Joh 13, 31-35:
Auslegung und Andacht
Das neue Gebot der Liebe
Inhaltsverzeichnis
Joh 13, 31 Verherrlichung des Menschensohns
Joh 13,31: Als er nun hinausgegangen war, sprach Jesus: Jetzt ist der Sohn des Menschen verherrlicht, und Gott ist verherrlicht durch ihn!
Verherrlichung
Wenn sein Tod seine Verherrlichung ist, muss es daran liegen, dass in diesem Tod etwas getan wird, was nicht vollständig durch das Leben, wie schön es auch sein mag; durch die Worte, wie weise und zärtlich; durch die Werke der Macht, wie erholsam und heilend sie auch sein mögen.
Die Herrlichkeit der triumphierenden Liebe
Jesus muss verherrlicht werden, weil seine Liebe triumphieren wird. Auch wenn der Mensch untreu ist, Gott ist immer treu.
Liebe bewährt sich in der Prüfung. Die Liebe Christi überdauert die Untreue der Sünde.
Wenn auch Christus in seiner Liebe treu zu uns steht, so bleibt er doch zuerst Gott seinem Vater treu: „Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht.”
Diese Verherrlichung wird eine neue Offenbarung für die Menschheit sein: die Tiefe der göttlichen Liebe.
Frage: Wie offen bin ich dafür, die unendliche Treue und Liebe Gottes in meinem eigenen Leben wahrzunehmen und anzunehmen?
Joh 13, 32 Gott verherrlicht ihn
Joh 13,32: Wenn Gott verherrlicht ist durch ihn, so wird Gott auch ihn verherrlichen durch sich selbst, und er wird ihn sogleich verherrlichen.
Die gegenseitige Verherrlichung
Nachdem Judas hinausgegangen ist, beginnt die Nacht, die Passion, das Leiden Jesu. Gleichzeitig leuchtet in der Dunkelheit dieser Nacht aber ein herrliches Licht auf. Gottes Herrlichkeit wird durch Jesus offenbar werden.
Jesu ganzes Leben, sein ganzes Wirken bis zu seinem Tod dient nicht seiner eigenen Verherrlichung, sondern der Verherrlichung des Vaters. Jesus hält bis zum Tod am Kreuz an seinem Zeugnis für den Vater und am Weg fest, den er gegangen ist: den der dienenden Liebe.
Dafür verherrlicht der Vater den Sohn, indem er ihn von den Toten auferweckt und ihm den Platz zu seiner Rechten gibt. Es ist einzigartig, wie Vater und Sohn einander lieben. Ihre Beziehung ist herrlich. In ihr erkennen wir einen Schnappschuss von Gottes Herrlichkeit.
Frage: In welchen Momenten deines Lebens kannst du die Liebe Gottes so hell wie ein Licht in der Dunkelheit wahrnehmen?
Joh 13, 33 Nur noch kurze Zeit
Joh 13,33: Kinder, nur noch eine kleine Weile bin ich bei euch. Ihr werdet mich suchen, und wie ich zu den Juden sagte: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht kommen!, so sage ich es jetzt auch zu euch.
Kinder
Dies ist die einzige Stelle in den Evangelien, an der Jesus seine Jünger als kleine Kinder ansprach. Er meinte es nicht als Beleidigung. Er meinte es mit einem Gefühl der Zärtlichkeit, Fürsorge und Anerkennung ihrer gegenwärtigen Abhängigkeit und Unreife.
Wenn wir zu Gott reden, dann dürfen wir es als seine geliebten Kinder tun, die sicher und geborgen in seiner Gegenwart sind. Das Gebet ist das Wahrzeichen eines wahren Gläubigen und es tut der Seele unheimlich gut.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben das Vertrauen und die Geborgenheit eines Kindes vor Gott spüren und ausdrücken?
