Lk 11, 5-13 Beharrlich beten

Vers 5 Gleichnis vom bittenden Freund

Lk 11,5: Dann sagte Jesus zu den Jüngern: Stellt euch vor, einer von euch hat einen Freund. Mitten in der Nacht geht er zu ihm, klopft an die Tür und bittet ihn: Leih mir doch bitte drei Brote.

Bilder in diesem Vers

Dieser Freund ist Gott, welcher Alle liebt und Alle selig machen will. Wer ist auch gegen uns ein größerer Freund, als der, welcher für uns seinen Leib hingab?

Es wird uns aber hier ein anderes Gebot gegeben, dass man alle Augenblicke, nicht nur am Tage, sondern auch zur Nacht, beten soll. Der Freund, zu dem er mitten in der Nacht kommt, damit er ihm drei Brote leihe, wird zum Gleichnis genommen, wonach Jemand Gott mitten in der Trübsal bittet, dass er ihm die Erkenntnis der Dreieinigkeit verleihen wolle, wodurch er sich in den Mühen dieses Lebens trösten könnte.

Denn die Drangsal ist die Mitternacht selbst, welche ihn inständig um die drei Brote zu bitten zwingt. In den drei Broten liegt auch die Eine Wesenheit der Dreieinigkeit. Wenn du aber die drei Brote, d.h. das Verständnis der Dreieinigkeit, erlangst, so hast du genug zu leben und zu genießen.

Fürchte nicht, damit zu Ende zu kommen. Denn jenes Brot geht nicht zu Ende, sondern macht deinem Bedürfnis ein Ende. Lerne und lehre; lebe und genieße.

Frage: Wie offen bist du dafür, mitten in deiner eigenen „Mitternacht“ die göttliche Gegenwart zu suchen und dich von ihr nähren zu lassen?

Freund, leih mir drei Brote

Die Bitte, „Freund, leih mir drei Brote“, vorgebracht um Mitternacht an Nachbars Tür, mag uns befremdlich erscheinen.

Als Erstes ging mir durch den Kopf: Wer macht so etwas? – wie unangenehm! Dennoch ist es befreiend und ein Geschenk, wenn wir Menschen haben, bei denen wir bei Nacht und Nebel anklopfen können.

Gott macht uns in diesem Evangelium die Zusage: Du kannst dich immer an mich richten. Keine Bitte ist mir unangenehm. Ich möchte dir Freund sein. Deine Zudringlichkeit öffnet mein Herz.

Habe ich das Vertrauen, zu Gott zu gehen, oder ist es mir unangenehm, ihn ehrlich um etwas zu bitten?

Frage: Welche Ängste oder Hemmungen halten mich manchmal davon ab, meine tiefsten Bitten und Sehnsüchte offen zu teilen?

Andacht von Bonaventura

Dem geistlichen Verständnis nach ist mit diesem Freund Christus gemeint, der spricht: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde“ (vgl. Joh 15,15).

Man muss zu diesem Freund bei Nacht gehen, das heißt in der Stille der Nacht, so wie Nikodemus damals, von dem berichtet wird, dass er „Jesus bei Nacht aufsuchte“ (vgl. Joh 3,2).

In erster Linie geschieht dies, weil man in der heimlichen Stille der Nacht durch Beten anklopfen soll, wie Jesaja sagt: „Meine Seele verlangt nach dir in der Nacht“ (vgl. Jes 26,9).

Man kann „Nacht“ aber auch im Sinn von „in der Not“ verstehen, wie Hosea sagt: „In ihrer Not werden sie wieder nach mir Ausschau halten“ (vgl. Hos 5,15).

Frage: Wann suche ich die Nähe dieses Freundes – in der stillen Nacht oder in meiner eigenen Not – und was offenbart mir das über mein Vertrauen zu ihm?

Beharrlichkeit im Gebet

Es brauchte viel Kühnheit für den Mann in der Geschichte, seinen Freund mitten in der Nacht so schamlos zu fragen; er wollte und brauchte das Brot wirklich.

Gott wartet oft auf unsere leidenschaftliche Beharrlichkeit im Gebet. Es ist nicht so, dass Gott zögert und überzeugt werden muss. Unsere Beharrlichkeit verändert Gott nicht; es verändert uns und entwickelt in uns ein Herz und eine Leidenschaft für das, was Gott will.

