Joh 17, 1-5:
Auslegung und Andacht
Jesus betet zum Vater

Joh 17, 1 Stunde der Verherrlichung

Joh 17,1: Dies redete Jesus und hob seine Augen zum Himmel empor und sprach.

Hohepriesterliches Gebet

Im 17. Kapitel des Johannesevangeliums ist uns das Hohepriesterliche Gebet überliefert, dass Jesu im Abendmahlsaal gesprochen hat. Dieses Gebet Jesu ist geprägt von Vertrautheit, Sanftmut und Liebe.

Es wird Hohepriesterliches Gebet genannt, weil Jesus sich in ihm in der Haltung des Priesters zeigt, der Fürsprache für die Seinen einlegt in dem Moment, in dem er sich anschickt, diese Welt zu verlassen.

Es geht um die Stunde seines Todes und die Stunde seiner Verherrlichung, die sich durch das Kreuz vollzieht. Die Stunde des Todes Jesu, die Stunde der äußersten Liebe, ist die Stunde seiner höchsten Herrlichkeit.

Frage: Wo erfahre ich in meinem eigenen Leben, dass Hingabe und Liebe zur wahren Herrlichkeit führen können?

Das Gebet für alle Zeiten

Die wichtigste Stunde Jesu hat für ihn geschlagen. Christus denkt nicht an sich selbst, während er das Martyrium erwartet. Sein Herz wendet sich seiner einzigen Liebe zu, dem Vater, für dessen Verherrlichung er jeden Schritt seines irdischen Seins getan hat.

Diese unüberwindbare Liebe für den Vater aber umfasst gleichzeitig all jene, die ihm der Vater anvertraut hat. Christus hinterlässt seinen Anhängern ein Vermächtnis, das zu allen Zeiten die mächtigste Quelle ihrer Zuversicht sein wird: sein priesterliches Gebet.

Damit lehrt uns Christus, wie wir beten sollen. Christus betet, dass der Vater dadurch verherrlicht werden solle, dass er, der Sohn, verherrlicht wird. Und was ist diese höchste Verherrlichung, in der das Leben des einzigen Sohnes Gottes seinen Höhepunkt finden wird? Die Antwort ist: seine Hingabe, sein blutiges Opfer am Kreuz.

Walter Schu

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben – gerade in Momenten der Hingabe oder des Leidens – zur Verherrlichung Gottes beitragen?

Die Bibel ist voll von großen Gebeten

Wir sind beeindruckt von Salomos Gebet (1 Kön 8), Abrahams Gebet (Gen 18) und Moses Gebet (Ex 32), aber dieses Gebet ist bei weitem das größte, das in der Bibel aufgezeichnet ist.

Die meisten von uns wissen, was es bedeutet, einen wahren Mann oder eine wahre Frau Gottes tief im Gebet zu hören; es hat etwas Heiliges und Ehrfurchtgebietendes.

Weit über all das hinaus war dieses Gebet, das Jesus zu seinem Gott und Vater betete, das einzige lange, kontinuierliche Gebet Jesu, das in den Evangelien aufgezeichnet ist. Die Sätze sind einfach, aber die Ideen sind tiefgründig, bewegend und bedeutungsvoll.

Es gibt keine Stimme, die jemals gehört wurde, weder im Himmel noch auf Erden, erhabener, heiliger, fruchtbarer, erhabener als das Gebet, das der Sohn zu Gott selbst dargebracht hat.

Frage: Wie berührt dich das Wissen, dass Jesus selbst in solcher Tiefe und Hingabe zu seinem Vater betete – und was bedeutet das für dein eigenes Beten?

Andacht von Spurgeon

Im heiligen Bericht nehmen die Fürbitten unseres Herrn jedoch viel mehr Platz ein, wenn er sich dem Ende seiner Arbeit nähert. Nach dem Abschlussmahl, nachdem sein öffentliches Predigtwerk beendet war und nichts mehr zu tun war als zu sterben, gab er sich ganz dem Gebet hin. Er sollte nicht wieder die Menge belehren, noch die Kranken heilen, und in der verbleibenden Zeit, bevor er sein Leben niederlegte, gürtete er sich für besondere Fürbitte. Er schüttete seine Seele im Leben aus, bevor er sie dem Tod ausschüttete.

Frage: Wie bereitest du dein Herz darauf vor, in Zeiten des Loslassens oder der Stille im Gebet ganz gegenwärtig zu sein?

Joh 17,1: Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn, damit auch dein Sohn dich verherrliche.