Meine Kinder
„Meine Kinder“
Ich muss immer schmunzeln, wenn ich in Johannes 13,33 lese, dass Jesus seine Jünger als Kinder ansprach. Das waren ausgewachsene Seeleute mit Vollbart, gleich alt oder sogar älter als Jesus selbst. Und doch spricht er sie an als „meine Kinder“.
Wann hat Sie jemand zum letzten Mal mit den Worten gerufen: „Mein Kind“?
Wenn wir zu Gott reden, dann dürfen wir es als seine geliebten Kinder tun, die sicher und geborgen in seiner Gegenwart sind. Das Gebet ist das Wahrzeichen eines wahren Gläubigen und es tut der Seele unheimlich gut.
Hans Peter Royer
Frage: Wann habe ich zuletzt das Gefühl von kindlicher Geborgenheit in meiner Beziehung zu Gott oder zum Leben gespürt?
Joh 13, 34 Das neue Gebot
Joh 13,34: Ich gebe euch jetzt ein neues Gebot: Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe, so sollt ihr euch auch untereinander lieben.
So lieben wie Jesus
Am Ende der Fußwaschung gibt Jesus seinen Jüngern dieses neue Gebot: So lieben wie Jesus! Das erscheint unmöglich. Darin liegt also nicht die eigentliche Neuheit des Gebotes.
Das Neue des Gebotes entsteht vielmehr aus der Gabe des Mitseins und Inseins mit Christus. Nur indem wir uns immer wieder vom Herrn selbst waschen, rein machen lassen, können wir lernen, mit ihm zu tun, was er getan hat.
Es kommt darauf an, unser eigenes Ich in das seine einzufügen. Nochmals: Das neue Gebot besteht nicht in einer neuen, schwierigeren Norm. Es ist untrennbar verbunden mit der Neuheit Jesu Christi, einer von Gottes Geist selbst geschenkten neuen Innerlichkeit in ihm.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Alltag Raum schaffen, um diese neue Innerlichkeit in Christus immer wieder erleben und wachsen zu lassen?
Zur Liebe
Der Grund, warum wir Gott lieben, ist Gott selbst. Der Grund, warum wir uns selbst lieben, ist, weil wir ein Bild und Gleichnis Gottes sind.
Nachdem aber alle Menschen diese gleiche Würde besitzen, lieben wir sie auch wie uns selbst, nämlich als heilige, lebendige Abbilder Gottes.
Ein und dieselbe heilige Liebe – die Gottesliebe wie die Nächstenliebe – sind so eins. Die Liebe hebt unseren Geist hinauf zur Vereinigung mit Gott, um uns dann wieder zum liebreichen Verkehr mit dem Nächsten zurückzuführen, der ja ein Abbild Gottes ist.
Den Nächsten mit heiliger Liebe zu lieben, heißt, Gott im Menschen oder den Menschen in Gott zu lieben. Es heißt, Gott aus Liebe zu ihm selbst und das Geschöpf aus Liebe zu Gott zu lieben.
Frage: In welchen Momenten spürst du, dass deine Liebe zu anderen und zu Gott untrennbar miteinander verbunden sind?
Andacht von Charles de Foucauld
Das ist wie Dein Testament, das ist Deine höchste Empfehlung: das ist ein neues Gebot, nicht grundsätzlich neu, aber neu durch die Inständigkeit, mit der Du es uns empfiehlst, neu durch die Ausweitung, die Du ihm gibst: „die Menschen lieben wie Du sie geliebt hast”, neu durch das Gewicht, das Du ihm gibst: „Daran wird man erkennen, dass Ihr meine Jünger seid”, neu durch die Feierlichkeit, mit der Du es aufstellst, indem Du daraus Dein wichtigstes Testament machst, den Ausdruck Deiner letzten Empfehlung in dieser Grabesnacht.
Lieben wir Gott, der uns so sehr liebt, dass er sich uns schenkt, sich uns anvertraut, sich uns ausliefert, sich uns hingibt ganz und gar, der uns seinen Leib und seine Seele voll zu eigen.
