Joh 10, 22-30:
Auslegung und Andacht
Jesus und Einheit mit dem Vater

Joh 10, 22-23 Jesus im Tempel

Joh 10,22: ‭Es fand aber in Jerusalem das Fest der Tempelweihe statt; und es war Winter.‭

Joh 10,23: ‭Und Jesus ging im Tempel in der Halle Salomos umher.‭

Joh 10, 24 Frage nach Messianität

Joh 10,24: ‭Da umringten ihn die Juden und sprachen zu ihm: Wie lange hältst du unsere Seele im Zweifel? Bist du der Christus, so sage es uns frei heraus!‭

Wie lange noch willst du uns hinhalten?

Es ist durchaus verständlich, dass die Leute endgültig eine eindeutige Antwort von Jesus wollen; es geht schließlich um den Messias.

Drückt ihre Frage allerdings nicht im Grunde eine ablehnende Einstellung aus? Und lässt Gott uns nicht bei aller Klarheit seiner Offenbarung immer die Möglichkeit, diese abzulehnen, weswegen am Ende stets auch unser Schritt des Glaubens nötig ist?

Es liegt an mir, immer wieder diesen Schritt zu tun, oder eben nicht.
Valentin Schmidts

Frage: Welcher Schritt des Glaubens fällt mir heute besonders schwer, und wie könnte ich ihn mutig angehen?

Joh 10, 25 Zeugnis der Werke

Joh 10,25: ‭Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich tue im Namen meines Vaters, diese geben Zeugnis von mir.

Ich habe es euch gesagt, aber ihr glaubt nicht

Die Antwort Jesu auf diese Anfrage hin ist klar: Seine Worte offenbaren eindeutig seinen Anspruch, der Messias, der Sohn Gottes, zu sein. Und auch seine Werke sind ein unmissverständliches Zeichen. Kurz: Jesu Worte und Taten sind stimmig.

An ihn zu glauben, ist also in keiner Weise unvernünftig. Nicht zu glauben, ist hingegen nicht zu rechtfertigen, denn dazu muss ich mich verschließen.

Mit dieser Erkenntnis steht meinem Glauben eigentlich nichts mehr im Wege. Es hängt von meiner Freiheit und Offenheit ab.

Valentin Schmidts

Frage: Welche inneren Mauern könnte ich loslassen, um meiner eigenen Offenheit für spirituelle Wahrheit Raum zu geben?

Joh 10, 26 Unglaube mangels Zugehörigkeit

Joh 10,26: ‭Aber ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von meinen Schafen, wie ich euch gesagt habe.‭

Ihr aber glaubt nicht, weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört.

Anscheinend kann nur wirklich an Jesus glauben, wer zu seiner Herde gehört.

Jesus lädt mich ein, mich ihm zugehörig zu fühlen, ihn jeden Tag näher kennenlernen zu wollen, um seine Liebe tiefer zu erfahren. Nur so kann ich ein echter Jünger sein und mein ganzes Leben im Glauben auf Jesus Christus bauen.

Je treuer ich Jesus nachfolge, desto eher bin ich für Glaubensprüfungen gewappnet.

Valentin Schmidts

Frage: Wie spüre ich in meinem eigenen Leben die Einladung Jesu, mir seiner Nähe und Liebe immer wieder bewusst zu öffnen?

Ihr glaubt nicht, weil ihr nicht Meine Schafe seid

Die religiösen Führer wollten, dass Jesus deutlich spricht, und hier sprach Er klarer, als sie wahrscheinlich erwartet hatten. Jesus hatte ihnen bereits zuvor gesagt, dass sie keine wahren Hirten seien (Joh 10:5, 10:8, 10:10, 10:12-13).

In diesem Moment machte Jesus ihnen noch deutlicher, dass sie nicht einmal echte Schafe seien, denn die Schafe des Messias glauben und hören Seine Stimme.

Frage: In welchem Bereich meines Lebens höre ich heute wirklich die Stimme des Messias und folge ihr?

Joh 10, 27 Schafe hören Jesus

Joh 10:27: ‭Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach;

Für dein Leben

  • Hör auf Jesus' Stimme: Du bist eingeladen, auf die Führung Jesu zu hören. In deinem Alltag kannst du Entscheidungen treffen, die seinem Willen entsprechen, indem du seine Worte in der Bibel liest und im Gebet mit ihm sprichst.
  • Folge ihm mit Vertrauen: Indem du Jesus nachfolgst, vertraust du ihm auch in schwierigen Situationen. Selbst wenn der Weg herausfordernd ist, kannst du sicher sein, dass er dich führt und schützt.

