Joh 13, 1-15:
Auslegung und Andacht
Fußwaschung

Joh 13, 1 Liebe des Herrn zu den Seinen

Joh 13,1: Vor dem Passafest aber, da Jesus wußte, daß seine Stunde gekommen war, daß er hinginge aus dieser Welt zum Vater, bewies er den Seinigen die Liebe, die er zu ihnen gehabt in der Welt, bis ans Ende.

Joh 13:1‬:  Wie er die Seinen liebte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.

Seine Stunde war gekommen

Jesu öffentlicher Dienst war beendet. In fast 24 Stunden würde Jesus am Kreuz hängen. Dies war der Anfang vom Ende, und Jesus nutzte diese letzten kostbaren Stunden, um seinen Jüngern zu dienen und sie vorzubereiten.

Die Seinen

Diese Jünger und alle Jünger waren und sind wirklich die Seinen, die zu Jesus gehören.

Sie waren sein Eigentum, weil er sie erwählt hat.

Sie waren sein Eigentum, weil er sich ihnen hingab.

Sie waren sein Eigentum, weil sein Vater sie ihm gab.

Sie waren sein Eigentum, weil er sie bald kaufen würde.

Sie waren sein Eigentum, weil er sie erobert hat.

Sie gehörten ihm, weil sie sich ihm hingaben.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich, dass ich mich ganz hingeben und zu etwas Größerem gehören kann?

Bis ans Ende

Bis zum Ende bedeutet bis zum Ende des irdischen Lebens Jesu.

Obwohl die Jünger Ihn aufgegeben haben, hat Er sie nie aufgegeben.

Obwohl sie aufhörten, an Jesus zu denken, und nur noch an sich selbst dachten, hörte Er nie auf, an sie zu denken.

Wessen Probleme waren schlimmer – die von Jesus oder die der Jünger? Wer war mehr um den anderen besorgt?

Er liebte sie bis zum Ende. Bis zum Ende bedeutet eine Liebe, die niemals enden wird.

Jesus wird nie aufhören, die Seinen zu lieben. Es ist keine Liebe, die kommt und geht, die heute da ist und morgen geht.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich diese unerschütterliche Liebe erfahren oder weitergeben?

Andacht von Benedikt XVI

Gott liebt sein Geschöpf, den Menschen. Er liebt ihn auch in seinem Gefallensein und überlässt ihn nicht sich selbst. Er liebt bis zur Vollendung.

Er geht mit seiner Liebe bis zur Vollendung, bis zum Äußersten: Er steigt aus seiner Herrlichkeit herab. Er legt das Gewand seiner göttlichen Herrlichkeit ab und legt das Gewand des Sklaven an. Er steigt herab bis in die äußerste Tiefe unseres Gefallenseins.

Frage: Wie kann ich Gottes Liebe in meinem eigenen Leben spüren, selbst in Momenten der Schwäche oder des Versagens?

Vor dem Pascha

Wie bei der Tempelreinigung erklingt das "vor dem Pascha" und wiederum geht es um die Lebenshingabe Jesu, seine Stunde.

Die Stunde Jesu ist die Stunde der Verwandlung allen Seins durch die Liebe bis ans Ende. Jesus geht zum Vater. Doch der heimkehrende Jesus streift nicht seine Menschheit wie etwas Verunreinigendes wieder ab.

Das Ziel seines Abstiegs war das Annehmen und Aufnehmen der ganzen Menschheit, das Heimkehren mit allen Menschen. Das Hinübergehen ist eine Verwandlung. Er nimmt sein Fleisch, sein Menschsein mit.

In der Hingabe seiner selbst am Kreuz wird er umgeschmolzen in eine neue Weise des Seins, in der er nun immer zugleich beim Vater und bei den Menschen ist.

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die Hingabe und das Annehmen des Menschseins als eine Verwandlung erfahren?

