Gnade, das Angebot zur Umkehr und Nachfolge ohne viel Fragerei anzunehmen, ganz einfach, mit grenzenlosem Vertrauen.

Frage: Wo in meinem Leben könnte ich heute den Mut finden, mit offenem Herzen einer inneren Sehnsucht zu folgen?

Gegenseitiges Anschauen

So wie Jesus Levi sieht, so sieht er dich. Und so dürfen wir ihn sehen und zu ihm aus unserem Innersten sprechen:

Jesus, ich schaue auf dich, während ich in der Sünde feststecke: in schlechten Gedanken, in lieblosen Worten, in innerer Unruhe.

Ich will dir jetzt alles hinhalten, besonders das, was ich sonst immer verstecke. Du sollst alles über mich wissen, und ich möchte es dir offen erzählen.

Ich will dir folgen, so wie ich bin. Ja, aus eigener Kraft schaffe ich es nicht, aber ich vertraue auf deine Stärke!

Deshalb stehe ich auf und gehe dorthin, wohin du mich rufst!

Wir haben zwei Möglichkeiten: Entweder blicken wir auf das Leid unseres Lebens und gehen unter. Oder wir sehen auf Jesus und laufen über das Wasser. Sven Kühne 

Frage: Welche verborgenen Anteile in mir sehne ich mich, Jesus zu zeigen, um wirklich frei zu werden?

Levi, der Außenseiter

Zur Zeit Jesu gehörten Menschen wie Levi nicht gerade zu den Beliebtesten. Levi war ein Zöllner und lebte davon, andere Menschen "übers Ohr zu hauen", sie zu betrügen. Er gab sich hartherzig und erbarmungslos.

Levi lebte mitten in der Gesellschaft, als Nachbar, als Bekannter. Er wurde von den Pharisäern ausgestoßen und von den Gerechten gemieden, eben, weil er den Menschen mehr Geld abnahm, als zulässig war, und weil er viel Kontakt zu den Heiden pflegte, ja, gegen sein eigenes Volk mit ihnen zusammenarbeitete.

Ausgerechnet diesen Levi holte Jesus vom Zolltisch weg. Jesus möchte ihn, einen stadtbekannten Sünder, in seine Nachfolge berufen. Eine größere Provokation für das damalige jüdische Establishment konnte es gar nicht geben.

Frage: Welche Menschen oder Situationen in deinem Leben könnten dich herausfordern, deine eigenen Urteile und Vorurteile zu hinterfragen?

Jetzt gilt nur: Folgt mir nach!

Wir können nicht unser Leben lang auf den Ruf Gottes warten, um Großes zu tun.

Wir überhören häufig im täglichen Leben die einfachen Rufe; die Rufe nach Nächstenliebe unserer Familie und den Freunden gegenüber, dem Ruf mehr Geduld mit unseren Kindern zu haben, oder den Ruf, sich um den hilfsbedürftigen Nachbarn zu kümmern.

Sei großzügig in kleinen Diensten, und du wirst großzügig in großen Diensten sein.

Frage: Wo in meinem Alltag könnte ich den leisen Ruf Gottes hören und ihm mit kleinen Taten folgen?

Erfüllend

Jesus kennt uns durch und durch. Er weiß um unsere Schwächen und Wunden. Er kennt die tiefen Sehnsüchte des Herzens.

Doch möchte er uns nicht etwas geben, was unser Herz nicht wirklich erfüllt. Er möchte sich selbst schenken und uns mit seiner Liebe erfüllen.

Deswegen lädt er in seine Nachfolge ein. Nicht nur Priester und Ordensleute! Er sagt zu allen: "Komm, folge mir nach!", da er auf diese Weise jedem von uns im Tiefsten seines Herzens begegnen und ihn mit seiner Liebe erfüllen möchte.

Er ruft uns nicht etwa, weil wir gerecht oder perfekt wären. Er geht auf uns zu und möchte bei uns bleiben, weil wir ihn brauchen, ihn, den Arzt unserer Seele.

Frage: Welche Sehnsucht meines Herzens lädt Jesus heute ein, von mir geheilt und geliebt zu werden?

