Joh 13, 21-30:
Auslegung und Andacht
Der Verrat des Judas

Joh 13, 21 Jesu Erschütterung

Joh 13,21: In jener Zeit, als Jesus mit seinen Jüngern bei Tisch war, wurde er im Innersten erschüttert und bekräftigte: Amen, amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten

Im Innersten erschüttert

Der Verrat lässt Jesus alles andere als kalt. Johannes hat uns einige solche Gemütsbewegungen Jesu überliefert. Es macht Jesus menschlicher für uns, nahbarer.

Wir sehen, was ein Verrat mit Gottes Sohn macht: Er erschüttert ihn. Jesus schwebt nicht abgehoben durch diese Karwoche hindurch. Er ist im Innersten erschüttert, er ist zu Tode betrübt, er leidet Todesangst…

Wir sollen das an uns rankommen lassen, denn es vermittelt uns, was Jesus für uns getan hat, und auch, wie wir ihn trösten können.

Konstantin Ballestrem

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die Nähe Jesu spüren, auch in Momenten der tiefen Erschütterung und Trauer?

Die eigenen Abgründe erkennen

Beobachte dich ruhig und ohne Urteil. Erkenne deine eigenen Abgründe, jene Momente, in denen du dich von Jesus abwendest, in denen plötzlich alles andere wichtiger wird als er, in denen du ihn verrätst.

Schau nicht verächtlich auf Judas. Zeige nicht mit dem Finger auf andere. Stelle dir stattdessen immer die Frage: Bin ich’s?

Wir werden nie genug geliebt, nie genug gebetet, nie genug gelebt haben. Doch durch das achtsame Beobachten deiner eigenen Abgründe erkennst du umso deutlicher Gottes Geduld und Erbarmen mit deiner Seele. Du siehst klarer, dass alles ein Geschenk ist.

Dies ist ein sehr ernster Fall von Verrat: Wenn du andere Dinge mehr liebst als Gott. John Piper 

Frage: Wo in meinem Leben könnte ich Gottes Geduld heute noch tiefer erfahren, wenn ich meine eigenen Abgründe ehrlich anschaue?

Joh 13, 22 Ratlosigkeit der Jünger

Joh 13,22: ‭Da sahen die Jünger einander an und wussten nicht, von wem er redete.‭

Sie wussten nicht, von wem er redete

Die Jünger waren verwirrt und bestürzt. Sie hatten sich Jesus hingegeben und konnten sich nicht vorstellen, dass einer von ihnen ihn verraten könnte. Diese Szene zeigt ihre Unwissenheit über das bevorstehende Geschehen und ihre innere Unruhe.

Gleichzeitig verdeutlicht sie Jesu Wissen um die Zukunft und seinen souveränen Plan. Diese Verwirrung der Jünger spiegelt eine tiefere geistliche Wahrheit: Menschen erkennen nicht immer die verborgenen Pläne Gottes.

Doch Jesus kennt die Herzen aller und bleibt auch in schwierigen Momenten Herr über die Situation.

Frage: Wie kannst du in Momenten der Unsicherheit darauf vertrauen, dass Gottes Plan größer ist als dein eigenes Verständnis?

Joh 13, 23 Lieblingsjünger bei Tisch

Joh 13,23: Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische saß an der Brust Jesu, welchen Jesus liebhatte.

Ein hörendes Herz

Wir versuchen, die Haltung des geliebten Jüngers einzunehmen, der sich an die Brust Jesu anschmiegt.

Legen wir, wie der Jünger, unseren Kopf an die Brust des Herrn und hören wir auf sein Herz.

Machen wir uns die Empfindungen dieses Herzens zu eigen, lassen wir unser Herz im Gleichtakt mit dem seinen schlagen, in der Gemeinschaft und dem Verständnis, die nur Jesus geben kann.

Er ist immer da, wir müssen ihm nur vertrauen.
Sebastian Jasiorkowski

Frage: Wie kann ich heute mein Herz bewusst im Einklang mit Jesu Herz öffnen und wahrnehmen, was er mir sagen möchte?

