Lk 10, 1-12 Aussendung der Siebzig

Vers 1 Jesus sendet 72 aus

Lk 10,1: Danach aber bestimmte der Herr noch 72 andere und sandte sie.

Lk 10,1: In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus.

Gott sendet Menschen

Welch ein Geschenk ist es, dass Gott durch uns Menschen wirken möchte! Wir machen uns meistens viel zu wenig bewusst, wie groß das ist. Gott braucht niemanden und könnte ganz alleine wirken, aber er möchte uns einbeziehen. Er vertraut uns und lässt uns wichtige Dinge an seiner Stelle tun.

Freilich, am Ende ist er es, der durch uns wirkt, aber das ändert nichts daran, dass er uns groß machen möchte, dass er sich freut, wenn seine Kinder mit ihm mitarbeiten. Es ist unsere freie Entscheidung.

Bin ich bereit, ihn durch mich wirken zu lassen? Bin ich bereit, seinen Willen zu tun? Weiß ich, dass ich täglich eingeladen bin, anderen die Liebe Gottes weiterzugeben?

Bertalan Egervári

Frage: Wie offen bin ich wirklich dafür, dass Gottes Liebe durch mein Handeln in der Welt sichtbar wird?

Aussuchen

Das Evangelium verwendet das Wort „aussuchen“, um zu beschreiben, wie Jesus die 72 berief.

Das Gleiche gilt für Sie: Gott hat Sie erschaffen, kennt Sie, liebt Sie und geht jeden Tag auf die Suche nach Ihnen, um Sie zu einem einzigartigen und spannenden Auftrag auszusenden.

Lasse ich mich finden oder verstecke ich mich vor Gott? Gott sucht Sie, und er tut es, weil er Sie liebt und einen Auftrag für Sie hat.

José Andrés González Fernández

Frage: Wie offen bin ich dafür, dass Gott mich auf meinem persönlichen Lebensweg findet und führt?

Wir alle sind gerufen

Jesus beschränkt die Sendung also nicht nur auf die Zwölf, sondern weitet sie auf uns alle aus. Wir sind alle dazu gerufen, Christus in die Welt zu tragen, an all die Orte, wohin er selbst noch gehen will.

Manch einer von uns wird sich dazu nicht imstande fühlen. Viele werden sagen: „Das liegt mir nicht.“ Doch Jesus schickt uns vor sich her. Wir müssen nur den Weg bereiten.

Es geht nicht darum, aus eigenen Kräften Wunder zu wirken, sondern für Jesus die Netze auszuwerfen. Er bittet uns immer nur darum, Dinge zu tun, die wir auch können: jemanden ansprechen, etwas organisieren, jemanden besuchen…

Er selbst wirkt dann die Wunder in den Herzen.

Michael Hemm

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich, dass ich bereit bin, die Netze auszuwerfen, und wo halte ich mich noch zurück?

Lk 10,1: Er sandte sie je zwei und zwei vor sich her in alle Städte und Orte, wohin er selbst kommen wollte.

Jesus schickt die Jünger zu zweit aus

Sie sollen einander unterstützen, miteinander die Lasten ertragen, Strapazen aushalten, Krisen meistern und Gefahren bestehen. Zu zweit kann man sich auch austauschen, Probleme besprechen, sich gegenseitig anspornen.

Gemeinsamkeit verleiht Stärke und Kraft. Es geht um gelebte Gemeinschaft. Sie sollen nicht nur durch Worte predigen, sondern durch ihr Beispiel.

Es soll anschaubar werden, wie es geht, miteinander Leben und Glauben zu teilen, Liebe zu üben, Geduld zu haben, verzeihen zu können.

Pius Kirchgessner

Frage: Wie kann ich heute bewusst Gemeinschaft leben und dabei sowohl geben als auch empfangen?

Vers 2 Ernte groß, Arbeiter wenig

Lk 10,2: Er sprach nun zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es sind wenige Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende!

Aufruf zum Gebet

Die Arbeiter für sein Erntefeld kann nur Gott selbst schicken. Aber er will sie senden durch die Pforte unseres Gebetes hindurch. Wir können mitwirken am Kommen der Arbeiter, aber wir können es nur im Mitwirken mit Gott.

Die Ernte ist groß, auch heute, gerade heute. Euch, liebe Freunde, schickt der Herr in seine Ernte, den Menschen das Licht der Wahrheit zu bringen, ihnen die frohe Botschaft zu bringen, die nicht nur Wort ist, sondern Ereignis: Gott ist selbst zu uns gekommen.

