Joh 13, 16-20:
Auslegung und Andacht
Der Auftrag der Jünger

Joh 13, 16 Knecht nicht über Herrn

Joh 13,16: ‭Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr, noch der Gesandte größer als der ihn gesandt hat.‭

Der Sklave ist nicht größer als sein Herr

Jesus, der gute Hirt, lässt mich hier wissen: Als sein Jünger bin ich eingeladen, das gleiche Schicksal zu erleiden wie er, ihm ganz ähnlich zu werden.

Bin ich also bereit, so demütig zu dienen wie er, der den Aposteln ungeschützt die vom Straßendreck verschmutzten Füße gewaschen hat?

Jesus sagt: Selig seid ihr, wenn ihr das wisst und danach handelt. Finde ich darin meine Seligkeit?

Valentin Schmidts

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag lernen, demütig zu dienen und dadurch meinem eigenen spirituellen Weg näherzukommen?

Joh 13, 17 Segen durch Tun

Joh 13,17: Ihr wisst das jetzt alles. Glücklich seid ihr zu nennen, wenn ihr auch danach handelt.

Selig seid ihr, wenn ihr das wisst und danach handelt

Wissen allein genügt der Liebe nicht. Sie ruft uns auch auf, nach diesem tiefen Wissen zu handeln.

Man könnte nun meinen, ein starker Wille befähigt uns dazu. Doch eine bloße Willensanstrengung genügt nicht, um zu lieben, wie er uns geliebt hat.

Es gelingt nur, wenn wir uns von seiner Liebe anziehen und in Besitz nehmen lassen. Paulus schreibt in diesem Zusammenhang von einer Ergriffenheit (vgl. Phil 3,12). Diese Ergriffenheit hat etwas mit unserem Herzen zu tun.

Wir „müssen” zulassen, dass Jesus uns die Füße wäscht, dass wir ganz unverdient seine Liebe empfangen, dass seine zugleich sanfte und starke Liebe uns durchdringt.

Karl Maurer

Frage: Wo in meinem Leben darf ich die sanfte und zugleich kraftvolle Liebe Jesu heute besonders zulassen und empfangen?

Danach handeln

Danach handeln bedeutet Opfer und Verzicht in den Situationen des Alltags, in denen wir immer wieder neu uns loslassen müssen, wo wir eigentlich an uns festhalten möchten.

Geglücktes Leben ohne Opfer gibt es nicht.

Das große Ja zum Weg Jesu muss täglich neu gelebt werden, täglich neu müssen wir aufstehen, um uns gegenseitig die Füße zu waschen mit allen Mühen, die damit verbunden sind.

Franz von Sales: Wir wollen kein anderes Gesetz, kein anderes Muss kennen als das der Liebe.

Frage: In welchen Momenten des Alltags fällt es mir am schwersten loszulassen, und wie könnte ich diesen Moment als Einladung zum inneren Wachstum sehen?

Ihr werdet glücklich sein, wenn ihr das wisst und tut

Glücklich ist der Mensch, der in seinem Handeln vor der menschlichen Schwäche niederkniet! Glücklich ist der Mensch, der den Schmutz an den Füßen anderer abwäscht und ihn küsst, wenn er ihn berührt! Glücklich ist, wer dabei daran denkt, dass ein anderer dies für ihn getan hat: der Herr. Br. Héctor Baca LC

Der Segen

Christus lädt uns ein, zu dienen. Ein Diener für andere zu sein, fällt uns nicht leicht, weil es bedeutet, dass man demütig sein muss. Es war auch nicht einfach für Christus. Sein Ansporn war, uns zu lieben und uns zu erlösen.

Dienst an anderen ist ein Segen, weil wir dadurch lieben können – auch in Situationen, in denen sich unsere Leidenschaften nicht unterwerfen lassen wollen und wir uns vor dem Dienst an anderen am liebsten drücken möchten. Die Liebe verwandelt unsere Welt; sie verwandelt unser Herz und macht es der Gnade Gottes möglich, uns in der Tiefe unserer Seele berühren zu lassen.

Wenn wir als Beweggrund für das Dienen die Liebe zu den Menschen haben, wird jede Gelegenheit des Dienens zum Segen. Ein Segen nämlich, wie der Herr zu leben, der kam, nicht um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben für uns hinzugeben.

Todd Belardy

Frage: Wie könnte ich heute in meinem Alltag kleine Akte der Liebe und des Dienens setzen, die mein Herz und das Herz anderer berühren?

Joh 13, 18 Schriftwort erfüllt

Joh 13,18: ‭Ich rede nicht von euch allen; ich weiß, welche ich erwählt habe. Doch muss die Schrift erfüllt werden: Der mit mir das Brot isst, hat seine Ferse gegen mich erhoben.

Ich sage das nicht von euch allen

Wie sehr muss Jesus beim Aussprechen der Worte über Judas gelitten haben! Er, einer seiner engsten Freunde, hinterging Jesus, und deshalb gilt dessen Seligpreisung nicht für ihn: Er teilte eben nicht Jesu Schicksal des Dienens und erfuhr also auch nicht diese Seligkeit.

Wie schade! Herr Jesus, ich will nicht undankbar sein wie Judas. Lass mich dich stattdessen mit meiner treuen Nachfolge trösten.

Valentin Schmidts

Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich das Gefühl, Jesu Weg wirklich treu zu folgen, und wo könnte ich noch offener für seine Führung sein?