Andacht von Pfarrer von Ars

Wie groß ist die Liebe, wie groß ist die Güte Jesu Christi, dass er den Vorabend des Tages, an dem man ihn umbringen sollte, dazu ausersah, ein Sakrament einzusetzen, durch das er in unserer Mitte bleiben würde, um unser Vater, unser Tröster und unser ganzes Glück zu sein!

Wir können uns glücklicher schätzen als seine Zeitgenossen; denn damals weilte er ja nur an einem Ort, und man musste weit laufen, wollte man das Glück haben, ihn zu sehen.

Heute finden wir ihn an allen Orten der Welt, und dieses Glück ist mir zugesagt bis zum Ende der Welt.

O unermessliche Liebe eines Gottes zu seinen Geschöpfen!

Frage: Wie kann ich diese unermessliche Liebe im Alltag spüren und in meinem Herzen lebendig werden lassen?

Wie er die Seinen liebte

Die Seinen sind explizit beschrieben. Klar liebt er alle Menschen, aber die Seinen, die in der Welt waren, sind diejenigen, die ihn angenommen hatten und die er zurücklassen musste – dann wie ängstliche, verlorene Schafe.

Mit den Seinen meint er auch uns, die ihm jetzt nachfolgen, mit jeder Konsequenz. Bei dem Beweis dieser großen Liebe geht es sicher um sein Werk am Kreuz. Dabei können wir an eine unendliche Tiefe der Liebe denken.

Seine Liebe erstreckt sich auch in die Länge, in die Zukunft, denn es ist eine Liebe, deren Ende wir, wie weit wir auch schauen, nicht sehen können. Daran denkt Johannes, wenn er schreibt: „... liebte Er sie bis ans Ende“. Welchen Endpunkt wir uns auch ausdenken, seine Liebe geht noch darüber hinaus.

Wie weit wir auch in die Zukunft schauen mögen, seine Liebe ist auch dort. Was wir auch an Elend und Leiden mitmachen müssen, seine Liebe geht tiefer. Das Maß dieser Liebe ist nicht auszuloten oder zu ergründen. Diese Liebe können wir nur empfinden und bewundern.

Frage: Wie kann ich im Alltag die unendliche Tiefe dieser Liebe spüren und darauf reagieren?

Joh 13, 2 Judas’ Verratsplan

Joh 13,2: Der Teufel hatte Judas (...) ins Herz gegeben, ihn zu verraten.

Zur Person des Judas

Personen im Evangelium stellen Identifikationsfiguren dar. Soll heißen: sehe ich in der Person des Judas auch Anteile in meiner Persönlichkeit? Ich für mich muss es bejahen.

Eine Hypothese besagt, dass Judas aus Enttäuschung gehandelt hat, weil Jesus nicht die politische Befreiung gebracht hatte. Auch wenn ich mich darin übe, mich Gottes Willen hinzugeben, so gibt es – wenn auch selten – Lebenssituationen, in denen ich mit Gottes Entscheidungen hadere.

Eine andere Hypothese ist, dass hier das Böse schlechthin am Werk ist, dass Judas der Versuchung des Bösen nachgab. Und nicht nur einmal – auch ich gebe einer Versuchung nach.

Enden jedoch will ich mit der Barmherzigkeit.

Frage: Welche Anteile in mir sehne ich danach, mit Gottes Barmherzigkeit zu umarmen, selbst wenn ich mich selbst oder andere manchmal verliere?

Joh 13, 3 Jesu Vollmacht

Joh 13,3: Jesus aber wusste, dass der Vater ihm alles in die Hand gegeben hatte, dass er von Gott gekommen war und zu ihm zurückkehren würde.

Jesus aber wusste

Diese Erkenntnis bildet die Grundlage für die Fußwaschung der Jünger, die unmittelbar danach folgt. Sie verdeutlicht, dass Jesus nicht aus Unsicherheit oder Schwäche handelt, sondern aus souveräner Liebe und Demut.

Sein Wissen um seine göttliche Autorität befähigt ihn, den niedrigsten Dienst zu übernehmen. Diese Haltung dient als Vorbild für Christen: Wahre Größe zeigt sich in selbstloser Hingabe.