Er nimmt uns an der Hand, er zieht uns zu sich selbst hinauf, und so wird das zerbrochene Herz geheilt.

Frage: Bei welcher Ernte von Seelen möchte ich heute selbst mitwirken, um Licht und Heilung in die Welt zu bringen?

Jesus will, dass wir gerade das Bitten und Beten an den Anfang stellen

Jesus will nicht, dass wir sofort losrennen und tun. Er möchte, dass wir innehalten, uns an Gott wenden und ihm die Situation darlegen.

Es geht Jesus in erster Linie um die Menschen, die zu Gott heimgebracht werden sollen – um die Ernte. Um die Menschen, für die wir uns Zeit nehmen sollten.

Wir sollen uns nicht mit uns selbst beschäftigen, indem wir uns in Gruppen und Kreisen verlieren, nur um beschäftigt zu sein. Nein, unser Blick soll auf die Menschen gerichtet sein, und wir sollen uns um sie kümmern.

Jesus weist uns darauf hin, dass wir uns zuerst im Gebet an ihn wenden. Erst danach will er, dass wir uns an die Arbeit machen.

Rolf Aichelberger

Frage: Wie könnte ich heute bewusst innehalten und meine Aufmerksamkeit zuerst auf Gott und die Menschen um mich herum richten?

Lasst uns treu dem Gebot unseres Herrn gehorchen!

Lasst uns mit ganzem Herzen beten, damit Gott uns zahlreiche Arbeiter zu seiner Ernte schickt, damit er ihnen alle Tugenden gibt, alle notwendigen Gaben, um gut in seinem Feld zu arbeiten und so seine Ernte so reich sei wie möglich. Charles de Foucauld

Vers 3 Wie Lämmer unter Wölfe

Lk 10,3: Geht hin! Siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe.

Geht hin, denn ich sende

Erstens: Geht hin! Geht zu den Menschen! Wartet nicht, bis die Leute zu euch kommen. Geht zu ihnen hin! Seid offen für das, was die Menschen bewegt, für ihre Fragen und Sorgen, ihre Nöte und Ängste, ihre Hoffnungen und Freuden.

Zweitens: Sieh, ich sende euch. Gleich als wollte er sagen: Dieses genügt zu eurem Trost, dieses reicht zu eurer Hoffnung hin, und dass ihr die euch treffenden Übel nicht fürchtet.

Frage: Wie kannst du heute den Menschen um dich herum offen begegnen, um Trost und Hoffnung zu teilen, ohne eigene Ängste zurückzuhalten?

Ich schicke euch wie Lämmer unter die Wölfe

Wie gütig bist du, mein Gott, dass du uns deine eigene Mission gibst! Die mehr war als du, das Lamm, du, „das Lamm Gottes“, „ähnlich einem Lamm, das man zur Schlachtbank führt“, „das Osterlamm“, das Lamm durch Eure grenzenlose Sanftmut!

Die mehr war als du, das Lamm unter den Wölfen, seit deiner Geburt verfolgt von Herodes, der du dein ganzes öffentliches Leben lang verfolgt wurdest, in deinem Leiden mit Schreien angegriffen wurdest: „Kreuzigt ihn! Kreuzigt ihn!“ und durch die Hand deiner Peiniger gestorben bist!

Lasst uns jedes Mal Freude empfinden, wenn wir unter den Wölfen sind, unter Verfolgern, Gegnern, Spöttern, Gewalttätern, Betrügern, Dieben, Mördern, Gehässigen und den Feinden aller Gestalten. Unter all denen, die unsere Ruhe, unseren Frieden, unseren Ruf, unsere Person, unsere Güter, unser Leben angreifen – lasst uns Freude empfinden, da wir dann unserem Herrn Jesus ähnlich und wie er unter den Wölfen sind.

Charles de Foucauld

Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich lernen, die Freude Jesu inmitten von Herausforderungen und Widerstand zu erkennen?

Wie Lämmer sein

Wie gütig bist du, mein Gott, dass du uns deine eigene Mission gibst! Die mehr war als du, das Lamm, du, „das Lamm Gottes“, „ähnlich einem Lamm, das man zur Schlachtbank führt“, „das Osterlamm“, das Lamm durch Eure grenzenlose Sanftmut!

Die mehr war als du, das Lamm unter den Wölfen, seit deiner Geburt verfolgt von Herodes, der du dein ganzes öffentliches Leben lang verfolgt wurdest, in deinem Leiden mit Schreien angegriffen wurdest: „Kreuzigt ihn! Kreuzigt ihn!“ und durch die Hand deiner Peiniger gestorben bist!

