Lk 21, 5-24 Über Zukunft der Welt
Inhaltsverzeichnis
Vers 5-6 Tempelschmuck wird bewundert
Lk 21,5: Und als etliche von dem Tempel sagten, dass er mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sprach er:
Lk 21,6: Was ihr da seht— es werden Tage kommen, wo kein Stein auf dem anderen bleiben wird, der nicht abgebrochen wird!
Für dein Leben
- Alles ist vergänglich: Nichts auf dieser Erde bleibt ewig, auch nicht der prachtvollste Moment. Denk daran, dass materielles Streben nicht das Wichtigste im Leben ist.
- Glaube an den langfristigen Plan: Auch wenn du Schwierigkeiten erlebst, vertraue darauf, dass Gott einen Plan für dich hat, der über die gegenwärtigen Herausforderungen hinausgeht.
Der steinerne Tempel und der Tempel Jesus
Der Tempel in Jerusalem wurde zerstört. Der Tempel seines Leibes dagegen konnte nicht zerstört werden. Immer wieder versuchten sie, Jesus zu töten, doch erst als die Stunde gekommen war, erlaubte Er ihnen, den Tempel seines Leibes abzubrechen.
Jesus ist nun der neue Tempel. Die Zeit des steinernen Tempels ist vorbei. Mit Jesu Kreuzestod wird der alte Tempel abgebrochen. Ein neuer Kult entsteht in einem nicht von Menschen gebauten Tempel.
Dieser Tempel ist sein Leib, der Auferstandene, der die Völker sammelt und im Sakrament seines Leibes und Blutes eint. Er selbst ist der neue Tempel der Menschheit.
Frage: Wie kann ich den Geist dieses lebendigen Tempels in meinem eigenen Leben spüren und leben?
Vergängliches und Unvergängliches
Der Tempel war damals der zentrale Ort der jüdischen Gottesverehrung, der Ort, an dem Gott wohnte und gegenwärtig war. Jesus hat sich offenbart als der wahre Tempel. Aber selbst dieser Tempel wurde nicht verschont, auch er wurde „zerstört“, wie später der Tempel in Jerusalem.
Alles Irdische ist vergänglich, nichts hier auf Erden bleibt, wie es ist. Mit all dem deutet der Herr uns an, dass unsere wahre Heimat im Himmel ist und dass wir uns nicht zu sehr an die Dinge dieser Welt klammern sollen, ganz gleich, wie schön oder wertvoll sie auch sein mögen.
Im Himmel finden wir alles in Gott um ein Vielfaches schöner und wertvoller wieder.
Bertalan Egervári
Frage: Welche vergänglichen Dinge in meinem Leben halten mich davon ab, die wahre Schönheit Gottes zu erkennen?
Worauf setzt du deine Sicherheit?
In den Worten Jesu wird erkennbar, dass alle irdischen Sicherheiten keinen Bestand haben werden. Der Tempel war das „Nonplusultra“ für die Juden, er war für sie der Ort, an dem Gott gegenwärtig war. Wenn nun Jesus die Zerstörung dieses Tempels ankündigt, muss das auf die Juden wie ein Szenarium des Weltuntergangs gewirkt haben.
Wie sehr setzt du noch auf irdische Sicherheiten, und wie groß ist dein lebendiges Vertrauen auf Gott und seine Vorsehung?
Frage: Welche inneren Anker tragen dich in Momenten der Unsicherheit, und wie offen bist du, Gottes Führung in deinem Leben zuzulassen?
Was bleibt?
Diese Worte erinnern uns daran, dass fast alles in dieser Welt vergeht wie das Wasser, das verrinnt, dass es aber kostbare Wirklichkeiten gibt, die bleiben – wie ein kostbarer Stein in einem Sieb.
Was bleibt, was ist wertvoll im Leben, welche Reichtümer schwinden nicht dahin? Sicher zwei: der Herr und der Nächste. Diese beiden Reichtümer schwinden nicht dahin! Sie sind die wichtigsten Güter, die es zu lieben gilt; alles andere – der Himmel, die Erde, die schönsten Dinge, auch dieser Petersdom hier – all das vergeht.
Doch Gott und die anderen dürfen wir nicht aus unserem Leben ausschließen.
Papst Franziskus
Frage: Welche „Reichtümer“ trage ich in meinem Herzen, die über Zeit und Vergänglichkeit hinaus Bestand haben?
Anbetung
Wir sind schnell von den Werken der Menschen beeindruckt. Als das Volk auf die äußere Erscheinung des Tempels schaute, waren sie erstaunt und ehrfurchtsvoll. Sein Reichtum und seine Größe sprachen von einer Ehre, die Gott zugedacht war.
Wir beten Gott an, aber wir messen unseren eigenen Werken mehr Beachtung und Bedeutung zu. In diesem Evangelium erinnert uns Jesus daran, dass all diese Dinge, die wir sehen, bestaunen und auf die wir stolz sind, eines Tages zerstört sein werden.