Frage: Wie kannst Du in Deinem Alltag die Liebe, die Dir so geschenkt wird, bewusst weitergeben und sichtbar machen?
Joh 13, 35 Liebe als Erkennungsmerkmal
Joh 13,35: An eurer Liebe zueinander wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid.
Das Jüngersein kann nicht vom Dienst am Menschen getrennet werden
Durch Gott, unseren Vater, sind wir Geschwister. Mensch zu sein bedeutet, Hüter des Nächsten zu sein.
Auf diesem Weg folgen wir Jesus und werden darin seine Jünger. Das ist häufig alles andere als rührselig, sondern vielmehr oft anstrengend. Liebe und Kreuz sind oft identisch.
Schau doch auf das Kreuz, das Jesus aus Liebe auf sich nahm. Darin folgen wir ihm. So lasst uns gerade auch dann lieben, wenn es uns Kraft und Mühe kostet.
Gott wird uns in seiner Gnade die notwendige Kraft schenken.
Frage: Wo in meinem Leben ruft mich die Liebe dazu, über meine eigenen Grenzen hinauszugehen und dem Nächsten zu dienen?
Einheit mit Christus
In der Liebe befolgen wir nicht ein ethisches Gebot, sondern in der Liebe tauchen wir ganz in die Einheit mit Christus, der am Kreuz alle an sich zieht.
Fast flehend und bittend höre ich Jesus, der spricht: Bleibt in meiner Liebe! Bleibt in meiner Liebe. Bleibt in meiner Liebe! (Joh 15,9)
In diesem In-der-Liebe-bleiben begegne ich dem anderen und schaue letztlich mit Jesus Augen auf ihn.
Frage: Wie verändert sich meine Wahrnehmung des anderen, wenn ich ihn mit den Augen der Liebe sehe?
Andacht von Franz von Sales
Sie sollen nicht nur fromm sein und die Frömmigkeit lieben, sondern sie auch jedermann liebenswert machen.
Das tun Sie aber, wenn sie anderen nützlich und angenehm wird. Die Kranken werden Ihre Frömmigkeit lieben, wenn sie dadurch liebevollen Trost empfangen. Ihre Familie wird sie schätzen, wenn sie erkennt, dass Sie dadurch viel mehr auf ihr Wohl bedacht sind, milder in geschäftlichen Dingen, gütiger im Tadel und so weiter.
Ihr Herr Gemahl wird Ihre Frömmigkeit achten, wenn er sieht, dass Sie mit wachsender Frömmigkeit umso herzlicher ihm gegenüber und zärtlicher in der Zuneigung zu ihm sind. Ihre Verwandten und Freunde schließlich werden sie lieben, wenn sie erkennen, dass Sie ihren Wünschen, die jenen Gottes nicht zuwiderlaufen, mehr Offenheit, Unterstützung und Nachgiebigkeit entgegenbringen.
Kurz, wir müssen unsere Frömmigkeit möglichst anziehend gestalten.
Frage: Wie könnte ich meine eigene Frömmigkeit so leben, dass sie anderen Freude, Trost und Liebe schenkt?
Andacht von Teresa von Kalkutta
Ich sage immer, dass die Liebe zu Hause beginnt. Zuerst ist da die Familie und dann eure Stadt.
Es ist sehr einfach, zu behaupten, man liebe die Menschen, die weit entfernt sind, aber sehr viel weniger einfach ist es, die zu lieben, die mit uns zusammen leben oder in unserer Nähe.
Um jemanden lieben zu lernen, muss man sich ihm nähern. Jeder braucht die Liebe. Jeder von uns braucht die Gewissheit, dass er für die anderen zählt und dass er einen unschätzbaren Wert darstellt in den Augen Gottes.