Johannes 13,3 erinnert daran, dass geistliche Autorität nicht im Herrschen, sondern im Dienen besteht – ein zentrales Prinzip des christlichen Glaubens.

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben lernen, Größe durch dienende Liebe zu zeigen?

Joh 13, 4 Ablegen der Kleider

Joh 13,4: Da stand er vom Tisch auf, legte sein Obergewand ab und band sich ein Tuch aus Leinen um.

Die Arbeit eines Dieners

In diesem Moment von tiefer Bedeutung tat Jesus etwas, das fast verrückt erscheinen musste. Er begann, die Arbeit des niedrigsten Dieners im Haushalt zu übernehmen. Er fing an, den Jüngern die Füße zu waschen.

Jesus legt das Gewand seiner Herrlichkeit ab, er umgürtet sich mit dem Leinentuch des Menschseins und macht sich zum Sklaven. Er wäscht die schmutzigen Füße der Jünger und macht sie so rein und tischfähig für das Gottesmahl, zu dem er sie lädt.

Er macht uns rein durch sein Wort und durch seine Liebe, durch die Gabe seiner selbst. Immer wieder wäscht er uns mit seinem Wort. Ja, wenn wir die Worte Jesu besinnlich, betend, glaubend in uns aufnehmen, entfalten sie in uns ihre reinigende Kraft.

Frage: Wo in meinem Leben darf ich mich von Jesus berühren lassen, um innerlich gereinigt und gestärkt zu werden?

Jesus gibt sich selbst

Jesus hat nicht nur gesprochen, uns nicht nur Worte hinterlassen. Er gibt sich selbst. Er wäscht uns mit der heiligen Kraft seines Blutes, das heißt mit seiner bis ans Ende, bis ans Kreuz reichenden Hingabe.

Sein Wort ist mehr als Rede, es ist Fleisch und Blut für das Leben der Welt. In den heiligen Sakramenten kniet der Herr immer wieder zu unseren Füßen und reinigt uns.

Bitten wir ihn, dass wir von dem heiligen Bad seiner Liebe immer tiefer durchdrungen und so wahrhaft gereinigt werden.

Oh allerliebster Jesu mein, sollst stets in meinem Herzen sein!

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag die Hingabe und Reinigung erfahren, die Jesus durch sein Wort und sein Blut schenkt?

Joh 13, 5 Die Fußwaschung

Joh 13,5: Er goss Wasser in eine Schüssel und begann, seinen Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Tuch abzutrocknen.

Dies war ein extremer Akt der Dienerschaft

Gemäß den jüdischen Gesetzen und Traditionen bezüglich der Beziehung zwischen einem Lehrer und seinen Schülern hatte ein Lehrer kein Recht zu verlangen oder zu erwarten, dass seine Schüler ihm die Füße waschen würden. Es war absolut undenkbar, dass der Meister seinem Schüler die Füße waschen würde.

Sich von Jesus reinigen lassen

Tag um Tag müssen wir vielerlei aufnehmen. Der ganz normale Alltagsstress. Hier ein Gespräch, dort eine Aufgabe, auf der To-do-Liste steht immer etwas drauf. Nicht alles läuft dabei harmonisch ab, Konflikte müssen bewältigt werden.

Fakt ist: wir werden gefordert und all das dringt in uns ein. All das verunreinigt immer wieder unsere Seele.

Bei Jesus können und müssen wir das alles am Tagesende wieder loslassen, uns gleichsam von ihm reinigen lassen, so wie wir täglich auch unseren Körper reinigen.

Wenn wir Jesu Worte wachen Herzens aufnehmen, sind sie wirkliche Waschungen, Reinigungen der Seele, des inneren Menschen.

Mach rein mich bis zum Herzensgrund, im Innersten mach mich gesund.

Frage: Wie könntest du heute bewusst einen Moment der inneren Reinigung zulassen und deine Seele von allem befreien, was dich belastet?

