Lk 9, 57-62 Über den Preis der Nachfolge
Inhaltsverzeichnis
Vers 57 Menschensohn heimatlos
Lk 9, 57: Es geschah aber, als sie ihre Reise fortsetzten, da sprach einer auf dem Weg zu ihm: Herr, ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst! Lk 9:57
Der Erste, der nachfolgen will
Der Erste war sich ganz sicher, dass er Jesus überall hin nachfolgen wolle. Er wartete nicht, bis er gerufen wurde, sondern bot sich an, ohne zu überlegen. Er hatte großes Selbstvertrauen sowie übermäßigen Eifer und war sich der Kosten nicht bewusst. Er wusste nicht, was er sagte. MacDonald
Ja, ich will!
Ein ganz kurzer Ausruf und doch so mit weit reichenden Konsequenzen verbunden. „Ja, ich will“ – das heißt, ich lasse mich auf etwas ganz Bekanntes oder auch Unbekanntes ein. Ich will mich mit diesem Mann verheiraten. Ich will mich mit dieser Frau verheiraten. Ich will mich auf diese Herausforderung einlassen. Ich weiß zwar noch nicht, was dann mit mir, vielleicht mit meinem Umfeld geschieht, aber ich werde es riskieren. Ich will mich mit Jesus Christus verbinden. Ich will!
Ja, will ich wirklich? Bin ich wirklich bereit, mein Leben ganz unter die Herrschaft von Jesus Christus zu stellen? Bin ich wirklich bereit, mich von ihm führen zu lassen? Habe ich so viel Vertrauen?
Frage: Welche inneren Schritte könnte ich heute gehen, um meinem eigenen „Ja, ich will“ näher zu kommen?
Überlege auch Du, ob Du Dich für diese Antwort begeistern lassen kannst
Ja, ich will! Ja, ich will mich voll und ganz dem Herrn Jesus Christus anvertrauen.
Ja, ich will mit ihm auch unbekannte Wege gehen, voll im Vertrauen, dass er mit mir geht.
Ja, ich will mich an Gottes Gebote halten, weil sie mir Hilfe für mein Leben sind und mich vor Schlimmerem bewahren.
Ja, ich will auch mit mir selbst gnädig sein, wenn ich erkenne, dass ich wieder einmal nicht das getan habe, was ich wollte und dem Herrn versprochen habe.
Ja, ich will glauben, dass Jesus Christus auch meine Schuld getragen hat und mich davon befreit hat.
Ja, ich will glauben, dass Jesus mich sehr liebt.
Ja, ich will ihm vertrauen und mich allezeit an ihn halten.
Rolf Aichelberger
Frage: Wo in meinem Leben darf ich heute mein Vertrauen ganz bewusst auf Jesus setzen und ihm die Kontrolle über unbekannte Wege überlassen?
Vers 58 Lass Tote begraben
Lk 9,58: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel des Himmels haben Nester; aber der Sohn des Menschen hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann.
Jesus sagte im Grunde
Weißt du eigentlich, was es bedeutet, mir nachzufolgen?
Es bedeutet, die Bequemlichkeiten und Vorzüge des Lebens hinter sich zu lassen.
Ich habe keine Wohnung, die ich mein eigen nennen könnte.
Diese Erde bietet mir keinerlei Ruhestatt.
Füchse und Vögel haben mehr natürliche Annehmlichkeit und Sicherheit als ich.
Bist du gewillt, mir zu folgen, auch wenn es bedeutet, Dinge aufzugeben, deren Besitz die meisten Menschen für ihr unveräußerliches Recht halten.
Frage: Welche Anhaftungen oder Sicherheiten in meinem Leben könnten mich daran hindern, einen tieferen Weg des Vertrauens und der Hingabe zu gehen?
Diese Welt konnte ihm keinen wirklichen, dauernden Ruheort bieten
Er hatte sein Werk zu vollbringen und konnte nicht ruhen, bis es vollendet war. Dasselbe gilt für seine Nachfolger: Diese Welt ist kein Ruheort für sie. Sie sollte es zumindest nicht sein!
