Joh 17, 6-19:
Auslegung und Andacht
Jesus betet für seine Jünger
Inhaltsverzeichnis
Joh 17, 6 Offenbarung des Namens
Joh 17,6: Ich habe deinen Namen den Menschen offenbar gemacht, die du mir aus der Welt gegeben hast; sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.
Gottes Namen offenbart
In der Geschichte des Gottesvolks offenbarte sich Gott nach und nach. Wenn man die Heilige Schrift liest, entdeckt man immer mehr Eigenschaften, Aspekte und Bezeichnungen von Gott.
Gott offenbarte Mose seinen geheimnisvollen Namen, und in Jesus, dem neuen Mose, offenbart sich Gott vollständig.
Gott ist Vater, Gott ist Sohn, und Gott ist Heiliger Geist. Wir haben die Offenbarung des göttlichen Namens empfangen und sind aufgerufen, ihn zu hüten und in unserem Leben anzubeten und zu verehren.
Br. Luis Trujillo Alcalá LC
Frage: Welche Wege findest du in deinem Alltag, um die Gegenwart Gottes bewusst wahrzunehmen und zu ehren?
In Christus geht Gott auf die Menschen zu
Gott hatte dem Mose am brennenden Dornbusch seinen Namen offenbart. Dieser Name war mehr als ein Wort: sein Name bedeutete seine Gegenwärtigkeit. Er bedeutete, dass Gott sich anrufen ließ.
Jesus vollendet das, was am brennenden Dornbusch begonnen hat. In Jesus ist Gott Mensch geworden und so in unser Sein selbst eingetreten. In ihm ist Gott ein Gott mit uns.
Jesu verkündet auch weiter bis in unser Heute Gottes Namen (vgl. Joh 17:26). Die Selbstgabe Gottes in Christus ist nicht Vergangenheit. Immerfort geht Gott in Christus auf die Menschen zu, damit sie auf ihn zugehen können.
Durch die Begegnung mit Christus geht Gott auf uns zu, zieht uns in sich hinein, um uns gleichsam über uns selbst hinauszuführen in die unendliche Weite seiner Größe und seiner Liebe.
Frage: In welchen Momenten spüre ich, dass Gott mich in meinem eigenen Leben berührt und in die Weite seiner Liebe hineinführt?
Was ist das für ein Name?
Welchen Namen Gottes hatte Jesus denn noch zu offenbaren? Die Israeliten kannten und verehrten Jahwe doch schon!?
Es ist der Name Gottes als Vater, der das ganz Neue beschreibt, das Jesus bringt. Jesus wiederum hat das, was er den Jüngern gibt, nicht aus sich, sondern vom Vater.
Und wichtig ist, dass die Jünger diese Botschaft aktiv annehmen – sie wird ihnen nicht übergestülpt, wie man heute sagen würde!
Namen sind nämlich nicht "Schall und Rauch", wie Goethe den Faust sagen lässt, sondern eine Beschreibung des innersten Wesens einer Person.
Und Jesus ist nicht irgendein Mensch, der andere seine Gedanken über Gott lehrt (die genauso gut falsch sein könnten), sondern Gottes Sohn selbst und damit DER Gottesoffenbarer schlechthin.
Beate Scheilen
Frage: In welchem Bereich deines Lebens könntest du Gottes Nähe und Vaterliebe neu entdecken, wenn du ihn wie Jesus offenbaren würdest?
Der unaussprechliche Name Gottes
Der so heilig ist, dass das Volk Israel bis heute nicht wagt, ihn in den Mund zu nehmen, um bloß nicht den göttlichen Namen zu verunehren. Und doch möchte der Herr, dass wir seinen Namen kennen, und er sehnt sich danach, dass wir ihn mit Ehrfurcht und Liebe aussprechen: Jahwe – ich bin der "Ich-bin-da".
In seinem Sohn hat er uns noch eine andere Facette seines Namens offenbart: Jesus – Jeshua – Retter. Gott ist sein Name. Er ist derjenige, der immer da ist; immer für uns da ist. Und er hat seinen Sohn gesandt, um Retter für uns zu sein. Und der Sohn wünscht nichts mehr, als diesen Auftrag zu erfüllen.
Johanna von Siemens
Frage: Wie kann ich die Gegenwart Gottes in meinem Alltag bewusster wahrnehmen und sein Wirken annehmen?
Der Name Gottes
Jesus spricht davon, dass er seinen Jüngern, also auch uns, den Namen seines Vaters offenbart hat und sie in diesem Namen bewahren will. Was soll das bedeuten?
Um das zu verstehen, muss man wissen, dass ein "Name" im Umfeld Jesu weit mehr bedeutet hat, als das heute der Fall ist. Der Name war nicht nur ein Unterscheidungsmerkmal für das Geburtsregister, der Name offenbarte das Wesen eines Menschen.
Deshalb werden in der Bibel die Namen gewisser Personen von Gott auch häufig verändert – wie zum Beispiel beim Apostel Petrus: Aus Simon – „Gott hat erhört“ – wird Kephas, also Petrus, der Fels, das Fundament, auf dem Jesus seine Kirche erbauen will.
Und welchen Namen hat Jesus uns für Gott offenbart? „Vater“! Wenn man Jesu Mission auf Erden in einem Wort zusammenfassen müsste, könnte man es mit dem Wort „Vater“ tun, denn Jesus, der Sohn, offenbart uns den Vater.