Vers 28 Levi verlässt alles, folgt nach

Lk 5,28: Ohne zu zögern, verließ Levi alles und ging mit ihm.

Für dein Leben

  • Veränderung annehmen: Du bist berufen, wie Levi, eine Entscheidung zu treffen, die dein Leben grundlegend verändert. Sei bereit, alte Gewohnheiten hinter dir zu lassen.
  • Jesus folgen: Wenn du Jesus nachfolgst, bedeutet das nicht nur, Ihm einmal zu begegnen, sondern in deinem Alltag Ihm treu zu folgen, egal welche Herausforderungen kommen.

Nachfolge

Folge dem nach, der zwar der König der Könige, der Herr der Herrschenden, in welchem sich alle Schätze der Weisheit finden, und der doch am Kreuze da hängt: entblößt, verspottet, angespuckt, geschlagen, mit Dornen gekrönt, mit Essig und Galle getränkt, gestorben.

Hänge dich daher nicht an Kleiderpracht und Reichtum, weil sie seine Kleider unter sich verteilt, nicht an Ehren, da er Spott und Schläge erfahren, nicht an Würden, da sie eine Dornenkrone aufs Haupt ihm setzten, nicht an Lüste, da in seinem Durste sie ihn tränkten mit Essig.

Er heißt Nachfolgen nicht mit den Schritten des Leibes, sondern mit der Neigung der Seele. Auf den Ruf eines Wortes verließ er daher das Eigene, welcher Fremdes raubte.

Frage: Welche inneren Werte oder Haltungen lassen dich im Alltag dem nachfolgen, der sich selbst für andere hingegeben hat?

Vers 29 Großes Mahl in Levis Haus

Lk 5,29: Kurz darauf gab er für Jesus in seinem Haus ein großes Fest und lud dazu viele Zolleinnehmer und andere Menschen mit schlechtem Ruf ein. Jesus und die Jünger aßen mit ihnen zusammen.

Zöllner und Sünder essen mit Jesus und den Seinen

Jesus nimmt die Einladung an. Er erweist sich solidarisch. Tischgemeinschaft wird so zum Ausdruck von Wertschätzung, Zuwendung und beginnender Freundschaft. Er ist gekommen, um Heil und Erlösung für alle zu bringen.

Gerade den Gestrauchelten, Gestrandeten, den Verlorenen und Heillosen gilt seine Liebe. Die Armen und Kranken liegen ihm besonders am Herzen. Ihnen wendet er sich in besonderer Weise zu.

Durch dieses Handeln bezeugt er das vorbehaltlose Ja Gottes zu jedem Menschen, selbst zu den Sündern.

Frage: Wie kann ich in meinem Leben die gleiche offene und vorbehaltlose Zuwendung erfahren oder weitergeben?

Geliebte Sünder

Jesu Zuständigkeitsbereich sind die Sünder. Er ist gekommen, die Sünder zu berufen, nicht die Gerechten.

Auch wir Christen sind als Sünder berufen, Jesus nachzufolgen. Wir sind geliebte Sünder. Die ganze Kirche besteht aus geliebten Sündern. Das ist so wichtig!

Wir müssen nicht gut sein, bevor Jesus uns lieben kann. Er liebt uns sofort, wenn wir ihm begegnen. Und er sucht uns, um uns zu lieben!

Kann ich mich als Sünder lieben lassen? Oder gibt es da peinliche Schwächen, so dass ich glaube, dass Jesus mich an dieser Stelle nicht lieben kann? Will ich ihn in mein inneres Haus einladen, auch wenn es nicht aufgeräumt ist?

Dorit Wilke-Lopez

Frage: Wie offen bin ich, meine unvollkommenen Seiten vor Jesus zu zeigen und mich trotzdem von ihm bedingungslos lieben zu lassen?

Vers 30 Kritik am Essen mit Zöllnern

Lk 5,30: Da empörten sich die Pharisäer und vor allem die Schriftgelehrten unter ihnen: Weshalb gebt ihr euch mit solchen Sündern und Betrügern ab? sagten sie zu den Jüngern.

Geschichtlicher Hintergrund

Das jüdische Volk betrachtete sie zu Recht als Verräter, weil sie für die römische Regierung arbeiteten und die Macht römischer Soldaten hinter sich hatten, um die Menschen dazu zu bringen, Steuern zu zahlen. Sie waren die sichtbarsten jüdischen Verräter an Rom.