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich den Ruf, beharrlich und leidenschaftlich auf das zu vertrauen, was Gott für mich vorgesehen hat?

Vers 6-8 Unverhoffter Besuch

Lk 11,6: ‭Denn mein Freund ist von der Reise zu mir gekommen, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann!‭

Andacht von Bonaventura

Der Freund nämlich, der von der Reise heimkehrt, ist unser Geist, der zu uns zurückkehrt, so oft er sich der zeitlichen Güter wegen entfernt hatte. Das Vergnügen treibt diesen Freund weg, doch die Not bringt ihn zurück, wie es später bei Lukas über den verlorenen Sohn gesagt wird, der sich der Ausschweifungen wegen entfernt hatte und seines Elendes wegen zurückkehrte (vgl. Lk 15,11–32).

Wer zurückkehrt, geht in sich, doch er findet sich allen geistlichen Trostes entleert. Für diesen hungrigen Freund muss man also den wahren Freund um drei Brote bitten, d. h. um das Verständnis für die Dreifaltigkeit, nämlich die Namen der drei Personen, damit er seine Nahrung in der Erkenntnis des einen Gottes finde.

Die drei Brote können auch Glaube, Hoffnung und Liebe sein, als dreifache Tugend der Seele.

Frage: Welche „Brote“ des Geistes nähren dich gerade auf deinem eigenen Weg der Rückkehr zu dir selbst?

Lk 11,7: Jener würde von innen antworten und sagen: Mache mir keine Mühe! Die Türe ist schon verschlossen, und meine Kinder sind bei mir in der Kammer; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben!

Lk 11,8: ‭Ich sage euch: Wenn er auch nicht deswegen aufstehen und ihm etwas geben wird, weil er sein Freund ist, so wird er doch um seiner Unverschämtheit willen aufstehen und ihm geben, so viel er braucht.‭

​Vers 9 Bittet, sucht und klopft an

Lk 11,9: Ich sage euch: Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan!

Beständiges, wiederholtes Bitten

Die griechische Zeitform bezeichnet ein beständiges, wiederholtes Bitten. Wir sollten nicht sparsam sein mit unseren Bitten. Bitte voll kindlichem Vertrauen, verbunden mit dem vorweggenommenen Dank und mit dem Zusatz „Dein Wille geschehe“, selbst wenn dieser nicht immer verstehbar für dich ist.

Weiter: Es geht beim Bitten nicht um viele Worte, sondern um die Echtheit des Herzens. Deshalb sei dein Gebet kurz und rein. Beim Gebet ist es besser, ein Herz ohne Worte als Worte ohne Herz zu haben.

Außerdem: Überlasse es Gott, auf welche Weise er dir helfen wird. Der geistliche Mensch beschränkt sich darauf, dem Geliebten seine Not und Qual vorzustellen, denn wer besonnen liebt, wird nur auf seine Bedürftigkeit hinweisen, anstatt das Gewünschte zu erbitten. So bleibt die Art und Weise der Abhilfe dem Geliebten überlassen.

Ich bin mir bewusst, dass es Lebenssituationen gibt, wo dies dir schwerfällt und wo wir leiden darüber, dass Gott scheinbar nicht hilft, Bitten nicht erhört werden. Dies geht einher mit einer Glaubensprüfung und bisweilen einem Leiden an der Unbegreiflichkeit Gottes.

Frage: Wie kannst du in Momenten des Zweifelns und Leidens dein Vertrauen in das Wirken Gottes vertiefen?

Diese Aufforderung steht direkt nach dem Vater unser

Bittet, sucht und klopft! Empfehlt euch jeden Morgen Gott an. Sprecht mit ihm, wie mit einem Freund und dennoch mit großer Ehrfurcht. Gott wird uns nicht abweisen. Er gibt uns, was wir zum Leben und zur Liebe brauchen. Gott ist unser guter Vater. Er weiß, was uns guttut. Erheben wir möglichst häufig daher unser Herz zu Gott

Bittet, dann wird euch gegeben werden

Jesus sagt ganz eindeutig: Bittet, dann wird euch gegeben werden. Es ist eine Aufforderung, dass wir bitten sollen. Er bittet uns nicht, uns mit wenig zu begnügen. Er erwartet keine Askese oder Zurückhaltung.