Andacht von Spurgeon

Der Herr Jesus liebt die Seinen so sehr, dass Er noch täglich vieles an ihnen tut, das dem Waschen schmutziger Füße entspricht. Er nimmt ihre minderwertigen Werke an. Er fühlt ihre tiefsten Leiden. Er hört ihre leisesten Wünsche und vergibt ihnen alle ihre Übertretungen.

Er ist noch heute ihr Diener, Freund und Meister. Er vollbringt nicht nur Wunder, trägt nicht nur das Stirnband um Sein Haupt und das juwelenbesetzte hohepriesterliche Brustschild auf Seiner Brust und steht nicht nur als ihr Fürsprecher vor dem Thron.

Er steht auch höflich bittend und voller Geduld unter den Seinen mit Waschschüssel und Handtuch bereit, um sie Tag für Tag von ihren ständigen Schwachheiten und Sünden zu reinigen.

Frage: Wie erlebst du persönlich die Gegenwart Jesu in den alltäglichen Momenten deines Lebens, in denen du Seine Fürsorge am meisten spürst?

Zur Fußwaschung

Uns von Christus die Füße waschen zu lassen, heißt anzuerkennen, dass wir uns nicht selbst reinigen können. Daher müssen wir zulassen, dass der Herr unser Diener ist, der uns wäscht, wachsen lässt und uns vergibt.

Gott ist es, der uns zuvorkommt, der uns zuvorkommen muss, sonst fehlt uns die Kraft. Er ist es, der die Initiative ergreift, ergreifen muss, sonst sind wir zu schwach. Daher ist es so wichtig, dass wir lernen zu empfangen, was Gott uns geben will, einmal und immer wieder.

Es ist schwierig zu lieben, wenn man selbst keine Liebe erfährt. Und noch schwieriger ist es zu dienen, wenn wir uns nicht von Gott bedienen lassen.

Christentum ist zuallererst Geschenk: Gott gibt sich uns – nicht etwas gibt er uns, sondern sich selbst. Gott bleibt immerfort der Schenkende. Deshalb ist der zentrale Akt des Christseins Eucharistie: Dankbarkeit für das Beschenktsein.

Benedikt XVI

Frage: Wie kann ich heute bewusst empfangen, was Gott mir schenken möchte, und dadurch selbst zu einem Kanal der Liebe werden?

Joh 13, 6 Petrus’ Einwand

Joh 13,6: Da kommt er zu Simon Petrus, und dieser spricht zu ihm: Herr, ‭du‭ wäschst mir die Füße?‭

Jesus wäscht den Jüngern die Füße

Das ist ein Sklavendienst. Jesus aber ist kein Sklave. Er tut es als freier Mann, als Gottes Sohn. Gottes Liebe ist bereit, so weit zu gehen.

Er ist sich nicht "zu schade", so etwas zu tun, um uns für die Liebe zu gewinnen. Er macht nicht halt vor einer Erniedrigung, nicht einmal vor dem schändlichen Verbrechertod.

Petrus sträubt sich, er spürt etwas Unpassendes in der Situation. Aber Jesus besteht darauf. Wie unglaublich demütig und groß ist doch Gottes Liebe!

Bin ich bereit, mich so von Gott, von Jesus lieben zu lassen?

Konstantin Ballestrem

Frage: Welche Momente in meinem Leben könnte ich bewusst dafür öffnen, Gottes Liebe in all ihrer Tiefe und Demut zu empfangen?

Mein demütiges "Ja"

Petrus widersetzt sich der Fußwaschung. Und ich, was würde ich tun? Könnte ich es ertragen, dass mein Herr sich vor mir niederkniet? Nein, das kann doch nicht sein!

Aber die Ursache für eine solche Weigerung wäre der Hochmut. Weil ich nicht bereit bin, meine Werteskala zu verändern. Ich bin nicht bereit, an Christus Anteil zu haben.

Hätte ich doch die Demut, mich von ihm lieben zu lassen, so wie sich ein kleines Kind von seiner Mutter lieben lässt, dann würde ich Anteil an der Erlösung erhalten.