Wenn ein Jude in den Zolldienst eintrat, galt er als Ausgestoßener aus der Gesellschaft. Er wurde als Richter oder Zeuge in einer Gerichtsverhandlung disqualifiziert, aus der Synagoge exkommuniziert, und in den Augen der Gemeinde erstreckte sich seine Schande auf seine Familie.

Frage: Wie gehst du persönlich mit Situationen um, in denen Loyalität und gesellschaftliche Erwartungen in Konflikt geraten?

Gegen die Pharisäer

Jene, die alles tun, um möglichst genau die Gesetze zu beachten und die sich darum selbst für „gerecht“ halten, das heißt rechtschaffen vor Gott, nehmen Anstoß. Für sie ist das Verhalten Jesu total unverständlich, unmöglich, unerträglich!

Jesus hat ein anderes Bild von Gott. Er denkt und handelt anders: Gott sagt vorbehaltlos Ja zu einem jeden und nimmt ihn an, so wie er ist, ein großes Ja, ohne Wenn und Aber, ein Ja, das durch nichts und niemanden in Frage gestellt und aufgehoben werden kann.

Gott handelt aus grundsätzlichem Erbarmen.

Frage: Wie offen bin ich dafür, Gottes vorbehaltloses Ja zu mir selbst und anderen wirklich anzunehmen?

Der Pharisäer in mir

Die Pharisäer müssen sehr empört gewesen sein, als sie Jesus und seine Jünger beim Festmahl mit Menschen sahen, die ganz offensichtlich Sünder, Zöllner oder Betrüger waren.

An ihrer Reaktion erkenne ich auch den kleinen Pharisäer in mir, der sich schnell über andere erhebt, neidisch wird und über andere urteilt.

Der polnische Primas Kardinal Wyszyński sagte einmal: Achte jeden Menschen, denn Christus lebt in ihm […] Denke gut über jeden. Bemühe dich, selbst im Schlimmsten etwas Gutes zu finden. Betti Duda

Frage: In welchen Momenten erkenne ich den kleinen Pharisäer in mir, und wie kann ich bewusst das Gute in anderen sehen?

Vers 31 Gesunde brauchen keinen Arzt

Lk 5,31: Jesus antwortete ihnen: Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken!

Für dein Leben

  • Du bist nicht perfekt: Jesus kam für die, die Hilfe brauchen, nicht für die, die glauben, sie seien ohne Fehler. Er bietet dir immer eine neue Chance, um deinen Weg zu korrigieren.
  • Du darfst umkehren: Du kannst jederzeit zu ihm kommen, egal wie oft du gescheitert bist. Seine Liebe ist größer als dein Versagen und lädt dich ein, immer wieder neu zu beginnen.

Jesus ist unser Arzt

Wir sind eingeladen, bei Jesus Heilung zu erfahren. Jesus sieht sich als Arzt, als Therapeut. Er sieht sich gesandt für die Kranken, die Heillosen, für alle, die in der Sünde an sich selbst vorbei leben.

Ich bin gekommen, sagt Jesus einmal, um zu suchen, was verloren war und zu heilen, was verwundet ist. Das ist seine Sendung. Das ist der Wille des Vaters.

Wir sind eingeladen, mit unseren Verwundungen, Verletzungen und Enttäuschungen zu ihm zu kommen, der gekommen ist, um die Verlorenen zu suchen und die Verwundeten zu heilen.

Frage: Welche inneren Wunden darf ich heute vor Jesus bringen, um Heilung zu erfahren?

Christus ist für alle Sünder gekommen

Dies ist eine Aussage, gültig für die ganze Menschheit, die der Erlösung bedarf. Dies ist eine Zusage, die uns zeigt, dass Gott niemanden ausschließt.

Christus ist für alle Sünder gekommen, und er ruft jeden zur Umkehr auf, damit alle bereuen und durch seine Gnade umkehren. Das zeigt uns, dass Christus jeden erreichen und jedem vergeben möchte.