Wen Jesus liebte

Johannes bezog sich mit diesem Satz in seinem Evangelium viermal auf sich selbst, jedes in irgendeiner Weise mit dem Kreuz verbunden. Hier im Obergemach (Joh 13:23). Am Kreuz Jesu (Joh 19:26). Am leeren Grab (Joh 20:2). Mit dem auferstandenen Jesus am See Genezareth (Joh 21:20).

Joh 13, 24 Wink des Petrus

Joh 13,24: ‭Diesem winkt nun Simon Petrus, dass er forschen solle, wer es sei, von dem er rede.‭

Er forschen solle, wer es sei

Die Stelle verdeutlicht die enge Beziehung zwischen Jesus und Johannes, der nah bei Jesus sitzt und somit bevorzugten Zugang zu ihm hat.

Zudem zeigt sie die Dynamik unter den Jüngern: Petrus, oft impulsiv, nimmt eine indirekte Rolle ein, indem er Johannes als Vermittler nutzt.

Diese Begebenheit offenbart auch die tiefe Spannung beim letzten Abendmahl, da der bevorstehende Verrat Jesu das Vertrauen innerhalb der Jüngerschaft erschüttert.

Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben Nähe und Vertrauen bewusst gestalten, besonders in Zeiten von Unsicherheit oder Konflikt?

Joh 13, 25 Frage nach dem Verräter

Joh 13,25: Da lehnt sich jener an die Brust Jesu und spricht zu ihm: Herr, wer ist’s?‭

An der Brust von Jesus

Es ist schön, bei ihm zu verweilen und wie der Lieblingsjünger, der sich an seine Brust lehnte (vgl. Joh 13, 25), von der unendlichen Liebe seines Herzens berührt zu werden.

Wenn sich das Christentum in unserer Zeit vor allem durch die Kunst des Gebetes auszeichnen soll, wie könnte man dann nicht ein erneuertes Verlangen spüren, lange im geistlichen Zwiegespräch, in stiller Anbetung, in einer Haltung der Liebe bei Christus zu verweilen, der im Allerheiligsten gegenwärtig ist?

Wie oft, meine lieben Brüder und Schwestern, habe ich diese Erfahrung gemacht, und daraus Kraft, Trost und Stärkung geschöpft!

Johannes Paul II.

Frage: Wie kann ich heute bewusst Momente der stillen Anbetung und tiefen Verbundenheit mit dem göttlichen Herzen in meinen Alltag einladen?

Das Herz erheben

Wie du das Herz Jesu verehren kannst, da gibt es unterschiedlichste Formen. Ich habe mich für die einfachste entschieden, die aber nicht dadurch weniger tiefgehend ist:

Immer wieder am Tag in Momenten der Stille erhebe ich mein Herz und blicke auf sein Herz, ohne Worte. Und obwohl ich eher ein nüchterner und kopflastiger Zeitgeist bin, wird mir da immer ganz warm im Inneren. Ganz genau kann ich das auch nicht erklären.

Nur soviel: Wie gut tut es, einfach in seiner Anwesenheit zu verweilen.

Frage: Wann hast du zuletzt bewusst in der Stille verweilt und dein Herz geöffnet?

Joh 13, 26 Der eingetauchte Bissen

Joh 13,26: ‭Jesus antwortete: Der ist"s, dem ich den eingetauchten Bissen geben werde. Und er taucht den Bissen ein und gibt ihn dem Judas, Simons Sohn, dem Ischariot.‭

Besonderer Bissen

Wenn Jesus Judas einen besonderen Bissen von der gewöhnlichen Speise anbietet, wie es Brauch war, dass ein Gastgeber einem geehrten Gast darreichte, ist dies ein Zeichen göttlicher Liebe, die immer danach strebt, das Böse mit dem Guten zu überwinden.

