Lk 1, 57-66 Geburt Johannes‘ des Täufers: Auslegung und Andacht

Lk 1, 57-66 im Überblick: Eine detaillierte Erklärung zu Lukas 1, 57 bis 66. Lerne die Aussagen über die Geburt Johannes des Täufers besser kennen und ziehe wertvolle Erkenntnisse für dein Leben.

Vers 57 Geburt des Sohnes

Lk 1,57: Für Elisabeth aber erfüllte sich die Zeit, da sie gebären sollte, und sie gebar einen Sohn.

Die Zeit erfüllte sich

Neues Leben ist herangewachsen. Die Geburt eines Kindes steht bevor. Der Lebenswunsch einer gedemütigten Frau, Elisabet, ist in Erfüllung gegangen. Gottes Erbarmen hat sich als groß erwiesen, denn sie und Zacharias sind Eltern geworden. Sie hat einen Sohn zur Welt gebracht.

Zacharias hatte ja nicht daran geglaubt, als es ihm der Engel offenbarte, und verlangte ein Zeichen. Zunächst wurde er selbst zum Zeichen für andere, indem er verstummte. Es verschlug ihm sozusagen die Sprache, denn vor Gottes Plänen müssen wir auf die Knie gehen, bis sie sich erfüllen.

Als das Kind geboren wurde, schlug das "Zeichen der Einschränkung" in ein "Zeichen der Fülle" um. Alle freuen sich über die Geburt des Neugeborenen. Sie sahen in der Geburt des Kindes ein Zeichen der Hoffnung, der Zukunft und vor allem der Barmherzigkeit Gottes. Gott hatte Wunderbares vollbracht.

Frage: Welche neuen Hoffnungen oder Wunder könnten in deinem eigenen Leben auf ihre leise, aber kraftvolle Weise wachsen?

Zur Geburt Johannes des Täufers

Johannes der Täufer ist außer Maria der einzige Heilige, dessen leibliche Geburt in der Liturgie gefeiert wird, und zwar seit dem 5. Jahrhundert am 24. Juni, sechs Monate vor der Geburt Jesu.

Aus dem Bericht des Lukasevangeliums (Lk 1) wird entnommen, dass Johannes schon vor seiner Geburt geheiligt wurde, als Maria zu Elisabet kam. Die ungewöhnlichen Ereignisse bei seiner Geburt weisen auf die Bedeutung des Johannes in der Heilsgeschichte hin.

Er steht an der Schwelle vom Ersten zum Neuen Bund; er war dazu berufen, durch seine Predigt von der Gottesherrschaft und seinen Ruf zur Umkehr das Volk auf das Kommen Jesu vorzubereiten. Jesus selbst empfing von ihm die Bußtaufe. Die ersten Jünger Jesu kamen aus dem Kreis der Johannesjünger.

Johannes selbst verstand sich als den Rufer in der Wüste, den Vorläufer des Größeren, der nach ihm kommen sollte. Jesus aber nennt ihn den Größten unter allen Menschen, gleichsam den wieder gekommenen Elija (Mt 11, 8.11.14).

Erzabtei Beuron

Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben Räume schaffen, in denen du auf das „Größere“ aufmerksam wirst, das nach dir kommt?

Vers 58-59 Mitfreude der Nachbarn

Lk 1,58: Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, dass der Herr seine Barmherzigkeit an ihr groß gemacht hatte, und sie freuten sich mit ihr.

Freude über Gottes Handeln

Wir sollten uns bei der Beschneidungsfeier Johannes des Täufers unter die Gäste mischen.

Wir wollen uns darüber freuen, dass Gott nicht nur an Elisabet gnädig gehandelt hat, sondern an der ganzen Welt. Denn der Welt zum Zeugnis ist dieser Zeigefinger Gottes zur Welt gekommen.

Wir wollen staunen über das, was geschehen ist, wollen Gott dafür loben und preisen.

Wir wollen weitersagen, was wir wissen, und in unserer Umgebung den bekennen, auf den Johannes gezeigt hat: "Seht das Lamm Gottes…"

Und wir wollen an diesem Glauben festhalten, wollen ihn im Herzen bewahren.

Ellen Charlotte Petermann

Frage: Wie kann ich heute in meinem Leben Gott in kleinen Momenten erkennen und seine Gegenwart bewusst feiern?

Lk 1,59: Und es geschah am achten Tag, dass sie kamen, um das Kind zu beschneiden; und sie nannten es nach dem Namen seines Vaters Zacharias.