Hören auf Jesus, der uns kennt

Ich bin immer bei dir.

An dieser Stelle fordert uns Jesus auf, ihm und seiner Stimme zu folgen und ihm zu vertrauen. Er ist der gute Hirt, der uns beschützt und für uns sorgt.

Aber manchmal können wir daran zweifeln oder uns fragen, ob wir wirklich zu den Schafen Jesu gehören. Wir können uns verloren oder verlassen fühlen, besonders in schwierigen Zeiten.

Doch wir sollten uns oft daran erinnern, dass Jesus immer bei uns ist und uns nie verlassen wird. Lasst uns heute ehrlich daran arbeiten, uns auf Jesus zu verlassen und ihm zu vertrauen, auch wenn wir uns verloren oder verlassen fühlen.

Lassen wir uns von ihm führen und beschützen, auf den Weg des ewigen Lebens bringen, wie er uns versprochen hat. Denken wir immer daran, dass wir Jesu Schäflein sind und dass er uns nie im Stich lassen wird.

Luis Trujillo

Frage: Wo in meinem Leben kann ich heute spüren, dass Jesus bei mir ist, auch wenn ich mich unsicher oder verloren fühle?

Deine Stimme, das ist dein Wort

In deinen Worten, bist du selber gegenwärtig. Und so stimmt es, dass die Heilige Schrift das Buch des Lebens ist. Das Zweite Vatikanische Konzil lädt uns ein, uns dem Wort Gottes mit der gleichen Ehrfurcht zu nähern, wie Christus in der Eucharistie.

Sein Wort hat die Kraft, in uns lebendig zu werden. Wie aber wird es lebendig? Es wurde schon gesagt: Wenn wir uns in Ehrfurcht nahen. Wenn wir es in Liebe aufnehmen. Wenn wir es in unserem Herzen liebend betrachten.

Wie sehr hilft uns da das Beispiel Mariens: „Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.” (Lk 2, 51) Maria hat alles in ihrem Herzen erwogen. Was heißt das aber, im Herzen bewahren, im Herzen erwägen?

Im Herzen bedeutet in Beziehung zu dem, den man liebt. Und das war für Maria eindeutig Gott. Nur so kann in uns ein lebendiger Glaube reifen.

Karl Maurer

Frage: Wie kannst du heute das Wort Gottes in deinem Herzen bewahren, um deine Beziehung zu ihm lebendig werden zu lassen?

Sie folgen mir nach

Wir sollten unserem Herrn und Heiland so bereitwillig folgen wie Schafe ihrem Hirten, denn Er hat ein Recht darauf, uns zu leiten, wohin es Ihm gefällt. Wir gehören nicht uns selbst, sondern wir sind teuer erkauft. Darum wollen wir die Rechte des versöhnenden Blutes an uns erkennen.

Der Krieger folgt seinem Führer, der Knecht gehorcht seinem Herrn; wie viel mehr müssen wir unserem Heiland folgen, dessen teuer erworbenes Eigentum wir sind! Wir sind unserem Christenbekenntnis nicht treu, wenn wir die Gebote unseres Führers und Befehlshabers in Frage stellen.

Unterordnung ist unsere Pflicht, Aufbegehren ist unsere Dummheit.

Frage: Wo in meinem Leben könnte ich die Führung meines Heilandes klarer erkennen und ihm vertrauensvoller folgen?

Sie folgen mir nach

Wohin uns der Herr auch führt, Er geht uns stets voran. Wenn wir nicht wissen, wohin wir gehen, so wissen wir mit wem wir gehen. Wenn wir einen solchen Begleiter bei uns haben, wer will dann die Gefahren des Weges fürchten?

Die Reise mag lang dauern, aber Seine ewigen Arme tragen uns bis ans Ende. Die Gegenwart Jesu ist die Versicherung ewiger Errettung: Weil Er lebt, sollen auch wir leben. Wir sollten Christus in Einfachheit und im Glauben nachfolgen, denn die Wege, auf denen Er uns leitet, führen uns zu Herrlichkeit und Unsterblichkeit.

Es ist wahr, sie sind nicht die sanftesten Pfade. Vielleicht beinhalten sie auch harte Prüfungen, aber sie führen zu der „Stadt, die einen Grund hat, welcher Baumeister und Schöpfer Gott ist.“ Wir wollen volles Vertrauen auf unseren Führer setzen, weil wir wissen, dass im Glück oder Unglück, in Krankheit oder Gesundheit, in Achtung oder in Schmach Sein Ziel erreicht wird.