Joh 13, 27-29 Satan fährt in Judas

Joh 13,27: ‭Und nach dem Bissen, da fuhr der Satan in ihn. Da spricht Jesus zu ihm: Was du tun willst, das tue bald!‭

Joh 13,28: ‭Es verstand aber keiner von denen, die zu Tisch saßen, wozu er ihm dies sagte.‭

Joh 13,29: ‭Denn etliche meinten, weil Judas den Beutel hatte, sage Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest benötigen!, oder er solle den Armen etwas geben.‭

Joh 13, 30 Hinausgehen in die Nacht

Joh 13,30: ‭Als nun jener den Bissen genommen hatte, ging er sogleich hinaus. Es war aber Nacht.‭

Judas geht

Als Judas ging, wusste Jesus, dass alles für Seine Verhaftung, Prozesse, Demütigung, Verurteilung, Schläge, Kreuzigung und Beerdigung in Gang gesetzt wurde. Er sprach vom kommenden Tod als Verherrlichung (Joh 12:23). Jetzt sollte es soweit sein.

Der Satan und die Nacht

Es gibt ihn, diesen Krieg zwischen Gut und Böse. In der Karwoche wird es uns ganz plastisch vor Augen geführt.

Jesu Botschaft und seine Lebensweise, der Weg, den er geht und uns vorschlägt, sie stoßen frontal mit denen der Welt und ihres "Herrschers" zusammen.

In Judas hat das Reich der Finsternis einen Zugang gefunden, und durch ihn streckt es gierig und rasend seine Hände nach Jesus aus.

Ich darf und soll darüber erschrecken, mich entschieden und energisch dagegen auflehnen, in mir und in der Welt.

Konstantin Ballestrem

Frage: Wo in meinem eigenen Leben spüre ich den Konflikt zwischen Licht und Dunkel, und wie kann ich bewusst für das Gute eintreten?

Häufige Fragen zu Joh 13, 21-30

Was bedeutet Joh 13, 21-30?

Dieser Abschnitt schildert die Entlarvung und den Auszug des Verräters Judas Iskariot beim Letzten Abendmahl. Das Geschehen zeigt die tiefe innere Erschütterung Jesu, die Zuwendung zum Lieblingsjünger, die Vergabe des Verräterbissens und den endgültigen Schritt des Judas in die Finsternis der Nacht.

Wie reagiert Jesus im Geist auf das Wissen um den Verrat und was kündigt er offen an?

Jesus wird im Geist tief erschüttert und bezeugt vor den erstaunten Jüngern ausdrücklich mit den Worten: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich überliefern.“ Die Jünger blicken sich ratlos an, da keiner weiß, von wem er spricht.

Auf welche Weise erfährt der Lieblingsjünger die Identität des Verräters?

Der Jünger, den Jesus liebhatte und der an der Brust Jesu liegt, wird von Simon Petrus aufgefordert zu fragen, wer es sei. Auf die Frage des Lieblingsjüngers antwortet Jesus leise, dass es derjenige ist, dem er den Bissen eintauchen und geben wird, woraufhin er den Bissen nimmt und ihn Judas Iskariot gibt.

Was geschieht mit Judas nach dem Empfang des Bissens und welchen Befehl gibt ihm Jesus?

Nach dem Bissen fährt der Satan in Judas hinein. Jesus sagt daraufhin zu ihm: „Was du tust, das tue schnell!“, woraufhin keiner der am Tisch Sitzenden versteht, wozu Jesus ihm dies gesagt hat, da manche meinten, Judas solle Vorräte für das Fest kaufen oder den Armen etwas geben.

Mit welchen eindrücklichen Worten beschreibt der Evangelist den Weggang des Judas?

Nachdem Judas den Bissen zu sich genommen hat, geht er sogleich hinaus in die Finsternis. Der Evangelist schließt die Szene mit den knappen, hochsymbolischen Worten ab: „Es war aber Nacht.“

Joh 13, 16-20 Der Auftrag der Jünger
Joh 13, 31-35 Das neue Gebot der Liebe