Vers 60 Name soll Johannes sein

Lk 1,60: Seine Mutter aber erwiderte und sprach: Nein, sondern er soll Johannes heißen!

Elisabet, die Mutige

Als Elisabets Sohn am achten Tag beschnitten werden und einen Namen erhalten sollte, bewies sie gehörigen Mut. Denn alle Anwesenden meinten, der Junge bekäme einen traditionellen Namen. Eine Ungeheuerlichkeit eigentlich, dass sie sich den Verwandten widersetzte.

Aber Elisabet tat dies aus Gehorsam, aus Gehorsam Gott gegenüber. Denn sie wusste, dieser Name ist Gottes Programm. Johannes bedeutet nämlich „Gott ist gnädig“. Seine Gnade hatte Gott Elisabet und Zacharias schon erwiesen, denn er hatte ihnen mit Johannes im hohen Alter noch ein Kind geschenkt.

Es stellt sich uns die Frage, ob wir auch so mutig sind wie Elisabet damals. Trauen wir uns, in der heutigen säkularisierten Gesellschaft standhaft zu unserem Glauben zu stehen? Bleibt uns zu wünschen, dass wir im entscheidenden Augenblick auch so mutig sind und Gott gehorchen – notfalls auch, wenn wir allein gegen alle stehen, oder auch gegen das, was aktuell Gewohnheit ist oder Tradition.

Frage: Wo in meinem Leben wird heute mein Mut gefordert, um Glauben und Überzeugung zu leben, auch wenn es gegen den Strom geht?

Vers 61-62 Kein Verwandter dieses Namens

Lk 1,61: Und sie sagten zu ihr: Es ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der diesen Namen trägt!

Allein Gottes Willen folgen

In diesem Evangelium weisen Elisabeth und Zacharias die Erwartungen ihrer Nachbarn zurück, um Gottes Plan zu folgen. Und besonders ihr Sohn, Johannes der Täufer, pflegte dann einen Lebensstil, der bei den meisten nur Unverständnis und Ablehnung hervorrief.

Wir haben Angst davor, uns radikal der Liebe des Blickes Gottes zu unterstellen, weil man damit das Risiko eingeht, nicht verstanden und als komisch betrachtet zu werden. Doch letztlich liegt nur im Blick Gottes auf mich Heilung und Freiheit.

Dort finden wir jene Erfüllung und Heimat, die uns das Wohlwollen der anderen niemals geben kann. Wir können nicht unter Gottes wohlwollendem Blick leben, ohne auf den wohlwollenden Blick der Menschen auch einmal verzichten zu müssen.

Wir müssen uns immer wieder entscheiden, ob wir unsere Aufmerksamkeit auf Gott oder auf die Erwartungen unserer Mitmenschen richten wollen. Denn unter Gottes Blick zu leben, heißt auch immer wieder, die Suche nach Anerkennung anderer aufzugeben.

Nils Schäfer

Frage: Welche Erwartungen von anderen könnte ich heute loslassen, um mehr unter dem liebevollen Blick Gottes zu leben?

Lk 1,62: Sie winkten aber seinem Vater, wie er ihn genannt haben wolle.

Vers 63 Johannes ist sein Name

Lk 1,63: Und er forderte ein Täfelchen und schrieb die Worte: Johannes ist sein Name! Und sie verwunderten sich alle.

Gott schenkt uns den Namen

Zacharias wird in der im Evangelium beschriebenen Szene von seinen Verwandten dazu angehalten, seinem Sohn einen in der Verwandtschaft vorhandenen Namen zu geben. Elisabet und Zacharias entscheiden sich allerdings für den Namen, den Gott dem Kind schenken will.

Der Name beschreibt in der biblischen Sprache die Identität der Person. Gott ist in dieser Szene derjenige, der Johannes seinen Namen, seine Identität gibt.

Frage: Lasse ich es in meinem Leben zu, dass Jesus mir meinen Namen schenkt?

Andacht von Johannes Paul II

Zacharias bestätigt vor den erstaunten Verwandten den Namen des Sohnes, indem er ihn auf ein Täfelchen schreibt.

Gott selbst hatte durch seinen Engel diesen Namen kundgetan, der auf Hebräisch bedeutet: Gott ist gnädig.

Gott ist dem Menschen gnädig: Er will sein Leben, sein Heil.
Gott ist seinem Volk gnädig: Er will es zum Segen für alle Nationen der Erde werden lassen.
Gott ist der Menschheit gnädig: Er leitet ihren Weg in das Land, in dem Frieden und Gerechtigkeit herrschen.

All dies ist in jenem Namen enthalten: Johannes!