Dieses Ziel ist das reine, ungetrübte Heil, das jedem Erben der Gnade zuteilwird. Wir sollten es als angenehm empfinden, den rauen Abhang des Berges mit Christus hinaufzusteigen. Wenn uns Regen und Schnee ins Gesicht wehen, so stärkt uns Seine teure Liebe weit mehr als diejenigen, die zu Hause sitzen und ihre Hände am Feuer der Welt wärmen.

Frage: Wo spüre ich im eigenen Leben die leise Führung Gottes, selbst wenn der Weg schwierig ist, und wie kann ich ihr noch vertrauensvoller folgen?

Ich kenne sie

Das griechische Wort für kennen „gignoskein“ beschreibt auch das Einswerden von Mann und Frau. Es ist also eine sehr intime und vertraute Beziehung zwischen Jesus und uns.

Wir alle sehnen uns danach, dass uns jemand ganz und gar annimmt, obwohl er all unsere Schwächen und Schattenseiten kennt. Was von Jesus als dem guten Hirten gesagt wird, das gilt auch von uns.

Auch wir sollten einander annehmen, auch wenn wir den andern in seiner Wahrheit erkennen. Wir sollten versuchen, einander zu verstehen, anstatt zu bewerten.

Anselm Grün

Frage: Wie kann ich heute bewusst jemanden in seiner Ganzheit annehmen, ohne zu urteilen?

Joh 10, 28 Ewiges Leben sicher

Joh 10:28: ‭und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht verlorengehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.

Vor allem durch das Hören auf sein Wort wächst und nährt sich unser Glaube

Wer aufmerksam auf die Stimme des Herrn hört, wird im Großen wie im Kleinen die richtigen Entscheidungen treffen, Gottes Willen entsprechend zu handeln.

Hören wir auf die Stimme des guten Hirten Christus.

Jesus ist und bleibt der Gute Hirt, und wer ihm vertraut, wird nicht enttäuscht. Das gibt Zuversicht!

Folgen wir seinen Spuren.

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag bewusster auf die leise Stimme Gottes hören und ihr vertrauen?

Erkennen auf Hebräisch hat eine sehr tiefe Bedeutung

Ich weiß nicht nur, wie du heißt, oder wie du lebst… Es ist das Verb der Intimität, der intimen Beziehung. Es ist nicht etwas Intellektuelles, sondern eher etwas, was man erlebt.

Von Christus erkannt zu werden, bedeutet, eins mit ihm zu sein, von ihm eine intime Erfahrung zu machen. Unsere Beziehung zu Jesus beginnt damit, dass wir ihn erkennen. Sie beginnt mit seiner Vertrautheit mit uns.

Wie sehr hilft es und tröstet es uns, dass uns jemand gründlich und gut kennt, uns versteht und Mitleid mit uns hat. Liebe beinhaltet all das: Liebe ist keine Frage der Befriedigung, sondern der Beziehung.

Sie ist eine Beziehung mit jemandem, der bis in die Tiefe deines Herzens hinabreicht und dich kennt. Du kennst dich nicht so gut, wie er dich kennt. Deshalb folgen wir ihm, deshalb sind wir Christen: weil er uns kennt!

Br. Ignacio Maria Rubio

Frage: Wie offen bist du bereit, dich von dieser tiefen Kenntnis und Nähe berühren zu lassen?

Christus führt uns und wir folgen

Christus selbst führt uns durch seinen Heiligen Geist auf unserem Weg heraus aus der Gefangenschaft in uns selbst, in unserer Sünde. Er leitet uns durch die Wüste des irdischen Weges hin zum himmlischen Hochzeitsmahl.

Schon auf dem Weg durch die Wüste ist Gott da und führt uns, ja, er umgibt uns von allen Seiten.

Aber: Erst wenn wir bereit sind, alle alten Bindungen zurückzulassen und uns ganz zu geben in Liebe, kann der Geliebte uns eine neue Heimat geben und uns einführen in sein königliches Reich.

Auf dem geistlichen Weg sind wir ständig bedroht von den Mächten des Bösen. Christus will uns vor diesen Gefahren in Sicherheit bringen. Wenn wir alles zurücklassen und uns ihm ganz anvertrauen, sind wir vor allen Gefahren sicher.

Wenn wir auf die Stimme des Guten Hirten hören und ihr folgen, kann uns nichts mehr etwas anhaben.

Frage: Welche alten Bindungen oder Muster hindern mich noch daran, mich vollständig der Liebe Gottes hinzugeben?

Der gute Hirt trennt sich nicht von seinen Schafen

Jesus versichert uns, er werde niemals zulassen, dass uns jemand oder etwas von ihm trennt. Was für eine Erleichterung!