Lasst uns jedes Mal Freude empfinden, wenn wir unter den Wölfen sind, unter Verfolgern, Gegnern, Spöttern, Gewalttätern, Betrügern, Dieben, Mördern, Gehässigen und den Feinden aller Gestalten. Unter all denen, die unsere Ruhe, unseren Frieden, unseren Ruf, unsere Person, unsere Güter, unser Leben angreifen – lasst uns Freude empfinden, da wir dann unserem Herrn Jesus ähnlich und wie er unter den Wölfen sind.

Charles de Foucauld

Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich lernen, die Freude Jesu inmitten von Herausforderungen und Widerstand zu erkennen?

Schafe mitten unter den Wölfen

Jesus ist realistisch, ehrlich und direkt. Es ist nicht einfach, es ist nie einfach gewesen und es wird auch nie einfach sein. Die Welt bietet unermesslich viele Möglichkeiten, untreu zu sein. Tausende von Abwegen erscheinen verlockend, weil sie „eigentlich nicht so schlecht sind“, weil „jeder es so macht“ oder weil „es heutzutage so gemacht wird“.

Er bittet mich, treu zu sein und standhaft zu widerstehen. Darüber hinaus fordert er mich auf, meine Sicherheiten loszulassen, damit Er selbst meine einzige Sicherheit werden kann.

Frage: Wo in meinem Leben halte ich noch an eigenen Sicherheiten fest, die mich daran hindern, ganz auf Seine Führung zu vertrauen?

Vers 4 Kein Geld, kein Gepäck

Lk 10,4: Tragt weder Beutel noch Tasche noch Schuhe und grüßt niemand auf dem Weg.

Nichts mitnehmen

Die Jünger sollen nichts mitnehmen, nur das Allernotwendigste. Sie sollen erfahren, wie es ist, sich ganz auf die Güte der Menschen und letztlich auf die Vorsehung Gottes zu verlassen. Nehmt nichts mit! Und grüßt niemand unterwegs.

Ist das nicht unhöflich? Doch das Grüßen unterwegs ist im Orient nicht nur der kurze Gruß und der Wunsch für einen guten Tag. Orientalische Begrüßungen können Stunden dauern. Gemeint ist: verplempert keine Zeit, schwätzt nicht ewig mit dem und jenem und jedem. Lasst euch nicht aufhalten!

Frage: Worauf vertraue ich in meinem eigenen Leben wirklich, wenn ich loslasse und mich auf das Wesentliche konzentriere?

Auf die Vorsehung vertrauen

Egal, ob jemand wie die 72 unmittelbar zur Verkündigung ausgesandt ist oder ob er sein Christsein im Alltag leben möchte, für alle trifft gleichermaßen die Aufforderung Jesu zu, ganz auf die Vorsehung Gottes zu vertrauen.

Die Jünger sollen keinen Geldbeutel und keine Vorratstasche mitnehmen. Sie sollen sich keine Sorgen machen um das, was kommt. Alles Materielle soll für sie nebensächlich sein. In der Vorsehung Gottes ist für alles schon gesorgt.

Die Jünger sollen nicht ans Morgen denken, sondern daran, wie sie heute Jesus Christus und die Frohe Botschaft verkünden können.

Bertalan Egervári

Frage: Wie kannst du heute darauf vertrauen, dass Gott für dich sorgt, während du deinen Weg gehst?

Vers 5 Wünscht Häusern Frieden

Lk 10,5: Wo ihr aber in ein Haus hineingeht, da sprecht zuerst: Friede diesem Haus!

Friede diesem Haus!

Die Begrüßung „Friede sei mit diesem Haus“ ist mehr als eine formelle Höflichkeit – sie drückt den Wunsch nach Gottes Segen und Heil für die Bewohner aus. Der Friede (hebräisch Schalom) umfasst nicht nur die Abwesenheit von Konflikten, sondern auch Wohlergehen, Harmonie und göttliche Gegenwart.

Jesus lehrt hier, dass seine Boten Friedensstifter sein sollen. Sie bringen Gottes Reich nicht mit Gewalt, sondern mit Liebe und Segenswünschen. Wenn die Gastgeber diesen Frieden annehmen, wird er auf ihnen ruhen. Andernfalls kehrt er zu den Jüngern zurück – ein Hinweis darauf, dass Gottes Frieden nicht erzwungen, sondern freiwillig empfangen wird.