Das Kreuz gehört dazu
Mit dieser Antwort weist uns Jesus überraschend deutlich darauf hin, dass zur seiner Nachfolge die Selbstverleugnung und das Kreuz gehört. Gläubiger Gehorsam gegenüber Gott und liebender Dienst für unseren Nächsten sind nicht immer leicht.
Das Kreuz Christi anzunehmen heißt aber, an seinem Sieg Anteil zu haben. Der Herr möge uns in seiner Liebe erhalten!
Tiefe Nachfolge bedeutet letztlich, heimatlos auf dieser Welt zu werden, weil unsere Heimat im Himmel ist. Wir werden nie wirklich in diese Welt passen, wenn wir Jesus nachfolgen.
Frage: Welche loslassenden Schritte kann ich heute gehen, um meine himmlische Heimat in meinem Alltag spürbarer zu leben?
Hänge dein Herz nicht an Vergängliches!
Laß Christus dir Vorbild sein, der um unseretwillen die Armut wählte und nichts besaß, wohin er sein Haupt hätte legen können. Bitte Ihn darum, dass Er dir mitten in der Welt die wirkliche, uneingeschränkte Loslösung von den irdischen Dingen gewährt. Josemaria
Leben der Armut
Christus ignoriert Ihn nicht, sondern er versucht, ihm einen anderen Lebensweg zu zeigen, ein Leben einfacher Armut.
Unser Herr hat ein Leben in Armut und Selbstentäußerung gelebt, das weit über das der ärmsten Menschen hinausgeht. Christi Armut stößt aber nicht ab. Vielmehr zieht uns sein Leben an, denn es zeugt von Gottes Reichtum, aus dem Christus lebt und handelt.
Das lebendige Zeugnis Christi befähigt die Menschen, ihre bisherige Lebensweise für etwas Besseres, Edleres und Wertvolleres als das Leben, das sie bisher gelebt hatten, zu verlassen.
Möge auch mein Beispiel anderen dabei helfen, einen besseren und heiligeren Weg für ihr Leben zu finden.
Jeffrey Bowker
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich mich von Christus' Armut und Selbstentäußerung inspirieren lassen, um einen tieferen Sinn zu finden?
Der Heiland ist uns vorausgegangen auf dem Weg der Armut
Ihm gehörten alle Güter des Himmels und der Erde. Sie waren für ihn keine Gefahr, er konnte sie gebrauchen und doch sein Herz vollkommen frei davon bewahren. Aber er wusste, dass es den Menschen kaum möglich ist, Güter zu besitzen, ohne ihnen zu verfallen und durch sie versklavt zu werden.
Darum gab er alles preis und zeigte mehr noch durch sein Beispiel als durch seinen Rat, dass nur der alles besitzt, der nichts besitzt. Seine Geburt im Stall, seine Flucht nach Ägypten zeigten schon an, dass der Menschensohn keinen Platz haben sollte, wo er sein Haupt hinlegen konnte.
Wer ihm nachfolgt, der muss wissen, dass wir hier keine dauernde Statt haben. Je lebendiger wir das fühlen, umso eifriger werden wir nach der zukünftigen hinstreben und jubeln in dem Gedanken, dass wir unser Bürgerrecht im Himmel haben.
Frage: Welche Dinge in deinem Leben halten dein Herz gefangen, und wie könntest du lernen, frei von ihnen zu sein, während du dennoch bewusst damit umgehst?
Vers 59 Erlaube mir Vater zu begraben
Lk 9,59: Er sagte aber zu einem anderen: Folge mir nach! Der sprach: Herr, erlaube mir, zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben!
Zu streng?
Es mag den Anschein haben, dass diese Erfordernisse zu streng sind, doch sie bringen in Wirklichkeit die Neuheit und den absoluten Vorrang des Reiches Gottes zum Ausdruck, das in der Person Jesu Christi gegenwärtig wird.