Anrufung des Vater

Darin gibt er uns ein Beispiel: Lasst uns in allen Zeiten der Trübsal auf unsere Sohnschaft, unsere Adoption und die Vaterschaft unseres großen Gottes zurückgreifen. Lasst uns zu unserem Vater gehen, denn zu wem sonst sollte ein Kind so natürlich fliegen?

Zu wem bete ich? 

Jesus beginnt sein Gebet mit dem Wort „Vater“. Dieses Anfangswort ist in Jesu Gebet üblich. Und es zeigt uns, welche Art von Beziehung ihm zugrunde liegt.

Jesus sagt nicht: „Allmächtiger“ oder „Höchste Güte“, nicht einmal „Vorsehung“. All diese Arten, sich auf Gott zu beziehen, wären nicht verkehrt. Aber sie sind fern und in der Tiefe der Beziehung unvollkommen.

Christus betet nicht zu einer „Höchsten Macht“. Gott ist keine Idee von Vollkommenheit. Gott ist nicht etwas. Gott ist Jemand. Und mehr noch, er ist Vater. Er ist der Vater. Derjenige, der lehrt, derjenige, der begleitet, derjenige, der aufrechterhält.

Das veranlasst uns, darüber nachzudenken, wie unsere Beziehung zu Gott ist. Zu wem bete ich?

Br. Juan Pablo Espino LC

Frage: Wie erlebe ich Gott in meinem Gebet – als ferne Macht oder als liebenden Vater, der mich kennt und begleitet?

Die Stunde Jesus

Die Stunde, von der Jesus hier spricht, ist die seines Leidens und Sterbens am Kreuz. Was soll das denn bitte für eine Herrlichkeit sein? Verraten, einsam, bespuckt, verhöhnt, gegeißelt, gekreuzigt und schließlich kommt der Tod. Das als "herrlich" zu bezeichnen, ist vollkommen paradox.

Und doch ist das die Weise, in der der Vater beschließt, den Sohn zu verherrlichen und der Sohn den Vater. Denn die Herrlichkeit Gottes ist seine Liebe! Eine hingebungsvolle Liebe, die die Bosheit und den Schmerz der Welt erleidet und doch nie aufhört zu lieben.

Das ist die Schönheit, die Macht, das Wesen, also die Herrlichkeit Gottes. Erzählt dein Leben auch von dieser Herrlichkeit?
Maria Boeselager

Frage: Wo erfahre ich in meinem eigenen Leiden einen Hauch von Gottes Herrlichkeit und Liebe?

Verherrliche deinen Sohn

Es ist das Kreuz (siehe Joh 12:27-33 , 13:30-33 , 21:18-19), das den Sohn verherrlichen wird. Das Kreuz war eine völlige Demütigung für die Welt, aber es war ein Instrument der Verherrlichung in Gottes Augen. Für die Menschen erschien das Kreuz als Instrument der Schande. Für Christus war es das Mittel wahrer Herrlichkeit.

Andacht von Papst Franziskus

Jesus bittet um die Herrlichkeit – eine Bitte, die paradox erscheint, während das Leiden vor der Tür steht.

Um welche Herrlichkeit handelt es sich? In der Bibel verweist die Herrlichkeit auf die Offenbarung Gottes. Sie ist das Merkmal seiner heilbringenden Gegenwart unter den Menschen.

Jesus ist jener, der die Gegenwart und das Heil Gottes endgültig offenbart. Und er tut dies am Paschafest: Am Kreuz erhöht wird er verherrlicht (vgl. Joh 12,23-33). Dort offenbart Gott endlich seine Herrlichkeit: Er nimmt den letzten Schleier hinweg und erstaunt uns wie nie zuvor. Denn wir entdecken, dass die Herrlichkeit Gottes nur die Liebe ist: reine, irrsinnige und undenkbare Liebe, die jede Grenze und jedes Maß übersteigt.

Papst Franziskus

Frage: Wo entdecke ich in meinem eigenen Leben Spuren dieser göttlichen Liebe, die sich gerade im Leiden offenbart?

Joh 17, 2 Macht über alles Fleisch

‭Joh 17,2: Gleichwie du ihm Vollmacht gegeben hast über alles Fleisch, damit er allen ewiges Leben gebe, die du ihm gegeben hast.‭

Macht als Dienst an der Liebe

Der Vater hat Jesus „Macht über alle Menschen“ gegeben.
Aber es handelt sich nicht um die Macht eines Willkürherrschers, der anderen seinen Willen aufzwingen kann.
Bei Gott dient Macht ausschließlich der Liebe, nie wird sie missbraucht.