Maria Boeselager
Frage: Wie offenbart sich für dich persönlich die Beziehung zu Gott als Vater in deinem Alltag und deinem Inneren?
Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben
Was meint Jesus damit? Jemandem gehören kann nur derjenige, der in eine Liebesbeziehung eingetreten ist. Zum Beispiel im Ehesakrament verspricht man sich, bis ans Lebensende einander ganz und gar zu gehören. Die Ehefrau gehört ausschließlich ihrem Ehemann und umgekehrt.
So ist es auch zwischen mir und Gott. Gott liebt mich und hat mich in dieser Liebe erschaffen. Auf ewig wollte er mich daran teilhaben lassen. Er wollte, dass ich mich ihm übergebe – in aller Freiheit, die er den Menschen von Anfang an gegeben hat.
Leider kam aber die Sünde in die Welt und brach mit diesem Angebot. Durch Christi Erlösungsakt wird diese Liebesbeziehung erneuert. Jesus übernimmt die Verantwortung für unseren Zustand. Er heiligt uns durch sein Blut und nimmt uns wieder hinein in die vollkommene göttliche Liebe.
Durch die Taufe bin ich hineingenommen in die göttliche Liebe. Sie lebt in meinem Herzen. Ich gehöre wieder Gott.
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich die Einladung, mich Gott ganz hinzugeben, und wie offen bin ich dafür?
Joh 17, 7 Alles kommt von Gott
Joh 17,7: Nun erkennen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt.
Alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt.
In diesem Vers spricht Jesus in seinem hohenpriesterlichen Gebet zu Gott, dem Vater. Er betont, dass seine Jünger nun verstanden haben, dass alles, was er besitzt – seine Worte, seine Autorität und seine Mission – direkt von Gott kommt. Dies zeigt die enge Einheit zwischen Vater und Sohn.
Die Jünger haben durch Jesu Lehren und Wunder erkannt, dass er nicht aus eigenem Antrieb handelt, sondern gesandt wurde. Ihr Glaube wächst, weil sie verstehen, dass Jesus der Offenbarer Gottes ist.
Diese Erkenntnis bildet die Grundlage für ihren weiteren Dienst und ihre Beziehung zu Gott. Jesu Gebet verdeutlicht seine Fürsorge für die Jünger und ihre geistliche Reife.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die Einheit mit Gott stärker erkennen und leben?
Joh 17, 8 Annahme der Worte
Joh 17,8: Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und haben wahrhaft erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und glauben, dass du mich gesandt hast.
Joh 17, 9 Bitte für die Meinen
Joh 17,9: Ich bitte für sie; nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, welche du mir gegeben hast, weil sie dein sind.
Fürsprache für die Jünger
Jesus als bittender Hohepriester:
Das 17. Kapitel des Johannesevangeliums ist so wichtig und zentral, wenn wir das Geschehen der Karwoche tiefer begreifen wollen. Jesu Gebet zeigt ihn hier als den neuen und ewigen Hohepriester des Versöhnungstages. Er bringt dieses so wichtige jüdische jährliche Versöhungsfest zur endgültigen Vollendung.
Wie der Hohepriester damals die ganze Gemeinde Israels durch Opfer entsühnt (vgl. Lev 16), so betet Jesus jetzt und immer für alle, die durch sein Wort künftig an ihn glauben werden. Sein Kreuz und seine Erhöhung ist der Versöhnungstag, in dem er selbst alle Schuld auf sich lädt.
Das Hohepriesterliche Gebet Jesu ist Vollzug des Versöhnungstages, das gleichsam für immer zugängliche Versöhnungsfest Gottes mit den Menschen. Wenn er nicht für die Welt betet, liegt das nicht daran, dass er sich nicht um die Welt gekümmert hat; er ist in der Tat der Retter der Welt (Joh 4:42; vgl. 3:17; 12:47).
Aber die Rettung der Welt hängt vom Zeugnis derer ab, die ihm der Vater aus der Welt gegeben hat (siehe Verse 21, 23), und sie sind es, die an dieser Kreuzung seine Fürsprache brauchen.
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich die Fürsprache Jesu heute besonders spüren oder darauf vertrauen?
Joh 17, 10 Alles Meinige ist Dein
Joh 17,10: Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verherrlicht.
Die Ehre eines Kindes Gottes
Wie oft haben wir das Gefühl, uns unsere Ehre selbst erkämpfen zu müssen. Wie oft haben wir das Gefühl, im Leben zu kurz zu kommen.
Aber wie kann das sein, wenn wir doch genau wie Jesus geliebte Kinder Gottes sind?
Gott Vater sehnt sich danach, dich zu ehren und mit seiner Liebe zu einem strahlenden Heiligen zu formen. Er will dir alles, vor allem sich selber, schenken.
Er steht mit offenen Armen vor dir und sagt: "Alles, was mein ist, ist dein!"
So oft versuchen wir, uns selber zu nehmen, was nur er uns schenken kann. Wir jagen der Anerkennung durch andere nach, obwohl nur seine Liebe uns jemals genügen kann. Wir wollen gesehen werden und vergessen, dass sein liebender, heilender Blick immer auf uns ruht.
Maria Boeselager
Frage: Wann öffnest du dich wirklich der Liebe Gottes, anstatt sie von außen zu suchen?
Joh 17, 11 Bitte um Bewahrung
Joh 17,11: Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, gleich wie wir!