Die Kraft der Liebe Jesu

Jesus hat Judas auch die Füße gewaschen und er hat es wissentlich getan. Jesus, der Judas mit Wohlwollen behandelt, zeigt seine Herrlichkeit: In dieser Geste der Liebe zum Feind offenbart sich die Fähigkeit Jesu zu lieben.

So sollen wir lieben, so werden wir gesandt: nicht etwa, um nach unseren kleinen Maßstäben zu lieben. Wir dürfen auf göttliche Weise lieben: in unserer Kleinheit und Schwäche zeigt sich die Kraft der Liebe Jesu.

Und wir sollen uns auch von diesem Wort Jesu herausfordern lassen: Wir alle haben etwas von Judas in uns, und anstatt Jesu liebevolle Gegenwart weiterzugeben, können wir ihn und seine Liebe verraten.

Frage: Wo in meinem Leben könnte ich trotz Schwäche oder Enttäuschung bewusst Liebe schenken, wie Jesus es getan hat?

Joh 13, 19 Vorhersage des Verrats

Joh 13,19: ‭Jetzt sage ich es euch, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es geschehen ist, dass ich es bin.‭

Ich bin es!

Judas hat nicht erkannt, wer Jesus war. Er hat in ihm nur den Menschen gesehen. Er hat sein Denken nicht gewandelt und als Jesus nicht mehr seinem Denken entsprach, hat er ihn schon innerlich verlassen.

Jesus ist der wahre Mensch schlechthin. Aber er ist nicht nur wahrer Mensch, er ist auch wahrer Gott: der einzige Sohn des Vaters, der an seinem Herzen ruht, und zu uns gekommen ist.

Nur wenn wir von innen her verstehen, wer er ist, können wir ihm folgen. Es übersteigt zwar unsere menschlichen Kräfte, seine Botschaft zu leben, doch zugleich erfüllt sie unsere tiefsten Sehnsüchte und so befähigt sie uns zu mehr, als wir selbst erahnen können.

Karl Maurer

Frage: Wo in meinem eigenen Leben habe ich vielleicht schon innerlich jemanden oder etwas verlassen, weil es meinem Denken oder meiner Vorstellung nicht entsprach?

Joh 13, 20 Aufnehmen und Sendung

Joh 13,20: ‭Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer den aufnimmt, den ich senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.‭

Wer einen aufnimmt, den ich sende, nimmt mich auf

Jesus trägt mir nicht nur den Dienst am Nächsten auf. Er versichert mir außerdem, dass die anderen in mir, der ich von ihm gesandt bin, ihm selbst begegnen. Was für eine Verantwortung, aber auch was für eine Ehre!

Es hängt von meiner ganz im Geist des Dienens verrichteten Mitarbeit an seiner Gnade ab, ob ich seinem Anspruch entspreche und die anderen wirklich in mir seine Gegenwart erfahren.
Valentin Schmidts

Frage: Wie kann ich heute in meinem Handeln bewusst ein Gefäß für die Gegenwart Gottes werden?

Häufige Fragen zu Joh 13, 16-20

Was bedeutet Joh 13, 16-20?

Dieser Abschnitt schließt das Lehrgespräch im Anschluss an die Fußwaschung ab und richtet den Blick auf die bevorstehende Entlarvung des Verräters. Das Geschehen unterstreicht die Sendung der Jünger in der Nachfolge ihres Meisters, deutet den Verrat als Erfüllung der Heiligen Schrift und verankert die Vollmacht der Gesandten in der Wesenseinheit von Sohn und Vater.

Welche Grundregel über das Verhältnis von Meister und Knecht stellt Jesus auf?

Jesus betont mit einem doppelten Bekräftigungswort, dass der Knecht nicht größer ist als sein Herr und der Gesandte nicht größer als der, der ihn gesandt hat. Er fügt hinzu, dass die Jünger selig zu preisen sind, wenn sie dies nicht nur wissen, sondern auch danach handeln.

Wie deutet Jesus den bevorstehenden Verrat aus den eigenen Reihen im Licht der Schrift?

Jesus stellt klar, dass seine Zusage nicht für alle Jünger gilt, da er weiß, welche er erwählt hat. Er verweist auf die Erfüllung der Schriftstelle: „Der mein Brot isst, hat seine Ferse gegen mich erhoben“, um zu zeigen, dass selbst das Handeln des Verräters nicht außerhalb des göttlichen Heilplans liegt.

Warum kündigt Jesus das Geschehen des Verrats bereits vor dessen Eintreffen an?

Jesus offenbart den bevorstehenden Verrat im Voraus, damit die Jünger, wenn es geschieht, im Glauben gestärkt werden und erkennen, dass er es ist („Ich bin es“ / Ego Eimi). Die Vorhersage dient somit als Erweis seiner göttlichen Allwissenheit und Souveränität.

Welchen hohen Stellenwert misst Jesus der Beauftragung seiner Gesandten zu?

Jesus schließt den Gedanken mit einer fundamentalen Bevollmächtigung ab: Wer den aufnimmt, den er senden wird, nimmt ihn selbst auf; wer aber ihn aufnimmt, nimmt den auf, der ihn gesandt hat. Damit verbindet er den Dienst seiner Boten direkt mit seiner eigenen göttlichen Sendung.

Joh 13, 1-15 Fußwaschung
Joh 13, 21-30 Der Verrat des Judas