Jesus möchte sie nutzen, um Menschen „ewiges Leben“ zu schenken!
Dieses besteht nun weder in einem unendlich langen Dasein auf der Erde, noch in einem Aufenthalt in einer Art himmlischem Schlaraffenland.
Es ist ein Erkennen des einzig wahren Gottes!

„Erkennen“ nicht durch Sammeln von Informationen, auch nicht durch das Denken richtiger Gedanken über Gott – sondern ein wesenhaftes Erfassen in Beziehung und Vertrauen.
Jesus – und nur er! – hat die Macht, uns diese Beziehung zu vermitteln.

Beate Scheilen

Frage: Wie erlebst du die Macht der Liebe Gottes in deiner eigenen Beziehung zu ihm?

Das ewige Leben

Jesus hat von seinem Vater Macht über alle Menschen erhalten, um ihnen ewiges Leben zu schenken.

Jeder Mensch sehnt sich zutiefst danach, ewig zu leben. Worin besteht aber das ewige Leben?
„Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.“

Das ewige Leben ist nicht vergleichbar mit unserem Leben hier auf Erden. Es besteht darin, Gott und Jesus Christus zu erkennen. Wenn man in Fülle erkennt, wer Gott ist, zersprengt das die Fesseln des Todes. Die Liebe und das Leben in Fülle zu genießen, sozusagen Gott zu genießen: Das ist das ewige Leben.

Wer bin ich für Gott, dass er nichts anderes möchte, als für immer und ewig mit mir zusammen zu sein?
Ilona Kies

Frage: Wie kann ich in meinem Leben tiefer erkennen, wer Gott für mich ist – und wie verändert diese Erkenntnis mein Verlangen nach ewigem Leben?

Joh 17, 3 Dies aber ist das ewige Leben

Joh 17,3: Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.

Ewiges Leben

Ewiges Leben ist nicht das Leben, das nach dem Tode kommt, während das Leben jetzt eben vergänglich ist und nicht ewiges Leben wäre.

Das ewige Leben findet der Mensch durch die Erkenntnis Jesu Christi, im Einssein mit ihm. Ewiges Leben ist also ein Beziehungsereignis.

Ewiges Leben ist das Leben selbst, das eigentliche Leben in Christus. Durch die Beziehung zu dem, der selbst das Leben ist, werde auch ich ein Lebender.

Darum geht es: Jetzt schon das Leben zu ergreifen, das durch nichts und niemand mehr zerstört werden kann. Die frühen Christen haben sich daher schlicht die Lebenden genannt.

Frage: In welchen Momenten spüre ich das Leben in mir auf eine Weise, die mich mit etwas Größerem verbindet?

Es geht um mein ewiges Heil

Jesus ist sich des Vaters bewusst. Er weiß, was diese Beziehung bedeutet: „Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen.“

Christus weiß, dass diese Beziehung die Rettung ist. Wir sind es gewohnt, das Wort Erlösung zu hören. Und vielleicht haben wir die tiefe Bedeutung dieses Wortes vergessen. Es bedeutet Freiheit. Es bedeutet tiefes und echtes Glück. Es bedeutet das Beste, was im Leben eines Menschen passieren kann.

Und diese Erlösung, diese Freiheit und dieses Glück ist das, wo wir hingehören, tief drinnen.
Br. Juan Pablo Espino LC

Frage: In welchen Momenten spüre ich die tiefe Freiheit und das echte Glück, das aus meiner Beziehung zu Gott entsteht?

Joh 17, 4 Vollendung des Werks

Joh 17,4: ‭Ich habe dich verherrlicht auf Erden; ich habe das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tun soll.‭

Jesus verherrlichte den Vater

Jesus verherrlichte den Vater durch Seinen Glauben, Gehorsam und Wirken in den Jahren Seines irdischen Wirkens.

Jede Predigt, jede geheilte blinde oder kranke Person, jede noch so kleine Belehrung und Schulung der Jünger, jede Konfrontation mit den korrupten religiösen Führern, jede beantwortete Frage, jede liebevolle Berührung – sie alle verherrlichten Gott den Vater.

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag durch kleine Gesten, Worte oder Handlungen den Glauben und die Liebe Gottes widerspiegeln?

Ich habe das Werk vollendet

Jesus sah mit göttlichem Vertrauen und Zuversicht das Werk am Kreuz als bereits vollendet an.