Bewahre sie in deinem Namen
Wenn Jesus Gott also darum bittet, uns in diesem Namen zu bewahren, bittet er darum, dass wir in dieser Vaterschaft ruhen, sie für uns annehmen können.
Jesus kennt uns und unsere menschliche Natur, er weiß, dass wir die Liebe des Vaters brauchen, die alle menschliche Liebe übersteigt. Er weiß, dass wir keine Frucht bringen können, wenn wir uns nicht als geliebtes Kind Gottes wahrnehmen.
In Gottes Namen bewahrt zu sein, bedeutet, sich ganz und gar, bedingungslos und vor jeder Leistung geliebt zu wissen.
Weil Jesus ganz und gar in der Liebe seines Vaters ruhte, musste er sich auf Erden nie verteidigen, nie beweisen, nie verstecken.
Maria Boeselager
Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich mich wirklich als geliebtes Kind Gottes fühlen und diese Ruhe annehmen?
Die du mir gegeben hast
Geschaffen für Jesus
Jesus spricht in diesem Evangelium darüber, dass seine geliebten Jünger ihm vom Vater gegeben sind. Auch dich hat der Vater ganz Jesus anvertraut.
Alles, was er geschaffen hat, will Gott Vater zu Christus führen. Von Ewigkeit her hat er dich so geschaffen, dass Christus in dir und du in Christus leben kannst.
Gott Vater liebt es, wenn du dich ganz in die Arme Christi fallen lässt, wenn du dein Leben ganz auf Christus baust und von ihm verwandeln lässt. Das ist die Berufung jedes Menschen!
Alles andere, jede Entscheidung, die wir in unserem Leben fällen, ist "nur" ein Mittel, um zu diesem Ziel zu gelangen: In Christus, wie Christus frei zu werden für die Liebe und Ehre Gottes, des Vaters.
Maria Boeselager
Frage: Welche Bereiche deines Lebens könntest du heute bewusst Christus anvertrauen, um noch freier in seiner Liebe zu leben?
Damit sie eins sind wie wir
Was Jesus da kurz vor seinem Leiden und Sterben von uns verlangt, scheint unmöglich zu sein: Untereinander eins zu sein, wie er und der Vater eins sind.
Aber Vater und Sohn sind doch wirklich eines Wesens, wie sollen wir das denn schaffen?
Was Vater und Sohn eint, ist die Liebe. Nur in dieser Liebe, die der Vater uns schenkt, können wir geschwisterliche Einheit schaffen. Nur in dieser Liebe können wir unser Gegenüber lieben, weil wir wissen, dass diese Person vom himmlischen Vater genauso bedingungslos geliebt ist wie wir.
Je mehr wir selbst in diese Liebe des Vaters eintauchen, je mehr wir selbst unsere Identität als geliebtes Kind Gottes begreifen, können wir auch unsere Geschwister als Gotteskinder erkennen.
Maria Boeselager
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag die Liebe Gottes so wahrnehmen, dass sie mein Handeln gegenüber anderen tief verändert?
Damit sie eins seien
Einssein mit den Geschwistern:
Die Kirche ist die Gemeinschaft der Jünger Jesus. Die Einheit empfängt sie durch ihren gemeinsamen Glauben an Jesus Christus. Wie wichtig ist es heute, bei den vielen Teilkirchen, diese Einheit im Glauben an Christus neu zu erkennen.
Einssein mit Christus:
Dieses durchseelt unseren Alltag, ist alles andere als ein seelisches Wohlfühlprogramm. Das Einssein mit Christus setzt Verzicht voraus. Es schließt ein, dass wir nicht unseren Weg und unseren Willen durchsetzen wollen. Nicht dies oder jenes werden möchten, sondern uns ihm überlassen, wo und wie er uns brauchen will.
Dieses große Ja muss in vielen kleinen Ja's und in kleinen Verzichten Tag für Tag eingelöst werden, so dass wir sagen können: Nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.
Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du Christus heute mehr Raum geben, um wirklich durch dich zu wirken?
Zur Einheit
Die Einheit, für die Jesus unter seinem Volk gebetet hat, hat ein Muster. Auch wenn der Vater und der Sohn eins, aber nicht gleich sind, erwarten wir nicht, dass echte christliche Einheit Einheitlichkeit oder Einheit der Struktur bedeutet. Es wird Einheit des Geistes, Einheit des Herzens, Einheit des Ziels und Einheit des Schicksals bedeuten.
Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben eine tiefere Einheit von Geist, Herz und Ziel erleben, ohne dass alles äußerlich gleich oder gleichförmig sein muss?
Joh 17,11: Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.
Jesus Gebet für uns
Jesus weiß, dass wir in der Welt sind. Er weiß, dass wir mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert sind. Genau deshalb betet er für uns, damit wir die Kraft haben, ihm Raum zu geben. Der Herr ist im Begriff, uns den Heiligen Geist zu senden, aber wir müssen uns leer machen. Wir müssen uns von all dem befreien, was uns nicht glücklich macht – von allem, was nicht er in uns ist. Nur wenn wir uns leeren, wird es Jesus gelingen, uns mit dem Heiligen Geist zu erfüllen.
Nicht mehr in der Welt Jesus
Jesus betete dieses ganze Gebet im Hinblick auf seinen baldigen Abgang. Er erkannte, dass er nicht länger in der Welt bleiben würde, aber seine Jünger würden es tun. Sie brauchten daher besonderes Gebet.