Es handelt sich letztlich um jene Radikalität, die der Liebe Gottes geschuldet ist, dem Jesus selbst als erster gehorcht. Wer auf alles verzichtet, sogar auf sich selbst, um Jesus nachzufolgen, betritt eine neue Dimension der Freiheit, die der hl. Paulus als ein sich vom Geist leiten lassen bezeichnet (vgl. Gal 5,16).
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich den Ruf, mich von Gottes Liebe radikal führen zu lassen, und was könnte es bedeuten, dafür loszulassen?
Vers 60 Verkündige das Reich Gottes!
Lk 9,60: Jesus aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!
Der Aufruf zur Nachfolge durch Jesus ist im Evangelium häufiger zu finden
Diese Nachfolge beinhaltet die Bindung an seine Person und darf nicht mit dem Fürwahrhalten einer Idee verwechselt werden. Unsere Antwort ist nicht nur ein gesprochenes Bekenntnis, sondern das gehorsame Tun. Es gibt keinen anderen Weg zum Glauben als den Gehorsam gegen den Ruf Jesu.
Bonhoeffer schreibt: Ein Christentum ohne den lebendigen Jesus Christus bleibt notwendig ein Christentum ohne Nachfolge und ein Christentum ohne Nachfolge ist immer ein Christentum ohne Jesus Christus.
Frage: In welchem Bereich deines Lebens bist du bereit, dem Ruf Jesu zu folgen, auch wenn es Gehorsam und Hingabe erfordert?
Die Worte "Herr" und "ich zuvor" stehen im völligen Widerspruch zueinander, wir müssen uns für das eine oder das andere entscheiden.
Ob der Vater schon tot war, oder ob der Sohn solange zu Hause bleiben wollte, bis er starb, spielt keine Rolle. Er räumte einer anderen Angelegenheit den Vorrang gegenüber Jesu Ruf ein.
Es ist vollkommen legitim und gut, seinem sterbenden oder toten Vater Ehre zu erweisen, doch wenn irgendetwas oder irgendwer höher als Christus steht, dann wird es eindeutig zur Sünde.
Dieser Mann ließ sich von etwas anderem, wir könnten sagen, von einem Beruf oder einer Aufgabe, vereinnahmen, und das hielt ihn von einem Weg hingegebener Jüngerschaft ab.
Frage: Welche Prioritäten in deinem Leben könnten dich davon abhalten, Christus voll zu folgen, und wie könntest du ihnen bewusst begegnen?
Beim ersten Lesen erschrickt man über Jesus Antwort, weil diese Forderung gegen alle Frömmigkeit und Sitte war
Die Beerdigung der Eltern war eine wichtige jüdische Pflicht. Ohne Jesus nun weich zu spülen, liegt hier ein anderer historischer Hintergrund.
In Israel wurden die Toten in Felsengräbern bestattet. Der Platz war knapp und kaum einer konnte es sich leisten, ein Grab nur einmal zu verwenden. Darum gab es in diesen Grabhöhlen eine Bank, auf die der einbalsamierte Tote gelegt wurde. Nach etwa einem Jahr wurde das Grab wieder geöffnet und die Knochen des Toten in eine kleine Kiste gelegt, welche dann an einer anderen Stelle der Grabhöhle aufbewahrt wurde.
Es ist wahrscheinlich, dass Jesus hier über diese zweite Beerdigung spricht. So oder so will Jesus uns eins verdeutlichen: Die familiäre Bindung gilt nichts im Vergleich zur Stellung zu Gott!
Frage: Wie verändert sich meine Beziehung zu Gott, wenn ich sie über alle menschlichen Bindungen hinweg betrachte?
Vers 61 Erst Abschied nehmen?
Lk 9,61: Es sprach aber auch ein anderer: Herr, ich will dir nachfolgen; zuvor aber erlaube mir, von denen, die in meinem Haus sind, Abschied zu nehmen!
Vers 62 Zurückschauen taugt nicht
Lk 9,62: Jesus aber sprach zu ihm: Niemand, der seine Hand an den Pflug legt und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes!