Was für einen Tempel baue ich in meiner Arbeit? Wessen Ehre verteidige ich? Wird er Bestand haben?
Edward Hopkins
Frage: Welche "Tempel" in meinem Leben sind nur äußerlich beeindruckend, und welche spiegeln die Tiefe meiner Verbindung zu Gott wider?
Andacht von Papst Franziskus
Wir können uns vorstellen, wie diese Ankündigung auf die Jünger Jesu wirkte!
Doch Jesus wollte den Tempel nicht herabsetzen, sondern seinen Jüngern – und auch uns heute – verdeutlichen, dass menschliche Bauwerke, selbst die heiligsten, vergänglich sind und keine absolute Sicherheit bieten können.
Wie viele Dinge in unserem Leben schienen unerschütterlich und haben sich schließlich als vergänglich erwiesen.
Papst Franziskus
Frage: Welche vermeintlich festen Strukturen in deinem Leben laden dich vielleicht ein, sie loszulassen, um mehr Vertrauen in das Unvergängliche zu entwickeln?
Vers 7 Jünger fragen: Wann?
Lk 21,7: Sie fragten ihn aber und sprachen: Meister, wann wird denn dies geschehen, und was wird das Zeichen sein, wann es geschehen soll?
Meister, wann wird das geschehen?
Die Frage der Jünger stellen wir uns selbst oft. Wie sieht unsere Zukunft aus? Woran erkennen wir, wie wir handeln sollen?
Unsere Aufgabe ist jedoch nicht, in die Zukunft zu blicken, sondern uns auf die Zukunft vorzubereiten. Immer wieder erinnert uns der Herr in den Evangelien daran, dass wir wachsam sein sollen. Wachsam im Inneren unserer Seele, hellhörig für seine Stimme und aufmerksam für seine Gegenwart.
Carmen Gallinger
Frage: Welche Zeichen in deinem Inneren weisen dir den Weg, wenn du auf die leise Stimme Gottes hörst?
Vers 8 Lasst euch nicht verführen
Lk 21,8: Gebt Acht, dass euch niemand irreführt!, erwiderte Jesus. Viele werden unter meinem Namen auftreten und von sich sagen: Ich bin es! und: Die Zeit ist da! Lauft ihnen nicht nach!
Für dein Leben
- Vorsicht vor Täuschungen: Du musst wachsam sein und dich vor falschen Lehren und Versprechungen hüten. Oft gibt es Menschen, die dir Dinge vorgaukeln, die nicht der Wahrheit entsprechen.
- Vertrau auf Gott: Du wirst Herausforderungen erleben, aber du kannst darauf vertrauen, dass Gott dir die nötige Weisheit und Stärke gibt, um durchzukommen, ohne dich von äußeren Ängsten ablenken zu lassen.
Gebt acht, dass man euch nicht irreführt!
Schneller als wir meinen, verfallen wir anderen Göttern. Sie können sich im Geld, in der Macht, in der Kontrolle, die wir ausüben, verstecken – alles Dinge, die uns im ersten Moment als Sicherheit erscheinen.
Die wahre Sicherheit in unserem Leben ist jedoch der "Ich bin da", unser Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Er ist unser Schöpfer und er hat uns seine Treue versprochen, auf ihn dürfen wir uns stützen, von ihm kann uns keiner trennen. Auch nicht die größten Katastrophen.
Carmen Gallinger
Frage: Woran klammere ich mich im Alltag, das mir nur eine Illusion von Sicherheit gibt, und wie könnte ich mich stattdessen auf das echte Fundament meines Glaubens stützen?
Einen Hafen für unsere Sorgen finden
Lasst euch nicht in die Irre führen und nicht erschrecken. Der, der das zu uns sagt, ist größer als die ganze Welt.
Wenn wir uns das bewusst machen, dann spüren wir: Wie klein sind doch unsere Sorgen und Ängste.
In unserer Ohnmacht können wir uns an ihn wenden. Bei ihm finden wir Zuflucht. Er steht uns bei und stärkt unsere Hoffnung, damit wir uns nicht irre machen lassen, sondern unbeirrt weiter auf dem Weg der Nachfolge gehen.
Denn er ist bei uns alle Tage, bis zum Ende der Welt.
Joachim Richter
Frage: In welchen Momenten spüre ich seine Nähe besonders stark und wie kann ich diese Verbindung bewusst in meinem Alltag pflegen?
Jesus kündigt harte Zeiten an und gibt uns leitende Hinweise: Lasst euch nicht irreführen!
Zwei Formen der Irreführung bedrohen uns. Die einen sagen: Alles halb so schlimm! Die Krise ist überstanden! Lauft ihnen nicht nach! warnt Jesus. Sie sagen nur die halbe Wahrheit. Die Lage ist viel ernster als sie zugeben.
Die anderen sehen nur Katastrophen und Niedergang. Sie übersehen, dass immer auch das Gute wächst, dass es neben Abbrüchen auch Aufbrüche gibt, neben dem, was wirklich untergeht, auch vieles, das hoffnungsvoll neu entsteht.