Sie brauchten Gebet, weil die einzigartigen drei Jahre der Jüngerschaft während Seines irdischen Wirkens vorüber sein würden. Sie brauchten Gebet wegen der Umstände des Weggangs Jesu: Sein Verrat, seine Verhaftung, sein Prozess, seine Schläge, seine Kreuzigung, seine Auferstehung und sein Aufstieg.
Sie brauchten Gebet, weil Jesus nicht in Seiner leiblichen Gegenwart da sein würde, um ihnen zu helfen. Sie brauchten Gebet wegen der notwendigen Rolle des Heiligen Geistes; sowohl für die Sendung des Geistes als auch für ihr ständiges Vertrauen auf Ihn.
Sie müssen als Jünger Jesu erhalten bleiben. Das war nicht offensichtlich; in der damaligen jüdischen Welt blieb niemand ein Schüler eines toten Rabbiners. Doch diese Jünger sollten fortbestehen, als Jünger Jesu gehalten werden.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben im Vertrauen auf Gott bleiben, auch wenn ich Seine Gegenwart nicht physisch spüre?
In-der-Welt-sein der Jünger
Wir sind auf dieser Welt und haben hier eine Aufgabe: eine Berufung, am Reich Gottes mitzuarbeiten.
Die Berufungsgeschichten von Moses, David, Petrus oder Paulus lassen mich erkennen, dass auch Gott mit mir einen Plan hat. Das erfüllt mich mit Freude und Staunen.
Jeder Mensch hat seinen ganz individuellen Ruf von Gott. Daneben gibt es allgemeine Berufungen, zu denen jeder Christ berufen ist.
Frage: Wie spüre ich meinen persönlichen Ruf und welche Schritte kann ich gehen, um ihm bewusst zu folgen?
Nicht mehr von der Welt
Wer mit Jesus verbunden ist, ist nicht mehr von der Welt. Leider aber noch in der Welt – vorerst. Wie soll man sich da verhalten?
Die Welt übt einen Sog aus, der von Gott wegzieht, das merken auch sehr gläubige Menschen deutlich. Jedoch wird der Vater alle, die dies möchten, in seinem Namen bewahren – nicht vor Not und Verfolgung, aber in seinem Segen, trotz der Umstände.
Unmöglich, dass Jesus den Vater darum bittet, dass die Jünger aus der Welt entfliehen dürfen – denn dann würde die Frohe Botschaft nicht zu den Menschen gelangen!
N.B.: Auch ein Leben in klösterlicher Klausur soll sein und ist keine Flucht vor der Welt, sondern ein Dasein im Gebet für die Welt.
Flucht vor der Welt finden wir übrigens auch in exzessiv betriebenen Hobbies und anderen Varianten des Kreisens um die eigenen Interessen.
Beate Scheilen
Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich, dass ich mehr für die Welt beten und wirken könnte, anstatt mich vor ihr zurückzuziehen?
Joh 17, 12 Schutz der Jünger
Joh 17,12: Als ich bei ihnen in der Welt war, bewahrte ich sie in deinem Namen; die du mir gegeben hast, habe ich behütet, und keiner von ihnen ist verlorengegangen als nur der Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt würde.
Jesus bewahrt
Jesus dachte zurück an seine drei Jahre Dienst mit und an der apostolischen Bande. Während dieser Zeit beschützte und leitete er sie; er hat sie behalten. Dieses Bewahrungswerk tat Jesus im Namen seines Vaters, mit seiner Autorität und Macht und gemäß seinem Willen.
Damit sich die Schrift erfüllt: Die Schriftstellen, die durch den Verrat von Judas erfüllt wurden, waren insbesondere Ps 41:9 und Ps 109:8, besonders erwähnt in Apg 1:20.
Frage: Wie bewahrst du die Menschen um dich herum auf liebevolle Weise und spürst gleichzeitig die Führung Gottes in deinem Leben?
Joh 17, 13 Volle Freude
Joh 17,13: Nun aber komme ich zu dir und rede dies in der Welt, damit sie meine Freude völlig in sich haben.
Joh 17,13: Aber jetzt komme ich zu dir und rede dies noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.
Aber jetzt gehe ich zu dir
Auch für Jesus ist es schwer, sich von seinen Jüngern und von dieser Welt zu verabschieden. Er wird die Menschen in der Welt natürlich nie im Stich lassen, aber seine Gegenwart wird eine andere sein.
Eine verborgenere, durch seine Anwesenheit in den Sakramenten, durch die Worte der Heiligen Schrift, durch die leise Stimme des Gewissens, durch seine liebende Vorsehung, durch sein Wirken in den Menschen, die sich ihm ganz hingeben.
Doch Jesus ist auch gleichzeitig ganz Mensch, und so zeigt er seine Sorge um die Zukunft und das Schicksal seiner Jünger.
Frage: Wie kannst du die stille Gegenwart und Führung Jesu in deinem eigenen Leben wahrnehmen und darauf vertrauen?
Freude in Fülle
Die Freude des Jesus
Seine Freude wurzelte in der ununterbrochenen Gemeinschaft mit Gott, seinem Vater. Sie war die Frucht wahren Glaubens und tiefen Vertrauens auf Ihn. Seine Freude entstand durch den Anblick der großen Dinge, die Gott vollbracht hatte.
Diese Freude wurde niemals durch seine eigene Sünde getrübt. Sie wurde nicht durch Täuschung gemindert und auch nicht dadurch, dass er dem Teufel auch nur den kleinsten Halt gewährte.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich die Freude spüren, die aus einer tiefen Verbindung zu Gott entsteht?