Wir brauchen auch keine Angst davor haben, allein zu sein, denn Jesus sichert uns zu, uns ein Leben lang zu begleiten.

Jesus sagt, dass er und der Vater eins sind. Somit ist Gott Gemeinschaft und möchte, dass wir Anteil an dieser Gemeinschaft haben und mit ihm leben.

Deshalb können wir uns immer damit trösten, dass Gott uns nie allein lässt.
Br. Pablo R. de la Gala LC

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich die Gegenwart Gottes am deutlichsten, und wie kann ich mich noch bewusster auf diese Gemeinschaft einlassen?

Was ist das Wesen dieser Beziehung, was ist ihr Geheimnis?

Es ist unauslöschlich: Wenn du eine tiefe Erfahrung von Christus gemacht hast, weißt du, dass sie deine tiefe Wahrheit berührt und dass sich das nicht mehr ändern kann.

Du kannst diese Schönheit, Zärtlichkeit und Intimität, die du gekannt hast, nicht leugnen. Sie hat dich für immer geprägt.

Wir müssen uns an die Momente erinnern, in denen wir uns erkannt gefühlt haben und wussten, dass wir besucht worden sind. Erkennt die Schönheit und süße Zärtlichkeit dieses Hirten!

Wir feiern diese Erfahrung in den Sakramenten und wir erkennen ihren Widerschein in allen Umständen des Lebens. Sie ist die Quelle unserer Freude: Ich bin von meinem Hirten geliebt und erkannt.

Br. Ignacio Maria Rubio

Frage: In welchen Momenten habe ich die Liebe und Zärtlichkeit meines spirituellen Weges besonders tief gespürt, und wie kann ich diese Erfahrung heute in meinem Leben lebendig halten?

Joh 10, 29 Hand des Vaters

Joh 10,29: ‭Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters reißen.‭

Niemand kann sie reißen

Das physische Leben mag zerstört werden, aber diejenigen, die durch den Glauben mit dem Sohn Gottes verbunden sind, diejenigen, die zur Herde des wahren Hirten gehören, können niemals das wirkliche Leben verlieren, denn er bewahrt es sicher.

Er wird dich auf seinen Händen tragen

Um Jesus so anzunehmen, wie er ist, muss man ihm einen Vertrauensvorschuss geben und einen Schritt in die Unsicherheit wagen. Solch ein Schritt kann sich wie ein Schritt ins Leere anfühlen, dorthin, wo wir nicht wissen, was geschehen wird.

Jesus aber lädt uns ein, diesen Schritt zu tun, denn er möchte, dass wir im Vertrauen zu ihm wachsen und wissen, dass wir sicher sein können, nicht ins Leere zu fallen, weil wir auf seinen Händen über den Abgrund der Unsicherheit und der Angst hinwegschreiten können.

Br. Raphael Meyer

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich die Einladung, einen Schritt ins Unbekannte zu wagen und meinem Vertrauen zu folgen?

Tun Sie den Schritt ins Vertrauen! 

Vielleicht haben wir das schon öfters gehört, aber, wenn wir ehrlich sind und unser Leben anschauen, gibt es da immer etwas Konkretes, um das Jesus uns bittet.

Wenn du gerade vor einer Entscheidung stehst und Gutes tun willst, das dich etwas kostet, ist vielleicht jetzt die Zeit, seiner Einladung zu folgen und Ja zu seinem Willen zu sagen, den Schritt zu tun und auf seiner Hand über den Abgrund der eigenen Ängste hinwegzuschreiten.

Im Vertrauen auf Gott wird der Abgrund zur Ebene.

Br. Raphael Meyer

Frage: Welcher Schritt in meinem Leben verlangt heute mein Vertrauen, damit sich Ängste in Möglichkeiten verwandeln können?

Joh 10, 30 Gott und Ich: Eins

Joh 10,30: ‭Ich und der Vater sind eins.‭

Ich und der Vater sind eins – Einheit im Sein.

Ich und der Vater sind eins.
An dieser Aussage Jesu können wir viel zu schnell vorbeigehen.
Wir wollen einen Moment innehalten.

Jesus sagt hier etwas, was noch nie vorher jemand gesagt hat. Und auch nie nachher sagen wird.
Ich, dieser Mensch Jesus Christus, bin Gott, dem unendlichen Schöpfer des Universums, gleich.

„Das Wort ist Fleisch geworden“ lesen wir bei Johannes, der damit dasselbe sagt.
Jesus ist Gott, der eine menschliche Natur angenommen hat.

Kannst du darüber staunen?
Kannst du jetzt still werden und dich wundern?