Nein, im Gegenteil. Wir sollen bitten, damit uns gegeben wird, damit wir empfangen. Jesus hatte einmal Schwester Faustyna anvertraut, wie er traurig darüber sei, um wie wenig er gebeten wird. Dabei wäre es ihm eine große Freude, wenn er uns viel geben könnte, weil wir ihn um viel bitten!

Ilka Haiberger

Frage: Welche Dinge in meinem Leben wage ich noch nicht zu erbitten, obwohl ich mir wünsche, dass sie mir geschenkt werden?

Bitten, suchen, anklopfen und … stören

Dieser Text aus dem Lukasevangelium kann in drei Worten zusammengefasst werden: Beten ohne Entmutigung.

Das Durchhalten im Gebet wird durch die drei Verben bitten, suchen und anklopfen ausgedrückt. Aber ist diese Zudringlichkeit nicht etwa störend? Wird es nicht peinlich für den Vater, wenn er so eine Beharrlichkeit ertragen muss?

Ja, es wäre für ihn unangenehm, wenn Gott wie wir wäre. Aber Gott ist kein Mensch. Er benimmt sich nicht wie wir. Er reagiert nicht wie wir. Je mehr wir ihn im Gebet drängen, desto bereitwilliger wird er auf unsere Bitten antworten. Wir können ihn nicht stören. Im Gegenteil, ihm gefällt das blinde Vertrauen seiner Kinder, die alles von ihm erwarten und nicht müde werden, ihm ihre Bitten vorzustellen.

Bete ich mit diesem kindlichen und unermüdlichen Vertrauen?
Benoît Terrenoir

Frage: Wie kann ich mein Vertrauen in Gott vertiefen, sodass mein Gebet unermüdlich und frei von Zweifel wird?

Vers 10 Wer bittet, der empfängt

Lk 11,10: Denn jeder, der bittet, empfängt; und wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird aufgetan.‭

Gott erhört Gebete

Mit diesen Worten gibt Jesus zu verstehen, dass Gott immer antwortet, dass kein Gebet ungehört bleibt. Warum? Weil er der Vater ist und seine leidenden Kinder nicht vergisst.

Gewiss, diese Worte stürzen uns in eine Krise, denn es scheint, dass viele unserer Gebete kein Resultat erlangen. Wie oft haben wir gebeten und nichts erhalten – wir alle haben diese Erfahrung –, wie oft haben wir geklopft und sind auf eine geschlossene Tür gestoßen?

Jesus empfiehlt uns, in jenen Augenblicken beharrlich zu sein und uns nicht geschlagen zu geben. Das Gebet verändert immer die Wirklichkeit, immer. Wenn die Dinge um uns herum sich nicht verändern, dann verändern zumindest wir uns, verändert sich unser Herz.

Jesus hat jedem Menschen, der betet, die Gabe des Heiligen Geistes verheißen. Wir können sicher sein, dass Gott antworten wird. Die einzige Unsicherheit betrifft den Zeitraum, aber wir dürfen nicht zweifeln, dass er antworten wird. Er hat es uns versprochen: Er ist nicht wie ein Vater, der eine Schlange anstelle eines Fisches gibt.

Es gibt nichts, was sicherer wäre: Der Wunsch nach Glückseligkeit, den wir alle im Herzen tragen, wird eines Tages erfüllt werden.

Papst Franziskus

Frage: Wie offen bin ich in meinem Herzen, Gottes Antwort zu erkennen, auch wenn sie anders kommt, als ich es erwarte?

Was Gott nicht verweigern kann

Christus sagt, dass der Vater jedem, der ihn bittet, geben wird. Aber wird er mir alles geben, worum ich ihn bitte? Wird er alle meine Wünsche erhören? Gewiss nicht, weil ich nicht immer weiß, worum ich in rechter Weise bitten soll. Es kann passieren, dass ich, ohne es zu erkennen, um etwas Schädliches bitte.

Aber es gibt schon Eines, das mir der Vater zweifellos schenken wird, wenn ich ihn darum bitte. Es handelt sich um die beste Gabe, die ich aufnehmen kann: den Heiligen Geist. Ganz gleich wie alt oder wie gelaunt ich bin, ich kann nichts Besseres brauchen als den Heiligen Geist.

Der Vater, der mir das Beste geben will, kann mir dieses Geschenk nicht verweigern. Das ist die Schwäche Gottes.

Herr, ich bitte dich, gib mir deinen Heiligen Geist!
Benoît Terrenoir

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben den Heiligen Geist als ständige Führung und Kraft wahrnehmen?