Bitte um Freude
Wenn Jesus so sehr um Freude unter seinen Jüngern besorgt war, dass er dafür betete, können wir wissen, dass es ihm auch darum geht, dass wir Freude haben.
Gottes Absicht ist es, die Freude in unserem Leben zu vervielfachen, nicht sie zu verringern.
Die Welt, das Fleisch und der Teufel würden uns etwas anderes sagen, aber Gott möchte, dass Freude in unserem Leben erfüllt wird.
Frage: Wie kann ich heute bewusst einen Raum für die Freude Gottes in meinem Leben öffnen?
Was ist diese Freude, von der Jesus spricht?
Eine Antwort könnte die vollkommene Gemeinschaft der Liebe mit seinem Vater und dem Heiligen Geist sein.
In Jesu irdischem Leben kommen aller Trost, aller Friede und alle Freude ursprungshaft aus dieser Gemeinschaft der Liebe, die göttlich ist. Jesus spricht diese Worte, damit wir verstehen, wo wir die Antwort auf unsere tiefsten Sehnsüchte finden.
Wir sind in der Welt, der Welt mit all ihren Schwierigkeiten, ihrem Bösen und ihrem Schmerz. Ist es möglich, in dieser Welt mit Freude zu leben? Jesus spricht aber nicht nur von Freude, sondern sogar von Freude in Fülle.
Er möchte, dass wir mit ihm vereint sind, in der Fülle der Freude leben, die Welt überwinden und für immer bei ihm bleiben, was im Himmel seine ganze Erfüllung findet.
Br. Luis Trujillo Alcalá LC
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag die göttliche Gemeinschaft der Liebe bewusst erleben und ihre Freude in meinem Leben spüren?
Joh 17, 14 Hass der Welt
Joh 17,14: Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hasst sie; denn sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin.
Ich habe ihnen Dein Wort gegeben
Jesus hat uns das Wort des Vaters gegeben. Sieh, wie der Herr Jesus selbst all seine Lehren vom Vater nimmt. Niemals hört man von ihm die Prahlerei, der Urheber tiefgründiger Gedanken zu sein.
Nein, er wiederholte seinen Jüngern nur die Worte, die er vom Vater erhalten hatte: Ich habe ihnen die Worte gegeben, die du mir gegeben hast.
Wenn Jesus so gehandelt hat, wie viel mehr müssen die Boten Gottes das Wort aus dem Mund des Herrn empfangen und es so aussprechen, wie sie es empfangen! Nicht nur die mündliche Lehre, sondern die ganze Offenbarung des Vaters, wie sie sich in den Worten und Taten und der Persönlichkeit von Jesus Christus manifestiert.
Frage: Wie offen bist du dafür, das Wort Gottes so zu empfangen und weiterzugeben, ohne es nach deinem eigenen Verständnis zu formen?
Und die Welt hat sie gehasst
So wie Jesus selbst auf dieser Welt verfolgt worden ist, so werden auch diejenigen verfolgt, die an seinem Wort festhalten, denn sie sind nicht von dieser Welt.
Wer wirklich die Seligpreisungen lebt – in Armut, Güte, Reinheit, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit – hält der Welt gewissermaßen einen Spiegel vor, der die eigenen Absichten zu Tage treten lässt. Und das können die Menschen nicht ertragen, wenn sie nur auf ihren eigenen Gewinn schauen, und damit letztendlich leer und zutiefst unbefriedigt bleiben.
Johanna von Siemens
Frage: In welchen Bereichen deines Lebens spürst du, dass du der Welt einen Spiegel vorhältst, und wie gehst du damit um?
Joh 17, 15 Bewahrung vor dem Bösen
Joh 17,15: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.
Bitte um Bewahrung
Wir sind nicht von der Welt genommen: Wenn wir von der Welt genommen würden, wäre die Welt in völliger Finsternis und würde zugrunde gehen. Jesus sagte: Ihr seid das Licht der Welt.
Wenn wir von der Welt genommen würden, hätte die Welt uns nicht als Zeugen, um ihnen ein Mittel zur Errettung zu sein. Gewinnen Sie also andere für Jesus.
Wenn wir von der Welt genommen würden, würde uns die Gelegenheit verweigert, Jesus an demselben Ort zu dienen, an dem wir gegen ihn gesündigt haben. Also, diene Jesus.
Wenn wir von der Welt genommen würden, könnten wir nicht die Macht der Gnade Gottes zeigen, uns inmitten von Schwierigkeiten zu bewahren. Jesus wollte unbedingt, dass wir in der Welt sind, aber er wollte nicht, dass wir böse oder vom Bösen gezeichnet sind. Jesus betete nicht, dass wir aus der Schlacht genommen würden, sondern dass wir darin gestärkt und beschützt würden.
Frage: Wie kann ich heute das Licht Jesu in meinem direkten Umfeld sichtbar machen und andere in ihrer spirituellen Reise begleiten?
Dass du sie bewahrst vor dem Bösen
Jesus weiß, wie herausfordernd unser Alltag ist. Zwischen Stress, Versuchung und Zerbruch leben wir mittendrin, nicht außerhalb dieser Welt.
Und doch spricht Jesus ein Gebet über uns: Nicht Flucht, sondern Bewahrung. Er stellt uns nicht unter eine Glaskuppel, sondern mitten ins Leben – mit allem, was dazugehört.