Frage: Spüre ich die gnädige Führung Gottes in meinem eigenen Lebensweg?

Vers 64 Mund sofort geöffnet

Lk 1,64: Sofort aber wurde sein Mund geöffnet, und seine Zunge wurde gelöst, und er redete und lobte Gott.

Gott spricht

Die prophetische Stimme des Herrn hatte 400 Jahre lang geschwiegen. Nun sprach Gott durch Gabriel ( Lukas 1:13 , 1:28 ), durch Elisabeth ( Lukas 1:41-42 ), durch Maria ( Lukas 1:46-55 ) und jetzt durch Zacharias. Als Gott wieder sprach, war alles mit dem Thema Jesus und Seinem Werk verbunden.

Das Geschenk der Stimme

Als Zacharias seine Zunge wieder benutzen kann, ist das Erste, was er tut, Gott zu loben und zu preisen.

Wir alle haben das Geschenk, unseren Mund und unsere Stimme zum Lobpreis erheben zu können. So oft ist das, was unseren Mund verlässt, allerdings genau das Gegenteil von Lobpreis.

Besinnen wir uns wieder darauf, dass uns unsere Stimme geschenkt wurde, um Gutes zu verbreiten und Gott zu loben, und setzen wir sie lieber für ihren eigentlichen Zweck ein.

Frage: Wie kann ich meine Worte heute bewusst einsetzen, um Gutes zu tun und Gott zu ehren?

Lobpreis als Antwort

Zacharias zeigt uns die beste Antwort auf die Geschenke Gottes: Lobpreis, also das in Worte und Gesang Fassen, warum Gott großartig ist – nicht einfach als Dank für seine Geschenke und schon gar nicht verbunden mit der Bitte um mehr.

Das ist ein guter Grund, warum die Kirche täglich in den Laudes den Lobpreis des Zacharias betet, beginnend mit "Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels!" So kann auch unser eigenes Gebet beginnen, vielleicht übersetzt in eine modernere Sprache: "Du bist großartig Gott, weil …"

So ein Gebet ist eine gute Übung, um Gott an die erste Stelle zu setzen, und nicht meine eigenen – gestillten oder ungestillten – Bedürfnisse.

Frage: Wie könnte es mein Leben verändern, wenn ich meinen Tag bewusst mit Lobpreis beginne und nicht mit meinen Wünschen?

Vers 65 Furcht und Gerede

Lk 1,65: Und es kam Furcht über alle ihre Nachbarn, und im ganzen Bergland von Judäa wurden alle diese Dinge besprochen.

Und es kam Furcht

Die „Furcht“ (griech. phobos) bedeutet hier nicht nur Angst, sondern auch ehrfürchtiges Staunen über Gottes mächtiges Handeln. Die Menschen erkennen, dass etwas Außergewöhnliches geschieht, was sich in ihrem ganzen Umfeld herumspricht.

Die Reaktion zeigt, dass Gottes Eingreifen nicht verborgen bleibt. Seine Wunder verbreiten sich und rufen Ehrfurcht hervor

Vers 66 Hand des Herrn mit ihm

Lk 1,66: Und alle, die es hörten, nahmen es sich zu Herzen und sprachen: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Und die Hand des Herrn war mit ihm.

Freudiges Staunen

Das ganze Ereignis der Geburt Johannes des Täufers ist umgeben von einem freudigen Staunen, von Überraschung und Dankbarkeit. Staunen, Überraschung, Dankbarkeit.

Die Menschen werden von einer heiligen Gottesfurcht ergriffen, „und man sprach von all diesen Dingen im ganzen Bergland von Judäa“ (V. 65). Brüder und Schwestern, das gläubige Volk erahnt, dass etwas Großes geschehen ist, selbst wenn es demütig und verborgen ist, und es fragt: „Was wird wohl aus diesem Kind werden?“ (V. 66).

Das gläubige Gottesvolk vermag den Glauben mit Freude, Staunen, Überraschung und Dankbarkeit zu leben. Und während wir den Blick darauf richten, wollen wir uns fragen: Wie ist mein Glaube? Empfinde ich Staunen, wenn ich die Werke des Herrn sehe, wenn ich von der Evangelisierung oder vom Leben eines Heiligen sprechen höre, oder wenn ich so viele gute Leute sehe: Spüre ich die Gnade in meinem Innern oder bewegt sich nichts in meinem Herzen?

Frage: Erkenne ich in meinem Alltag die Momente, in denen Gott mich mit Staunen, Freude und Dankbarkeit berührt?