Frage: Wo in meinem Leben übersehe ich vielleicht das Wachsende und Hoffnungsvolle, während ich nur das Untergehende sehe?
Lauft ihnen nicht nach
Jesus warnt: „Lauft ihnen nicht nach!“ – und das trifft mitten in unser Leben. Schnell lassen wir uns von Schlagzeilen, Trends oder Menschen mit lauter Stimme treiben. Wir vergleichen uns, jagen Zielen hinterher, die uns fremd bleiben.
Doch Jesus lädt uns ein, innezuhalten. Nicht alles, was laut ruft oder blendet, hat Bedeutung für unser Leben oder unseren Glauben. Wenn wir ihm nachfolgen, lernen wir, auf sein Wort zu hören und nicht auf die Angst, den Druck oder die Versuchung von außen.
Es ist eine Einladung zur inneren Ruhe, zu Vertrauen und Klarheit: Fokussiere dich auf das, was echt, beständig und himmlisch ist. Auch heute nämlich gibt es falsche „Retter“, die versuchen, den Platz Jesu einzunehmen: Die „Leader“ dieser Welt, Gurus, auch Hexer und Hexen, Leute, die Sinn und Herz besonders der jungen Menschen an sich ziehen wollen.
Jesus warnt uns: „Lauft ihnen nicht nach!“ „Lauft ihnen nicht nach!“
Papst Franziskus
Frage: Worauf richte ich meine Aufmerksamkeit im Alltag, und was lasse ich wirklich los, um dem Weg Jesu zu folgen?
Vers 9-10 Keine Angst vor Kriegen
Lk 21,9: Erschreckt nicht, wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört! Das muss vorher geschehen, aber das Ende kommt nicht gleich danach.
Für dein Leben
- Ängste und Krisen sind unvermeidbar: In schwierigen Zeiten wirst du mit Herausforderungen konfrontiert, die dich ängstigen. Doch Gott fordert dich auf, ruhig zu bleiben und Vertrauen zu haben.
- Vertrauen auf Gottes Führung: In allen Ungewissheiten kann Gott dir Weisheit und Halt geben. Auch in Zeiten der Verwirrung zeigt er dir Wege, die du gehen kannst.
Lasst euch nicht erschrecken!
Nur wer in falschen Sicherheiten lebt, wird von Krisen umgeworfen. Die Bibel warnt oft davor, sich in Sicherheit zu wiegen. Die Lebenserfahrung bestätigt das. Alles kann sich ändern, blitzschnell, von einem Tag auf den anderen. Plötzlich eine Krebserkrankung oder ein Unfall, eine Beziehungskrise oder anderes – alles sieht mit einem Mal anders aus. Niemand ist vor solchem Umsturz sicher.
Deshalb müssen wir noch nicht in Dauerangst leben. Aber es ist gut, für jeden guten Tag dankbar zu sein und zu wissen: es ist nicht selbstverständlich!
Kardinal Schönborn
Frage: Welche kleinen Momente in deinem Leben empfindest du als besonders wertvoll, und wie könntest du sie bewusster würdigen?
Bleib realistisch
Jesus war kein Träumer. Er hat uns keinen Rosengarten versprochen. Er hat schwierige Zeiten vorhergesagt: die Zerstörung des Tempels, Kriege, Unruhen, Seuchen, Erdbeben.
Jesus wollte uns vorbereiten, damit wir realistisch bleiben und nicht allzu überrascht sind, wenn dann tatsächlich schwere Zeiten kommen. Wir sollen mit Schwierigkeiten rechnen, aber zugleich nicht aufhören, auf Jesus zu schauen und uns an Gott festzuhalten.
Joachim Richter
Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich lernen, trotz Schwierigkeiten fest auf Gott zu vertrauen und innerlich ruhig zu bleiben?
Lk 21,10: Dann sprach er zu ihnen: Ein Heidenvolk wird sich gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere;
Vers 11 Erdbeben, Seuchen und Hungersnöte
Lk 21,11: Es wird hier und dort große Erdbeben geben, Hungersnöte und Seuchen; und Schrecknisse und große Zeichen vom Himmel werden sich einstellen.
Seine Hilfe wird da sein
Jesus kündigt schwere Zeiten an. Und doch macht er keine Zukunftsangst. Seine Hilfe wird in aller Bedrängnis bei uns bleiben. An uns liegt es, standhaft zu bleiben und auf Gott zu vertrauen.
Jesus, der das alles zu uns sagt, ist größer als die ganze Welt. Wenn wir uns das bewusst machen, dann spüren wir, wie klein doch unsere Sorgen und Ängste sind. In unserer Ohnmacht können wir uns an ihn wenden. Bei ihm finden wir Zuflucht.
Er steht uns bei und stärkt unsere Hoffnung, damit wir uns nicht irre machen lassen, sondern unbeirrt weiter auf dem Weg der Nachfolge gehen. Denn er ist bei uns alle Tage, bis zum Ende der Welt.