Vers 11-12 Vater gibt keine Schlange

Lk 11,11: ‭Welcher Vater unter euch wird seinem Sohn einen Stein geben, wenn er ihn um Brot bittet? Oder wenn ‭er ihn‭ um einen Fisch ‭bittet‭, gibt er ihm statt des Fisches eine Schlange?‭

Gottes Güte und Fürsorge

Die Stelle betont Gottes Güte und Fürsorge. Sie lädt dazu ein, ihm im Gebet zu vertrauen, da er weiß, was wir brauchen.

Gleichzeitig fordert sie auf, Gott nicht mit falschen Vorstellungen von Strenge oder Gleichgültigkeit zu betrachten. Er ist ein liebender Vater, der das Beste für seine Kinder will.

Dieses Vertrauen stärkt den Glauben und vertieft die Beziehung zu Gott.

Frage: Wie kannst du in deinem Alltag das Vertrauen in Gottes Fürsorge bewusst spüren und leben?

‭Lk 11,12: Oder auch wenn er um ein Ei bittet, wird er ihm einen Skorpion geben?‭

Vers 13 Gott schenkt Heiligen Geist

Lk 11,13: Trotz all eurer Bosheit wisst ihr Menschen doch, was gut für eure Kinder ist, und gebt es ihnen. Wie viel mehr wird der Vater im Himmel denen den Heiligen Geist schenken, die ihn darum bitten!

Ihr, die ihr böse seid

Das ist heftig. Jesus nennt uns böse. Natürlich sind wir keine großen Heiligen, das ist uns schon klar. Aber deswegen sind wir doch nicht gleich böse. Oder doch?

Mit dem letzten Satz des heutigen Evangeliums setzt sich Jesus uns gegenüber. Es wird zum Gegensatz: Wir sind böse und Gott ist gut. Ich glaube, der Evangelist möchte uns damit ganz klar machen, wie gut es Gott doch mit uns meint.

Wenn wir, die wir böse sind, schon Gutes tun, wie viel mehr wird Gott uns dann mit dem Besten bedenken!
Mariano Ballestrem

Frage: Wie öffnest du dich in deinem Alltag bewusst dafür, Gottes Güte in deinem Leben zu erkennen?

Kein naiver Optimismus

Diese Stelle des Evangeliums gibt auch eine Antwort auf die Frage, wie Gott die Menschen sieht. In den Augen Gottes sind wir weder untadelige Geschöpfe noch harmlose Kinder. Christus sagt ohne Umschweife, dass wir "böse" sind.

Im Gleichnis heißt es dann, dass uns unser Verlangen nach Ruhe wichtiger ist, als unser Pflichtgefühl gegenüber Freundschaften. Diese Bosheit und dieser Egoismus, beides Früchte der Erbsünde, haben aber nicht das letzte Wort.

Christus weiß sehr wohl, dass uns die Sünde fesselt. Er kommt gerade deswegen, um uns die Freiheit zurückzugeben. Er macht sich keine Illusionen, er ist kein naiver Optimist, sondern sieht uns in einem viel tieferen Licht: mit unendlicher Liebe.

Herr, du weißt, dass ich böse bin, dass ich ohne dich nur Schaden anrichten werde. Mit dir aber ist alles möglich!
Benoît Terrenoir

Frage: Wo erlebe ich in meinem Leben, dass Gottes Liebe mich trotz meiner Begrenztheit in die Freiheit führt?

Andacht von Symeon

O Wunder! O allen unbekanntes Geheimnis, unbekannt denen, die sich nicht um ein reines Herz bemüht haben, unbekannt denen, die nicht mit glühendem Herzen darum bitten, den göttlichen Geist zu empfangen, unbekannt denen, die nicht glauben, dass Gott auch jetzt noch denen den Heiligen Geist gewährt, die ihn suchen.

Denn der Unglaube verdrängt und verscheucht den göttlichen Geist: Wer nicht glaubt, der bittet nicht; und wer nicht bittet, der empfängt auch nicht.

Der Meister aller himmlischen und irdischen Wesen hat uns den göttlichen Geist geschenkt und dieser Geist, der Gott ist, gibt uns alle Güter.

Frage: In welchen Momenten spürst du die Gegenwart des göttlichen Geistes in deinem eigenen Leben und wie öffnest du dein Herz dafür?