Frage: Wie offen bin ich selbst dafür, den Frieden Gottes in meinem Alltag willkommen zu heißen und weiterzugeben?

Vers 6 Friedenssohn empfängt ihn

Lk 10,6: Wenn dort ein Sohn des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm ruhen, wenn aber nicht, so wird er zu euch zurückkehren.

Bitten um Frieden

Wir sollen nämlich die Botschaft des Friedens bringen und der erste Eintritt soll mit dem Segen des Friedens verherrlicht werden.

Die Heiligen bitten um den Frieden, nicht nur um den, welchen die Menschen untereinander haben, sondern auch um den, welcher sich auf uns selbst bezieht. Denn oft haben wir Krieg im Herzen, und werden, ohne dass uns jemand belästigt, bestürzt, und es erheben sich schlechte Begierden häufig gegen uns.

Frage: Wo in meinem Inneren spüre ich noch Unruhe, und wie könnte ich den Frieden dort einladen?

Wir haben die Wahl

Im Evangelium können wir sehen, dass die Menschen frei sind, Jesus oder seine Zeugen in ihr Haus aufzunehmen oder nicht. Wir sind frei, der Liebe Christi zu entsprechen.

Auf sein Anklopfen hin, das in Liebe geschieht, können wir öffnen und mit Liebe antworten, oder wir verschließen ihm das Herz.

In diesem zweiten Punkt können wir uns kurz erforschen und schauen: Wo lasse ich den Herrn in meinem Leben wirken, und wo lasse ich ihn außen vor.

Bitten wir den Herrn um Licht und eine tiefe Erfahrung seiner Liebe, damit wir ihm immer tiefer vertrauen und ihm Einlass in unser Leben geben.

Jonathan Fuhr

Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich die Einladung Christi am stärksten, und wie offen bin ich bereit, sie zuzulassen?

Vers 7 Bleibt dort

Lk 10,7: ‭In demselben Haus aber bleibt und esst und trinkt das, was man euch vorsetzt; denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert. Geht nicht aus einem Haus ins andere.‭

In demselben Haus aber bleibt

Diese Anweisung Jesu an die ausgesandten Jünger betont Gastfreundschaft, Genügsamkeit und Würde. Sie sollen sich nicht von Haus zu Haus treiben lassen, sondern die angebotene Versorgung annehmen, ohne nach besseren Bedingungen zu suchen.

Das Vertrauen auf Gottes Fürsorge durch die Gastgeber steht im Mittelpunkt. Zudem verdeutlicht der Satz „ein Arbeiter ist seines Lohnes wert“ ein göttliches Prinzip: Wer für das Reich Gottes arbeitet, verdient Unterstützung.

Diese Worte fanden später auch in der christlichen Ethik und im Arbeitsrecht Anwendung. Lukas 10,7 lehrt uns, dankbar anzunehmen, was gegeben wird, und mit Zufriedenheit zu dienen.

Frage: Wie offen bin ich, die Gaben und Hilfe anderer anzunehmen, ohne Bedingungen zu stellen, und wie spiegelt das mein Vertrauen in die göttliche Fürsorge wider?

Vers 8 Esst, was man anbietet

‭Lk 10,8: Und wenn ihr in eine Stadt kommt und sie euch aufnehmen, da esst, was euch vorgesetzt wird.

Esst, was euch vorgesetzt wird

Sie sollen sich nicht wählerisch zeigen, sondern dankbar das annehmen, was ihnen angeboten wird. Dies betont Gastfreundschaft, Demut und Vertrauen auf Gottes Versorgung.

Zugleich zeigt der Vers, dass das Evangelium in die konkrete Lebenswelt der Menschen tritt. Die Jünger sollen sich nicht durch Essensvorschriften oder persönliche Vorlieben abgrenzen, sondern Gemeinschaft mit den Menschen pflegen. Diese Offenheit dient der Verkündigung und stärkt die Beziehung zu den Gastgebern.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich offener und dankbarer werden, um mehr Verbindung und Vertrauen zu schaffen?

Vers 9 Heilt Kranke, verkündet Gottes Reich

Lk 10,9: Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt zu ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch herbeigekommen!

Menschen heil machen

Die Jünger sollen die Gottesherrschaft nicht nur mit Worten ausrufen, sondern Jesus hat ihnen auch die Vollmacht gegeben, Kranke zu heilen und Dämonen auszutreiben.

Es geht dem Heiland nicht nur um das Seelenheil, sondern um den ganzen Menschen, um das Heil für Seele und Leib.