Die schrecklichen Bilder werden nicht deshalb gezeichnet, um uns zu entmutigen, sondern um uns im Vertrauen auf Gott und seine Fürsprache im Glauben zu stärken.
Frage: Wo kann ich heute in meinem Leben Zuflucht bei Gott finden und wie stärkt mich dieses Vertrauen im Umgang mit meinen Ängsten?
Vers 12 Verfolgung und Gerichte
Lk 21,12: Vor diesem allem aber werden sie Hand an euch legen und euch verfolgen und in Synagogen und Gefängnisse übergeben und vor Könige und Fürsten führen um meines Namens willen.
Für dein Leben
- Verfolgung gehört zum Glaubensweg: Du wirst möglicherweise durch deinen Glauben auf Ablehnung stoßen, aber diese Herausforderungen stärken deinen Glauben und bringen dich näher zu Gott.
- Vertrauen in Gottes Führung: In schwierigen Zeiten solltest du darauf vertrauen, dass Gott dir die richtigen Worte und Wege zeigt, um zu bestehen, ohne dich auf eigene Kraft zu verlassen.
Verfolgung, Ablehnung, Kritik gehören zum christlichen Leben
Wundert euch nicht, sagt Jesus, dass ihr als meine Jünger nicht nur Applaus erntet.
Heute ist weltweit das Christentum die am meisten verfolgte Religion.
Was rät Jesus? Standhaft bleiben! Nicht mit Hass auf Hass antworten! Und auf Jesus vertrauen, der durch alle Krisen und Katastrophen treu bleibt.
Wann wird das alles geschehen? Es geschieht täglich, heute, jetzt!
Kardinal Schönborn
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag lernen, inmitten von Herausforderungen auf Vertrauen und Standhaftigkeit zu setzen?
Man wird euch festnehmen und euch verfolgen
Der Glaube an Jesus Christus und die Orientierung an seinen Werten und Worten ist nicht immer die populärste Variante, sein Leben zu gestalten. Das katholische Denken verstößt oft gegen die politische Korrektheit.
Auch wenn manchmal der Gedanke aufkommen könnte, dass uns die christlichen Ideale einengen, so bringen sie uns doch in Wirklichkeit die Befreiung aus den Fesseln der Oberflächlichkeit und des Egoismus.
Die Nachfolge Christi ist der steinige Weg zur wahren Freiheit. Der inneren Freiheit.
Carmen Gallinger
Frage: Welche persönlichen Fesseln könnte ich loslassen, um meine innere Freiheit stärker zu spüren?
Vers 13 Zeugnis für mich ablegen
Lk 21,13: Das wird euch aber Gelegenheit zum Zeugnis geben.
Die Kraft des Zeugnisses
Wie wichtig scheint Jesus das Zeugnis seiner Jünger zu sein. Wenn wir den Bibeltext wörtlich nehmen, scheint er zuzulassen, dass sie verfolgt und festgenommen werden, damit sie dann Zeugnis ablegen können.
Sicherlich ist ein Zeugnis in einer prekären Situation noch gewichtiger als in einer normalen. Wer zu Jesus steht, obwohl er seiner Freiheit beraubt ist, muss sehr überzeugt sein.
Aber auch das Zeugnis im Alltag ist wertvoller als jede Belehrung. Lehrer gibt es mehr als genug in der Welt, Experten zuhauf, aber Zeugen gibt es wenige. Die Einladung Jesu zum Zeugnis gilt auch heute für uns.
Ein Zeugnis hat besondere Kraft, weil es keine Argumente dagegen gibt. Persönlich gemachte Erfahrungen kann niemand widerlegen.
Bertalan Egervári
Frage: In welchen Momenten deines Lebens spürst du die Kraft deines eigenen Zeugnisses am stärksten?
Zeugnis geben
Wir kennen nicht alle Gründe, warum Gott Schwierigkeiten und Christenverfolgung („ihr werdet von allen gehasst werden“) zulässt. Aber einen Grund zumindest nennt Jesus in diesem Evangelium: „Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.“
Offenbar ist es für Jesus sehr wichtig, dass wir Christen überall Zeugen für Ihn sind; gerade auch an Orten und vor Menschen, vor denen man sich aus Angst eigentlich lieber nicht zum christlichen Glauben bekennen würde.
In solchen Momenten kommt zum Vorschein, was einem wirklich wichtig ist.
Joachim Richter
Frage: In welchen Situationen spüre ich besonders, dass mein Glaube mich herausfordert, und wie kann ich diesen Moment nutzen, um authentisch Zeugnis abzulegen?
Zeugnis ablegen
Warum lässt Jesus zu, dass seine Jünger so viele Konflikte erfahren? Jenseits der Ehre, an Christi Leben teilzuhaben, steht die große Notwendigkeit, Zeugnis zu geben.
Die Botschaft Christi ist so klar wie immer. Christus ist nicht mehr sichtbar unter uns. Wer soll also dem „post-christlichen“ Menschen die Wahrheit und Bedeutung dieser Botschaft zeigen? Das kann nur das Zeugnis!