In diesen entscheidenden Tagen der Geschichte stehen die Türen zum Himmel weit offen. Christus kniet vor meiner Freiheit nieder. Es hängt nur von mir ab, ob ich seine Liebe annehme und mit ihm eintrete.

Benoît Terrenoir

Frage: Wie bereit bin ich, die Liebe Christi anzunehmen und mein Herz wirklich zu öffnen?

Joh 13, 7 Späteres Verstehen

Joh 13,7: ‭Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt nicht; du wirst es aber danach erkennen.‭

Was ich tue, verstehst du jetzt nicht

Jesus spricht diese Worte zu Petrus, als er ihm die Füße waschen will. Petrus ist verwirrt und lehnt es zunächst ab, doch Jesus macht ihm klar, dass sein Handeln eine tiefere Bedeutung hat.

Diese Szene steht symbolisch für Demut und Dienstbereitschaft. Jesus, der Meister, erniedrigt sich und wäscht seinen Jüngern die Füße – ein Zeichen der Liebe und des Dienens.

Seine Worte deuten darauf hin, dass Petrus erst später, nach Kreuzigung und Auferstehung, das volle Ausmaß von Jesu Mission begreifen wird.

Die Botschaft für uns heute ist, dass Gottes Wege oft unergründlich erscheinen, aber mit Vertrauen und Geduld wird ihre Bedeutung offenbar.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens darf ich Demut üben und mich vom Dienst für andere leiten lassen?

Joh 13, 8 Notwendigkeit der Waschung

Joh 13,8: In Ewigkeit sollst du mir nicht die Füße waschen.

Joh 13:8: Petrus spricht zu ihm: Auf keinen Fall sollst du mir die Füße waschen!

Petrus Widerstand

Petrus’ Widerstand gegen die Fußwaschung bedeutet dasselbe wie sein Einspruch bei der Leidensankündigung. Hier wie dort drückt er das Gleiche aus: Du bist doch der Sieger. Du hast doch die Macht. Deine Erniedrigung, deine Demut darf nicht sein.

Und immer wieder muss Jesus uns neu zu erkennen helfen, dass die Macht Gottes anders ist, dass der Messias durch Leiden hindurch in die Herrlichkeit eingehen und in die Herrlichkeit führen muss.

Auch wir müssen immer neu lernen, dass Gottes Größe anders ist, als wir uns Größe vorstellen, dass sie gerade im Heruntersteigen, in der Demut des Dienens, in der Radikalität der Liebe bis zur völligen Entäußerung besteht. Wie häufig wollen wir stattdessen einen Gott der Erfolge.

Frage: Wo in meinem Leben fällt es mir schwer, Gottes Größe in Demut und Hingabe zu erkennen, statt in Erfolg und Macht?

Christi Liebe annehmen

Jesus hat nicht um „Erlaubnis” gebeten, demütig zu sein und zu dienen.

Die Frage des Petrus, „du, Herr, willst mir die Füße waschen?”, ist nicht als eine wirkliche Nachfrage zu verstehen, sondern eher als eine kritische Bemerkung zu dem, was Jesus zu tun beabsichtigte.

Brauchen Demut und Liebe unsere „Erlaubnis”? Die Frage lautet: wer ist demütig genug, um die Liebe eines anderen zu empfangen? Bin ich demütig genug, um Jesu Liebe zu mir zu empfangen?

Jesu Demut und Nächstenliebe wirken reinigend. Und tatsächlich muss gerade die Einstellung, „niemals sollst du mir die Füße waschen”, weggewaschen werden.

Nur die Armen im Geist, die, die ein reines Herz haben, und die, die wie die Kinder sind, werden in das Himmelreich eingehen.
Shane Lambert.

Frage: Wie offen bin ich wirklich dafür, die Liebe und Demut, die mir geschenkt werden, anzunehmen und mein Herz dafür zu reinigen?

Joh 13,8: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du keine Gemeinschaft mit mir.

Das ist für mich einer der zentralen Sätze bei der Fußwaschung

Wenn Jesus nicht an mir handelt, habe ich keine Gemeinschaft mit ihm. Sein Handeln an mir macht mich rein.