Es geht auch heute darum, die Menschen heil zu machen, sie zu befreien, von dem, was sie bedrückt, fesselt, krank und kaputt macht.

Pius Kirchgessner

Frage: Welche Belastungen in meinem eigenen Leben brauchen Heilung und Befreiung, und wie kann ich sie Christus anvertrauen?

Jesus, du birgst Kraft in dir!  

In diesem Text über die Beauftragung der Jünger spricht Jesus 10 Verben aus, die ein aktives Handeln bezeichnen. Verben sind Tuwörter, Zeichen für Dynamik, für Lebendigkeit, für Kraft.

„Geht, verkündet, nehmt mit, bleibt, schüttelt ab, heilt, treibt aus…“

Wie anders hören sich die Worte Jesu an im Vergleich zu manch politischer Rede und – leider manchmal auch – sonntäglicher Predigt. Jesus ist die Lebendigkeit in Person.

„Ich bin das Leben.“

Wer sich auf ihn einlässt, der wird unvermeidlich innerlich lebendig werden. Und der wird auch herausgefordert. Denn diese Verben verlangen von den Jüngern auch, sich zu bewegen, nicht sitzen zu bleiben.

Klaus Einsle

Frage: Welche inneren Schritte könnten Sie heute wagen, um Ihre eigene Lebendigkeit bewusst zu spüren und zu entfalten?

Das Reich Gottes ist nahe

Das ist es, was gesagt werden soll, vor allem und in allem: Gott ist nahe.

Aber vergesst das nie: Gott war seinem Volk immer nahe, er selbst hat es zum Volk gesagt. Er hat gesagt: „Schaut, welcher Gott ist den Völkern so nahe wie ich euch nahe bin?“

Die Nähe ist eines der wichtigsten Dinge Gottes. Drei Dinge sind wichtig: Nähe, Barmherzigkeit und Zärtlichkeit. Vergesst das nicht. Wer ist Gott? Der Nahe, der Zärtliche, der Barmherzige. Das ist Gottes Wirklichkeit.

Wenn wir verkündigen, laden wir die Menschen oft ein, etwas zu tun, und das ist gut; aber wir dürfen nicht vergessen, dass die wichtigste Botschaft darin besteht, dass Gott nahe ist: Nähe, Barmherzigkeit und Zärtlichkeit.

Papst Franziskus

Frage: Wo spüre ich die Nähe Gottes in meinem eigenen Leben, und wie öffne ich mein Herz für seine Barmherzigkeit und Zärtlichkeit?

Vers 10-12 Schüttelt ihren Staub ab

Lk 10,10: ‭Wenn ihr aber in eine Stadt kommt und sie euch nicht aufnehmen, da geht auf ihre Gassen hinaus und sprecht:

Lk 10,11: ‭Auch den Staub, der sich aus eurer Stadt an uns gehängt hat, streifen wir ab gegen euch; doch sollt ihr wissen, dass das Reich Gottes nahe zu euch herbeigekommen ist!

Weiterziehen

Jesus ist Realist. Er weiß, nicht überall werden die Boten mit offenen Armen empfangen. Die Jünger werden auch auf Ablehnung stoßen und Hass erfahren. Da, wo solches geschieht, sollen sie sich nicht aufreiben und keine Zeit vertun, sondern einfach weiterziehen. Pius Kirchgessner

Das Reich Gottes

Die Botschaft der zweiundsiebzig Jünger lautet: Das Reich Gottes ist euch nahe.

Papst Benedikt erklärt in seinem Buch Jesus von Nazareth, dass das zugrundeliegende hebräische Wort malkut nicht so sehr „Reich“, sondern „Herrschaft“ oder „Regentschaft“ Gottes bedeutet. Es geht um ein Handeln Gottes; Gott übt seine Herrschaft aus.

Das wird auch an den Wundern deutlich: „Heilt die Kranken“, fordert Jesus die Jünger auf. Und an einer anderen Stelle gibt er ihnen sogar die Macht, Dämonen auszutreiben.

Der Mensch wird mit der Ankunft Jesu aus der Sklaverei der Sünde, des Teufels und des Todes befreit. Gott übernimmt die Herrschaft. In Jesus ist das Reich Gottes da. In Jesus ist Gott selber da.

Michael Hemm

Frage: Wo erfahre ich in meinem eigenen Leben die befreiende Nähe der Herrschaft Gottes?

Lk 10,12: ‭Ich sage euch aber: Es wird Sodom an jenem Tag erträglicher gehen als dieser Stadt.‭