Genauso wie das Leiden Christi seinen Worten Macht gab, so hat auch das Zeugnis der Märtyrer, der Jungfrauen und Bekenner das Evangelium bis zum heutigen Tag bestätigt. Heute mehr als je ist das immer neue Bekenntnis gefordert, um die Menschen zu erreichen.
Widerstände, Verfolgung und Prüfungen sind die Versuchsanstalten und Bühnen, wo die Botschaft geprüft und der Welt vorgestellt wird.
Was sind die Bekenntnisse, die wir heute bezeugen, und was noch wichtiger ist, was ist mein Bekenntnis?
Edward Hopkins
Frage: Welche inneren Konflikte oder Prüfungen könnten mir helfen, mein eigenes Zeugnis klarer und kraftvoller zu leben?
Vers 14 Keine Verteidigung planen
Lk 21,14: So nehmt euch nun zu Herzen, dass ihr eure Verteidigung nicht vorher überlegen sollt;
Für dein Leben
- Sei bereit, standhaft zu bleiben: Du wirst in deinem Leben Situationen erleben, in denen du dich herausgefordert fühlst. Es ist wichtig, dass du dich nicht von Ängsten oder Zweifeln überwältigen lässt, sondern auf deine innere Stärke vertraust und fest im Glauben bleibst.
- Vertraue auf die Führung Gottes: In Momenten der Unsicherheit kannst du darauf vertrauen, dass Gott dir die richtigen Worte und Entscheidungen schenkt, wenn du dich ihm anvertraust. Er wird dich nicht allein lassen.
Nehmt euch fest vor, nicht im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen
Der Herr bittet seinen Jünger und bittet uns, auf Ihn zu vertrauen. Auch wenn es oft scheinen mag, dass das eigene Leben kontrollierbar ist und dass alles in unseren Händen liegt, so helfen uns Krisenmomente manchmal doch, um zu verstehen, dass wir keine Götter sind.
Es ist aber auch nicht notwendig, erst eine Katastrophe erleben zu müssen, um zu lernen, dass die größte Sicherheit in unserem Leben unser Glaube und Vertrauen in Gott sind.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich gespürt, dass Vertrauen größer ist als Kontrolle?
Vers 15 Ich schenke euch Weisheit
Lk 21,15: Ich will euch Weisheit und Fähigkeit zu reden geben, der alle eure Widersacher nicht werden widersprechen noch widerstehen können.
Ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben
Christus sagt im Evangelium, dass wir für ihn Zeugnis ablegen werden. Vielleicht haben wir schon diese Erfahrung gemacht, besonders in diesen Tagen: Es ist nicht immer einfach und bequem, zu sagen, dass wir an Christus glauben, und mehr noch, dass wir katholische Christen sind.
Ja, in der Kirche wurde einiges verkehrt gemacht, es gibt viele Wunden. Aber unser Glaube ist: Christus, der Sohn Gottes, hat für dich und für mich als Mensch gelebt und gelitten. Wir sind durch sein Blut erlöst.
Er lädt uns ein, hierfür Zeugnis abzulegen. Bitten wir ihn mit Vertrauen um die rechten Worte und um Weisheit.
Sebastian Jasiorkowski
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich den Ruf, mutig Zeugnis für meinen Glauben abzulegen, auch wenn es unbequem ist?
Vom Geist geleitet
Jesus verspricht seinen Jüngern den Beistand des Heiligen Geistes. Einzige Bedingung: Sie sollen ihm ganz vertrauen und sich nicht selbst die richtigen Worte zurechtlegen.
Er weiß alles, er weiß, wer welche Worte braucht, um berührt zu werden. Er kennt die perfekte Lösung für jede Situation, die perfekten Argumente für jeden Menschen.
Wenn wir uns vom Heiligen Geist leiten lassen, werden erstaunliche Dinge in unserem Leben geschehen. Reden wir mit ihm, lernen wir, auf seine Stimme zu hören und auf seine Eingebungen zu achten, und wenn wir meinen, ihn gehört zu haben, dann folgen wir bereitwillig seinem Wort.
Er belohnt einen prompten Gehorsam. Mit ihm bekommt jedes unserer Werke und jedes Zeugnis besondere Kraft.
Bertalan Egervári
Frage: Wie kann ich im Alltag auf die leisen Impulse des Heiligen Geistes achten und ihnen vertrauensvoll folgen?
Vers 16 Eltern und Freunde verraten
Lk 21,16: Ihr werdet aber auch von Eltern und Brüdern und Verwandten und Freunden ausgeliefert werden, und man wird etliche von euch töten,
Für dein Leben
- Verfolgung erleben: Es kann Situationen geben, in denen du für deinen Glauben oder deine Überzeugungen angefeindet wirst. Doch sei dir sicher, dass du in diesen Momenten nicht alleine bist – Gott steht dir bei.
- Standhaft bleiben: Wenn du in schwierigen Zeiten bleibst und dich nicht von deinem Glauben abbringen lässt, wirst du stärker im Vertrauen auf Gott und kannst anderen als Beispiel dienen.