Er ist nicht wie wir, die wir andere diskriminieren und Groll gegeneinander hegen. Wenn jemand mehr sündigt, bemüht sich Gott erst recht, ihm zu helfen und ihm seine Vergebung und seine aufbauende Gnade anzubieten. Was für ein Beispiel für uns zum Nachahmen, wenn wir uns schwer tun mit anderen!

Christus mahnt uns zur Geduld. Christus lehrt uns, dass wir lieben und Brücken bauen müssen, wo immer sich die Gelegenheit bietet.

Frage: In welchen Situationen könntest du heute bewusst Geduld üben und Liebe ausstrahlen, selbst wenn es schwerfällt?

Andacht von Clemens von Alexandrien

Wie aber die Gesunden des Arztes nicht bedürfen, solange sie gesund sind, dagegen die Kranken die ärztliche Kunst nötig haben, so haben auch wir den Heiland nötig, da wir in unserem Leben an den schmählichen Begierden und den tadelnswerten Zügellosigkeiten und den übrigen Entzündungen der Leidenschaften krank sind.

Begreiflicherweise bedürfen also wir Kranke des Heilbringers, wir Verirrte des Führers und wir Blinde des Erleuchters und wir Durstige der lebendigen Quelle (vgl. Joh 4,14), deren Wasser die von ihr Trinkenden nie mehr dürsten lässt; und die Toten haben das Leben nötig und den Hirten die Schafe und die Kinder den Erzieher, aber auch die ganze Menschheit Jesus.

Jesus ist der perfekte Arzt, um uns von unserer Sünde zu heilen. Er ist immer verfügbar. Er stellt immer eine perfekte Diagnose. Er bietet eine vollständige Heilung. Er zahlt sogar das Arzthonorar!

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich heute die Sehnsucht nach Heilung, Führung oder innerer Erneuerung?

Vers 32 Rufe Sünder zur Bekehrung

Lk 5,32: Ich bin gekommen, um Sünder zur Umkehr zu Gott zu rufen, und nicht solche, die sich sowieso für gut genug halten.

Lk 5,32: Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder zur Buße.

Für dein Leben

  • Erkenne deine Schwächen: Du bist nicht perfekt und brauchst Vergebung. Sei ehrlich mit dir selbst, erkenne, wo du Hilfe brauchst, und lass dich von Gott heilen.
  • Verändere dein Herz: Gott ruft dich zur Umkehr. Wenn du von innen heraus verändert wirst, wirst du auch im Außen anders leben und Liebe und Frieden verbreiten.

Dies ist der Inhalt der Sendung Jesu

Die Sünder, die ihr Leben verfehlt haben, die gescheitert sind, die an sich selbst vorbei gelebt haben, verstehen am ehesten seine Worte.

Sie, die um ihre Armut, Begrenztheit und Heillosigkeit wissen, sind offen für seine Botschaft. Sie nehmen Gottes Zuwendung an. Sie sehnen sich nach Erlösung und Heil.

Spüre ich, wie bedürftig ich bin, bedürftig des Heiles, der Vergebung, des Erbarmens und einer Liebe, die sich auch mir vorbehaltlos zuwendet und mich bedingungslos annimmt?

Fliehen wir nicht vor dem Herrn, sondern wenden uns ihm zu, gedenkend, was er alles für uns tat und tut!

Frage: Wo spüre ich in meinem Leben die tiefste Sehnsucht nach Heil und bedingungsloser Liebe?

Zur Buße

So sehr habe ich gegen die Sünder keinen Abscheu, dass ich sogar ihretwegen gekommen bin, nicht damit sie Sünder bleiben, sondern dass sie sich bekehren und gut werden.

Darum setzte er hinzu Zur Buße. Dieses dient zur Erklärung des Sinnes, damit niemand glaube, die Sünder würden deswegen, dass sie Sünder sind, von Christus geliebt. Gerade dieses Gleichnis von den Kranken zeigt sehr deutlich, welche Absicht Gott mit den Sündern vorhabe: Er beruft sie wie ein Arzt die Kranken, damit sie von der Lasterhaftigkeit gleichwie von der Krankheit befreit werden.

Goldene Perle

Frage: Welche Bereiche meines Lebens könnten eine liebevolle Heilung durch göttliche Führung gebrauchen?