Aber wir sind nicht allein. Jesus selbst bittet für uns. Er vertraut uns Gottes Schutz an. Das bedeutet: Wir dürfen mutig und ehrlich leben, auch wenn es schwer wird. Denn Gottes Kraft ist größer als das Böse, das uns begegnet.
Sein Gebet begleitet uns – heute, morgen und an jedem dunklen Tag.
Frage: Wie kann ich heute bewusst spüren, dass Gottes Schutz mich inmitten meines Alltags trägt?
Joh 17, 16 Nicht von der Welt
Joh 17,16: Sie gehören ebenso wenig zur Welt wie ich.
Wir gehören nicht zur Welt
Was meint Jesus damit? Biologisch gesehen sind wir natürlich von der Welt.
Aber in der Taufe wurden wir geheiligt, das heißt, seitdem gehören wir zu Gott. Wir sind sein Eigentum, Kinder der Familie Gottes.
Beständig sind unsere Augen nach oben zu ihm gerichtet, um ihn zu ehren. Ehren bedeutet von der Wortbedeutung her „Gewicht geben“. Wir geben Gott Gewicht in unserem Leben.
Durch diese liebevolle Vertrauensbeziehung gehören wir im innersten Wesenskern eben nicht mehr dieser Welt an, sondern Gottes Welt. Das verändert dein Denken und Handeln, sodass du zwar noch in der Welt lebst, aber ihr nicht gehörst.
Frage: Wie zeigt sich in deinem Alltag, dass du zu Gottes Welt gehörst und nicht nur zu dieser Welt?
Nicht zur Welt gehören
Auch wenn wir alle von uns sagen können, dass Gott an erster Stelle unseres Lebens steht, dass wir Bürger des Himmels (Chrysostomus) sind, stehen wir stets in der Gefahr des irdischen Denkens.
Wir machen uns zu viele Gedanken darüber, wie andere uns sehen. Oder wir entwickeln dunkel gefärbte Sichtweisen, die am anderen nur das sehen, was nicht gefällt, was nervt.
Oder wie starte ich am Morgen? Zuversichtlich, dankbar, dass ich lebe und Gott bei mir ist – oder genervt, verängstigt oder gelangweilt von dem, was mich heute erwartet?
Wir sind nicht von dieser Welt, unsere Heimat ist bei Gott. Und dennoch sind wir in die Welt gesandt, zu den Menschen. Dieses Nicht-von-der-Welt-sein und das Gesandt-sein-in-die-Welt birgt häufig eine spannungsvolle Ambivalenz.
Frage: Wie kann ich heute bewusst darauf achten, mehr aus meiner himmlischen Heimat zu leben, während ich gleichzeitig mitten im Alltag wirke?
Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin
Der Begriff der "Welt" hat in der Heiligen Schrift viele Bedeutungen. In diesem Kontext bezieht er sich auf alles Geschaffene, das Gott Widerstand leistet und von ihm getrennt ist.
Diese Welt meint Jesus, wenn er sagt, dass wir nicht von dieser Welt sind; denn genau von dieser Welt hat er uns erlöst, um uns in sein Reich zu bringen, das heißt, in die Welt, in der Christus herrscht!
Beide Welten existieren parallel nebeneinander, und es ist gar nicht so einfach, sie voneinander zu unterscheiden. Wir brauchen seine Gnade und seinen Heiligen Geist, um immer wieder Klarheit zu gewinnen und uns zu entscheiden, welcher Welt wir angehören möchten.
Lorli Pregel
Frage: Welche Anzeichen in meinem Leben deuten darauf hin, dass ich mehr in der Welt von Christus oder in der Welt des Widerstands lebe?
Joh 17, 17 Heiligung in der Wahrheit
Joh 17,17: Heilige sie in der Wahrheit.
Heilige sie
Heiligung bezeichnet hier die Übereignung des Menschen an Gott. Die Heiligung vollzieht sich in der Wahrheit. Diese Wahrheit ist Christus selbst. "Ich bin die Wahrheit." (Joh 14:6)
Heilige sie in der Wahrheit heißt dann zutiefst: Sei eins mit mir, dem Christus. Binde sie an mich. Ziehe sie hinein in mich. An uns vollzieht sich durch Christus in seiner Passion diese Übereignung in die Sphäre Gottes hinein, wo er am Kreuz alle zu sich ziehen wird.
Heiligung bedeutet, zu Gottes besonderem Wohlgefallen und Nutzen abgesondert zu werden. Es impliziert Heiligkeit, abgesondert von der Verdorbenheit der Welt und für Gottes Gebrauch.
Frage: Wie spüre ich in meinem eigenen Leben den Ruf zur Heiligung und die Einladung, mich Christus tiefer zu übergeben?
Geheiligt
Die Worte und Gebete Jesu beim letzten Abendmahl gehören gewissermaßen zu seinem Testament. Er betet zum Vater, dass seine Jünger geheiligt werden. Hier geht es nicht um ein schönes, frommes, aber im Grunde vielleicht hohles Tun, sondern um Heiligung in der Wahrheit.
Die Wahrheit unseres Lebens muss unbedingt Teil unserer Beziehung zu Gott sein! Das beginnt damit, dass ich im Gebet zuerst meine Stimmung wahrnehme, damit ich mich vor Gott nicht verstelle, sondern ganz ehrlich werde.