Ausgeliefert werden
Der Vers verdeutlicht, dass wahre Nachfolge Leid mit sich bringen kann – nicht nur von Feinden, sondern auch von nahestehenden Menschen. Diese Prophezeiung erfüllte sich in der frühen Kirche, als Christen oft von ihren Familien verraten wurden.
Doch Jesus ermutigt seine Jünger in den folgenden Versen (Lk 21,18–19): Sie werden nicht endgültig verloren gehen, sondern durch ihr standhaftes Vertrauen das ewige Leben gewinnen.
Die Botschaft: Trotz Verfolgung dürfen Christen auf Gottes Schutz und die Verheißung des ewigen Lebens vertrauen.
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens fällt es mir schwer, standhaft zu bleiben, und wie könnte Vertrauen auf das Göttliche mir Kraft schenken?
Vers 17 Alle werden euch hassen
Lk 21,17: Ihr werdet von allen gehasst werden um meines Namens willen.
Jesus Christus als Antwort
Die letzte Antwort auf die Frage nach dem Menschen und seiner Zukunft am Ende der Welt ist Jesus Christus selbst. Er, Jesus, hat sein ganzes Vertrauen auf den Vater gesetzt. In dessen Hände hat er sein Leben gelegt. In aller Anfechtung und in aller Angst vor dem Leiden und dem eigenen Tod ist er diesem Gott, sich selbst und seinem Auftrag treu geblieben.
Und Gott hat ihn nicht enttäuscht. Er hat seinen Sohn auch im Tod nicht allein gelassen. Ja, er hat ihm in der Auferstehung das neue und ewige Leben geschenkt. Und genau das ist auch die Zusage an uns.
Bei seiner Wiederkunft wird er die Mauern des Todes durchbrechen und den Weg öffnen für einen neuen Himmel und eine neue Erde, wo es keine Trauer, keine Klage und kein Leid mehr geben wird.
Frage: Wie kann ich mein Vertrauen auf Gott im eigenen Leben so festigen, dass es auch in schwierigen Zeiten trägt?
Der Name, der zur Verfolgung führt
Keiner von uns mag Konflikte. Wir tun geradezu alles, um sie zu vermeiden. Aber können wir sie immer vermeiden?
Jesus warnt uns, dass er ein „Zeichen des Widerspruchs“ sei. Sein Name wird Verfolgung bringen. Sein Leben und das Leben der Kirche bestätigen diese Worte. Und doch erwarten wir, von Hass und Prüfung befreit zu werden.
Wie ist das möglich? Bin ich nur oberflächlich mit Christus und seinem Werk verbunden? Verwahre ich seinen Namen still in meiner Brust? Bin ich ein Komplize in den heutigen antichristlichen Werten und Botschaften durch mein Schweigen? Ist sein Name mein Name und immer auf meinen Lippen?
Edward Hopkins
Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich, dass ich mutig für meinen Glauben einstehen könnte, auch wenn es unangenehm oder herausfordernd ist?
Vers 18 Kein Haar geht verloren
Lk 21,18: Doch kein Haar von eurem Haupt wird verlorengehen.
Versprechen
Was Jesus seinen Jüngern nicht verspricht, ist ein einfaches, gemütliches Leben. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Er ist deutlicher, als die Jünger es sich wohl wünschen.
Festgenommen, von Verwandten und Freunden ausgeliefert, von allen gehasst, vielleicht sogar getötet werden – das klingt nicht gerade nach einer frohmachenden Botschaft.
Es gibt so viele Verheißungen und wunderbare Versprechen, die Jesus macht, aber er sagt sicherlich nie, dass wir uns zurücklehnen und es uns gemütlich machen sollen, weil alles ein Selbstläufer wird und wir am Ende sowieso in den Himmel kommen.
Nein, wir haben unseren Beitrag zu leisten, und Schwierigkeiten werden kommen. Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden.
Bertalan Egervári
Frage: In welchen Bereichen deines Lebens bist du bereit, Herausforderungen anzunehmen, anstatt auf ein einfaches „Selbstläufer“-Leben zu hoffen?
Vers 19 Standhaftigkeit
Lk 21,19: Gewinnt eure Seelen durch euer standhaftes Ausharren!
Für dein Leben
- Geduld ist notwendig: In schwierigen Zeiten solltest du ruhig bleiben und auf Gottes Hilfe vertrauen. Anstatt auf schnelle Lösungen zu hoffen, lerne, in der Herausforderung zu wachsen und geduldig zu sein.
- Glaube führt zum Sieg: Auch wenn du dich in einer Krise befindest, behalte deinen Glauben und vertraue darauf, dass du durchhalten wirst. Gott gibt dir die Kraft, standhaft zu bleiben und seine Unterstützung zu erleben.
Standhaft bleiben, die Treue halten
Große Worte. Was bedeutet das für mich? Zuallererst an unserem Glauben fest zu halten, der uns überliefert ist und der durch eigene Gotteserfahrung gefestigt wird. Daraus folgend, dass wir zulassen, dass der Glaube uns umgestaltet, wir nicht nur Wort-Christen sind, sondern in seiner Liebe leben und wachsen in den Tugenden. Liebe muss konkretisiert werden.