In gewisser Weise war die Arbeit (natürlich) noch nicht beendet; aber da Jesus das Lamm ist, das von Grundlegung der Welt an geschlachtet wurde (Offb 13:8), gibt es einen größeren Sinn dafür, dass das Werk bereits vollendet war, vollendet im Herzen und Sinn Gottes.

Jetzt musste es nur noch getan werden.

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben lernen, Aufgaben und Herausforderungen mit einem Vertrauen anzugehen, das die Vollendung schon im göttlichen Sinn sieht?

Ich habe Werk zu Ende geführt

Es ist alles vollbracht! Jesus hat seinen Auftrag in dieser Welt erfüllt. Er hat den Menschen den Vater offenbart. Den unsichtbaren Gott, den Gott, der zu seinem Volk auf dem Berg Sinai gesprochen hatte, aber den keiner sehen durfte, damit er nicht sterbe.

Den Gott, den die Heiden unbewusst in ihren Götzenstatuen suchten, nicht fanden und sich stattdessen immer tiefer in Kriege und Orgien stürzten.

Dieser Gott ist jetzt sichtbar geworden in seinem Sohn. Und Jesus hat ihn auf dieser Welt verherrlicht, da er das wahre Wesen des Vaters offenbarte, das so oft missverstanden worden war.

Johanna von Siemens

Frage: Wie offenbare ich in meinem eigenen Leben die Liebe und das Wesen Gottes, das oft missverstanden wird?

Joh 17, 5 Herrlichkeit vor der Welt

Joh 17,5: ‭Und nun verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.‭

Bitte um Verherrlichung

Jesus bat den Vater, ihn zu verherrlichen, aber mit der gleichen Herrlichkeit, die der Vater selbst hat. Das Gebet Jesu war keineswegs Ausdruck von Unabhängigkeit , sondern von völliger und fortwährender Abhängigkeit von Gott dem Vater.

Ehe die Welt war

Jesus war sich seiner Präexistenz und der Natur dieser Präexistenz bewusst. Jesus verstand, dass es in der vergangenen Ewigkeit eine Zeit gab, in der Gott der Sohn und Gott der Vater sich einer gemeinsamen Herrlichkeit erfreuten.

Häufige Fragen zu Joh 17, 1-5

Was bedeutet Joh 17, 1-5?

Dieser Abschnitt eröffnet das Hohepriesterliche Gebet Jesu am Ende der Abschiedsreden kurz vor seinem Gang über den Bach Kidron. Das Geschehen zeigt die Hinwendung des Sohnes zum Vater in der Stunde des bevorstehenden Kreuzestodes, definiert das ewige Leben als personale Gotteserkenntnis und erbittet die Wiederherstellung der präexistischen göttlichen Herrlichkeit.

Welche Wendung vollzieht Jesus zu Beginn des Gebets und worum bittet er den Vater?

Jesus hebt seine Augen zum Himmel und erklärt, dass die Stunde gekommen ist. Er bittet den Vater, seinen Sohn zu verherrlichen, damit der Sohn den Vater verherrliche, was das Kreuz nicht als Scheitern, sondern als Erhöhung und vollkommene Offenbarung Gottes deutet.

Welche Vollmacht hat der Vater dem Sohn über die Menschheit übertragen?

Jesus verweist darauf, dass der Vater ihm Vollmacht gegeben hat über alles Fleisch, damit er allen, die der Vater ihm gegeben hat, ewiges Leben schenke. Die Rettung und das ewige Leben beruhen somit auf der souveränen Gabe des Vaters an den Sohn.

Wie definiert Jesus das Wesen des ewigen Lebens?

Jesus bestimmt das ewige Leben als eine relationale Erkenntnis: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“ Ewiges Leben ist damit nicht erst eine jenseitige Zukunft, sondern die gegenwärtige Gemeinschaft mit Gott und dem Messias.

Worin sieht Jesus die Vollendung seines Erdenwirkens und welche Herrlichkeit erbittet er?

Jesus erklärt, dass er den Vater auf der Erde verherrlicht hat, indem er das Werk vollbracht hat, das dieser ihm zu tun gegeben hatte. Nun bittet er den Vater, ihn bei sich selbst zu verherrlichen mit der Herrlichkeit, die er bei ihm hatte, ehe die Welt war, was auf seine göttliche Präexistenz hinweist.

Joh 16, 25-33 Überwindung der Welt und Frieden
Joh 17, 6-19 Jesus betet für seine Jünger