Es geht weiter mit der Frage: Bemühe ich mich ernsthaft darum, so zu leben wie ich glaube? Trachte ich danach, mich von allen ungeordneten Bindungen an irdische Dinge zu lösen? Denn in der Taufe bin ich ja geheiligt worden, also von Gott für sich und sein Reich erwählt!
Lebe ich meine Beziehung zum Herrn in dem nüchternen Bewusstsein, dass niemand Gott ohne Heiligung schauen kann?
Frage: Welche Bereiche meines Lebens brauchen heute echte Heiligung und ehrliche Begegnung mit Gott?
Joh 17, 18 Sendung in die Welt
Joh 17,18: Wie du mich in die Welt gesandt hast, so sende ich sie in die Welt.
Sendung in die Welt
Er lässt sie nicht nur in die Welt, sondern sendet sie hinein, um dieselbe Wahrheit Gottes zu bezeugen.
Das Wort ‚Mission‘ kommt vom lateinischen Verb mitto, mittere, misi, missum, was ‚senden‘ bedeutet. Eine Mission ist eine Aussendung.
Sie bleiben nicht nur darin, weil sie nichts anderes tun können; sie werden regelrecht als Agenten und Boten ihres Meisters dorthin gesandt.
Christus war der große Missionar, der Messias, der Gesandte; wir sind die kleinen Missionare, ausgesandt in die Welt, um den Willen und die Absicht des Vaters zu erfüllen.
Frage: Wie könnte ich selbst heute zu einem Boten der Wahrheit Gottes in meinem Umfeld werden?
Gottes Gesandter
Auch wenn du nicht mehr zur Welt gehörst, bedeutet das nicht, dass du ein weltabgewandtes Leben führen sollst, im Gegenteil: Jesus sendet dich eben in diese Welt.
Du bist Gottes Gesandter in dieser Welt, Gottes Botschafter, du hast eine Mission.
„Ich darf meinem Los, ein Gast und Fremdling auf dieser Erde sein zu müssen, nicht dadurch ausweichen, daß ich mein irdisches Leben in Gedanken an den Himmel verträume“ (Bonhoeffer).
Darum sind wir der Welt zugewandt, auch wenn wir ihr nicht gehören, handeln in ihr in und durch Christus, jedoch immer in Erinnerung dessen, dass alles Irdische nur etwas Vorläufiges ist und dass es gut ist, sein Herz auf die Ewigkeit hin auszurichten.
Frage: Wie kannst du heute in deinem Alltag Christus sichtbar werden lassen, ohne dein Herz von der Ewigkeit abzukoppeln?
Jesus sendet uns
Jesus hat für jeden Einzelnen von uns einen besonderen Auftrag.
Unser wahres Zuhause ist der Himmel, die Wahrheit in Fülle, das ewige Leben in Licht und Freude.
Hier in der Welt sind wir gerufen, ein Wegweiser dorthin zu sein, unseren Mitmenschen zu helfen, nicht im Materialismus unterzugehen, da er sie des wahren Sinnes ihres Lebens beraubt.
Nur wenn wir durch Gebet und Liebe mit Gott in Kontakt bleiben, so wie es Jesus getan hat, dann können wir auch wahre Zeugen dieser Wahrheit werden.
– Habe ich manchmal Angst vor der Welt?
Johanna von Siemens
Frage: Wie kann ich heute bewusst ein Licht für andere sein und meinen inneren Frieden in Verbindung mit Gott stärken?
Gespräch mit Christus
Herr, ich danke dir, dass du mich hineinnimmst in deinen missionarischen Auftrag. Du lässt mich teilhaben an der Freude, Menschen zu Gott zu führen, sei es durch mein Wort, durch meine Tat oder durch mein Gebet.
Aber du kannst umso stärker durch mich wirken, je mehr ich mit dir vereint bin und je mehr ich dich in mir leben lasse. Du musstest zwar die Welt ohne deine physische Gegenwart belassen, aber du möchtest in ihr durch mich gegenwärtig bleiben.
Durch mein Lächeln, durch mein gütiges Wort und durch meine helfende Hand, willst du heute all den Menschen begegnen, die meinen Weg kreuzen werden.
Johanna von Siemens
Frage: Wie kann ich heute in kleinen, achtsamen Momenten die Gegenwart Gottes in mir spüren und weitergeben?
Joh 17, 19 Selbstheiligung Jesu
Joh 17,19: Und ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in Wahrheit.
Jesus heiligt sich
Heiligen bedeutet hier, dass sich Jesus übereignet und aussondert als Opfer, das sich zur Sünde der Welt macht. Hier ist also von der Passion als Opfer die Rede. Aber seine Aussonderung schließt das Moment des Für ein. Jesus gehört ganz zu Gott und ist gerade deshalb ganz für alle da. Aussonderung und Sendung bilden ein Ganzes.
Wenn Jesus sagt: „Ich heilige mich“, so macht er sich damit zeitgleich zum Priester und zum Opfer. Jesus selbst ist der vom Vater in die Welt gesandte Priester und er selbst ist das Opfer, das in der Eucharistie aller Zeiten gegenwärtig wird. Ich heilige mich und ich opfere mich.
Dieses Wort, Jesus direkt aus seinem Herzen gesprochen, sollten wir immer wieder bedenken. Darin liegt das ganze Geheimnis unserer Erlösung.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben Momente der Hingabe und des Dienens entdecken, in denen ich ganz für andere da bin, ohne mich selbst zu verlieren?