Gott, dieses unbegreifliche, unaussprechliche, unsagbar gigantische und große Wesen, dieser allmächtige Schöpfer, durch den alles geworden ist, dieser Gott wird ein Mensch.

Klaus Einsle

Frage: Wo in deinem Leben spürst du die Einheit mit dem Göttlichen – leise, unscheinbar und doch tief gegenwärtig?

Andacht von Cyrill von Jerusalem

Glauben musst du an den einen und einzigen Sohn Gottes, unsern Herrn Jesus Christus, Gott, erzeugt aus Gott, Leben, erzeugt aus dem Leben, Licht, erzeugt aus dem Lichte.

Ähnlich ist er in allem dem Erzeuger. Nicht in der Zeit hat er das Sein erhalten, sondern vor aller Ewigkeit ist er ewig vom Vater in unfassbarer Weise geboren worden.

Er ist die Weisheit Gottes und die persönliche, wesenhafte Kraft und Gerechtigkeit. Er sitzt zur Rechten des Vaters vor aller Ewigkeit. Denn nicht ist er, wie einige geglaubt haben, nach seinem Leiden gewissermaßen von Gott gekrönt worden, nicht hat er wegen seiner Geduld den Thron zur Rechten erhalten, sondern seitdem er ist – er ist aber ewig erzeugt –, hat er die königliche Würde und thront mit dem Vater, da er, wie gesagt, Gott, Weisheit und Kraft ist.

Er regiert zugleich mit dem Vater und hat alles um des Vaters willen erschaffen. Nichts fehlt ihm zur göttlichen Herrlichkeit. Er kennt den Erzeuger, wie er vom Erzeuger gekannt wird.

Um es kurz zu sagen, denke an das Wort, das in den Evangelien geschrieben ist: Niemand kennt den Sohn außer der Vater, und niemand kennt den Vater außer der Sohn“ (Mt 11,27).

Frage: Wie kann das Bewusstsein der ewigen Einheit zwischen Vater und Sohn dein eigenes Verständnis von Beziehung, Ursprung und göttlichem Leben vertiefen?

Häufige Fragen zu Joh 10, 22-30

Was bedeutet Joh 10, 22-30?

Dieser Abschnitt schildert die Erneuerung der Spaltung unter den Juden nach der Hirtenerzählung und die spätere Konfrontation beim Tempelweihefest in Jerusalem. Das Geschehen gipfelt in der Absage Jesu an den Unglauben seiner Widersacher, der Zusicherung des ewigen Schutzes für seine echten Schafe und dem fundamentalen Bekenntnis zu seiner Wesenseinheit mit dem Vater.

Welche Reaktionen löst die Rede vom Guten Hirten unter den jüdischen Zuhörern aus?

Die Worte Jesu führen erneut zu einer tiefen Spaltung unter den Zuhörern. Viele behaupten, er habe einen Dämon und sei wahnwitzig, weshalb man nicht auf ihn hören solle; andere entgegnen jedoch, dass dies nicht die Worte eines Besessenen seien und ein Dämon wohl kaum die Augen von Blinden öffnen könne.

Unter welchen Umständen fordern die jüdischen Autoritäten eine eindeutige Aussage von Jesus?

Es findet in Jerusalem das Tempelweihefest (Chanukka) statt, es ist Winter, und Jesus geht im Tempel in der Halle Salomos umher. Dort umringen ihn die jüdischen Autoritäten und verlangen eine direkte Antwort auf die Frage, wie lange er ihre Seelen noch hinhalten wolle und ob er der Christus sei.

Wie erklärt Jesus den Unglauben seiner Fragesteller und was verheißt er seinen Schafen?

Jesus entgegnet, dass er es ihnen gesagt hat, sie aber nicht glauben, obwohl die Werke in seines Vaters Namen für ihn zeugen. Er stellt klar, dass sie nicht glauben, weil sie nicht zu seinen Schafen gehören; seinen eigenen Schafen gibt er dagegen ewiges Leben, sie werden in Ewigkeit nicht verloren gehen und niemand wird sie aus seiner oder des Vaters Hand rauben.

Mit welchem zentralen Satz offenbart Jesus sein Verhältnis zum Vater am Ende des Abschnitts?

Nachdem Jesus erklärt hat, dass der Vater, der ihm die Schafe gegeben hat, größer als alle ist und niemand etwas aus der Hand des Vaters rauben kann, schließt er mit der Auskunft über seine göttliche Wesenseinheit: „Ich und der Vater sind eins.“

Joh 10, 11-18 Der gute Hirt gibt sein Leben
Joh 10, 31-42 Ablehnung Jesu