Damit ich Gemeinschaft mit Gott haben kann, muss ich rein sein. Je mehr ich aber ins Licht (Jesus) komme, desto mehr fühle ich mich verschmutzt und der Reinigung bedürftig, vor allem in meinem Herzen.

Mein Glaube reinigt mein Herz in Christus. Es ist sein Wort, sein Dasein, das in uns eindringt, unser Denken und Wollen, unser Herz umgestaltet und es so öffnet, dass es ein sehendes Herz wird.

Frage: Wie offen ist mein Herz wirklich für das Licht, das mich innerlich reinigt und verwandelt?

Wir sind dankbar, dass Jesus nicht gesagt hat

Wenn du keine große Heiligkeit hast, hast du kein Teil an mir. Wir sind froh, dass er nicht gesagt hat: Wenn du kein Bibelexperte bist, hast du keinen Anteil an mir. Ein Teil von Jesus zu sein, beginnt einfach damit , etwas von Ihm zu empfangen , nicht selbst etwas zu erreichen.

Gemeinschaft mit Christus

Christus ist immer der Kommende, der die Gemeinschaft mit uns sucht, die uns im Innersten rein macht. Für dieses Kommen müssen wir wachsam und bereit sein.

Wir sind es, die immer wieder abwesend sind im Leben unserer täglichen Routine. Ganz da sein, selbst mitten in Umständen, die du nicht willst, nicht erwartest und nicht magst.

Versuche dabei ergebnisoffen zu sein, nur so kann Gott, der deinen freien Willen achtet, dich lenken. Der Mensch denkt, Gott lenkt.

Der Weg zu dieser Achtsamkeit ist das Gebet, das eben nicht funktionalisiert wird zu einem Deal auf Gegenleistung, sondern ein Gebet, das den Geist leert und das Herz füllt, um zu erkennen, dass du ein lebendiger Tabernakel bist.

Frage: Wie kannst du heute bewusst im Moment gegenwärtig sein und deinen inneren Raum für Gottes Führung öffnen?

Joh 13, 9 Petrus’ Ganzkörper-Wunsch

Joh 13,9: ‭Simon Petrus spricht zu ihm: Herr, nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt!‭

Das Bad ist deine Taufe, dein Eingesenktsein in Christi Tod und Auferstehung

Dieses Bad der Taufe ist die bis in den Tod hineingehende Liebe Jesu, in die wir eingetauft werden. Durch Jesus sind wir rein und empfangen somit das Geschenk der Begegnung mit Gott in Jesus Christus.

Das ist das größte Geschenk, dass wir nie als selbstverständlich wahrnehmen dürfen! Die Reinheit ist Geschenk. Das Durchdrungenwerden von seiner Gegenwart ist das Wesentliche.

Ihr seid rein: in diesem wunderbar einfachen Wort Jesu ist das Christusgeheimnisses zusammenfassend ausgesagt. Benedikt XVI

Frage: Wie öffnest du dich im Alltag bewusst der Liebe und Gegenwart Jesu, sodass sie dich innerlich erfüllt und trägt?

Joh 13, 10 Wer badet, ist rein

Joh 13,10: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein. Er braucht sich nur noch die Füße zu waschen.

Sich die Füsse von Jesus waschen zu lassen, meint das Bekenntnis der Sünden

Im Bekenntnis unserer Sünden wäscht der Herr immer neu unsere schmutzigen Füße und zubereitet uns so für die Gemeinschaft mit ihm.

Schuld braucht Bekenntnis, sonst vergiftet sie im Stillen die Seele. Durch das Bekenntnis tragen wir sie ans Licht, halten sie in Christi reinigende Liebe hinein.

Wir müssen anerkennen, dass wir auch in unserer neuen Identität als Getaufte sündigen. Wir brauchen daher dieses Bekenntnis.

Denn meine Sünde brennt in mir, ja schuldig ist mein Herz vor dir.