Andacht von Benedikt XVI
Jesus sagt: Ich heilige mich für sie. Was bedeutet das? Ist Jesus nicht in sich der Heilige Gottes?
Um dies zu verstehen, müssen wir vor allem klären, was die Worte „heilig“ und „heiligen“ in der Bibel aussagen. Heilig – mit diesem Wort wird zunächst die Wesensart Gottes selbst umschrieben, seine ganz eigene, göttliche Weise des Seins, die nur ihm eigen ist. Er allein ist der wirklich und ursprünglich Heilige. Alle andere Heiligkeit leitet sich von ihm ab, ist Teilhabe an seiner Weise des Seins. Er ist das reine Licht, die Wahrheit und das Gute ohne Makel.
Etwas oder jemanden heiligen bedeutet daher, die Sache oder die Person Gott zuzueignen, sie aus dem Bereich des Unsrigen herauszunehmen und in seine Atmosphäre zu übertragen, sodass dieses nicht mehr zur Welt, zum Unsrigen gehört, sondern ganz Gottes ist. So ist Heiligung Weggabe aus der Welt und Übergabe an den lebendigen Gott. Die Sache oder die Person gehört nicht mehr uns, nicht mehr sich selbst, sondern sie wird in Gott eingetaucht.
Weggabe einer Sache an Gott nennen wir auch Opfer: Dies soll nun nicht mehr mir gehören, sondern ihm. Weggabe einer Person an Gott, Heiligung einer Person, ist im Alten Testament identisch mit Priesterweihe, und so wird zugleich definiert, worin Priestertum besteht: Übereignung aus der Welt heraus und Zueignung zu Gott.
Damit werden nun die zwei Richtungen deutlich, die zum Geschehen der Heiligung gehören. Es ist Heraustreten aus den Zusammenhängen des weltlichen Lebens – Aussonderung für Gott. Aber gerade so ist es nicht Absonderung. Übergabe an Gott bedeutet vielmehr Stellvertretung für die anderen. Der Priester wird aus den weltlichen Zusammenhängen weggegeben an Gott, und gerade so muss er für die anderen, für alle, von Gott her da sein.
Wenn Jesus sagt: „Ich heilige mich“, so macht er sich damit zum Priester und zum Opfer zugleich. Bultmann hat daher recht, wenn er das Wort „Ich heilige mich“ übersetzt: „Ich opfere mich“.
Verstehen wir nun, was geschieht, wenn Jesus sagt: „Ich heilige mich für sie“? Dies ist der priesterliche Akt, in dem Jesus – der mit dem Sohn Gottes geeinte Mensch Jesus – sich für uns dem Vater übergibt. Es ist Ausdruck dafür, dass er Priester und Opfer zugleich ist. Ich heilige mich – ich opfere mich: Dieses abgründige Wort, das uns zutiefst in das Herz Jesu Christi hineinschauen lässt, sollten wir immer wieder bedenken. Darin liegt das ganze Geheimnis unserer Erlösung.
Frage: Wie könnte ich mein eigenes Leben heute so öffnen, dass es zu einem kleinen Akt der Heiligung für andere wird?
Häufige Fragen zu Joh 17, 6-19
Was bedeutet Joh 17, 6-19?
Dieser Abschnitt bildet den zweiten Teil des Hohepriesterlichen Gebets, in dem Jesus intensiv für seine Jünger bittet. Das Geschehen zeigt die Fürbitte des Scheidenden für die Seinen, die zwar in der feindseligen Welt bleiben, aber vor dem Bösen bewahrt, in der Wahrheit geheiligt und zu deren Heilung in die Welt gesandt werden.
Wie beschreibt Jesus das Verhältnis der Jünger zum Vater und zum Sohn?
Jesus erklärt, dass er den Namen des Vaters den Menschen offenbart hat, die dieser ihm aus der Welt gegeben hat. Er betont, dass sie dem Vater gehörten, dieser sie ihm gegeben hat und sie das Wort des Vaters bewahrt sowie erkannt haben, dass alles, was der Sohn hat, vom Vater stammt.
Warum bittet Jesus in diesem Teil des Gebets ausdrücklich für die Jünger und nicht für die Welt?
Jesus stellt klar, dass er für die Jünger bittet, weil sie dem Vater gehören und er in ihnen verherrlicht ist. Da er nicht mehr in der Welt ist, die Jünger aber noch in der Welt stehen, ruft er den heiligen Vater an, sie in seinem Namen zu bewahren, damit sie eins seien wie Vater und Sohn.
Wovor bittet Jesus den Vater bezüglich der Jünger in der Welt zu schützen?
Jesus bittet nicht darum, dass der Vater die Jünger aus der Welt wegnimmt, sondern dass er sie vor dem Bösen (oder dem Bösewicht) bewahrt. Weil sie nicht von der Welt sind – so wie auch Jesus nicht von der Welt ist –, zieht ihr Stand in der Wahrheit den Hass der Welt auf sich.
Wie geschehen die Heiligung und die Sendung der Jünger für ihren künftigen Dienst?
Jesus bittet den Vater, die Jünger in der Wahrheit zu heiligen, und fügt hinzu, dass das Wort Gottes die Wahrheit ist. Wie der Vater ihn in die Welt gesandt hat, so sendet auch er die Jünger in die Welt und heiligt sich selbst für sie, damit auch sie in Wahrheit geheiligt seien.
Joh 17, 1-5 Jesus betet zum Vater
Joh 17, 20-26 Gebet für zukünftig Glaubende