Das Bild vom Pflügen
Beim Pflügen eines Feldes hielt ein Bauer damals die Reihen gerade, indem er sich auf ein Objekt vor und in der Ferne konzentrierte, zum Beispiel einen Baum. Wenn der Bauer anfing zu pflügen und immer nach hinten schaute, würde er niemals gerade Reihen machen und beim Pflügen gute Arbeit leisten.
In der Nachfolge Jesu sollen wir unsere Augen auf Jesus richten und sie niemals von Ihm abwenden. Kein Pflüger hat jemals eine gerade Furche gepflügt, während er über die Schulter nach hinten schaute. Der Bauer hinter dem Pflug kann nur dann gerade Furchen ziehen, wenn sein Blick nach vorn gerichtet ist.
Es geht hier nicht darum, dass wir beziehungslos leben sollen. Jeder von uns hat sein soziales Netz, und das ist gut so. Zwei Männer, die der Herr in seiner Nachfolge rief, benutzten das Wort „zuvor“. Sie stellten also etwas vor den Herrn. Und genau das geht nicht! Es gibt kein „zuvor“, wenn es um den Herrn Jesus geht. Er nimmt den ersten Platz ein.
Frage: Welche Bereiche meines Lebens sollten heute meinen Blick ungeteilt auf Jesus richten, statt dass ich ständig zurückblicke oder Ablenkungen den Vorrang geben?
Christi Nachfolger sind nicht halbherzig oder sentimental
Keine Rücksichtnahme auf Familie oder Freunde, so berechtigt sie auch sein mag, darf sie von der völligen Hingabe an ihn ablenken.
Der Ausdruck nicht tauglich für das Reich Gottes bezieht sich nicht auf die Erlösung, sondern auf den Dienst. Es geht nicht um den Zugang zum Reich, sondern um den Dienst, nachdem man hineingekommen ist.
Unsere Tauglichkeit für den Zugang zum Reich ist allein die Person und das Werk unseres Herrn Jesus Christus. Sie wird uns durch den Glauben an ihn geschenkt.
Frage: Wo in meinem Leben lasse ich mich noch von äußeren Bindungen ablenken, statt mich ganz auf die Hingabe an Gott einzulassen?
Nicht nach hinten sehen, sondern gehen
Wer sich auf einen Weg mit Jesus Christus einlässt und sich dann auch für Gottes Reich einsetzen möchte, der soll nicht zögern, soll nicht ständig nach hinten sehen und am alten Leben festhalten.
Festhalten kannst du nichts von dem, was war. Also stehen wir mit einem Auftrag in der Spur. Wir müssen selbst gehen. Losgehen.
Wir dürfen uns ausrichten nach dem, was uns im Leben zugewiesen wird. Es liegt an uns, diesen, unseren Weg, mit Jesus gehen zu wollen. Uns auf Neues und Unvorhersehbares einlassen wollen.
Rolf Aichelberger
Frage: Welche Schritte kannst du heute gehen, um dich mutig auf den Weg einzulassen, den Gott für dich vorgesehen hat?
Die drei Menschen, die Jesus nachfolgen wollen in der Übersicht
Alle drei Menschen kommen mit Bedingungen, wo sie zuerst noch etwas anderes machen müssen. Nachfolge bedeutet sich bewusst für Jesus zu entscheiden und seine Botschaft zu verkünden. Es gilt mit Jesus bedingungslos zu gehen. Die Nachfolge konkretisiert sich im einfältigen Gehorsam. Jesus fordert von seinen Jüngern nicht mehr, aber auch nicht weniger, als sich allein auf sein Wort zu verlassen.
So haben wir hier nun die drei Haupthindernisse für die Jüngerschaft in der Erfahrung dieser drei Männer beschrieben:
1. Materielle Bequemlichkeit.
2. Ein Beruf oder eine Aufgabe.
3. Familie und Freunde.
Christus duldet keinen neben sich, wenn er im Herzen eines Menschen herrscht. Alle anderen Vorlieben oder Bindungen müssen an zweiter Stelle stehen.
Hier geht's zu einer Auslegung von G. de Koning zu Lk Kap. 9
Das war eine Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Lukas Evangelium Lk 9. Kap.