Frage: Wo in meinem Leben brauche ich heute die heilende Reinigung durch das Bekenntnis, um Gottes Nähe wieder bewusster zu spüren?

Joh 13, 11 Wissen um den Verräter

Joh 13,11: ‭Denn er kannte seinen Verräter; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.‭

Joh 13, 12 Deutung des Dienstes

Joh 13,12: Nachdem er nun ihre Füße gewaschen und sein Obergewand angezogen hatte, setzte er sich wieder zu Tisch und sprach zu ihnen: Versteht ihr, was ich euch getan habe?‭

Begreift ihr, was ich an euch getan habe? 

Wahrscheinlich nicht. Aber wir versuchen es: Jesus hat uns gezeigt, dass Gott mit seiner Liebe ganz für uns da ist. Dass er immer auf uns zugehen wird, dass er uns immer dienen möchte, dass es ihm immer um uns geht und er nichts für sich sucht.

Er ist tatsächlich der Einzige, der stets vollkommen selbstlos liebt. Er hat mich zuerst geliebt, er hat mir zuerst gedient. Wie soll ich antworten? Kann ich anders antworten, als mit dem ehrlichen Vorsatz, auch so großherzig wie möglich zu lieben?

„Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag bewusster Liebe und Dienstbarkeit leben, ohne etwas im Gegenzug zu erwarten?

Jesus ist der Erste, der vor den Jüngern kniet

Deshalb kann ich, wenn ich die Kapelle betrete und vor dem Allerheiligsten knie, nicht vergessen, dass er der Erste war, der vor mir kniete, um mich zu waschen, zu läutern, zu reinigen und mir eine Liebe zu zeigen, die meine eigenen Maßstäbe übersteigt.

Gott selbst hat sich vor mir niedergeworfen: einem unwürdigen Geschöpf, das er aber unendlich liebt.

Br. Héctor Baca LC

Frage: Wie offen bin ich dafür, Gottes Liebe in meinem eigenen Leben wirklich zuzulassen und mich von ihr verwandeln zu lassen?

Joh 13, 13 Herr und Meister

Joh 13,13: ‭Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht; denn ich bin es auch.‭

Ihr nennt mich Meister und Herr

In diesem Vers betont Jesus seine Autorität als Lehrer und Herr. Die Jünger erkennen ihn als ihren geistlichen Führer an, und Jesus bestätigt dies.

Doch der Kontext zeigt, dass er diese Autorität nicht zur Machtausübung, sondern zum Dienen nutzt. In der vorhergehenden Fußwaschung demonstriert Jesus Demut und Liebe. Er lehrt, dass wahre Größe im Dienen liegt.

Dies fordert auch die Jünger – und damit alle Christen – auf, einander in Demut zu begegnen. Der Vers erinnert daran, dass Christus zwar Herr ist, aber seine Herrschaft durch Liebe und Dienst zeigt, was ein Vorbild für alle Gläubigen ist.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens kann ich lernen, durch Liebe und Dienst Autorität verantwortungsvoll zu leben?

Joh 13, 14 Beispiel zur Nachfolge

Joh 13,14: Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr einander die Füße waschen.

Jede gute Tat ist ein Dienst der Fußwaschung!

Zum Mut zur Güte sind wir berufen, besonders dem Leidenden und Geringgeachteten gegenüber. In dieser Güte allen Menschen gegenüber dürfen wir verharren und ihr vertrauen trotz der Verletzungen, die uns angetan werden.

Uns einander die Füße zu waschen bedeutet in einer noch tieferen Dimension vor allem, einander unermüdlich zu vergeben, immer wieder zusammen einen neuen Anfang zu machen, so unnütz es auch erscheinen mag.

Es bedeutet, einander zu reinigen, indem wir uns gegenseitig tragen und es zulassen, dass die anderen uns tragen.

Frage: Wann hast du zuletzt jemandem unermüdlich vergeben, und wie hat dich das innerlich verändert?

Liebevolle Demut

Liebevolle Demut ist eine gewaltige Macht, die stärkste von allen, und es gibt keine andere, die ihr gleichkäme.