Christus lieben wir in jedem Armen, und jedes menschliche Wesen auf der Erde ist in irgendeiner Weise arm. Ich erinnere euch immer daran, dass unser Tag 24 Stunden hat, die wir mit Jesus verbringen.
Frage: Wie kannst du heute die Liebe in deinem direkten Umfeld bewusster leben und dabei die Nähe Gottes in jedem Menschen erkennen?
Andacht von Ephräm der Syrer
Selig ist jener Mensch, welcher die Liebe Gottes hat. Denn er trägt Gott in sich umher, weil Gott die Liebe ist und, wer in der Liebe bleibt, in Gott bleibt.
Wer die Liebe besitzt, überwindet Alles mit Gott. Wer die Liebe hat, fürchtet sich nicht, denn die Liebe treibt die Furcht aus.
Wer Liebe hat, verabscheut Niemanden jemals, weder einen Kleinen noch Großen, weder einen Angesehenen noch Gemeinen, weder einen Armen noch Reichen.
Die Liebe deckt. Das Zudecken erklären Einige als liebevolles Entschuldigen der Fehler des Nächsten, andere als Ertragen, Aushalten. Er verhöhnt den Strauchelnden nicht, sondern bemitleidet und unterstützt ihn. Er verachtet den Bruder in der Not keineswegs, sondern steht ihm bei und ist bereit mit ihm zu sterben.
Wer Liebe hat, tut den Willen Gottes und ist sein Jünger. Wer Liebe hat, sieht Keinen für einen Fremdling, sondern Alle als die Seinigen an.
Frage: Wie kannst du heute in deinem Alltag die Liebe Gottes so leben, dass sie Angst, Urteil und Trennung überwindet?
Häufige Fragen zu Joh 13, 31-35
Was bedeutet Joh 13, 31-35?
Dieser Abschnitt schildert die Eröffnung der Abschiedsreden unmittelbar nach dem Weggang des Verräters Judas Iskariot. Das Geschehen verkündet die unmittelbar bevorstehende Verherrlichung des Menschensohnes am Kreuz, bereitet die Jünger auf das körperliche Scheiden Jesu vor und stiftet das neue Gebot der Liebe als das entscheidende Erkennungszeichen seiner Nachfolger.
In welchem Moment spricht Jesus von seiner Verherrlichung und wie hängen die Verherrlichung des Sohnes und des Vaters zusammen?
Sobald Judas den Raum verlassen hat, erklärt Jesus, dass jetzt der Menschensohn verherrlicht ist und Gott verherrlicht ist in ihm. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird Gott ihn auch in sich selbst verherrlichen, und er wird ihn sogleich verherrlichen, was den bevorstehenden Kreuzestod als den Ort der vollkommenen Offenbarung göttlicher Herrlichkeit ausweist.
Wie bereitet Jesus seine Jünger auf sein baldiges Weggehen vor?
Jesus redet die Jünger liebevoll als „Kindlein“ an und teilt ihnen mit, dass er nur noch eine kleine Zeit bei ihnen ist. Er erinnert sie an seine früheren Worte gegenüber den jüdischen Autoritäten und erklärt ihnen nun selbst, dass sie dorthin, wo er hingeht, jetzt noch nicht kommen können.
Welches neue Gebot übergibt Jesus seinen Jüngern vor seinem Scheiden?
Jesus gibt seinen Jüngern ein neues Gebot: Sie sollen einander lieben. Die Maßgabe dieser Liebe begründet er mit seinem eigenen Vorbild: „Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“
Woran soll die Welt die Jünger Jesu künftig erkennen?
Jesus bestimmt die gegenseitige Liebe zur zentralen Signatur der christlichen Gemeinschaft. Er erklärt ausdrücklich, dass daran alle erkennen werden, dass sie seine Jünger sind: wenn sie Liebe untereinander haben.
Joh 13, 21-30 Der Verrat des Judas
Joh 13, 36-38 Ankündigung der Verleugnung