Andacht von Claude de la Colombière
Heiligkeit besteht nicht darin, einen Tag oder ein Jahr lang treu zu sein, sondern darin, durchzuhalten und bis zum Tod darin zu wachsen. Hier muss uns Gott als ein Schild dienen, aber als Schild, der uns ganz umschließt, weil wir von allen Seiten bedrängt werden. Gott muss alles tun. Dann ist nicht zu befürchten, dass es uns an etwas fehlt. Für uns genügt es, unsere Ohnmacht zu erkennen und inständig und beharrlich um Hilfe zu bitten auf die Fürsprache Mariens, der Gott nichts verweigert. Aber selbst das können wir nur mit Hilfe einer großen Gnade tun, oder vielmehr mit vielen großen Gnadenerweisen Gottes.
Frage: In welchen Momenten deines Lebens hast du Gottes Schutz besonders spürbar erfahren, und wie kannst du dieses Vertrauen noch tiefer in deinen Alltag integrieren?
Beharren bedeutet, an etwas festhalten
Woran sollten die Jünger Jesu festhalten? Um falschen Propheten oder falschen Christussen nicht zum Opfer zu fallen, ist es erforderlich, festzuhalten an Jesus und darauf zu beharren, dass er allein der Herr ist, der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wir müssen auf Jesus beharren!
Ein Jünger Jesu soll auch das Wort Gottes festhalten. Er soll darauf beharren, dass nur Gottes Wort wahr ist und nicht die Lehre falscher Propheten und Christusse. Wir müssen auf die Bibel beharren!
Wir erfahren, was im Glaubensleben entscheidend ist. Ein Glaubensleben zu beginnen ist großartig. Doch selig wird nur, wer bis ans Ende im Glauben beharrt. Das ist eine notwendige Warnung unseres Herrn, der uns vor eine Herausforderung stellt.
Beten wir für Kraft und Beharrlichkeit, um bis ans Ende auszuharren.
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich die Notwendigkeit, im Glauben beharrlich zu bleiben, und wie kann ich meine Verbindung zu Jesus und seinem Wort stärken?
Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen
Manchmal ist das, was Jesus uns verspricht, schwierig zu verstehen. Er sagt zum Beispiel fast in einem Atemzug, dass man uns töten, aber auch, dass uns kein Haar gekrümmt werden wird, und schließlich, dass wir das Leben gewinnen werden. Wie ist das möglich?
Jesus hat zu Sr. Faustina gesagt: „Die Braut muss wie ihr Bräutigam sein.“ Die Liebe führt über das Kreuz zum Sieg. Es war auch für Christus in Getsemani und auf Golgota wirklich schwierig.
Dennoch lädt uns Christus ein: Bleibt in mir und haltet zu mir, seid standhaft in der Liebe, und ich verspreche euch, dass ich immer bei euch bin und mit euch sein werde, und ihr mit mir.
Sebastian Jasiorkowski
Frage: Welche Momente in meinem Leben laden mich ein, Christus in Liebe und Vertrauen zu folgen, selbst wenn der Weg schwer erscheint?
Die rettende Beständigkeit
Es scheint für das, was wir erwarten können, wenn wir bloß die Bezeichnung „Christen” tragen, keine Grenzen zu geben. Ich „werde von allen gehasst werden”. Wie kann ich einem solchen Angriff widerstehen? Selbst mit der Weisheit, die er mir gibt, habe ich dafür nicht den Magen.
Aber es gibt eine Verheißung hier: „kein Haar wird uns gekrümmt werden”. Keine Angst, alles was ich tun muss, ist, mich festzuhalten, treu im gegenwärtigen Augenblick zu bleiben. Gott wird den Rest vollbringen.
Selbst wenn es zu meinem Tode führt, werde ich mein Leben bewahren, wenn ich heute für ihn leide. Das Leben, das ich mir bewahre, ist das Leben der Gnade, des Glaubens, meine persönliche Beziehung mit dem Einen, der für mich gestorben ist. Ich muss das aber heute tun, heute ausharren, mir selbst heute in irgendeiner Form sterben und damit näher zu dem kommen, dessen Name uns rettet.
Edward Hopkins
Frage: Wie kann ich heute, im Vertrauen auf Gottes Verheißung, treu bleiben – auch wenn es mich etwas kostet?
Vers 20 Jerusalem wird umzingelt sein
Lk 21,20: Wenn ihr aber Jerusalem von Kriegsheeren belagert seht, dann erkennt, dass seine Verwüstung nahe ist.
Alles Irdische vergeht
In dieser Bibelstelle sagt Jesus die Zerstörung Jerusalems voraus und spricht auch über weitere Ereignisse in der Zukunft. Auch wenn uns einiges unklar bleibt, Jesus wusste schon damals genau, was ihn und uns erwarten würde. Nichts ist ihm verborgen, alles liegt in seiner Hand. Wie gut, dass er Pläne des Heils für uns hat!