Es muss jemand da sein, der einen Dienst am anderen tut, und es muss einer da sein, der diesen Dienst auch entgegen nimmt. Von beiden ist Demut verlangt.

Der Eine lässt sich herab, geht auf die Knie, und tut dem anderen einen Dienst der Nächstenliebe, Werke aus Jesu Christi.

Der Andere gibt zu, dass er diesen Dienst der Nächstenliebe braucht.

Dienen heißt Demut lernen! Waldemar Scherer

Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich es zugelassen, dass liebevolle Demut sowohl gegeben als auch empfangen wird?

Joh 13, 15 Vorbild gegeben

Joh 13,15: Ich habe euch damit ein Beispiel gegeben, dem ihr folgen sollt. Handelt ebenso!

Das Miteinander von Geschenk und Beispiel ist elementar für den christlichen Glauben

Christentum ist nicht ein bloßes ethisches System. Am Anfang steht nicht unser Tun, unser Gutsein. Christentum ist zuallererst Geschenk. Gott gibt sich uns, nicht etwas gibt er uns, sondern sich selbst. Er bleibt immerfort der Schenkende.

Deshalb ist der zentrale Akt des Christseins Eucharistie: Dankbarkeit für das Beschenktsein, Freude über das neue Leben, das er uns gibt.

Wer sich beschenken lässt, als Beschenkter erfährt, wird selber zum Schenkenden werden. Jedes gute Werk hat seinen innersten Antrieb in dieser Erfahrung: Weil ich vom Herrn beschenkt bin, schenke ich weiter.

Frage: Wie öffnest du dich im Alltag dafür, das Geschenk Gottes in deinem Leben bewusst wahrzunehmen und daraus selbst Freude und Geben entstehen zu lassen?

Häufige Fragen zu Joh 13, 1-15

Was bedeutet Joh 13, 1-15?

Dieser Abschnitt schildert die Fußwaschung beim Letzten Abendmahl und markiert den Übergang vom öffentlichen Wirken Jesu zu seiner Leidensgeschichte. Das Geschehen zeigt die dienende Liebe des Messias, der seinen Jüngern vor seinem Gang ans Kreuz ein beispielhaftes Zeichen der Hingabe setzt und sie zu gegenseitiger Dienmut auffordert.

Wie leitet der Evangelist das Geschehen der Fußwaschung ein und welche Motivation steht dahinter?

Der Evangelist beschreibt, dass Jesus vor dem Passafest wusste, dass seine Stunde gekommen war, aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zum Vollendungsmal (bis ans Ende).

Welchen symbolischen Akt vollzieht Jesus während des Mahles an seinen Jüngern?

Jesus steht vom Mahl auf, legt seine Oberkleider ab, umgürtet sich mit einem Leinentuch, gießt Wasser in ein Becken und beginnt, den Jüngern die Füße zu waschen und sie mit dem Tuch abzutrocknen.

Wie reagiert Simon Petrus auf die Handlung Jesu und wie antwortet Jesus ihm?

Petrus weigert sich zunächst und erklärt, dass Jesus ihm niemals die Füße waschen werde. Jesus entgegnet ihm, dass Petrus, wenn er ihn nicht wasche, kein Teil an ihm habe; woraufhin Petrus verlangt, nicht nur die Füße, sondern auch die Hände und das Haupt gewaschen zu bekommen, worauf Jesus betont, dass wer gebadet ist, ganz rein ist.

Welche Vorbildfunktion schreibt Jesus der Fußwaschung für seine Jünger zu?

Nachdem er seine Kleider wieder angelegt hat und sich wieder zu Tisch gesetzt hat, erklärt er ihnen, dass er ihnen als ihr Herr und Meister ein Beispiel gegeben hat: Wie er ihnen die Füße gewaschen hat, so sollen auch sie einander die Füße waschen.

Joh 12, 37-50 Unglaube und das Wort Jesu
Joh 13, 16-20 Der Auftrag der Jünger