Wenn wir uns die Zahl der Kapitel in den Evangelien ansehen, die vom Ende und den letzten Zeiten sprechen, stellen wir fest, dass es erstaunlich viele sind. Eher als uns genau die Zukunft vorauszusagen, möchte uns Jesus wohl dazu einladen, über diese letzten Dinge nachzudenken.
Die Betrachtung der letzten Dinge hilft uns, mehr im Blick auf die Ewigkeit zu leben und nicht zu sehr an irdischen Dingen zu hängen.
Bertalan Egervári
Frage: Wie verändert sich dein Alltag, wenn du das Ewige stärker in den Blick nimmst?
Vers 21-22 Flieht in die Berge
Lk 21,21: Dann fliehe auf die Berge, wer in Judäa ist; und wer in Jerusalem ist, der ziehe fort aus ihr; und wer auf dem Land ist, der gehe nicht hinein in sie.
Prophezeiung
Diese Warnung Jesu, die sich auf die näheren Aspekte der größeren Prophezeiung konzentrierte, wurde vom jüdischen Volk im Jahr 70 n. Chr. praktisch ignoriert, als römische Armeen Jerusalem umkreisten. Viele Juden erwarteten, dass der Messias in Herrlichkeit zurückkehren würde, während feindliche heidnische Truppen die Stadt umzingelten.
Die Christen in Jerusalem jedoch erinnerten sich an Jesu Worte. Sie gehorchten Ihm und suchten Schutz jenseits des Jordans, vor allem in Pella. So entgingen die meisten dem Unheil, nur wenige Christen verloren beim Fall Jerusalems ihr Leben.
Frage: Wie könntest du im eigenen Leben auf innere Warnsignale hören, bevor Herausforderungen unvermeidbar werden?
Lk 21,22: Denn das sind Tage der Rache, damit alles erfüllt werde, was geschrieben steht.
Vers 23 Wehe Schwangeren und Stillenden
Lk 21,23: Besonders hart trifft es in jener Zeit schwangere Frauen und Mütter, die gerade ein Kind stillen. Denn überall im Land wird große Not herrschen, wenn Gottes Zorn über dieses Volk losbricht.
Der Zorn Gottes
Was ist unter dem Zorn Gottes zu verstehen? Wenn ein Mensch zornig ist, befindet er sich in einem emotionalen Zustand der Erregung, der in der Regel die Bestrafung eines Schuldigen nach sich zieht. Dabei werden Leidenschaften entfesselt, und das kann leicht zu einer Bestrafung führen, die über das rechte Maß hinausgeht.
Mit solchen Vorstellungen wenden wir natürlich auf Gott allzu menschliche Maßstäbe an und stellen uns seinen Zorn leicht im Widerspruch zu seiner Liebe vor. Widerspricht aber der Zorn Gottes wirklich seiner Liebe?
Tatsächlich ist Gott bei der Bestrafung der Sünde ein "furchtbarer und gerechter Richter" (vgl. Lk 12,59), aber eben auch ein "immer gütiger und barmherziger Vater" (Dreifaltigkeitshymnus, Marienfried).
Und so hat Gott – um uns zu schonen – im Leiden und Sterben Jesu Christi seinen Zorn gegen sich selbst gerichtet (vgl. Deus caritas est, 10). Er hat uns schuldige Menschen verschont und alle Strafe auf seinen eigenen Sohn, das Lamm Gottes, gelegt. Dadurch war aller Gerechtigkeit genüge geleistet (vgl. Mt 3,15), und uns ist zugleich in unserer Verschonung die Güte und Menschenliebe Gottes erschienen.
Ilona Kies
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die Erfahrung von göttlicher Gerechtigkeit und Liebe miteinander verbinden und dadurch inneren Frieden finden?
Vers 24 Jerusalem von Heiden zertreten
Lk 21,24: Und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwerts und gefangen weggeführt werden unter alle Heiden. Und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind.
Historischer Hintergrund
Die römische Eroberung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. war abgeschlossen. Die Geschichte berichtet, dass 1,1 Millionen Juden getötet und weitere 97.000 in einer der schlimmsten Katastrophen, die das jüdische Volk je erlebt hat, gefangen genommen wurden. Jesus hatte sie davor gewarnt, diese Katastrophe zu erleben.
Als die Römer im Jahr 70 n. Chr. mit Jerusalem fertig waren, war kein einziger Jude mehr am Leben in der Stadt. Die Römer benannten die Stadt schließlich in Aelia Capitolina um und verboten den Juden für viele Jahre den Zutritt zu dem Gebiet, das früher als Jerusalem bekannt war. Nur an einem Tag im Jahr – dem Jahrestag des Falls der Stadt und der Zerstörung des Tempels – durften die Juden kommen, um bitterlich zu trauern.
Frage: Welche Lehren über Warnungen, Verlust und Trauer kannst du persönlich aus dieser Geschichte für dein eigenes Leben ziehen?